Donnerstag, 21. Mai 2009

Hat der neu ernannte kommandierende General für Afghanistan Cheneys Todesschwadron befehligt?

Von Muriel Kane

THE RAW STORY, 13.05.09
(http://rawstory.com/blog/2009/05/did-newly-announced-top-afghan-general-run-cheneys-assassination-wing/ )

Am Dienstag wurde berichtet, dass Lieutenant General / Lt. Gen. (Generalleutnant) Stanley McChrystal den Oberbefehl über die US-Streitkräfte in Afghanistan übernehmen wird, wenn der Senat zustimmt. (s. dazu auch die LUFTPOST-Ausgabe http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP10709_130509.pdf)

McChrystal ist zur Zeit Direktor des Joint Staff (des gemeinsamen Stabes), befehligte aber von September 2003 bis August 2008 das Joint Special Operations

Command / JSOC (das Kommando für gemeinsame Spezialeinsätze), zu dem Eliteeinheiten wie die Delta Force der Army und die SEALS der Navy gehören.

Der berühmte investigative Journalist Seymour Hersh beschrieb kürzlich das JSOC als ein "Geschwader zur Durchführung von Morden", das seine Aufträge viele Jahre lang aus dem Büro des ehemaligen Vizepräsidenten Dick Cheney erhalten habe.



Lt. Gen.Stanley McChrystal (Foto: http://news.bbc.co.uk/2/hi/south_asia/
8055255.stm )


Als Hersh im März vor einem Publikum in der University of Minnesota sprach, nannte er das JSOC "eine spezielle Truppe unserer Spezial-Einsatzkräfte, die völlig unabhängig operiert. ... Unter der Bush/Cheney Regierung war sie nur dem Büro Cheneys rechenschaftspflichtig. Sie stand nicht unter der Aufsicht des Kongresses. Sie war vor allem eine Spezialtruppe für Mordaufträge – und ist das bis heute geblieben." (s. http://rawstory.com/news/2008/Hersh_US_has_been_running_executive_0311.html )

Obwohl damals kaum über die Einsätze des JSOC unter McChrystal berichtet wurde, brachte das Magazin NEWSWEEK im Juni 2006 einen kurzen Artikel über ihn (s. http://www.msnbc.msn.com/id/13392189/site/newsweek/print/1/displaymode/1098/):

Keiner hätte seinen Namen überhaupt erwähnt, wenn Präsident George W . Bush ihn nicht öffentlich gerühmt hätte. Lt. Gen. Stanley McChrystal, West Point-Absolvent des Jahres 1976, ist jemand, über den die Armee nicht gern spricht. Er wird noch nicht einmal im Personen-Verzeichnis seiner Heimatbasis Fort Bragg in North Carolina geführt. Er fehlt dort nicht etwa, weil er etwas Schlimmes getan hätte, McChrystal ist ganz im Gegenteil einer der aufsteigenden Sterne der Army; er wird dort nicht erwähnt, weil er die geheimsten Einheit des US-Militärs befehligt. Es ist das Joint Special Operations Command, das aus Schlangen essenden, im Dunkeln operierenden Kerlen besteht, die ihren Gegnern die Hälse aufschlitzen, die Saddam Hussein festgenommen und Abu Mussab al-Zarqawi erledigt haben.

Das JSOC ist ein Teil dessen, was Vizepräsident Dick Cheney nach dem 11. 9. "die dunkle Seite" Amerikas nannte, die jetzt Arbeit bekäme. Für viele Kritiker begründete diese Bemerkung aus dem Jahr 2001 den Ruf des Vizepräsidenten, der Darth Vader (eine finstere Figur aus den Star Wars-Filmen) des Krieges gegen den Terror zu sein; damit habe er alle schlimmen Praktiken angekündigt, die dann eingeführt wurden, auch die Folterverhöre in Abu Ghraib und in der Guantánamo Bay. Aber Amerika hat auch seine Jedi-Ritter (geheimnisvolle Star Wars-Kämpfer), die – wie Cheney sagte – "im Schatten" kämpfen. Und McChrystal, ein umgänglicher aber harter Army-Ranger, die Delta Force und andere Eliteeinheiten, die ihm unterstehen, gehören zu diesen Kämpfern.

