Freitag, 22. Mai 2015

Das Imperium will mit seinen Kriegen keine Siege erringen, sondern nur bleibendes Chaos anrichten

Peter Koenig, ein Wirtschaftswissenschaftler und geopolitischer Analyst aus der Schweiz, untersucht die Absichten, die das US-Imperium mit seinen ständigen Kriegen verfolgt, und ruft die Weltbevölkerung zum Widerstand auf.

Von
Peter Koenig
Information Clearing House, 05.05.15

“Wieder sinkt ein vom Westen ‘befreites’ Land immer tiefer ins Chaos.” – Diese Feststellung gilt für alle Staaten, in denen Washington und seine Handlanger im Westen und im Mittleren Osten Kriege angezettelt und bleibendes Chaos, Elend und Tod gesät haben, um sie zu unterwerfen.

Bild Wikimedia, Chaos, gemeinfrei
Und genau darum geht es: Washington und die NATO verfolgen nicht die Strategie, einen Krieg zu “gewinnen” oder einen Konflikt zu beenden, sie wollen nur andauerndes Chaos anrichten. Damit verschafft sich der Westen die Möglichkeit, 1. Bevölkerungen, Staaten und deren Ressourcen zu kontrollieren, 2. immer wieder mit Militär und Waffen eingreifen zu können, was besonders für die USA wichtig ist, weil dort der Militärisch-industrielle Komplex und die mit ihm verbundenen Industrien und Dienstleistungsunternehmen rund 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaften, und 3. den zerstörten Ländern, die von ihm ins Chaos gestürzt wurden, zu erpresserischen Bedingungen Geld leihen, sie vom IWF, der Weltbank und anderen ausbeuterischen “Entwicklungsdiensten” und Geldverleihern abhängig machen und deren Bevölkerungen versklaven zu können, indem er ihre korrupten Regierungen besticht.

Es ist und war immer das gleiche Spiel – im Jemen, in der Ukraine, in Syrien, im Irak, im Sudan, in Zentralafrika, in Libyen und anderswo. Wer dabei gegen wenn kämpft, ist völlig unwichtig. Die vom Westen gekauften Mörderbanden agieren als ISIS / ISIL / IS / DAISH / DAESH (s. hier) / Al Qaida oder unter anderen Tarnnamen, um die Weltöffentlichkeit zu täuschen. Auch die USFirma, die Söldnerarmeen zur Verfügung stellt, und zuerst Blackwater, dann XE hieß und jetzt Academi heißt, darf dabei nicht vergessen werden. Diese Killerorganisationen prostituieren sich für das angelsächsisch-zionistische Imperium (aus USA, Großbritannien und Israel). Vor dessen Karren lassen sich aber auch Saudi-Arabien, Katar, Bahrain, andere Golfstaaten, Frankreich (und andere NATO-Staaten wie die Bundesrepublik Deutschland) spannen.

Der französische Präsident Hollande hat gerade mit Katar die Lieferung von 24 Rafale-Kampfjets für mehrere Milliarden Euro vereinbart, und in Riad wird er mit König Salman über den Verkauf weiterer Rafale-Kampfjets an Saudi-Arabien verhandeln. Das ist nicht nur ein gutes Geschäft, mit den Rafales lassen sich auch die vom Westen angeheuerten “Feinde” noch besser bekämpfen. Außerdem haben sie Hollande den Weg zur Teilnahme am Gipfel des Golf Cooperation Council am 5. Mai geebnet. Auf diesem Treffen wurden die “Krisen in der Region” behandelt, auch der Bombenkrieg im Jemen, den Washington im Auftrag seiner zionistischen Meister angezettelt hat; er richtet sich gegen “Rebellen”, die eigentlich nur eine gerechtere Regierung wollen. (Weitere Infos dazu hier.)

Der Westen bedient sich eines irreführenden Vokabulars, das wie ein Virus unser Gehirn – oder das, was davon übrig ist – befallen hat, so dass wir nicht mehr erkennen können, was das Gesagte wirklich bedeutet. Wir wiederholen die westliche Propaganda und glauben sie, auch weil sie uns von den Mainstream-Medien Tag für Tag eingetrichtert wird. Menschen, die gegen repressive Regime um ihre Freiheit und ums Überleben kämpfen, werden uns als “Terroristen” oder Rebellen verkauft. Die Flüchtlinge, die “für ein besseres Leben” vor den Konflikten fliehen, die Washington in afrikanischen Staaten und im Mittleren Osten (z. B. in Libyen, Mali, Somalia, im Jemen, in Syrien, im Irak oder in Afghanistan) angezettelt hat, und von denen allein im laufenden Jahr bereits mehr als 4.000 im Mittelmeer ertrunken sind, werden in “Immigranten” umbenannt. Häufig wird auch noch die diskriminierende Bezeichnung “illegal” hinzugefügt, um die Gewissen der Menschen im Westen zu betäuben. Sie sollen glauben, dass Armutsflüchtlinge eigentlich Bettler sind und illegale Immigranten eigentlich eingesperrt werden müssten. Die Flucht dieser Menschen hat angeblich nichts mit der Zerstörung und dem Chaos zu tun, das der Westen in den Heimatländern der “Immigranten” angerichtet hat. Die Herrschaften in Brüssel sollten sich schämen!

