Russische Zentralbank hält 2009 erstmals mehr Reserven in Euro als in US-Dollar
Von Rainer Rupp
In der Zusammensetzung der russischen Währungsreserven ist ein historischer Wendepunkt überschritten. Dieser besteht, so berichtete die Moskauer Zeitung Prawda am Wochenende unter Berufung auf den jüngst veröffentlichten Jahresbericht der russischen Zentralbank, seit Anfang dieses Jahres zu ihrem Hauptteil nicht mehr aus US-Dollar, sondern aus Euro. Hatte der Dollaranteil der russischen Währungsreserven am 1. Oktober 2008 noch 49 Prozent ausgemacht, so betrug er am 1. Januar dieses Jahres nur noch 41,5 Prozent. Im gleichen Zeitraum ist der Euroanteil von 40 auf 47,5 Prozent gestiegen. Die restlichen Reserven werden in britischen Pfund, japanischen Yen und Schweizer Franken gehalten. Für die russische Zentralbank habe damit der Dollar seinen Status als die wichtigste Reservewährung verloren, schreibt die Moskauer Tageszeitung. Anders ausgedrückt: Rußland hat den USA die Kreditkarte gekündigt.
Weltweit sind Bemühungen weg vom Dollar erkennbar. Wenn sich dieser Trend durchsetzt, dann können die Vereinigten Staaten nicht länger auf Kosten des Auslands leben. Zudem explodieren in diesem und im nächsten Jahr die Haushaltsdefizite der Obama-Administration. Um diese zu decken und um die Zinsen für die alten Kredite zu bezahlen, muß das US-Finanzministerium jedes Jahr für über eine Billion Dollar neue Schatzbriefe verkaufen, auch ins Ausland. Aber der Dollar fällt gegenüber fast allen anderen Währungen. Der Zinsertrag der US-Schatzbriefe ist extrem niedrig. Und die offene Aufforderung namhafter US-Ökonomen an die Obama-Regierung, sechs Prozent Inflation anzusteuern, um die Bedienung der US-Schulden zu erleichtern, machen es immer schwieriger, die US-Schatzbriefe im Ausland abzusetzen.
Weil es nicht mehr genug Käufer für US-Schatzbriefe gibt, ist längst die Notenbank mit ihrer Druckerpresse eingesprungen. Eigenen Angaben zufolge will sie 300 Milliarden Dollar drucken, damit die Regierung flüssig bleibt. Die hat allein für dieses Jahr 150 Milliarden Dollar für die Kriege in Irak und Afghanistan veranschlagt. Diese wurden bisher maßgeblich über ausländische Kredite finanziert. So konnten sich die USA Kanonen und Butter leisten. Sollten die Amerikaner in Zukunft gezwungen sein, selbst für ihre Kriege zu bezahlen, dann werden sie wieder vor die Alternative gestellt: Kanonen statt Butter.
Quelle: junge Welt
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen