Dienstag, 30. Juni 2009

Gierdebatte: Gefährliches Gebräu

Die „7 Thesen des Frankfurter Zukunftsrates zur Neuroökonomie“ - Politikvorschläge, die auf krudem Biologismus beruhen -

von THOMAS WAGNER, 30. Juni 2009 -

Der Schlüssel zur Bewältigung der weltumspannenden Finanz- und Wirtschaftskrise liegt in den Händen der Gen- und der Hirnforschung. Das suggerieren jedenfalls eine ganze Reihe von Artikeln in auflagenstarken Zeitungen.
„Gier nach Geld auch genbedingt“ , heißt es etwa in der Berliner Zeitung (17.06.2009) und die Potsdamer Neueste Nachrichten (19.06.09) verkünden: „Gentest für Führungskräfte gefordert. Studien belegen: Gier ist angeboren“. (1) Die Quelle dieser Nachrichten sind 7 Thesen des Frankfurter Zukunftsrates zur Neuroökonomie. Der 2008 gegründete Think Tank mit Sitz in Frankfurt am Main ließ dieselben als Presseerklärung (17.06.09) (2) per dpa-Meldung und in Form eines Gastkommentars in Springers Tageszeitung Die Welt (3) verbreiten . (4)

Darin heißt es unter anderem: „Der Mensch reagiert auf kurzfristige Gewinne oder die Aussicht auf Geld wie Kokain“Clement (These 2) und „Das gierige Finanzverhalten herrscht bei vielen Menschen genbedingt unermüdlich und macht abhängig.“ (These 3) Sind Spitzenmanager als gengesteuerte Finanzjunkies also von jeder Verantwortung für ihr Tun entlastet?

Wolfgang Clement (Ex-SPD) und Friedrich Merz (CDU) sowie der bis zu diesem Zeitpunkt hoch angesehene Neurologe Christian Elger und seine Kollegen Oliver Brüstle (Neuropathologe) sowie Armin Falk (Experimentalökonom) scheinen das behaupten zu wollen. Sie alle sind Mitglieder des Frankfurter Zukunftsrats und haben das Thesenpapier am 3. Juni 2009 bei einem Treffen im Life & Brain Center des Universitätsklinikums Bonn gemeinsam vorbereitet. (5)

Hirnforscher Elger gilt als einer der führenden Köpfe seiner Zunft und zeigt keinerlei Berührungsängste zur Wirtschaft, wenn es um die Eintreibung von Drittmitteln geht.(6) Im Jahr 2000 hat er zusammen mit sieben Kollegen das „Jahrzehnt des menschlichen Gehirns“ ausgerufen, das deutsche Pendant zu der von Präsident George H. W. Bush 1990 per Presidential Proclamation 6158 für die USA verordneten Dekade des Gehirns. Wolfgang Clement, damaliger Wirtschaftsminister von NRW, übernahm gleich zu Beginn für die deutsche Initiative die Schirmherrschaft.....

In der Arbeitsgruppe „Wirtschaft & Politik“, das ist einer von mehreren sogenannten Zukunftskreisen des von Manfred Pohl gegründeten Think Tanks, (8) arbeiten Clement und Elger heute erneut zusammen. Diesmal geht es um vorgeblich wissenschaftlich fundierte Vorschläge zur Entwicklung des Landes, die danach in verständlicher Form an politische Entscheider weitergereicht werden sollen.

Die neoliberale Schlagseite (9) ist jedoch schon in der Zielformulierung des elitären Clubs nicht zu übersehen: Es geht um die „Anpassung der Politik an den globalen Wettbewerb“. (10)

Dabei helfen soll ein neuer Wissenschaftszweig: die Neuroökonomie. Das ist eine Verbindung von Betriebswirtschaft und Hirnforschung, die das Kaufverhalten von Konsumenten oder die Investitionsentscheidungen von Unternehmern vorherzusagen und zu beeinflussen versucht.

Clement, Merz & Co sind vom Erkenntniswert der ausgesprochen wirtschaftsnahen Disziplin so sehr überzeugt, dass sie empfehlen, künftig „Entscheidungsprozesse und Institutionen auch mit Hinblick auf die Neuroökonomie zu gestalten. Das gilt z.B. für die betriebliche Personalpolitik (Anreize) aber auch für die konkrete Gestaltung von Gesetzen und staatliches Handeln“.

Was das konkret heißen kann, deuten sie in These 7 zumindest an: „Leitungsgremien sollten ohne genbedingte „Finanzgier“ eingestellt werden.“

„Platte Biologismen, Hirnforschung und manipulative Verdummung gehen in der Krise eben Hand in Hand“, kommentiert Susanne Schultz vom Gen-Ethischen-Netzwerk mit Sitz in Berlin. (11)

Tatsächlich leistet das Thesenpapier des Frankfurter Zukunftsrates einem biologischen Reduktionismus Vorschub, der schon erkenntnistheoretisch nicht zulässig ist. Komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge werden auf eine molekularbiologische Mikroebene zurückführt, die vollkommen anderen Gesetzmäßigkeiten gehorcht als die Makroökonomie.

Menschliches Handeln erscheint genetisch determiniert. Banker und Investoren kommen als vernunftbegabte Kultur-Wesen gar nicht erst in Betracht. Sie agieren als bloße Sklaven ihrer vererbten Anlagen, die ihrer Gier nach immer mehr Profit nicht Herr werden können.

Die Gierdiskussion ist ein Manöver, mit dem seit Beginn der Finanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise von ihren systemischen Ursachen und Lösungsmöglichkeiten abgelenkt wird. Als weltumspannende Überproduktionskrise ging sie aus den Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Akkumulationsdynamik und deren Verwertungszwängen hervor. Trotz aller „Gier“ und verbrecherischer Energie. Spitzenmanager und Banker trifft daher nicht die Hauptverantwortung für das Platzen der Spekulationsblase. Auch sie handelten auf der Basis politisch gewollter Reduktion der Regulierung einer stets neue Ungleichheit erzeugenden Produktionsweise, deren Expansionsdynamik vom unstillbaren Drang nach immer mehr Profit angetrieben wird.

Um künftigen Krisen vorzubeugen, „muss das Einkommen der ärmeren Gesellschaftsschichten auf Kosten der Einkommenszuwächse bei den Reichen gestärkt werden, also eine seit Jahrzehnten ungleicher werdende Verteilung umgekehrt werden“,(12) umreißt Lucas Zeise, ein Kolumnist der Financial Times Deutschland, die Richtung des Lösungswegs. Appelle an die Vernunft der Manager oder eine bessere Auswahl des ökonomischen Spitzenpersonals werden der Komplexität des gesellschaftlichen Problems dagegen nicht gerecht - ob mit Gentests oder ohne.
Schon deshalb verdienen die biologistischen Thesen des Frankfurter Zukunftsrates energischen Widerspruch. Richtiggehend gefährlich werden sie aber spätestens dann, wenn man sie zur Diskriminierung von Menschen heranzieht, wie These 7 es fordert.

Würden Gentests tatsächlich zu einem legalen Einstellungskriterium in Unternehmen, Behörden und anderen Institutionen, wäre das ein elementarer Verstoß gegen die Menschenwürde. Unternehmen und Versicherungen versuchen seit Jahren weitreichende Einsicht in die Gendaten ihrer Kunden und Mitarbeiter zu erlangen. Das im April dieses Jahres von Union, SPD und FDP verabschiedete Gendiagnostikgesetz schränkt diese Nutzung deutlich ein. Die Forderung nach Gentests für Banker und Investoren mutet wie der plumpe Versuch an, das Thema durch die Hintertür der Finanzgierdebatte wieder auf die Tagesordnung zu setzen.

Aber auch um die wissenschaftliche Fundierung der Zukunftsratsthesen ist es schlecht bestellt. Camelia Kuhnen und Joan Chiao haben im Februar 2009 einen Aufsatz veröffentlicht, (13) auf den der Frankfurter Zukunftsrats seine Behauptungen über genetische Ursachen riskanten Finanzverhaltens nach eigenen Aussagen stützt.(14)
Doch statt den Beweis für ein „Gier-Gen“ anzutreten, resümieren die Autorinnen von Genetic Determinants of Financial Risk Taking eher vorsichtig: Ihnen sei es bisher nicht gelungen, jene Genvarianten zu identifizieren, die finanziellen Risikoentscheidungen zugrunde liegen. (15) „Obwohl die Auswirkungen, die wir hier dokumentieren, eine kausale Beziehung zwischen dem Genotyp und dem Risikoverhalten von Individuen andeuten, erlauben unsere Daten nicht, einen Kausalitätszusammenhang sicher nachzuweisen.” (16)

Wie kommt dann aber der Frankfurter Zukunftsrat zu seiner Behauptung, es gäbe eine „genbedingte „Finanzgier““?
Um diesen Widerspruch aufzuklären, befragte Hintergrund den Hirnforscher Christian Elger, der als Urheber der „7 ElgerThesen zur Neuroökonomie“ gilt. Überraschend distanzierte dieser sich umgehend von der ihm vorgelesenen Zukunftsratsthese: „Leitungsgremien sollten ohne genbedingte „Finanzgier“ eingestellt werden.“ „Das ist völlig überzogen“, sagte er spontan, da habe die Presse übertrieben.

Wie kann das sein? Er habe die Zukunftsratsthesen nach Auskunft der Geschäftsstelle doch selbst formuliert, hakte Hintergrund nach. Elger bestätigt seine Autorenschaft. Er habe der Zukunftsratgeschäftsstelle seine Überlegungen eingereicht. Die Presseerklärung des Zukunftsrates dazu habe er allerdings noch gar nicht zu Gesicht bekommen. Die zitierte Formulierung stamme jedenfalls nicht von ihm und sei total übertrieben. Möglicherweise seien durch die Geschäftsführerin Jane Uhlig noch Veränderungen an seinem Text vorgenommen worden, spekulierte der irritierte Hirnforscher.

In der Geschäftsstelle war man um Schadensbegrenzung bemüht. Jane Uhlig äußerte sich überschwänglich über den Rang der wissenschaftlichen Arbeit Elgers und zeigte sich überrascht davon, dass die Koryphäe sich anscheinend von ihren eigenen Thesen distanzierte. Man habe deren Inhalt gerade so belassen, wie ihn Elger eingereicht habe, erläuterte sie. Lediglich „Zwischenüberschriften“ seien in der Geschäftsstelle ergänzt worden, damit der ansonsten zu trockene Text für Zeitungsleser verständlicher würde. Im übrigen verstehe sie gar nicht, was an den Thesen verwerflich sein solle. Immerhin habe sie deren Aussagen bei einem Treffen mit 18 Journalisten der wichtigsten Medien bereits diskutiert und von denen sei nicht der geringste Einwand vorgebracht worden. (17)

Elger wiederum ist auf das Angebot, Hintergrund die ursprüngliche Fassung seiner Thesen zu schicken, bis heute nicht eingegangen. Damit hat der Hirnforscher eine Möglichkeit ausgeschlagen, sich als ernstzunehmender Wissenschaftler zu rehabilitieren.


Quelle: Hintergrund

ALBA-Botschafter fordern in Berlin Solidarität mit Zelaya

Nach Putsch in Honduras: Gemeinsame Pressekonferenz von lateinamerikanischen Diplomaten in der deutschen Hauptstadt

Von Harald Neuber
Prensa Latina
ALBA-Botschafter fordern in Berlin Solidarität mit Zelaya

Pressekonferenz am Montag in der venezolanischen Botschaft in Berlin

Berlin. Die Botschafter mehrerer Mitgliedsstaaten der Bolivarischen Allianz für Amerika (ALBA) haben am gestrigen Montag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin ihre Solidarität mit dem gewählten Präsidenten von Honduras, Manuel Zelaya, erklärt.

An der Konferenz in der diplomatischen Vertretung Venezuelas in Berlin nahmen die Botschafter von Kuba, Ecuador und Venezuela teil. Nicaragua war durch die Geschäftsträgerin vertreten. Für die Botschaft Boliviens nahm die Zweite Sekretärin teil.

"Wir verurteilen aufs Schärfste den brutalen Putsch in unserer Schwesterrepublik Honduras", sagte Venezuelas Botschafterin in Deutschland, Blancanieve Portocarrero, die zu der Konferenz eingeladen hatte. Portocarrero erinnerte daran, dass zahlreiche Organisationen wie die ALBA, die OAS, die UNASUR, die Rio-Gruppe, die UNO und die EU den Staatsstreich bereits verurteilt haben.

"Die Staaten der ALBA unterstützen auch die geplante Volksbefragung, die am Sonntag stattfinden sollte", fügte Portocarrero an.

Kubas Botschafter in Berlin, Gerardo Peñalver Portal, erinnerte an das gewaltsame Vorgehen der Putschisten in Honduras. Die Botschafter von Kuba, Nicaragua und Venezuela seien attackiert worden, als sie die Außenministerin Patricia Rodas vor den Putschistentruppen schützen wollten.

"Wir machen uns deswegen besonders Sorgen um die 486 kubanischen Ärzte und humanitären Helfer, die in Honduras ihren Dienst tun", sagte Peñalver.

Auch der kubanische Gesandte lehnte das Putschregime entschieden ab. "Die Zeit der Militärdiktaturen in Lateinamerika ist vorbei", sagte er, um Fidel Castro zu zitieren: "Mit den Putschisten kann man nicht verhandeln, man muss ihren Rücktritt fordern."

Ecuadors Botschafter in Deutschland, Horacio Sevilla Borja, forderte "alle nur denkbare Solidarität für das Volk von Honduras". Der Präsident seines Landes, Rafael Correa, habe bereits eine Versammlung der Präsidenten der Rio-Gruppe beantragt.

Sevilla Borja befürwortete die jüngsten Äußerungen des deutschen Außenministers Frank-Walter Steinmeier. Der sozialdemokratische Politiker hatte den Putsch in Honduras am Montagmorgen in einer Erklärung verurteilt.

Auch die Geschäftsführerin der Botschaft von Nicaragua in Berlin, Karla Luzette Beteta Brenes, sprach der gewählten Regierung von Manuel Zelaya ihre Solidarität aus. Sie erinnerte daran, dass der Staatstreich gegen zahlreiche Verträge verstoße, unter anderem gegen das 1991 unterzeichnete Protokoll von Tegucigalpa.

Der Putsch in Honduras sei eine "Gefahr für die Region und für die internationale demokratische Ordnung", fügte der Vertreter von Ecuador, Sevilla Borja, an. Die Staaten der ALBA würden sich daher weiter für eine Rückkehr der rechtmäßig gewählten Regierung in Honduras einsetzen.


Der Text erschien auf Spanisch bei der kubanischen Nachrichtenagentur Prensa Latina. Übersetzung und Bearbeitung: amerika21.de


Quelle: amerika21.de

Mehr zum Thema:

Gegenmeinung: Deutsche Parteistiftungen arbeiten am Sturz linker Regierungen in Lateinamerika

Montag, 29. Juni 2009

"Die honduranische Bevölkerung strömt massenhaft auf die Straßen."

Interview mit einem der Sprecher von Via Campesina in der Illeagalität

Von Übersetzung M. Daniljuk
amerika21.de
"Die honduranische Bevölkerung strömt massenhaft auf die Straßen."

Rafael Alegría

Rafael Alegría, Bauernführer aus Honduras und Mitglied des Internationalen Koordinierungsausschusses von Via Campesina, lebt derzeit versteckt, um der Verfolgung durch die "de facto Regierung" zu entgehen. In einem Telefon-Interview mit Prensa de Frente, erklärt er gestern Abend, dass der Putsch durch die Streitkräfte angeführt, aber untersützt wird durch das Oberste Gericht und die konservativen Kräfte der Opposition, um den demokratischen Präsidenten Manuel Zelaya Rosales zu verdrängen. Außenministerin Rhodos haben die Putschisten inzwischen nach Mexiko ausgeflogen. Nach Informationen der Sozialen Bewegungen liegen bis zu 600 Haftbefehle gegen Aktivistinnen und Aktivisten vor.

Wie ist die Situation heute, nach der Entführung des Präsidenten?

Heute Morgen gab es einen Staatsstreich, der von der Armee und mit der Unterstützung des Obersten Gerichts und der Zustimmung der Opposition im Kongresses durchgeführt wird. Präsident Zelaya wurde von Mitgliedern der Armee entführt, sie stürmten vermummt den Präsidentensitz. Auch die Kanzlerin und Außenministerin Patricia Rhodes wurde verhaftet. Das Parlament, mit der Unterstützung der konservativen Kräfte des Landes, hat Roberto Micheletti, bisher Präsident des Kongresses, gegen den Willen der Bevölkerung zum neuen Präsidenten ernannt.

Wie reagierten die Menschen zur Zeit?

Die Menschen in Honduras strömen massiv auf die Straßen gegen den Staatsstreich, die Ablehnung ist weit verbreitet. Für morgen, Montag den 29., haben die drei Gewerkschaften im Land, der Bloque Popular und die Bauernbewegung zum Generalstreik aufgerufen. Heute Abend haben die Sicherheitskräfte auf die Demonstrationen geschossen. Ab Mitternacht hat die Putschregierung eine Ausgangssperre verhängt.

Wir haben gehört, dass gegen Sie ein Haftbefehl vorliegt?

So ist es. Man hat einen Haftbefehl gegen mich ausgestellt. Derzeit bin ich in Tegucigalpa und nehme an den Protesten der Bevölkerung teil. Ich habe die Interamerikanische Menschenrechtskommission informiert, damit meine Freiheit und körperliche Unversehrtheit garantiert ist.

Vor ein paar Stunden wurde die Information verbreitet, dass das Militär eine Reihe von diplomatischen Vertretern der Länder Lateinamerikas festgenommen hat. Welche Informationen haben Sie?

Das ist richtig. Auch die Organisation Amerikanischer Staaten verurteilt die Vorgänge und erkennt Micheletti nicht als Präsidenten an. Sie fordert die sofortige Wiedereinsetzung von Zelaya. In Bezug auf die Angriffe auf Diplomaten: Die Botschafter von Venezuela, Nicaragua und der kubanischen Außenminister waren bei der Außenministerin Rhodos, als sie von der Armee entführt wurden . Wir wissen, dass die Diplomaten einige Stunden später entlassen wurden. Aber wir wissen nicht, wo sich Rhodos befindet. Wir rufen alle Völker der Region auf, den Staatsstreich zu verurteilen und zu den Botschaften unseres Landes auf dem gesamten Kontinent zu mobilisieren.


Bild: www.viacampesina.org

Quelle: News Front - ALBATV, 29. Juni 2009

http://www.albatv.org/article165.html


Quelle: amerika21.de

Bündnis linksgerichteter Staaten Lateinamerikas

Die ALBA wurde erweitert

Von Karl Weiss

Die ALBA (Bolivarische Allianz für Amerika) hat in Maracay, in der Nähe von Caracas, Venezuela, einen Sondergipfel abgehalten. Es handelt sich bei dieser Allianz um einen Zusammenschluss von Ländern mit linken Regierungen bzw. Präsidenten, hauptsächlich Kuba, Venezuela, Bolivien, Nicaragua, Honduras und Ecuador, dazu einige lateinamerikanische Klein- und Inselstaaten.

Zusatz zum Artikel
Dieser Artikel wurde bereits vor dem Bekanntwerden des Militär-Putsches in Honduras fertiggestellt. Er bekommt durch dies Ereignis eine besondere Aktualität. Der Putsch wurde bereits von der Mehrheit der Präsidenten der Staaten des amerikanischen Kontinents verurteilt. Kein Ton allerdings aus den USA und von den unmittelbar mit den USA liierten Präsidenten von Mexiko und Kolumbien. Welche Schlüsse sind daraus zu ziehen?

Chávez

Neben der Aufnahme neuer Mitglieder wurden eine Wirtschaftsunion, die Festlegung des Hauptthemas der Agrarwirtschaft und die Vorbereitung einer Gemeinschaftswährung beschlossen.

Die ALBA schließt jene Staaten in Lateinamerika zusammen, die über übliche sozialdemokratische Positionen hinausgehende linke Auffassungen vertreten. Der Kern dieser Allianz wird von Kuba und Hugo Chávez` Venezuela gebildet, dazu gesellten sich die später gewählten Präsidenten von Bolivien, Morales und von Ecuador, Correa. Ecuador wurde auf dem Sondergipfel in Maracay offiziell in die Staatengemeinschaft aufgenommen. Neue Mitgliedsanträge stellten die Karibik-Inselstaaten St. Vincent und das dem britischen Commonwealth angehörende Antigua und Barbuda.

Evo Morales

Die Bezeichnung wurde von „Alternative“ in „Allianz“ umgewandelt, wodurch das Kürzel ALBA gleich blieb. Der Begriff „Bolivarisch“ wird in Lateinamerika leicht verstanden. Das bezieht sich auf den Venezuelaner Simon Bolivar (nach dem Bolivien benannt ist) und die anderen Helden der Befreiung aus spanischer Kolonialherrschaft vom Beginn des Neunzehnten Jahrhunderts, die in Lateinamerika als „Libertadores“ (Befreier) bezeichnet werden.

Der Ort war mit hoher Symbolkraft gewählt worden. Maracay liegt in der Nähe des Schlachtfeldes von Carabobo, wo 188 Jahre vor diesem Treffen den Truppen der spanischen Kolonialisten eine entscheidende Niederlage beigebracht worden war. Man ließ zu diesem Gedenktag Truppen der beteiligten Staaten auf dem Schlachtfeld paradieren und darüber russische Kampfflugzeuge fliegen.

Bolivien: Mitglieder von Rechts-Milizen
Um einen Eindruck vn den reaktionären Grossgrundbesitzern (die meistens direkt mit den USA liiert sind) zu geben, muss man sich nur die "Kämpfer" der Rechts-Milizen ansehen, die letzte Jahr einen Putsch in Bolivien versuchten. Hier seien drei Bilder eingestellt, die sie zeigen und die Leichen von hilflosen Kleinbauern, die sie ermordet haben.

Doch das Wesentliche des Sondergipfels war nicht die Symbolik, sondern waren die tatsächlichen Fortschritte des Zusammenschlusses. Obwohl das Bündnis bereits seit 2004 besteht, gab es bisher keine permanenten Strukturen. Deren Gründung wurde nun beschlossen. Es wurden permanente Räte für politische, wirtschaftliche und soziale Fragen eingerichtet. Es wurde die Vorbereitung einer gemeinsamen Währung, des Sucre, beschlossen. Dazu die Gründung einer gemeinsamen Universität für Fachleute der Agrarwirtschaft. Als wesentlicher Inhalt der Allianz wurde neben der wirtschaftlichen Integration das gemeinsame Vorantrieben der Agrarwirtschaft festgelegt.

Das typische Problem aller Entwicklungsländer ist das Fehlen einer ausreichenden und eigenständigen Agrarproduktion. Die imperialistischen Länder, das heißt vor allem die Vereinigten Staaten, die EU, Japan und die Schweiz haben fast alle großen Agrarkonzerne und alle wesentlichen Agrarhandelsfirmen in der Hand, sie verfügen über eine riesige Überschussproduktion an Agrarprodukten, die sie subventionieren und mit Dumpingpreisen in die Märkte der Entwicklungsländer drücken. Dort werden so jegliche Ansätze einer eigenen Agrarproduktion, einer Agrarindustrie und der Selbstversorgung im Keim erstickt, weil niemand zu jenen Preisen Agrarprodukte produzieren kann, mit denen jene Länder diese Produkte in die dortigen Märkte liefern.

Bolivien: Leichen von erschossenen Kleinbauern

Fast alle Entwicklungsländer führen fast die Hälfte oder mehr ihres Nahrungsmittelbedarfes ein und das meistens nicht aus benachbarten anderen Entwicklungsländern, sondern aus den imperialistischen Staaten.

Auf diese Art und Weise gelingt es den Imperialisten, diese Länder in vollkommener Abhängigkeit zu halten, denn beim geringsten Aufbäumen können die Lebensmittellieferungen gestoppt werden, was dasjenige Land in Agonie stürzt. Das aktuelle Beispiel ist das Zimbabwe des Mugabe, der sich einfach nicht unterordnen wollte. Die Weigerung, Nahrungsmittel zu liefern, ließen Zimbabwe in eine sich ständig verschlimmernde Wirtschaftskrise schlittern, aus der das Land bis heute nicht entkommen konnte. Hunger und Seuchen verbreiteten sich und Mugabe war völlig machtlos.

Das wissen die Präsidenten der ALBA-Staaten wahrscheinlich sehr genau. Sie wissen, nur über die Entwicklung einer eigenen entwickelten Agrarwirtschaft, von Agrarfirmen und Handelsunternehmen sowie der Selbstversorgung werden sie von den imperialistischen Staaten unabhängig werden können.

Bolivien: Bewaffnete Mitglieder von Rechts-Milizen

Doch die Agrarproduktion, die Nahrungsmittelversorgung ist noch in einem anderen Sinne der Schlüssel zur Unabhängigkeit der Entwicklungsländer: Soweit eine Agrarproduktion besteht, ist sie in fast allen Entwicklungsländern fast ausschließlich in der Hand von Großgrundbesitzern. Diese wiederum sind die wesentliche Basis der Macht in diesen Ländern und sind mit dem einen oder anderen imperialistischen Staat liiert. Sie stehen natürlich in feindlicher Opposition zu linken Präsidenten und haben den „konservativen“ Apparat von ein, zwei oder drei Regierungsparteien in ihren Händen, die sie abwechselnd die Macht teilen ließen, bevor die linken Präsidenten ihnen einen Strich durch die Rechnung machten.

Auch von diesen Blutsaugern der Entwicklungsländer muss man unabhängig werden und das heißt schärfste Kämpfe mit ihnen zu überstehen, wie Hugo Chávez aus eigener leidvoller Erfahrung weiß.

Es ist also zweifellos ermutigend, dass diese linken Präsidenten Lateinamerikas das Thema der Agrarproduktion als Kernproblem erkannt haben und daran arbeiten wollen. Damit könnte die ALBA, die objektiv gesehen bisher nichts als ein verzweifelter Versuch ist, zu einem Fanal für die Riesenmassen von Menschen in allen Entwicklungsländern werden.

Was ist die Basis dieser Entwicklung? Warum gibt es in Lateinamerika, das traditionell von Militärdiktaturen von USAs Gnaden oder von reaktionären („konservativen“) Politikern regiert wurde, nun plötzlich eine Mehrheit von sozialdemokratischen und linken Präsidenten? Warum gibt es nur noch in zwei der bedeutenden Länder Lateinamerikas den traditionellen USA-hörigen Präsidenten? (Mexiko und Kolumbien), warum hat die Mehrheit der lateinamerikanischen Bevölkerung heute einen Präsidenten vom Typ Sozialdemokrat (Brasilien, Argentinien, Chile, Uruguay, Paraguay)? Warum gibt es nun plötzlich linke Präsidenten, speziell in den Armenhäusern Lateinamerikas (Venezuela, Bolivien, Honduras, Ecuador, Nicaragua)?

Bolivien: Laden eines Verwandten von Morales gebrandschatzt
Hier noch ein anderes Bild aus eben jenem Putschversuch, das auch bezeichnend ist: Dieser Laden, der von den Rechts-Milizen gebrandschatzt wurde, gehörte einem Verwandten von Präsident Morales. Faschisten (auch jene im Auftrag der USA) arbeiten immer mit Sippenhaft

All dies hat seine Basis in der revolutionären Gärung, die Lateinamerika erfasst hat. Seit Beginn des neuen Jahrtausends gibt es grundlegende und tiefgreifende Veränderungen im Bewusstsein der Volksmassen in Lateinamerika. In einem ersten und beeindruckenden Schlag entlud sich dies im „Argentinazzo“ im Jahr 2001 in Argentinien, als der reaktionäre Präsident angesichts der aufgebrachten Volksmassen durch den Hinterausgang aus seinem Palast schlüpfen musste, um einen Hubschrauber zu erreichen, der ihn an den Flughafen brachte, von wo er ins Ausland flüchtete.

Das heißt noch nicht, dass in einem dieser Länder bereits eine revolutionäre Situation entstanden wäre, aber es heißt, die Imperialisten und ihre lokalen Repräsentanten gerieten in schwerste Widrigkeiten, die sie in einigen dieser Länder definitiv von der Macht abdrängte – was allerdings noch lange nicht heißt, nun sei das Volk an der Macht.

Da wächst in Lateinamerika ein weiteres Fanal gegen die imperialistische Weltherrschaft und die sich immer noch in Entwicklung befindliche Wirtschaftskrise könnte zu weiteren schwersten Problemen für die imperialistische Brut führen.

Nur zu! Alles, was hilft, diesem System den Todesstoss zu bereiten, hilft!

Quelle: Karl Weiss

Politische Verfolgung nach Putsch in Honduras

Haus von Abgeordnetem gestürmt, Minister der Regierung Zelaya inhaftiert. FDP-nahe Stiftung spricht von "Rückkehr zu Rechtsstaat"

Von Harald Neuber

Tegucigalpa/Berlin. Im Verlauf des Militärputsches in Honduras geht das Militär mit zunehmender Brutalität gegen Anhänger des gewählten Präsidenten Manuel Zelaya vor. Wie die Polizei des mittelamerikanischen Landes in der Nacht zum Montag bestätigte, haben Soldaten das Haus des Kongressabgeordneten der linksgerichteten Partei der Demokratischen Einheit (PUD), Cesar Ham, angegriffen. Dabei soll es zu einem Schusswechsel gekommen sein.

Unklar ist das Schicksal des PUD-Vorsitzenden. Die mexikanische Nachrichtenagentur Notimex berichtete vom Tod des Putschgegners. Nach anderen Quellen konnte der 50-Jährige fliehen und untertauchen. Ein Großteil der Kabinettsmitglieder von Präsident Zelaya wurde indes verhaftet. Die Lage in dem mittelamerikanischen Land ist nach wie vor unübersichtlich. Ein Grund dafür ist auch, dass die Putschisten fast alle unabhängigen Medien abgeschaltet haben.

Cesar Ham war maßgeblich an der Organisation einer Volksabstimmung beteiligt, mit der die Menschen in Honduras am Sonntag über die Einberufung einer verfassunggebenden Versammlung Ende des Jahres entscheiden sollten. Vertreter der Oberschicht, Teile der Militärführung und zuletzt auch der oppositionell organisierte Oberste Gerichtshof hatten sich gegen das Vorhaben ausgesprochen. Sie befürchteten eine Anpassung des politischen Systems an die anti-neoliberal orientierten Regierungen in Venezuela, Bolivien und Ecuador. Als Zelaya die Volksbefragung mit Hilfe tausender Anhänger dennoch durchführen wollte, erhob sich die Militärführung gegen ihn. Inzwischen wurde der Politiker der Liberalen Partei Honduras, die – wie auch die deutsche FDP – Mitglied in der Liberalen Internationalen ist, nach Costa Rica deportiert. Auch Außenministerin Patricia Rodas wurde inzwischen nach Mexiko abgeschoben.

Ein anderer Vertreter der Partei der Demokratischen Einheit, Tomas Andino Mencias, berichtete gegenüber der venezolanischen Nachrichtenagentur ABN von repressiven Maßnahmen gegen Vertreter seiner Partei. So sei kein Vertreter des gewählten Präsidenten Manuel Zelaya im Kongress anwesend gewesen, als dessen Vorsitzender Roberto Micheletti zum "Interimspräsidenten" ernannt wurde. Mehrere Abgeordnete seien bei dem Versuch, in das Parlamentsgebäude zu gelangen, von Soldaten festgenommen worden, hieß es in anderen Berichten.

Eine erste Reaktion aus dem deutschen Parteienspektrum stammt von der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung (FNS). Deren Regionaldirektor Christian Lüth veröffentlichte noch am Sonntag in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa einen "Bericht aus aktuellem Anlass" mit dem Titel Mehr Täter als Opfer. Nach Lüths Darstellung trägt Zelaya nicht nur eine Mitschuld an der Entwicklung. "Im Gegenteil", schreibt der deutsche Stiftungsvertreter: "Seit Monaten provozierte der Präsident die Legislative und die staatlichen Institutionen …". Lüth schreibt von einer "illegalen Volksbefragung" und "trotzig-provokanten Reaktionen" des gestürzten Staatschefs. All dies habe den Putschisten letztlich "keine andere Wahl" gelassen. Während der Staatsstreich international – auch in den USA und in der EU – auf entschiedene Kritik stieß, lobt der Vertreter der "Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit" die "Rückkehr zu Rechtsstaat und zu Verfassungsmäßigkeit" durch einen Militärputsch in Honduras.

Zelaya selbst kam in der Nacht zum Montag in Managua mit den Präsidenten von Venezuela, Ecuador und Nicaragua zusammen. Aus diesen drei Mitgliedsstaaten des linksgerichteten Staatenbündnisses Bolivarische Allianz für Amerika (ALBA) bekam Zelaya Rückendeckung. Venezuelas Staatschef Hugo Chávez prognostizierte ein Scheitern des Putsches, weil die zivil-militärische Junta von demokratischen Kräften "eingekreist" sei. Zugleich warnte Chávez davor, dass die Putschisten ihre Macht festigen. Ecuadors Staatschef Rafael Correa rief Bevölkerung und Militär in Honduras zur Rebellion gegen die Putsch0isten auf. Kubas Außenminister Bruno Rodríguez schloss indes Verhandlungen mit der Junta kategorisch aus. Im Laufe des Montags wollen die ALBA-Staaten weitere Maßnahmen gegen die Junta in Honduras verkünden.


Den Originaltext des Onlinemagazins Telepolis finden Sie hier.


Quelle: amerika21.de

Unwissenheit ist Stärke

von Paul Craig Roberts

Informationclearinghouse -- Die einseitige und propagandistische Berichterstattung durch die amerikanischen Medien über die Wahlen im Iran hat aus dem unterlegenen Kandidaten Mousawi einen Helden gemacht.

Man fragt sich, ob irgend jemand irgendwo in den amerikanischen Medien oder der US-Regierung weiß, daß Mir-Hossein Moussawi, der in dem Jahrzehnt nach dem Sturz des amerikanischen Marionettenregimes durch Khomeini von 1981 bis 1989 Premierminister der Islamischen Republik Iran war, als Schlächter von Beirut bezeichnet wurde, verantwortlich für die blutigen Anschläge auf die US Botschaft und die Kaserne der US Marines in Beirut in der Zeit der Präsidentschaft Reagans. Bei den Anschlägen wurden damals 241 US Marines, Schiffsbesatzungen und Armeesoldaten getötet.


Karikatur: El Patio

Dem Artikel von Jeff Stein in der Ausgabe von CQ Politics vom 22. Juni zufolge wählte Moussawi Ali Akbar Mohtashemi-pur zum leitenden Planer der Terrorkampagne von Beirut aus. Akbar führte die Terrorzelle an, die für die Anschläge verantwortlich war. Admiral James Lyons zufolge hörte die National Security Agency damals den iranischen Botschafter im Libanon ab. Admiral Lyons sagte Jeff Stein, daß „der iranische Botschafter vom Außenminister angewiesen wurde, mehrere Gruppen bereitzuhalten, um Anschläge auf US-Personal im Libanon zu verüben, insbesondere aber, um eine ‚spektakuläre Aktion‘ gegen die Marines durchzuführen.“

Stein berichtet, daß Lyons“ Moussawi auch mit dem Anschlag mit einem mit Sprengstoff beladenen LKW auf das US Navy‘s Fleet Center in Neapel in Verbindung bringt.“ Bob Baer, zu jener Zeit als CIA Offizier im Nahen Osten im Einsatz, sagt, daß Moussawi „direkten Kontakt zu Imad Mughniyah“ hatte, der für die Anschläge verantwortlichen Person. All diese Tatsachen sind vollständig aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwunden. Die Medien in den USA und die Regierung haben aus dem Schlächter von Beirut Moussawi den Mann gemacht, der sich anschickt, Iran von der Theokratie zu befreien.

Nur in Amerika und unter der fiktiven Bevölkerung in George Orwells prophetischem Roman 1984 finden wir ein solches Ausmaß von Unwissenheit. In Amerika - auch Ozeanien genannt - erleben wir täglich wie die Macht der drei Slogans des Großen Bruders wächst:

KRIEG IST FRIEDEN

FREIHEIT IST SKLAVEREI

UNWISSENHEIT IST STÄRKE

Aus Unwissenheit erwächst die Stärke aus dem terroristischen Feind Amerikas Moussawi einen Helden zu machen.
Freiheit rechtfertigt den Schutz, der gewährleistet wird, indem der Einzelne stets und ständig überwacht wird, ohne daß eine geschütze Privatsphäre den großen Bruder noch daran hindern kann, einen geplanten Terroranschlag aufzudecken. Diese Freiheit von der Furcht vor Terror verwandelt sich in die Sklaverei zeitlich unbefristeter Haft ohne Beweise oder konkrete Anschuldigungen. Der Grundsatz von habeas corpusist zum Gegenteil von Freiheit geworden, weil er unseren Schutz vor Terroristen gefährdet.

Am 23. Juni 2009 folgte der Große Bruder Obama der Tradition der Großen Brüder Bush und Cheney und erklärte, daß Ozeanien und „die ganze Welt“ entsetzt und empört über die Versuche des Iran seien, die Proteste, die durch Ozeaniens Einmischung in die Wahlen im Iran entfacht wurden, gewaltsam zu unterdrücken.

Gleichzeitig setzt Ozeanien seine Kriege in Irak, Afghanistan und Pakistan fort, vernichtet dabei Menschen auf allen Seiten der Fronten, und rüstet sich währenddessen, Frieden im Iran zu schaffen. Niemand regt sich über diese Gewalt auf. Krieg ist Frieden. Wer keine Kriege führt, kann keinen Frieden schaffen. Frieden entsteht, wenn sich die Herrschaft des Großen Bruders auf jene Gegenden ausweitet, in denen man nicht versteht, daß Krieg Frieden, Freiheit Sklaverei und Unwissenheit Stärke ist.

„Das Gesicht des Großen Bruders schien noch für mehrere Sekunden auf dem Bildschirm sichtbar zu bleiben, so als wenn die Wirkung, die sein Anblick auf die Augen der Anwesenden gemacht hatte, zu lebhaft war, als daß er unvermittelt hätte verschwinden können. Die kleine Frau mit den sandfarbenen Haaren hatte sich über die Lehne des Stuhls vor ihr gebeugt. Mit einem zittrigen Murmeln, das wie „Mein Erlöser!“ klang, streckte sie die Arme in Richtung Bildschirm aus.

In diesem Moment verfiel die gesamte Menge in einen tiefen, langsamen, rhythmischen Sprechgesang „Großer Bruder, Großer Bruder, Großer Bruder“, immer und immer wieder, sehr langsam, mit einer langen Pause zwischen den beiden Worten; ein schweres, murmelndes Dröhnen, merkwürdig wild und ursprünglich, wobei man meinte im Hintergrund das Stampfen nackter Füße und das Pulsieren von Buschtrommeln zu hören. Die Menge setzte den Gesang für vielleicht dreißig Sekunden fort. Dieser Refrain war oft in Momenten überwältigender Emotionen zu hören. Zum Teil war es eine Art Hymne an die Weisheit und Majestät des Großen Bruders, aber es war mehr noch ein Akt der Selbsthypnose, ein freiwilliges Abschalten des Bewußtseins durch diesen rhythmischen Lärm.“

Das Abschalten des Bewußtseins durch rhythmischen Lärm beschreibt die Arbeit des Wahrheitsministeriums von Ozeanien recht treffend.

Wieviel Zeit bleibt den Amerikanern noch, bis es ein Gedankenverbrechen sein wird, am Großen Bruder und dem Ministerium für Wahrheit zu zweifeln?

„Ob er schrieb ‚Nieder mit dem Großen Bruder!‘, oder ob er es unterließ, machte keinen Unterschied. Die Gedankenpolizei würde ihn so oder so zu fassen kriegen. Er hatte das grundlegende Verbrechen begangen, das alle anderen Verbrechen schon enthielt. Gedankenverbrechen nannten sie es.“

Die Neokonservativen haben in Amerika Kommitees zur Überwachung von Gedankenverbrechen unter Professoren eingerichtet. Akademiker, die die von den Neokonservativen vorgegebenen Linie abweichen oder sie in Frage stellen, werden identifiziert und Schmähkampagnen ausgesetzt. Die berufliche Existenz von Sami Al-Arian, einem Professor für Computerwissenschaften an der Universität von Florida wurde vom US Justizministerium (!) zerstört, weil er die palästinensische Sicht der Dinge kundtat.

Diese Spionagekampagne der Neokonservativen wird von Dennis C. Blair, dem Direktor der National Intelligence noch weiter ausgeweitet. In seinem Artikel in Counterpunch vom 23. Juni berichtet David Price, daß Blair Pläne für ein Programm angekündigt hat, in dessen Rahmen Nachrichtenoffiziere (Geheimdienstmitarbeiter, A.d.Ü) in der Durchführung von verdeckten Aufträgen in den Universitäten und Seminaren geschult werden sollten, ohne daß ihre Identitäte den Professoren oder Verwaltungsmitarbeitern bekannt wäre.

Dies wird auch von Orwell selbst nicht mehr übertroffen. Unabhängiges Denken wird zunehmend zu einem ernsten Gedankenverbrechen. Winston Smith war der einzige unter den Untertanen des Großen Bruders, der noch zu unabhängigem Nachdenken fähig war. Seine Fähigkeit selbständig zu denken wurde entdeckt und ausgelöscht.

Schon jetzt sehen wir, daß die US-Medien zu eigenständigem Denken nicht in der Lage sind.

Unabhängiges, eigenständiges Denken ist an den Universitäten, wo berufliche Karrieren von Geldern der Regierungsgeldern abhängen, heute bereits halbtot.

In den think-tanks(möglich Übersetzung: Denk-Panzer; A.d.Ü.), wo die Interessen der Geldgeber die Richtung vorgeben, existiert kein unabhängiges Denken. Unabbhängiges selbständiges Denken wird in Amerika zusehends zu einer anti-amerikanischen Handlung, die immer mehr einer terroristischen Handlung gleicht.

Mit Neusprechgelingt es mühelos, diese Wandlungen und Umformungen von Bedeutung und Inhalten zu handhaben. Die neuen Generationen, die in dieses System hineingeboren werden, kennen keine Unterschiede zu früher und müssen darum auch nicht zum Schweigen gebracht werden. Sobald die Angehörigen der älteren Generationen unter Kontrolle gebracht wurden, ist die Wahrheit das, was der Große Bruder verkündet. Was immer es auch sei.

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Paul Craig Roberts war stellvertretender Finanzminister in der Regierung Reagan. Er ist Verfasser von „Supply-Side Revolution: An Insider‘s Account of Policymaking in Washington“ (Revolution der Angebotsseite: Bericht eines Insiders über Politik in Washington), von „Alienation and the Soviet Economy“ (Entfremdung und die sowjetische Wirtschaft) und von „Meltdown: Inside the Soviet Economy“ (Abschmelzen: Innenansicht der sowjetischen Wirtschaft), sowie gemeinsam mit Lawrence M. Stratton von „The Tyranny of Good Intentions: How Prosecutors and Bureaucrats Are Trampling the Constitution in the Name of Justice“ (Tyrannei der guten Absichten: Wie Strafverfolger und Bürokraten die Verfassung im Namen der gerechtigkeit mit Füßen treten) Man kann ihn unter paulcraigroberts@yahoo.com erreichen.

Übersetzt vom Englischen ins Deutsche von Hergen Matussik, einem Mitglied von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt (URL Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=7973&lg=de). Diese Übersetzung unterliegt dem Copyleft: sie kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor als auch die Quelle genannt werden.


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»Sein Niveau ist auf der Ebene der Glückskekse«

Platitüden, Nonsens, albernes Gekicher: Der Dalai Lama soll Ehrendoktor der Universität Marburg werden. Gespräch mit Colin Goldner

Interview: Peter Wolter
Bild 1
Colin Goldner ist klinischer Psychologe und Autor der kritischen Biographie: »Dalai Lama – Fall eines Gottkönigs« (Aschaffenburg, akt. Neuauflage 2008)

Am 3. August 2009 soll dem Dalai Lama die Ehrendoktorwürde der Marburger Philipps-Universität verliehen werden, um ihn, wie es heißt, »für sein wissenschaftliches Wirken zu würdigen«. Was steckt da dahinter?

Der Dalai Lama wird anläßlich seines diesjährigen Deutschlandbesuches vom 30. Juli bis zum 2. August in der Frankfurter Commerzbank-Arena buddhistische Belehrungen abhalten. Anschließend bekommt er in Marburg einen Ehrendoktorhut aufgesetzt, den 54. seiner Karriere, wenn ich mich nicht verzählt habe. Wie bei all den anderen Ehrendoktoraten, die er von Hochschulen in aller Welt erhalten hat, steht auch in Marburg nicht das geringste akademische Verdienst dahinter. Aber auch kein anderes: kein politisches, kein soziales, kein humanitäres und kein sonstiges.

Vor genau 20 Jahren hat er doch den Friedensnobelpreis bekommen. Auch das ohne Verdienst?

Ja, ohne den geringsten Beitrag zu irgendeinem Demokratisierungs- oder Friedensprozeß. 1989 war das Jahr des Massakers auf dem Tiananmen-Platz des Himmlischen Friedens in Peking. Man suchte in den westlichen Industrieländern einen Weg, wie man Entrüstung zum Ausdruck bringen könnte, zugleich aber die sich anbahnenden Wirtschaftsbeziehungen zur Volksrepublik China nicht gefährden würde. Mit der Verleihung des Friedensnobelpreises an den Dalai Lama, den Inbegriff alles Antichinesischen, war dieser moralischen Verpflichtung Genüge getan.

Was rechtfertigt die Marburger Ehrendoktorwürde für den Dalai Lama?

Nichts. Was der »Gottkönig« in seinen Vorträgen zum besten gibt, ist eine absurde Dialektik von Platitüde und Nonsens. Zum einen läßt er positiv-denkerischen Trivialkram ab, dessen Niveau nur selten über das der Glückskekse hinausreicht, die man nach dem Essen im Chinarestaurant bekommt, beispielsweise »Nur wer Leid erträgt, wird Glück erfahren«. Alle können dabei mit dem Kopf nicken und sich der Erleuchtung ganz nahe wähnen, auch wenn der Aussagewert gleich null ist. Zum anderen schwadroniert er endlos in pseudophilosophischer Metaphysik herum und reiht, begleitet von unmotiviertem Gekichere und sonstigen Hanswurstiaden, wie etwa dem Herumschaukeln auf seinem Thron, sinnleere Worthülsen aneinander. Schon nach dem ersten Satz schalten die Zuhörer ab, weil es schlechterdings keinen Sinn macht, was er da von sich gibt. Dieses kognitive Abschalten halten sie dann auch noch für bewußtseinsfördernde Meditation. Wenn man’s nicht versteht, dann nur, weil man selbst doch noch nicht erleuchtet genug ist.

