Dienstag, 23. September 2014

Wer nimmt am "islamischen Emirat" teil?

von Thierry Meyssan
Voltaire Netzwerk
Übersetzung Horst Frohlich
Während die westliche Öffentlichkeit mit Informationen über die Bildung einer sogenannten internationalen Koalition zur Bekämpfung des "islamischen Emirats" überschwemmt wird, ändert sich dieses unauffällig in seiner Form. Seine wichtigsten Offiziere sind bereits nicht mehr Araber, sondern Georgier und Chinesen. Für Thierry Meyssan zeigt diese Wende, dass die NATO in Kürze das "islamische Emirat" in Russland und China einsetzen will. Daher müssen diese beiden Länder jetzt gegen die Dschihadisten eingreifen, bevor sie zurückkommen und Chaos in ihrem Herkunftsland verbreiten.

Das "islamische Emirat" hat zuerst seinen arabischen Ursprung angegeben. Diese Organisation ist aus "Al-Kaida im Irak" hervorgegangen, die nicht die amerikanischen Invasoren bekämpfte, sondern die irakischen Schiiten. Sie wurde das "Islamische Emirat im Irak", dann das „Islamische Emirat im Irak und in der Levante“. Im Oktober 2007 beschlagnahmte die US-Armee in Sindschar ungefähr 606 Karteikarten von ausländischen Mitgliedern dieser Organisation. Sie wurden von Experten der Militär-Akademie West Point ausgesondert und geprüft.

Einige Tage jedoch nach dieser Beschlagnahmung sagte der Emir al-Baghdadi, dass seine Organisation nur 200 Kämpfer habe und sie alle Iraker wären. Diese Lüge ist mit der, anderer terroristischer Organisationen in Syrien vergleichbar, die behaupten, nur vorübergehend Fremde zu zählen, obwohl die syrische arabische Armee schätzt, dass mindestens 250.000 ausländische Dschihadisten in den letzten drei Jahren in Syrien gekämpft hätten. Darüber hinaus behauptet jetzt der Kalif Ibrahim (neuer Name des Emir al-Baghdadi), dass seine Organisation weitgehend aus Ausländern bestünde, dass das syrische Gebiet nicht mehr für die Syrer sei und das irakische Territorium nicht mehr für die Iraker, aber dass sie für die Dschihad-Kämpfer seien.

Laut der beschlagnahmten Unterlagen in Sindschar wären 41 % der ausländischen Terroristen, Mitglieder des "Islamischen Emirats im Irak", saudischer Nationalität, 18,8 % wären Libyer und nur 8,2 % Syrer. Wenn man diese Zahlen mit der Bevölkerung von den betreffenden Ländern vergleicht, hat die libysche Bevölkerung proportional zweimal mehr Kämpfer als Saudi Arabien und 5-mal mehr als die von Syrien erstellt.

Was die syrischen Dschihadisten betrifft, war ihr Ursprung über das ganze Land verteilt, aber 34, 3 % kamen aus der Stadt Deir-Ez-Zor, die seit dem Rückzug des "Islamischen Emirats" aus Raqqa die Hauptstadt des Kalifats geworden ist.

In Syrien hat Deir-Ez-Zor die Besonderheit, vor allem von sunnitischen, in Stämmen organisierten Arabern und kurdischen und armenischen Minderheiten bewohnt zu sein. Nun gelang es den Vereinigten Staaten bisher nur Afghanistan, Irak und Libyen zu zerstören, d.h. Länder, in denen die Bevölkerung in Stämmen organisiert ist. Sie scheiterten jedoch überall anderswo. Aus dieser Sicht können insbesondere Deir-Ez-Zor und der ganze Nordosten von Syrien daher möglicherweise erobert werden, nicht aber der Rest des Landes, wie man es seit drei Jahren sieht.

Seit zwei Wochen wirkt sich eine Säuberungsaktion auf Offiziere aus dem Maghreb aus. So wurden die Tunesier, die den militärischen Flughafen in Raqqa am 25. August eingenommen hatten, wegen Ungehorsam verhaftet, und von ihren Vorgesetzten hingerichtet. Das "Islamische Emirat" beabsichtigt, an ihre Stelle seine arabischen Kämpfer zu setzen und tschetschenische Offiziere, die freundlicherweise durch die georgischen Geheimdienste zur Verfügung gestellt wurden, zu fördern.

Eine andere Kategorie von Dschihadisten erscheint: die Chinesen. Seit Juni transportierten die Vereinigten Staaten und die Türkei Hunderte von chinesischen Kämpfern und ihre Familien in den Nordosten von Syrien. Einige von ihnen wurden sofort Offiziere. Diese sind vor allem Uiguren, Chinesen aus der Volksrepublik China, aber sunnitische Muslime und von türkischer Sprache.

Daher ist klar, dass letztlich das "islamische Emirat" seine Aktivitäten auf Russland und China erweitern wird, dass diese beiden Länder das endgültige Ziel sind.

Wir werden sicher eine neue Mitteilungskampagne von der NATO erleben: ihre Luftstreitkräfte werden die Dschihadisten aus dem Irak vertreiben und sie in Deir Ez-Zor sesshaft werden lassen. Die CIA wird den "revolutionären syrischen Gemäßigten" (SIC!), die dann ihr Wappen ändern werden, Geld, Waffen, Munition und Informationen zukommen lassen und sie werden sie unter der Flagge des "Islamischen Emirats", wie es seit Mai 2013 der Fall ist, verwenden.

Damals war Senator John McCain illegal nach Syrien gekommen, um den Generalstab der FSA zu treffen. Nach der damals ausgestrahlten Fotografie, um das Treffen zu bestätigen, gehörte diesem Stab ein gewisser Abu Du’a an, offiziell unter dem Namen Abu von dem US-State Department recherchiert, der in Wirklichkeit der aktuelle Kalif Ibrahim war. So war derselbe Mann - zugleich und zur gleichen Zeit - ein moderater Führer der FSA und ein extremistischer Chef des "islamischen Emirats".

Anhand dieser Information sollte man den wahren Wert des am 14. Juli durch den syrischen Botschafter Baschar al-Dschafari dem Sicherheitsrat überreichten Dokumentes einschätzen. Es handelt sich um einen Brief vom Oberbefehlshaber der FSA, Salim Ibrahim, datiert vom 17. Januar 2014. Man liest: „Ich informiere Sie hiermit, dass die vom Generalstab an die Führer der revolutionären militärischen Räte geschickte Munition verteilt werden muss, gemäß der Vereinbarung, zu zwei Drittel an die Kriegsherren der al Nusra-Front, das restliche Drittel geteilt für das Militär und die Revolutionäre, für den Kampf gegen die EIIL- Bande. Wir danken Ihnen, uns den Lieferungsnachweis der ganzen Munition zu senden, mit Angabe der Mengen und Qualitäten, unterzeichnet von den Führern und Kriegsherren in Person, so dass wir sie an die türkischen und französischen Partner weitergeben können.“ Mit anderen Worten, zwei Mächte der NATO (die Türkei und Frankreich) haben Munitionslieferungen durchgeführt, für zwei Drittel an die al-Nusra Front (durch den UNO-Sicherheitsrat als Mitglied der Al-Kaida klassifiziert) und zu einem Drittel an die FSA, damit sie gegen das "Islamische Emirat" kämpfen, dessen Leiter einer ihrer höheren Offiziere ist. In Wirklichkeit ist die FSA vom Boden verschwunden und die Munition war daher zu zwei Drittel der Al-Kaida und zu einem Drittel dem "islamischen Emirat" bestimmt.

Dank dieser doppelspielartigen Vorrichtung wird die NATO weiterhin ihre Dschihadisten-Horden gegen Syrien schicken, und gleichzeitig vorgeben sie zu bekämpfen.

Jedoch wenn die NATO das Chaos überall in der arabischen Welt, auch bei ihrem saudischen Verbündeten verbreitet haben wird, wird sie das "Islamische Emirat" gegen die beiden in Entwicklung stehenden Großmächte, Russland und China wenden. Deshalb sollten diese beiden Mächte jetzt sofort eingreifen und die private Armee, die die NATO gerade aufbaut und in der arabischen Welt trainiert, im Keim ersticken. Andernfalls müssten Moskau und Peking sie bald auf eigenem Boden bekämpfen.

Montag, 22. September 2014

Russell-Tribunale zur Ukraine und zu Gaza

Von Stephen Lendman
SteveLendmanBlog, 14.09.14
Das Russell-Tribunal wird von Friedensaktivísten organisiert; es ist auch als International War Crimes Tribunal (als Internationales Tribunal gegen Kriegsverbrechen) bekannt.

Das Russell-Tribunal verurteilt die ständigen Kriege der USA und stellt sich den (US-)Extremisten entgegen, die mit Gewalt eine Neue Weltordnung herbeibomben wollen. Es setzt sich zusammen aus Akademikern, Intellektuellen und Künstlern.

Das International War Crimes Tribunal wird inspiriert vom BRussells Tribunal, das nach dem berühmten Philosophen, Kriegsgegner und antiimperialistischen Aktivisten Bertrand Russell (1872 – 1970), benannt wurde. (Weiter Informationen dazu sind hier und hier nachzulesen.)

Russell hat schon vor vielen Jahren gewarnt:

"Wenn die Menschheit den Krieg nicht ächtet, wird er die menschliche Rasse auslöschen." Nur dann können wir in Frieden überleben – eine andere Möglichkeit gibt es nicht.

Vorhergehende Tribunale haben Kriegsverbrechen in Vietnam, im Irak und in Palästina untersucht und sich mit Menschenrechtsverletzungen in Lateinamerika und in der Psychiatrie beschäftigt.

Am 24. und 25. September ist ein außerordentliches Tribunal in Brüssel geplant, das sich mit der "Operation Protective Edge" (dem jüngsten israelischen Überfall auf Gaza) befassen soll.

Entsetzen über die dabei begangenen völkermörderischen Kriegsverbrechen haben zu seiner Einberufung geführt.

Bei dieser Sitzung werden die Kriegsverbrechen, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit und der Völkermord untersucht, die Israel vorgeworfen werden.

(Heckenschütze US-Präsident: Ich bin Gott!)
Cartoon: Carlos Latuff, Wikimedia, copyright free
Auch mit der Beteiligung dritter Staaten (am Überfall auf Gaza) will man sich beschäftigen.

Auf einer internationalen Pressekonferenz, die für den 25. September geplant ist, werden renommierte Mitglieder des Tribunals die Untersuchungsergebnisse vorstellen.

Am gleichen Tag werden sie auch vom Europäischen Parlament empfangen. Außerdem werden sie der Generalversammlung der Vereinten Nationen in deren 69. Sitzung einen Bericht vorlegen.

Das Russell-Tribunal ist "unser aller Tribunal". Damit es gehört wird, braucht es die Unterstützung der Öffentlichkeit. Seine Arbeit ist wichtiger als jemals zuvor, weil das Überleben der Menschheit auf dem Spiel steht.

Am 13. September hat Russia Today / RT einen Artikel mit der Überschrift "Schuldig! Russell-Tribunal verurteilt Obama und Poroschenko wegen der Kriegsverbrechen in der Ukraine" veröffentlicht. Darin wird mitgeteilt:

Am Samstag hat in Venedig in Italien "ein informelles Russell-Tribunal" getagt.

Seine Entscheidungen haben keine juristischen Folgen, üben aber weltweit Einfluss auf die öffentliche Meinung aus.

Die Erkenntnisse des Russell-Tribunals über die Vorkommnisse in der Ukraine werden auch dem UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon, den EU-Staaten, dem International Criminal Court / ICC und anderen internationalen Gremien übersandt.

Die Richter des Russell-Tribunals haben befunden:

"Das Russell-Tribunal, das zusammengetreten ist, um die Kriegsverbrechen im Donbass (im Südosten der Ukraine) an Hand von vorgelegten Beweisen zu untersuchen, machte den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, den US-Präsidenten Barack Obama, den Vorsitzenden der EU-Kommission José Manuel Barroso und den NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen für den Krieg gegen die Menschen im Donbass verantwortlich."

Das Gericht setzte sich aus Einwohnern Venedigs zusammen. Albert Gardin, der Präsident der Region Venetien, führte den Vorsitz.

Amnesty International und andere Menschenrechtsorganisationen waren eingeladen, sind aber nicht erschienen.

Sie haben sich für einen Platz auf der falschen Seite der Geschichte entschieden und unterstützen häufig Entwicklungen, die zu verurteilen sind.

Galina Kozhushko vertrat die Selbstverteidigungskräfte von Lugansk und Donezk. Sie ist in Lugansk geboren, wohnt aber zur Zeit in Italien.

"Aus den friedlichen Protesten im Donbass hat sich bewaffneter Widerstand entwickelt, weil die Anliegen der Protestierenden (von Kiew) ignoriert wurden," sagte sie aus.

"(Die Angreifer aus Kiew) haben Schulen, Krankenhäuser, Pflegeheime und Kirchen zerstört."

"Die Menschen in Lugansk konnten es zunächst nicht glauben, dass ihre eigene Regierung nicht davor zurückschreckt, sie sogar zu töten."

Giulietto Chiesa, ein Journalist und ehemaliger Abgeordneter des Europa-Parlaments, nannte die Vorkommnisse im Südosten der Ukraine "eine von den USA geplante Provokation Russlands".

"Die Ukraine wurde schon lange vorher von den USA vereinnahmt," erklärte er. "Wenn die NATO wirklich ihre Truppen an die Grenzen Russlands vorverlegt, befinden wir uns auf der Schwelle eines Krieges zwischen dem Westen und Russland."

Die Gewalt brach im April aus, als Kiew der eigenen Bevölkerung den Krieg erklärte.

Die Freiheitskämpfer im Südosten der Ukraine lehnen es ab, von Faschisten regiert zu werden. Sie erkennen die Regierung (der Putschisten in Kiew) nicht an.

Sie fordern Demokratie und regionale Autonomie. Sie wollen das Recht, sich selbst zu verwalten. Und sie verdienen weltweite Unterstützung.

Die Kämpfe haben viele Opfer gefordert. Tausende Menschen wurden getötet und noch mehr verletzt.

Hunderttausende wurden innerhalb und außerhalb der Ukraine zu Flüchtlingen.

Obwohl beide Seiten am 5. September eine Waffenruhe vereinbart haben, flackern die Kämpfe immer wieder auf.

Washington trägt die volle Verantwortung dafür, weil es die Kiewer Regierung aus dem Hintergrund manipuliert.

Weil der Frieden sehr brüchig ist, kann der Konflikt jederzeit wieder eskalieren.

Die US-Regierung will Krieg und keine friedliche Einigung. Sie sagt, wo es langgeht, und ihre willigen Handlanger in Kiew führen nur die US-Befehle aus.

Die US-Regierung will den Konflikt mit Russland unbedingt verschärfen. Sie möchte alle ehemaligen Sowjetrepubliken und alle Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes in die NATO aufnehmen.

Sie umzingelt Russland mit US-Basen und bedroht sein Kernland mit Interkontinentalraketen, die mit Mehrfachsprengköpfen bestückt sind.

