Dienstag, 12. Mai 2009

Was wir uns mit dem Markenartikel Obama eingehandelt haben

Der US-Autor Chris Hedges behauptet, der "Markenartikel" Obama sei kreiert worden, damit die US-Konzerne ihre räuberische "Junk-Politik" fortsetzen können.

Von Chris Hedges

Barack Obama ist ein Markenartikel. Und der Markenartikel Obama wurde entworfen, damit wir unsere Regierung wieder lieben, obwohl die Konzernherren die Staatskasse plündern, unsere gewählten Volksvertreter sich von Scharen von Konzernlobbyisten schmieren lassen, unsere Medienkonzerne uns mit Klatsch und Trivialgeschichten einlullen und unsere imperialen Kriege im Mittleren Osten ausgeweitet werden. Der Markenartikel Obama macht uns Konsumenten wieder glücklich. Wir werden gut unterhalten. Wir schöpfen wieder Hoffnung. Wir lieben unseren Präsidenten. Wir glauben, dass er einer der Unseren ist. Aber wie alle von der manipulierenden Konzernwerbung geschaffenen Markenprodukte verführt auch er uns dazu, vieles zu tun und eine Menge Dinge zu akzeptieren, die nicht in unserem Interesse sind.


Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de

Wie hat der Markenartikel Obama uns den Glauben an ihn und die in ihn gesetzten Hoffnungen vergolten? Seine Regierung hat für die Wall Street und ihre insolventen Banken 12,8 Billionen Dollar zur Verfügung gestellt, (im Ausland) geborgt oder durch Bürgschaften abgesichert, für die wir Steuerzahlern aufkommen müssen; aber dieser zum Scheitern verurteilte Rettungsversuch kann nur zu einer neuen Wirtschaftsblase führen, die wieder platzen, direkt in eine Katastrophe münden und uns für lange Zeit in eine noch tiefere Krise stürzen wird. Der Markenartikel Obama wird fast eine Billion Dollar für Verteidigungsausgaben und die Verlängerung unserer misslungenen imperialen Unternehmungen im Irak verschwenden; der Irak soll nach neuesten Schätzungen militärischer Planer von 70.000 (US-)Soldaten weitere 15 bis 20 Jahre besetzt bleiben. Der Markenartikel Obama hat den Krieg in Afghanistan durch den verstärkten Einsatz von Drohnen und grenzüberschreitende Bombardierungen nach Pakistan ausgeweitet; in den letzten drei Monaten hat sich die Anzahl der dort getöteten Zivilisten verdoppelt. Der Markenartikel Obama hat sich geweigert, Beschränkungen aufzuheben, damit sich Arbeiter besser (in Gewerkschaften) organisieren können, und hat auch nicht vor, eine einheitliche Krankenversicherung für alle Amerikaner zu schaffen, die nicht profitorientiert ist. Der Markenartikel Obama wird die Bush-Regierung nicht wegen ihrer Kriegsverbrechen anklagen – auch nicht wegen der praktizierten Folter – und er hat sich auch geweigert, die Geheimhaltungspraktiken Bushs aufzugeben oder die Bestimmung des Habeus Corpus Act (dass eine Inhaftierung nur auf richterliche Anweisung erfolgen darf) wieder in Kraft zu setzen.

Der Markenartikel Obama verkündet eine radikal individualistische Haltung als neues Gesellschaftsmodell. Damit will er uns daran hindern, zu erkennen, dass die alte Maschinerie der mächtigen Konzerne und der alles überwuchernde militärisch industrielle Komplex einfach fortfahren, unseren Staat auszuplündern. Die Konzerne, die auch unsere Politik bestimmen, bieten uns keine unterschiedlichen Produkte mehr an, sondern nur noch unterschiedliche Marken. Der Markenartikel Obama bedroht die Herrschaft der Konzerne über den Staat genau so wenig, wie es der Markenartikel George W. Bush getan hat. Die Marke Bush ließ sich einfach nicht mehr zu verkaufen. Wir wurden immun gegen sein einstudiertes volkstümelndes Getue. Wir durchschauten seine Masche. Das ist eine ganz normale Verschleißerscheinung in der Welt der Reklame. Deshalb wurde die neue Marke Obama für uns geschaffen – mit einer aufregenden, leicht erotisierenden Wirkung........

Weiterlesen >>>http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP10509_110509.pdf

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen