Sonntag, 3. Mai 2009

Epidemie des Profits


AUTOR: Silvia RIBEIRO

Übersetzt von Isolda Bohler

Die neue Epidemie der Schweinegrippe, die tagtäglich damit droht, sich auf weitere Regionen der Welt auszudehnen, ist kein isoliertes Phänomen. Sie ist Teil der allgemeinen Krise und hat ihre Wurzeln in dem System der von großen transnationalen Unternehmen dominierten industriellen Tierzucht.

In Mexiko vermehrten sich die großen Geflügel- und Schweinefleischunternehmen weitgehend in den (schmutzigen) Gewässern des Freihandelsabkommens von Nordamerika (Tratado de Libre Comercio de América del Norte). Ein Beispiel ist Granjas Carroll in Veracruz, Eigentum von Smithfield Foods, dem größten Unternehmen für Schweinezucht und Verarbeitung von Schweinefleischprodukten auf der Welt mit Filialen in Nordamerika, Europa und China. In ihrem Sitz in Perote begann vor einigen Wochen eine virulente Epidemie von Atmungserkrankungen, die 60 % der Bevölkerung von La Gloria betraf, wie von La Jornada bei verschiedener Gelegenheit aufgrund der Klagen der Bewohner des Ortes berichtet wurde. Seit Jahren führen sie einen harten Kampf gegen die Verschmutzung durch das Unternehmen und erlitten wegen ihrer Klagen sogar repressive Maßnahmen von den Behörden. Granjas Carroll erklärte, es gäbe weder einen Bezug zu ihm, noch sei es der Ursprung der heutigen Epidemie und führte an, dass die Bevölkerung eine gewöhnliche Grippe hatte. Es wurden keine Analysen gemacht, um wegen der Zweifel genau zu wissen, um welchen Virus es sich handelte.

Im Gegensatz dazu bestätigen die 2008 veröffentlichten Schlussfolgerungen der Pew-Kommission über die industrielle Tierproduktion (Pew Commission on Industrial Animal Production), dass die Bedingungen für die Aufzucht und Zwangsunterbringung vor allem von Schweinen industrieller Produktion eine perfekte Umgebung für die Neuverbindung von Viren unterschiedlichen Ursprungs schaffen. Sie erwähnt auch die Gefahr vor der Neuverbindung von der Vogel- und Schweinegrippe und wie es sich schließlich zum Virus verbinden kann, das Menschen angreift und unter ihnen übertragen werden kann. Sie erwähnt ebenso, dass es über viele Wege, einschließlich der Verschmutzung von Gewässern, in entfernte Ortschaften ohne scheinbar direkten Kontakt gelangen kann. Ein Beispiel, von dem wir lernen sollten, ist das Auftreten der Vogelgrippe. Beispielsweise den Bericht von GRAIN lesen, der erläutert wie die Geflügelindustrie die Vogelgrippe schuf. www.grain.org.

Aber die offiziellen Antworten auf diese aktuelle Krise, außer verspätet gewesen zu sein (sie warteten darauf, dass zuerst die USA das Auftreten des neuen Virus bekannt gibt, um so wertvolle Tage zur Bekämpfung der Epidemie zu verlieren), scheinen die wirklichen und ausschlaggebenden Ursachen zu ignorieren.

Mehr als die Ursprunsstöcke des Virus zu seiner Genom-Sequenzierung an Wissenschaftler wie Craig Venter zu schicken, der sich mit der Privatisierung der Forschung und seiner Resultate bereicherte (Sequenzierung, die nebenbei schon von Forschern der öffentlichen Zentren zur Prävention von Krankheiten in Atlanta, USA gemacht wurde), ist es viel notwendiger, zu verstehen, dass sich dieses Phänomen solange wiederholen wird, wie diese Züchter von Krankheiten weitermachen.

Denn in der Epidemie sind es auch die Transnationalen, die sich am meisten bereichern: die biotechnologischen und pharmazeutischen Unternehmen, die den Impfstoff und die Antiviren monopolisieren. Die Regierung kündigte an, dass sie eine Million an Dosen mit Antigenen hätte, um den neuen Ursprung der Schweinegrippe zu bekämpfen, aber niemals sagte sie, zu welchem Preis.


Am Busterminal Oriente, in Mexico, am 27.4.2009. Foto María Luisa Severiano/LA JORNADA

Die einzigen Antiviren, die noch Wirkung gegen den neuen Virus haben, sind zum Großteil auf der Welt patentiert und sind das Eigentum der großen pharmazeutischen Unternehmen: zanamivir, mit dem kommerziellen Namen Relenza, vertrieben von GlaxoSmithKline und oseltamivir, dessen kommerzielle Marke Tamiflu ist, patentiert durch Gilead Sciences, lizensiert in Exklusivform von Roche. Glaxo und Roche sind auf Weltskala das zweite und vierte Unternehmen und genauso wie mit dem Rest ihrer Arzneimittel sind die Epidemien ihre beste Gelegenheit für das Geschäft.

Mit der Vogelgrippe hatten sie alle hunderte oder Tausende von Millionen von Dollars Gewinne. Mit der Ankündigung der neuen Epidemie in Mexiko stiegen die Aktien von Gilead um 3 %, die von Roche um 4% und die von Glaxo um 6 % und dies ist nur der Beginn.

Ein anderes saftige Geschäfte verfolgendes Unternehmen ist Baxter, das Muster des neuen Virus verlangte und ankündigte, dass sie den Impfstoff in dreizehn Wochen haben könnte. Baxter, ein weiteres globales Pharmaunternehmen (auf dem 22. Rang), hatte im Februar dieses Jahres einen Unfall in seiner Fabrik in Österreich. Es schickte ein Produkt gegen die Grippe nach Deutschland, Slowenien und in die tschechische Republik, das mit dem Virus der Vogelgrippe verseucht war. Laut dem Unternehmen lag es an einem menschlichen Versagen und Problemen bei der Verarbeitung, über die es keine Details geben kann, weil es sonst patentierte Vorgänge aufdecken müsste.

Wir müssen nicht nur der Grippeepidemie die Stirn bieten: sondern auch den Gewinnen.

Quelle: La Jornada - Epidemia de lucro

Originalartikel veröffentlicht am 28.4.2009

Über die Autorin

Isola Bohler ist ein Mitglied von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl die Autorin, die Übersetzerin als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala:http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=7547&lg=de

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