Ein Beispiel?

O-Ton »Seiner Heiligkeit«: »Daß Erscheinungen unter letztgültiger Analyse nicht gefunden werden können, zeigt an, daß sie nicht wirklich existieren. Da sie leer sind in bezug auf die konkrete Existenzweise, in der sie erscheinen, ist klar, daß sie im Kontext und Wesen der Leere in bezug auf inhärente Existenz existieren.« Es ist wie in Andersens Märchen von den neuen Kleidern des Kaisers: Niemand traut sich zu sagen, daß der Dalai Lama einen Unsinn verzapft, daß die Lichter ausgehen.

Warum legt sich die Universität Marburg so ein Ei ins Nest?

Offenbar glaubt man, der Glanz all der vorherigen Ehrungen, einschließlich des Nobelpreises, falle irgendwie auch auf die Uni Marburg zurück. Die Ehrendoktoratsverleiherei an den Dalai Lama ist zu einem grotesken Selbstläufer geworden. Die Uni Marburg muß sich gleichwohl fragen lassen, weshalb sie einen Mann auszeichnet, der als oberster Repäsentant eines der ausbeuterischsten und blutsaugerischsten Systeme gilt, die es je in der Menschheitsgeschichte gab: eines feudaltheokratischen Priesterstaates, in dem bis Mitte des 20. Jahrhunderts – also bis in die Ägide des jetzigen Dalai Lama hinein! –Leibeigenschaft und Sklaverei vorherrschten. Sie muß sich fragen lassen, weshalb sie das Oberhaupt eines religiösen Wahnsystems ehrt, zu dessen wesentlichen Ritualen der sexuelle Mißbrauch kleiner Mädchen zählt; einen Obskuranten, der auf Astrologie, Orakel- und Dämonenkult abstellt und von sich behauptet, frei durch die Luft fliegen zu können.

Quelle: junge Welt

Sonntag, 28. Juni 2009

Demokratische Alternativen in Süd- und Mittelamerika werden vom internationalen Kapital mit allen Mitteln bekämpft

Von Folker Hoffmann

Während der Westen im Iran und zuhause Propagandaschlachten schlägt, um eine Wahl zu annulieren, die einen ihm nicht genehmen Wahlsieger Ahmadinedschad hervorbrachte, hat das Militär in Honduras einen Staatsstreich durchgeführt, und den populären, demokratisch gewählten Präsidenten Zelaya, abgesetzt. Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass dies nicht ohne aktive Mithilfe westlicher Geheimdienste geschah. Die Schlapphüte handeln im Auftrag ihrer Regierungen. Diese wiederum hängen als Befehlsempfänger an den Fäden des Großkapitals und geben weiter was ihnen aufgetragen wird. Wahlergebnisse, die in demokratischen Wahlen zustande kommen, aber der wirtschaftlichen Ausbeuterklasse nicht in den Kram passen, werden nicht respektiert und durch Putschs und/oder Militärinterventionen zunichte gemacht. So wie bei den Wahlen in Palästina 2006, als die Hamas die absolute Mehrheit errang. Erst Gelder streichen, dann stellvertretend innerpalästinensische Kämpfe mit Hilfe des Mossad und anderer Geheimdienste austragen lassen.


Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de

Das ist beim subversiven Kampf des internationalen Kapitals gegen alternative Gesellschaftsordnungen nie anders gelaufen. Seit langem ist die Entwicklung in Lateinamerika der global im Einsatz befindlichen Hochfinanz ein Dorn im Auge und sie ließ keine Gelegenheit verstreichen den lateinamerikanischen Befreiungsprozess zu bekämpfen. Ob in Chile oder bei seinem Militäreinsatz gegen den Zwergstaat Grenada, die kläglich gescheiterte Schweinebuchtinvasion auf Kuba, samt mehrerer erfolgloser Mordanschläge auf Fidel Castro, überall war die CIA federführend.

Selbst deutsche Parteienstiftungen stehen bei der Aufteilung der Beute nicht abseits und leisten im Auftrag ihrer Gönner wertvolle, umstürzlerische Arbeit. Sie sehen seit langer Zeit ihre Hauptaufgabe darin, Unruhen in Staaten zu schüren, die aus der westlichen Kapitaldominanz ausscheren wollen, um eigene Wege zu gehen. Die Adenauer-Stiftung beispielsweise, betreibt in Venezuela mit Nazi-Propaganda und deutschen Steuergeldern ihr Schmierenspiel gegen die Regierung von Präsident Hugo Chávez.

Die Bolivarianischen Alternative für Amerika (ALBA) ist inzwischen zu einem Bündnis von nun insgesamt neun Staaten der Regionen Süd- und Mittelamerika sowie der Karibik angewachsen. Eine echte Herausforderung für das marode Wirtschafts- und Gesellschaftssystem der USA und ihrer Vasallen.

Der Putsch in Honduras deutete sich seit einiger Zeit bereits an. Verschiedene lateinamerikanische Regierungen stärkten vor einigen Tagen Honduras Präsident Zelaya den Rücken.

"Die Alba-Staaten, die sich erst vorgestern in Venezuela trafen, erklärten, man werde keine andere Regierung als die von Manuel Zelaya anerkennen. Die Organisation Amerikanischer Staaten rief eine Dringlichkeitssitzung ein und forderten die Opposition auf, sich an die demokratische Ordnung zu halten. Venezuelas Präsident Hugo Chávez meinte, die aktuellen Vorgänge zeigten, dass die Oberschicht des Landes Angst vor der Abstimmung des Volkes habe. Die deutlichsten Worte wählte Fidel Castro. Er verglich den gestrigen Aufruf von Zelaya mit der letzten Rede von Salvador Allende und schloss seinen Text mit den Worten: Das Volk von Honduras wird diese Geste niemals vergessen!"
Der gegenwärtige Finanzcrash und das damit verbundene Risiko, dass die jetzige Herrscherclique ihre priviligierte Stellung und ihren Einfluss verliert, macht sie so unberechenbar und gefährlich. In die Enge getrieben, wird sie eine alterprobte Karte ziehen, die immer in diesen Situationen stach: nämlich Krieg! Wenn man ihr nicht zuvorkommt.

Staatsstreich in Honduras

Präsident Zelaya von Militärs entführt. Kabinett im Untergrund. Militärs stoppen Volksabstimmung über verfassunggebende Versammlung

Von Harald Neuber

Staatsstreich in Honduras

Drohgebärden: Militär marschiert am Samstag in Honduras auf

Tegucigalpa. In Honduras ist es am heutigen Sonntag zu einem Staatsstreich gekommen. Das berichten der lateinamerikanische Fernsehsender Telesur und nationale Medien. Nach bisher vorliegenden Informationen ist der Präsident des mittelamerikanischen Landes, Manuel Zelaya, am frühen Sonntagmorgen von vermummten Militärs festgenommen und verschleppt worden. Er soll sich inzwischen auf einer Militärbasis befinden.

Die Armee hat mit dem Putsch zugleich eine Volksabstimmung gewaltsam beendet. Am heutigen Sonntag sollte die Bevölkerung von Honduras darüber entscheiden, ob parallel zu den regulär anstehenden Wahlen im November über die Einberufung einer verfassunggebenden Versammlung entschieden wird.

Das Militär und weite Teile der Oberschicht hatten sich dem Vorhaben widersetzt, weil mit der Verfassungsänderung die anti-neoliberale Politik des linksliberalen Präsidenten im Grundgesetz verankert worden wäre. In dem Disput hatte sich zuletzt auch der Oberste Gerichtshof auf die Seite der Militärs gestellt.

Im Laufe des Vormittags (Ortszeit) versammelten sich Anhänger Zelayas zu spontanen Protesten, vor allem in der Hauptstadt Tegucigalpa. Vertreter sozialer Organisationen, die den Kurs des Präsidenten geschlossen unterstützt hatten, riefen zu einer Versammlung vor dem Präsidentenpalast auf.

Im Gespräch mit Telesur berichtete die Außenministerin des Landes, Patricia Rodas, von der "Entführung des Präsidenten durch Militärs". Zugleich informierte Rodas die Sonderkorrespondentin des lateinamerikanischen Nachrichtensenders darüber, dass ihr eigenes Haus von Armeeeinheiten umstellt worden sei. Die Militärs hätten um ihren Wohnsitz auch Scharfschützen postiert, so die Ministerin. Andere Kabinettsmitglieder konnten offenbar untertauchen. "Keiner von uns weiß zum jetzigen Zeitpunkt, wie lange wir noch das Recht zur freien Meinungsäußerung haben werden", so Rodas.

"Wieder einmal wurde die Hoffnung auf Demokratie und Gerechtigkeit durch einen terroristischen Anschlag auf unser Volk ermordet", wird die Chefdiplomatin zitiert.

Parallel zu der Festsetzung des Präsidenten wurden vom Militär offenbar Medienhäuser und Redaktionen besetzt. Der regierungsnahe Fernsehsender Canal 8 befand sich am Morgen bereits unter militärischer Besetzung. Die Telesur-Korrespondentin García berichtete zudem von einem "feindseligen Verhalten" der Putschisten gegen Pressevertreter.

In Teilen der Hauptstadt und womöglich weiterer Landesteile fiel der Strom aus. Vertreter sozialer Organisationen vermuteten dahinter eine Strategie der Putschisten, um die Kommunikation zwischen regierungstreuen Teilen der Armee und zivilen Anhängern von Präsident Zelaya zu erschweren.


Bildquelle: chiapas.indymedia.org


Quelle: amerika21.de


Siehe auch:
Gegenmeinung: Zelaya mobilisiert die Bevölkerung
Gegenmeinung: Abschaffung des Internationalen Währungsfonds IWF in Betracht ziehen
Gegenmeinung: Honduras macht Ernst
Gegenmeinung: Adenauer-Stiftung: Nazi-Propaganda gegen Venezuela

Iran: Das Scheitern des “grünen” Putsches


„Operation Ajax 2“ und ihr Fiasko -

Von JÜRGEN CAIN KÜLBEL

„Seit Ausbruch der Proteste gegen das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen versucht die (iranische) Führung, im Konflikt mit der Opposition alte Feindbilder in der Bevölkerung zu beschwören: Die Regimegegner seien von westlichen Mächten und Medien angestiftet, allen voran vom ‚Großen Satan’ USA.“
Yassin Musharbash und Philipp Wittrock, SPIEGEL-Online am 22. Juni 2009 in „Wie der Westen sich in der Iran-Frage windet“ (1)

Einzigartig, mit welcher Dreistigkeit, vor allem Bereitschaft zur Lüge, sich „die von der US-Regierung kontrollierten, korporierten US-Medien, ein Propagandaministerium“ sowie die regimenahen Medien Großbritanniens und Deutschlands, um nur einige Vertreter der ‚freien demokratischen Presse’ zu nennen, auf die zurückliegende Präsidentschaftswahl im Iran und die Ereignisse danach gestürzt haben. Gekaufte Journalistenseelen arbeiteten bereitwillig den Vorgaben der ‚Politik’ zu – „die Regierungschefs der Marionettenstaaten Großbritannien und Deutschland haben sich der amerikanischen Operation der psychologischen Kriegsführung angeschlossen“ - und stellten einen „Wahlbetrug (in Iran) als Tatsache hin, obwohl es dafür keinerlei Beweise gibt“, erboste sich Paul Craig Roberts, einst Vizefinanzminister unter US-Präsident Ronald Reagan und Mitherausgeber des Wall Street Journal am 16. Juni 2009 in „America’s Best Political Newsletter Counterpunch“. (2) Beispiele solcherart Falschdarstellungen finden sich in deutschen Medien vor allem im Tagesspiegel, der Zeit, im Spiegel. Aufschlussreich, dass sie das Werk zweier, dreier besonders „eifriger Journalisten“ sind.

Konstruierter Vorwurf des Wahlbetruges

Die USA, legt man ihre Sicht der Dinge in Sachen Iran zugrunde, hatten tatsächlich Handlungsbedarf; zeichnete sich doch lange vor den Wahlen im Iran ab, dass ihr dortiger Erzfeind, Präsident Mahmud Ahmadinedschad, für den das Besatzerregime (Israel) von den Seiten der Geschichte verschwinden muss, der nach US-Israel-Denkvorgabe dem Dr. Seltsam gleich an der A-Bombe bastelt, mit einer Siegerquote aus dem Urnengang hervorgehen werde, die für westliche Politiker jenseits des Vorstellbaren liegt.

Ken Ballen, Präsident des „Terror Free Tomorrow: The Center for Public Opinion“ (CPO) und Patrick Doherty von der “New America Foundation” erklärten am 15. Juni 2009 in The Washington Post, das Ergebnis der jüngsten Präsidentschaftswahlen in Iran „dürfte den Willen des iranischen Volkes reflektieren“. (3) Die Meinungsforscher hatten - finanziert vom Rockefeller Brothers Fund - zwischen dem 11. und 20. Mai in den 30 Provinzen des Landes Tausende Iraner von einem Umfrageunternehmen, das für seine (generelle) Arbeit für ABC News und BBC in der Region zuvor bereits einen Emmy Award erhalten hatte, in der Landessprache Farsi über ihr Wahlverhalten befragen lassen. Ihr Resümee:

„Viele Experten behaupten, die Höhe des Sieges des amtierenden Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad sei das Resultat von Betrug oder Manipulation, aber unsere landesweite Meinungsumfrage unter den Iranern drei Wochen vor der Wahl zeigte, dass Ahmadinedschad in einem Verhältnis von mehr als zwei zu eins in Führung lag – klarer noch als die tatsächliche Höhe seines Sieges in den Wahlen.

Während westliche Nachrichtenberichte aus Teheran in den Tagen vor der Wahl eine für Ahmadinedschads Hauptopponenten, Mirhossein Mussawi, enthusiastische iranische Öffentlichkeit zeichneten, zeigten unsere wissenschaftlichen Stichproben, die wir in allen 30 Provinzen Irans nahmen, dass Ahmadinedschad klar vorne lag.

Das Ausmaß der Unterstützung für Ahmadinedschad war in der Umfrage vor den Wahlen offensichtlich. Während der Kampagne betonte Mussawi zum Beispiel seine Identität als Aserbaidschaner, der zweitgrößten ethnischen Gruppe in Iran nach den Persern, um die aserbaidschanischen Wähler zu umwerben. Unsere Umfrage zeigte aber, dass die Aserbaidschaner Ahmadinedschad im Verhältnis von zwei zu eins den Vorzug vor Mussawi gaben.

Viele Kommentatoren haben die iranische Jugend und das Internet als Vorboten einer Wende in diesen Wahlen dargestellt. Aber unsere Befragung zeigte, dass nur ein Drittel der Iraner überhaupt Zugang zum Internet hat und die 18- bis 24-Jährigen zugleich den stärksten Wählerblock für Ahmadinedschad darstellten.

Die einzigen Bevölkerungsgruppen, bei denen in unserer Umfrage Mussawi gegenüber Ahmadinedschad in Führung oder konkurrenzfähig war, waren Universitätsstudenten oder -absolventen und die Iraner mit dem höchsten Einkommen. Als unsere Umfrage durchgeführt wurde, war nahezu ein Drittel der Iraner noch unentschieden. Aber die grundlegenden Verteilungen, die wir damals fanden, widerspiegeln die Resultate, welche von den iranischen Behörden gemeldet wurden, was darauf hinweist, dass die Wahl nicht das Produkt großflächigen Betruges ist.“ (4)

Go West: Die „Grünen“

Die „grüne” Bewegung auf Teherans Strassen - Jugendliche, Studenten aus begüterten Haushalten, Akademiker, Iraner mit Höchsteinkommen -, jene vom Westen hochgejubelte Anhängerschar des spröden, 68 Jahre alten Wahlverlierers, Politrentners und vorsätzlich falsch als Reformer gehandelten Mirhossein Mussawi, der in den letzten zwanzig Jahren einzig Schöngeisterei betrieb, spiegelt sicher nicht den Gesamtwillen des iranischen Volkes. Eingeräumt sei, dass diese „Grünen“, unter Beobachtern, die in Teheran dabei waren, spöttelnd auch als „Louis-Vuitton-Edelhandtaschen-Träger-Revoluzzer“ bezeichnet, leise, aber auch wirklich nur leise Vorboten einer politischen und gesellschaftlichen Entwicklung sein dürften, die dem Iran zukünftig zufallen wird. Fakt ist: Die Protestkundgebungen gegen den obersten Religionsführer Ajatollah Khamenei sowie Mahmud Ahmadinedschad werden wieder abflauen. Doch jener, sich noch hinter dem Schleier der „grünen“ Bewegung versteckende Prozess der Spaltung zwischen den Ajatollahs, den mächtigen Rechtsgelehrten des Landes, und einer unter dem Zeichen des Islam geborenen neuen iranischen Bourgeoisie, wird sich fortsetzen und vertiefen.

Kardinale Umwälzungen in Politik und Gesellschaft des Iran stehen momentan nicht bevor. Möglich aber, dass es nach der nächsten Präsidentschaftswahl zu bedeutenden Veränderungen in der Innen- und Außenpolitik des Landes kommen könnte. Schon jetzt ist abzusehen, dass die in die letzten drei Jahrzehnte in den Iran hineingeborene „neue“ politische Klasse, eine Art Bourgeoisie, künftig den ihr „zustehenden“ Anteil an der Macht sowie Zugang zum Geld aus den Öleinnahmen einfordern wird. Eine daraus resultierende Annäherung des Landes an den „Westen“ scheint, allein im Hinblick auf die kapitalistische Wirtschaftsform, die diese Klasse restaurieren und forcieren möchte, unausweichlich; unabhängig davon, dass es nur einer Minderheit nutzen würde.

Dass der „revolutionäre Funke“, der von jenen bürgerlichen „Grünen“ ausging, überhaupt nicht auf die iranische Bevölkerung übergesprungen war, die sich mit dem Vorgehen und den Forderungen der Demonstranten nicht identifizieren konnte, hat der unselige Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, Meir Dagan, wohl als einer der Ersten erkannt und artikuliert. Die Jerusalem Post berichtete am 16. Juni 2009, Dagan habe vor Israels Parlamentsausschuss für Außen- und Sicherheitspolitik erklärt, „was etwas ausmacht, das ist die Position des (obersten) Führers, und die hat sich nicht verändert. Die Unruhen finden nur in Teheran und einer weiteren Region statt. Sie werden in wenigen Tagen absterben“ und sich nicht zu einer „vollständigen Revolution“ entwickeln. Zudem, so der Mossad-Chef, unterscheiden sich die Gewalt im Sog der Wahlen und der Vorwurf des Wahlbetruges „nicht von irgendeiner anderen Demokratie. Die Diskussion innerhalb der iranischen Elite ist eine innere Angelegenheit“. (5) Worte, die man so von ihm, der gnadenlos Menschen eliminieren lässt, nicht gewohnt ist. Spekulativ, ob er mit seiner Aussage „Kollegen befreundeter Dienste“, die ein für seinen Geschmack untaugliches „Umsturz-Szenario“ für den Iran ausgeheckt und in die Gänge gebracht hatten, indirekt abwatschen wollte? Der Wink mit dem Zaunspfahl des in Demokratien nicht unüblichen Wahlbetrugs erreicht George W. Bush, der seinen eigenen (Florida-Stimmen) inszenierte, allerdings nicht mehr.

Mobilmachung für Regimewechsel

„Die Iraner haben bittere Erfahrungen mit der Regierung der Vereinigten Staaten gemacht. Ihre erste demokratische Regierung nach Überwindung des Status der Besetzung und Kolonialisierung in den 1950er Jahren wurde von der US-Regierung gestürzt“, schreibt Paul Craig Roberts, der sich auf die „Operation Ajax“ bezieht, ein unter Anleitung der CIA und dem britischen Auslandsgeheimdienst MI6 durchgeführter Umsturz im Jahre 1953, bei dem der demokratisch gewählte Premier Dr. Mohammad Mossadegh entmachtet und durch eine von Schah Mohammad Reza Pahlavi favorisierte Militärregierung ersetzt wurde. Selbstverständlich wurde die von Mossadegh vorgenommene Verstaatlichung der Ölindustrie sofort rückgängig gemacht. Daher hat „die US-‚Supermacht den iranischen islamischen Ajatollahs die iranische Revolution der späten 1970er Jahre nie verziehen: Jene stürzten die amerikanische Marionettenregierung (wieder), nahmen die Mitarbeiter der US-Botschaft, die man als ‚Höhle von Spionen’ betrachtete, in Geiselhaft; derweil iranische Studenten die im Aktenvernichter zerstückelten Dokumente der Botschaft wieder zusammensetzten, welche die amerikanische Komplizenschaft bei der Zerstörung der iranischen Demokratie bewiesen“, so Roberts. (6)

Obwohl es die Ajatollahs heute nicht mehr zulassen wollen, „dass die iranische Revolution mittels amerikanischen Geldes in einer dieser ‚Farbcode-Revolutionen’ gestürzt wird“, steht der Feind längst im Innern des Landes Gewehr bei Fuß. Der unsägliche Ex-US-Außenminister und Ex-Sicherheitsberater der Washingtoner Kriegsbrandstifter, Henry Kissinger, ein mit internationalen Orden hoch dekorierter gebürtiger Deutscher, dem als Politiker das Massenmorden in Vietnam, Kambodscha, Chile wie Kerzenausblasen von der Hand ging, gab sich am 18. Juni 2009 auf „BBC Newsnight“ frech wie Rotz: „Ich bin sicher, dass die Amerikaner aus der momentanen Situation heraus die Entstehung einer wirklich auf dem Volke basierenden Regierung favorisieren würden.“ Sollte sich das nicht verwirklichen, „dann haben wir eine andere Situation, dann sollten wir beschließen, dass wir an einem Regimewechsel im Iran von außen arbeiten müssen“. (7) Was der Verbrecher sagen wollte: Wenn es uns nicht gelingt, Teile der iranischen Strasse zum Umsturz zu manipulieren, sollten die Waffen sprechen.

An einem „Regimewechsel“ in Iran „arbeiten“ die USA mehr oder weniger intensiv seit der Islamischen Revolution 1979, durch die sie und die Briten sämtliche (Erdöl-)Pfründe im Perserland verloren hatten. Nach nahezu drei Jahrzehnten wirtschaftlichen und politischen Boykotts war es dann US-Kriegspräsident George W. Bush, der 2002 im Sog der neokonservativen imperialen Pläne den Iran samt Irak und Nordkorea auf der „Achse des Bösen“ deponierte. Ab 2003 verstärkte Bush dann den Druck auf Teheran unter dem Vorwand des iranischen Atomprogramms. Hatte die US-Administration 2005 noch schlappe 10 Millionen Dollar für einen „Regimewechsel“ in Iran übrig, so änderte sich das schlagartig ab dem 14. Februar 2006. Denn Bush, so Peter Symonds von World Socialist Web, „beantragte (damals) eine starke Erhöhung der Mittel für die Destabilisierung der Regierung in Teheran“. Und seine Außenministerin Condoleezza Rice versprach dem Auswärtigen Ausschuss des Senats, die USA werde sich fortan den Iran „aktiv vornehmen“, um gleichzeitig „zusätzliche 75 Millionen Dollar für die Finanzierung anti-iranischer Propaganda und von Oppositionsgruppen innerhalb und außerhalb des Landes“ einzufordern. (8) Am 16. Mai 2007 ließ dann John Bolton, einer der bedeutendsten neokonservativen Kriegstreiber gegen den Irak, die Katze aus dem Sack und sagte dem Londoner Telegraph, ein Militärschlag der USA gegen den Iran sei „die ‚letzte Option‘, nachdem wirtschaftliche Sanktionen und der Versuch, eine Umsturzbewegung in Gang zu bringen, gescheitert seien.“ (9)

Wenige Tage später, am 23. Mai 2007, berichteten Brian Ross und Richard Esposito für ABC News, „die CIA hat vom Präsidenten die geheime Absegnung für eine Operation unter falscher Flagge erhalten, um die iranische Regierung zu destabilisieren, wie aktive sowie ehemalige offizielle Mitarbeiter aus Geheimdienstkreisen ABC News berichten“. (10) Das präzisierte The Sunday Telegraph am 27. Mai 2007: “Präsident Bush hat ein offizielles Dokument unterschrieben, wodurch Pläne der CIA für eine Propaganda- und Desinformationskampagne abgesegnet werden, mit dem Ziel, die Theokratie in Iran zu destabilisieren oder eventuell zu stürzen.” (11) Der renommierte US-Journalist Seymour Hersh bestätigte die Vorlage des Telegraph am 29. Juni 2008 in seinem Hausblatt New Yorker: „Wie von gegenwärtigen und früheren Geheimdienstquellen und Quellen des Kongresses bestätigt wird, stimmte gegen Ende letzten Jahres der Kongress dem Plan des Präsidenten zu, die Mittel für groß angelegte verdeckte Operationen gegen den Iran zu billigen. Der Präsident suchte um Mittel in der Höhe von bis zu 400 Millionen Dollar an und sie wurden in den Präsidentenunterlagen, die von Bush unterschrieben waren, dahingehend beschrieben, dass sie die religiöse Führung des Landes destabilisieren sollen.“ (12)

Selbstverständlich würde eine „demokratische“, sprich US-hörige Marionettenregierung in Teheran, so freundlich sein, die riesigen Öl- und Gasreserven des Landes an amerikanische (und britische) Konzerne zu verhökern, vom Internationalen Währungsfond diktierte Marktreformen umzusetzen und die amerikanische Außenpolitik in der Region devot zu unterstützen. Daher kann der Ruf der Vereinigten Staaten (samt westlicher Enklaven) nach „Demokratie“ im Iran sowie Opposition gegen Teherans Nuklearprogramm nur als durchsichtige Verschleierungstaktik aufgefasst werden, denn „Regimewechsel im Iran“ bedeutet im Klartext, „die Vorherrschaft der USA auf die rohstoffreichen Regionen des Nahen und Mittleren Ostens sowie Zentralasiens auszudehnen und dabei die europäischen und asiatischen Rivalen abzuhängen. Iran hat nicht nur selbst riesige Öl- und Gasreserven, sondern bildet auch ein strategisches Bindeglied zwischen Nahost und Zentralasien und grenzt darüber hinaus an den Irak und Afghanistan, die bereits von der US-Armee besetzt sind.“ (Symonds). (13)

Washingtons „Verbündete“ im Kampf um die „Demokratisierung“ des Iran, Dissidenten und Oppositionsgruppen, die sich der US-Dollarspritzen erfreuen, rekrutieren sich daher meist aus gesellschaftlichem und historisch überlebtem Unrat: monarchistische Kohorten aus dem Dunstkreis um den Sohn des Ex-Diktators Schah Reza Pahlewi sowie die auf der EU-Terrorliste stehende, von der US-Terrorliste gelöschte „Volksmudschaheddin des Iran“ (MEK), eine kleinbürgerlich nationalistische Bewegung, die vom Irak aus Kommandoaktionen im Iran durchführt. Solcherart Gruppen, Seymour Hersh berichtete auch über israelische und amerikanische Aktivitäten im Iran zum Anheizen des bewaffneten Widerstands von Seiten kurdischer und aserischer Gruppen sowie anderer Minderheiten, wurden im Rahmen des „Iran Democracy Programm“ nicht weniger als 60 bis 75 Millionen Dollar zugeschoben. Nachdem Bush im Mai 2007 der CIA im Rahmen „verdeckter Operationen“ gegen den Iran auch das Recht zuerkannte, auf heimischem Boden, normalerweise Betätigungsfeld des FBI, „Geheimdienstinformationen“ abzuschöpfen, gerieten zusätzlich „viele Exil-Iraner und Emigranten“ ins Blickfeld und in die Fänge des Auslandsgeheimdienstes. Tim Shipman von The Sunday Telegraph zitierte am 27. Mai 2007 eine Regierungsquelle: “Iraner in Amerika haben Verbindungen zu ihren Familien in der Heimat, und sie sind eine gute wechselseitige Informationsquelle.” (14) Bush erlaubte der CIA sogar, so Shipman, Oppositionsgruppen in Iran mit geeigneter Kommunikationsausrüstung zu bestücken, damit die kooperieren und die Internet-Zensur der iranischen Regierung umgehen können.

Operation Ajax 2

Eine Analyse des Angriffes auf die iranischen Präsidentschaftswahlen vom 12. Juni 2009, eine Operation, nennen wir sie „Ajax 2“, die offenbar von der Central Intelligence Agency präzise vorbereitet und mit befreundeten Diensten koordiniert wurde, lässt erste Konturen der sich dahinter verbergenden geheimdienstlichen Strategien erkennen. Allein die Wucht und Massivität der mit internationaler Breite geführten psychologischen Kriegsführung und Propaganda – Massenmedien wie Presse, Funk und Fernsehen sind deren wichtigste Werkzeuge -, die vor den Wahlen einsetzte, danach an Durchschlagskraft deutlich zunahm, deutet an, dass CIA und befreundete Dienste alles auf eine Karte gesetzt haben, um die iranische Straße ins Rollen zu bringen, damit sie Ahmadinedschad und die Mullahs davonjagt.

Eines der vordergründigen Ziele des medialen Teils der „Operation Ajax 2“ dürfte allerdings auch die internationale Dämonisierung des amtierenden Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad sowie dessen Regierung gewesen sein für den Fall, dass es misslingt, die Regierung aus dem Amt zu jagen. Israel, dem große Teile der Welt seit seinem Terrorüberfall auf Gaza misstrauisch gegenüberstehen, würde im Falle eines Überfalles auf den Iran, den es sich gegenwärtig politisch nicht leisten könnte, da es in Gaza den Boden der Menschlichkeit verlassen hatte, von denselben Medien, die an der psychologischen Kriegsführung gegen die jüngste Wahl in Iran teilgenommen haben, dann rein gewaschen werden: Der Bombenbauerei des Ahmadinedschad, des Verrückten in Teheran, der sich durch Wahlfälschung an die Macht gebracht hat, muss ein Ende bereitet werden. Die medial manipulierte Welt würde das schlucken und einen Überfall Israels stumm billigen.

Schüren von Spannungen durch Terror vor den Wahlen

Zu einer zünftigen geheimdienstlich lancierten Umsturzpolitik im Rahmen der „Operation Ajax 2“ gehört auch das Schüren von Spannungen durch Gewalt- und Terrorakte sowie Morde. Sechs Wochen vor den Präsidentschaftswahlen war es Irans Staatssicherheit nach eigenen Angaben gelungen, eine Terrorzelle zu zerschlagen, die noch kurz vor dem Urnengang am 12. Juni 2009 eine Serie von Bombenanschlägen in Teheran verüben wollte. Gholam-Hossein Mohseni Ejeie, Minister für den iranischen Geheimdienst, erklärte am 27. April 2009 gegenüber der Teheraner Tageszeitung Kayhan, dass die Verschwörergruppe vom israelischen Auslandsgeheimdienst gesteuert worden sei. Nach Berichten der iranischen Nachrichtenagentur IRNA waren etwa „zehn Führungsleute“ festgesetzt worden. Weitere Informationen gab das Geheimdienstministerium seinerzeit aufgrund der „Sensibilität der Angelegenheit“ nicht frei. Man wollte erst „jeden Aspekt der Verschwörung“ studieren.

Am Donnerstag, den 28. Mai 2009, zwei Wochen vor den Präsidentschaftswahlen, erschütterte dann eine schwere Bombenexplosion die mit betenden Gläubigen voll besetzte Amir-al-Momenin-Moschee in der Provinzhauptstadt Zahedan in der südostiranischen Provinz Sistan-Baluchistan. Bei der Explosion eines Sprengsatzes in der Frauenabteilung des Gotteshauses starben 25 Menschen; rund 120 wurden verletzt, berichtete das staatliche Fernsehen. Die Explosion sei „relativ stark“ gewesen, habe auch Schäden an der Moschee verursacht, so die staatliche Nachrichtenagentur IRNA. Die Nachrichtenagentur Fars, die von einem Selbstmordanschlag ausging, meldete, in der Nähe der Moschee hätten Sicherheitskräfte eine zweite Bombe gefunden und entschärft. Zudem sei das Attentat mit Sprengstoff verübt worden, den die drei ermittelten Täter mit ins Land gebracht hätten. Wenige Tage später wurden die verurteilt und in der Nähe des Tatortes gehängt. Laut dem saudischen Fernsehsender Al-Arabija hatte sich die sunnitische Oppositionsgruppe Dschundollah (Gottes Soldaten) zu dem Verbrechen bekannt. Die Terroristen kündigten Vergeltung für die Hinrichtungen an: Noch vor der Wahl werde es weitere Anschläge geben. (15)

Irans Regierungsvertreter warfen den USA vor, die Attentäter angestiftet zu haben, was Washington strikt zurückwies. Doch dann kam es anders: Am 10. Juni 2009 erklärte der Dschunbollah-Terrorist Abdulhamid Rigi öffentlich, das sich sein Bruder Abdolmalek seit 2005 wiederholt mit Agenten von FBI und CIA im pakistanischen Islamabad und Karachi getroffen habe. Einmal sei auch er mit dabei gewesen. (16) Der 24jährige Abdolmalek Rigi, Anführer der Dschundollah und einer der meistgesuchten Männer Irans, kämpft angeblich gegen den „Gottesstaat“ und den “Genozid an den Belutschen“. Doch bereits 2007 hatte The Sunday Telegraph enthüllt, das Dschundollah eine Kreation der CIA zum Zwecke des “Regimewechsels in Iran” sei und dass der Dienst zur Destabilisierung des Iran Waffen und Geld liefere. Einem Bericht des Fernsehsenders ABC zufolge habe Washington die Dschundollah sogar damit beauftragt „tödliche Guerilla-Überfälle im Innern der Islamischen Republik durchzuführen, iranische Offizielle zu kidnappen und vor der Kamera zu exekutieren”. Die Organisation bekannte sich bislang zur Ermordung von 16 iranischen Polizeioffizieren im Jahre 2008, neun Sicherheitskräften im Jahre 2005 sowie elf weiteren Personen im Jahre 2007. (17)

Drei Tage nach dem Attentat in Zahedan verhinderten die Sicherheitskräfte dann einen weiteren „terroristischen Anschlag“, so der staatliche Fernsehsender IRIB. Eine mit 131 Passagieren besetzte Maschine der iranischen Fluggesellschaft Kish Air musste eine Viertelstunde nach dem Start zum Flughafen von Ahwas in der Provinz Chusestan zurückkehren. Sky Marshalls hatten einen selbstgebauten Sprengsatz in einer der Toiletten entdeckt, berichtete die Nachrichtenagentur Fars. Am Flughafen sei die Bombe dann entschärft worden. (18) Mitten in der heißen Phase des iranischen Wahlkampfes erschütterten dann tatsächlich weitere Anschläge die Provinz Sistan-Baluchistan. Am 1. Juni 2009 wurde ein Brandanschlag auf eine Bank verübt, fünf Menschen starben. Zudem wurde ein Wahlkampfbüro von Präsident Ahmadinedschad angegriffen und drei seiner Anhänger verletzt.

Gholam-Hossein Mohseni Ejeie, Minister für den iranischen Geheimdienst, erklärte am 24. Juni 2009 in Auswertung der gegnerischen Aktivitäten vor, während und nach der Präsidentenwahl gegenüber der Nachrichtenagentur IRNA: „Das Ministerium habe beinahe alle Mitglieder solcher Gruppen, die in diese Aktivitäten involviert waren, festgenommen.“ Eines der Ziele der Bombenanschläge war auch der Heilige Schrein des verstorbenen Revolutionsführers Imam Khomeini, so der Geheimdienstler. Nachdem der Selbstmordattentäter entdeckt worden war, gelang es ihm noch, die Bombe außerhalb des Schreins zu detonieren. Die Mittäter wurden verhaftet. Neben Terrorgruppen, die im Süden des Landes in Ahyaz unschädlich gemacht wurden, vereitelte das Ministerium auch im östlich gelegenen Tabriz einen Anschlag auf einen der Präsidentschaftskandidaten. „Die USA und westliche Länder zielten darauf ab, Unruhe in die Atmosphäre des Wahlkampfes zu bringen“, sagte der Geheimdienstler. (19)

Krieg in der vierten Dimension

Präsidentschaftskandidat Mirhossein Mussawi, Ahmadinedschads wichtigster Herausforderer, landete am Wahltag, und zwar mehrere Stunden vor dem Schließen der Wahllokale, einen Coup, der seinesgleichen sucht: Er erklärte nämlich seinen Sieg!

„Das ist eine klassische CIA-Destabilisierungsmethode, um ein anders lautendes Ergebnis zu diskreditieren: Je mehr Zeit nämlich zwischen der vorschnellen Behauptung des Wahlsieges und der Verlautbarung des Wahlergebnisses vergeht, umso mehr Zeit hat Mussawi, um den Eindruck zu erzeugen, dass die Autoritäten die Zeit nutzen würden, um das Wahlergebnis zu fälschen. Es ist erstaunlich, dass die Menschen diesen Trick nicht durchschauen.

Oder Großayatollah Montazeris Behauptung, dass die Wahl gefälscht sei: Montazeri war die ursprüngliche Wahl für die Nachfolge Khomeinis, unterlag aber dem gegenwärtigen obersten Führer Khamenei. So sieht Montazeri in den Protesten eine Möglichkeit, mit Khamenei abzurechnen. Montazeri hat ein Motiv die Wahlen anzuzweifeln, egal ob er von der CIA, die auf eine lange Geschichte der Manipulation verärgerter und frustrierter Politiker verweisen kann, manipuliert wurde oder nicht“, glaubt der bereits zitierte Paul Craig Roberts nicht ganz zu unrecht. (20)

Signal für die in den Startlöchern der westlichen Medien hockenden Lohnschreiber, ihren Part an der „Operation Ajax 2“, den „Krieg in der vierten Dimension“, so wie die psychologische Kriegsführung in Geheimdienstkreisen auch genannt wird, beizutragen, indem sie nicht damit aufhören, das Wörtchen „Wahlfälschung“ in die Hirne ihrer Leserschaft zu brennen.

“Grüne Revolution” am Reißbrett entworfen?

Drei Tage nach den Wahlen erklärte der pakistanische Ex-Armeegeneral, Mirza Aslam Beig, in einem Telefoninterview mit Pashto Radio, dass mittlerweile „unstrittige Geheimdienstinformationen“ existieren über „eine Einmischung der USA in den Iran“ sowie „Dokumente, die beweisen, dass die CIA 400 Millionen Dollar im Innern des Iran ausgab, um nach den Wahlen eine farbige, aber hohle Revolution aus dem Boden schießen zu lassen“. Der Militär, früher pakistanischer Generalstabschef, konstatierte trocken, „die USA wollten im Iran Unruhe stiften, um eine proamerikanische Regierung an die Macht zu bringen“. (21)

Und diese Unruhen sollten nach dem 12. Juni 2009 erst richtig beginnen. Zweifelsfrei protestierte die Masse der „Grünen“, jene Fans von Mussawi, in ehrlicher und friedlicher Absicht. Doch tragen die Proteste auch die Handschrift der Proteste in Georgien, der Ukraine etc., die allesamt von der CIA orchestriert wurden. Der amerikanische Autor Daniel McAdams (22) machte am 19. Juni 2009 auf den neokonservativen Journalisten und Buchautor Kenneth R. Timmerman aufmerksam, der am 11. Juni 2009, exakt einen Tag vor den Wahlen im Iran, schrieb, dass „da noch die Rede von einer ‚Grünen Revolution’ in Teheran ist, benannt nach den allgegenwärtigen grünen Schals und Fahnen“ auf Mussawis Wahlkampfveranstaltungen. (23) „Aber warum sollte es eine ‚Grüne Revolution’, bereits vor den Wahlen geplant, geben, wenn Mussawi und seine Unterstützer angeblich so siegeszuversichtlich waren? Das sieht wie ein definitiver Beweis dafür aus, dass die USA in die Wahlproteste involviert waren“, schlussfolgert Paul Craig Roberts.

Timmerman, der 2006 für den Nobelpreis vorgeschlagen wurde, weiß aber auch, dass „die National Endowment for Democracy (NED) Millionen Dollar während der letzten Dekade ausgegeben hat, um ‚farbige’ Revolutionen in der Ukraine oder Serbien zu unterstützen. Etwas von diesem Geld scheint in die Hände von pro-Mussawi-Gruppen gelangt zu sein, die Verbindungen zu Nichtregierungsorganisationen außerhalb des Iran haben, die von dieser Stiftung (NED) gefördert werden.“ Klingt überzeugend. Schließlich werkelt er selbst in diesem Geldtopfgeschäft herum: Timmermanns eigene „gruselige“ neokonservative „Stiftung für Demokratie in Iran“ (24), eine „private, nichtkommerzielle Organisation“ wurde 1995 ebenfalls mit Mitteln des NED gegründet, um „Demokratie und international anerkannte Standards der Menschenrechte im Iran zu fördern“. Sicher, es ist nicht auszuschließen, dass Mirhossein Mussawi ein gekaufter und bezahlter Agent der US-Regierung ist.

Alte Seilschaften

Rückblende. Nachdem Condoleezza Rice 2006 den US-Kongress zum Lockermachen zusätzlicher Mittel für den „Regimewechsel“ im Iran bewegte, erhielt sie Beifall vom radikalen Erzkonservativen Michael Ledeen: „Nach Jahren des Zögerns sehen wir endlich ermutigende Zeichen, dass diese Regierung bereit ist, eine Revolution im Iran zu unterstützen. Außenministerin Rice hat nach ihrer lobenswerten Reform des diplomatischen Dienstes nun den Kongress um zusätzliche 75 Millionen Dollar gebeten, um die Sache der Freiheit im Iran zu fördern. Das sind wirklich gute Nachrichten, zumal sie in ihrer Stellungnahme vor dem Auswärtigen Ausschuss des Senats am Mittwoch erkennen ließ, dass wir schon begonnen haben, iranische Gewerkschaften zu unterstützen, und sogar einige ihrer Führer auszubilden.“

Zum Zwecke des Umsturzes in Syrien und Iran gründete die US-Administration nun 2006 die “Iran Syria Policy and Operations Group” (ISOG). Einer der operativen Bereiche war für die Finanzierung von Dissidenten sowie „demokratiefreundlichen“ oppositionellen Gruppen in Iran und Syrien verantwortlich, ein anderer koordinierte die Medienpropaganda, welche diese Länder im Innern aufweichen sollte. Elizabeth Cheney, Tochter von Vizepräsident Dick Cheney, war die erste Co-Vorsitzende der ISOG. Danach übernahm der Neokonservative Elliott Abrams den Posten. Der hatte Mitte der 80er Jahre im Auftrag der Reagan-Regierung mitgeholfen, die rechten Contras in Nicaragua rechtswidrig zu bewaffnen, was wiederum durch heimliche Waffenverkäufe an den Iran finanziert wurde. Abrams musste später eingestehen, unter Eid gelogen zu haben, um den berüchtigten Iran-Contra-Skandal zu verschleiern. Bush junior reaktivierte den Gangster im Juni 2001; hernach stieg der sukzessive bis zum stellvertretenden Nationalen Sicherheitsberater mit besonderer Zuständigkeit für „globale Demokratie-Strategie“ auf.

Michael Ledeen und Elliott Abrams sind seit Jahrzehnten nicht bloß enge „Freunde“. Beide, so der ehemalige CIA-Offizier Raymond McGovern, waren auch enge „Partner im Verbrechen“; womit der Ex-Geheimdienstler auf beider kriminelle Schandtaten während der Iran-Contra-Affäre anspielte. Ledeen, der seinerseits im Jahre 2001 die „Koalition für Demokratie im Iran“ (CDI) gegründet hatte, um mit Ex-CIA-Direktor Woolsey auf einen „Regimewechsel“ in Teheran hinzuarbeiten, hat aber noch einen ganz anderen, dafür aber sehr speziellen Freund: Das ist der iranische Waffenhändler Manouchehr Ghorbanifar; ein ehemaliger CIA-Agent, der gemäß einer Aussage von William Casey, Ex-Chef des US-Auslandsgeheimdienstes, auch für den israelischen Geheimdienst Mossad arbeitet. Die CIA, die Ghorbanifar, die Schlüsselfigur im Waffenhandel während der Iran-Contra-Affäre, mittlerweile für einen "Geschichtenerzähler" hält, hat ihren Agenten jede Beziehung zu dem Mann verboten; zumindest ist das die offizielle Version.

Nach dem 11. September bauten sich die Neokonservativen unter Leitung des damaligen stellvertretenden Außenministers Paul Wolfowitz sowie Douglas Feith das berüchtigte Office of Special Plans (OPS) auf, deren Ziel unter anderem eine komplette Restrukturierung des Nahen Ostens war, einschließlich Regimewechsel in Iran, Syrien und Saudi Arabien. „Ohne das Außenministerium oder die CIA darüber zu informieren, war das Büro von Feith (OPS) in eine Reihe von Hintergrundoperationen verwickelt, zu denen verschiedene geheime Treffen in Washington, Rom und Paris … gehörten. Diese Treffen brachten, neben anderen Personen, Offiziellen und Beratern aus Feiths Büro (Franklin, Harold Rhode und Michael Ledeen), einen exilierten iranischen Waffenhändler (Manoucher Ghorbanifar), AIPAC-Lobbyisten, Ahmed Chalabi sowie italienische und israelische Geheimdienstoffiziere zusammen … Franklin, der bekanntermaßen militanten iranischen und amerikanisch-iranischen Dissidenten nahe steht, ist die Verbindungsfigur zu einer Reihe von anderen Treffen in Rom und Paris, an denen Ledeen, Harold Rhode (ein Kumpan Ledeens aus den Iran-Contra-Tagen) und Ghorbanifar (ein Waffenhändler, der behauptet, für die iranische Opposition zu sprechen). Diese Treffen beschäftigten sich - neben anderen Dingen - damit, Strategien zu entwickeln, um Iraner zu organisieren, die bereit sind, mit den USA im Rahmen der Umsturzagenda im Iran zusammenzuarbeiten.“

Unter diesem Blickwinkel bekommt die enge Männerfreundschaft zwischen dem Waffen handelnden Dissidenten Manoucher Ghorbanifar und dem jüngst unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Mirhossein Mussawi einen gewissen umstürzlerischen Touch. Wie schrieb doch das Time Magazine am 19. Januar 1987 in der Coverstory: „Gemäß (Ghorbanifars) eigener Aussage flüchtete er vor der revolutionären Regierung unter Ajatollah Ruhollah Khomeini, die seine Unternehmen in Iran beschlagnahmten, obwohl er später zu einem vertrauten Freund und Küchenberater von Mirhossein Mussawi, Ministerpräsident in der Khomeini Regierung, avancierte.“ Einige US-Beamte, die mit ihm gedealt haben, schätzen ihn sehr, sagt Michael Ledeen, Pentagonberater für Terrorismusbekämpfung: „(Ghorbanifar) ist einer der ehrlichsten, gebildeten, ehrwürdigsten Männer, die ich je gekannt habe.“ Es darf daher ruhig spekuliert werden, ob Mussawi nicht doch ein Kandidat westlicher Dienste für den „Umsturz“ in Iran gewesen sein könnte. Unbekannt bleibt, ob irgendwelche US-Geldspritzen an ihn und seine Berater in London und Paris geflossen sind.