Die US-Regierung will Russlands Einfluss verringern, Russland schwächen, isolieren und schließlich ebenfalls vereinnahmen und in eine weitere US-Kolonie verwandeln.

Die US-Regierung möchte (mit Russland) einen Hauptrivalen beseitigen, ihm seine Ressourcen stehlen und seine Menschen ausbeuten.

Sie möchte Eurasien, die größte Landmasse der Welt, durch Balkanisierung neu aufteilen, in Ministaaten aufsplittern und dadurch neutralisieren.

Das US-Imperium will wachsen und auch China isolieren. Das langfristige Ziel Washingtons ist die unangefochtene Weltherrschaft.

Die endlosen Kriege sind Teil der US-Strategie, mit der dieses Ziel erreicht werden soll. Der Weltfrieden hängt an einem seidenen Faden und wird von den US-Extremisten bedroht, die eine neue Weltordnung herbeibomben wollen.

Willkommen im Zweiten Kalten Krieg! Die Politik des Westens ist vorprogrammiert, aber Russland wird sich nicht von den USA übertölpeln lassen.

Putin wird die Souveränität Russlands (mit allen Mitteln) verteidigen, weil sie ihm zu wichtig ist. Deshalb setzt er sich gegen die imperiale Gesetzlosigkeit der (US-Regierung) zur Wehr.

Er tut das, weil er im Recht ist, und er tut das sehr mutig. Deshalb betrachtet ihn Washington auch als Staatsfeind Nr. 1.

Der Krieg gegen ISIS / ISIL / IS ist nur ein Vorwand, mit dem die US-Regierung die uneingeschränkte Kontrolle über den Mittleren Osten gewinnen will. Aber Eurasien bleibt im Auge des Sturms.

"Wer steckt hinter dem Projekt Islamischer Staat / IS?" fragte Michel Chossudovsky.

"Noch vor Kurzem wurden seine Anhänger als oppositionelle syrische Freiheitskämpfer dafür gefeiert, dass sie 'die Demokratie wieder herstellen' und Assads weltliches Regime stürzen wollten."

Chossudovsky fragte auch: "Wer steckt hinter dem 'dschihadistischen Aufstand' in Syrien?"

Er sieht dunkle Kräfte in Washington "hinter dem Kalifat-Projekt".

"Die Miliz des Islamischen Staates / IS, gegen die sich die angeblich nur zur 'Terrorbekämpfung' durchgeführten jüngsten Bombenangriffe der USA und der NATO richten, wurde und wird immer noch insgeheim von den USA und ihren Verbündeten unterstützt."

Der IS ist ein Geschöpf der US-Geheimdienste und wird auch von Großbritannien, Israel und dunklen Kräfte in anderen Schurkenstaaten gefördert.

Diese Kräfte stützen auch den faschistischen Extremismus in der Ukraine, weil sie um jeden Preis die Demokratie verhindern wollen.

Der Staatsterrorismus ist zur offiziellen Politik der USA geworden. Das Streben nach Frieden wird nur vorgegaukelt, während immer neue Kriege angezettelt werden. Schurkenstaaten gehen nun mal so vor.

Mit erfundenen Feinden will die US-Regierung nur von ihren imperialistischen Zielen ablenken. Obama trägt die volle Verantwortung dafür. Er setzt den Krieg gegen die Freiheit auch in der Ukraine fort.

Bald wird er auch in Syrien bombardieren. Obama streckt die Hand nach der ganzen Region aus und will sie komplett unter seine Kontrolle bringen.

Seine Absichten bedrohen den Weltfrieden. Es könnte sein, dass die Menschheit seine zweite Amtszeit nicht überlebt. Deshalb muss er gestoppt werden, bevor es zu spät ist.

Zum Schluss möchte ich noch auf das Verhalten Russlands eingehen.

Am 12. September hat Putin gefragt, was die neuen Sanktionen des Westens bewirken sollen?