Rumsfeld ist besonders von McChrystals Trupps für "direkte Aktionen" fasziniert, den so genannten Special Mission Units / SMUs (den Einheiten für Spezialeinsätze); ihr Job ist es "böse Buben" zu killen oder einzufangen, wie Pentagon-Mitarbeiter verlauten lassen, die sich zu speziellen Operationen nur dann äußern, wenn sie anonym bleiben. Kritiker werfen dem Pentagon vor, dass es die nachteiligen Wirkungen unterschätzt, die seine für unverzichtbar gehaltenen Spezial-Operationen gegen Aufständische auf die Bevölkerung (der betreffenden Länder), auf die Ausbildung ihrer Armeen und auf den Kontakt zu Einheimischen haben.
McChrystal ist in Wirklichkeit auch nicht der Ritter ohne Fehl und Tadel, zu dem ihn der NEWSWEEK-Artikel machen will. Ein zur gleichen Zeit im Magazin ESQUIRE veröffentlichter Bericht zeichnet ein viel weniger schmeichelhaftes Bild von ihm. Dieser Artikel enthüllt Details aus einem Gespräch mit einem militärischen Verhörspezialisten namens "Jeff", der über "Folterungen in einem geheimen Lager der Task Force 121 (der Sondereinsatzgruppe 121)" berichtet; das ist Donald Rumsfelds härteste Spezialeinheit, gewissermaßen die Titan-Spitze seines Speers. (s. http://www.esquire.com/features/ESQ0806TERROR_102 )
"Wir waren besonders stolz darauf, dass sich die Tür (unseres Lagers) dem Roten Kreuz niemals öffnen würde, " sagte Jeff. Das ist wichtig, weil das gegen die Genfer Konventionen verstößt, die festlegen, dass dem Roten Kreuz Zugang zu militärischen Gefängnissen zu gewähren ist. "Einmal hat jemand unseren Oberst gefragt: 'Werden sie (die Vertreter des Roten Kreuzes) jemals hier herein dürfen?' Und er antwortete: 'Auf keinen Fall.' General McChrystal und das Pentagon hätten ihm versichert, dass es für das Rote Kreuz keine Möglichkeit gebe, das Lager jemals zu besuchen; das Lager sei allen Nachforschungen entzogen, auch Untersucher der Army hätten keinen Zutritt."

Bei der Vorgeschichte der Task Force 121 war das ein bemerkenswertes Versprechen. Die im Sommer 2003 gegründete Einheit wurde schnell berüchtigt. Bereits im August (2003) wies die CIA ihre Agenten an, das Camp Nama (der Task Force 121) zu meiden. Dann starben nach Verhören durch Navy SEALS der Task Force 121 zwei irakische Männer – einer in Abu Ghraib und einer in Mosul. Bei einer offiziellen Untersuchung durch Stuart Herrington, einen pensionierten Oberst der Army, über die zuerst die WASHINGTON POST berichtet hat, wurden Beweise dafür gefunden, dass man (die Häftlinge) mit schweren Schlägen traktiert hatte. "Alle wissen doch darüber Bescheid," sagte ein Offizier der Task Force zu Herrington. Sechs Monate später erhoben zwei FBI-Agenten schwere Vorwürfe, weil ihnen verdächtige Spuren von heftigen Schlägen und andere Zeichen schwerer Misshandlungen aufgefallen waren. Dann berichtete der Chef der Defense Intelligence Agency (eines Militärgeheimdienstes), dass seine Männer an Gefangenen Brandwunden und Blutergüsse entdeckt und einmal sogar gesehen hatten, wie ein Angehöriger der Task Force 121 einen Gefangenen so heftig ins Gesicht schlug, dass er ärztliche Hilfe brauchte.
Fred Kaplan im US-Magazin SLATE und Andrew Sullivan auf seiner Website THE DAILY DISH (Das Tagesgericht) haben bereits über die Durchführung von Folterverhören durch die Task Force 121 unter dem offensichtlichen Schutz des Generals McChrystal berichtet. Hoffentlich werden McChrystal während seiner Bestätigungs-Anhörung auch Fragen zu seiner Vergangenheit gestellt.

Quelle: luftpost-kl.de

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