Machtpoker in Teheran

Das Geld aber von anderer Stelle kam, ist sicher: Der Wahlverlierer Mussawi, ein spröder, 68 Jahre alter Politikrentner, der vor der Wahl wie aus der persischen Wunderlampe hervor gezaubert wurde, wurde von einem ganz besonderen Menschen unterstützt, dem 75-jährigen Milliardär Ali Akbar Hashemi Rafsandschani. Der hatte nämlich, so David Blair vom Londoner Telegraph, „still und heimlich viel Geld und organisatorisches Know-How“ in den Wahlkampf des alternden Politrockers investiert. Rafsandschani, der als „inoffizieller“ Anführer der Opposition gegen das geistige Oberhaupt des Iran, Ajatollah Ali Khamenei, gilt, war zwischen 1989 und 1997 Präsident des Landes. In jener Zeit trieb er weniger die Ideale der Islamischen Revolution voran, sondern vor allem die eigenen Geschäfte. Laut „Forbes“ (2006) „saugten“ Rafsandschani und seine Familie fast ein Viertel des Reichtums des Landes „auf“. Was ihn zu einem der reichsten Männer der Welt, vor allem zum mächtigsten Mann des Iran machte; die Perser betiteln den Iran oft als „Rafsandschani Gesellschaft mit beschränkter Haftung“.

Rafsandschani, der „äußerst unpopulär“ unter seinen Landsleuten ist, wollte in den Präsidentschaftswahlen 2005 ein politisches Comeback erzwingen. Doch Gegenkandidat Ahmadinedschad, der ihn damals unaufhörlich als “lebenden Verräter der strengen Prinzipien der Revolution“ brandmarkte, dabei Unterstützung von Ajatollah Khamenei genoss, obsiegte klar. Nach Amtsantritt nahm er auch den Kampf gegen Rafsandschani und solcherart „kapitalistisches Mafia-Regime“ auf, das den Iran in Gebiete unterteilt, die jeweils von einer Familie kontrolliert werden: die Rafsandschanis machen in Öl, Pistazien, Waffenverkäufe, Flugwesen, U-Bahn-Bau; die Jannati monopolisieren Zucker; die Pasdarans die Kosmetik- und Drogenmärkte etc. Ahmadinedschad, der Präsident der einfachen städtischen und ländliche Bevölkerung, stellte daher nicht nur die bestehenden Eigentums- und Machtverhältnisse in Frage, er wandte sich auch offen gegen den Teil des Klerus, der diese beispiellosen Privilegien und Reichtümer nach der islamischen Revolution 1979 durch Korruption an sich gerissen hatte. Der Bruch zwischen Rafsandschani, Vertreter von Irans Großbourgeoisie, und dem Lager um den obersten Rechtsgelehrten und das eigentliche Staatsoberhaupt, Ajatollah Khamenei, der Ahmadinedschad in seinem Vorgehen stärkte, trat immer offener zutage. Als Ahmadinedschad dann im Juni 2009 während eines Fernsehduells mit Mussawi den Oligarchen Rafsandschani öffentlich erneut der Korruption und als „eigentlichen Wahlgegner“ bezichtigte – Mussawi sei lediglich „ein Instrument Rafsandschanis” – ging der auf die Palme und kündigte sogar „Unruhen“ an. Rafsandschani hätte nun gern seinen Erzfeind Ahmadinedschad bei den Wahlen am 12. Juni in die Wüste geschickt, und zwar auf immer und ewig, und „Strohmann“ Mussawi in die Präsidentschaft lanciert, um seine politische und ökonomische Vormachtstellung und die seiner Schicht neu abzusichern. Doch für Mahmud Ahmadinedschad ist mit seinem Wahlerfolg die „zweite islamische Revolution“, der Sieg über den korrupten Klerus, über die Bühne gegangen.

Psychologische Kriegsführung mit Twitter

Der Machtkampf, der zwischen diesen beiden Lagern seit dem 13. Juni 2009 auf der Straße ausgetragen wurde, spielte den Geheimdiensten in die Hand. Während die „Grünen“ im Auftrag Mussawis, der immer wieder mit dem Vorwurf der massiven Wahlfälschung motivierte, auf ihren anfangs relativ friedlichen Massendemonstrationen Neuwahlen einforderten, machten die „Neuen Medien“ scharf; gleichzeitig begann auch die Zeit Agents provocateurs.

Eric Margolis, Buchautor und Auslandsredakteur bei Kanadas Sun National Media, schrieb am 23. Juni 2009, „westliche Geheimdienstagenturen und Medien spielen eine Schlüsselrolle beim Aufrechterhalten des Aufstandes (in Teheran) und der Lieferung der Kommunikation, inklusive neuester elektronischer Methoden via Twitter. Das sind verdeckte Techniken, welche die USA im Laufe der jüngsten Revolutionen in der Ukraine und in Georgien, die proamerikanische Regierungen an die Macht brachten, entwickelt hatten“. Reinhard Lütkemeyer nimmt diesbezüglich überhaupt kein Blatt vor den Mund und schreibt am 25. Juni: “Am Wochenende nach der Wahl, mitten im Putsch von CNN (CIA) und BBC-Farsi (MI6), befand sich Ahmadinedschad nicht gerade in einer angenehmen Situation. Die Lage in Teheran drohte außer Kontrolle zu geraten, weil das tumbe Volk die vom CIA/ MI6 geschickt über ‚Neuen Medien’ wie Twitter, Youtube, flickr und Facebook verbreiteten ‚Meldungen’ glaubte und zeitweise zu Hunderttausenden gegen den vermeintlichen Wahlbetrug demonstrierte. Das 140-Zeichen Kurz-Format von Twitter lädt zur Fälschung geradezu ein, die kurze Lüge wird schnell geglaubt, die Banalität des Bösen wirkt blitzartig. Zur Besinnung lässt das ‚Twitter-Gezwitscher’ keinen kommen. Das wusste auch Obama, als er anordnete, die Wartung der ‚privaten’ Kommunikationsplattform Twitter auf einen Zeitpunkt zu verschieben, wo es tiefe Nacht war in Teheran … Nur wer den Eingang der Meldungen unterbrach und die Meldungen gruppenweise ausdruckte, konnte feststellen, dass die meist in Englisch verfassten Infoschnipsel merkwürdige Gemeinsamkeiten vorwiesen. Sie waren offenbar von ortskundigen Engländern oder Amerikanern ‚auf Vorrat’ gefertigt worden. Als Textbausteine präpariert und wohl von den immer gleichen Twitter-Agenten wurden sie nur mit geringfügigen Variationen im Text unter wechselnden Absendern zur Panikmache eingespeist, um das Gemetzel in Teheran ‚virtuell’ am Laufen zu halten. Danke, London oder Langley, für die hübsche Inszenierung, das reicht fürs erste.“

Ein pakistanischer Blogger nahm sich am 16. Juni die Twitterei mal genauer unter die Lupe, weil er „fasziniert war von dem plötzlichen Auftreten von Zehntausenden von Twitter-Anschuldigungen, dass Ahmadinedschad die iranischen Wahlen gestohlen habe“. Er kam zu dem Schluss, „dass jeder dieser sehr aktiven Accounts erst am Samstag, den 13. Juni, kreiert wurde“ und "IranElection" das beliebteste Stichwort wurde. Auch konnte er die Twitter-Aktionen auf drei sehr hartnäckige „Spammer“ reduzieren: @StopAhmadi, @IranRiggedElect und @Change_For_Iran. Als er weiter recherchierte, musste er zu seiner Überraschung feststellen, dass die Jerusalem Post schon am 14. Juni über diese neuen Twitterer berichtete. Daraus resümierte er, dass es sich hierbei um Propagandaoperationen handele. (25)

Mit jener Art modernen Medien kennt sich Abolfazl Fateh, einst Direktor der Iranian Students News Agency (ISNA), jetzt Wahlberater von Mirhossein Mussawi mit Hauptwohnsitz London, bestens aus. Am 5. Juni 2009, wenige Tage vor der Wahl, sollte er in London anlässlich einer Konferenz über „Soziale und kulturelle Auswirkungen der Iranischen Revolution“ über die “die ISNA und die Rolle der Studenten bei der Öffnung einer neuen Ära für Nachrichtenagenturen in Iran” referieren. Am Ende war er wohl zu beschäftigt; ein Ersatz sprang ein. Böse Zungen behaupten unter der Hand, Abolfazl Fateh wäre das Bindeglied zwischen Mussawi und dem MI 6, dem britischen Auslandsgeheimdienst. Bewiesen ist das nicht. Doch die iranischen Verantwortlichen haben wohl irgendeinen Braten gerochen: Als Fateh sich am 25 Juni 2009 aus Teheran nach London absetzen wollte, „verwehrten sie ihm das wegen seiner Rolle in den jüngsten Entwicklungen“, wusste FARS News zu berichten. Fateh möchte nun solange im Iran bleiben bis „bestimmte Dinge geklärt“ sind.

Provozierte Krawalle

Am 15. Juni 2009 fasste Irans Minister für Geheimdienste Mohseni Ejei die Lage in Iran so zusammen: “Leider kamen einige anti-revolutionäre, hartnäckige und illegale Trends unter dem Deckmantel der Wahlaktivitäten auf die Straße, verärgerten die Menschen, zerstörten und setzten einige öffentliche und private Gebäude in Brand. Vor der Wahl … wurde versucht, Unsicherheit im Land durch Explosionen und Morde zu erzielen. Etwa 50 Personen, die zu drei vom Ausland geführten Bombertruppen gehörten, wurden enttarnt und arretiert wobei mehr als 20 explosive Ladungen und Bomben entdeckt wurden.“ Das staatliche Fernsehen IRIB sendete am 18. Juni 2009 Interviews mit vier der gefassten Terroristen. Einer erklärte: „Wir hatten Kontakte mit den Amerikanern im Irak. Sie unterwiesen uns im Bombenbauen.“ Geplant, so der Sender, waren Anschläge am Wahltag in „verschiedenen mit Menschen überfüllten Gegenden in Teheran, einschließlich der Ershad- und Al-Nabi-Moscheen sowie auf Wahllokale in den 20 Distrikten Teherans.“


Karikatur: El Patio

Das Büro des Teheraner Generalstaatsanwaltes gab nach den Ausschreitungen vom 20. Juni bekannt, das sich „bewaffnete Vandalen, terroristische Elemente unter die demonstrierenden Menschen gemischt, das Feuer auf Zivilisten eröffnet und einige getötet hätten. Einer der Bewaffneten sei verhaftet worden“. Die Aufrührer hatten zudem eine Moschee, zwei Tankstellen und einen Militärposten in West-Teheran angegriffen; insgesamt wurden 13 Menschen getötet und 22 verletzt. Der Chef der Teheraner Polizei, Azizallah Rajabzadeh, wies die Vorwürfe zurück, seine Männer hätten bei den Schießereien eine Rolle gespielt: „Die Polizisten sind nicht autorisiert, Waffen gegen die Leute einzusetzen. Sie sind ausgebildet, um mit ihren speziellen Gerätschaften Ausschreitung zu verhindern.“ Rajabzadeh ergänzte, es seien 457 „Leute“ wegen „Provozierens von Unruhen“ verhaftet worden. Die Verhaftungswelle erfolgte, nachdem die iranischen Sicherheitsbehörden zahlreiche Agents provocateurs, die der von den USA gesponserten „Volksmudschaheddin des Iran“ (siehe oben) zugehörig sind, als Drahtzieher der Gewalt bei den täglichen Demonstrationen identifizieren konnte. Am 22. Juni 2009 verhafteten die Iraner dann auch die ersten fünf europäischen Agenten, die sich an den Unruhen des vorhergehenden Wochenendes „beteiligt“ hatten: Es handelte sich dabei um „zwei deutsche, einen britischen und zwei französische Agenten“, berichtete die Tageszeitung Javan. Das Blatt deutete auch an, es seien auch schon “einige der Mörder gefasst worden”. Einen Tag später berichtete Javan, die Polizei habe „30 Colts“ beschlagnahmt, die zur illegalen Bewaffnung der Gewalttäter gedacht waren.

Am 24. Juni 2009 erklärte Irans Innenminister Seyed Sadeq Mahsouli, „viele dieser Teilnehmer an den Unruhen nach den Wahlen in Iran hatten finanzielle Zuwendungen aus den USA, von der CIA und antiiranischen Terrorgruppen wie der Volksmudschaheddin erhalten. All die Terrorgruppen, die von außen in verschiedener Weise Unterstützung erhielten, mobilisierten zur Beteiligung an den Krawallen, um die Situation zu verschlimmern“. Außenminister Manouchehr Mottaki prangerte vor allem Großbritanniens Einmischung in die Wahlen an: „London führe seinen Angriff gegen die Wahlen seit mehr als einem Jahr. Wir sind Zeuge eines Einströmens von Menschen aus Großbritannien vor den Wahlen.“ Zugleich beschuldigte sein Sprecher Hassan Qashqavi die US-amerikanischen und britischen Medien des „Schürens, Anleitens und Kommandierens der Unruhen nach der Wahl: „Die Voice of America (VOA) und die British Broadcasting Corporation (BBC) sind staatliche Kanäle. Ihre Budgets werden im US-Kongress als auch im Britischen Parlament bestätigt. Sie sind die Tribünen der Diplomatie ihrer Länder.“ Doch im Iran, so der Außenpolitiker, „dienten sie als strategische Einsatzzentrale und Kommandoposten für die fortgesetzten Unruhen“.

Quelle: Hintergrund


Siehe auch:
Gegenmeinung: Seid ihr zu einem Krieg gegen den dämonisierten Iran bereit? Von Paul Craig Roberts
Gegenmeinung: Von Mossadegh bis zu Ahmadinejad - Die CIA und das Iran-Experiment

Samstag, 27. Juni 2009

Zelaya mobilisiert die Bevölkerung

Präsident von Honduras will den Volksentscheid mit der Bevölkerung organisieren

Von M. Daniljuk

Zelaya mobilisiert die Bevölkerung

Demonstranten stellen Wahlmaterial sicher

Tegucigalpa. In Honduras spitzt sich die Auseinandersetzung zwischen Präsident Zelaya und der Mehrheit der politischen Klasse zu. Im Mittelpunkt des Konfliktes steht eine für Sonntag vorgesehene Volksbefragung, bei der die Bevölkerung des Landes gefragt werden soll, ob bei den Wahlen im November ebenfalls eine Abstimmung über die Einberufung einer verfassungsgebenden Versammlung durchgeführt werden soll. Die Ausarbeitung einer neuen Verfassung wird von den sozialen Bewegungen, den Linksparteien und von Präsident Zelaya unterstützt. In der Nacht auf Donnerstag verweigerte die Militärführung, die für die logistische Durchführung der Befragung verantwortlich sein sollte, dem Präsidenten die Unterstützung. Nachdem Präsident Zelaya als Oberbefehlshaber der Streitkräfte in der Nacht zwei Generäle entließ, traten weitere ranghohe Offiziere zurück. Gestern Vormittag besetzten Truppen strategische Punkte der Hauptstadt.

Die Armee, der Oberste Gerichtshof und die Mehrheit des Parlaments versuchen die Befragung am Sonntag mit allen Mitteln zu verhindern, obwohl diese keinen verbindlichen Charakter hätte. Der Oberste Gerichtshof erklärte die Umfrage am Mittwoch für illegal und forderte die Vernichtung der Abstimmungszettel. Gestern hob der Gerichtshof außerdem ohne jede Befugnis die Entscheidung des Präsidenten auf, die Militärführung zu entlassen. Zentrales Argument der Rechten ist, dass Präsident Manuel Zelaya sich durch eine Verfassungsänderung die Möglichkeit zur Wiederwahl schaffen wolle. Tatsächlich verfolgt der Präsident mit dem Eintritt ins Staatenbündnis Alba und der Stärkung der sozialen und demokratischen Grundrechte eine an den linken Regierungen der Region orientierte Politik.

Als Reaktion auf die Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes und des Parlaments setzte Zelaya heute auf die Mobilisierung der Bevölkerung. Er rief seine Mitbürger auf, ihr Recht zur Abstimmung zu verteidigen, die Wahlmaterialien sicherzustellen und ihre Verteilung selber zu organisieren. An der Spitze einer Autokarawane fuhr er zum Militärflughafen in Tegucigalpa. Dort drangen mehrere tausend Personen auf das Gelände vor und sicherten die Kisten mit dem Abstimmungsmaterial. Bis Sonntag sollen Urnen und Abstimmungszettel von seinen Unterstützern im Land verteilt werden. Ob diese von der Basis organisierte Abstimmung gelingt, ist bisher unklar. Seit der Absetzung der Militärführung nimmt die Militärpräsens in der Hauptstadt und auf dem Land zu, sodass sowohl der Rat der Sozialen Bewegungen, die linke Partei Demokratische Vereinigung (UD) als auch der Präsident von einem "kalten Staatsstreich" sprechen.

Verschiedene lateinamerikanische Regierungen haben dem Präsidenten inzwischen den Rücken gestärkt. Die Alba-Staaten, die sich erst vorgestern in Venezuela trafen, erklärten, man werde keine andere Regierung als die von Manuel Zelaya anerkennen. Die Organisation Amerikanischer Staaten rief eine Dringlichkeitssitzung ein und forderten die Opposition auf, sich an die demokratische Ordnung zu halten. Venezuelas Präsident Hugo Chávez meinte, die aktuellen Vorgänge zeigten, dass die Oberschicht des Landes Angst vor der Abstimmung des Volkes habe. Die deutlichsten Worte wählte Fidel Castro. Er verglich den gestrigen Aufruf von Zelaya mit der letzten Rede von Salvador Allende und schloss seinen Text mit den Worten: Das Volk von Honduras wird diese Geste niemals vergessen!


Foto: Gara



Quelle: amerika21.de

Von Mossadegh bis zu Ahmadinejad - Die CIA und das Iran-Experiment

Von Mossadegh bis zu Ahmadinejad - Die CIA und das Iran-Experiment

von Thierry Meyssan (Präsident des Voltaire Networks)

Die Meldungen über die angebliche Wahlfälschung hat sich wie ein Lauffeuer über Teheran verbreitet und stachelte die Anhänger Ayatollah Rafsanjanis gegen die des Ayatollah Khamenei zu Straßenschlachten auf. Diese chaotische Lage wird durch die CIA heimlich gesteuert, die die Konfusion breit streute indem sie den Iran mit widersprüchlichen SMS-Botschaften überflutete.
Thierry Meyssan nennt das ein Experiment der psychologischen Kriegsführung. 19. Juni 2009 aus Beirut.

Im März 2000 betonte Madeleine Albright,die Staatssekretärin des US-Außenministeriums, daß die Regierung Eisenhower 1953 einen “Regime-Change” im Iran organisiert hat und daß dieses historische Ereignis die heutige Feindseligkeit der Iraner gegenüber den Vereinigten Staaten von Amerika erklärt.

Letzte Woche, während seiner Ansprache an die Muslime in Kairo, erkannte Präsident Obama offiziell an,daß “die USA mitten im Kalten Krieg beim Sturz einer demokratisch gewählten iranischen Regierung eine Rolle gespielt haben” (1)

Zu dieser Zeit wurde der Iran durch eine Marionetten-Monarchie unter der Führung des Shah Mohammad Reza Pahlavi kontrolliert. Er wurde von den Briten auf den Thron gesetzt, nachdem sie den mit den Nazis sympathisierenden Kossacken-Offizier Reza Pahlavi zum Rücktritt gezwungen hatten. Allerdings mußte der (neue) Shah jetzt mit dem nationalistischen Premierminister Mohammad Mossadegh auskommen, der mit Unterstützung des Ayatollah Abou-al-Qassem Kachami die Ölquellen nationalisierte (2).

Wutentbrannt bearbeiteten die Briten die USA, daß der iranische Abweichler gestoppt werden müsse, bevor das Land kommunistisch würde. Die CIA organisierte die “Operation AJAX”, um Mossagegh mit Hilfe des Shah zu stürzen und ihn durch den Nazi-General Fazlollah Zahedi zu ersetzen, den die Briten bis dahin kaltgestellt hatten. Zahedi ist verantwortlich für die Errichtung des grausamsten Terror-Regimes dieser Zeit, während der Shah gleichzeitig mit seinem Pomp die Klatschspalten der Massenmedien füllte und so das Zahedi-Folterregime deckte.

Die “Operation AJAX” wurde von dem Archäologen Donald Wilber, dem Historiker Kermit Roosevelt (ein Enkel des Präsidenten Theodore Roosevelt) und General Norman Schwartzkopf Senior geleitet (dessen Sohn mit gleichem Namen dann die “Operation Dessert Storm” geleitet hat). Diese Operation ((AJAX)) bleibt ein Paradebeispiel eines Regiebuches für Subversion. Die CIA entwickelte ein Szenario, das den Eindruck eines Volksaufstandes vermittelte, tatsächlich aber war es eine “covert operation” der CIA. Der Höhepunkt der CIA-Show war eine Demonstration von 8.000 CIA-bezahlten Teilnehmern, um so glaubwüdige Bilder an die westlichen Medien liefern zu können (3).

Wiederholt sich die Geschichte ?

Washington nahm Abstand von einer militärischen Intervention (Thierry sagt deutlicher: attack) im Iran und hat Israel davon abgeraten eine solche Initiative zu ergreifen. Um das “Regime auszuwechseln” bevorzugt die Regierung Obama das Spiel mit den covert actions - weniger gefährlich aber mit mehr unvorhersehbaren Ergebnissen. Nach den iranischen Präsidentschaftswahlen heizen riesige Demonstrationen in Teherans Straßen die Anhänger Präsident Mahmoud Ahmadijeniads und des (geistlichen) Oberhaupts Ali Khamenei auf der einen Seite auf und auf der anderen die Anhänger des unterlegenen Kandidaten Mir-Hossein Mousavi und des früheren Präsidenten Akbar Hashemi Rafsanjani. Die Demonstrationen sind ein Zeichen der tiefen Spaltung der iranischen Gesellschaft zwischen nationalistischen Werktätigen und einer Bourgeoisie, die darüber aufgebracht ist, daß sie am Segen der ökonomischen Globalisierung nicht teilhaben kann (4).

Mit seinen covert actions versucht Washington die Konflikte weiter so zu verschärfen, daß der gewählte Präsidenten stürzt. (um ihn zu stürzen:) Nochmal: Iran ist ein Experimentierfeld für innovative subversive Methoden. Die CIA benutzt 2009 eine neue Waffe: die Kontrolle der Mobil-Telephone. Seit der weltweiten Verbreitung (Thierry spricht hier von “Demokratisierung”) des Mobile-Phones haben die anglo-amerikanischen Geheimdienste ihre Abhörkapazitäten enorm erweitert. Während man für das Abhören von Kabeltelephonen regionale Büros und lokale Agenten braucht, können mobil-Telefone aus sicherer Entfernung über das Echelon-Network abgehört werden. Dieses System kann jedoch die Kommunikation via Skype nicht abhören und speichern, was den Erfolg des “Skypens” in Konflikt-Regionen erklärt.(5). Deshalb hat die “Nationale Sicherheits-Agentur” (NSA) die großen Internet-Provider zur Kooperation gedrängt. Die Kooperationswilligen erhielten riesige Zahlungen (6).

In Ländern unter anglo-amerikanischer Besatzung - Irak, Afghanistan und Pakistan - überwachen die Besatzer die gesamte Telekommunikation, die mobile wie die verkabelte. Dabei ist nicht die komplette Speicherung aller Gespräche das Ziel, sondern die Erfassung, das Aufspüren “sozialer Netzwerke”. Mit anderen Worten, Telefone sind Wanzen,die aufzeichnen, wer mit wem in Kontakt steht. Erstens hoffen die Dienste damit WiderstandsNetzwerke aufzuspüren.

Zweitens ermöglichen es Telephone Ziele zu finden and sie zu “neutralisieren”. Deshalb befahlen afghanische Rebellen im Februar 2008 verschiedenen Funkstationen und Funkern ihren betrieb täglich von 5 PM bis 3 AM zu unterbrechen, damit die Besatzer ihre Standorte nicht ermitteln können. Die Funkstationen, die sich nicht an diesen Befehl hielten wurden zerstört. (7)

Andererseits versuchte die Israelische Armee während des Gaza-Krieges bei der “Operation Cast Lead” vom Dezember 2008 bis Januar 2009 die Telefonverbindungen in Gaza nicht zu zerstören - mit Ausnahme einer versehentlichen Unterbrechung durch die (ansonsten gut gezielte Anm. HaBE) Bombardierung. Das ist ein kompletter Wechsel in der Strategie.

Seit dem Golf-Krieg war die vorherrschende Strategie die des Colonel John A Warden mit seiner “Theorie der 5 Kreise”: die Bombardierung der Telefon-Infrastruktur galt als strategisches “Muß”, um die Bevölkerung in Panik zu versetzen und gleichzeitig die Verbindungen zwischen Kommandozentralen und kämpfenden Einheiten zu unterbrechen.

Und nun das Gegenteil: die TelekommunikationsInfrastruktur muß geschützt werden! Während der Bombardierungen Gazas bot das Telekommunikationsunternehmen JAWWAL (8) seinen Nutzern zusätzliche Gesprächszeit an - offiziell um den Palästinensern zu helfen, tatsächlich aber diente das den israelischen Interessen.. Noch einen Schritt weiter gingen anglo-amerikanische und israelische Geheimdienste: sie entwickelten Methoden der psychologischen Kriegsführung auf der Basis extensivster Nutzung des Mobil-Telefons.

Im Juli 2008 - nach dem Austausch von Gefangenen und Gefallenen zwischen Israel und der Hezbollah überschwemmten Roboter die libanesischen Mobil-Telefone mit Zigtausenden von Anrufen: ein Stimme warnte auf Arabisch vor der Teilnahme an jeglicher Widerstandsaktivität und beschimpfte die Hezbollah. Der Libanesische Minister für Telekommunikation, Jibran Bassil (9), reichte bei den UN eine Beschwerde ein gegen diese schwere Verletzung der staatlichen Souveränität des Libanon.

Nach der gleichen Methode erhielten im Oktober 2008 Zigtausende von Libanesen und Syrern einen automatischen Anruf, mit dem ihnen 10 Millionen Dollar für Informationen angeboten wurden, die zum Aufenthaltsort und zur Befreiung israelischer Gefangener führen. Personen, die zur Kollaboration bereit seien, sollten einen Nummer in Groß-Britannien anrufen (11).

Diese Methode wurde jetzt angewendet um die Iranische Bevölkerung in die Irre zu führen, um Horror-Nachrichten zu verbreiten und die daraus entstehende Wut zu kanalisieren.

Als Erstes wurden während der nacht der Stimmenauszählung SMSen verschickt, wonach der Verfassungs-Wächter-Rat (so etwas wie ein Verfassungsgericht) MirHossein Mousavi über seinen Wahlsieg informiert hätte. Danach erschien die Bekanntgabe des offiziellen Ergebnisse - der Wiederwahl von Mahmoud Ahmadinejad mit 64% der abgegebenen Stimmen - als eine gigantische Fälschung. Noch drei Tage zuvor schätzten M. Mousavi und seine Freunde einen haushohen Sieg M. Ahmadinejads als sicher ein und versuchten das mit unausgewogen-einseitigen Kampagnen zu erklären. So schilderte der
Ex-Präsident Akbar Hashemi Rafsanjani seine Beschwerdegründe detailliert in einem offen Brief.

Die US-Meinungsforschungsinstitute im Iran sagten einen 20 Punkte Vorsprung M. Ahmadinejads vor M. Mousavi voraus. (12) M. Mousavis Sieg schien zu keinem Zeitpunkt möglich, auch wenn man annimmt daß einige Stimmenfälschungen den Abstand zwischen den beiden Kandidaten noch verändern würden.

Als Zweites wurden iranische Bürger per Internet zum Chatten bei Facebook oder Twitter Feeds ausgewählt oder angeworben. Sie erhielten Informationen - wahre oder erfundene (immer per SMS) über die Entwicklung der politischen Krise und die andauenden Demonstrationen. Diese anonymen Meldungen verbreiteten nachrichten über Schußwechsel und zahlreiche Todesfälle, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht bestätigt waren. Wegen einer unglücklichen Datumsüberschneidung wurde vermutet, das Twitter seinen Service eine nacht für Wartungsarbeiten am System unterbrechen müßte. Die US-Regierung griff ein mit der Forderung nach Verschiebung der Wartungsarbeiten.(13)

Nach Berichten der New York Times trugen diese Vorgänge dazu bei Aufsässigkeit und Trotz in der Bevölkerung zu verbreiten (14). Meldungen, die Mord und Totschlag beschreiben, Polizeiüberfälle auf Wohnungen´usw.. werden von Leuten versendet, die weder zu identifizieren noch zu lokalisieren sind.

Gleichzeitig mobilisiert die CIA mit neuen Methoden anti-iranische Militante in den USA und Groß-Britannien, um das Chaos anzuheizen. Eine Praktische Anleitung für die Revolution im Iran wurde an sie verteilt mit einer Vielzahl von Empfehlungen inklusive der Anleitung, wie man Twitter-Accounts der Teheraner Zeitzone anpassen kann: ”

set Twitter
accounts feeds to Tehran time zone;
centralize messages on the following Twitter accounts @stopAhmadi,
#iranelection and #gr88 ;
official Iranian State websites should not be attacked.”Let the US military
take care of it “(sic!).

Wendet man diese Empfehlungen an, dann ist es unmöglich eine Twitter-Nachricht zu identifizieren. Es ist unmöglich herauszufinden, ob sie von einem Zeugen der Demonstrationen in Teheran oder von CIA-Agenten in Langley gesendet wurde und es ist unmöglich zwischen richtigen und falschen Meldungen zu unterscheiden. Das Ziel ist immer mehr Verwirrung zu schaffen und die Iraner dazu aufzustacheln, sich gegenseitig zu bekämpfen. Überall auf der Welt verfolgen die Generalstäbe die Ereignisse in Teheran. Sie beobachten die Effizienz dieser neuen Subversionsmethoden auf dem Versuchsfeld Iran. Offensichtlich haben die Destabilisierungsbemühungen funktioniert. Aber es ist unklar ob es der CIA gelingt, die Demonstranten dazu zu bringen, das zu tun, was das Pentagon verweigert hat und was die CIA nicht selbst tun will: das Regime zu stürzen und die Islamische Revolution zu exekutieren.


Thierry Meyssan
Journalist und Schriftsteller, Präsident Voltaire Network

[Diese Übersetzumg stammt von HaBE und ist bisher nicht von Thierry Meyssan authorisiert]


Quelle: HaBE


Siehe auch:
Gegenmeinung: Iran: Das Scheitern des “grünen” Putsches Von JÜRGEN CAIN KÜLBEL
Gegenmeinung: Seid ihr zu einem Krieg gegen den dämonisierten Iran bereit? Von Paul Craig Roberts

Abschaffung des Internationalen Währungsfonds IWF in Betracht ziehen

Die UNO-Generalversammlung tagt heute den letzten Tag über die Reform der finanziellen Strukturen angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise. Ein Vorschlagsentwurf fordert die Aufstockung der Hilfe für ärmere Länder, eine Straffung der Regeln für Finanzierungsmaßnahmen und eine Reformierung des IWF und anderer multinationaler Institutionen. Am Donnerstag sagte der ecuadorianische Präsident Rafael Correa, die Mitgliedsstaaten sollten die Abschaffung des IWF (Internationale Währungsfonds) in Betracht ziehen. Er kritisierte auch das profitorientierte Finanzsystem.

Der ecuadorianische Präsident Rafael Correa: „Wir, die wir Bürger der Welt sein wollen, können Systeme nicht verstehen, die letztendlich immer auf den Ärmsten herumtrampeln und diese versklaven. Wie können wir eine sogenannte Globalisierung verstehen, die keine Weltbürger schaffen will, sondern nur Konsumenten. Sie versucht nicht, eine globale Gesellschaft zu errichten, sondern nur einen globalen Markt.“

erschienen am 26.05.2009 bei Democracy Now > http://www.democracynow.org/2009/6/26/headlines



Siehe auch:

Gegenmeinung: Internationaler Währungsfonds (IWF) und Weltbank Zwei Instrumente zur Zerstörung von Nationen

Freitag, 26. Juni 2009

Erweiterung des Alba-Bündnisses

Der 6. außerordentliche Gipfel der Alba-Staaten traf auf dem Schlachtfeld von Carabobo zusammen

Von M. Daniljuk

Erweiterung des Alba-Bündnisses

Alter Titel der Bolivarianischen Allianz

Carabobo. Auf dem Treffen der Bolivarianischen Alternative für Amerika (Alba) schlossen sich gestern drei weitere Staaten dem Bündnis an. Die Mitglieder beschlossen eine Namensänderung und eine Veränderung ihrer Arbeitsstruktur. Neben dem Andenland Ecuador, dessen Beitritt lange erwartet wurde, traten die Karibik-Staaten San Vicente/Grenadinen und Antigua/Barbuda dem Bündnis bei. Damit umfasst der multilaterale Zusammenschluss nun insgesamt neun Staaten der Regionen Süd- und Mittelamerika sowie der Karibik. Als letzte Staaten waren Nicaragua und Honduras dem von Cuba und Venezuela gegründeten Bündnis beigetreten. Paraguay und Grenada nutzen einen Beobachterstatus, um an dem Treffen teilzunehmen. Auf der Inselgruppe Grenada hatten die USA im Jahr 1983 die fortschrittliche Regierung Maurice Bishop mit einer direkten Militärintervention gestürzt.

Der 6. außerordentliche Gipfel der Alba-Staaten traf genau mit den Gedenkfeiern der Schlacht von Carabobo zusammen. Am 24. Juni 1821 erlangte Venezuela bei dieser Schlacht westlich der Hauptstadt Caracas seine Unabhängigkeit von Spanien. Die venezolanische Regierung hatte nicht nur die Teilnehmer des Gipfels zu den Gedenkfeierlichkeiten eingeladen. An der Militärparade nahmen gestern auch Soldaten aus den Alba-Staaten Cuba, Honduras, Nicaragua und Bolivien teil. Nach der Unterzeichnung der Urkunde erklärte Rafael Correa seine Entscheidung dem Bündnis beizutreten. "Alba ist ein politisches Projekt der Solidarität, gerechter und sozialistisch, unabhängig und souverän, ein Angebot die Armut zu überwinden."

Die augenfälligste Entscheidung dieses Treffens ist eine Namensänderung des Bündnisses. Das Wort "Alternative" wird zukünftig durch den Begriff "Allianz" ersetzt, so dass der vollständige Titel nun lautet: Alianza Bolivariana para los Pueblos de Nuestra América – Tratado de Comercio de los Pueblos (ALBA – TCP). Gemeinsam mit den neuen Mitgliedern beschloss der Gipfel, mehrere ständige Ausschüsse zu gründen. Vorgeschlagene Themen waren Politik, Wirtschaft und Kultur. Die Arbeitsgruppen sollen aus dem bisherigen Leitungsgremium, dem Ministerrat, gebildet werden, dem die Außenminister der beteiligten Staaten angehören. Das nächste Treffen des Ministerrates soll im Juli in Ecuador, der nächste Gipfel der Allianz im September in Bolivien stattfinden.



Quelle: amerika21.de

Jetzt sehen wir euch, jetzt sehen wir euch nicht


Bild: Ursula Behr, www.atelier-behr.de/

Von Kathy Kelly

Anfang Juni 2009 war ich im Flüchtlingslager Shah Mansor in Pakistan und hörte den Bericht eines Bewohners über Einzelheiten des Gemetzels, das zur Flucht seiner Familie vor zwei Wochen geführt hatte. Ihre Stadt Mingora war unter massives Bombardement aus der Luft gekommen. Er erinnerte an verzweifelte Anstrengungen beim Begraben von Leichen, die sie auf dem Weg fanden, als er und seine Nachbarn dabei waren, die Flucht ihrer Familie aus dem Gebiet zuu organisieren.

„So haben sie uns dort umgebracht,” sagte mein Freund. Dann, auf die Zeltreihen deutend, die sich erstreckten, soweit das Auge sehen konnte, fügte er hinzu: „So bringen sie uns hier um.“

Die Menschen in dem Zeltlager litten unter sehr rauen Bedingungen. Sie schliefen ohne Matten auf dem Boden, sie hatten kein Wasser zum Waschen, in den Zelten war es unerträglich heiß und sie hatten keine Ahnung, ob ihre Häuser und Geschäfte in Mingora noch standen. Ihr Leidensweg hatte allerdings erst begonnen.

Der UNO-Butschafter für Menschenrechte Abdul Aziz Arrukban warnte am 22. Juni, die Millionen von Pakistanern, die durch die Militäroffensive gegen das Swat-Tal vertrieben worden waren, würden „langsam sterben“, wenn sich die internationale Gemeinschaft nicht um das „unerwartete“ Ausmaß der Krise kümmert (Jason Ditz, antiwar.com).

UNO-Agenturen und Nichtregierungsorganisationen wie Islamic Relief und Relief International berichten, dass viele der Menschen, die jetzt in Zeltlagern oder aufgegebenen Häusern leben oder in Schulen, die zu Flüchtlingsunterkünften umgewandelt wurden, in Bälde an verhinderbaren Krankheiten sterben könnten.

Gesundheitsteams registrieren zunehmend häufige Fälle von Diarrhoe, Scabies und Malaria, alle unter diesen Umständen besonders für kleine Kinder tödlich. Wenn so viele Menschen so eng beieinander leben, verbreiten sich diese Krankheiten schnell.

Hilfeorganisationen sind besorgt, dass mit dem Einsetzen der Monsunzeit im Juli diese Probleme sich deutlich verschlechtern werden. Der Monsun bringt regionale Überschwemmungen mit sich und verursacht das Ansteigen von Malaria und Krankheiten, die durch Wasser verursacht werden. Die Auswirkungen in diesem Jahr werden viel gravierender sein, weil so viele Menschen in gedrängten und unhygienischen Verhaltnissen leben.

Pakistans heruntergekommenes Gesundheitssystem ist nach offiziellen Berichten nahe dem Zusammenbruch. Die Krankenhäuser im Norden des Landes leiden besonders unter überarbeiteten Ärzten, schwindenden medizinischen Vorräten und Lawinen von bürokratischen Vorgängen, die Geld und Medizin für die Krise blockieren.

In einem Bericht für Associated Press am 7. Juni beschrieb Kathy Gannon die Männerabteilung im Bezirkskrankenhaus von Mardan: „30 Stahlbetten stehen zusammengedrängt, mit dünnen Matratzen und ohne Kissen. Urinlachen stehen am Boden und frische Blutspritzer sind auf dem zerrissenen Bettzeug zu finden ... die einzige Toilette für 30 Patienten stinkt nach Urin und Kot. Die Toiletten gehen über, die Tür zu einer hängt herunter und Urin bedeckt den Betonboden. In einer Ecke ist ein hoher Müllhaufen.“

Das Jahresbudget für das Gesundheitswesen in Pakistan beträgt heuer weniger als US$ 150 Millionen, während das pakistanische Militärbudget im letzten Jahr $ 3,45 Milliarden ausmachte und im nächsten Jahr auf $ 3,65 steigen soll.

Die Menschen in Shah Mansoor sorgen sich, dass weder die internationale Gemeinschaft noch ihre Regierung sich um die Gesundheitskrise kümmern, die auf sie zukommt. Aber die Dorfbewohner, die erst aus ihren Häusern in Waziristan flüchten werden, leiden unter der ständigen militärischen Beobachtung durch tödlich bewaffnete Überwachungsdrohnen der Vereinigten Staaten von Amerika.

Ein Dorfbewohner, der eine Drohnenattacke in Nordwaziristan überlebt hatte, erklärte, dass sogar die Kinder beim Spielen auf Drohnen achten, die über ihnen fliegen. Nach einem Drohnenüberfall waren die Überlebenden, die versuchten, verletzte Opfer zu einem Krankenhaus zu bringen überrascht, als ein Fahrer anhielt, von ihrer Notlage erfuhr und davonfuhr. Da dämmerte ihnen, dass dieser Fahrer befürchtete, die Drohne könne noch immer über ihnen herumstreifen und er könnte dafür aufs Korn genommen werden, dass er den Opfern der Attacke geholfen hatte.

Die Drohnen der Vereinigten Staaten von Amerika können Pakistan überwachen – ihre Piloten in klimatisierten Räumen in Nevada sehen das Gebiet, obwohl sie physisch tausende Meilen entfernt sind.

In einem Bericht über die Bemühungen der Luftwaffe der Vereinigten Staaten von Amerika, „den unersättlichen Bedarf an unbemannter Luftraumüberwachung in Kampfzonen zu decken“ schreibt Grace Jean in der Ausgabe vom Juni 2009 des National Defense Magazine, dass die Luftwaffeneinheit 432 in der Creech Air Force Base in Nevada ihre Operationen ausweitet. „Wir verfügen zur Zeit über 34 Videoverbindungen über der Kampfzone,“ sagt Col. John Montgomery, stellvertretender Kommandant des Geschwaders. „Mit einer Drohne,“ sagt Montgomery, „bist du Teil des Schlachtfeldes.“ Zu den hunderten Kampfeinsätzen, die er über Sadr City in Bagdad geflogen war bemerkte Montgomery, er wusste sogar wann die Leute die Wäsche aufhängten und wann sie den Müll hinaus trugen. „Ich wusste die Verkehrsdichte in den Stunden, in denen ich sah und ich wusste, wenn diese sich änderte. Wenn man erst die Muster des Verhaltens kennt, ob Dinge anders oder problematisch sind, dann bedeutet das, dass etwas in der Luft liegt, und das verschafft dem Oberbefehlshaber und dem Kommandanten am Boden einen Vorteil.“

Am Dienstag, 23. Juni flogen Drohnen der Vereinigten Staaten von Amerika einen Überfall gegen eine Wohnanlage in Südwaziristan. Nachbarn eilten herbei, um Überlebende zu retten. Die Drohnen der Vereinigten Staaten von Amerika feuerten weitere Raketen auf diese und töteten 13. Am nächsten Tag, als die örtliche Bevölkerung das Begräbnis abhielt, schlugen die Vereinigten Staaten von Amerika erneut zu. Reuters berichtete, dass 70 Trauergäste getötet wurden.

Die Drohnenpiloten und ihre Kommandanten in Creech Air Base werden zunehmend gut über die Bewegungen der Menschen in Pakistan informiert sein, die Menschen in den Vereinigten Staaten von Amerika hingegen werden die menschlichen Kosten des Krieges in Pakistan aus den Augen verlieren.

Zur Zeit hören wir von bevorstehenden Militäroperationen in Südwaziristan, die bereits 45.000 Menschen in die Flucht aus der Region getrieben haben, die jetzt zu den rund zwei Millionen Männern, Frauen und Kindern dazu kommen, die durch die Kämpfe im Swat-Tal und anderen Regionen vertrieben worden sind. Menschen aus Waziristan, die aus ihren Dörfern flüchten bei dem Versuch, ihr Leben zu retten und nicht von den allgegenwärtigen Drohnen bemerkt zu werden, werden voraussichtlich zu den ungesehenen vertriebenen Menschen dazukommen, deren Leben und Hoffnungen der internationalen Aufmerksamkeit entschwinden, wenn sie langsam sterben.

Präsident Obama hat uns eine Ausdehnung von Bushs Krieg gegen den Terror beschert, angeblich mit der Begründung, dass seine Regierung die Verantwortung für die Ausrottung der Al Qaeda-Terroristen trägt. Aber die Methoden, die das Militär der Vereinigten Staaten von Amerika und Pakistans einsetzt, die Millionen Menschen aus ihren Wohnorten vertreiben, bei der Versorgung der Vertriebenen mit Nahrung und Unterkunft versagen und mit überwältigender Waffentechnologie unschuldige Zivilisten überfallen – diese Methoden werden weiterhin terroristische Widerstandskämpfer schaffen und nicht diese besiegen.

Wenn wir Al Qaeda bekämpfen wollen, wenn wir sicher sein wollen vor zukünftigen terroristischen Angriffen, würden wir gut daran tun daran zu denken, dass die Menschen, die die Hauptlast unserer Kriege tragen und deren Menschsein wir nicht anerkennen, dass genau diese Menschen Augen um zu sehen und Ohren um zu hören haben. Diese müssen sich selbst fragen, wer die Terroristen sind.

Kathy Kelly ( kathy@vcnv.org) koordiniert Voices for Creative Nonviolence (Stimmen für kreative Gewaltlosigkeit) - www.vcnv.org

erschienen am 25.06.2009 > http://vcnv.org/now-we-see-you-now-we-dont

Quelle: antikrieg.com


Siehe auch:
Gegenmeinung: Bericht aus dem Flüchtlingslager bei Shah Mansoor

Donnerstag, 25. Juni 2009

Obama ist ein sehr geschmeidiger Lügner


Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de

Von John R. MacArthur

THE PROVIDENCE JOURNAL,17.06.09
(http://www.projo.com/opinion/contributors/content/CT_rick17_06-17-09_RIEMPHH_v17.44937d8.html)

Es ist nicht ganz fair, Obama einen Lügner zu nennen. Während der Wahlkampagne hat er sorgfältig vermieden, zu wichtigen Fragen etwas zu sagen, was er später hätte zurücknehmen müssen. Deshalb möchte ich mich auch nicht mit der ST. PETERSBURG TIMES über ihre Beurteilung Obamas streiten, in der sie dem Präsidenten bestätigt, bisher dreißig seiner Versprechungen gehalten und nur sechs gebrochen zu haben.

Bei genauer Betrachtung hat Obama nämlich in sehr eindrucksvollem Umfang gelogen. Man muss nur seine hochtrabende Rhetorik beiseite lassen – die meist völlig substanzlos ist – um ihn zu durchschauen. Ich biete Ihnen nur eine kurze unvollständige Liste (seiner Lügen) an, die andere ganz sicher leicht erweitern können.

• Obama stellte sich als Friedenskandidat oder zumindest ans Antikriegskandidat dar. Er ist aber weder ein Friedenspräsident, noch stoppt er irgendwelche Kriege. In Wirklichkeit hat er eine militärische Eskalation in Afghanistan angekündigt, um den Vorwurf McCains, er sei zu weichlich, zu entkräften; seine wohlmeinenden Anhänger glaubten, ihr neuer Held sei aufrichtig, wolle die Besetzung des Iraks tatsächlich beenden und versuchen, ernsthaft mit den Taliban zu verhandeln. Stattdessen hat er nicht nur die Anzahl der Soldaten und der Angriffe gegen die Aufständischen in Afghanistan verstärkt, er hat auch die bereits unter Bush begonnenen grenzüberschreitenden Übergriffe auf Pakistan ausgeweitet und viele Zivilisten umgebracht. Wie sich die Dinge entwickeln, könnte Pakistan das neue Kambodscha und Obama der neue Nixon werden. (US-Präsident Nixon hatte vor seiner Wahl 1969 angekündigt, den Krieg in Vietnam beenden zu wollen, danach aber auch Kambodscha bombardieren lassen.)

