Überraschend umfangreich und voll geständig, hieß es am Mittwoch in den Medien, hätten die vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf wegen Terrorismus Angeklagten der »Sauerland-Gruppe« vor Kriminalbeamten in den letzten Wochen ausgesagt. Am Donnerstag trübte die Frankfurter Rundschau etwas den Glanz, der sich um die deutschen Sicherheitsbehörden auszubreiten begann. Denn die vier widersprechen in einem wichtigen Punkt der Bundesanwaltschaft. Laut Anklage werden die jungen Männer beschuldigt, seit 2006 Mitglieder der Islamischen Dschihad Union (IJU) gewesen zu sein. »Mein Mandant hat von der IJU erst aus den Medien erfahren«, erklärte nun der Düsseldorfer Rechtsanwalt Johannes Pausch der Zeitung. Pausch vertritt den zum Islam konvertierten Deutschen Daniel S. Dieser könne mit dem Begriff IJU nichts anfangen. Wie auch Beobachter der Szenerie, nicht zuletzt Kritiker des usbekischen Präsidenten Islam Karimow. Sie unterstellen ihm, die IJU erfunden zu haben.
Den vier wird vorgeworfen, 2007 Autobombenanschläge auf US-Einrichtungen in mehreren deutschen Großstädten geplant zu haben. Die Männer hatten sich zwölf Fässer mit Chemikalien beschafft und in einer Ferienwohnung im sauerländischen Medebach-Oberschledorn damit begonnen, daraus Sprengstoff herzustellen. Am 4. September 2007 wurden sie spektakulär dort festgenommen. Sicher ist dem Zeitungsbericht zufolge nur, daß alle Beschuldigten in einem pakistanischen Ausbildungslager waren. Wessen Befehle sie dort empfangen haben, entzog sich offenbar ihrer eigenen Kenntnis.
Vereinsgründungen, die vor allem in einigen deutschen Beamtenköpfen stattfinden, sind in der deutschen Justizpraxis Gewohnheit geworden. Es herrscht Krieg. Wer in Afghanistan fürs Ehrenkreuz schießen und bomben läßt, hat in jeder getöteten Hochzeitsgesellschaft den Beweis für die Existenz von Terrorismusclubs. Und Al Qaida kann ja noch gefunden werden, oder die IJU, oder....
(asc)
Quelle: junge Welt




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