Mittwoch, 15. April 2009

Zwischenhirnwesen

Hoimar von Dithfurth beschrieb in seinem vor dreiunddreißig Jahren erschienenen Bestseller

"Der Geist fiel nicht vom Himmel"
die evolutionäre Entwicklung des Lebens auf dieser Welt. Darin widmete er einen umfangreichen Abschnitt den Funktionen des Zwischenhirns. Jenes nach dem Stammhirn, aber vor dem Großhirn entstandene Organ, das die gesammelten Erfahrungen der jeweiligen Art in Form von Programmen aufbewahrt, mit denen das Individuum auf Signale der Umwelt so reagiert, wie es sich im Laufe der Evolution für die Angehörigen seiner Art als "überlebenswichtig" herausgestellt hat.

Dithfurth verwendete viel Mühe darauf, seinen Lesern klarzumachen, dass reine "Zwischenhirnwesen" von ihrer Umwelt nichts anderes wahrzunehmen in der Lage sind, als jene Signale, die ihnen bei entsprechender Bereitschaft als Auslöser für eines ihrer Verhaltens-Programme dienen.

Ein einziges Beispiel, zur Verdeutlichung:

Ein hungriger Hahn wird, wenn er sich umsieht, Körner sehen und auf dieses Signal hin das "Fressprogramm" ausführen. Die paarungsbereite Henne, die neben ihm pickt, sieht er nicht. Sie ist aus seinem Bewusstsein solange vollständig ausgeblendet, bis er satt ist.

Wenn danach das mit der Henne verknüpfte Signal im Zwischenhirn ankommt und der Hahn sein Balz- und Paarungsprogramm ausführt, nimmt er allerdings auch nicht mehr wahr, dass noch Körner übrig sind...

Was Dithfurth seinen Lesern zudem nahebrachte, war die Erkenntnis, dass auch wir modernen Menschen unter unserer Großhirnrinde über ein Zwischenhirn verfügen, dessen Programme auch heute noch Einfluss auf unser Verhalten ausüben.

Daran habe ich mich erinnert, als ich über die Feiertage ein paar - ohne die Zwischenhirntheorie vollkommen unvorstellbare - "Lebensäußerungen" prominenter Zeitgenossen zur Kenntnis zu nehmen hatte.

Am verblüffendsten war die Darbietung des Herrn Müntefering.......

Weiterlesen >> Egon W. Kreutzer

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