Die Ukraine hat heute auch die letzte der vier Transitpipelines nach Europa geschlossen. Es fließe seit Mittwochmorgen kein für europäische Kunden bestimmtes russisches Gas mehr durch die Pipelines in der Ukraine, sagte der Sprecher der staatlichen ukrainischen Gasgesellschaft Naftogaz.
Rund 80 Prozent des nach Deutschland gelieferten russischen Gases wird üblicherweise über die Ukraine geleitet. Deutschland importiert mehr als ein Drittel seines Gases aus Russland.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Die Ukraine hatte zuvor den Gastransit über die anderen drei Gaspipelines eingestellt. Die Information über den Stopp der russischen Gaslieferungen über Tschechien und die Slowakei nach Europa wurde auch vom Pressesprecher des Gasversorgungsunternehmens RWE Transgas, Martin Halupski, bestätigt.
Wie der Vorstandsvorsitzende von Gasprom, Alexej Miller, bei einem Treffen mit dem russischen Regierungschef Wladimir Putin am Dienstag in Moskau geäußert hatte, sehe der Konzern keinen Sinn mehr darin, Erdgas über die Grenze zur Ukraine zu transportieren, wenn Kiew den Gastransport an die Abnehmer in Mittel- und Westeuropa völlig einstellen werde.
Gasprom-Vize warnt vor ernsthaften Schäden im Gastransportsystem
Die Abschaltung und der Ruhezustand von Gaspipelines bergen eine ernste Gefahr in sich, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Konzerns Gasprom, Alexander Medwedew, am Mittwoch in Berlin im Zusammenhang mit der Einstellung der Transitlieferungen von russischem Erdgas über ukrainisches Territorium nach Westeuropa.
Wenn kein "blauer Brennstoff" durch die Rohrleitungen flösse, würde das System ernsthafte Schäden erleiden, sagte der Vize-Chef der russischen Energieholding.
Medwedew hat von Kiew gefordert, die Transitlieferungen von russischem Erdgas nach Europa zu sichern. Unter "normalen Bedingungen" könnten die Gaspipelines in zwölf bis werden Stunden wieder in Betrieb genommen werden, so Medwedew. Er warf der ukrainischen Regierung den Versuch vor, "Gasprom als Geisel zu nehmen".
Ukrainisches Gastransportsystem arbeitet nur für einheimische Verbraucher
Das Gastransportsystem der Ukraine ist auf eine autonome Arbeit umgestellt worden, so der Chef des ukrainischen Staatsunternehmers Naftogas Ukrainy, Oleg Dubina.
Laut Dubina schließt Naftogas eine Drosselung der Gaslieferungen an die ukrainische Industrie nicht aus. Die ukrainische Bevölkerung werde in der entstandenen Situation nicht zu Schaden kommen, versicherte der Naftogas-Chef. Ihm zufolge "kann es um eine teilweise Einschränkung für einige Industrieabnehmer gehen".
Das ukrainische Gastransportsystem arbeite vom heutigen Tag an nur für die ukrainischen Verbraucher, sagte Dubina. Die entstandene Situation sei beispiellos in der Geschichte beider Länder (der Ukraine und Russlands) und er könne deshalb nicht sagen, wie lange die ukrainischen Gasfernleitungen noch nach diesem Modus betrieben werden könnten, äußerte der Naftogas-Chef.
In der entstandenen Situation "gibt es weder Gewinner noch Verlierer", fuhr Dubina fort. Er habe diese Situation am Mittwoch mit dem EU-Energiekommissar Andris Piebalgs erörtert und mit dem Präsidenten und mit der Ministerpräsidentin der Ukraine abgestimmt, sagte der Naftogas-Chef.
Moskau fordert von Kiew Wiederaufnahme von Gastransit nach Europa
Kiew muss mit der ungenehmigten Entnahme von russischem Gas aufhören und den Gastransit für die Abnehmer in Europa wieder aufnehmen. "Ich möchte daran erinnern, dass die Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew – zwischen Gasprom und Naftogas – am 31. Dezember vergangenen Jahres von der ukrainischen Seite abgebrochen worden waren. Seitdem haben Gasprom-Vertreter wiederholt ihre Bereitschaft bekräftigt, die Verhandlungen ohne jegliche Vorbedingungen fortzusetzen", sagte die Pressesprecherin des russischen Präsidenten, Natalja Timakowa.
Ihr zufolge "sind die Gasprom-Vertreter nach dem Jahreswechsel jederzeit bereit gewesen, reale Bedingungen der Fortsetzung der Gaslieferungen abzustimmen". Timakowa merkte an, die ukrainische Seite müsse vor allem mit der ungenehmigten Entnahme des russischen Gases, das für die europäischen Abnehmer bestimmt sei und über ukrainisches Territorium fließe, aufhören und unverzüglich den Gastransit für die Abnehmer in Europa freigeben. Die Sprecherin hob besonders hervor, dass "Gasprom mit allen erforderlichen Vollmachten für die Fortsetzung der Verhandlungen ausgestattet ist". "Infolge der rechtswidrigen Handlungen der ukrainischen Seite werden vor allem die Bürger der europäischen Staaten beeinträchtigt, die russisches Gas beziehen", sagte Timakowa.
Keine Gaslieferung seit Anfang des Jahres
Gazprom hatte am 1. Januar um 10.00 Uhr Moskauer Zeit (08.00 Uhr MEZ), nach Ablauf des Liefervertrages zwischen Russland und der Ukraine und auf Grund des fehlenden Vertrages für das Jahr 2009 die Gaslieferungen in dieses Land eingestellt.
Die ukrainisch-russischen Gasgespräche, die vor dem Jahreswechsel in Moskau geführt worden waren, hatten kein Ergebnis. Russland hatte der Ukraine den günstigen Gaspreis von 250 US-Dollar je 1000 Kubikmeter angeboten (im Jahr 2008 waren es 179,5 US-Dollar). Nach Auffassung der Ukraine sollte der Gaspreis zwischen 200 und 235 US-Dollar je 1000 Kubikmeter liegen. Da Kiew das russische Angebot abgelehnt hat, will Gazprom nun das Gas zum europäischen Preis von 450 US-Dollar in die Ukraine liefern.
Russland hatte der Ukraine vor genau drei Jahren schon einmal zwischenzeitlich den Gashahn zugedreht. Nach über einjährigen Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine Anpassung des Gaspreises stoppte die Ukraine die Verhandlungen.
Russland war durch Vorgaben der WTO und der EU gezwungen die Gaspreise den Weltmarktpreisen anzupassen. Die Ukraine zahlte bis zum Januar 2006 lediglich einen Bruchteil des Weltmarktpreises, welches zu Wettbewerbsverzerrungen führte.
Nach den Ergebnislosen Verhandlungen stoppte Russland die Gaslieferungen in die Ukraine. Illegale Gasentnahmen aus den Transitleitungen nach Europa durch die Ukraine führten zu einem Druckverlust auf den Transitpipelines der auch die Lieferungen nach Deutschland einschränkte.
Deutschland bezieht mehr als ein Drittel seines Erdgases aus Russland. Rund 80 Prozent der russischen Gasexporte nach Westeuropa laufen durch die Ukraine. Um aus dieser Transitabhängigkeit wegzukommen beschlossen Russland und Deutschland den Bau einer direkten Pipeline durch die Ostsee ohne Transitstaaten.
Quelle: russland.RU



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