Obama hatte versprochen, alle Truppen aus dem Irak abzuziehen, es sei denn .... - was schon damals hieß, dass wir nicht abziehen werden. Wahrscheinlich bleiben 50.000 Soldaten auf "Einladung" der so genannten irakischen Regierung im Land – mindestens aber so viele, dass die bereits bestehenden 14 dauerhaften (US-)Militärbasen bemannt werden können; zusammen mit privaten Söldnern könnten es aber auch mehr als 50.000 Militärpersonen werden, die mit ziemlicher Sicherheit über den festgelegten Abzugstermin, den 1. Januar 2012, hinaus im Irak "gebraucht werden".

• Obama hatte versprochen, er wolle Washington reformieren, und das "kaputte" korrupte System des Lobbyismus "reparieren". Obama ist aber weder ein Reformer, noch ein gewiefter Mechaniker, der die Legislative saniert. Wenn ihn der Apparat des Demokraten Daley in der Einparteien-Stadt Chicago nicht gepuscht hätte, wäre Obama nicht Präsident geworden; deshalb wird er auch keine Wellen machen. (s. http://www.newsmax.com/politics/obama_daley_chicago_elect/2007/10/11/40228.html) Als Roland Burris vom korrupten früheren Gouverneur Rod Blagojevich auf den freigewordenen Sitz Obamas im Senat gehievt wurde, gab es keinerlei öffentlichen Einspruch der neuen Regierung, weil Burris ein Mann des demokratischen Apparats in Chicago ist. Wie wird Obama mit dem delikaten Problem umgehen, wenn aus den Abhörprotokollen des US-Bundesanwalts von Blagojevichs Telefonverkehr hervorgeht, dass "Tombstone Roland" (Grabstein-Roland ist wohl der Spitzname von Roland Burris.) Geld für "Blago" gesammelt und seinen Senatssitz also offensichtlich gekauft hat?

• Ein weiterer Beleg für Obamas Politik des "Nehmens und Gebens" ist auch die Berufung eines seiner größten Champions, des aus Chicago kommenden Rahm Emanuel, zu seinem Stabschef; auch der neue Haushalt und das "Konjunktur-Paket" sind voller "Dankesgaben" (für Konzerne, die Obamas Wahlkampf finanziert haben). Haben Sie schon etwas über Obamas angekündigte Reform der Wahlkampf-Finanzierung gehört? Das wäre auch sehr ungewöhnlich für einen Mann, der eine Finanzierung mit öffentlichen Geldern abgelehnt und noch etwa 10 Millionen von der Rekordsumme von 745,7 Millionen Dollar übrig hat, die an Wahlkampfspenden eingingen. Es ist zwar nur ein weiteres Detail, aber die Ernennung von William Lynn III, eines Lobbyisten der Rüstungsfirma Raytheon, zum stellvertretenden Verteidigungsminister steht in ziemlichem Widerspruch zu Obamas angekündigten Kreuzzug gegen spezielle Interessen und die "Drehtür" zwischen Privatfirmen und der Regierung. Außerdem hat Obama auch Botschafter-Posten an Wahlspender verkauft. Der dickste Brocken, die US-Botschaft in London, ging an Lou Sasman, die ebenfalls aus Chicago kommt und als leitende Managerin der Citigroup 239.000 Dollar gesammelt hat. Paris wurde für Charles Rivkin reserviert, der 500.000 Dollar für Obama aufgetrieben hatte.

• Obama will mit seinem zweiten arabischen Vornamen und seiner langen Rede in Kairo den Eindruck erwecken, er sei der beste Freund der islamischen Welt. Die Fotos des fröhlichen Präsidenten mit dem saudischen König Abdullah und seines lächelnden Stabschefs Emanuel mit dem saudischen Außenminister Saud al-Faisal beweisen aber das Gegenteil. Die saudische Königsfamilie hasst die Idee demokratischer Regierungen für islamische Völker und ist auf grausame Weise gleichgültig gegenüber dem Schicksal der Palästinenser. Ein demokratischer, unabhängiger und teilweise säkularer Palästinenser-Staat würde die saudische Oligarchie sehr schlecht aussehen lassen. Deshalb ist das saudische Königshaus sehr glücklich über den gegenwärtigen Zustand, und Obama ist es offensichtlich auch.

Ohne saudischen Druck wird es keine Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts geben, weil saudisches Öl der einzige Hebel ist, mit dem Amerika dazu gebracht werden könnte, Israel zu echten Zugeständnissen (an die Palästinenser) zu zwingen. Der Präsident denkt auch nicht eine Minute daran, Israel zu mehr als einem symbolischen Rückzug aus seinen illegalen Siedlungen auf der Westbank aufzufordern. Währenddessen setzt die saudische Elite ihr Doppelspiel fort; (um Ruhe vor Aufständischen zu haben), zahlt sie Schutzgeld an extremistische Islamisten und unterstützt die Verwandten von Selbstmord-Attentätern. So ist eben die Politik, schienen Barack und Rahm (Emanuel) ausdrücken zu wollen, als sie mit breitem Grinsen neben ihren seltsamen neuen Freunden aus Riad posierten. So lange das Öl bis zur nächsten Wahl fließt, ist alles in Ordnung.

• Obama erweckte den Eindruck, ein Freund der Gewerkschaften zu sei; zumindest hat er das während der Vorwahlen in Ohio getan, als er Hillary Clinton schlagen musste. Damals ließ er ein Flugblatt mit der Schlagzeile verteilen "Nur Obama hat gegen NAFTA gekämpft". (Das North American Free Trade Agreement / NAFTA ist ein Freihandelsabkommen der USA mit Kanada und Mexiko, das den Zustrom billiger Arbeitskräfte aus Mexiko in die USA ermöglicht hat.) Er hat auch gegen andere schlechte Handelsverträge gewettert und Hillary Clinton beschuldigt, "noch vor wenig mehr als einem Jahr NAFTA als Segen für die Wirtschaft" bezeichnet zu haben. In einer Debatte mit Frau Clinton am 28. Februar 2008 sagte er: "Ich werde dafür sorgen, dass über NAFTA neu verhandelt wird, wie es auch Senatorin Clinton gefordert hat". Man sollte "die Drohung mit einer Aufkündigung als Hebel benutzen, um notwendige neue Standards für Arbeit und Umweltschutz durchzusetzen".

Vor zwei Monaten sagte dann der US-Handelsbeauftragte Ron Kirk , das sei nicht mehr nötig, denn die Regierungschefs von Kanada, Mexiko und der USA seien jetzt der Meinung, man müsse nach Möglichkeiten suchen, NAFTA zu stärken. Und natürlich gibt es überhaupt keine Diskussion mehr darüber, die Permanent Trade Relations (das Abkommen über dauerhafte Handelsbeziehungen) mit China neu auszuhandeln – ein wirklich "schlechtes Abkommen", das den amerikanischen Arbeitern und ihren Gewerkschaften sogar noch mehr Schaden als NAFTA zugefügt hat.

Mittlerweile ist das eingetreten, was ich schon in meiner Kolumne am 15. April geschrieben habe: "Die Haie der Wall Street umzingeln die United Workers Union." Obama und sein Banker-Freund Steven Rattner sind dabei, die Auto Workers Union / AWU (die Gewerkschaft der Automobilarbeiter) mitsamt der amerikanischen Autoindustrie zu liquidieren. Robert Reich, Bill Clintons Pseudo-Arbeitsminister, schrieb dazu letzten Monat in der FINANCIAL TIMES: "Der einzige praktische Nutzen, den ich mir bei dem Rettungsversuch (für General Motors) ) vorstellen kann, besteht darin, den Niedergang des GM-Konzerns zu verzögern, damit seine Arbeiter, Zulieferer, Händler und die Standorte Zeit gewinnen, um sich auf den endgültigen Bankrott einzustellen." Das ist keine Überraschung, denn Obamas wirtschaftspolitischer Chefberater ist Lawrence Summers, der sich schon in der Clinton-Administration als Meister der Deregulierung und der "freien Märkte" und als ausgesprochener Feind der Gewerkschaften profiliert hat.
Nun ja, es ist natürlich ganz schön, dass wir jetzt einen Präsidenten haben, der in ganzen Sätzen reden kann. Aber selbst ihr innerer Zusammenhang macht sie nicht ehrlicher.

Quelle: luftpost-kl.de

Honduras macht Ernst

Präsident Manuel Zelaya setzt Militärführung ab. Panzer in den Straßen von Tegucigalpa

Von M. Daniljuk


Honduras macht Ernst

Tausende Unterstützer demonstrieren vor dem Präsidentenpalast

Tegucigalpa. Während in Venezuela das Gipfeltreffen der Alba-Staaten stattfindet, an dem auch Honduras Präsident Manuel Zelaya teilnehmen sollte, scheiterte möglicherweise in der Nacht auf Donnerstag in dem mittelamerikanischen Land ein Militärputsch. Wie Nachrichtenagenturen berichteten, setzte Manuel Zelaya in einer Eilentscheidung Verteidigungsminister Edmundo Orellana Mercado und Armeechef Vásquez Velásquez ab. Daraufhin reichten auch die Chefs des Heeres, der Marine und der Luftwaffe ihren Rücktritt ein. Am Morgen fuhren Panzer und Militärfahrzeuge durch die Hauptstadt Tegucigalpa.

Zur Zeit demonstrieren mehrere tausend Personen aus den sozialen Bewegungen und der Linken vor dem Präsidentenpalast ihr Unterstützung für den Präsidenten. Gegenüber TeleSur erklärte Rafael Alegría als Vertreter der Bauernbewegung in Honduras die Unterstützung für den Präsidenten. "Teile der Oligarchie versuchen Druck auf den Präsidenten auszuüben. Wir sind hier, zu zeigen, dass die Bevölkerung hinter der Entscheidung des Präsidenten steht und dass er einen außerordentlichen Rückhalt hat."

Am Morgen richtete sich Manuel Zelaya in einer Ansprache an die Nation und sprach von einigen Sektoren, die Destabilisierung und Chaos verbreiten wollten, um die verfassungsmäßige Ordnung zu stürzen. "Wir, die wir Honduras lieben, können nicht erlauben, dass diese Demokratie weiter das Eigentum einiger weniger ist. Wir sollten unermüdlich für eine bessere Demokratie kämpfen, die wir vorgeschlagen haben."

Honduras war im Oktober 2008 als sechstes Mitglied der alternativen Wirtschaftsgemeinschaft beigetreten, die sich explizit gegen den Einfluss der USA in Lateinamerika richtet. Diese Entscheidung hatte der Präsident gegen die Stimmung in seiner eigenen Partei und gegen das gesamte konservative Lager in Honduras getroffen. Bei dem 6. außerordentlichen Alba-Treffen in Carabobo/Venezuela ließ Zelaya sich von der Außenministerin Patricia Rodas vertreten. Sie unterstützte die Abschlusserklärung des alternativen Regionalbündnisses und verwies auf die am Sonntag bevorstehende Volksabstimmung in Honduras.

Dann entscheidet sich, ob eine verfassungsgebende Versammlung einberufen wird, um ähnlich wie schon in Bolivien, Ecuador und Venezuela über eine Neugründung des Landes abzustimmen. In seiner Ansprache betonte Zelaya heute, dass dem Land grundlegende Veränderungen bevorstehen. Es sei nicht akzeptabel, dass sieben von zehn Hondureños in Armut lebten. Im November werden in Honduras außerdem Präsidentschaftswahlen stattfinden.



Quelle: amerika21.de

Feuert die Bosse!

VON NAOMI KLEIN

Im Jahr 2004 drehten wir The Take - Die Übernahme (www.thetake.org), eine Dokumentation über Fabriken in Argentinien, bei denen die Arbeiterschaft die Leitung übernommen hatte. Nachdem das Land 2001 wirtschaftlich völlig zusammengebrochen war, gingen Tausende Arbeiter zurück in die verrammelten Fabrikgebäude, organisierten sich in Genossenschaften und nahmen die Produktion eigenhändig wieder auf. Ohne Unterstützung von ihren Bossen oder Politikern schafften sie es, sich die ausstehenden Löhne sowie Abfindungssummen auszuzahlen und sicherten sich auch ihre Jobs wieder.....

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Patente dürfen Fortschritt nicht blockieren

Venezuela diskutiert Gültigkeit von Patenten. Geistiges Eigentum an wichtigen Medikamenten und landwirtschaftlichen Gütern wird beschränkt

Von M. Daniljuk

Patente dürfen Fortschritt nicht blockieren

Samán und Vertreter der pharmazeutischen Industrie

Caracas. Das Ministerium für Handel in Venezuela kündigte gestern an, dass ein neues Gesetz über industrielles Eigentum ausgearbeitet wird. Eduardo Samán, Minister für Handel in der Regierung Chávez, erklärte vor dem Parlament, Patente dürften weder die Wirtschaftsentwicklung behindern, noch den Zugang zu medizinischen und landwirtschaftlichen Gütern blockieren. Deshalb überprüft das Handelsministerium gegenwärtig die zugelassenen Patente. Sie müssen in Übereinstimmung mit der nationalen und internationalen Gesetzgebung gebracht werden. Bisher werden nur etwa ein Drittel der in Venezuela verbrauchten Medikamente auch im Land selber produziert.

Nach einem Treffen mit dem Ministerium erklärten auch Vertreter von 19 pharmazeutischen Unternehmen in Venezuela ihre Unterstützung für eine Neufassung der entsprechenden Rechtsnormen. Der Präsident der Kammer für Generica (Canamega), Jorge Rivas, sprach sich dafür aus, dass der Gesetzgeber für ein stärkeres Gleichgewicht zwischen den Interessen der Patienten, bedürftigen Personen und den Notwendigkeiten von Investoren sorgt. "In Venezuela hergestellte Generica kosten weniger als 3 Dollar, während das gleiche Medikament aus einem multinationalen Unternehmen mehr als 10 Dollar kostet. Das macht deutlich, welche Möglichkeiten für einen verbesserten Zugang zu Medikamenten bestehen, wenn Patente überprüft werden."

Juristisch bestehen verschiedene Möglichkeiten, die Geltung von Patenten einzuschränken. So kann ihre Geltungsdauer verkürzt werden. Patente, deren wissenschaftliche Verwendung unterbunden wird, um kommerzielle Interesse zu schützen, können aufgehoben werden. Außerdem können bestehende Monopole aufgelöst und die Verpflichtungen zu einer nationalen Wirtschaftsentwicklung eingefordert werden. Erst Anfang Mai war in Venezuela ein neues Werk für die Herstellung von Medikamenten eröffnet worden. Das staatliche Unternehmen mit dem Namen Servicio Autónomo de Elaboraciones Farmacéuticas (Sefar) wird Insulin, Antibiotika und antiretrovirale Stoffe herstellen - zu solidarischen Preisen, wie Präsident Chávez versicherte, als er das Werk eröffnete.

Samán, der selber ein Studium der Pharmazie absolviert hat, wies energisch die Behauptung zurück, in Venezuela bestehe Knappheit an Medikamenten. "Sie erklären uns, dass wenn wir das Thema der Patente anrühren, wird es eine Verknappung der Medikamente geben. Das ist Unsinn und die Unternehmer werden das bestätigen." erklärte der Minister mit Blick auf die Berichterstattung einiger privater Medien in Venezuela. Anlass für die aktuelle Debatte über geistiges Eigentum ist ein Impfprogramm gegen Grippe, das aufgelegt wurde, um den Anstieg der Infektionen mit dem H1N1-Virus zu stoppen. Die Impfungen sind kostenlos, obwohl der Impfstoff von privaten Unternehmen hergestellt und importiert wird.


Mit Material von ABN


Quelle amerika21.de


Siehe auch:
Nachtwandler: Manifest der Schriftsteller Perus und der Welt zum Massaker im peruanischen Amazonien

Mittwoch, 24. Juni 2009

Oasen Peer

Wenn CDU und FDP die Bürger im Wahlkampf mit der Banane "Steuersenkung" anlocken, steht Peer Steinbrück dumm daneben. Der Mann, der den ausgeglichenen Haushalt wider alle ökonomische Vernunft herbeisparen wollte und nun die größte Schuldenlawine losgetreten hat, die die Republik je gesehen hat, weiß, dass er sich, wollte er jetzt in den Ruf nach Steuersenkungen einstimmen, noch des letzten Restes an Glaubwürdigkeit berauben würde.

Nun hat er seine eigene Banane gefunden. Mit dem Versprechen von mehr Steuergerechtigkeit durch Bekämpfung von Steueroasen will er beim sozial und demokratisch fühlenden Wähler für jene Partei Stimmen fangen, die sich trotz aller Reformen auch weiterhin so nennt......

Das tapfere Schneiderlein, jener muntere Aufschneider, der mit allerlei durchsichtigen Tricks einen dämlichen alten Riesen leimte, kam mir in den Sinn, als ich ein - dem Kavallerie-Bild ebenbürtiges - Gleichnis für Steinbrücks großartig inszenierten Kreuzzug gegen die Steueroasen suchte.

Der Nasenbär, den der Oasen-Peer dabei vorführt, ist der deutsche Michel, der brav den Löwenanteil der Staatsfinanzierung trägt, weil er gar nicht verhindern kann, dass ihm er Staat permanent in die Tasche greift.

An der Supermarktkasse, an der Zapfsäule, am Tresen, beim Telefonieren und SiMSen, wenn abends das Licht brennt oder der Fernseher läuft, immerzu und überall fließen sogenannte "Konsumsteuern" Richtung Fiskus, bestenfalls nur 7%, meist 19% bei Benzin und Diesel, Zigaretten und Schnaps sogar noch sehr viel mehr. Insgesamt stammen mehr als 40 Prozent aller Steuereinnahmen aus diesen Quellen.

Das alles wird dem braven Michel noch abgezwackt, nachdem sein Arbeitgeber vom vereinbarten Verdienst die Lohnsteuer abgezogen und an den Staat überwiesen hat. Die macht noch einmal ein Viertel aller Steuereinnahmen aus. Überzeugen Sie sich selbst:......

Weiterlesen Egon W. Kreutzer >>>

Seid ihr zu einem Krieg gegen den dämonisierten Iran bereit?


Karikatur: Ursula Behr

Der renommierte US-Publizist Paul Craig Roberts äußert sich in zwei Artikeln zum Ausgang der Wahl im Iran.

Von Paul Craig Roberts
INFORMATION CLEARING HOUSE, 16.06.09
(http://informationclearinghouse.info/article22844.htm)

Wieviel Aufmerksamkeit widmen die US-Medien den Wahlen in Japan, Indien, Argentinien oder in irgendeinem anderen Land? Wieviele Amerikaner und amerikanische Journalisten kennen die Regierungschefs anderer Ländern, außer die von England, Frankreich oder Deutschland? Wer kann die politischen Führer der Schweiz, Hollands, Brasiliens, Japans oder sogar Chinas nennen?

Viele kennen aber den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad. Der Grund dafür ist offensichtlich:

Er wird täglich in den US-Medien dämonisiert.

Die Dämonisierung Ahmadinedschads in den US-Medien demonstriert eigentlich nur die Ignoranz der Amerikaner. Der iranische Präsident regiert sein Land nicht. Er ist auch nicht der Oberkommandierende der iranischen Streitkräfte. Er legt auch nicht die Außenpolitik seines Landes fest; die wird von den Ayatollahs, den eigentlich im Iran Herrschenden, gemacht, die nicht zulassen wollen, das ihre Iranische Revolution mit amerikanischen Geld durch eine wie immer eingefärbte "Revolution" beseitigt wird.

Die Iraner haben bittere Erfahrungen mit US-Regierungen gemacht. Ihre erste demokratische Wahl, nachdem sie ihre Besetzung und ihren kolonialen Status abgeschüttelt hatten, wurde in den 50er Jahren (des letzten Jahrhunderts) von der US-Regierung ausgehebelt. Die US-Regierung setzte an Stelle des gewählten Kandidaten (Mossadegh) einen Diktator (den Schah) ein, der Gegner, die aus dem Iran ein unabhängiges Land machen wollten, das nicht von einer US-Marionette regiert wurde, foltern und ermorden ließ.

Die "Supermacht" USA hat den iranischen muslimischen Ayatollahs ihre Iranische Revolution in den späten 70er Jahren nie verziehen, weil sie das US-Marionettenregime beseitigten, das Personal der US-Botschaft in Geiselhaft nahmen und die Botschaft als "Versteck für Spione" bezeichneten; iranische Studenten hatten damals geschredderte Botschafts-Dokumente wieder zusammengesetzt, die Amerikas Beteiligung an der Zerstörung der iranischen Demokratie belegten.

Die von der Regierung kontrollierten US-Medienkonzerne, die wie ein Propaganda Ministerium arbeiten, haben auf die Wiederwahl Ahmadinedschads mit Non stop-Berichten über gewalttätige iranische Proteste gegen eine gestohlene Wahl reagiert. Sie behaupten einfach, die Wahl sei gestohlen worden, obwohl es bisher keinerlei Beweise dafür gibt. Bei den nachweislich gestohlenen Wahlen während der Bush/Rove-Ära haben die US-Medien die vorliegenden eindeutigen Beweise für die Wahlfälschung einfach ignoriert.

Die Regierungschefs der US-Marionettenstaaten Großbritannien und Deutschland haben sich in die psychologische Kriegsführung Amerikas (gegen den Iran) eingereiht. Der diskreditierte britische Außenminister David Miliband hat bei einem Treffen der EU-Außenminister in Luxemburg "ernste Zweifel" an Ahmadinedschads Sieg geäußert. Miliband konnte sich natürlich nicht auf unabhängige Quellen berufen. Er befolgte nur Anweisungen aus Washington und verließ sich auf ungeprüfte Behauptungen des unterlegenen Kandidaten, den die US-Regierung bevorzugt.

Angela Merkel, die deutsche Kanzlerin, hat sich auch eingeschaltet. Sie bestellte den iranischen Botschafter ein und forderte "mehr Transparenz" bei den Wahlen. Sogar die amerikanische Linke ist auf die US-Propaganda hereingefallen. Im Magazin THE NATION hat Robert Dreyfuss über die hysterischen Ansichten eines iranischen Dissdenten berichtet, als verkünde der die unanfechtbare Wahrheit über die "illegitime Wahl", und sie "Staatsstreich" bezeichnet.

Auf welche Quelle berufen sich die US-Medien und die Marionetten-Staaten der USA? Sie stützen sich nur auf die Beteuerungen des unterlegenen Kandidaten, den Amerika lieber als Sieger gesehen hätte. Es gibt aber verlässliche Beweise für das Gegenteil.

Vor der Wahl war von amerikanischen Meinungsforschern eine unabhängige, objektive Umfrage im Iran durchgeführt worden. Die Meinungsforscher Ken Ballen vom nicht kommerziellen Center for Public Opinion (Zentrum für öffentliche Meinung) und Patrick Doherty von der nicht kommerziellen New America Foundation (Stiftung Neues Amerika) haben ihr Umfragergebnis in der WASHINGTON POST vom 15. Juni veröffentlicht. Die Umfrage wurde vom Rockefeller Brothers Fund bezahlt und in Farsi (der iranischen Amtssprache) von einem Meinungsforschungsinstitut durchführt, das für ABC News und die BBC in dieser Region gearbeitet hat und dafür mit einem Emmy Award (dem bedeutendsten US-Fernsehpreis) ausgezeichnet wurde. Sie können ihren Bericht hier nachlesen (http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2009/06/14/AR2009061401757.html).

Die Umfragergebnisse sind die einzigen verlässlichen Informationen, die wir zur Zeit haben; sie belegen, dass das Wahlergebnis den Willen der iranischen Wähler widerspiegelt. Zu den äußerst interessanten Ergebnissen der Umfrage gehört auch das folgende:

"Viele Experten behaupten, der hohe Sieg des amtierenden Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad sei das Ergebnis von Betrug und Manipulation, aber bei unserer drei Wochen vor der Wahl durchgeführten landesweiten öffentlichen Meinungsumfrage unter den Iranern führte Ahmadinedschad 2 zu 1; sein Vorsprung war noch deutlicher als bei der Wahl am Freitag.

Während westliche Medien in den Tagen vor der Wahl aus Teheran über eine wachsende öffentliche Begeisterung für Ahmadinedschads aussichtsreichsten Herausforderer Mir Hossein Mousavi berichteten, lag Ahmadinedschad nach unserer wissenschaftlichen Erhebung in allen 30 iranischen Provinzen deutlich vorn. Die breite Unterstützung für Ahmadinedschad war in unserer Umfrage vor der Wahl offensichtlich.

Während der Wahlkampagne hat Mousavi zum Beispiel betont, dass er ein Azeri ist und zur zweitgrößten Volksgruppe nach den Persern gehört, um Azeri-Wähler für sich zu gewinnen. In unserer Umfrage hat sich aber herausgestellt, dass sogar die Azeris Ahmadinedschad im Verhältnis 2 zu 1 Mousavi vorzogen. Viele Kommentatoren haben die iranische Jugend und das Internet als Garanten des Wechsels bei dieser Wahl bezeichnet. Unsere Umfrage hat aber ergeben, das nur ein Drittel der Iraner Zugang zum Internet hat und dass die 18- bis 24-Jährigen Ahmadinedschad von allen Altersgruppen am stärksten unterstützen.

Die einzigen demografischen Gruppen, in denen bei unserer Befragung Mousavi führte oder gleichauf mit Ahmadinedschad lag, waren Studenten, Personen mit abgeschlossenem Universitätsstudium und die Iraner mit höchstem Einkommen. Als unsere Umfrage lief, hatten sich fast ein Drittel der Iraner noch nicht (für einen Kandidaten) entschieden. Unser Verteilungsschlüssel spiegelte aber die Ergebnisse wider, die von iranischen Autoritäten bekanntgegeben wurden; das Wahlergebnis dürfte also nicht das Ergebnis eines großangelegten Wahlbetrugs sein."

Es hat zahlreiche Meldungen über ein Programm der US-Regierung gegeben, mit dem der Iran destabilisiert werden soll. Es wurde berichtet, dass die US-Regierung Bombenanschläge und Morde im Iran finanziert hat. Die US-Medien behandeln diese Berichte in prahlerischer Manier als Beleg für die Fähigkeit der amerikanischen Supermacht, unbequeme Länder zur Räson zu bringen, während einige ausländische Medien diese Meldungen als Beweis für das bekannt unmoralische Verhalten der US-Regierung ansehen.

Pakistans früherer Militärchef, General Mirza Aslam Beig, sagte am Montag, dem 15. Juni, in einer Sendung von Pashto Radio, dass die USA nach zuverlässigen Geheimdienst-Informationen die iranische Wahl beeinflusssen wollten. "Dokumente belegen, dass die CIA 400 Millionen Dollar in den Iran gepumpt hat, um nach der Wahl eine "farbige", aber ansonsten inhaltslose Revolution anzuzetteln.

Über den Erfolg der US-Regierung beim Finanzieren "farbiger" Revolutionen in den ehemaligen Sowjetrepubliken Georgien und Ukraine oder in anderen Teilen des aufgelösten Sowjetimperiums wurde umfassend berichtet und diskutiert; die US-Medien haben das als Anzeichen für die Allmacht der USA und ihres natürlichen Rechts gefeiert, einige ausländische Medien haben es als US-Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder angesehen. Es könnte durchaus möglich sein, dass Mir Hossein Mousavi gekauft und dafür bezahlt wurde, im Sinne der US-Regierung zu operieren.

Es ist eine bekannte Tatsache, dass die US-Regierung mit psychologisch ausgefeilten Diskriminierungskampagnen in den Medien der USA und des Auslandes auf Amerikaner und Ausländer zielt. Darüber sind schon viele Artikel veröffentlicht worden.

Denken Sie doch einmal aus der Sicht eines Normalbürgers über die iranische Wahl nach. Weder ich, noch die große Mehrheit der Leser sind Iran-Experten. Stellen Sie sich einmal vor, Ihr Land würde ständig mit einem Angriff bedroht, sogar mit einem Atomangriff, von zwei Ländern die viel stärkere Streitkräfte haben – wie der Iran von den USA und Israel.

Würden Sie den engagiertesten Verteidiger Ihres Landes im Stich lassen und einen von den USA und Israel bevorzugten Kandidaten wählen?

Glauben Sie, das iranische Volk würde sich in einer Wahl dafür entscheiden, ein US-Marionettenstaat zu werden?

Der Iran hat eine gefestigte und sehr differenzierte Gesellschaft. Große Teile der Intellektuellen sind säkular eingestellt. Ein wichtiger aber kleiner Teil der Jugend hat Gefallen an der westlichen Promiskuität gefunden, an persönlichem Genuss und an Selbstverwirklichung. Diese Menschen sind mit amerikanischem Geld leicht dafür zu gewinnen, sich gegen die Regierung und muslimisch geprägte Gegner ihres persönlichen Lebensstils aufzulehnen. Die US-Regierung hat sich dieser verwestlichten Iraner bedient, um sich eine Basis für die Diskreditierung der Wahl im Iran und der iranischen Regierung zu schaffen.

Am 14. Juni hat sich das McClatchy Bureau in Washington, das manchmal versucht, echte Nachrichten zu verbreiten, zu Washingtons psychologischer Einflussnahme geäußert und erklärt: "Das iranische Wahlergebnis macht Obamas Annäherungsbemühungen schwieriger."

Hier wird doch schon die hässliche Entschuldigung vom "Fehlschlag der Diplomatie" vorbereitet, die nur eine militärische Lösung übrig lässt. Als ein Mensch, der alles auch schon einmal aus der inneren Sicht einer US-Regierung erlebt hat, glaube ich, dass diese US-Regierung mit der Manipulation der Amerikaner durch die von ihr gesteuerten Medien die iranische Regierung diskreditieren will, indem behauptet wird, sie unterdrücke das iranische Volk und missachte seinen Willen. Damit will sie einen Angriff auf den Iran (psychologisch) vorbereiten.

Mit Hilfe Mousavis schafft die US-Regierung sich ein weiteres "unterdrücktes Volk" – wie die Iraker unter Saddam Hussein – das mit amerikanischem Blut und Geld befreit werden muss. Wurde Mousavi, der "amerikanische Kandidat", der bei der Wahl im Iran hochgelobt wurde, schon von Washington als der US-Marionetten-Regent für den Iran ausgewählt?

Die große Macho-Supermacht lechzt danach, ihre Herrschaft über das iranische Volk wieder zu erlangen, um ihre offene Rechnung mit den Ayatollahs einzutreiben, welche die US-Herrschaft über den Iran 1978 beendet haben. Das ist der Plan. Seine Realisierung können Sie in jeder Minute im US-Fernsehen verfolgen. Es gibt "Experten" ohne Zahl, die diesen Plan unterstützen.

Als ein Beispiel unter Hunderten nehmen wir Gary Sick (Gary Krank), den Mann mit dem passenden Namen, der früher dem Nationalen Sicherheitsrat angehörte und gegenwärtig an der Columbia University lehrt. "Wenn sie etwas bescheidener gewesen wären, hätten sie Ahmadinedschad nur mit 51 Prozent gewinnen lassen," sagte Sick, die Iraner hätten dann auch gezweifelt, das Ergebnis sei aber eher akzeptiert worden. Die Behauptung der iranischen Regierung, Ahmadinedschad habe die Wahl mit 62,6 Prozent der Stimmen gewonnen, sei "nicht glaubhaft". "Ich denke," fuhr Sick fort, "die Wahl markiert einen Wendepunkt in der Iranischen Revolution; erst hat man behauptet, durch die Unterstützung der Bevölkerung legitimiert zu sein, jetzt hat sich gezeigt, dass man zunehmend auf Repression setzt. Die Stimme des Volkes wird ignoriert."

Die einzige belastbare Information, die zur Verfügung steht, ist die oben zitierte Umfrage. Sie hat ergeben, dass Ahmadinedschad im Verhältnis 2 zu 1 der bevorzugte Kandidat war. Wie bei allen anderen Angelegenheiten, die mit der Vorherrschaft der USA über andere Völker zu tun haben, spielen Tatsachen und die Wahrheit keine Rolle. Hier regieren Lügen und die Propaganda.

Aufgezehrt von seinem Streben nach Vorherrschaft, will Amerika immer andere Staaten überwinden und pfeift dabei auf Moral und Gerechtigkeit. Diese die Welt bedrohende Haltung wird sich nicht ändern, bis sich die Vereinigten Staaten selbst in den Bankrott getrieben und die übrige Welt so verbittert haben, dass sie vollkommen isoliert sind und weltweit verachtet werden.

Quelle und zum 2. Artikel von Paul Craig Roberts luftpost-kl.de>>>


* Paul Craig Roberts, unter Präsident Ronald Reagan stellvertretender Finanzminister, ist Wirtschaftswissenschafter, Redakteur und Kolumnist für renommierte Magazine wie «Wall Street Journal» und National Review; Autor zahlreicher Bücher, zuletzt «The Tyranny of Good Intentions: How Prosecutors and Bureaucrats Are Trampling the Constitution in the Name of Justice» (2000). Er publiziert regelmässig auf den Webseiten http://www.antiwar.com/ und http://www.counterpunch.org/


Siehe auch:
Gegenmeinung: Iran: Das Scheitern des “grünen” Putsches Von Von JÜRGEN CAIN KÜLBEL
Gegenmeinung: Von Mossadegh bis zu Ahmadinejad - Die CIA und das Iran-Experiment


Mehr von Paul Craig Roberts:
Gegenmeinung: Unwissenheit ist Stärke
Gegenmeinung: Die Angst regiert
Gegenmeinung: Haben Amerikaner ein moralisches Gewissen?
Gegenmeinung: Wer wird gegen Amerika und Israel aufstehen?
Gegenmeinung: Wer soll eigentlich die Kriege der bankrotten USA bezahlen, fragt Paul Craig Roberts?
Gegenmeinung: «Die USA sind keine Supermacht, sondern eine bankrotte Farce»
Gegenmeinung: Das große Bordell am Potomac

Diplomatie der Völker

Solidaritätsgruppen wollen zu ausgeglichener Information über Venezuela beitragen

Von M. Daniljuk

Amsterdam. Das erste Internationale Treffen der Solidarität mit der bolivarischen Revolution endete am Sonntag ohne eine Abschlussresolution, aber mit vielen Ideen und gemeinsamen Projekten. Die Teilnehmer stammten aus fast 20 verschiedenen europäischen Ländern und repräsentierten auch politisch verschiedene Solidaritätsgruppen. Von Kulturvereinen, über parteipolitisch gebundene Gruppen bis zu unabhängigen Initiativen waren verschiedene Ansätze vertreten. Daneben nahm das diplomatische Personal aus verschiedenen europäischen Botschaften teil, denn ein zentrales Anliegen der Organisatoren vom Bolivarischen Zirkel in Amsterdam war es, eine neue "Diplomatie der Völker" zu unterstützen. Aktivisten aus sozialen Bewegungen verschiedener Länder in Kontakt mit dem diplomatischen Parkett - diese Mischung gelang an diesem Wochenende.

Um allen Teilnehmern eine aktive Beteiligung zu ermöglichen, hatten die Organisatoren alle Anwesenden auf 10 Arbeitsgruppen verteilt, die parallel die gleichen Themenschwerpunkte diskutierten. Am Abend wurden deren Inhalte im Plenum vorgestellt. Dabei wurde schnell deutlich, dass in allen europäischen Ländern ähnliche Probleme bestehen. So teilten die meisten Arbeitsgruppen die Einschätzung, dass die internationale Finanzkrise kurzfristig zu einem Rechtsruck in Europa führt und dies die Bedingungen für eine Solidarität mit der bolivarischen Revolution erschwert. Andererseits könne eine emanzipative Wirtschafts- und Sozialpolitik in Lateinamerika auch zu einem Zeichen für Europa werden, wie Ginette González vom venezolanischen Außenministerium betonte. Während in Europa massenhaft Arbeitsplätze vernichtet und private Finanzinstitutionen mit öffentlichen Geldern alimentiert werden, könne Venezuela mit Alba und PetroSur einen erfolgreichen und solidarischen Entwicklungsansatz vorweisen.

Auch die Schwierigkeiten einer Diplomatie der Völker diskutierten die Arbeitsgruppen. In den meisten Ländern existiert ein politisch vielfältiges Solidaritätsspektrum, dessen Möglichkeiten und Schwierigkeiten für das diplomatische Personal nicht leicht zu erkennen sind. Einig waren sich die meisten Arbeitsgruppen, dass bestehende Strukturen effektiver genutzt und Initiativen oft besser abgestimmt werden können. Die Vielfalt sei aber eine Stärke. Die Initiative, eine gemeinsame Föderation zu bilden, fand kaum Unterstützer. Eine weitere gemeinsame Erfahrung aus den verschiedenen Ländern war, dass die Berichterstattung über Venezuela in den europäischen Massenmedien die Realität des Landes extrem verzerrt darstellt. Eine Initiative für eine verbesserte öffentliche Kommunikation soll darin bestehen, eine gemeinsamen Homepage verschiedener europäischer Solidaritätsgruppen aufzubauen.



Quelle: amerika21.de

Dienstag, 23. Juni 2009

Gegen das Volk gerüstet

AUTOR: Volker BRÄUTIGAM


Nach dem DGB-Vorsitzenden Michael Sommer hatte in diesem Frühjahr 2009 auch die später bei der Wahl unterlegene Bundespräsidentenkandidatin Gesine Schwan (SPD) vor sozialen Unruhen in Deutschland als Folge der Wirtschaftskrise gewarnt: «Ich kann mir vorstellen, dass in zwei bis drei Monaten die Wut der Menschen deutlich wachsen könnte. […] Wenn sich dann kein Hoffnungsschimmer auftut, dass sich die Lage verbessert, dann kann die Stimmung explosiv werden.»1 Sie löste damit in weiten Kreisen Verärgerung aus. Selbst ihr Parteifreund, Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) distanzierte sich von Schwans Äusserungen und meinte, man solle «nichts herbeireden».2 Ersichtlich liegt der gesamten Bundesregierung daran, keine ausufernde Debatte über die soziale Kluft und über denkbaren Widerstand dagegen aufkommen zu lassen.

Hilfe für die Banken –
die Zeche für den Steuerzahler

Viele Mitmenschen glauben tatsächlich immer noch, es werde schon nicht alles so schlimm kommen – und falls doch, dann eher für andere als für sie. Viele schliessen die Augen vor dem heraufziehenden Unheil. Die Politik der Regierung, die das inhumane und desaströse neoliberale Wirtschaftssystem mit astronomischer Staatsverschuldung stützt, ist empörend, aber von Empörung ist bisher wenig zu spüren. Die ersten Demonstrationen, die DGB-Veranstaltung am 16. Mai 2009 eingeschlossen («Die Krise nachhaltig bekämpfen. Wir wollen einen Sozialpakt für Europa! Die Verursacher müssen zahlen»), wurden von den Konzern- und den staatsfrommen Medien klein und schäbig geschrieben, damit sie möglichst folgenlos bleiben.

Aber ist tatsächlich auszuschliessen, dass es bald «flächendeckend zu Handgreiflichkeiten kommt»3, weil Arbeitslosigkeit, Armut und Elend sprunghaft zunehmen?

Die Bundesregierung jedenfalls bereitet sich, wie andere europäische Regierungen auch, auf den Ausbruch sozialer Unruhen vor. In aller Stille richtet sie sich auf Notlagen ein, rüstet den staatlichen Machtapparat auf und verschafft sich Mittel und Wege, einflussreiche Gegner auszuforschen. Bundespolizei und Sondereinsatzkommandos der Bundesländer trainieren schon gemeinsam mit Kollegen aus verbündeten Staaten, um «polizeiliche Grosslagen»4 zu beherrschen.

Nicht nur in meinem Bundesland Schleswig-Holstein sind die Zivilschutzämter dabei, Lebensmittelkarten herstellen zu lassen und einzulagern. Im Falle einer Hyperinflation will man Produktion und Vertrieb von Versorgungsgütern zwangsbewirtschaften und rationieren. Lebensmittel gibt es dann nur mehr in kleinsten Mengen «auf Marken» wie einst zu Kriegs- und Nachkriegszeiten. Die Kreisämter sind angewiesen, für den Ausfall der Wasser- und Energieversorgung vorzuplanen.

Überwachung bis ins Schlafzimmer

Zugleich entfaltet die Regierung einen intensiven Ausforschungstrieb; «Terrorismus-Abwehr» als Begründung klingt immer überzeugend. Innen-Staatssekretär August Hanning («taz»: «… der starke Mann hinter Minister Schäuble») verkündete, es dürfe keine überwachungsfreien Räume mehr geben, auch nicht zum Schutz der Privatsphäre: «Wir gehen zwar davon aus, dass über Kriminalität eher im Wohnzimmer gesprochen wird. Aber wenn wir Anzeichen haben, dass ein Paar sich dazu immer ins Schlafzimmer zurückzieht, weil es sich dort sicherer fühlt, dann können wir natürlich auch dort überwachen.»5

Ja, sie können. Mittels Mikrowellen können sie problemlos Mauern durchdringen und Innenräume sowie die darin befindlichen Personen scannen und abhören. Sensoren emittieren Mikrowellen-, Millimeterwellen- oder Terahertz-Strahlung, die, von den Zielobjekten reflektiert, geheimpolizeilich gemessen und ausgewertet wird.6 Ausserdem werden Abhörprogramme entwickelt, die alle Kommunikationsnetze durchforsten, um Gruppenmitglieder per Sprachvergleich zu erfassen und auszuforschen. Die USA werden ein solches Programm – Socio-Cultural Content in Language (SCIL) – schon im Sommer 2009 in Betrieb nehmen.7 Aus deutscher Produktion stammt ein koffergrosses Mikrowellengerät, mit dem sich sämtliche elektronischen Geräte in einem Haus lahmlegen lassen, vor allem die Kommunikationsmittel vom Mobiltelefon über Radio und Fernsehen bis zum Computer.8

«Nicht-tödliche» Waffen
mit zahlreichen Todesfällen

Staatliche Forschungseinrichtungen und Rüstungsindustrie arbeiten darüber hinaus an angeblich nicht-tödlichen Waffen, die sich zur «unblutigen» Niederschlagung von Aufständen eignen sollen. Offizielle Bestätigungen gibt es nicht, aber vermehrte Hinweise, dass einige Polizeiverbände bereits mit solchem Gerät (Non Lethal Weapons) aufgerüstet wurden. Bundespolizei und Sondereinsatzkommandos in Berlin, Sachsen und Nordrhein-Westfalen sollen seit einem Jahr elektromagnetische Skalarwaffen im Test-einsatz haben9: Waffen, die mit Mikrowellen die Zielpersonen erheblich verletzen. Grossbritannien und die Schweiz haben sie schon beschafft. Produzenten und gemeinsame Vermarkter sind Rheinmetall DE-TEE (Düsseldorf) und Diehl BGT Defence (Nürnberg). Diese Firmen verhelfen, neben Heckler & Koch, HDW, EADS, Krauss-Maffei und anderen Rüstungsschmieden, unserem Land zu seinem verachtenswerten Rang des weltweit drittgrössten Waffenhändlers.

Mikrowellenwaffen gehören zur Gruppe der nicht-letalen Wirkmittel, die Gegner handlungsunfähig machen sollen, ohne ihnen ernsthaften Schaden zuzufügen. Sie werden in Zukunft eine immer größere Rolle spielen, z.B. bei Anti-Terror-Einsätzen, aber auch in militärischen Szenarios. High Power Electronic Microwave (HPEM) ist ein Entwicklungsprojekt der Rheinmetall Waffe Munition GmbH, hier zu Illustrationszwecken auf dem Trägersystem Wiesel montiert.

Aus einer Werbung der Rheinmetall AG. Quelle: http://www.rheinmetall-defence.com/index.php?fid=2194&lang=2

Mikrowellenwaffen

Eine der neuen «nicht-letalen» Waffen nutzt elektrischen Strom von geringer Stärke, aber mit 50 000 Volt Spannung: der Taser. Eine Pistole, die eine an dünnem Draht hängende Nadel verschiesst. Über den Draht werden dem Getroffenen Stromstösse verpasst, die schwere Muskelkrämpfe auslösen. Nicht tödlich? Die Gefangenenhilfsorganisation amnesty international berichtet über zahlreiche Todesfälle in den USA und in Kanada, wo der Taser schon im Polizeialltag verwendet wird.10 Bisher hat noch kein Staat sorgfältige Untersuchungen von physischen und psychischen Spätfolgen bei den vom Taser Getroffenen veranlasst. Doch was wäre Deutschland, wenn man hier nicht versuchte, auch diese Waffe zu perfektionieren? Diehl entwickelt – mit 180 000 Euro Staatszuschuss – Taser, deren Stromschläge über einen scharfen Flüssigkeitsstrahl geleitet werden.11

Deutsche Waffentests
durch US-Truppen im Irak

Bei Erfindung und Produktion neuer Waffen ist Deutschland nicht auf US-Vorbilder angewiesen. Im Gegenteil: Die USA importierten Neuentwicklungen aus Deutschland und testeten einige davon im Irak, zum Beispiel die Mikrowellen-Kanone12 der Firma Diehl BGT Defence – eine der Neuheiten, mit denen deutsches Militär und deutsche Polizeiverbände entweder stiekum bereits ausgerüstet wurden oder demnächst ausgestattet werden könnten.13

Das Active Denial System (ADS)13 nutzt – ebenso wie der Abhör- und Überwachungsscanner, von dem hier schon die Rede war – die Mikrowellentechnik. Ein Strahl elektromagnetischer Wellen greift angeblich nur die obersten 0,4 Millimeter der Haut an. Der Strahl der «Kanone», die einer flachen Salatschüssel gleicht, bleibt auf viele hundert Meter gebündelt und kann die Haut einzelner Zielpersonen schmerzhaft aufheizen, im Extremfall verbrennen. Mit Prototypen des ADS haben nach Internet-Berichten die US-Truppen im Irak Menschen schon wie am Grill gebraten.

Der Advanced Tactical Laser (ATL)13 wird von Flugzeugen aus computergesteuert abgeschossen. Der gebündelte Lichtstrahl hat angeblich eine Aufschlagsfläche von kaum Bierdeckelgrösse und verursacht in Sekundenbruchteilen hochgradige Verbrennungen. Zu dieser Waffenart gehört das Pulsed Energy Projectile (PEP).13 Es soll mittels millisekundenkurzer infraroter Laserpulse einen mechanischen Impuls erzeugen, so dass die oberste Schicht des Ziels (Kleidung, Haut) im Nu verdampft. Eine Druckwelle aus Dampf und Restenergie wirft den Getroffenen zu Boden. Die Reichweite des PEP soll bis zu zwei Kilometer betragen. Die Wirkung wird mit der sogenannten stumpfen Wuchtmunition verglichen. Folgewirkungen: Taubheit, Blindheit und andere.