"Während wir uns einer friedlichen Lösung des Konflikts (in der Ukraine) nähern, unternimmt der Westen Schritte, die den Friedensprozess stören," erklärte er.

"Wir haben uns doch angenähert. Deshalb kann ich nicht verstehen, wozu die neuen Sanktionen gut sein sollen."

"Ich habe schon wiederholt darauf hingewiesen, dass unsere westlichen Partner erst den verfassungswidrigen Staatsstreich (in Kiew) inszeniert und dann die Strafaktion im Südosten (der Ukraine) unterstützt haben; und obwohl sich jetzt eine friedliche Lösung abzeichnet, werden schon wieder gezielte Schritte zur Störung des Einigungsprozesses unternommen."

"Warum geschieht das?" fragte Putin. Die Sanktionen seien kontraproduktiv und würden nicht greifen. Russland werde aber angemessen reagieren.

Das geschehe nur, um den Schaden für den Handel und die Industrie Russlands zu begrenzen. Dabei gehe es nicht darum, "zu beweisen, wie stark Russland ist".

Am 13. September erklärte der russische Außenminister Sergei Lawrow, Washington versuche "die Krise in der Ukraine auszunutzen, um die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und Russland zu zerstören und Europa zum Kauf überteuerten US-Erdgases zu zwingen".

Die US-Regierung schlachte die Ukraine-Krise aus, "um Europa wirtschaftlich von Russland zu trennen und möglichst günstige Voraussetzungen für die Verhandlungen über die Transatlantic Trade and Investment Partnership / TTIP zu schaffen.

Sie wolle die Belieferung Europas mit verflüssigtem Erdgas aus den USA durchsetzen – zu einem Preis, der viel höher als der für das russische Erdgas zu zahlende wäre. (s. hier).

Russland liefere zur Zeit etwa ein Drittel des von der EU benötigten Erdgases. Lawrow wies auch darauf hin, dass die EU Gefahr laufe, ihre Wirtschaft der US-Außenpolitik zu opfern.

Arsenij Jazenjuk, der an die Macht geputschte Ministerpräsident der Ukraine, hat Moskau am Samstag den lächerlichen Vorwurf gemacht, "die Unabhängigkeit der Ukraine beseitigen" zu wollen.

Putin wolle sich erst die ganze Ukraine aneignen und anschließend nach und nach wieder die frühere "Sowjetunion" errichten.

Jazenjuk forderte die NATO-Mitgliedschaft für die Ukraine. "Nur die NATO kann die Ukraine (vor Putin) schützen," behauptete er.

Russland wird sich nicht einschüchtern lassen. Es wird keine US-kontrollierten NATO-Basen an seinen Grenzen dulden.

Die Aufnahme der Ukraine in die NATO wäre eine ungeheure Provokation. Stellen Sie sich vor, Russland betriebe Basen in Kanada und/oder in Mexiko.

Stellen Sie sich vor, russische Kriegsschiffe würden vor der Ost- und Westküste der USA oder im Golf von Mexiko patrouillieren.

Machen Sie sich klar, dass die US-Regierung Krieg will, und bedenken Sie die Warnung Bertrand Russells.

Wir haben die Wahl zwischen dem Überleben der Menschheit und einem (Dritten und letzten) Weltkrieg. Wir müssen uns entscheiden.


Stephen Lendman lebt in Chicago. Er ist über lendmanstephen@sbcglobal.net zu erreichen. Ein neues Buch, an dem er als Herausgeber und Autor mitgewirkt hat, trägt den Titel "Flashpoint in Ukraine: US Drive for Hegemony Risks World War III" (Brennpunkt Ukraine: Die USA riskieren mit ihrem Streben nach Weltherrschaft den Dritten Weltkrieg, s. dazu auch hier). Lendman betreibt den Blog http://sjlendman.blogspot.de/ und das Radioprogramm Progressive Radio News Hour.

Übersetzung luftpost-kl.de