Zurück zum Chaos – Herr Hollande weiß natürlich sehr wohl, dass seine Kampfjets dem Ziel des Imperiums dienen, noch mehr Tod, Verwüstung, Elend, Chaos und Sklaverei in die umkämpften Regionen zu bringen und noch mehr Menschen zu Flüchtlingen zu machen, die im Mittelmeer ertrinken; Flüchtlinge können nämlich nicht mehr um ihr Land, ihre Ressourcen und ihre Freiheit, sondern nur noch um ihr eigenes Überleben und das ihrer Kinder und Familien kämpfen. Und das ist ja das eigentliche Ziel des Imperiums.

Ist jemand, der Waffen, Kampfjets und andere Tötungsmaschinen an Staaten verkauft, von denen er ganz genau weiß, dass sie diese Waffen verwenden werden, um Menschen umzubringen und ganze Länder zu verwüsten, kein Massenmörder oder Kriegsverbrecher übelster Sorte?

Herr Hollande ist aber nicht nur ein Kriegsverbrecher, er ist auch ein gieriger Geschäftemacher, der wenigstens einige Krumen der fetten Beute auf seinem Teller haben will und gleichzeitig hofft, mit seinen Herren und Meistern (in den USA) in einem Meer aus Milch und Honig schwimmen zu können. Glaubt er wirklich, die Wirtschaft seines großartigen Landes, das Männer wie Victor Hugo, Stendhal, Balzac und Dumas hervorgebracht hat, durch den Verkauf von Tötungsmaschinen an andere Handlanger des Imperiums retten zu können? Lässt es ihn völlig kalt, dass ihn mittlerweile 83 Prozent seiner Wähler verachten?

Unruhe stiften, Chaos und Elend verbreiten – das können Washington und seine Vasallen am besten. Sie wollen ihre Kriege nicht “gewinnen”, sie wollen nur andauerndes Chaos und bleibende Unsicherheit erzeugen, um die überfallenen Völker leichter unterwerfen zu können; das nennen sie dann “totale Überlegenheit”.

Und weil die US-Streitkräfte und ihr verlängerter Arm – die NATO – nicht überall sein können und auch nicht überall gesehen werden wollen, heuern sie Killerbanden an. Washington erfindet und erschafft sie und hält sie mit nie versiegenden Geldströmen am Leben – unabhängig davon, ob sie ISIL, Daesh oder Al Qaida heißen; diese Killerbanden lassen sich beliebig vermehren, und sie kämpfen, töten, begehen Anschläge unter falscher Flagge und erzeugen überall da Chaos, wo ihre Meister in Washington es wollen; dann können das Pentagon und die NATO Truppen schicken, und so tun, als wollten sie die Killer bekriegen, die sei selbst geschaffen haben und bezahlen. Diese Wahrheit berichten die Mainstream-Medien natürlich nicht.

Sie suggerieren der Öffentlichkeit, im Jemen würden die Huthis, eine weltlich und humanitär ausgerichtete linke Gruppierung, und die Sunniten gegeneinander um die Macht kämpfen, und die Saudis und ihre Kumpane vom Golf Cooperation Council / GCC würden gerade versuchen, den Jemen von einer Bande von Terroristen zu befreien; weil die schiitischen Huthis vom schiitischen Iran unterstützt würden – was ein UN-Offizieller erst kürzlich vehement bestritten hat – müssten sie unbedingt bekämpft werden. Und Washington nutzt natürlich die Gelegenheit, den Iran erneut zu diskriminieren. Wenn die Huthis geschlagen und in ausreichender Zahl getötet sind, kann ein neuer Marionettenpräsident installiert werden, der wie seine Vorgänger Salih und Hadi der US-Regierung hörig ist, die Bevölkerung des Jemen unterdrückt und Washington einen ungehinderten Zugang zum strategisch wichtigen Hafen Aden und zum Persischen Golf ermöglicht.