Die Schallkanone13 ist bereits vom Pentagon geordert. Mit dem Long Range Acoustic Device (LRAD) werden akustische Signale von 2100 bis 3100 Hertz mit maximalem Schalldruck von etwa 150 Dezibel ausgesendet. Schriller LRAD-Ton verursacht im Nahbereich bei Mensch und Tier furchtbare Schmerzen. Er kann von einem flachen Lautsprecher aus trichterförmig auf grössere Ziele gerichtet werden, auf Menschenansammlungen zum Beispiel. Auch diese angeblich nicht-letale «Kontrollwaffe» verursacht unter Umständen schwere Körperverletzungen (Zerstörung des Innenohrs sowie des Gleichgewichtssinns). Die US-Truppen verwenden sie inzwischen regelmässig im Irak.14

Alle genannten Waffensysteme werden weiterentwickelt – auch mit dem Ziel, die Akzeptanzschwellen in der Öffentlichkeit zu senken. Über den aktuellen Stand wurde im Mai auf dem «Europäischen Symposium über nicht-tödliche Waffen» im baden-württembergischen Ettlingen diskutiert. Gastgeber war das staatliche Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie (ICT). Es kooperiert mit der «Wehrtechnischen Dienststelle für Schutz- und Sondertechnik» (WTD 52) der Bundeswehr. Die Dienststelle betrachtet die Erforschung und Erprobung sogenannter nicht-letaler Wirkmittel (NLW) als ihre Kernkompetenz.15

Das Symposium versammelte Experten für Aufstandsbekämpfung aus der Europäischen Union: Staatssekretäre, Militärs, -Polizisten, Wissenschaftler und Vertreter der Rüstungsindustrie. Fragestellung der Konferenz: Kommen die NLW für die Polizei zur Niederschlagung von Protesten und Demonstrationen in Betracht – Crowd and Riot Control (CRC) – oder für das Militär bei seinen Gewaltoperationen im Ausland? Auch der Einsatz zum Schutz von Handelsschiffen gegen Piraten und «Terroristen» sollte diskutiert werden. Man geht schliesslich mit der Zeit.

Die Kriminalisierung der Bürger –
das Ende des Rechtsstaates

Die Tagung bot auch Gelegenheit, das Thema Bundeswehr-Einsatz im Innern wieder aufzuwärmen. Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, hat sich schon festgelegt: Unter bestimmten Bedingungen sei der Einsatz der Bundeswehr innerhalb Deutschlands nicht nur erwägenswert, sondern unumgänglich. Es seien Szenarien denkbar, auf die nur mit militärischen Mitteln reagiert werden könne.16 Die Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) sekundiert: Das Gebot der Trennung zwischen Polizei und Geheimdiensten sei nicht mehr aufrechtzuerhalten, ein Nationaler Sicherheitsrat nach US-Vorbild [wurde schon in Frankreich von Sarkozy eingeführt, AdR Tlaxcala] solle Polizei, Geheimdienste und «Heimatschutz»-Verbände der Bundeswehr koordinieren.17 Die Minister Jung und Schäuble reden schon lange so.

Und auch Forschungsministerin Annette Schavan denkt in Bürgerkriegs-Kategorien. Sie vereinbarte im März mit US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano «wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit».18 Von angeblich wissenschaftlichem Interesse sind Methoden zum «Aufspüren von Bedrohungen der zivilen Sicherheit», der «Schutz von kritischen Infrastrukturen und Schlüsselressourcen» sowie «Krisenreaktion, Folgenmanagement und Schadensbegrenzung bei folgenschweren Ereignissen». Ähnliche Abkommen wurden mit Frankreich und Israel geschlossen.

Noten

1 Schwan, Gesine, Interview-Äusserung, Münchner Merkur, 23.04.2009, www.merkur-online.de/nachrichten/politik/bayern-einfach-wunderbares-land-222258.html.

2 s.a. NN. Internet-Portal www.rp-online.de/public/article/politik/deutschland/700442/Schwan-sorgt-fuer-allgemeine-Empoerung.html

3 Schramm, Georg, Kabarettist, ZDF, «Neues aus der Anstalt», Mainz, 24.03.2009. www.anstalt.zdf.de/ZDFde/inhalt/31/0,1872,4291327_idDispatch:8476934,00.html

4 Anm.: Nicht nur Übung, sondern «Ernstfall» war z.B. der grenzüberschreitende Polizeieinsatz anlässlich der Nato-Tagung am 3./4. April 2009 in Baden-Baden und Strassburg. Er verlief exakt gemäss dem schon länger vorliegenden «Drehbuch» für rein innerdeutsche Anlässe: Marker, Hans J., «Almanach der Vorschriften für länderübergreifende Einsätze in polizeilichen Grosslagen». Gewerkschaft d. Polizei (Hg). Wölfer, Haan. Vgl. www.buchhandel.de/detailansicht.aspx?isbn=978-3-9806061-1-0

5 Hanning, A., Interview mit Chr. Rath, tageszeitung (taz), Berlin, 14.03.2009. www.taz.de/1/politik/schwerpunkt-ueberwachung/artikel/1/intime-geraeusche-werden-geloescht/

6 s.a. www.scinexx.de/dossier-detail-393-7.html

7 s.a. www.linguistlist.org/issues/18/18-3875.html

8 s.a. www.iddd.de/umtsno/total.htm , vgl. http://ichblicksgrad.net/

9 s. www.allmystery.de/themen/gg9697

10 Spiegel Online: «Taser-Einsätze forderten Hunderte Tote», Hamburg, 16.12.2008, vgl. www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,596670,00.html

11 vgl. www.diehl.de/index.php?id=91&tx_cltechnicalstuff_pi1%5BshowUid%5D%5BshowUID%5D=13&tx_cltechnicalstuff_pi1%5BshowUid%5D%5BbackPID%5D=43&cHash=8413ae8d8c

12 vgl. www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,462187,00.html

13 Diese Angaben aus: Altman, J. Millimetre Waves, Lasers, Acoustics for Non-Lethal Weapons? Physics Analyses and Inferences. Hg. Deutsche Stiftung Friedensforschung (DSF), Osnabrück, 2008. Vgl. www.steinbergrecherche.com/08waffen.htm. Weitere Quellen: www.german-foreign-policy.com/; www.globalresearch.ca/index.php?context=otherLang&langId=6; www.informationclearinghouse.info/

14 Rötzer, Florian, «Sound-Laser», 22.09.2005. Vgl. www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20992/1.html

15 German-Foreign-Policy, Eigener Bericht: Abgestufte Aufstandsbekämpfung, s. www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57490

16 Kirsch, Ulrich, Interview-Äusserung gegenüber der Märkischen Oderzeitung 18.01.2009

17 BAKS-Homepage: Zur Debatte über einen Nationalen Sicherheitsrat. Vgl. auch Adam, Rudolf, Referat Geheimdienste in der Demokratie – unentbehrliche Stützen der Sicherheit oder konspirative Fremdkörper? .

18 NN: Schutz vor Terror. Deutschland und die USA forschen gemeinsam für Sicherheit. Handelsblatt, Berlin, 16.03.2009. www.handelsblatt.com/politik/deutschland/deutschland-und-usa-forschen-gemeinsam-fuer-sicherheit;2204035

«Der Staat ist um des Menschen willen da, nicht der Mensch um des Staates willen»

Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes beginnt mit den Sätzen: «Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.» Nach dem ersten Entwurf in Herrenchiemsee sollte das Grundgesetz sogar mit den Sätzen beginnen: «Der Staat ist um des Menschen willen da, nicht der Mensch um des Staates willen.» Sozusagen als eine Veranschaulichung dessen, worum es geht, wenn die Menschenwürde im Zentrum steht und nicht mehr der totalitäre Staat. Wie weit nur hat sich Deutschland von diesen Grundsätzen entfernt? Sehr weit, wie in einem Alptraum, wenn man den Bericht des deutschen Publizisten Volker Bräutigam über die Aufrüstung des Staates gegen das Volk, gegen seine Bürgerinnen und Bürger liest. So etwas hatte man bislang Diktaturen zugeschrieben, immer wieder waren auch in Deutschland Berichte darüber erschienen, dass es derartige Entwicklungen auch in den USA gibt. Zuletzt wieder hatte Michel Chossudovsky mit einem Artikel über die US-Gesetzgebung zur Einrichtung von Internierungslagern darauf aufmerksam gemacht («Vorbereitung auf Unruhen seitens der Zivilbevölkerung in den USA. Die Gesetzgebung zur Einrichtung von Internierungslagern an US-Militärbasen»,www.mondialisation.ca vom 31.3.2009.

Mit dieser US-Regierung arbeitet die deutsche Regierung bei der Aufrüstung gegen die Bürger aber eng zusammen, auch mit den Regierungen Frankreichs und Israels.Naomi Klein hat das vorletzte Kapitel ihres Buches «Die Schock-Strategie. Der Aufstieg des Katastrophenkapitalismus» (ISBN 978-3-10-039611-2) der Entwicklung in Israel gewidmet und das Kapitel mit «Israel als Warnung. Wenn der Frieden sich nicht mehr lohnt» überschrieben. Sie berichtet in diesem Kapitel, dass Israel dazu übergegangen ist, Konflikte zu suchen und Konflikte zu schüren, und Israels Wirtschaft dazu übergegangen ist, nicht mehr für den Frieden, sondern für den Krieg zu produzieren. Hier werden die grossen Umsätze und Gewinne gemacht. Die israelische Börse hat Konjunktur, wenn der Krieg tobt. «Sicherheitsindustrie» und «Sicherheitsdienstleistungen» sind die orwellschen Vokabeln für diese Perversion menschlicher Schaffenskraft. Naomi Klein listet auf, was Israel in dieser Hinsicht alles zu «bieten» hat. Aber sie warnt auch alle anderen Gesellschaften: «Israel stellt einen Extremfall dar, doch die Art von Gesellschaft, die dort geschaffen wird, wird möglicherweise kein Einzelfall bleiben. Der Katastrophen-Kapitalimus-Komplex gedeiht unter den Bedingungen des permanenten, auf kleiner Flamme kochenden Konflikts.»

Es muss also wirklich gewarnt werden: Nicht nur vor diesem real existierenden deutschen Staat und vor seiner Politik, sondern auch davor, im harten Konfliktfall ins offene Messer zu rennen. Jeder muss sich bewusst machen, in welcher politischen Situation wir uns heute befinden. Und dann nach Wegen suchen, wie die Lage der Menschen im eigenen Land und in der Welt besser werden kann, wirklich besser. Das fängt fast immer im Kleinen an. Und es sind die vielen kleinen mitmenschlichen Schritte. Aber ohne sich selbst etwas in die Tasche zu lügen oder sich in die Irre führen zu lassen. Spiegel Online berichtete am 10. Juni ausführlich über «Zukunftsforscher», die in einer Studie festgestellt haben sollen, die derzeitige Krise sei «kaum mehr als ein reinigendes Gewitter», ein «Beschleuniger für einen überfälligen Wandel». Eine solche Krise sei gar nichts Aussergewöhnliches und würde der realen Wirtschaft einen «Sprung in eine höhere Ebene» ermöglichen.

Pardon, meine Herren «Zukunftsforscher». Das «reinigende Gewitter» kostet nicht nur Millionen von Menschen in den reichen Industrieländern ihren Arbeitsplatz – mit allen bekannten sozialen Folgen –, sondern lässt auch 100 Millionen Menschen mehr auf der Erde Hunger leiden. Der «Krieg» der Reichen gegen die Armen der Welt eskaliert, und die Formen der Ausbeutung werden immer perfider, nun auch durch den Griff nach dem natürlichsten Reichtum der armen Länder, ihrem fruchtbaren Ackerland.

Andere Länder werden mit unterschiedlichen Methoden und Kampagnen – wie derzeit zum Beispiel Irland – in einen kollektiven «Schockzustand» versetzt, um sie willfährig zu machen. Das ist das wahre Gesicht der modernen «soft power».

Indes: Es gibt keine Zwangsläufigkeit solcher Entwicklungen. Geschichte folgt keinem «Naturgesetz», sondern wird von Menschen gemacht. Deshalb kann das, was Unrecht ist, auch Unrecht genannt werden; und es muss als Unrecht benannt werden, wenn das eigene Gewissen nicht unterdrückt werden soll. Die Sachen müssen geklärt werden, und die Vernunft muss wach bleiben. Damit fängt Veränderung an. Auch in Deutschland.

«Kleine Schritte» bedeutet, mit Augenmass für das Realisierbare, aber konsequent und kontinuierlich voranzuschreiten. Die Richtung dabei: das Völkerrecht und die Menschenrechte – Rechtsstaat und direkte Demokratie – Subsidiarität und Föderalismus – Gemeinsinn, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung.

Karl Müller

Quelle: Zeit-Fragen Nr.24

Originalartikel veröffentlicht am 15.6.2009

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Montag, 22. Juni 2009

Deutsche Welle heizt Unruhen im Iran an

Umsturzerwartungen

Trotz ausdrücklicher Warnungen heizen deutsche Organisationen die gegenwärtigen inneriranischen Machtkämpfe an. Die staatsfinanzierte Deutsche Welle gehört zu den Auslandssendern, deren Farsi-Programme die iranischen Protestdemonstranten mit ihren Berichten über westliche Reaktionen stündlich befeuern. Auch parteinahe Stiftungen, darunter die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung, bieten sich Gegnern der zentralstaatlichen Strukturen im Iran als Partner an. Nach anfänglicher Zurückhaltung ist das Auswärtige Amt (AA) dazu übergegangen, in die inneren Angelegenheiten des UN-Mitglieds offen einzugreifen und an die Regierung des souveränen Landes "Forderungen" zu stellen. Diese Linie einer herausfordernden Teilhabe an den inneriranischen Machtkämpfen wurde am Wochenende ebenso vom Bundeskanzleramt eingeschlagen. Deutsche Presseorgane ergehen sich in blutslüsternen Erwartungen über "Chaos in Teheran". Jede Einmischung in die aktuellen Machtkämpfe sei "äußerst schädlich", urteilt der Iran-Experte Bahman Nirumand: Sie bewirke, dass die Protestdemonstranten "als westlich gesteuert und ihre Führer als Kollaborateure gebrandmarkt werden". Tatsächlich ist die derzeitige Unterstützung für die iranische Opposition maßgeblich außenpolitisch motiviert: Solange in Teheran das dem Westen treue Schah-Regime die Macht innehatte, wurde die iranische Demokratiebewegung mit westlicher Unterstützung blutig niedergeschlagen.

Am Wochenende haben Berliner Regierungsvertreter zahlreiche Stellungnahmen in Umlauf gebracht, die das iranische Regime demokratische Verhaltensweisen lehren sollen. Im Stil kolonialer Hegemonialpolitik wurde der Botschafter Irans ins Auswärtige Amt einbestellt. Ihrerseits verwahrt sich die Teheraner Regierung gegen die Einmischung und droht Berlin mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Trotzdem halten die Aktivitäten staatsnaher deutscher Organisationen, die die inneriranischen Proteste schüren, unvermindert an. Zu den ersten Adressen der ausländischen Aufstandspropaganda gehören der offizielle deutsche Auslandssender Deutsche Welle sowie mehrere parteinahe Stiftungen......Weiterlesen german-foreign-policy>>>

Darfs ein bisschen weniger sein? Oder: Neues zum Niedergang des Qualitätsjournalismus

Dr. Alexander von Paleske - In Wolf Schneiders Buch „Die Gruner und Jahr Story“ aus dem Jahr 2000 findet sich eine Begebenheit aus dem Jahre 1993.

Der Weltkonzern Unilever verhängte 1993 einen Anzeigenboykott gegen den STERN, weil er sich über eine Geschichte in der Zeitschrift GEO, auch aus dem Hause Gruner und Jahr, wie der STERN, geärgert hatte. Titel :“Du darfst nicht alles glauben“
Viermal hatte der GEO-Autor den Namen UNILEVER genannt. In einem fürchterlichen Verriss der „Light Food Mode“ der „grandiosen Erfindung das Sattwerden teurer zu machen“.

Der damalige Chefredakteur der GEO, Funk, wurde zu dem Gruner und Jahr Vorstand Schulte- Hillen gerufen, der nach einer kurzen Diskussion „Stimmt die Geschichte?“ und neuerlichem Lesen des Artikels in meckerndes Lachen ausbrach „Wenn wir uns solche Geschichten nicht mehr leisten können, dann macht das Geschäft keinen Spass mehr“.

Zunehmende Abhängigkeiten

Man muss sich ernsthaft fragen, ob ein Verleger heute auch in vergleichbarer Lage in ein meckerndes Lachen ausbrechen würde. Man muss das vielmehr ernsthaft bezweifeln. Denn die Abhängigkeit der Printmedien ist nicht nur grösser geworden, sondern die Printmedien sind offenbar bereit, von den hehren Prinzipien des Journalismus gewaltige Abstriche zu machen, nur um den Anzeigenkunden zu Diensten zu sein. Das kann nicht gutgehen.

In mehreren Artikeln haben wir uns bereits mit dem Niedergang des Journalismus in den Printmedien beschäftigt.......

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Einen Schritt vorwärts

amerika21.de sprach mit der Verantwortlichen für die Solidaritätsarbeit im venezolanischen Aussenministerium, Ginette González

Von Ingo Niebel

Amsterdam. Auf dem dreitägigen Treffen europäischer Solidaritätsgruppen in Amsterdam vertrat Ginette González ihren Vizeminister für Europa, Alejandro Fleming, der gerade mit dem venezolanischen Vizepräsidenten Ramón Carrizalez Weissrussland und Russland besucht. Im Aussenministerium gehört die Diplomatin zum Stab des Ministers Nicolás Maduro. Zu ihrem Aufgabenbereich zählt auch die Solidaritätsarbeit in Europa. González ist aktives Mitglied der Vereinten Sozialistischen Partei Venezuelas (PSUV) von Präsident Hugo Chávez. Amerika21.de-Redakteur Ingo Niebel führte das Interview am Freitag nach der Auftaktveranstaltung.

In Ihrem Vortrag haben Sie erwähnt, dass Sie keine Karrierediplomatin sind, sondern von der Basis her kommen. Könnten Sie das etwas genauer ausführen?

Bevor ich ins Ministerium wechselte, machte ich bereits von Venezuela aus Solidaritätsarbeit mit Kuba, El Salvador, Nicaragua und anderen Ländern. Die andere Seite der internationalen Solidaritätsarbeit kenne ich auch: Als ich in Madrid meinen Doktor in Sozial- und Politikwissenschaften machte, enagierte ich mich für die Solidaritätsarbeit mit Venezuela. Ich reiste quer durchs Land zu unterschiedlichen Universitäten, um die Leute und die Mechanismen der bereits existierenden Soliarbeit kennenzulernen.

Welche Vorteile brachte das für Ihre Arbeit im Ministerium?

Der Vorteil war, dass ich genau das richtige Profil besaß, als man im Aussenministerium Menschen mit Auslandserfahrung für diesen Aufgabenbereich suchte. In Venezuela ist das gar nicht so einfach, weil für die Mehrheit der Leute, die Möglichkeiten ins Ausland zu gehen, sehr begrenzt sind. Im Ministerium haben ich dann auch den traditionellsten Teil der diplomatischen Arbeit kennengelernt, als ich auf meinem Posten als Direktorin für Europa für unsere Botschaften tätig war. Für mich waren beide Seiten eine gute Schule. So kenne ich sehr gut die Beschränkungen, die die traditionelle diplomatische Arbeit mit sich bringt, auch wenn wir dieser die "Diplomatie der Völker" gegenüberstellen. Wie bereits angesprochen, ist das größte Problem, dass man uns verwirft, wir würden uns so in die inneren Angelegeheiten eines Staates einmischen. Daher wurden schon zahlreicher unserer Botschafter ausgewiesen. Das geschah zwar nicht Europa, aber unsere Vision von der Diplomatie der Völker wird nicht gerne sehen.

Welches sind die größten Hindernissen, die Sie für die Solidaritätsarbeit hier in Europa sehen?

Wie schon gesagt, ich möchte niemanden verletzen, aber die Schwächung der Linken gehört dazu, weil man nicht nur solidarisch mit anderen Regionen der Welt sein muss, sondern auch in Europa und im eigenen Land. Wir müssen zusammen arbeiten, aber es hat zu viele Spaltungen gegeben: Wir sind drei und schon spalten wir uns... Und dann gibt es immer noch die vorherrschende Sichtweise, dass man den armen, kleinen Lateinamerikaner mal helfen müsste. Und den Opportunismus, den darf man auch nicht vergessen. Aber dann ist da der Austausch. Der ist unglaublich. Da ist zum Beispiel die Partei Die Linke aus Deutschland. Sie kamen zu mir in meine PSUV-Ortsgruppe und wir tauschten uns aus. Das hat uns trotz aller Unterschiede gegenseitig bereichert. Und das kann uns helfen, voran zu kommen.

In diesen Tagen ist viel die Rede vom Iran gewesen, von angeblich gefälschten Wahlergebnissen, Massendemonstrationen und Gewalt. Hat Sie als Venezolanerin die Berichterstattung der Medien des Nordens an das erinnert, wann man über Ihr Land während des Putsches 2002 und des so genannten "Ölstreiks" 2002/2003 zu hören bekam?

Eine Sache ist das Recht der Menschen, ihre Kritik zu äußern. Eine andere ist die Berichterstattung und dabei muss nicht auf CNN schauen, es reicht der Blick auf die venezolanischen Oppositionsmedien. Diese stellen den Rivalen von Mahmud Achmadinedschad, Hossein Mussawi, als "den Demokraten, den Liberalen, als denjenigen, dem die Frauen und die Jugend folgen" dar. Die Unterstützung für Achmadinedschad erklären sie hingegen abwertend damit, dass er ja Programme für die Bauer und für die Ärmsten umgesetzt habe. Dahinter steht ein Drehbuch und das geht nicht nur auf den April 2002 zurück, sondern es reicht bis in die Gegenwart. Dasselbe geschieht bei uns mit der "Studentenbewegung". Die gibt es auch so nicht, wie sie dargestellt wird.

Welche Erwartungen verbinden Sie mit diesem Treffen in Amsterdam?

Ich denke, es ist wichtig, dass wir trotz aller Unterschiede zusammen gekommen sind. Sicherlich sind nicht alle gekommen, weil sie nicht konnten. Dieser Schwierigkeit bin ich mir bewusst und wir müssen sehen, wie wir damit zukünftig umgehen. Wichtig ist eine Fortsetzung mit derselben Methodologie, dass wir einen Schritt vorwärts und zu einem Konsens kommen. Die Bolivarische Revolution soll auch ein Platz des Zusammenkommens sein, wo sich progressive Gruppen aus Europa austauschen können. Ich werde, wenn möglich, an allen drei Workshops teilnehmen, weil ich die Solidaritätsarbeit von Venezuela aus fortführen werde.

Interne Verweise

Quelle: amerika21.de

Sonntag, 21. Juni 2009

Die erste Aufgabe besteht darin, auf Linie zu sein

Von Folker Hoffmann

Vertrauen ist wichtig - es lässt sich so schön vermarkten. Nun, wie erwirbt man Vertrauen?

Erster Schritt: Einen Job beim Staatssender suchen. Kommt es zu einer Anstellung, zielstrebig und energisch darauf hinarbeiten, dass Euer Gesicht auf der Mattscheibe erscheint. Je penetranter, umso höher das Vertrauen das in den Wohnstuben der Nation erzeugt wird. Der Marktwert steigt bei jedem virtuellen Auftritt. Ein honoriges Salär des Staatsrundfunks lässt nicht lange auf sich warten, reicht aber zum gewünschten Leben nicht. Es muss mehr her, viel mehr. Nun gilt es, sich einem Agenten anzuvertrauen, der Märchen, seine Erzähler und ihren wahren Wert zu schätzen weiß und sie höchstbietend vermarktet. An wen ist nicht wichtig, nur bezahlen müssen sie können.

Der Weg zu klotzigen Nebenverdiensten bei Unternehmern, Banken und Verbänden, für gut vortragende Märchenerzähler, ist frei.

Petra Gerster, Schwester des ehemaligen Präsidenten der Bundesagentur für Arbeitsmarktstatistikfälschung und ZDF-Nachrichten–Frau, erreicht so bereits 14.000 Euro pro Auftritt und ihr Ansehen als unabhängige Journalistin leidet nicht im Geringsten.

Staubsauger Tom Buhrow vom Ersten und Ankermann Claus Kleber vom Zweiten machen's nicht unter 20.000 Euro. Der Unterschied lässt sich mit Sicherheit geschlechtsspezifisch erklären. Wer will schon ihre journalistische Unabhängigkeit anzweifeln?

Biedermann und Ratsmitglied der EKD, Peter Hahne vom ZDF, macht es da schon etwas billiger. 10.000 Euro per Vorstellung. Dafür schreibt er noch Kolumnen für so anspruchsvolle Journaillen wie der BamS. Bei dem läppert sich zusammen, was zusammen gehört.

Anja Kohl mimt die Rolle als Börsenexpertin im Ersten. Sie soll mit Bimbeskanzler Kohl weder verwandt noch verschwägert sein und muss sich so mit nur 6.500 Euro ganz nebenbei begnügen. Aber sie ist ja noch jung und ihre Auftritte auf der Mattscheibe sind von kürzerer Dauer als die ihrer Kollegen. Allerdings wissen wir, Kleinvieh macht auch Mist.

Alles arme, unterbezahlte Geistesarbeiter, die sich von ihren normalen Gehältern nicht ernähren wollen und ihre journalistische Unabhängigkeit mit üppigen Zubroten bei denen einsacken, über die sie im gleichen Atemzug berichten. Selbstverständlich legal und mit voller Zustimmung ihrer Chefs. Wäre ja noch schöner. Die Chefs sind diejenigen, die den Rundfunkräten Rapport darüber ablegen dürfen, ob die Staatssender auch auf Linie sind. Wenn nicht, sind sie gefeuert. Das war schon bei Alfred Hugenberg so.

So habe ich mir Märchenerzähler bei Märchensendern schon immer vorgestellt.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so erzählen sie gerade wieder ein Märchen.

Protest gegen Massaker in Peru

Von FEDEFAM
Übersetzung amerika21.de

Die Angehörigen von Inhaftierten und Verschwundenen in Lateinamerika protestieren gegen das Massaker an Indigenen durch Präsident Alan García in Peru

Caracas/Venezuela. Die lateinamerikanische Vereinigung von Angehörigen verschwundener Häftlinge (FEDEFAM) bringt ihre tiefe Bestürzung und die Verurteilung des Massakers an den Amazonasvölker Awajun-Wanpi durch die Regierung von Alan García zum Ausdruck. Wir haben mit großer Sorge die Informationen erhalten, dass die Zahl der getöteten und verletzten Opfer steigt. Außerdem haben wir über die Verbände der Verschwundenen in Peru erfahren, dass eine Reihe von Verhafteten in die Militärbasis "El Milagro" in der Nähe von Bagua, Amazonas, gebracht wurden, was eine Form des "Verschwindens" darstellt.

In diesem Zusammenhang weisen wir auch die Verhängung von Ausgangssperren und des Ausnahmezustandes im Bereich der sozialen Konflikte zurück. Dies sind Maßnahmen, die dazu geeignet sind, die Straffreiheit für die Verletzung der Menschenrechte durch die Sicherheitskräfte zu gewährleisten. Was wir gegenwärtig im peruanischen Amazonas erleben ist eine repressive Operation in Größenordnungen, die wir seit der Zeit der internen bewaffneten Konflikte nicht gesehen haben, als sich nicht mehr feststellen ließ, wie viele Opfer, Verwundete und Vermisste es zu dieser Zeit gab.

Daher verlangen wir dringend von den Behörden, unverzüglich Schritte zu unternehmen, damit die Gewalt beendet und die Rechtsstaatlichkeit und die verfassungsrechtlichen Garantie der Menschenrechte uneingeschränkt wiederhergestellt werden.

FEDEFAM unterstützt außerdem die Forderungen unserer Awajun-Wanpis-Brüder in ihrem Kampf für die Nicht-Auslieferung ihres Land, ihrer Wälder und der biologischen Vielfalt an das raffgierige amerikanische Imperium durch die Unterzeichnung des Freihandelsabkommens (NAFTA), und wir rufen national und international zur Einmischung auf, um die Verfolgung und Diskriminierung der indigenen Völker unseres Amerika ein für alle Mal zu beenden. Wir fordern, dass das aktuelle Massaker als Staatsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit untersucht wird.

Quelle: Presse FEDEFAM, 6. Juni 2009

Quelle: amerika21.de

Die Internet-Stasi im deutschen Schurkenstaat

Zensursula



Hier die Liste des Deutschen Bundestages welche Abgeordneten den Artikel 5 des Grundgesetzes außer Kraft setzten. Beschämend für Die Linke: 17 Abgeordnete haben an der Abstimmung nicht teilgenommen.

Art. 5 des GG
Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
Alles Schnee von gestern.



Der Marsch ins Dritte Reich

Der Führer sagt: "Jetzt kommt der letzte Winter,
nur jetzt nicht schlapp gemacht, ihr müsst marschier’n!"
Der Führer fährt voran im Zwölf-Zylinder.
Marsch, Marsch, Marsch, Marsch, ihr dürft die Fühlung nicht verlier’n!

Es ist ein langer Weg zum Dritten Reiche,
man sollt' nicht glauben, wie sich das zieht.
Es ist ein hoher Baum, die deutsche Eiche,
von der aus man den Silberstreifen sieht.

Der Führer sagt: "Nur nicht in Lumpen laufen!".
Er hat ihr schon gesagt, der Industrie:
"Wir wollen neue Uniformen kaufen,
der Hauptmann Röhm liebt uns nicht ohne die".

Es ist ein langer Weg zum Dritten Reiche,
ein bisschen Liebe macht ihn halb so schwer.
Es ist ein hoher Baum, die deutsche Eiche,
und kameradschaftlich sei der Verkehr!

Der Führer hat gesagt, er lebt noch lange,
und er wird älter als der Hindenburch.
Er kommt noch dran, da ist ihm gar nicht bange,
und drum pressiert’s ihm gar nicht, und dadurch

ist es ein langer Weg zum Dritten Reiche,
es ist unglaublich, wie sich das zieht.
Es ist ein hoher Baum, die deutsche Eiche,
von der aus man den Silberstreifen sieht.

Bertolt Brecht

Wer hat uns verraten......

Samstag, 20. Juni 2009

Der Wendepunkt? Teil 2

Von Noam Chomsky

Es kann nicht oft genug betont werden, dass Israel im Dezember keine glaubwürdige Rechtfertigung für den Angriff auf Gaza vorbrachte, der mit voller Unterstützung der USA und mit dem illegalen Einsatz von US-Waffen durchgeführt wurde. Die andere Sicht wird nahezu universell vertreten: Israel habe in Selbstverteidigung gehandelt. Angesichts dessen, was Israel an friedlichen Mittel, die bereitstanden, rundweg ablehnte, ist dies völlig unhaltbar (siehe Noam Chomsky: 'Löscht alle Wilden aus!'" (2)). Davon abgesehen, ist die israelische Belagerung Gazas an sich schon ein Kriegsakt. Kein Land weiß das besser als Israel - ein Land, das immer wieder das Führen großer Kriege damit rechtfertigte, dass ihm ein Teil des Zugangs zur äußeren Welt verwehrt worden sei.


Ein entscheidendes Element der Belagerung durch Israel, über das jedoch kaum berichtet wird, ist die Blockade durch die israelische Marine. Peter Beaumont berichtete aus Gaza: "In den Strömungen vor Gazas Küste, findet man eine andere Art Zaun, der Gaza einschränkt. Israelische Kanonenboote sind dessen Gitterstäbe. Mit ihren großen Heckwellen schippern sie vor den palästinensischen Fischerbooten her und hindern sie daran, die von den Kriegsschiffen festgelegte Zone zu verlassen" (The Guardian am 27. Mai). Aus der Berichterstattung vor Ort geht hervor, dass die Belagerung durch die Marine seit 2000 immer enger wurde. Die Fischerboote werden von den Kanonenbooten zunehmend aus den maritimen Gewässern, die zu Gaza gehören, in Richtung Küste vertrieben - häufig mit Gewalt, ohne Vorwarnung und mit vielen Opfern. Eine Folge dieser Marineaktionen ist der faktische Zusammenbruch der Fischerei von Gaza. Aufgrund von Verseuchungen in Küstennähe - eine Folge der regelmäßigen israelischen Angriffe (u.a. wurden dabei Kraftwerke und Kanalisationsanlagen zerstört) -, kann man hier nicht fischen.

Die Angriffe durch die israelische Marine begannen kurze Zeit, nachdem British Gas Group anscheinend beachtliche Erdgasfelder in den Gewässern, die zum Gebiet des Gazastreifens gehören, entdeckt hatte. In Industriemagazinen steht, dass Israel schon damit beginne, sich diese Ressourcen Gazas für eigene Zwecke anzueignen. Das hängt damit zusammen, dass Israel sich verpflichtet hat, seine Wirtschaft auf Erdgas umzustellen. Auf diese Weise scheint es dieser Verpflichtung teilweise nachzukommen. Das Standardmagazin Platt's Commodity News (siehe die Berichte vom 3. u. 16. Februar) schreibt: "Das Israelische Finanzministerium erteilte dem Konzern Israel Electric Corp. (IEC) die Genehmigung, mehr Erdgas von BC (British Gas Group) als in den urprünglichen Vereinbarungen vorgesehen, zu erwerben, heißt es aus israelischen Regierungsquellen. (Sie) sagten, das israelische Staatsunternehmen (IEC) sei befugt, über 1,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas zu verhandeln, die sich in einem Feld vor der Mittelmeerküste, im palästinensisch kontrollierten Gaza, befinden. Im vergangenen Jahr hatte die israelische Regierung zugestimmt, dass Israel Electronic Corporation 800 Millionen Kubikmeter Gas aus diesem Feld erwerben könne ... Kürzlich änderte die israelische Regierung jedoch ihre Politik und beschloss, das Staatsunternehmen (IEC) dürfe die gesamte Ausbeute des maritimen Erdgasfeldes in Gaza aufkaufen. Früher hatte die Regierung geäußert, die IEC könne die Hälfte des Feldes erwerben, den verbleibenden Rest könnten private Energieunternehmen aufkaufen".

Sicher wissen die Verantwortlichen in den USA Bescheid, dass hier eine für die Palästinenser in Zukunft vielleicht wesentliche Einnahmequellen geplündert wird. Was ist der Grund, warum hindert man die Fischerboote aus Gaza daran, in Gazas Gewässer einzudringen? Es ist nur rational, zu vermuten, dass die ohnehin dürftigen palästinensischen Ressourcen beraubt werden sollen, und es wäre wirklich nicht verwunderlich, wenn wir eines Tages herausfinden sollten, dass der kriminelle israelisch-amerikanische Angriff auf Gaza im Dezember 2008 aus dem gleichen Grund geschah.

Die Bewegungsfreiheit in Gaza wurde eingeschränkt, um Gaza zu ruinieren. Dieselbe Methode wird seit langem in der Westbank angewendet. Die Folgen für das Leben und die Wirtschaft in der Westbank sind bitter. Vor kurzem erschien ein Bericht der Weltbank, in dem es heißt, Israel habe "ein komplexes Regime der Abriegelungen" installiert, "das den Palästinensern den Zugang zu weiten Teilen der Westbank verwehrt... Die palästinensische Wirtschaft stagniert weiter - vor allem durch den massiven Rückgang in Gaza und die kontinuierlichen Beschränkungen von Handel und Bewegungsfreiheit der Palästinenser in der Westbank durch Israel". Die Weltbank weist auf die "israelischen Straßensperren und Checkpoints, die den Handel und das Reisen behindern," hin sowie auf "die Beschränkung palästinensischer Bauaktivitäten in der Westbank, wo die vom Westen unterstützte Regierung von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas das Sagen hat" (AP; Avi Issacharoff in der Haaretz vom 6. Mai).

Das alles zusammen ist, so drückt es der israelische Aktivist Jeff Halper aus, eine "Kontrollmatrix" - geschaffen, um eine kolonialisierte Bevölkerung unter dem Daumen zu halten, entsprechend der Empfehlung, die der israelische Verteidigungsminister Moshe Dayan seinen Kollegen kurz nach der Eroberung von 1967 mit auf den Weg gegeben hatte: Sie sollten den Palästinensern in den Territorien sagen, "wir haben keine Lösung, ihr werdet weiter wie die Hunde leben, und wer immer gehen will, soll gehen, und wir werden sehen, wohin dieser Prozess führt" (zitiert aus Yossi Beilings Buch 'Mehiro shel Ihud', S.42 (1985)).

Wenden wir uns nun dem zweiten Standbein zu, den Siedlungen. Dieses Thema mag tatsächlich ein wenig strittig sein, doch keineswegs in dem dargestellten Ausmaß. Am kräftigsten wurde die Haltung Washingtons in einem vielzitierten Satz von Hilary Clinton formuliert: "Ausnahmen beim natürlichen Wachstum (der jüdischen Siedlungen)" würden zurückgewiesen, hatte sie zum Thema 'amerikanische Politik gegen neue (illegale) Siedlungen' zu sagen. Premierminister Netanjahu, Präsident Peres und mit ihnen praktisch das gesamte politische Spektrum Israels beharren auf einer Duldung des "natürlichen Wachstums" in den Regionen, die Israel annektieren will. Sie beschweren sich, die USA stünden nicht mehr zu Bushs Genehmigung derartiger Expansionen, die er im Rahmen seiner "Vision" für einen Palästinenserstaates gegeben hatte.

Hochrangige Mitglieder der Regierung Netanjahu gehen noch einen Schritt weiter. So kündigte Minister Yisrael Katz an, "die jetzige israelische Regierung wird in keinster Weise das Einfrieren legaler Siedlungsaktivitäten in Judäa und Samaria akzeptieren" (Haaretz vom 31. Mai). Das Wort "legal" bedeutet im israelisch-amerikanischen Parlando "illegal, aber durch die israelische Regierung genehmigt". (Israelische) Vorposten ohne Genehmigung sind folglich "illegal". Doch was immer die Mächtigen zu Protokoll geben, diese Vorposten sind nicht illegaler als die Siedlungen, die Bush den Israelis im Rahmen seiner "Vision" zugestanden hatte.

Die harschen Formulierungen, die von Obama-Clinton kommen, sind durchaus nichts Neues. Sie geben die Worte der Road Map 2003 wieder. Phase I: "Israel wird sämtliche Siedlungsaktivitäten einfrieren (einschließlich des natürlichen Wachstums der Siedlungen)". Alle Seiten haben die Road Map formal akzeptiert. Dabei wurde kontinuierlich übersehen, dass Israel - mit Unterstützung der USA - umgehend 14 Bedingungen an die Straßenkarte heftete, so dass sie nicht funktionieren kann.

Wäre es Obama wirklich ernst damit, den Ausbau der Siedlungen zu verhindern, es fiele ihm leicht, konkrete Maßnahmen voranzutreiben. So könnte er zum Beispiel die US-Hilfen genau um jene Summen kürzen, die für den Ausbau (der illegalen jüdischen Siedlungen) eingesetzt werden. Ein derartiger Schritt wäre weder besonders radikal noch besonders mutig. Die Regierung Bush I ist so verfahren (und reduzierte ihre Kreditzusagen). Doch nach dem Abkommen von Oslo, 1993, überließ Präsident Clinton das Rechnen der israelischen Regierung. Da wunderte es kaum, dass sich "am Ausgabenfluss an die Siedlungen nichts änderte", wie die israelische Presse damals schrieb. Sie schrieb außerdem: "(Premierminister) Rabin wird die Siedlungen auch weiterhin nicht austrocknen" (Hadashot vom 8. Oktober 1993 und Yair Fidel (im Beilagenheft der Hadashot vom 29. Oktober 1993)).

Offizielle Mitglieder der Obama-Regierung informierten die Presse, dass solche Maßnahmen, wie Bush I sie getroffen habe, heute "nicht zur Diskussion" stünden. Der Druck werde "überwiegend symbolisch" sein (Helene Cooper in der New York Times vom 1. Juni). Um es kurz zu machen: Obama zeigt "Verständnis".

In der amerikanischen Presse heißt es: "In den letzten Jahren kam es zu einem partiellen Einfrieren (der Siedlungen) , aber die Siedler fanden Wege, die Vorschriften zu umgehen... Die Bauaktivitäten in den Siedlungen schreiten zwar langsamer voran, haben jedoch nie ganz aufgehört; in den letzten drei Jahren entstanden circa 1500 bis 2000 (Wohn-)Einheiten pro Jahr. Wenn die Bautätigkeit das Tempo von 2008 aufrecht hält, werden jene 46500 genehmigten (Wohn-)Einheiten in rund 20 Jahren fertiggestellt sein... Wenn Israel alle Hauseinheiten baut, die der bereits genehmigte nationale Masterplan für die Siedlungen vorsieht, wird es in der Westbank nahezu doppelt soviele (jüdische) Siedlerhäuser geben (wie heute)", schreibt Isabel Kirshner in der New York Times vom 2. Juni. Wahrscheinlich war die (israelische Friedensorganisation) Peace Now Kirshners Quelle, denn Peace Now überwacht die Siedlungsaktivitäten. Laut Schätzungen von Peace Now werden sich die beiden größten jüdischen Siedlungen - Ariel und Ma'aleh Adumim - räumlich verdoppeln. Deren Ausläufer, die heute die Westbank in Kantone zerschneiden, wurden hauptsächlich in den Osloer Jahren gebaut.

"Natürliches Bevölkerungswachstum" ist ein großer Mythos. Darauf weist Israels führender diplomatischer Korrespondent Akiva Eldar hin und zitiert aus demographischen Studien, die von Shaul Arieli, einem israelischen Oberst der Reserve, stammen. Arieli ist stellvertretender Militärsekretär von Ehud Barak - dem heutigen israelischen Verteidigungsminister und früheren Premierminister: Die Siedlungen wachsen vor allem durch den Zuzug von Immigranten - was gegen die Genfer Konvention verstößt -, und durch großzügige Subventionen. Vieles stellt einen direkten Verstoß gegen formale Entscheidungen der (israelischen) Regierung dar und wird dennoch mit Genehmigung dieser Regierung umgesetzt. Das betrifft vor allem Barak, der innerhalb des israelischen Spektrums als Taube gilt (siehe Akiva Eldar in der Haaretz vom 2. Juni).

Manche kleben noch immer an der "lange schlummernden palästinensischen Fantasie", die Abbas angeblich aus ihrem Schlaf geweckt hat. Sie lautet: "Die USA werden Israel einfach zu maßgeblichen Konzessionen zwingen - ob dessen demokratische Regierung dem nun zustimmt oder nicht" (so Jackson Diehl in der Washington Post vom 29. Mai). Allerdings erklärt Diehl nicht, ob die Weigerung, sich an Israels illegalen Expansionen zu beteiligen - die, falls ernsthaft betrieben, "Israel zu entscheidenden Konzessionen zwingen würde" - für ihn eine angemessene Einmischung in die Angelegenheiten der israelischen Demokratie wäre oder nicht.

Diehl weist auch auf einen angeblich neuen Friedenplan des ehemaligen israelischen Premiers Olmert hin - den dieser Abbas in nie dagewesener Großherzigkeit angeboten haben soll. Abbas habe abgelehnt, obwohl der Plan angeblich nahezu alles geboten hätte, was die Palästinenser vernünftigerweise erwarten können. Auch andere verweisen unter der Hand auf diesen ominösen Plan und dessen angebliche Zurückweisung durch Abbas. Alle Versuche, den Plan zutage zu fördern, sind bislang gescheitert. Die einzige Quelle, auf die David Peterson nach ausgiebigen Recherchen stieß, waren einige Kommentare in arabischen Medien, die von Palästinensern stammten und augenscheinlich mit internen Konflikten um Machtverteilung zu tun hatten. Es waren keine der üblichen Quellen westlicher Kommentatoren. Laut Eliot Abrams datiert der Plan vom Januar 2009 (siehe Abrams Artikel in der Washington Post vom 8. April, in dem er aus nicht näher genannten Presseberichten zitiert und Unwahhrheiten über frühere Pläne, deren Quellen bekannt sind, verbreitet (am 3. Juni gab es eine Antwort zum Streit um die Quellenangaben)).

Verlassen Sie sich darauf: Wäre an der Geschichte irgendetwas Wahres, so würden es die israelische Propanganda und deren Enthusiasten hierzulande hinausposaunen: Was für eine willkommene Gelegenheit, zu demonstrieren, dass die Palästinenser einfach keinen Frieden akzeptieren wollen, nicht einmal die Gemäßigtsten unter ihnen! Auch in anderer Hinsicht ist der Fall dubios. Erstens war Olmert zu jenem Zeitpunkt nicht in der Lage, glaubhafte Vorschläge zu unterbreiten. Er hatte seinen Rücktritt angekündigt, da er sich mit einer Anklage wegen schwerer Korruption konfrontiert sah. Zweitens wäre ein solcher Plan kaum mit dem steten Ausbau der Siedlungen unter Premier Olmert vereinbar gewesen - selbst ein wesentlich geringeres Entgegenkommen wäre damit nicht vereinbar gewesen.

Zurück zur Realität. In allen Debatten um den Ausbau der Siedlungen geht man nicht auf den wesentlichsten Punkt ein: auf die von Israel bereits errichteten Siedlungen in der Westbank. Dieses ausweichende Verhalten ist ein stillschweigendes Eingeständnis, dass die bereits umgesetzten illegalen Siedlungsprogramme irgendwie akzeptabel seien (abgesehen von den Golanhöhen, natürlich, denn deren Annektion war ja ein Verstoß gegen Anordnungen des UN-Sicherheitsrates). Mit der Bush-"Vision" - die Obama offensichtlich akzeptiert -, wurde der Schritt von stillschweigender Duldung zu expliziter Duldung vollzogen. Was bereits gebaut ist, reicht aus, um sicherzustellen, dass es keine lebensfähige (territoriale) Selbstbestimmung der Palästinenser geben kann. Daher deutet alles darauf hin, dass der amerikanisch-israelische Rejektionismus weitergeführt und der internationale Konsens, wie bisher auch, blockiert wird - selbst in dem unwahrscheinlichen Fall, dass das "natürliche Wachstum" (der illegalen jüdischen Siedlungen) tatsächlich gestoppt wird.

Die Sache sähe anders aus, würde man einen legitimen "Landtausch" in Betracht ziehen - jene Lösung, der man im ägyptischen Taba nahegekommen war und die im 'Abkommen von Genf' näher erläutert wurde. Die Verhandlungen zwischen Israel und Palästina zu diesem Abkommen hatten auf informeller, aber hochrangiger Ebene stattgefunden. Das Abkommen wurde im Oktober 2003 in Genf vorgestellt und von der Welt überwiegend begrüßt. Israel lehnte das Abkommen ab, die USA ignorierten es.

Dafür wird jetzt über einen "Landtausch" der etwas anderen Art nachgegrübelt. Der ultrarechte, israelische Führer Avigdor Lieberman, der heutige Außenminister, schlug vor, die nichtjüdische Bevölkerung Israels zu reduzieren, indem man israelische Araber (vor allem die aus Wadi Ara in Galiläa) geballt in den zerrissenen "Palästinenserstaat" abschiebt - gegen den Widerstand der allermeisten Opfer, natürlich. Zuerst wurden solche Ideen verurteilt: Sie kämen praktisch neo-nazistischem Gedankengut gleich. Aber ganz so einfach ist es nicht. Der Erste, der etwas Derartiges von sich gab, war der Sozialdemokrat und politische Philosoph Michael Walzer. Schon 30 Jahre vor Lieberman schrieb er, im Interesse von Frieden und Gerechtigkeit solle man "Denen am Rande der Nation" (Palästinenser) "helfen, zu gehen". Heute sind diese Ideen in der politischen Mitte angekommen. Der Israelkorrespondent der New York Times, Ethan Bronner, schreibt darüber lobend, die Linke liebe Liebermans "Bereitschaft, zwei Staaten zu schaffen, einen jüdischen und einen palästinensischen, denn dies würde auch bedeuten, dass Regionen, die heute noch zu Israel gehören", im Rahmen eines Landtausches, "aufgegeben werden" (New York Times vom 12. Februar). Dies ist eine höfliche Art zu umschreiben, dass israelische Bürger, die - ethnisch gesehen - auf der falschen Seite stehen, gewaltsam aus einem reichen Land der 'Ersten Welt' in das "gegrillte Hähnchen" verfrachtet werden sollen.

Obamas Rede an die Muslime am 4. Juni in Kairo orientierte sich an dem von ihm gepflegten "Stil der hohlen Phrasen". Er gibt wenig Substantielles von sich - aber in einer so persönlichen Manier, dass seine Zuhörer heraushören können, was immer sie wollen. CNN traf den Nagel nicht schlecht auf den Kopf. Eine Schlagzeile eines CNN-Berichtes lautete: "Obama versucht, die Seele der muslimischen Welt zu erreichen" ("Obama looks to reach the soul of the Muslim world"). Die Absicht, die Obama mit seiner Rede verband, hatte er dem Kolumnisten der New York Times, Thomas Friedman, am 3. Juni folgendermaßen erläutert: "Wir haben hier im Weißen Haus so einen Witz", sagte der Präsident, "(er lautet,) gerade so lange bei der Wahrheit zu bleiben, bis diese nicht mehr funktioniert - und nirgendwo ist es wichtiger, die Wahrheit zu sagen als im Mittleren Osten". Ein sehr begrüßenswerter Vorsatz des Weißen Hauses. Es wäre sinnvoll, zu beobachten, wie er in der Praxis funktioniert.

Obama ermahnte sein Publikum: Es sei leicht, mit "dem Finger" auf jemanden "zu zeigen... Wenn wir diesen Konflikt aber nur von der einen Seite bzw. von der anderen Seite betrachten, werden wir blind sein für die Wahrheit: Nur durch zwei Staaten, in denen sowohl die Israelis als auch die Palästinenser in Frieden und Sicherheit leben, können die Ambitionen beider Seiten in Übereinstimmung gebracht werden", so Obama.

Apropos Wahrheit. Es gibt noch eine dritte Seite, die die ganze Zeit eine entscheidende Rolle gespielt hat: die USA. Doch dieser Konfliktbeteiligte blieb unerwähnt. Ihn wegzulassen, gilt als normal und angemessen und daher als nicht erwähnenswert. Friedmans Kolumne trägt die Überschrift: "Obamas Ansprache galt sowohl den Arabern als auch den Israelis ("Obama's speech aimed at both Arabs and Israelis"). Der Bericht auf der ersten Seite des Wall Street Journal trug den Titel: 'Obama Ermahnt Israel und die Araber in Seiner Ansprache an die Muslime' ("Obama Chides Israel, Arabs In His Overture to Muslims"). Andere Berichte klangen vergleichbar. Diese Konvention wird für jemanden nachvollziehbar, der das doktrinäre Prinzip akzeptiert, dass die amerikanische Regierung manchmal einen "Fehler" begehe, aber, per definitionem, alles in guter Absicht tue. Washington sei stets verzweifelt bemüht, ein ehrlicher Vermittler zu sein. Frieden und Gerechtigkeit voranzubringen sei Washingtons einziges Bestreben. Diese Doktrin hält die Wahrheit hoch, doch weder in Obamas Rede noch in der Berichterstattung der Mainstream-Medien wurde Wahres angedeutet.

Obama wiederholte, was schon Bush über 'zwei Staaten' gesagt hatte. Doch Obama stellte nicht klar, was er unter dem Begriff "Palästinenserstaat" versteht. Seine Absichten wurden erst deutlich, als er das Wesentliche wegließ - oder durch die einzige Stelle in seiner Rede, in der er Israel explizit kritisierte: "Die USA anerkennen die Legitimität kontinuierlicher israelischer Siedlungen nicht an", so Obama in seiner Rede. "Diese Bautätigkeit verstößt gegen frühere Abkommen und untergräbt Friedensbemühungen. Es wird Zeit, dass diese Siedlungen gestoppt werden" (meine Betonung). Im Klartext, Israel soll Phase I der Road Map von 2003 erfüllen. In Wirklichkeit schließt Obama sogar jene Schritte aus, die Bush I unternahm, um nicht in diese Verbrechen hineingezogen zu werden.

Die wichtigsten operativen Begriffe sind 'Legitimität' und 'kontinuierlich'. Durch das, was Obama wegließ, zeigt er, dass er Bushs "Vision" akzeptiert. Die riesigen, bereits umgesetzten Siedlungsprojekte und die entsprechende Infrastruktur seien "legitim". Das heißt, nun ist sicher, dass mit dem Begriff "Palästinenserstaat" das "Grillhähnchen" gemeint ist.

Zum Ausgleich hatte Obama eine Ermahnung für die arabischen Staaten parat: Sie "müssen erkennen, dass die Arabische Friedensinitiative ein wichtiger Anfang war, jedoch noch nicht das Ende ihrer Verantwortung". Im Ernst. Es kann keinen wirklichen "Anfang" geben, solange Obama dessen grundlegende Prinzipien - das heißt, die Umsetzung des internationalen Konsenses - ablehnt. Dies scheint - in Obamas Vision - offensichtlich nicht zu der "Verantwortung" Washingtons zu gehören, wahrscheinlich, weil die traditionelle Verantwortung Amerikas einzig darin besteht, zu betonen, man tue Gutes.

Zum Thema Demokratie sagte Obama: "Wir würden uns nicht anmaßen, auf dem Ergebnis einer friedlichen Wahl herumzupicken". Ja, das haben wir im Januar 2006 gesehen - als Washington die Palästinenser nicht schnell genug streng bestrafen konnte, weil man das Ergebnis dieser friedlichen Wahl nicht gut fand. Obama vermied es höflich, etwas über seinen Gastgeber, Präsident Mubarak, zu sagen. Mubarak ist einer der brutalsten Diktatoren in der Region. An einem anderen Ort sagte Obama jedoch ein paar erhellende Worte über ihn. Kurz bevor er das Flugzeug bestieg, das ihn nach Saudi-Arabien und Ägypten bringen sollte - in zwei "gemäßigte" arabische Staaten - " deutete Mr. Obama an, er werde in Ägypten amerikanische Bedenken hinsichtlich der Menschenrechte zur Sprache bringen, aber Mr. Mubarak nicht zu sehr herausfordern. Er bezeichnete ihn als "Kraft der Stabilität und des Guten" im Mittleren Osten... Mr. Obama sagte, er betrachte Mr. Mubarak nicht als autoritären Führer. "Nein, ich tendiere nicht dazu, Leuten ein Etikett zu verpassen", sagte Mr. Obama. Der Präsident merkte an, es habe Kritik gegeben, was die "Art und Weise betrifft, wie Politik in Ägypten funktioniert", doch er sagte auch, dass Mr. Mubarak, "in vielerlei Hinsicht, ein treuer Verbündeter der Vereinigten Staaten" gewesen" sei" (Artikel von Jeff Zeleyna und Michael Slackman in der New York Times vom 4. Juni).

Auch zum Thema 'Atomwaffen' hatte Obama etwas zu sagen. Seine Worte waren von einiger Bedeutung, da der Iran im Fokus stand. Obama wiederholte, er hoffe, dass die Atomwaffen generell abgeschafft würden und rief alle Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrags dazu auf, sich an die sich aus ihm ergebenden Pflichten zu halten. Israel blieb ausdrücklich unerwähnt. Der Staat Israel hat den Atomwaffensperrvertrag (Non-Proliferation Treaty (NPT)) nicht unterzeichnet, ebensowenig wie Pakistan und Indien. Alle drei Staaten wurden von den USA bei der Entwicklung ihrer Atomwaffen unterstützt. Pakistan erhielt vor allem durch Ronald Reagan Unterstützung, Indien durch Bush II. Sowohl Indien als auch Pakistan eskalieren ihre Nuklearprogramme derzeit in hochbedrohlichem Ausmaß (siehe z.B. den Artikel von Jeffrey Smith und Joby Warrick "Nuclear Aims By Pakistan, India Prompt U.S. Concern", der am 28. Mai 2009 in der Washington Post erschienen ist). Natürlich ergibt sich für uns keine "Verantwortung" aus der signifikanten Rolle, die wir bei dieser Konfrontation gespielt haben.

Einige von denen, die ihre Hoffnungen in Obama setzen, zitieren Bemerkungen der stellvertretenden US-Außenministerin Rose Gottemoeller: "Das universelle Festhalten am NPT an sich - Indien, Israel, Pakistan und Nordkorea eingeschlossen - bleibt ebenfalls ein fundamentales Ziel der USA". Die Angst, ihr Kommentar könnte irgendetwas zu bedeuten haben, wurde gleich darauf durch den Bericht eines ranghohen israelischen Diplomaten beschwichtigt: Obama habe Israel versichert, dass er "Israel nicht zwingen wird, öffentlich zu sagen, ob es Nuklearwaffen besitzt... (Er werde) sich an die Jahrzehnte alte politische Strategie der USA halten: 'Stelle keine Fragen, dann bekommst du keine Antworten' (don't ask, don't tell)". Auch das Institute for Public Accuracy ließ nicht lange auf sich warten und erinnerte daran, dass schon die Regierung Bush - wie heute Gottemoeller - ein "universelles Festhalten am Atomwaffensperrvertrag" gefordert habe, siehe Julian Borgers Artikel in The Guardian vom 6. Mai und Reuters am 21. Mai.

Wie es scheint, bezieht sich das Wort "universell" auf die angeblichen Programme des Iran, jedoch nicht auf die tatsächlichen Programme einiger US-Verbündeter und Klientenstaaten - von Washingtons eigenen Verpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag ganz zu schweigen.

Beim Thema 'iranisches Atomwaffenprogramm' wählte Obama seine Worte sehr sorgfältig. "Jede Nation - auch der Iran - sollte das Recht auf Zugang zur friedlichen Nutzung der Kernenergie haben, falls sie sich an ihre Verpflichtungen aus dem nuklearen Non-Proliferations-Vertrag hält". Auch diese Worte wiederholen nur die Position der Bush-Regierung, die lautete, der Iran könne "Zugang zur friedlichen Kernenergie" erhalten. Der strittige Punkt war und ist, ob der Iran das Recht hat, das laut Artikel IV allen Unterzeichnern des NPT zusteht: "Nichts in diesem Vertrag soll so ausgelegt werden, dass es das unveräußerliche Recht aller Vertragsparteien betrifft, die Kernenergie für friedliche Zwecke wissenschaftlich zu entwickeln, (sie) zu produzieren und zu nutzen - ohne Unterschied und im Einklang mit Artikel I und II dieses Vertrages". Die genannten beiden Artikel beziehen sich auf Nuklearwaffen. Allerdings räumt Artikel IV ein, dass ein beträchtlicher Unterschied zwischen wissenschaftlicher Entwicklung und Produktion besteht. Die Art des "Zugangs", die Bush und Obama dem Iran gewähren wollen, bedeutet, "Zugang" (zur friedlichen Nutzung der Kernenergie) von außen. Das ist der wesentliche Streitpunkt - und daran wird sich auch nichts ändern. Die Bewegung der Blockfreien Staaten - die Mehrheit der Staaten dieser Welt also - bekräftigt vehement die Haltung des Iran (auch die meisten Amerikaner unterstützen sie). Die "internationale Gemeinschaft" - ein technischer Begriff, der Washington und alle, die mit Amerika gerade einer Meinung sind, meint, wollen dem Iran nicht die Rechte einräumen, auf die das Land, wie die übrigen Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrages, ein garantiertes Anrecht hat. Obama, der seine Worte auf irreführende Art sorgfältig auswählte, zeigte dadurch, dass er weiter zu dieser Position (der USA) steht.

Es gibt einen sehr vernünftigen Ansatz, der sich gegen die Bedrohung durch Atomwaffen in der Region richtet: Verbündet euch mit der großen internationalen Mehrheit (und einer großen Mehrheit der US-Bevölkerung), die für eine atomwaffenfreie Zone in der Region ist - unter Einbeziehung des Iran, Israels und der in der Region stationierten US-Streitkräfte. Eine adäquate Überwachung wäre keineswegs unmöglich. Auf diese Weise wäre die Atomwaffengefahr in der Region zu mindern, wenn nicht gar zu bannen. Doch dies steht nicht auf der Agenda.

Viel zu leicht wird außerdem vergessen, dass die USA sich - in UN-Sicherheitsratsresolution 687 (1991) - offiziell verpflichtet haben, eine Atomwaffenfreie Zone (NWFZ) in der Region einzurichten. Amerika und Großbritannien hatten der Resolution damals besondere Bedeutung zugemessen, da sie halbherzig bestrebt waren, wenigstens eine dünne rechtliche Grundlage für den (ersten) Einmarsch in den Irak zu schaffen. Die Resolution 687 fordert die Eliminierung der irakischen Massenvernichtungswaffen und der Trägersysteme. Dies sollte ein Schritt in Richtung "des Zieles der Schaffung einer Zone im Mittleren Osten" sein, die "frei ist von Massenvernichtungswaffen und sämtlichen Raketen zu deren Abschuss" sowie des "Zieles eines globalen Verbots von chemischen Waffen" (Artikel 14 der Resolution). Da dies auch Israel einschloss, war die Sache von den USA und Großbritanniens nie ernstgemeint. Schnell verschwand sie in jener Erinnerungslücke, in der auch andere unbequeme Wahrheiten verschwinden - wenigstens solche, die dem Schicksal der "Wahrheiten" entgehen, die so lange weitererzählt werden, bis sie nicht mehr funktionieren (siehe Obamas Bemerkung am 3. Juni (oben)).

Man sollte vielleicht noch hinzufügen, dass vernünftige Leute begreifen, dass - trotz der hitzigen Rhetorik - die 'iranische Gefahr' nicht gleich 'Angriffsgefahr' heißt, denn das hieße Selbstmord. Wayne White, ein ehemaliger stellvertretender Direktor des 'Büros für Nahost und Südasien' im Geheimdienst des US-Außenministeriums (INR) schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass die Führer des Iran "einen wahnwitzigen Angriff auf Israel mit einer Atomwaffe" unternehmen, bei dem sie selbst und der Iran sofort vernichtet würden, sehr plausibel auf "so um die 1 Prozent" ein. In ebenso glaubwürdiger Weise bestätigt er, dass der israelische Angriff 1981 auf den irakischen Atomreaktor, Saddams Atomprogramm nicht beendet hat vielmehr angestoßen. White war zu dieser Zeit Geheimdienstanalyst des INR und hatte folglich Zugang zu entsprechendem Wissen.

Niemand will, dass der Iran - oder irgendein anderes Land - Atomwaffen entwickelt. Allerdings sollte man sich klarmachen, dass die Gefahr nicht davon ausgeht, dass jemand solche Waffen in einer Selbstmordmission einsetzt. Die Bedrohung steckt vielmehr in der Abschreckungsfunktion solcher Waffen - Abschreckung, um Amerika/Israel von Aktionen abzuhalten, die dazu dienen, ihren Einfluss in der Region weiter auszubauen. Um es noch einmal zu sagen: Ginge es wirklich um Besorgnis vor möglichen iranischen Atomwaffen, so gäbe es vernünftige Möglichkeiten, etwas dagegen zu unternehmen - zumal sich die USA offiziell zu diesen Wegen verpflichtet haben.

Obamas "neue Initiative" wird von John Kerry ausführlicher erläutert. Kerry war der Präsidentschaftskandidat der Demokraten im Wahlkampf 2004 und leitet heute das Foreign Relations Committee im US-Senat. Am 9. März hielt er eine wichtige Rede am Brookings Institute. Um seine Worte interpretieren zu können, müssen wir den normalen Verstand ausschalten und uns darauf einigen, dass die geschichtlichen Tatsachen völlig irrelevant sind. Nicht das bestätigte Bild der Vergangenheit und der Gegenwart sind von Bedeutung sondern ausschließlich die von ihm umrissenen Zukunftspläne.

Gestehen wir uns endlich ein, drängt uns Kerry, dass unsere ehrenhaften Versuche, eine politische Lösung herbeizuführen, gescheitert seien - vor allem, weil die arabischen Staaten nicht zum Frieden bereit seien. All unsere Bemühungen, "den Israelis einen legitimen Friedenspartner zu geben" seien an der Unbeweglichkeit der Palästinenser gescheitert. Doch heute vollziehe sich ein willkommener Wandel. Mit der Arabischen Initiative 2006 hätten die Araber endlich ihre Bereitschaft signalisiert, die Präsenz des Staates Israel in der Region zu akzeptieren. Noch vielversprechender sei, dass die "Bereitschaft unter den arabischen Nationen" mit "Israel" gegen unseren gemeinsamen Feind Iran "zusammenzuarbeiten", so "groß wie nie zuvor" sei. Der Begriff "moderat" ist hier technisch gemeint - im Sinne von "bereit, sich US-Forderungen unterzuordnen". Um was für eine Art Regime es sich handelt, spielt dabei keine Rolle. "Diese Wiederannäherung kann helfen, den Grundstock für Fortschritt in Richtung Frieden zu legen", so Kerry. Unterdessen würden wir, so Kerry, das Problem "neu konzeptionieren" und dabei den Schwerpunkt auf die Bedrohung durch den Iran legen.

Kerry fährt in seiner Rede fort, dass für unseren friedliebenden israelischen Verbündeten endlich gewisse Hoffnung auf einen "legitimen Partner" bestehe: Abbas und die Palästinenserbehörde. Und wie gehen wir vor, um Israels neuen, legitimen palästinensischen Partner zu unterstützen? "Das heißt vor allem", so Kerry, "General (Keith) Daytons bei seinen Anstrengungen zu unterstützen, palästinensische Sicherheitskräfte, die die Ordnung aufrechterhalten und den Terror bekämpfen können, zu trainieren... Die jüngsten Entwicklungen sind extrem ermutigend: Während des Einmarsches in Gaza gelang es den Palästinensischen Sicherheitskräften weitgehend, die Ruhe in der Westbank aufrechtzuerhalten, während allgemein von zivilen Unruhen ausgegangen wurde. Offensichtlich muss noch mehr getan werden, aber wir können helfen, es zu vollbringen".

Routinemäßig beschreibt Kerry den Angriff auf Gaza als völlig gerechtfertigt und richtig - schon per definitionem, schließlich waren die USA daran maßgeblich mitbeteiligt. Zwar entbehrte die Rechtfertigung jeglicher Glaubwürdigkeit, wenn wir die Prinzipien zugrundelegen, die von uns allen akzeptiert werden, aber das spielt keine Rolle, weil es sich ja um andere Leute drehte.

General Daytons Truppen werden in Jordanien - unter israelischer Aufsicht und Beteiligung - bewaffnet und ausgebildet. Sie sind die Sanften, wenn es um 'Bevölkerungskontrolle' geht. Die härteren und brutaleren Truppen werden von der CIA trainiert (Abteilung General Intelligence and Preventive Security).

Kerry hat recht, wenn er sagt, wir könnten noch mehr tun, um sicherzustellen, dass die Palästinenser in der Westbank so effektiv kontrolliert werden, dass sie nicht einmal mehr gegen ein Gemetzel wie in Gaza protestieren können - von Schritten zur Selbstbestimmung ganz zu schweigen. Für diese Aufgabe sind die USA durch ihre lange geschichtliche Praxis des Kolonialismus gut gerüstet. Entwickelt wurde diese Praxis - in exquisiter Exaktheit - während der amerikanischen Besatzung der Philippinen, nach der mörderischer Eroberung des Gebietes vor hundert Jahren. Danach kam diese Praxis auch andernorts zur Anwendung. Die raffiniert ausgeklügelte Verfeinerung der traditionellen Imperialpraxis war sehr erfolgreich - in US-Klientenstaaten, aber auch zur Bevölkerungskontrolle in der Heimat. Der Historiker Alfred McCoy (sein Buch 'Policing America's Empire', erscheint demnächst) hat darüber Bahnbrechendes geschrieben. Auch Kerry sollte sich mit diesen Techniken gut auskennen - aus seiner Zeit als Soldat in Südvietnam. Diese Maßnahmen auf Palästina zu übertragen, hieße, die dortige Bevölkerung durch kollaborierende, paramilitärische Truppen - in Zusammenarbeit mit den privilegierten Eliten - zu unterdrücken. Dadurch hätten die USA und Israel freie Hand, um Bushs "Vision" und Olmerts 'Konvergenz plus' (siehe Teil 1) voranzutreiben. Derweil kann Gaza weiter im strangulierenden Belagerungszustand gehalten werden. Gaza wäre ein Gefängnis - gelegentlich auch eine Schießbude.

Mit der neuen Initiative aus Washington, für Frieden im Mittleren Osten, wird die Hoffnung verknüpft, Israel in die "moderaten" arabischen Staaten einzubinden: Israel als Bollwerk der amerikanischen Vorherrschaft in diesen so lebenswichtigen und Energie produzierenden Regionen. Das passt gut zu Obamas generelleren Programmen für Afghanistan und Pakistan, wo die Militäroperationen eskalieren und riesige "Botschaften" - nach dem Bagdader Muster einer Stadt in der Stadt - errichtet werden. Dies zeigt, welche Absichten Obama in Wirklichkeit hat (siehe Saeed Shahs und Warren Strobels Artikel in McClatchy Newspaper vom 27. Mai).

Die amerikanische Hightech-Industrie freut sich offensichtlich über die "Neukonzeptionierung" und baut ihre engen Beziehungen zu Israel weiter aus. Ein auffälliges - gigantisches - Beispiel befindet sich derzeit im Bau. Das Unternehmen Intel will eine Revolution bei der Größe von Chips einleiten und damit neue industrielle Maßstäbe setzen. In Zukunft sollen weite Teile der Welt mit Intel-Chips aus dem israelischen Werk Kiryat Gat versorgt werden. Auch die Beziehungen zwischen der amerikanischen und der israelischen Militärindustrie sind nach wie vor sehr eng. Israel wird für die USA weiterhin eine Militärbasis an einem strategisch wichtigen Ort sein - um Waffen in vorgerückter Stellung zu positionieren und für andere Funktionen. Die Geheimdienste der USA und die israelischen Geheimdienste kooperieren seit einem halben Jahrhundert.

Dies sind nur einige der unvergleichlichen Dienste, die Israel dem US-Militär und der amerikanischen Vorherrschaft in der Welt leistet. Dadurch verschafft es sich eine gewisse Narrenfreiheit, die Befehle aus Washington zu verweigern. Allerdings bewegt sich Israel auf dünnem Eis, wenn es sein Glück zu sehr strapaziert. Das hat die Geschichte immer wieder gezeigt. Noch werden die extremistischen Torheiten der aktuellen israelischen Regierung durch einige nüchternere Elementen in Schach gehalten. So wurde beispielsweise der Vorschlag, allen (arabischen) Israelis einen Loyalitätseid abzuverlangen oder den Bürgern zu verbieten, der Nakba - der großen Katastrophe der Palästinenser (1948) -, zu gedenken, zurückgestellt. Falls Israel jedoch zu weit geht, könnte es doch noch zu jener eruptiven Konfrontation kommen, die so viele Kommentatoren derzeit - noch ziemlich grundlos - wahrnehmen.

Anmerkungen d. Übersetzerin

(2) Originaltitel: "Exterminate all the Brutes". Der von www.zmag.de in 3 Teilen übersetzte Artikel von Noam Chomsky zum israelischen Angriff auf Gaza erschien am 19. Januar 2009 und wurde am 6. Juni durch ausführliche Updates und Fußnoten ergänzt, siehe http://www.chomsky.info/articles/20090119.htm

Noam Chomsky

Noam Chomsky ist Professor für Linguistik am Massachusetts Institute of Technologie (MIT) und hat in den 60er Jahren die Vorstellungen über Sprache und Denken revolutioniert. Zugleich ist er einer der prominentesten und schärfsten Kritiker der gegenwärtigen Weltordnung und des US-Imperialismus.


Orginalartikel: Turning point?

Übersetzt von: Andrea Noll


Quelle: znet


Siehe auch:
Nachtwandler: Der Wendepunkt? Teil 1


Gegenmeinung: Krieg und Naturgas: die israelische Invasion und Gazas küstennahe Gasfelder

Adenauer-Stiftung: Nazi-Propaganda gegen Venezuela

Von Harald Neuber

Die Opposition gegen die Regierung von Präsident Hugo Chávez in Venezuela will sich zu einem Bündnis zusammenschließen. Das Bündnis mit dem Namen "Unidad Democrática" wurde auch mit Blick auf die 2010 anstehenden Wahlen der Stadträte und der Nationalversammlung ins Leben gerufen.

Der neue Versuch zur Zusammenarbeit gegen die Regierung Chávez wurde offenbar von ausländischen Organisationen befördert. In einem Tätigkeitsbericht, den Georg Eickhoff, der Büroleiter der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Caracas, Anfang Oktober vergangenen Jahren aus Versehen kurzzeitig ins Internet stellte, geht hervor, dass die christdemokratische Organisation federführend an der Vernetzung der Opposition beteiligt ist.

Die Adenauer-Stiftung unterstütze sowohl die beiden rechtsgerichteten Oppositionsparteien Primero Justicia als auch die COPEI "primär durch deren Bildungswerke", schrieb Eickhoff.

Nächstes Ziel der konservativen deutschen Parteistiftung sei es, die Zusammenarbeit der Bildungswerke dieser Parteien zu fördern. Im Hinblick auf die kommenden Wahlen müssten Anstrengungen verstärkt werden, einen "Kandidaten der Einheit im Oppositionslager" zu nominieren.

In einem weiteren Bericht Eickhoffs, der am 11. Juni in Deutsch auf der Internetseite der Stiftung veröffentlicht wurde, greift der Christdemokrat die venezolanische Regierung scharf an. Präsident Chávez habe in Raum Großcaracas mit Jaqueline Faría eine "Reichskommissarin" eingesetzt, schreibt Eickhoff, der das Amt auf diese Weise mit der Besatzung Osteuropas durch die deutschen Faschisten im Zweiten Weltkrieg vergleicht. Eickhoff weiter: "Chavistische Schlägertrupps überfielen und besetzten staatliche Einrichtungen". Zudem seien eine "Radikalisierung des Chavismus" und ein "täglicher Angriff auf Verfassung und Rechtsstaat" zu beobachten. Venezuela drohe, in "Militarismus, Kommandowirtschaft und faschistoide Alltagskultur" abzugleiten.

Auch an Präsident Chávez lässt der deutsche Christdemokrat Eickhoff, gegen den zu Hause wegen eines Finanzskandals Strafverfahren erwogen wurden, kein gutes Haar: Chávez verliere an Popularität, sei "nervös" und "agiert unglücklich". In der Öffentlichkeit werde über den Präsidenten gespottet und es würden "auch ernste Fragen über den inneren Zustand seines Regimes" gestellt. Ansonsten versinke Venezuela in einer "vollkommen ungebremsten Gewaltkriminalität", heißt es in dem Bericht vom 11. Juni.

In einem Artikel der staatlichen deutschen Bundeszentrale für politische Bildung heißt es über die Arbeit von Parteistiftungen: "Sie können Aktivitäten entfalten, die offiziellen staatlichen Institutionen (wie etwa den diplomatischen Vertretungen der Bundesrepublik) nur schwer möglich sind." In einzelnen Fällen könne das in als Einmischung in innere Angelegenheiten angesehen werden.


Quelle: amerika21.de/blog

Geopolitik: Es darf wieder für's "Vaterland" gefallen werden

Von Folker Hoffmann

Nach einem Bericht von German-Foreign-Policy.com sagt der deutsche Auslandsgeheimdienst massive Verschiebungen im globalen Mächtegefüge voraus und verlangt "eine geostrategische Debatte in Deutschland". Der befürchtet Zusammenbruch der westlichen Volkswirtschaften, dessen Ende bislang nicht abzusehen sei, könne den Aufstieg Chinas sowie den Abstieg des bisherigen globalen Vorreiters und "Schutzpatrons" Deutschlands, die USA, dramatisch beschleunigen.

Nun ja, um zu diesen Erkenntnissen zu gelangen, bräuchte man sich eigentlich nicht einen kostspieligen Geheimdienst leisten, der nun der Politik vorgibt was zu diskutieren ist und wie man künftigen Herausforderungen zu begegnen hat.

Auch globale Machtkonstellationen unterliegen Veränderungsprozessen und eigentlich sollte es Aufgabe der Politik sein, nach sinnvollen Antworten zu suchen. Leider hat die Politik ihr Primat über gesellschaftliche Entwicklungen schon längst den Primaten der Hochfinanz, des Großkapitals samt deren militärischen Ableger überlassen und sich so selbst demokratischer Gestaltungsmöglichkeiten beraubt. Demokratie, dieser viel missbrauchte Begriff, den Wirtschaftsverbände und mediale Steigbügelhalter eines drohenden neuen Faschismus bis zum Erbrechen strapazieren, sind für Apologeten des Ausbeutertums immer zu Lippenbekenntnisse verkommen, der sie sich mit Vorliebe bedienen, um die Diktatur des Kapitals schönzureden.

Die gegenwärtigen Spannungen zwischen amerikanischen und Teilen des europäischen Kapitals, sind weniger nationale Gegensätze, als unterschiedliche Interessenslagen internationaler Großkonglomerate. Die groß angekündigte Generalüberholung des Finanz-Regelwerks wird ausgehen wie das Hornberger Schießen. In dieser Frage ist sich das Kapital über alle Grenzen hinweg völlig einig. Die neoliberale "freie Marktwirtschaft" darf so wenig angetastet werden wie das Geldsystem. Gerade letzteres erlaubt es Banken, schier unfassbare Macht über die Entwicklung des Planeten auszuüben. Das sich daran nichts grundsätzlich ändern wird, das waltet die internationale Solidarität des Großkapitals.

Die Massen hingegen sorgen sich grenzüberschreitend um ihre existenziellen Einkommens- und Lebensbedingungen. Weit entfernt von den "Nöten", welche die Kapitalisten plagen. Die dürfen sich ihre Unfähigkeit mit Milliarden Steuergeldern sogar noch vergolden lassen. Auch das im so genannten "Interesse" von Massenarbeitsplätzen. Die Massen dürfen als nationale Verteidiger für die Interessen der jeweils "nationalen" Herrscherkaste auf den Schlachtfeldern in Afghanistan, Pakistan, Irak, Georgien oder wo auch immer, ihr Leben lassen. Es darf wieder für's "Vaterland" gefallen werden.

Wenn dann der oberste deutsche Schlapphut, BND-Präsident Ernst Uhrlau, von einer "Metamorphose der Geopolitik" schwadroniert, spricht er ausschließlich für die Interessen des deutschen Kapitals, nicht für die Interessen deutscher Arbeitnehmer. Uhrlau und Genossen können sowieso nur in militärischen Schablonen denken - und das nur bedingt - wenn sie von Geopolitik reden und die Ausbeutung des Planeten meinen.

Wie schädlich für Deutschland Erwägungen über "Geopolitik" bereits im letzten Jahrhundert verliefen, als es zweimal versuchte die führende Weltmachtstellung zu erobern, ist an den beiden Weltkriegen abzulesen. Die wiedererstarkte deutsche Großmannssucht, seit der Wiedervereinigung wieder hoffähig, hat noch nie etwas Gutes bewirkt. Es sei denn man verwechselt "Exportweltmeister" mit den Interessen der Menschen die in Deutschland leben.

Helmut Schmidt antwortete im August 2007 in einem Zeit-Interview auf die Frage was er so von den Geheimdiensten halte:

"Ich traue inzwischen überhaupt keinem Geheimdienst mehr. Punkt.

ZEIT: Wie sind Sie denn zu dieser Einsicht gekommen?

Schmidt: Das sind arme Schweine. Die leiden unter zwei psychischen Krankheiten: Die eine Krankheit beruht darauf, dass sie für das, was sie tatsächlich leisten, niemals öffentliche Anerkennung bekommen. Es ist unvermeidlich so, sie müssen ja im Verborgenen arbeiten. Das deformiert die Seele. Die andere Krankheit beruht darauf, dass sie tendenziell dazu neigen, zu glauben, sie verstünden die nationalen Interessen des eigenen Landes viel besser als die eigene Regierung. Diese letztere Krankheit ist der Grund dafür, dass ich ihnen nicht traue. Ich war 13 Jahre lang Mitglied einer Bundesregierung. Ein einziges Mal habe ich den Chef des BND für zehn Minuten empfangen; das war einer, den ich kannte."
Fairer, friedlicher Handel kommt im Vokabular des Kapitals nur während feierlicher Sonntagsreden vor. Im real existierenden Kapitalismus gilt weiterhin die gnadenlose Durchsetzung des Gewinnmaximierungsprinzips auf dem Rücken der Arbeitnehmerschaft. Ein korruptes Wirtschaftssystem, das die Menschen weiter ausbeutet, Leiden und gesellschaftliche Verwüstung fördert, wird mit dem Segen der Wall Street - und anderer Hochburgen des Finanzmarktes - einfach zur Tagesordnung übergehen können, damit die Profite weiter ungestört sprudeln.

Freitag, 19. Juni 2009

Die indigenen Gemeinden in Kolumbien und die Proteste von La Maria in der Provinz Cauca


Geschichte wiederholt sich

von Mario Murillo

Während ich dies hier schreibe, versammeln sich mehr als 12 000 Vertreter und Aktivisten der Indigenen und anderer sozialer/populärer Gruppen Südkolumbiens zu einem Dringlichkeitstreffen im "Territorium des Friedens und der Koexistenz" in La Maria Piendamó, in der Provinz Cauca. Sie sehen sich einer massiven Präsenz von Sicherheitskräften gegenüber, die in das Gebiet beordert wurden, um sie zu vertreiben.

Die Volksmobilisierung begann am 12. Oktober. Sie wurde gestartet, um gegen die Militarisierung der indigenen Gebiete, gegen das amerikanisch-kolumbianische Freihandelsabkommen und gegen das Versagen der Regierung von Präsident Alvaro Uribe zu protestieren, die mehrere Abkommen mit indigenen Gemeinden über Territorialangelegenheiten, Bildung und Gesundheit nicht eingehalten hat.

Am Montag blockierten die an den indigenen Protesten beteiligten Gemeinschaften - wie zu erwarten -, einen Abschnitt der Panamericana. Es handelt sich um einen Abschnitt der Transitstrecke, der die Städte Papayán und Santander de Quilichao, in der Provinz Cauca, verbindet. Es ist ein Akt des zivilen Widerstandes, der die kolumbianische Regierung zwingen soll, sich mit den Indigenen zu treffen, um über einige von deren Forderungen zu diskutieren.

Stattdessen waren in den letzten beiden Tagen ernsthafte Konfrontationen zwischen Spezialeinheiten der Polizei und den versammelten Gemeinden zu beobachten. Mehrere indigene Aktivisten wurden bei den anschließenden Zusammenstößen schwerverletzt. Eine Person wird vielleicht sterben. Diese Entwicklunge volllzieht sich nur zwei Tage, nachdem zwei Indigene der Nasa-Gemeinschaft - Nicolás Lemus und Celestino Rivera - von unbekannten Schützen ermordet wurden. Es geschah zwischen Samstagnacht und Sonntagmorgen - einige Stunden, vor dem Start der Mobilisierung. Damit steigt die Zahl der in den letzten drei Wochen in Kolumbien getöteten indigenen Aktivisten auf insgesamt 11.

Ein schmutziger Krieg, der vielen Quellen entspringt

Laut Augenzeugen handelt es sich bei den Mördern von Lemus und Rivera um Mitglieder von 'Aguilas Negras' (Schwarze Adler), einer neuen paramilitärischen Gruppierung, die in den vergangenen Monaten über ganz Kolumbien aufgetaucht ist.

Lemus war 39 Jahre alt und Bruder eines bekannten Aktivisten der Nasa-Indios. Er fuhr gerade mit seinem Auto auf der Straße von El Palo in das Indio-Reservat von Toribio, das in der Gebirgsregion von Norden Caucas liegt, seine Frau und sein Sohn waren bei ihm. Laut Augenzeugen wurde Lemus von zwei Kapuzenmännern befohlen, anzuhalten und aus dem Auto zu steigen. Vor den Augen seiner Familie erschossen sie ihn. Bevor sie den Ort ihres Angriffs verließen, schrieben sie "Águilas Negras" auf eine Scheibe von Valencia Lemus' Fahrzeug. Der amtierende Gouverneur von Cauca, Guillermo Alberto Gonzalez, bestreitet Operationen irgendwelcher paramilitärischer Gruppen in seiner Provinz.

Dennoch sieht es so aus, als entfalte sich ein "schmutziger Krieg" gegen die indigene/populäre Bewegung in Kolumbien. Er sprudelt aus vielen verschiedenen Quellen.

Am Samstag erhielt der 'Rat der Häuptlinge des Regionalen Indigenen Konzils von Cauca' (CRIC) einen Anruf aus dem Büro des Provinzgouverneurs. Man informierte den Rat, dass, Geheimdienstberichten zufolge, eine Abteilung der FARC-Guerilla - die Teófilo Forero - plane, ein Mitglied des CRIC, den bekannten Indigenenführer Feliciano Valencia, zu ermorden. Am Freitag erhielt die 'Assoziation der Indigenen Räte von Nord-Cauca' (ACIN) ein Fax von der FARC mit der Warnung, man werde eine 'Auslöschungskampagne' gegen angebliche Regierungskollaborateure in den indigenen Gebieten Toribio und Jambaló durchführen.

Dies ist kein Zufall, denn auf der einen Seite beschuldigen Regierungsoffizielle die indigene Führung immer wieder, dass sie in ihren Protesten und Mobilisierungen von der FARC-Guerilla manipuliert sei; auf der anderen Seite ist die FARC sehr schnell bereit, den Spieß umzudrehen und sogenannte "Sapos", Kollaborateure, innerhalb der indigenen Gemeinden einseitig zum Ziel zu erklären. Die (tragischen) Folgen für die indigenen Gemeinden sind dieselben. Daberi erklären diese Gemeinden seit Jahren ihre Unabhängigkeit gegenüber allen bewaffneten Akteuren dieses Konfliktes.

Am 11. August ging eine sieben Seiten lange, elektronische Droh-E-Mail einer Gruppe ein, die sich selbst "die zornigen Bauern des Cauca (CEC)" nennt. Seither wurden fünf Indigene in Narino, drei in Riosucio/Caldas und drei in Cauca ermordet. Der Häuptling des indigenen 'Cabildo' Canoas, ebenfalls in der Provinz Cauca gelegen, wurde nur durch das mutige Verhalten eines Gemeindemitgliedes gerettet, das sich weigerte, Details seines Aufenthaltortes zu verraten, als zwei Bewaffnete vor zwei Wochen nach ihm forschten.

Man sollte noch darauf hinweisen, dass sich unter den Opfern der jüngsten Welle politischer Gewalt nicht nur indigene Aktivisten befinden. Neben den oben genannten Morden, kam es zu einem Mord in Tumaco; Opfer war dort ein afro-kolumbianischer Führer. In Cauco wurden zwei nicht-indigenen Bauern-Aktivisten ermordet. Ebenfalls im vergangenen Monat fiel Olga Luz Vergara, eine Führerin der Frauenrechtsorganisation 'Ruta Pacífica de las Mujeres' in Medellín, einem Attentat zum Opfer.

Jüngste Zusammenstöße und der "Ausnahmezustand"

Bereits vor Beginn der Mobilisierung am 12. Oktober wiesen indigene Führer aus der Provinz Cauca und bzw. auf nationaler Ebene auf die Gefahr eines möglichen repressiven Backlashes der staatlichen Sicherheitskräfte und anderer bewaffneter Akteure in der Region gegen die indigene Bewegung hin.

Am Vorabend der Proteste erklärte Präsident Uribe den "Ausnahmezustand" (State of Internal Commotion). Die indigene Führung war somit nicht ohne Grund alarmiert. Doch der Präsident versicherte, die außergewöhnliche Maßnahme richte sich gegen die anschwellende Krise im kolumbianischen Justizwesen - infolge eines Streiks der Justizangestellten überall im Land seit vier Wochen, wodurch das Justizwesen eingeschränkt ist.

Laut der Verfassung von 1991 räumt der "Ausnahmezustand" dem Präsidenten das Recht ein, ohne die Kontrolle durch die Legislative zu regieren. Dadurch hat der Präsident nie dagewesene Vollmachten - vor allem im Bereich der 'Sicherheit' und der "öffentlichen Ordnung". Als Uribe den Ausnahmezustand erklärte, verwies er auf die 2600 sogenannten "Delinqenten", die aufgrund des 42-tägigen Streiks der Justizbediensteten freigelassen werden mussten. Es müsse etwas getan werden, um den Streikenden Einhalt zu gebieten und zur Lösung der Krise des kolumbischen Rechtssystems beizutragen, so Uribe. Wieder einmal wurde der "Ausnahmezustand" und Uribes zunehmend autoritär geprägte innenpolitische Vorgehensweise mit 'Sicherheit' begründet. Am Dienstag schien ein Abkommen über einen neuen Vertrag zwischen der Regierung und der Gewerkschaft der Justizbediensteten (ASONAL) in greifbarer Nähe. Die große Frage bleibt, ob der Präsident den Ausnahmezustand wieder deaktivieren wird. Viele Verfassungsrechtler kritisierten die Maßnahme als unnötig, wenn nicht gar undemokratisch.

Die Antwort auf diese Frage werden wir vermutlich erhalten, wenn wir beobachten, wie die Regierung mit der indigenen Mobilisierung in La Maria/Cauca umgehen wird - wo Helikopter und schwerbewaffnete Randalepolizei (die sogenannten ESMAD) die Gemeinden umstellen. Bei früheren ähnlichen Mobilisierungen durch die indigene Bewegung hatte die Regierung es stets abgelehnt, mit der Führung zu verhandeln, bevor die Blockade der Panamericana nicht wiederaufgehoben sei. Aber selbst wenn dies geschah, wurde mit exzessiver Gewalt gegen die Gemeinden vorgegangen - wie im November 2005 oder im Oktober 2006. Bis heute stoßen die Forderungen der Bewegung, die Regierung solle die Versprechen der Vorgängerregierungen einlösen und bestimmte Gebiete zurückerstatten, auf taube Ohren.Sie standen schon bei früheren Aktionen im Mittelpunkt.

Angesichts der sich entwickelnden Krise nahm die ACIN, gemeinsam mit anderen regionalen und nationalen indigenen Organisationen, direkten Kontakt mit dem Generalsekretär der 'Inter-American Commission of Human Rights of the Organziation of American States', Santiago Cantón, auf. Die ACIN ruft die Menschenrechtsorganisation zu einer direkten Überwachung der Situation in Cauca auf. Am Dienstag kam es noch schlimmer für die ACIN. Die Webseite der Organisation wurden deaktiviert, ein Zugang auf die Seite nicht mehr möglich. Dadurch wird es noch schwieriger, Informationen über die Mobilisierung und die darauf folgende Repression nach außen zu geben.

Die wichtigsten Punkte der indigenen/populären Proteste

Die aktuellen Proteste in Cauca sind die Fortsetzung der Kampagne 'Befreiung für Mutter Erde' durch die Bewegung. Die indigenen Gemeinden initiierten diese Kampagne im Jahre 2005. Es geht um Widerstand, es geht um die Wiedererlangung von Territorien. Die (indigene) Führung organisierte die Kampagne als Reaktion auf das Versagen der Regierung, ihren Verpflichtungen gegenüber den Opfern des Massakers vom 16. Dezember 1991 in Huellas zu erfüllen. 1991 waren in der Gemeinde Huellas 20 Indigene - darunter fünf Frauen und vier Kinder - ermordet worden, als sie zusammenkamen, um über den Kampf um ihr Recht auf Land auf dem Gelände von El Nilo zu diskutieren.

Dem Massaker von 1991 vorausgegangen waren systematische Drohungen und Einschüchterungsversuche von Bewaffneten gegen die Gemeinschaft der Nasa. Diese Bewaffneten waren Loyale von Landbesitzern, die mit den (indigenen) Gemeinden im Streit um Landrechte lagen. Eine Sonderermittlungseinheit aus dem Büro des Generalbundesanwalts, die die ersten Stufen der Ermittlungen nach dem Massaker leitete, fand Beweie, die darauf hindeuteten, dass auch Mitglieder der Nationalpolizei in die Sache - vor und während des Massakers - involviert gewesen waren.

Aufgrund dieser Ergebnisse war die kolumbianische Regierung bereit, der von dem Massaker betroffenen Gemeindschaft 15600 Hektar Land zurückzugeben. Das war im Jahr 1998. Damals wurde überall berichtet, wie Präsident Ernesto Samper sich öffentlich für die Rolle des Staates bei der Greueltat entschuldigte und versprach, die Opfer zu entschädigen. Sampers' politische Entschuldigungen stehen in krassem Widerspruch zur Haltung des jetzigen Präsidenten Alvaro Uribe. Vier Jahre später und kaum im Amt erklärte er, es existierten schlicht keine Ressourcen, um den von den von den Massakern betroffenen indigenen Gemeinden nweiteres Land zu geben. Das war 2002. Es war der Beginn einer sehr steinigen Beziehung. Uribe ist seit sechs Jahren im Amt. Während dieser Zeit vefolgte er eine Strategie der regelrechten Zurückweisung von Forderungen indigener Gemeinden. Das gilt nicht nur für die Provinz Cauca sondern für ganz Kolumbien. Er hat es sich zur Gewohnheit gemacht, ACIN, CRIC, ja selbst indigene Abgeordnete des Kolumbianischen Kongresses, zu beschuldigen, in Kriminalität und Straftaten verwickelt zu sein. Die Mobilisierung, die wir diese Woche erleben, ist Teil der kontinuierlichen Reaktion der Bewegung gegen die als unnachgiebig empfundene Haltung der Regierung gegenüber Indigenen.