In der Ukraine passiert das Gleiche: Gibt es auch dort unter einem anderen Namen Killerbanden wie den ISIS / ISIL / Daesh oder Al Qaida? (Weitere Infos dazu hier) – Ich wette, dass es sie gibt, und dass sie unter dem Befehl der CIA und zusammen mit rund 6.000 US-Soldaten, die natürlich als Ausbilder fungieren, den Kiewer Truppen beibringen, wie sie am besten und schnellsten ihre Brüder im Donbass umbringen und andauerndes Chaos stiften können. Und wenn sich ukrainische Soldaten weigern sollten, ihre Brüder im Donbass zu töten, wird sie das Kiewer Nazi-Regime als Verräter erschießen lassen, bis sich niemand mehr widersetzt.

Die US-Militärberater und die CIA legen es darauf an, mit Hilfe ihrer angeheuerten Killer – den Kiewer Nazis, dem ISIS oder Daesh und der Al Qaida – den russischen Präsidenten Putin in einen Krieg, vermutlich den Dritten Weltkrieg, zu treiben. Der dritte Weltkrieg in kaum mehr als hundert Jahren würde nicht nur Europa, sondern möglicherweise wirklich die ganze Welt verwüsten. Bisher ist der Welt diese Katastrophe nur dank der klugen Deeskalationsstrategie Putins erspart geblieben.

Deshalb ist es keine Frage, ob ISIS oder Daesh und Al Qaida auch in der Ukraine zu Gange sind. Sie sind überall da, wo das Imperium sie hinschickt, denn dafür werden sie ja bezahlt. Sie stehen allzeit und überall zu Diensten – wie speziell ausgebildete, gut bezahlte Prostituierte. Die ideologische Verbrämung (der von ihnen angezettelten Konflikte) dient nur als Feigenblatt, mit dem die westlichen Medien die dahinter verborgenen Absichten (des Imperiums) tarnen, um uns die Botschaft einzuhämmern, alle Muslime seien böse, einige sogar besonders böse. Deshalb müsse sie der Westen bekämpfen, weil sie eine reale Gefahr für unsere Freiheit, unsere Freizügigkeit, unsere Demokratie und besonders für unsere neoliberalen freien Märkte seien.

Das ultimative Ziel besteht darin, Menschen zur Handelsobjekten zu degradieren – die jederzeit als Kanonenfutter für Kriege zur Verfügung stehen und als Opfer von Drohnen- und Bombenangriffen, vergifteter und genetisch modifizierter Nahrung oder durch bewusst herbeigeführte Hungersnöte ausgerottet werden können, damit die Überlebenden von einer kleinen Elite, die den gesamten Erdball mit all seinen Ressourcen kontrolliert, als Sklaven ausgebeutet werden können. Ja, auch die auserwählte Nation (USA) soll auf eine auserwählte kleine Elite zusammenschrumpfen, die ungestört in unermesslichem Luxus leben will.

Erinnern Sie sich an die berüchtigte Äußerung, die Henry Kissinger, einer der größten noch lebenden Kriegsverbrecher, dem ebenfalls der Friedensnobelpreis verliehen wurde, vor fünfzig Jahren gemacht hat: “Wer die Nahrungsmittelversorgung kontrolliert, kontrolliert ganze Völker, wer die Energie kontrolliert, kontrolliert ganze Kontinente, und wer das Geld kontrolliert, kontrolliert die Welt.”

Dieser Ausspruch wird jeden Tag wahrer. Aber nur so lange, wie wir das zulassen – wir, die 99,999 % der Weltbevölkerung.

Peter Koenig ist ein Wirtschaftswissenschaftler und geopolitischer Analyst und hat früher für die Weltbank gearbeitet. Er hat sich intensiv mit Umweltproblemen und der Trinkwasserversorgung der ganzen Welt beschäftigt. Er ist der Autor des Buches “Implosion – An Economic Thriller about War, Environmental Destruction and Corporate Greed” (Implosion – ein Wirtschaftskrimi über Krieg, Umweltzerstörung und die Habgier der Konzerne, zu beziehen über amazon), eines auf Fakten basierenden Romans über Erfahrungen, die er in seiner 30-jährigen Arbeit für die Weltbank auf dem ganzen Globus gesammelt hat. (Weitere Infos über ihn sind hier nachzulesen und zu hören).

Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

Donnerstag, 21. Mai 2015

Aus der Reihe die Verheißungen des Kapitalismus heute - EZB-Insider-Informationen: Finanzmafia unter sich

Mowitz
Die Europäische Zentralbank, (EZB), immer mächtiger werdendes Organ der EU, deren hauptsächliche Aufgabe darin besteht für einen stabilen Euro zu sorgen, und große Schwankungen des Euro zu vermeiden, nimmt sich immer größere Freiheiten, die so sicher nicht vom Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union, (AEUV oder AEU-Vertrag), gedeckt sind.

So berichtet RT DEUTSCH, dass Hedgefonds-Manager und Banker vorzeitig über EZB-Pläne informiert wurden, dass die EZB das Ankaufprogramm für Staatsanleihen noch vor dem Hochsommer intensivieren werde. Da werden Milliarden bewegt und gibt ausgezeichnete Möglichkeiten für diejenigen der Finanz-Oligarchie, die über dieses Wissen vor anderen Oligarchen erfuhren, sich richtig aufzustellen um schnell etliche Milliarden zu machen, die sie ohne Vorinformation nicht hätten machen können.

Benoît Cœuré, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank, übernahm die delikate Aufgabe, am Montagabend um 19:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit im luxuriösen Londoner “Berkeley Hotel” Vertreter der Finanzoligarchie zu treffen, um sie über die Pläne der EZB in Kenntnis zu setzen. Erst am Dienstagmorgen um 9:00 Uhr wurde die breite Öffentlichkeit darüber informiert. Achteinhalb Stunden Kenntnis-Vorsprung sind im digitalen Zeitalter, fast wie ein Jahr während der Weltwirtschaftskrise die mit dem New Yorker Börsencrash im Oktober 1929 begann.

Unter den anwesenden Großspekulanten, durfte natürlich nicht der gerne als Philanthrop, (Menschenfreund), auftretende Wettkönig George Soros (85) fehlen, der im September 1992 auf die Abwertung des britischen Pfunds wettete, am Ende damit rund eine Milliarde US-Dollar verdiente und den Mythos der britischen Zentralbank zerstörte. Ich sehe in vor meinem inneren Auge, wie er sicher nach Ende der Sitzung im Londoner "Berkeley Hotel" auf altersschwachen Beinen zur nächsten Telefonzelle wetzte, um sich und seine Mithelfer richtig am Finanzmarkt aufzustellen; oder sich zum hotelinternen Lokus zu bewegen, um ein Handy zu bedienen.

Bild Wikimedia, Copyleft
Vampir des Nosferatu-Typs (Illustration)
Das nennt man auch Insiderhandel. Und der soll ja verboten sein. Aber allein schon die Anwesenheit des französischen Mitglieds des Direktoriums der Europäischen Zentralbank, Benoît Cœuré, der den erwartungsvoll angereisten "Menschenfreunden" die frohe Botschaft freudestrahlend überbrachte, sorgte sicher schon für eine Aufhebung des Verbotsprinzips.
"Verbot des Insiderhandels in Deutschland

Insiderhandel betreibt, wer eine Wertpapierorder erteilt oder auslöst und dabei Insiderinformationen ausnutzt. Nach § 14 Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) ist es verboten:
  • unter Verwendung einer Insiderinformation Insiderpapiere für eigene oder fremde Rechnung oder für einen anderen zu erwerben oder zu veräußern,
  • einem anderen eine Insiderinformation unbefugt mitzuteilen oder zugänglich zu machen,
  • einem anderen auf der Grundlage einer Insiderinformation den Erwerb oder die Veräußerung von Insiderpapieren zu empfehlen oder einen anderen auf sonstige Weise dazu zu verleiten.

Diese Handlungen sind gemäß § 38 Abs. 1 WpHG jeweils mit Freiheitsstrafen bis zu 5 Jahren oder Geldstrafen bedroht." Wikipedia

Die frühzeitig Informierten dürften ihre Einsätze vervielfacht haben. Experten bezifferten die “Wettgewinne” mit bis zu 2.000 Prozent. Das heißt, mit einer Milliarde Euro Einsatz könnten so circa zwanzig Milliarden Euro erzielt werden.

FH

Mittwoch, 20. Mai 2015

Immanuel Wallerstein: Die globale Systemkrise und der Kampf um eine postkapitalistische Welt


Video 23:06 >>>

Gäste: 
Immanuel Wallerstein, Professor an der Yale University, USA. Weltweit bekannt als Begründer der Weltsystem-Theorie, von 1994-1998 Präsident der International Sociological Association und Autor zahlreicher Bücher

Der Zerfall der Mittelklasse und das Ende des kapitalistischen Weltsystems >>>

20.05.2015
Die zunehmenden ökonomischen und politischen Verwerfungen, von der Ukraine über den Mittleren Osten und Nordafrika bis zur Eurokrise, seien Symptome einer weltweiten systemischen Krise, so Immanuel Wallerstein. Das globale kapitalistische System stoße an seine Grenzern, weil ihr Motor, die endlose Akkumulation von Kapital, ins Stottern geraten sei. Darüber könne auch der Erfolg von Einzelunternehmen wie Apple nicht hinwegtäuschen. Eine der Ursachen für die Krise sei die Tatsache, dass weltweit immer mehr Arbeit durch Maschinen ersetzt wird, und zwar auch in den Dienstleistungsberufen der Mittelklasse. Die Folge: Immer weniger Menschen haben das Geld, um die produzierten Warenmassen aufzukaufen, Investitionen lohnen sich kaum noch, die Spekulation blüht. Diese Situation könne innerhalb des Systems nicht gelöst werden, sondern erst, wenn aus der chaotischen Übergangsphase, in der wir uns befinden, etwas ganz Neues entstanden sei.

Die ohnmächtige Supermacht: Warum das US-Imperium trotz Militärmacht zerbröckelt / TTIP als Hegemonieprojekt wird scheitern >>>

20.05.2015
Trotz ihrer überlegenen militärischen Stärke schwinde die Hegemonialmacht der USA zusehends. Afghanistan und Irak hätten diese Ohnmacht offenbart, so Wallerstein. Da der Einsatz größerer Bodentruppen in den USA politisch nicht durchsetzbar sei, könne das US-Militär nur Bomben werfen. Die Bombardierungen würden aber lediglich dazu führen, dass immer mehr Menschen weltweit die USA als Feind sehen. Auch Bündnispartner seien zusehends unwillig, für US-Interessen Krieg zu führen. Daher sei der mit Abstand größte Militärapparat der Welt für die USA politisch nutzlos. Mit Investitions- und Freihandelsabkommen wie TTIP und TPP versuchten die USA zwar, die Position von US-Firmen zu stärken, aber diese Verträge würden wegen des enormen Widerstandes - sowohl in den USA als auch in Europa und im Pazifischen Raum - scheitern.

Ukraine: Neutralität als einzige Lösung / Deutschland trotz Lippenbekenntnissen gegen EU-Mitgliedschaft der Ukraine >>>

20.05.2015
Das wesentliche Ziel Russlands im Ukraine-Konflikt sei es, eine NATO- und EU-Mitgliedschaft des Landes zu verhindern, so Wallerstein. Wenn diese Bedingung erfüllt sei, wäre Russland zufriedengestellt. In den USA gebe es jedoch starke Kräfte, die eine solche Lösung zu sabotieren versuchten. Allerdings gebe es bisher niemanden, der bereit sei, die Rechnung für den wirtschaftlichen Zusammenbruch der Ukraine zu zahlen, auch die USA nicht. Deutschland und Frankreich wiederum würden zwar mit Lippenbekenntnissen die US-Position unterstützen, tatsächlich aber keine Mitgliedschaft der Ukraine in EU und NATO wollen, um die engen Beziehungen zu Russland nicht zu gefähren. Da der Konflikt angesichts der Atombewaffnung Russlands militärisch nicht zu lösen sei, käme in dieser Pattsitation nur eine "Finnlandisierung" - also die Neuträlität - der Ukraine als Lösung in Frage.

Was kommt nach dem Kapitalismus? Die Suche nach Alternativen und die Irrtümer der Alten Linken >>>

20.05.2015
Angesichts der strukturellen Krise des kapitalistischen Weltsystems sei ein Kampf um mögliche Nachfolgesysteme entbrannt - auch wenn sich die meisten Menschen noch nicht im Klaren darüber seien. Im Chaos des Übergangs würde jede Handlung ins Gewicht fallen, wie bei dem berühmten Schmetterlingseffekt: Selbst der Flügelschlag eines Schmetterlings kann einen Sturm auslösen. Das "Lager von Davos" strebe ein neues System an, in dem die Privilegien der bisherigen Eliten und die negativern Aspekte des Kapitalismus erhalten bleiben: Hierarchie, Ausbeutung, Ungleichheit. Auf der anderen Seite kämpfe das "Lager von Porto Alege" für eine relativ egalitäre und demokratische Welt. Entscheidend sei es, aus den Fehlern der Alten Linken zu lernen: Statt auf Zentralisierung und interne Hierarchie zu setzen, die zu endlosen Spaltungen führe, gelte es horizontale Netzwerkstrukturen weiterzuentwickeln.