Die Organisatoren der aktuellen Volksmobilisierung wissen, dass Uribe über unbegrenzte Mittel verfügt, seine Botschaft mittels seiner mächtigen PR-Maschinerie im kolumbianischen Volk zu verbreiten. Daher veröffentlichen sie seit Wochen eigene Statements, um über die Art des Protestes zu informieren. Im Kern steht ein weitreichendes Programm, das von der indigenen Bewegung gemeinsam mit anderen Sektoren des Volkes getragen wird. Dieses Programm wird im Kontext der aktuellen politischen Krise umgesetzt. Die Regierung Uribe wird darin weiter äußerst kritisch bewertet. Einstimmig betont man die Unabhängigkeit von der Guerilla und anderen bewaffneten Gruppen.

Seit Wochen führen Mitglieder des ACIN-Kommunikationsteams in ganz Nord-Cauca eine Informationskampagne durch. In Workshops, Versammlungen und Treffen im Stil von Gemeindeversammlungen redeten sie (täglich, bis zur Mobilisierung am Sonntag) in der ganzen Region direkt mit den Einwohnern - über die aktuellen Bedrohungen, denen sich die indigene Bewegung gegenübersieht.

In ihren Verlautbarungen (den sogenannten 'Barridos') und anderen Statements betont die Organisation zudem ihr "Nein zu Freihandelsabkommen, die hinter verschlossenen Türen mit den USA, Kanada und der Europäischen Union" ausgehandelt wurden, ihr Nein zu Handelsabkommen, die darauf aus seien, "uns unsere Rechte, unsere Kultur, unser Wissen und unser Territorium zu nehmen". Damit verbunden ist der vehemente Widerstand gegen viele Verfassungsänderungen und legislative Maßnahmen der heutigen Regierung, die den 85 indigenen Gemeinschaften Kolumbiens Landrechte entziehen.

Man fordert von der Regierung, eine Reihe von Abkommen, Verträgen und Konventionen einzuhalten, die sie (und ihre Vorgängerregierungen) mit den indigenen Gemeinden in den letzten 16 Jahren unterzeichnet haben. Bis heute werden dieses Übereinkommen systematisch ignoriert - auch das über das Nilo-Massaker. Zudem wird die Forderung nach einem Ende der massiven 'Militarisierung' in den Territorien erhoben. Das gilt nicht nur für die weitverbreitete Präsenz von staatlichen Sicherheitskräften in der Region, sondern auch für die FARC-Guerilla und andere paramilitärische Gruppen, die unter den Auspizien mächtiger lokaler Interessensgruppen agieren. Für CRIC und ACIN und alle übrigen indigenen Organisationen in Kolumbien gilt: Diese Organisationen wollen nur sicherstellen, dass Geschichte sich auf ihrem Territorum nicht wiederholt und das Blut ihres Volkes nicht noch einmal völlig straflos vergossen werden darf.
Das Urteil über das Massaker von Naya 2001

Was für eine Ironie. Am gleichen Tag, an dem Regierungstruppen indigene Demonstranten, die u.a. für eine Entschädigung für das Massaker an 20 Mitgliedern der Nasa-Gemeinschaft im Jahre 1991 eintreten, direkt konfrontierten, fällte der Oberste Kolumbianische Gerichtshof ein Urteil, das die Regierung zur Entschädigung ($3 Millionen) für ein anderes Massaker verpflichtet. Die Entschädigung soll an 82 Familienangehörige von (mindestens) 40 indigenen Kolumbianern gehen, die 2001 in Naya/Cauca von Paramilitärs ermordet wurden.

In einem bahnbrechenden Urteil entschied der Staatsgerichtshof am Dienstag, der kolumbianische Staat habe es versäumt, das Eindringen paramilitärischer Gruppen zu verhindern; was in Naya zum Mord an mindestens 40 Menschen geführt hatte (in einigen Berichten ist von eher 100 die Rede) sowie zur Vertreibung von 3000 Menschen zehn Jahre später. Es war wie im Falle des Angriffs in Huellas, 1991, als sich die Regierung auch zum Komplizen machte. Um die Zeit des Massakers von Naya herum war die Regierung von Andres Pastrana wiederholt durch die inter-amerikanische Kommission für Menschenrechte gewarnt worden, möglicherweise stünde ein Eindringen von Paramilitärs in die Region bevor. Die Regierung ignorierte diese Warnungen.

Bei dem berüchtigten Angriff 2001 in Naya ermordeten 500 Männer des 'Calima Bloc', einer Einheit der paramilitärischen Organisation AUC, eine Anzahl Menschen aus mehreren Dörfern der Region-Naya in West-Cauca mit Kettensägen. Es handelt sich um denselben 'Calima Bloc', dessen Gründer, der heute inhaftierte Paramilitär-Kommandant Ever Veloza, alias H.H., sich inzwischen verantwortlich erklärt, die Gouverneurswahlen in Cauca manipuliert zu haben, bei denen 2003 der Uribe-Verbündete und anti-indigene Politiker Juan Jose Chaux an die Macht kam. Chaux trat kürzlich von seinem Amt als Uribes Botschafter in der Dominikanischen Republik zurück, weil bekannt wurde, dass er in Cauca enge Beziehungen zu paramilitärischen Gruppen unterhalten hatte.

Als Gouverneur von Cauca hatte sich Chaux damals zurecht den Ruf verdient, einer der rassistischsten und indiofeindlichsten Politiker Kolumbiens zu sein. Regelmäßig vergriff er sich in der Wortwahl, wenn er die indogene Bewegung und deren Führung beschrieb. Die gleiche Sprache findet sich übrigens in den Droh-E-Mails vom 11. August 2008, die an den ACIN und CRIC gesendet wurden (siehe oben). Die Geschehnisse seither beweisen, dass diese Sprache nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist.

Auch die Tausenden von Demonstranten, die sich in La Maria schwerbewaffneten Regierungstruppen gegenübersehen, haben das sehr wohl begriffen.

Mario A. Murillo ist Dozent für Kommunikation an der Hofstra University in New York. Er ist Autor des Buches: "Colombia and the United States: War, Unrest and Destabilization'. Er hält sich derzeit in Kolumbien auf, wo er die Arbeiten zu seinem neuen Buch, über die indigene Bewegung und deren Benutzung kommunikativer Medien, abschließt.

(Bogotá/Kolumbien, den 14. Oktober 2008)

Mario Murillo

Mario A. Murillo ist Dozent fur Kommunikation an der Hofstra University in New York und Autor von "Colombia and the United States, War, Unrest und Destabilization". Er arbeitet zur Zeit in Kolumbien an einem neuen Buch über die indigene Bewegung und deren Einsatz von Kommunikationsmedien.


Übersetzt von: Andrea Noll


Quelle: znet

Mordauftrag

Eskalation im Afghanistan-Krieg

Von Arnold Schölzel

Unter dem Titel »Sie müssen töten« veröffentlichte die Financial Times Deutschland (FTD) am Donnerstag eine Reportage über den Besuch des Bundestags-Wehrbeauftragten Reinhold Robbe (SPD) bei Militäreinheiten in Afghanistan. Der habe erlebt, »worüber zu Hause in Deutschland kaum gesprochen« werde: »Es gibt jetzt massiv Tote auf der anderen Seite. (…) Unsere Leute bekommen mit, daß sie getötet haben.« Im gleichen Artikel spricht der Chef der in Nord-Afghanistan stationierten schnellen Eingreiftruppe vom Stolz der Soldaten, »die gestellten Aufträge professionell erfüllt zu haben«. Einen seiner Offiziere stelle er so vor: »Der erste Oberleutnant, der nach 1945 eine Infanteriekompanie im Angriff geführt hat.« Das sind neue Propagandatöne, und sie erklingen nicht immer verhalten. Das Zentralorgan für moralische Aufrüstung deutsch-weißer Kolonialsöldner, Bild, posaunte vor einer Woche die »Wahrheit über Afghanistan« so aus: »Immer häufiger geht die Bundeswehr offensiv gegen die Taliban vor. Wenn unsere Soldaten fallen, fallen sie für Deutschland und die NATO. Wenn sie töten, töten sie in unserem Namen.«

Die Eskalation auf dem Kriegsschauplatz geht einher mit verbaler Eskalation bis zum chauvinistischen Dreck. Immerhin: Das »in unserem Namen« ist nicht nur Vereinnahmung in eine Volksgemeinschaft, deren Schießwut derzeit »demokratisch legitimiert« sein soll. Richtig ist: Die Rechnung für Angriffskrieg und Besatzung wird stets einem Staat, einer Nation präsentiert. Diese Lektion symbolisiert das Datum 8. Mai 1945. Bei den hiesigen Profiteuren des Zweiten Weltkrieges bewirkte es stets nur neue Beutegelüste. Berechtigt, denn die Sklavenhalter der Großindustrie, die Arisierer in den Banken, das schwarze Korps an Presseschreibtischen, in Film, Rundfunk, Justiz, Geheimdiensten und Staatsapparat, die Krupp, Flick, Schickedanz, Schaeffler, Quandt und andere gerade wieder notleidenden Milliardäre haben stets verdient. Wer sich über heutige Kriegsgeilheit in Medien und der Mehrheit des Bundestages wundert, sollte sich erinnern: Es gab jede Menge (Bundes-)Deutscher, denen Zerstörung und Verbrechen eine Wirtschaftswunderkur bedeuteten. Das Bezahlen überließen sie der DDR-Bevölkerung bis hin zur Treuhand nach 1990 und den »zivilisiert« Ausgebeuteten im Westen.

Die immer noch breite Ablehnung von Kriegen besagt aber: Das ist im Gedächtnis, wenn auch schwach. Im Bereich des Grundgesetzes, war jetzt auch von freundlichen Menschen zu hören, habe man 60 Jahre in »Frieden und Demokratie« gelebt. Die deutschen Bomben auf Jugoslawien 1999 sind verdrängt wie die sonstige bundesdeutsche Teilhabe an allen größeren Kriegen seit 1949 – wie auch die Nicht-Teilhabe der DDR.

Nun sind wieder Bekenntnisse zum Mordauftrag gefordert. Der FTD-Bericht endet mit der Mitteilung, daß das Verteidigungsministerium bereits »Tapferkeitsmedaillen« prägen ließ: »Die ersten sollen in Kürze verliehen werden. Erstmals seit 1945.«

Quelle: junge Welt

Donnerstag, 18. Juni 2009

Der Tyrannei des Dollars entkommen

PetroCaribe-Gipfel stärkt regionale Einheit

Von Ingo Niebel

Basseterre/Saint Kitts and Nevis. Auf dem VI.PetroCaribe-Gipfel beschlossen die Vertreter der achtzehn Mitgliedsstaaten am vergangenen Freitag (12.6.2009) die Zusammenarbeit im Energiebereich, die Suche nach alternativen Energiequellen und den Austausch von benötigten Lebensmitteln zu vertiefen. Das Treffen fand in der Hauptstadt Basseterre der föderalen Inselgruppe Saint Kitts and Nevis statt. Diese gehört zu den Kleinen Antillen.

Im Mittelpunkt des Treffens stand die Diskussion über neue Energieabkommen, die Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise und die Erforschung alternativer Energiequellen. Venezuelas Präsident Hugo Chávez berichtete den Anwesenden von den Gesprächen, die er mit seinen Amtskollegen in Honduras und Nicaragua geführt habe, um dort gegebenenfalls Energie aus geothermischen Quellen zu gewinnen. Darüber hinaus schlug der Comandante der Bolivarianischen Revolution vor, die geographischen Eigenschaften der Karibik zu nutzen, um Wind- und Sonnenkraft für die Stromgewinnung einzusetzen.

Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt war der Ausbau der gegenseitigen Versorgung mit Lebensmitteln. Die meisten Karibikstaaten leiden unter Nahrungsmittelknappheit. Grundnahrungsmittel müssen vielfach gegen teure Devisen importiert werden. In diesem Zusammenhang erinnerte Chávez erneut an die Notwendigkeit, eine eigene südamerikanische Einheitswährung einzuführen, um "der Tyrannei des Dollars" zu entkommen. Der Venezolaner verwies darauf, dass die Mitgliedsstaaten der Bolivarianischen Alternative der Amerikas (ALBA) in diesem Jahr ein entsprechendes Politprojekt starten werden. Dabei geht es um den Aufbau eines regionalen Kompensationssystems, das den US-Dollar überflüssig machen soll.

Abschliessend kamen die Petrocaribe-Staaten überein, dass sie bei der nächsten UN-Vollversammlung ihren Zusammenschluss als ein erfolgreiches Beispiel für die Süd-Süd-Kooperation präsentieren werden. Der Premierminister des Gipfelgastlandes, Denzil Douglas, sagte über die Bedeutung des Verbundes für seinen Inselstaat: "Petrocaribe wird helfen, neue wirtschaftliche Verbindungen aufzubauen, um die Tourismusindustrie (die Haupteinnahmequelle des Landes) zu stärken, ebenso wie die Bildung und den Ausbau der Agrarindustrie". Das PetroCaribe- und ALBA-Mitglied Dominica ist einen Schritt weiter: Auf der Karibikinsel weihte Chávez nach dem Gipfel eine staatseigene Fabrik zur Lagerung und zum Vertrieb von 35000 Barrel Kraftstoffen und Haushaltsgas ein. Das Projekt war vor zwei Jahren beschlossen worden. "Jetzt seid ihr nicht mehr von internationalen Unternehmen abhängig, die Öl in Venezuela kauften und dann hierhin kamen, um es zum doppelten und dreifachen Preis zu verkaufen", sagte Chávez.

Petrocaribe entstand am 29. Juni 2005 mit zunächst vierzehn Mitgliedsstaaten. Zur Zeit berät die Gruppe über die Aufnahme weitere Beitrittskandidaten. Der Verbund geht auf eine Initiative des Öllandes Venezuela und dessen Präsidenten zurück. Die Bolivarianische Republik verkauft den Petrocaribe-Ländern Öl zu Vorzugspreisen.

Venezuelas Ölminister Rafael Ramírez berichtete auf dem Gipfel, dass PetroCaribe den Mitgliedern geholfen habe, 1,4 Milliarden US-Dollar zu sparen. Zwischen 2005 und 2008 sei die Ölversorgung von 59000 Barrel pro Tag auf 118000 Fässer gestiegen. Elf PetroCaribe-Staaten investierten mittels der ALBA-Caribe-Bank 222 Millionen US-Dollar in 84 soziale Entwicklungsprojekte. Als Beispiel nannte Ramírez den Austausch von herkömmlichen Glühbirnen gegen zehn Millionen Energiesparlampen auf Dominica. In Nicaragua wurden 1,8 Millionen Leuchtmittel ausgewechselt und somit die Stromrechnungen und der Energiebedarf gesenkt. Chávez äußerte sich optimistisch über die Zukunft von PetroCaribe, die zeige, dass sich die Region in einer Epoche des Wechsels befindet.

Interne Verweise

Quelle: amerika21.de

SEATTLE UND DARÜBER HINAUS. DIE ENTWAFFNUNG DER NEUEN WELTORDNUNG

Von Michel Chossudovsky

BEI DER VORBEREITUNG DES JAHRTAUSEND-TREFFENS von Seattle [Seattle Millenium meeting] hat Washington, in Beratungen mit Brüssel und der WTO in Genf, beschlossen die sozialen Bewegungen und die BürgerInnengruppen - die sich aus aller Welt in Seattle zusammengefunden haben - zu schwächen und zu teilen. Währenddessen sind die örtlichen OrganisatorInnen damit beschäftigt - in Zusammenarbeit mit dem FBI [ Bundeskriminalamt der USA] und dem Polizei-Departement von Seattle - sorgfältig die Sicherheitsvorkehrungen für den öffentlichen Veranstaltungsort zu planen. Ein großer Polizeiapparat wurde in Bewegung gesetzt.

Spezialeinheiten des FBI, der CIA [ Abwehrdienst der USA] und anderer Bundesbehörden werden vor Ort sein. "UnruhestifterInnen" sollen im Zaume gehalten werden und gut ausgerüstete Polizeikräfte -einschließlich Anti - Terror - Gruppen und taktischen Polizeispezialeinheiten, die die "mehr militärische Komponente" des Polizei-Apparates ausmachen - sind dafür vorgesehen. 1

Alles wurde organisiert um den BürgerInnen-Gipfel räumlich von der Konferenz fernzuhalten. Wie bei vorherigen Gegen-Gipfeln (Rio de Janeiro, Madrid, Kopenhagen, Peking, etc.) ist vorgesehen, daß die zahllosen Protestveranstaltungen, teach-ins und Demonstrationen nicht die Rechtmäßigkeit der offiziellen Veranstaltung in Frage stellen oder bedrohen. In Seattle bedarf es, zum Abhalten von Parallel - Veranstaltungen durch die NROs [N-icht-R-egierungs-O-rganisationen], einer förmlichen "Akkreditierung" [ "Beglaubigung"] durch das Seattle - Gastgeber - Komitee, das unter dem Vorsitz von Microsofts Bill Gates und Philip Condit von The Boeing Company steht.

Bereits vor einigen Monaten haben die WTO und die westlichen Regierungen zu einem "Dialog" mit ausgewählten bürgerlichen Organisationen aufgerufen, um die Tagesordnung für die Millennium-Runde zu beraten. "Partner-NROs", insbesondere solche "denen wir trauen können" , wurden versorgt mit Geldern für Reisekosten und zur Organisation ihrer jeweiligen "teach-ins" in Seattle. Schon letztes Jahr verlautbarte die WTO einen Plan bezüglich der "laufenden Zusammenarbeit mit Partner-NROs" und betonte hierbei, "daß die WTO anerkennt, welche Rolle die NROs spielen können, um ein wachsendes Bewußtsein der Öffentlichkeit in Bezug auf die Aktivitäten der WTO zu fördern" . 2

Dem entsprechend hat die Europäische Kommission ihr "Engagement für Transparenz und Offenheit beim Entwickeln der Handelspolitik" unterstrichen. 3

Sorgfältig ausgewählte "Partner-NROs" wurden eingeladen, um an vorbereitenden "themenspezifischen" Veranstaltungen teilzunehmen. Die Europäische Kommission veranstaltete mehrere Beratungen mit ausgewählten Verbraucher-, Arbeits-, Umwelt- und Entwicklungsorganisationen mit der Zielrichtung "die Transparenz der WTO-Treffen" zu verbessern . Diese beinhaltet den öffentlichen Zugang zu WTO-Dokumenten und die Einrichtung eines WTO "Ombudsmannes für Information". 4

In den Worten des (früheren) Kommissars für Europäischen Handel Sir Leon Brittan:

"Ein Jahrtausend Treffen bezüglich Handelsabsprachen sollte nicht nur den Geschäften dienen. Wir können und sollten auch Vorteile für die Verbraucher und die Umwelt erreichen. Die Kommission hat heute einen Dialog großer Bandbreite mit NROs eröffnet, da sie glaubt, daß Transparenz und Öffentlichkeit sehr wichtig sind, wenn die Möglichkeiten des neuen Treffens zur Gänze genutzt werden sollen. NROs sind hier bedeutsame Partner um die Verhandlungen vorzubereiten, die vor uns liegen". 5

DER GEGEN-GIPFEL

Die versteckte Absicht [ hidden agenda] ist es, einen "politisch-korrekten" BürgerInnen-Gipfel einzurichten, kontrolliert und finanziert durch offzielle SpenderInnen und Forschungsstiftungen, hauptsächlich um sicher zu stellen, daß die verschiedenen Protestaktionen und die Demonstrationen in den Straßen von Seattle mit dem vorherrschenden "Gegen-Diskurs" gleichgeschaltet werden. Dieser besteht in den Forderungen nach einer Einbindung von Umwelt-, Arbeits- und Menschrechtsklauseln, "Armutsvermeidungs"- Programmen, als auch "institutionellen Reformen" ohne sich der zentralen Rolle der Handelsliberalisierung ( Befreiung von Handelsbeschränkungen) zu widersetzen.

Die Partner in den Nicht-Regierungs-Organisationen haben sich diesbezüglich schon bereit erklärt, die "Rechtlichkeit" bzw. Berechtigung der WTO als Einrichtung nicht in Frage zu stellen. Ausgewählte NRO-VertreterInnen sind eingeladen worden sich in einem angenehmen Umfeld unter die BotschafterInnen, HandelsministerInnen und die Großindustriellen der Wall Street auf den vielen offiziellen Veranstaltungen (inklusive zahlloser Cocktail-Parties und Empfänge) zu mischen. Als Gegenleistung wird einen Tag bevor die MinisterInnen-Konferenz beginnt, für ausgewählte NRO-VertreterInnen, ein (offizielles) "von der WTO ausgerichtetes NRO-Symposium" abgehalten. Dort wird es sorgfältig ausgearbeitete Eröffnungsreden durch den WTO Generaldirektor Mike Moore und die US-Handelsministerin Charlene Barshevsky geben.

Anders ausgedrückt besteht die Masche in Seattle (unterstützt durch eine großzügige Öffentlichkeits - Werbekampagne) darin, sorgfältig eine internationale Massenbewegung zu zerstreuen, die sich gegen die WTO und einflußreiche Unternehmensverbände richtet, welche sich diskret im Hintergrund halten. "Kritik ja, das ist demokratisch", aber das "System des Freien Marktes" muß bestehen bleiben. Die Rechtmäßigkeit der Einrichtungen - einschließlich der in Genf und Washington ansässigen Bürokratien - darf nicht hinterfragt werden... Im Gegenzug akzeptiert die offizielle Konferenz eine teilweise Aufnahme der Vorstellungen der "beglaubigten" Arbeits-, Umwelts- und Bürgerrechtsorganisationen in den Hauptbeschlüssen, mit dem Ausblick der WTO ein stark benötigtes "menschliches Gesicht" zu verleihen.

Das Jahrtausend-Treffen gibt außerdem vor, den mittlerweile zur Gewohnheit gewordenen parallelen "BürgerInnen-Gipfel" einzubinden, der nun einen nicht wegzudenkenden Bestandteil der erfolgreichen Weltveranstaltungen ausmacht. Mit fast jährlicher Wiederholung hat der BürgerInnen-Gipfel, seit der Umweltkonferenz 1992 in Rio, ein Forum zur kritischen Debatte geboten und wurde über die Jahre zum "Ritual der Meinungsverschiedenheit", das den offizellen Teil des Gipfels größtenteils unberührt gelassen hat.

So wurde z.B. im Juni 1999, durch Beratungen mit den organisierenden Gastgebern des offizellen Gipfels, die Parallel-Veranstaltung P7 zum G7-Treffen in Köln zusammengestellt und großzügig finanziert durch die Heinrich Böll Stiftung, einem Arm der Partei der Grünen, die wiederum kontrolliert wird durch den Außenminister Joschka Fischer. Die Struktur der Kölner P7-Veranstaltung befaßte sich vorrangig mit der vernachlässigten Erörterung strittiger Themen, einschließlich der "Bombadierung Jugoslawiens aus humanitären Gründen".Währenddessen hatten sich mehr als 20.000 Menschen aus allen Teilen Europas, in den Straßen Kölns unter dem Dach der Jubiläumskampagne, versammelt. Ihre Petition zur bedingungslosen Aufgabe sämtlicher Schuldforderungen gegenüber der Dritten Welt war von mehr als 17 Millionen Menschen unterschrieben worden. Die Regierungschefs der Welt zollten der Jubiläumsinitiative respektvoll Tribut und antworteten mit leeren rhetorischen Zustimmungen zur Schuldverringerung der ärmsten Länder der Welt. Der grundlegende Vorschlag der Kampagne wurde beiläufig abgewiesen.

Viele der "akkreditierten" ["beglaubigten"] NROs vertreten in Seattle bestimmte Interessen (z.B. Umwelt, Arbeit, Menschenrechte, Frauen-Organisationen, etc.) und werden unterschiedliche Forderungen vortragen. Es gibt Beweise, daß mehrere der Schlüssel-NROs von westlichen Geheimdienstorganisationen infiltriert wurden. Der Gegengipfel soll aufgesplittert werden in ein "Mosaik" von getrennten Veranstaltungen, die sich auf unterschiedliche und besondere politische Themen konzentrieren. Die heimliche Absicht [hidden agenda] besteht darin, jeder dieser getrennten Veranstaltungen zu ermöglichen "ihre eigene Sache zu machen" und dabei den Schein einer "Beteiligung von unten" zu wahren: Das Ziel der Organisatoren von Seattle ist, die Wahrheit zu verschleiern, die Entwicklung einer Massenbewegung zu verhindern, echte Demokratie zu unterdrücken und die Autorität der Einrichtungen der Neuen Weltordnung aufrecht zu erhalten.

Die AFL-CIO [American Federation of Labor-Congress of Industrial Organizations/ US-amerikanische Gewerkschaftsorganisation] hat - unterstützt durch die Vorsitzenden der Handelsgewerkschaften aus aller Welt - die WTO aufgefordert " Mindeststandards für Arbeit ... im Globalen Markt durchzusetzen". Washingtons Forderungen nachkommend ist das Zauberwort [Buzz-Word] der ArbeiterInnenbewegungen "die globale Ökonomie für die arbeitenden Familien arbeiten zu lassen ". 6 Eine sorgfältig ausgearbeitete Eingabe drängt die Ministerial-Konferenz dazu, "die Handels- und Investitionsregeln, (die) die ArbeiterInnenrechte und die Umwelt schützen" zu übernehmen. 7 Die Rechtmäßigkeit der WTO und der US-Handelspolitik steht nicht zur Debatte. Die AFL-CIO wurde im Gegenzug beauftragt eine Demonstration zu organisieren, die dem Vorhaben dient von der internationalen Protestbewegung auf den Straßen Seattles abzulenken...

Die große Spaltung wird es in Seattle zwischen denen geben, die der Neuen Weltordnung generell zurückhaltend gegenüber stehen, und den "Partner" -Bürgerrechtsorganisationen, die zwar "fortschrittlich" erscheinen, aber letztendlich Kreaturen des Systems sind. Häufig werden sie finanziell von ihren jeweiligen Regierungen unterstützt. Sie sind ein Teil der politisch korrekten "Opposition" die als "Sprachrohr für die Bürgerrechte" agieren. Aber wen vertreten sie? Viele der "Partner-NROs" sind Lobby-Gruppen, die oft mit BürokratInnen und PolitikerInnen zu tun haben. Sie haben wenig Kontakt zu den Wurzeln der sozialen Bewegungen und den BürgerInnenorganisationen. Stattdessen dienen sie dazu von den Vor- und Darstellungen der "wirklichen" sozialen Bewegungen gegen die Neue-Weltordnung abzulenken.

Dies bedeutet nicht, daß ein "Dialog" mit der WTO und den Regierungen von vornherein als Mittel der Verhandlungen ausgeschlossen werden sollte. Im Gegenteil, "Lobbyarbeit" muß, in einer engen Verbindung mit den dafür gegründeten sozialen Bewegungen, energisch angewandt werden. Die zugrundeliegenden Ergebnisse und Informationen dieser Verhandlungen müssen gebündelt werden unter der Berücksichtigung, die Graswurzelaktionen zu stärken. Anders ausgedrückt, wir sollten nicht zulassen, dass, vereinzelt und geheim, Lobbyarbeit durch von den Regierungen und der WTO "handverlesene" Organisationen betrieben wird.

EIN MORATORIUM ZU DEN LIBERALISIERUNGSVERHANDLUNGEN

Über 1200 Gruppen und Organisationen aus mehr als 85 Ländern haben ein "Moratorium" [einen vertraglich vereinbarten Aufschub] zur weiteren Liberalisierung unter der Schirmherrschaft der WTO-gefordert. Außerdem soll ein "Audit" [Rechnungsprüfung] über die Einflüße der Globalisierung abgehalten werden. Ihre übereinstimmende Stellungnahme ("Stellungnahme von Mitgliedern der Internationalen BürgerInnen Gesellschaft gegen die Millennium-Runde"):

"wendet sich gegen weitere Liberalisierungsverhandlungen, besonders gegen solche, die neue Bereiche unter das WTO - Regime stellen, wie zum Beispiel Investitionen, Wettbewerbspolitik und Anschaffungen durch Regierungen. Wir verpflichten uns gegen Vorschläge dieser Art unseren Widerstand zu setzen. Wir lehnen ebenso die Vereinbarung zu handelsbezogenen Aspekten der geistigen Besitzrechte [TRIPS-Trade-Related Aspects of Intellectuall Property Rights] ab. Wir fordern ein Moratorium bezüglich jeglicher neuer Themen und weiterer Verhandlungen die den Einfluß und die Macht der WTO ausbauen. Während dieses Moratoriums sollte ein umfassender und tiefgreifender Rückblick und eine Abschätzung der bestehenden Abkommen vorgenommen werden. Wirksame Schritte zur Veränderung dieser Abkommen sollten unternommen werden. Ein solcher Rückblick muß sich befassen mit dem Einfluß der WTO auf an den Rand gedrängte Gemeinschaften, Entwicklung, Demokratie, Umwelt, Gesundheit, Menschenrechte, Arbeitsrechte und die Rechte von Frauen und Kindern. Er muß vorgenommen werden unter voller Teilnahme der BürgerInnen."

Die Stellungnahme begründet einen wichtigen Schritt dahingehend die offizielle Tagesordnung herauszufordern. Sie beruht auf einer sorgfältig ausgearbeiteten Übereinstimmung einer großen Zahl von individuellen Organisationen.

UNRECHTMÄSSIGKEIT DER WTO

Jedoch vernachlässigt diese wichtige Stellungnahme nach der Forderung eines "Moratoriums" hinsichtlich weiterer Liberalisierungsverhandlungen, die Rechtmäßigkeit der WTO als Einrichtung in Frage zu stellen. Und genau dieses Thema hätte ausdrücklich in die Stellungnahme eingebunden werden müssen.

Die Marrakesch Vereinbarung von 1994 legt eine offenkundige Verletzung von fundamentalen sozialen, ökonomischen und kulturellen Rechten fest. Die Ansprüche in Seattle sind grundlegend und können mit einer Kompromißstellungnahme, die schweigend die Rechtmäßigkeit der WTO als Einrichtung akzeptiert, nicht ausgedrückt werden. Die WTO wurde eingerichtet nachdem BürokratInnen hinter verschlossenen Türen eine "technische Vereinbarung" getroffen hatten. 1994 wurden in Marrakesch sogar die LeiterInnen der Länderdelegationen bezüglich der Satzung der Welthandelsorganisation nicht informiert, die von TechnokratInnen in getrennten und nichtöffentlichen Sitzungen ausgearbeitet wurden.

"Die Schlussakte [Final Act = der letztendliche Beschluß], über die Ergebnisse der Uruguay Runde der multilateralen Handelsvereinbarungen", wurde von den MinisterInnen in Marrakesch am 15. April 1994 unterschrieben. Die Schlussakte ist eine "technische Vereinbarung", die die WTO als Welteinrichtung begründet. "Das WTO-Netzwerk sichert ein "einheitliches Vorgehen" gemäss den Ergebnissen der Uruguay Runde - und somit bringt die Mitgliedschaft in der WTO mit sich, daß die Ergebnisse der Runde ohne Ausnahme akzeptiert werden."

Nach dem Treffen in Marrakesch wurde die 550 Seiten starke Vereinbarung (inklusive ihrer zahllosen Anhänge) entweder schnell und automatisch genehmigt, oder gar nie durch die nationalen Parlamente formell abgesegnet. Die Artikel dieser "technischen Vereinbarung" der WTO gingen nach und nach in internationales Gesetz über. Oder, um es anders auszudrücken, die vierundneunziger Marrakesch Vereinbarung, die die WTO als multilaterale Einrichtung eingesetzt hat, vermeidet den demokratischen Prozess in jedem ihrer Mitgliedsstaaten. Nationale Gesetzgebung und Verfassungen werden offensichtlich mißachtet, während weitreichende Macht an globale Banken und multinationale Gesellschaften abgetreten wird.

Diese Mächte sind tatsächlich in die Artikel der WTO-Vereinbarung eingebettet worden.

In anderen Worten, der Prozess der eigentlichen Schaffung der WTO, der dem letzten Beschluß der Uruguay Runde folgt, ist offensichtlich "illegal". In Genf ist eine "totalitäre" regierungsübergreifende Einrichtung installiert worden, ermächtigt durch internationales Gesetz mit dem Mandat die Ökonomie und die Sozialpolitiken von Ländern "anzupassen", und souveräne Rechte der nationalen Regierungen zu mißachten.

Ebenfalls wurden die Autorität und die Aktivitäten der verschiedenen Behörden der Vereinten Nationen einschließlich der UNCTAD [UN-Konferenz für Handel und Entwicklung / United Nations Conference on Trade and Development] und der ILO [Internationale Arbeitsorganisation / International Labour Organisation] "mit einem Federstrich" nahezu aufgehoben.

Mehr noch, die Artikel der WTO widersprechen nicht nur den bestehenden nationalen und internationalen Gesetzen, sie stehen auch im Widerspruch zur "Universellen Erklärung der Menschenrechte". Die WTO als rechtmäßige Organsiation zu akzeptieren läuft somit auf ein "unbeschränktes Moratorium" oder eine Aufhebung der Universellen Erklärung der Menschenrechte hinaus.

Obendrein, abgesehen von der klaren Verletztung internationalen Rechts, verleihen die WTO-Regeln Handelsweisen Rechtmäßigkeit, die an Kriminalität grenzen, einschließlich "geistigen Raubrittertums" durch Multinationale Konzerne, die Mißachtung der Rechte der PflanzenanbauerInnen, die genetische Manipulation der Giganten der Biotechnologie, und nicht zuletzt die Patentierung von Lebensformen (wie z.B. Pflanzen, Tiere, Mikroorganismen, genetischen Materials und menschlichen Lebensformen) unter der TRIPS [s.o.] Vereinbarung.

Im Bereich der finanziellen Dienstleistungen, verleihen die GATS - Bestimmungen [General Agreement on Trade in Services / Vereinbarung über Handel und Dienstleistung] großangelegten finanziellen und spekultativen Manipulationen, die sich gegen die Entwicklungsländer richten, Rechtmäßigkeit. Sie sind gleichfalls förderlich um die monetäre Politik dieser Länder zu be-, resp. verhindern.

Und das WTO-Verfahren um Streitfälle beizulegen, behauptet weiter die Rechtlichkeit dieser unterschiedlichsten manipulativen Vorgänge ...

DIE BILANZ DER ÖKONOMISCHEN UND SOZIALEN ZERSTÖRUNG

Wie weitreichend dokumentiert, durchläuft die Menschheit in der Zeit nach dem Kalten Krieg eine ökonomische und soziale Krise beispiellosen Ausmaßes, die zu wachsender Armut bei einer großen Anzahl der Weltbevölkerung führt. Nationalökonomien fallen in sich zusammen, Arbeitslosigkeit grassiert; Banken der Wall Street "übernehmen Länder", eines nach dem anderen; regionale Kriege brechen entlang strategisch wichtiger Gas- oder Öl-Pipelines aus, und hinter den unterschiedlichsten "Aufständen" finden sich oft mächtige Interessengruppen, die zufälligerweise auch lobbyistisch für eine Handelsreform tätig sind ... In den meisten Ländern ist der Lebensstandard zusammengebrochen...

Diese weltweite Krise des späten zwanzigsten Jahrhunderts ist verheerender als die Große Depression in den dreißiger Jahren. Sie hat weitreichende geo-politische Auswirkungen; ökonomische Verschiebungen sind auch begleitet von Ausbrüchen regionaler Konflikte, die nationalen Gesellschaften werden brüchig und in einigen Fällen kommt es zur Zerstörung ganzer Länder. Diese Krise ist nicht im Geringsten begrenzt auf die Entwicklungsländer. In Europa und Nordamerika wird der Sozialstaat abgebaut, Schulen und Krankenhäuser werden geschlossen um die gänzliche Privatisierung der Sozialdienste zur fördern. Diese Krise ist mit Abstand die ernsthafteste ökonomische Krise in der modernen Geschichte.

In einer großen Anzahl der Entwicklungsländer befinden sich die Dienstleistungsbetriebe und die Banken bereits in den Händen von fremdem Kapital, die Landwirtschaft wurde vernichtet als Ergebnis der Billigpreise die aus den Überschüßen des EU- und US-Getreides entstanden.

Genetisch veränderte Samen werden u.a. von Cargill und Montsante produziert, gemeinsam mit sorgfältig entwickelten Landwirtschaftsproduktionsmitteln die von den selben Agrokonzern-Konglomeraten hergestellt, und den BäuerInnen in der ganzen Welt aufgezwungen werden. Dies führte häufig zu Massenarmut und einer Zersplitterung der ländlichen Ökonomien, nicht zu vergessen ist hierbei die Verseuchung der Nahrungskette und die Mißachtung der Rechte der VerbraucherInnen weltweit.

Das Interesse der internationalen Agrokonzerne ist hierbei, die traditionelle Familienfarm in den Bankrott zu treiben. Dieser Prozeß ist nicht nur auf die Entwicklungsländer begrenzt: bis zu 30 Prozent der GetreidefarmerInnen im westlichen Kanada stehen am Rande des Bankrott. Dies ist insbesondere ein Ergebnis der Durchsetzung der Bestimmungen der WTO zu den finanziellen Unterstützung der Farmen durch die kanadische Regierung. Wenn dies in West-Kanada passiert, das als der Welt größte "Kornkammer" gilt, wie wird dann erst das Schicksal der FarmerInnen in anderen Regionen der Welt sein?

CHINAS EINTRITT IN DIE WTO

Die Bedingungen für Chinas Eintritt in die WTO, die in bilateralen (doppelseitigen) Verhandlungen mit den USA wenige Wochen vor der Konferenz in Seattle beschlossen wurden, verursachen Chaos in einem Land mit mehr als einer Milliarde BürgerInnen. Chinas Agrikultur wird zerstört werden; eine verheerende Welle von Konkursen der staatlichen Unternehmen wird zu Massenarbeitslosigkeit führen. Die Bestimmungen westliche Banken wie nationale zu behandeln, ["national treatment"*] kann potentiell zum Niedergang der Struktur des Bankensystems im chinesischen Staat führen ...

[*"National Treatment" bedeutet die Verpflichtung eines Landes, Unternehmen, die auf seinem Boden operieren, die aber von den Nationalen [nationals] eines anderen Landes kontrolliert werden, nicht schlechter zu behandeln als eigene Unternehmen in der gleichen Situationen.(d. Übers.)]

Die chinesischen Autoritäten, die sich dieser Auswirkungen voll bewußt sind, haben versucht die öffentliche Meinung mit einer Propaganda-Aktion zu beeinflußen, in der behauptet wird, daß die Vorzüge dieser Vereinbarung, die Arbeitsplatzverluste und die Konkurse die sie verursachen wird, rechtfertigen. 8

In den Worten von Chinas Verhandlungsleiter mit der WTO, Long Yongtu, kann eine Nation sich nicht entwickeln und stark werden ohne einen Sinn für Notwendigkeiten und einen Sinn für krisenhafte Entwicklungen. 9

UNTERSUCHUNG UND BEWERTUNG DER NEUEN WELTORDNUNG

Angesichts der globalen ökonomischen und sozialen Zerstörung ist ein (offizielles) "Audit" ["Rechnungsprüfung"], wie in der "Stellungnahme der Mitglieder der Internationalen Bürgerrechtsbewegung", dringend notwendig um zu ermitteln was passiert.Einige der NRO-KritikerInnen - einschließlich der Gewerkschaften - die mit der WTO im Dialog stehen, sehen sowohl "positive" als auch "negative" Einflüße der Handelsliberalisierungen. Diese Position ist zweideutig: die zerstörenden Einflüße der "Globalisierung" sind bekannt und dokumentiert, die NRO-Gemeinschaft hat bereits eine große Menge an kritischer Analyse und Forschung produziert. Darüber hinaus akzeptiert der Vorschlag einer Prüfung die Rechtmäßigkeit der WTO. Es besteht die Vorannahme, dass es Fehler gibt und dass " darüber geredet werden soll, während das System für einige Jahre angehalten wird", "um es neu zu bewerten".

Benötigen wir ein Audit [Rechnungsprüfung] um sicherzustellen "ob, oder ob nicht" sich die Welt in einer Krise befindet? Und wer wird diese Überprüfung durchführen und für wen? Die "Schlüssel-Partner-NROs" haben sich schon bereit erklärt die notwendigen Hintergrundstudien zu beauftragen. Viele der Organisationen, die die "Stellungnahme" unterzeichnet und gebilligt haben, waren sich nicht klar, dass diese Überprüfung bereits Teil des "Dialoges" mit der WTO und den westlichen Regierungen ist. Und diese Forschungsverträge, die "Sektor für Sektor" in eine "politisch korrekten" Art und Weise durchgeführt werden, verlaufen entlang der schon vorgegebenen Richtlinien die von den Gründungsagenturen festgelegt wurden, und werden mehrere Jahre bis zu ihrer Fertigstellung benötigen.

Die Leitung einer Überprüfung wurde bereits von der Europäischen Union in Beratungen mit den NROs akzeptiert. Der frühere Europäische Kommissar Sir Leon Brittan, hat für die Europäische Union schon 1998 den "Auftrag einer Studie über den Einfluß einer neuen Runde zur Aufrechterhaltung der Entwicklung" (Europäische Kommission, op cit.) vorgeschlagen. In anderen Worten, die Überprüfung ist also Teil der offiziellen Tagesordnung der Seattle Konferenz. In der Zwischenzeit, während der Durchführung der Prüfung, wird sich die ökonomische, soziale und Umweltzerstörung ungehindert weiter entwickeln.

DIE MILLENNIUM-RUNDE BESTEHT "DE FAKTO" BEREITS

Was mit dem Weltsystem geschieht, hängt nicht allein von den Ergebnissen der Millennium-Runde ab. Wir müssen verstehen, daß in vielen der Entwicklungsländer die meisten der Sondervereinbarungen der Millennium-Runde bereits ein "vollendete Tatsache" sind. Sie sind Teil der "Konditionen" [Bedingungen] die in den, aus dem Augenblick heraus enstandenen, Kreditvereinbarungen mit dem IMF und der Weltbank enthalten sind. Unter den strukturellen Anpassungsprogrammen, als auch im Zusammenhang mit den vom IMF finanzierten Vereinbarungen über Sicherheitsleistungen [bailout agreements ] (z.B.: Indonesien, Thailand, Korea, Brasilien), haben sich Entwicklungsländer auf viele der Vorschläge, die die Millennium-Runde beinhaltet, schon verpflichtet.

Außerdem sind in Seattle den Delegierten aus der Dritten Welt die Hände gebunden, da die Stimmenmehrheit der HandelsministerInnen aus den Entwicklungsländern bei der MinisterInnenkonferenz in Seattle von den westlichen Gläubigern kontrolliert wird. Daher ist es unwahrscheinlich, daß es oppositionelle Äußerungen von den offiziellen Delegationen der Entwicklungsländern geben wird.

Viele Entwicklungsländer haben - im Kontext mit Vereinbarungen die mit den Bretton-Woods-Einrichtungen getroffen wurden - akzeptiert den Handel zu liberalisieren, die Kapitalbewegungen zu deregulieren, öffentliche staatliche Einrichtungen zu privatisieren, Sozialprogramme abzubauen und ausländischen Investoren "die gleiche Behandlung wie nationalen Unternehmen" ["national treatment"] in einer großen Anzahl von ökonomischen Bereichen wie Dienstleistung, Bankwesen, Versorgung, etc. zukommen zu lassen. Diese Bedingungen sind oft verbunden mit "Konkursprogrammen" unter der Überwachung der Weltbank, mit der Aussicht, die Liquidation von konkurrierenden einheimischen Unternehmen "auszulösen" ["triggering"]. Eine "Umgebung des Freien Marktes" ["enabling free market environment"] wird eingesetzt (ohne Rückbezug auf die WTO-Klauseln, die einen "effektiven Zugang zu den Märkten" sicherstellen), einheimische Produzenten werden brutal zurückgedrängt und zugrunde gerichtet, Länder werden Stück für Stück rekolonialisiert...

Wall Street Bankiers und die Vorstände der größten Geschäftskonglomerate der Welt stehen hinter diesem Prozeß. Sie schließen sich regelmäßig kurz mit dem IMF, der Weltbank und den WTO-Offiziellen in nicht-öffentlichen Sitzungen, sowie bei zahllosen internationalen Veranstaltungen. Darüber hinaus nehmen an diesen Treffen und Beratungen auch RepräsentantInnen von mächtigen globalen Geschäftslobbies wie z.B. Die Internationale Handelkammer (ICC) [International Chamber of Commerce], Das Geschäftsgespräch Transatlantik (TABD) [The Trans Atlanctic Business Dialogue] (der in seinen jährlichen Veranstaltungen die Vorstände der größten westlichen Geschäftskonglomerate mit PolitikerInnen und WTO-Offiziellen zusammenbringt), Die Versammlung Für Internationale Geschäfte der Vereinigten Staaten (USCIB) [United States Council for International Business], das Davoser Weltwirtschafts ForumWorld (WEF) [Davos World Economic Forum], das Institut Für Internationale Finanzen [Intsitute for International Finance], das die größten Banken und finanziellen Institiutionen der Welt vertritt -, etc. teil. Andere "halb-geheime" Organisationen - die eine große Rolle in der Formung der Neuen Weltordnung spielen - sind u.a. die Trilaterale Kommission, die Bildebergers und das Council on Foreign Relations.

FINANZIELLE DEREGULATION

Um dem Ganzen die Krone auf zu setzen, "perfektes timing" : Die Deregulierung des US-amerikanischen Bankensystems wurde durch den US-Senat knapp sechs Wochen vor der Millennium-Runde in Seattle abgesegnet. Die neue Gesetzgebung bevorzugt eine bisher noch nicht dagewesene Konzentration von globaler finanzieller Macht. Nach langen Verhandlungen, die in den frühen Morgenstunden des 22. Oktober beendet wurden, sind alle regulierenden Einschränkungen für die mächtigen Bankkonglomerate der Wall Street "mit einem Federstrich" rückgängig gemacht. Nach den neuen Regeln, die vom US-Senat bestätigt und von Präsident Clinton genehmigt wurden, können Banken, Broker-Firmen, Sicherungs - Fonds, Investoren von Institutionen, Pensions-Fonds und Versicherungsgesellschaften in den jeweiligen Geschäftsfeldern frei investieren und ihre finanziellen Unternehmungen komplett einbinden. Die Gesetzgebung hat das Glass-Steagall-Gesetz von 1933 aufgehoben, eine Säule von Präsident Roosevelts New Deal , der eingesetzt wurde um auf ein Klima der Korruption, der finanziellen Manipulation und "Insider-Geschäften" zu antworten. In diesem Klima gingen, in den Jahren nach dem Wall Street Crash von 1929, mehr als 5000 Banken in Konkurs. 10

Anders ausgedrückt, erhält eine Handvoll von Zusammenschlüssen der Finanzwelt eine effektive Kontrolle über die gesamte finanzielle Dienstleistungsindustrie der USA. Zufälligerweise sind es genau die finanziellen Giganten der Wall Street, die auch die Hauptbegünstigten der Deregulierung des finanziellen Dienstleistungssektors -der Vereinbarung über Handel und Dienstleistung GATS sind [General Agreement on Trade in Services ]-, die ihnen "nationale Gleichbehandlung" ["national treatment"] im Bereich Bankwesen, Versicherungswesen, Broker-Dienste, etc. sichert. Die GATS ist fast "maßgeschneidert" um den Standards zu entsprechen, die der neuen Gesetzgebung der USA, bezüglich des finanziellen Dienstleistungssektors, entsprechen. Die finanziellen Giganten überwachen die Ökonomie weltweit, sie sind Gläubiger und Aktionäre der Hochtechnologie, der Verteidigungsindustrie, der großen Öl- und Minenkonsortien, etc. Darüber hinaus haben sie, als Garanten für die öffentlichen Schulden, auch die nationalen Regierungen und PolitikerInnen im Würgegriff. Schließlich haben sie auch noch das Sagen bezüglich der Handelsreformen in Seattle.

Mehr noch, die Klauseln des außer Kraft gesetzten MAI [M-ultilaterales A-bkommen über I-nvestitionen], das ausländischen Banken und Multinationalen Konzernen "national treatment" (die zur Entmachtung der Gemeinden und der lokalen Regierungen führt) sind ebenso im Begriff eine "vollendete Tatsache" zu werden. Die finanziellen Konglomerate sind nun völlig verschmolzen mit den Versicherungsgesellschaften. Diese überwachen und kontrollieren die multinationalen Gesundheitsfürsorgeanbieter, die aktives lobbying - für eine Deregulierung der öffentlichen Gesundheitsfürsoge nach GATS - in Seattle betreiben. Die Einrichtungen der Wohlfahrtsstaaten werden fallen gelassen. Die Kämpfe der gesamten Nachkriegsära werden ausgelöscht.

Das weltweite Gerangel um entsprechenden Reichtum durch "Finanzmanipulationen" ist die treibende Kraft hinter dieser Restrukturierung der globalen finanziellen Architektur, und die neue US-amerikanische Banken-Gesetzgebung und die "Seattle-Runde" sind wichtiger Bestandteil. Gemeinsam mit der WTO bevorzugt die US-Gesetzgebung eine Abschaffung der verbliebenen Schranken für den freien Kapitalfluß. Dies bedeutet letztendlich, daß die Schlüsselunternehmen der Wall Street (u.a. Merrill Lynch, Citigroup, J.P, Morgan, Deutsche Bank-Bankers Trust) eine vorherrschende Stellung im globalen Bankenbereich entwickeln und somit schlußendlich eine Destabilisierung der finanziellen Systeme Asiens, Latein Amerikas und Osteuropas erreichen... und dieser Prozeß geht weiter, unabhängig vom Ergebnis der Millennium-Runde.

DER SPEKULATIONSANGRIFF

Die finanzielle Deregulierung in den USA erlaubt es dem spekulativen Handel sich weltweit in einem zur Gänze freizügigen Umfeld auszubreiten Die Millennium-Runde, für eine Deregulierung des Kapitalflußes plädierend, wird eine größere Rechtmäßigkeit des spekulativen Handels ermöglichen und somit die Wall Street mit mehr Macht ausstatten, um die globale finanzielle Vorherrschaft weiter auszubreiten.

Institutionelle Kontrolle über die Kanäle des spekulativen Handels bietet den finanziellen Giganten der USA und der EU das Handwerkszeug Währungen und Börsen zu manipulieren und die Zentralbanken zu beeinflußen. Das Endziel ist, die Kontrolle über den Bereich der monetären Politik und der finanziellen Märkte in der ganzen Welt zu übernehmen. Allein während der Asienkrise 1997 wurden mehr als 100 Milliarden Dollar innerhalb weniger Monate bei den Zentralbanken Asiens konfisziert; ähnliche spekulative Handlungen wurden 1998 in Rußland und 1999 in Brasilien vorgenommen. Der Handel mit Derivaten und Optionen, einschließlich des Ausverkaufs [short selling] von nationalen Währungen standen hinter diesen Angriffen, die zu einem massiven Verzug bei den Schulden und zum finanziellen Kollaps führten. Es ist gut dokumentiert, wie der IMF eine Schlüsselrolle spielte bei der Unterstützung dieses spekulativen Anschlags der westlichen und japanischen Einrichtungen.

Es ist schon grausame Ironie, daß die Nutzung dieser tödlichen spekulativen Instrumente durch das fünfte Protokoll der Vereinbarung GATS formal rechtmäßig wurde [General Agreement on Trade in Services / Vereinbarung über Handel und Dienstleistung]. Dies geschah in unmittelbare Folge auf die Asienkrise. Die bevorstehenden Gefahren nicht beachtend, fielen die Verhandlungen zum GATS Protokoll zeitlich (Oktober 1997) mit dem Zusammenbruch der Börsen in der ganzen Welt zusammen.

KRIEG UND GLOBALISIERUNG

Auch Krieg ist ein Teil der Millennium-Runde. Was passiert mit Ländern die sich weigern den Handel zu deregulieren und sich ausländischer Investionen und "nationaler Gleichbehandlung" ["national treatment"] für westliche Banken und Multinationale Konzerne verschließen? Der westlichen Apparat der Militärgeheimdienste und seine Bürokratien verbinden sich routinemässig mit dem finanziellen Establishment. Der IMF, die Weltbank und die WTO – die ökonomische Reformen in den Ländern überwachen – arbeiteten auch mit der NATO in ihren vielfältigen "peacekeeping" ["friedenserhaltenden"] Bemühungen zusammen. Die Finanzierung des Wiederaufbaus "in der Zeit nach dem Konflikt" - unter der Schirmherrschaft der Bretton - Woods -Einrichtungen - ist hierbei nicht zu vergessen...

Am Aufgang des dritten Jahrtausends gehen Krieg und "Freier Markt" Hand in Hand. Krieg benötigt keinen multilateralen Investitionsvertrag (z.B. ein MAI) der im internationalen Recht verwurzelt ist: "Krieg ist das Multilaterale Abkommen über Investitionen als letzte Zuflucht" ["War is the MAI of last resort."]. Krieg zerstört faktisch, was nicht bereits durch Deregulierung, Privatisierung und Einsetzung der Reformen des "Freien Marktes" demontiert wurde. Gänzliche Kolonisierung durch Krieg und die Einrichtung von westlichen Schutzgebieten ist gleichbedeutend mit dem Angebot von "nationaler Gleichbehandlung" ["national treatment"] an westliche Banken und Multinationale Konzerne in allen Bereichen wirtschaftlicher Aktivität. "Raketendiplomatie" wiederholt - in angepaßter Form an die neuen Bedingungen - die "Kanonenbootdiplomatie" , die benutzt wurde um den "Freien Handel" im 19. Jahrhundert durchzusetzen. Die US-amerikanische Cushing-Mission in China 1844 (im Kielwasser der Opium-Kriege) hatte die kaiserliche Regierung Chinas gewarnt, "(daß) eine Verweigerung der amerikanischen Forderungen als eine Kriegserklärung verstanden werden könnte." 11

Die Seattle-Runde gibt vor, sie rekolonialisiere "auf friedlichem Wege" Länder durch die Handhabung der Marktkräfte, – soll heissen mit "unsichtbarer Hand" . Nichtsdestotrotz entwickelt sie damit eine Form der Kriegsführung. Genereller ausgedrückt, die Gefahren eines Krieges müssen verstanden werden. Krieg und Globalisierung sind nicht getrennte Vorgänge. Die BürgerInnenbewegung gegen die WTO muß eingebunden werden in die Anti-Kriegsbewegung, die sich gegen die Bombadierung von souveränen Ländern durch die USA und ihre europäischen Alliierten richtet.

DIE ENTWAFFNUNG DER NEUEN WELTORDNUNG

Die WTO, erschaffen durch eine "technische Vereinbarung" (Die Schlussakte der Uruguay Runde), bietet gut abgesicherte "legale" Rechte für Banken und globale Unternehmenszusammenschlüße. Danach wurden in der 1994er Marrakesch Vereinbarung Vorgehensweisen eingerichtet – wie auch die manipulativen Streitfall-Regulierungen – die heute bequem eingepaßt sind in das internationale Recht, die aber auch offensichtlich die Rechte von BürgerInnen in der ganzen Welt verletzen.

Nach den WTO-Regeln, können Banken und Multinationale Konzerne ganz legitim Marktkräfte zu ihrem Vorteil manipulieren, was geradewegs zu einer Rekolonialisierung von nationalen Ökonomien führt. Anders ausgedrückt, die WTO-Artikel bieten globalen Banken und Multinationalen Konzernen die rechtliche Handhabe bei ihrer Suche nach Destabilisierung von Einrichtungen, nationale ProduzentInnen in den Konkurs zu treiben und schlußendlich die Kontrolle über ganze Länder auszuüben.

Darüberhinaus richtet die Vereinbarung formal eine "trianguläre Teilung der Autorität" ein, zwischen der WTO und ihren Schwesterorganisationen, dem IMF und der Weltbank in einem System der "globalen Überwachung" der sozialen und ökonomischen Politiken von Entwicklungsländern. Dies bedeutet, daß die Durchsetzung der IMF-Weltbank Gesetzesvorgaben nicht länger von spontanen Kreditvereinbarungen auf Länderebene (die keine "legal bindenden" Dokumente sind) abhängen. Alle Hauptvereinbarungen der "tödlichen Medizin" des IMF werden dauerhaft eingerichtet in der Seattler Millennium-Runde. Länder werden nicht nur "gebunden" an externe Schulden, sie werden dauerhaft "versklavt" durch eine internationale Einrichtung, die von den weltgrößten Geschäftssyndikaten kontrolliert wird.

Diese WTO-Artikel werden die Grundlagen bilden für die Überwachung von Ländern (und die Durchsetzung von Bedingungen) nach internationalem Recht.

In anderen Worten, wir müßen handeln in Bezug auf die "Ungerechtigkeit" und die "Ungesetzmäßigkeit" der Schlussakte der Uruguay - Runde, die die WTO zu einer totalitären Organisation gemacht hat. Es kann keine andere Möglichkeit als die Ablehnung der WTO als internationale Einrichtung geben. Sie muß als ungesetzliche Organisation dargestellt werden. Anders ausgedrückt, der gesamte Prozeß muß gänzlich abgelehnt werden. Dies bedeutet, daß die BürgerInnenbewegungen in der ganzen Welt ihre Regierungen drängen müssen ohne Verzug die Mitgliedschaft in der WTO zu beenden. Auch müssen Verfahren bei den jeweiligen nationalen Gerichten gegen die Regierungen der Mitgliedsstaaten eingeleitet werden, um die offenkundige Verletzung der inländischen Gesetze und der nationalen Verfassungen zu unterstreichen.

In anderen Worten, mit dem BürgerInnenpodium in Seattle und überall in der Welt muß eine Übereinkunft getroffen werden, um eine Entwaffnung dieses ökonomischen Systems und ein Abbau seiner Einrichtungen zu erreichen. Wir können unseren Kampf nicht verschieben und im Kontext der "Überprüfung" ein paar Jahre warten, während die Welt verbraucht und zerstört wird. Wir müssen jetzt handeln. Wir müssen die Rechtmäßigkeit eines Systems in Frage stellen, das schlußendlich menschliche Leben zerstört.

Wir müssen PolitikerInnen und internationale Offizielle herausfordern, wir müssen ihre heimtückischen Verbindungen mit den mächtigen finanziellen Interessen demaskieren und wir müssen die staatlichen Einrichtungen überprüfen und umwandeln und sie aus der Klaue der finanziellen Oberschicht befreien. Weiterhin müssen wir das ökonomische System und seine Managementstruktur demokratisieren, die offenkundige Konzentration von Besitztum und persönlichem Reichtum muß bekämpft werden, die finanziellen Märkte müssen entwaffnet, der spekulative Handel muß eingefroren, die Geldwäsche verhindert, das System des Geldhandels ausserhalb der eigenen nationalen Grenzen [offshore banking] muß abgebaut werden, ebenso wie die Umverteilung von Einkommen und Reichtum, die Wiedereinführung der Rechte von ProduzentInnen und der Wiederaufbau des Wohlfahrtstaates gefordert werden müssen.

In Konkurrenz dazu müssen wir auch an den Bedingungen für einen dauerhaften Weltfrieden arbeiten.

Der militärisch - industrielle und der Sicherheitsapparat, der die finanziellen Interessen unterstützt, muß abgebaut werden. Das heißt auch, daß wir die NATO auflösen und die Waffenindustrie schrittweise abschaffen müssen.

Wir müssen die "Medienlügen" bekämpfen und die "globalen Unwahrheiten", die die WTO und die mächtigen Geschäftsinteressen, die sie unterstützt, schützen. Wir müssen gegen die "falsche Übereinstimmung" von Washington und der Wall Street, der "das System des Freien Marktes" als einzig mögliche Wahl auf der schicksalhaften Straße zum "weltweiten Wohlstand" verkündet, ankämpfen. Diese Übereinstimmung wird nun von allen politischen Parteien, einschließlich der Sozialdemokratie, geteilt.

Um dieses Ziele zu erreichen müssen wir die Freiheit der Presse neu einrichten. Die globalen Mediengiganten fabrizieren Nachrichten und verdrehen öffentlich den Gang des Weltgeschehens. Außerdem müssen wir das "falsche Bewußtsein" aufbrechen, das unsere Gesellschaften durchdringt, eine kritische Diskussion verhindert und die Wahrheit verschleiert. Es verhindert ein gemeinschaftliches Verständnis der Art und Weise wie dieses ökonomische System funktioniert, dass das Leben von Menschen zerstört. Das einzige Versprechen des "Freien Marktes" ist eine Welt von landlosen BäuerInnen, geschlossenen Fabriken, arbeitslosen ArbeiterInnen und - mit der "bitteren ökonomischen Medizin", nach dem Rezepten der WTO und des IMF - ausgeweideten Sozialprogrammen. Wir müssen die Wahrheit wiederherstellen, wir müssen die Unabhängigkeit unserer Staaten und der Menschen in unseren Staaten wiederherstellen.

Der Kampf muß weit gefächert sein, und demokratisch alle Bereiche der Gesellschaft auf allen Ebenen umfassen, in allen Staaten. Er muß in einem gemeinsamen großen Vorstoß ArbeiterInnen, BäuerInnen, unabhängige ProduzentInnen, kleine Geschäfte, Berufstätige, KünstlerInnen, öffentliche Bedienstete, Mitglieder des Klerus, Studierende und Intellektuelle umfassen. Menschen müssen über die verschiedenen Bereiche hinweg vereint werden, Gruppen die sich mit einem Thema befassen, müssen sich verbinden in einem gemeinsamen und gemeinschaftlichen Verständnis darüber, wie dieses ökonomische System zerstört und verarmt. Die "Globalisierung" dieses Kampfes ist grundlegend, sie benötigt einen Grad an Solidarität und Internationalismus, wie es ihn bisher in der Geschichte der Welt noch nicht gab. Das globale ökonomische System nährt sich von der sozialen Teilung zwischen und innerhalb von Staaten. Nach Seattle ist diese Zweckgemeinschaft und eine weltweite Koordination zwischen diversen Gruppen und sozialen Bewegungen entscheidend. Ein großangelegter Vorstoß ist notwendig, der soziale Bewegungen der unterschiedlichen Regionen der Welt in einem gemeinsamen Streben und einer Verpflichtung zur Auslöschung von Armut und zur Schaffung eines andauernden Weltfriedens zusammenbringt.

ANMERKUNGEN

1. Die letztgenannten bringen üblicherweise Scharfschützen an Schlüsselpositionen in Stellung. siehe Paul Richmond, "An Assessment of the Police, What to expect during the Seattle Ministerial Conference", http://forward.to/walkout, September 1999.

2. WTO Presse Veröffentlichung, Ruggiero Announces Enhanced WTO Plan for Cooperation With NROs, 17 July 1998.

3. European Commission Presse Veröffentlichung, "Commission and NROs hold dialogue on the Millennium Round", Brussels, 17 November 1998.

4. ebd.

5. ebd.

6. siehe AFL-CIO, Make the Global economy Work for Working families, www.wslc.org/wto/index.htm, Ocotber 1999.

7. ebd.

8. Financial Times, London, 17 November 1999).

9. zitiert in: Financial Times, op cit.

10. siehe Martin McLaughlin, "Clinton Republicans agree to Deregulation of US Banking System", World Socialist website, 1 November 1999.

11. zitiert in Michel Chossudovsky, Towards Capitalist Restoration, Chinese socialism after Mao, Macmillan, London, 1986, p. 134).

(Der Autor ist Professor für Wirtschaftswissenschaft an der Universität Ottawa. Autor von: The Globalization of Poverty, Impacts of IMF and World Bank Reforms, Third World Network, Penang and Zed Books, London, 1997.)
© Copyright by Michel Chossudovsky, Ottawa, 1999. Alle Rechte vorbehalten.

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Michel Chossudovsky
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Von Niels Seibert

Seit September 2008 findet vor dem Berliner Kammergericht ein Prozeß gegen drei Berliner statt, denen die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung (Paragraph 129 Strafgesetzbuch) vorgeworfen wird. Die Männer im Alter von 37 bis 47 Jahren wurden im Sommer 2007 bei Brandenburg an der Havel verhaftet, nachdem beobachtet worden war, wie sie Brandsätze unter Bundeswehrfahrzeuge legten. Wenige Stunden nach ihnen nahm die Polizei den Berliner Sozialwissenschaftler Andrej Holm fest. Alle vier sollen laut Bundesanwaltschaft der »militanten gruppe« (mg) angehören, die innerhalb von acht Jahren unter Berliner Autonomen eine Debatte um militante Aktionsformen angestoßen, sich zu nächtlichen Brandanschlägen auf Dienstwagen staatlicher Einrichtungen bekannt und dabei Themen wie Sozialabbau, Lohndumping, Gentrifizierung (Vertreibung der Bevölkerung aus ihren Stadtvierteln) oder Abschiebungen aufgegriffen hat. Holm stand bereits ein Jahr vor den Festnahmen im Fokus des Bundeskriminalamts. Er hat sich wiederholt mit einem der drei inzwischen angeklagten Männer getroffen (s. Ossietzky 21/07). Kritische Berichterstattung trug dazu bei, daß die Festgenommenen nach mehreren Wochen oder Monaten von der Untersuchungshaft verschont wurden. Bis heute liegen keine eindeutigen Beweise für ihre Mitgliedschaft in der »militanten gruppe« vor. Die Angeklagten schweigen zu den Vorwürfen. Sie haben lediglich zu Prozeßbeginn eine Erklärung gegen den Krieg in Afghanistan verlesen.

Der Prozeß gegen Axel H., Florian L. und Oliver R. wegen versuchter Sachbeschädigung an Militärfahrzeugen könnte vor einem Brandenburger Amtsgericht stattfinden, wäre nicht die Anklage nach § 129 StGB. Deretwegen verhandelt in dieser Sache der Staatsschutzsenat des obersten Berliner Gerichts. Die Anklage wegen Mitgliedschaft in der mg beruht jedoch allein auf Indizien. Ein zentraler Punkt der Anklageschrift ist die Aussage eines Spitzels des Bundesamtes für Verfassungsschutz, der seinem V-Mann-Führer mitteilte, die drei Angeklagten gehörten der »militanten gruppe« an. Der Präsident des Verfassungsschutzes, Heinz Fromm, mußte im April 2009 in einem Schreiben an das Gericht eingestehen, daß die Erkenntnisse des Informanten lediglich vom Hörensagen stammen. Damit hat diese Quelle ihren Beweiswert verloren.

Im Laufe des Prozesses kam die zentrale Rolle des Verfassungsschutz in dem Verfahren zutage. Der Geheimdienst hat mit Hinweisen mehrere Ermittlungsverfahren in Sachen »militante gruppe« initiiert. In regelmäßig stattfindenden Gesprächen zwischen BKA und Verfassungsschutz folgten weitere Informationen, die für die Ermittler des BKA sämtlich nicht überprüfbar waren, aber als wahr angenommen wurden. Dies geschah, so ein BKA-Beamter am letzten Verhandlungstag vor der Pfingstpause, obwohl beispielsweise bei der Textauswertung linguistische Gutachten des BKA zu anderen Ergebnissen gekommen waren.

Auf Grundlage der fragwürdigen Geheimdienstinformationen schufen sich die ermittelnden BKA-Beamten ein Bild der »militanten gruppe«, in das sie ihre eigenen Erkenntnisse integrierten – eine brisante Denk- und Vorgehensweise, gefährlich vor allem für die politischen Aktivisten, die seit Jahren dauernd bei allem, was sie tun, überwacht werden. Gegen die vermeintlichen mg-Mitglieder machte die Kriminalpolizei von dem gesamten Instrumentarium Gebrauch, das nach Paragraph 129 erlaubt ist: vom Abhören der Telekommunikation über permanente Observationen bis zu Hausdurchsuchungen und einem Lauschangriff. Ein bereits 2001 eingeleitetes Ermittlungsverfahren wegen vermeintlicher Mitgliedschaft in der »militanten gruppe« mußte jedoch 2008 eingestellt werden. Die Hinweise des Verfassungsschutzes und die Schlußfolgerungen des BKA hatten sich als falsch erwiesen.

Der Prozeß vor dem fünfköpfigen Strafsenat offenbarte weitere abgründige Machenschaften des BKA. Die Behörde hatte sich an der Debatte um militante Aktionsformen mit zwei unter Pseudonym erschienenen Textbeiträgen in der Berliner Zeitschrift Interim beteiligt. BKA und Bundesanwaltschaft hielten diese Information zurück. Durch einen Sortierfehler beim BKA gelangte eine Fotokopie mit folgendem Warnhinweis an die Anwälte: »Nur für die Handakte: Der Text wurde vom BKA verfaßt und an die Interim versandt, um eine Reaktion bei der ›militante gruppe (mg)‹ zu provozieren.«

BKA-Beamte hatten im Prozeß ein furchterregendes Szenario an die Wand gemalt, um die Gefährlichkeit einer Debatte zu belegen, an der sie, wie sich damit zufällig herausstellte, selbst beteiligt waren – indem sie zum Beispiel »eine klare Stellungsnahme« zu provozieren versuchten.

Die Rechtsanwälte der Angeklagten beanstanden nun, daß die Behörde geheime Akten führt, die dem Gericht und der Verteidigung vorenthalten werden. Sie sprechen von Aktenmanipulation und erklären: »Spätestens jetzt kann der Prozeß gegen unsere Mandanten nicht mehr als faires Verfahren bezeichnet werden.« Daß aber auch die Richter, die in den kommenden Monaten ein Urteil sprechen müssen, kein Aufklärungsinteresse zeigen und sich nicht um die Hinzuziehung der Handakten bemühen, erfüllt mich als Prozeßbeobachter mit einem schalen Gefühl.


Quelle: Ossietzky

Mittwoch, 17. Juni 2009

Die Angst regiert

Von Paul Craig Roberts

INFORMATION CLEARING HOUSE, 10.06.09
http://informationclearinghouse.info/article22807.htm

Eine irrationale Angst hat die Vereinigten Staaten fest im Griff. Sie wird von der Israel-Lobby, dem militärisch-sicherheitspolitischen Komplex und den Finanzgangstern geschürt. Die Angst scheint tatsächlich ganz Amerika zu beherrschen.

Amerikaner billigen die Angriffe ihres Staates auf Afghanistan, den Irak und Pakistan, die eine Million muslimische Zivilisten getötet und mehrere Millionen Menschen zu Flüchtlingen gemacht haben, weil die US-Regierung den Amerikanern Angst vor Terroristen eingejagt und verkündet hat: "Wir müssen sie in diesen Ländern töten, bevor sie hierher kommen."

Aus Angst vor amerikanischen Bürgern baut die US-Regierung anscheinend im ganzen Land Konzentrationslager. Nach Pressemeldungen hat das Bush/Cheney-Regime mit Cheneys Firma Halliburton einen Vertrag über 385 Millionen Dollar zum Bau von "Detention Centers" (Gefangenenlagern) in den Vereinigten Staaten geschlossen. Die gleichgeschalteten Medien haben nie zu klären versucht, wofür diese Lager gebraucht werden.

Die meisten Amerikaner weisen Berichte darüber mit der Bemerkung zurück: "Das ist doch bei uns nicht möglich." Im Nordosten Floridas nicht weit von Tallahassee habe ich jedoch wahrscheinlich eins dieser Lager gesehen. Innerhalb eines riesigen leeren Geländes, das mit Stacheldraht eingezäunt war, stand ein einzelnes Gebäude. Es gabt keine Anzeichen, dass sich jemand dort aufhielt. Die Einrichtung schien neu und unbenutzt zu sein und sah nicht wie ein aufgegebenes Arbeitslager für Gefangene aus.

Wofür wird so etwas gebraucht?

Warum wurde das viele Geld dafür ausgegeben?

Es gibt Amerikaner, die fürchten sich so sehr davor, von Terroristen umgebracht zu werden, dass sie sogar hoffen, die US-Regierung werde Kernwaffen einsetzen, um "die muslimischen Feinde" auszulöschen. Die Rechtfertigung, die schon für den Einsatz von Atombomben gegen die japanische Zivilbevölkerung benutzt wurde, wirkt immer noch nach. Millionen Amerikaner möchten, dass "ihre" Regierung jeden tötet, den sie vorher dämonisiert hat.

Wenn ich diesen Leuten sage, dass sie an Altersschwäche sterben werden, ohne jemals einen Terroristen gesehen zu haben, erklären sie mich für verrückt. Ich müsste doch wissen, dass Amerika voller Terroristen ist! Deshalb bräuchten wir doch die Sicherheitsmaßnahmen auf den Flughäfen und das Heimatschutzministerium. Deshalb dürfe die Regierung auch das Gesetz übertreten und die Bürger ohne richterliche Anordnung ausspionieren. Deshalb dürfe die Regierung auch US-Gesetze und die Genfer Konventionen verletzen und Menschen foltern. Wenn wir sie nicht foltern, würden amerikanische Städte in Atompilzen verglühen – das erzählt uns doch Dick Cheney jede Woche.

Terroristen seien überall: "Sie hassen uns für unsere Freiheit und unsere Demokratie." Wenn ich Amerikas verängstigte Bürger darüber aufkläre, dass es in den Vereinigten Staaten den gleichen Wahlbetrug wie in vielen anderen Staaten gibt und dass unsere bürgerlichen Freiheiten im "Krieg gegen den Terror" ausgehöhlt wurden, ordnen sie mich sofort als Terroristen ein. Die unbestreitbare Wahrheit verwechseln sie mit Anti-Amerikanismus.

Diese Mentalität herrscht auch in Bezug auf die Verbrechen in unserem eigenen Land vor. Die meisten Amerikaner und leider auch die meisten Gerichte gehen davon aus, dass alle von der Polizei erhobenen Vorwürfe und die Anklagen der Staatsanwälte stets zutreffen und Angeklagte immer schuldig sind. Die meisten Amerikaner wollen nicht wahrhaben, dass die Polizei oder ein Ankläger eine unschuldige Person häufig nur aus politischen oder Karrieregründen oder aus reiner Gehässigkeit verfolgen.

Und doch geschieht das laufend. Es ist tatsächlich zur Routine geworden.

Absprachen sind so alltäglich geworden, dass sogar 96 Prozent der eines kriminellen Delikts Beschuldigten eine Verhandlung vor einem Geschworenen-Gericht nicht mehr riskieren wollen, sondern es vorziehen, nach einem Schuldeingeständnis einen Deal mit dem Ankläger auszuhandeln. Eine Geschworenen-Jury ist eine Gruppe, die einer Gehirnwäsche unterzogen wurde und Verbrechen fürchtet, die sie selbst noch nie erlebt hat, über die aber ständig berichtet wird. Sie glaubt, Verbrecher lauerten überall, um ihre Untaten zu begehen.

In den Vereinigten Staaten sitzt ein viel größerer Prozentsatz der Bevölkerung im Gefängnis als in "autoritären" Ländern wie China, einem Einparteienstaat. Eine informierte Bevölkerung müsste sich eigentlich fragen, warum in einem Land mit "Freiheit und Demokratie" die Inhaftierungsrate viel höher ist als in einer Diktatur, aber die Amerikaner fallen bei diesem Test durch. Sie fühlen sich umso sicherer, je mehr Menschen im Gefängnis sitzen.

Lawrence Stratton und ich haben die Absprache-Praktiken in dem Buch "The Tyranny of Good Intentions" (Die Tyrannei der guten Absichten) beschrieben. Polizei und Ankläger lassen sich sogar mit nachweisbar Schuldigen auf Absprachen ein, weil die einfacher zu erreichen sind, als Urteile auf der Grundlage von Beweisen.

Ein Fall, der seit Jahren anhängig ist, aber von den gleichgeschalteten Medien konsequent vernachlässigt wird, weil sie die Menschen vor allem einschüchtern sollen, ist der von Troy Davis.

Troy Davis wurde verurteilt, weil er einen Polizisten getötet haben soll. Er wurde nur durch Aussagen von "Zeugen" mit dem Verbrechen in Verbindung gebracht; die meisten Zeugen haben ihre Angaben aber wieder zurückgezogen, weil sie von der Polizei eingeschüchtert und zu Falschaussagen gegen Troy Davis überredet worden seien.

Man sollte denken, dass das zu einer erneuten Vernehmung der Zeugen in einer neu angesetzten Gerichtsverhandlung führen müsste. Aber nicht in Amerika! Die republikanischen Nazi-Juristen haben den Grundsatz der "Finality" (der Endgültigkeit) geschaffen. Selbst wenn Beweise belegen, dass eine zu Unrecht verurteilte Person unschuldig ist, verlangt der Finality-Grundsatz, dass sie exekutiert wird. Ist das Todesurteil dann vollstreckt , glauben alle, dass die Person schuldig war, weil Amerika (angeblich) ein gerechtes Justizsystem hat und niemals Unschuldige bestraft. Jeder, der im Gefängnis sitzt oder hingerichtet wurde, muss schuldig sein, sonst wäre er nicht eingesperrt oder zum Tod verurteilt worden.

Für Amerikaner ist das alles sehr einfach. In Amerika hat alles seine Ordnung, nur andere Staaten sind barbarisch – außer unseren Verbündeten natürlich.

Das gilt auch für unsere Kriege. Alle Menschen, die wir umbringen – gleichgültig, ob sie in in einem Nahverkehrszug in Serbien sitzen, an Hochzeiten oder Begräbnissen teilnehmen oder noch Kindern sind und im Irak Fußball spielen – sind Terroristen, sonst hätten wir sie doch nicht gekillt. Das gilt natürlich auch für das kleine Mädchen, das unsere die Terroristen bekämpfenden Soldaten vergewaltigt und dann mit ihrer gesamten Familie brutal ermordet haben.

Amerika tötet nur Terroristen. Wenn wir Sie töten, sind Sie eben auch ein Terrorist.

Die Amerikaner sind das Salz der Erde. Sie tun niemals Unrecht. Das tun immer nur die anderen Leute – außer den Israelis natürlich.

Polizisten, Staatsanwälte und Gerichte machen niemals Fehler. Alle Angeklagten sind schuldig.

Die Angst hat jeden Amerikaner zum Verdächtigen gemacht, unsere Rechte ausgehöhlt und uns unsere Menschlichkeit genommen.

Quelle: luftpost-kl.de



* Paul Craig Roberts, unter Präsident Ronald Reagan stellvertretender Finanzminister, ist Wirtschaftswissenschafter, Redakteur und Kolumnist für renommierte Magazine wie «Wall Street Journal» und National Review; Autor zahlreicher Bücher, zuletzt «The Tyranny of Good Intentions: How Prosecutors and Bureaucrats Are Trampling the Constitution in the Name of Justice» (2000). Er publiziert regelmässig auf den Webseiten http://www.antiwar.com/ und http://www.counterpunch.org/


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Dienstag, 16. Juni 2009

USA lehnen jede Kontrolle der Machenschaften der Wall Street rigoros ab

Scharfe Konflikte auf dem G8-Finanzministertreffen

Von Peter Schwarz

Das Treffen der Finanzminister der führenden Industriestaaten (G8) vom vergangenen Freitag und Samstag war von scharfen wirtschaftspolitischen Meinungsverschiedenheiten geprägt. Vor allem zwischen den USA und Deutschland nehmen die Spannungen zu. Das Treffen endete, wie in solchen Fällen üblich, mit einem Formelkompromiss, der die Gegensätze verschleiert, ohne sie zu lösen. Das Treffen im italienischen Lecce diente der Vorbereitung des Gipfels der Staats- und Regierungschefs der G8, der in einem knappen Monat in der Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila stattfindet.

Vordergründig drehte sich die Auseinandersetzung in Lecce um die Frage einer "Exit-Strategie", um den Abschied von den staatlichen Konjunkturprogrammen und Milliardenspritzen an Banken und Wirtschaftsunternehmen, die zu einem explosionsartigen Anwachsen der Staatsverschuldung geführt haben.

Vor allem der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück drängte in Lecce auf einen raschen Ausstieg aus der Schuldenspirale und begründete dies mit der Angst vor einem Anwachsen der Inflation. Er verlangte einen raschen Schuldenabbau und erklärte, weitere Konjunkturprogramme seien "weder nötig noch empfehlenswert". Unterstützt wurde er von Frankreich und Italien, das derzeit die Präsidentschaft der G8 innehat.

Der italienische Finanzminister Giulio Tremonti warnte, die hohen Summen, die zum Kampf gegen die Rezession eingesetzt würden, heizten dieselbe Art von Finanzspekulation an, die die Krise ausgelöst habe. Die Spekulation sei wieder da, sagte er, besonders auf den Ölmärkten, wo die Priese in jüngster Zeit stark gestiegen seien und die Erholung bedrohten: "Anstatt die Realwirtschaft zu finanzieren, neigt die zusätzliche Liquidität im System dazu, die Spekulation anzuheizen."

US-Finanzminister Timothy Geithner widersprach dem scharf. "Wir müssen die globale Nachfrage stärken und weiterhin die Grundlage für eine dauerhafte Erholung legen. Es ist zu früh, zu einer Politik der Zurückhaltung überzugehen", sagte er. Unterstützt wurde Geithner von IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn, der sagte: "Vor einer Exit-Strategie müssen wir aus der Krise heraus." Der Schwerpunkt der Politik müsse weiterhin der Kampf gegen die bestehende Krise sein.

Die Abschlusserklärung bekannte sich dann zwar in völlig unverbindlichen Worten zu einer "Exit-Strategie": "Wir haben darüber diskutiert, dass geeignete Strategien vorbereitet werden müssen, um die außerordentlichen Maßnahmen, die als Reaktion auf die Krise ergriffen wurden, abzuwickeln, wenn ein Aufschwung gesichert ist." Sie fügte aber hinzu, dass diese Strategien "von Land zu Land verschieden ausfallen können", und schob das Problem auf den IWF ab: "Wir haben den IWF gebeten, uns in diesem Prozess mit der erforderlichen analytischen Arbeit zu unterstützen."

Hinter der scheinbar technischen Auseinandersetzung über eine "Exit-Strategie" verbergen sich grundlegende machtpolitische Fragen. Die US-Regierung benutzt die Vorrangstellung des Dollars, ihre militärische Stärke und ihre verbliebene globale Vorherrschaft als Hebel, um die Krise auf ihre Rivalen abzuladen. Die massive Verschuldung des amerikanischen Staatshaushalts und der Notenbank Fed dient nicht zuletzt diesem Zweck.

Sie führt zu einer Abwertung des Dollars gegenüber dem Euro und untergräbt so die europäische und die deutsche Exportindustrie. Die jüngsten deutschen Exportzahlen sind in dieser Hinsicht verheerend. Laut Statistischem Bundesamt lag die Summe der Exporte im April um 29 Prozent unter der des Vorjahresmonats. Es handelt sich um den stärksten Exporteinbruch der gesamten Nachkriegszeit. Der Exportverband BGA rechnet deshalb für das Gesamtjahr 2009 mit einem Umsatzrückgang von bis zu 15 Prozent.

In der Eurozone fiel die Industrieproduktion im April auf das tiefste Niveau seit zwölf Jahren. Finanzminister Steinbrück gestand in Lecce ein, der Weg aus der Wirtschaftskrise werde in Europa und Deutschland "sehr viel flacher" verlaufen als in den USA. Setzt sich der inflationäre Zerfall des Dollars fort, würde dies den Exporteinbruch und damit die Krise in Europa weiter verschärfen.

Die massive amerikanische Verschuldung hat außerdem zur Folge, dass ein Großteil der international verfügbaren privaten und staatlichen Liquidität von den USA aufgesogen wird. Das verknappt und verteuert die Kredite in Europa und schafft so einen weiteren Wettbewerbsnachteil.

Bundeskanzlerin Angla Merkel hatte deshalb die USA bereits Anfang Juni ungewohnt scharf attackiert. In einer Rede vor Wirtschaftsvertretern in Berlin hatte sie die amerikanische und englische Notenbank offen angegriffen und den Regierungen in Washington und London vorgeworfen, sie würden ihren Finanzinstituten mit staatlichen Billionenspritzen wieder zur alten Macht verhelfen, bevor neue Regeln für die internationalen Finanzmärkte festgelegt worden seien. (Siehe: Europawahl: Was steckt hinter den Spannungen mit den USA?)

Auch in dieser Frage, einer stärkeren Regulierung der Finanzmärkte, gab es in Lecce keine Übereinstimmung. Die USA lehnen jede Kontrolle der Machenschaften der Wall Street rigoros ab und geben ihr grünes Licht, ihre Spekulationsgeschäfte wieder aufzunehmen. Auf Initiative Italiens einigte man sich zwar, globale Finanzmarktstandards ("Lecce Framework") zu "entwickeln". Doch mit einer raschen Verabschiedung solcher Standards wird nicht gerechnet.

Ein Treffen des Institutes of International Finance (IIF), einer Vereinigung von über 370 internationalen Finanzinstituten unter Vorsitz des Chefs der Deutschen Bank, Josef Ackermann, das am Wochenende in Peking tagte, warnte, das individuelle Vorgehen einzelner Regierungen werde zu einer Zerstückelung des globalen Finanzsystems führen.

"Regierungen ergreifen Maßnahmen, die zur Fragmentierung des globalen Finanzsystems führen", sagte IIF-Generaldirektor Charles Dallara. "Die Verantwortlichen einzelner Länder haben solche Maßnahmen oft mit wenig oder ohne Konsultation mit Partnerländern ergriffen." Und Deutsche-Bank-Chef Ackermann warnte: "Wenn die vorherrschenden Trends weitergeführt werden, könnte ein protektionistisches Klima entstehen, das allen schadet."

Leo Trotzki hatte schon vor mehr als achtzig Jahren das Verhältnis zwischen den USA und Europa analysiert und den Schluss gezogen: "Während der Krise wird sich die Hegemonie der Vereinigten Staaten noch viel vollständiger, offener, schärfer und rücksichtsloser auswirken als während der Aufstiegsperiode. Die Vereinigten Staaten werden versuchen, ihre Schwierigkeiten und Krankheiten vorwiegend auf Kosten Europas zu bekämpfen und zu überwinden, ganz gleich, ob in Asien, Kanada, Südamerika, Australien oder Europa selbst, oder ob auf friedlichem oder kriegerischem Wege." (Die Dritte Internationale nach Lenin)

Diese Analyse wird heute bestätigt. Während sich die Großmächte um ihren Anteil an einer Neuaufteilung der Welt streiten, bewegt sich diese erneut auf scharfe wirtschaftliche Konflikte und militärische Kriege zu.

Quelle: WSWS

Montag, 15. Juni 2009

Nachlese zu den Wahlen im Iran


Karikatur: © Kostas Koufogiorgos,

“Grüne Welle” im Iran gescheitert

In den lezten Jahren hat die Welt viele farbige Umsturzversuche gesehen, die samt und sonders von CIA-Nachfolgeorganisation wie der NED und sämtlichen Propaganda-Outlets der CIA, die im Westen zynischerweise “freie Presse” genannt werden, unterstützt wurden. Zunächst ist die Installation von US-Marionetten mit farbigen Revolutionen geglückt. Die “Rosenrevolution” in Georgien brachte den in den USA ausgebildeten Kriegsverbrecher Michael Sackarschwili an die Macht und die “orangene Revolution” in der Ukraine brachte den Ehemann von Reagans Mitarbeiterin Katerina Chumachenko ins Präsidentenamt. Die Otpor-Revolutionen in Serbien und die Tulpen-Revolution in Kirgisien brachten zwar Machtwechsel hin zu US-freundlichen Regierungen, aber keine US-Marionetten an die Macht. Doch das war es dann.....

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Wie der westliche Propagandaapparat seine Wut herauslässt

aktuelle News Wochenlang haben so manche westliche Journalisten - wohl meist selbst verblendet - ihre Zuhörerschaft und Leserschaft nach Strich und Faden über die Stimmungen und Verhältnisse im Iran belogen. Und anstatt jetzt zuzugeben, dass sie sich getäuscht haben, lügen sie einfach weiter......

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Was ist im Iran los?

Vielleicht ist es untergegangen, vielleicht aber auch bewusst nicht ausgeweitet worden. Das Thema "Rekrutierungen der CIA im Iran". Um es genauer zu beschreiben: von der CIA bezahlte Dissidenten. Seymour Hersh berichtete als Journalist ausführlich darüber. Amerika will einen Regime-Wechsel. Ohne diesen kommen sie ohne Krieg nicht an das iranische Öl. Der Vorwurf der Wahlmanipulation zur Präsidentschaftswahl im Iran könnte zu keinem geeigneteren Zeitpunkt kommen....

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Glückwunsch, Ahmadinedschad!

Zu den Wahlen und Protesten im Iran

Eine schöne Schlappe für den Imperialismus im Iran! Schon die zweiten Wahlen dieses Jahr vergeigt. Zuerst in Moldawien, wo die Twitter- und Facebook-Revolution voll in Arsch ging. (Jetzt versucht man es dort mit der Spaltung der regierenden Kommunisten). Und jetzt Iran. Der Präsident hat klar gewonnen. Und die Leute, die dagegen demonstrieren, sind erkennbar eine kleine Minderheit: Die Jubelperser von USA und NATO. Hat jemand die Girlies gesehen, die da in bestem Englisch in die Mikrofone von CNN und BBC heulen? Das sollen die Repräsentanten des iranischen Volkes sein, oder auch nur der iranischen Opposition? Da lachen die Hühner im Capitol! Hier wollen Discomiezen, Teheraner Drogenjunkies und die Strichjungen des Finanzkapitals eine Party feiern. Gut, dass Ahmidenedschads Leute ein bisschen aufpassen und den einen oder anderen in einen Darkroom befördert haben.....

Weiterlesen Jürgen Elsässer >>>
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Chávez gratuliert Ahmadinedschad

Venezuelas Präsident Hugo Chávez gehörte zu den ersten Gratulanten seines wiedergewählten iranischen Amtskollegen Mahmud Ahmadinedschad. Der südamerikanische Fernsehsender teleSur meldete , dass der Comandante der Bolivarianische Revolution seine Glückwünsche unmittelbar nach dem Ende des zweitägigen VI. Petrocaribe-Gipfels per Telefon übermittelte. Chávez bezeichnete Ahmadinedschads Erfolg als "einen sehr großen und wichtigen Sieg" und wünschte sich ein baldiges Wiedersehen......

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Die Iransituation: Morgen läuft Fregatte "Brandenburg" mit zusätzlichen Spezialisten an Bord in den Indischen Ozean aus

Nach einer Pressemeldung vom 12.Juni wird morgen unter gehörigem Medienrummel die Fregatte "Brandenburg" aus Wilhelmshaven auslaufen mit Kurs Richtung Dschibuti, um im Rahmen der "Atalanta"-Mission die militärische Präzenz Deutschlands zu verstärken. Um der Bevölkerung diesen Kriegseinsatz positiv zu vermitteln, wird an die humanitäre Bereitschaft zur Hilfe appelliert, indem als Grund dieses Einsatzes angegeben wird, die Schiffe des Welternährungsprogramms zu schützen.....

Weiterlesen Radio Utopie >>>
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Update: Ahmadinedschad angeblich nur dritter "Wahlsieger"

Wächterrat soll Vorwürfe der Wahlmanipulation sorgfältig prüfen.

In einer überraschenden Kehrtwende hat der oberste Führer der islamischen Republik Ayatollah Khamenei nun doch eine "sorgfältige Überprüfung" der Vorwürfe, wonach die Wahl in großem Stil manipuliert wurde, angeordnet. Wie die Huffington Post unter Berufung auf einen AP-Artikel berichtet, hat Ali Khamenei laut iranischem Staatsfernsehen den dafür zuständigen Wächterrat mit der Aufgabe betraut.

Bislang habe es eine derartige Überprüfung des 12köpfigen Gremiums noch nicht gegeben, weswegen noch unklar ist, wie lange die Prozedur dauert......

Weiterlesen Telepolis >>>
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There Will Be Blood

Nach den Präsidentschaftswahlen in Iran befindet sich das Land in einem gefährlichen Schwebezustand. Nach der Wahlniederlage sammelt die Opposition ihre Kräfte und demonstriert seit Samstag in den Großstädten des Landes für Neuwahlen. Die Regierung und die Unterstützer Ahmadinedschads halten mit aller Kraft - und teilweise auch mit aller Brutalität - dagegen. Die momentanen Unruhen sind die schlimmsten, die das Land seit der Revolution 1979 erlebt. Auch hinter den Kulissen spitzt sich der Machtkampf zwischen den rivalisierenden Machtblöcken zu. Sollte die Opposition nicht in die Gestaltung des Landes mit einbezogen werden, stehen Iran blutige Tage bevor....

Weiterlesen Der Spiegelfechter >>>

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Hetzkampagne gegen den Iran - Kriegsvorbereitung?

Hetzkampagne gegen den Iran im Zusammenhang mit den jüngsten Präsidentschaftswahlen. Ist das die unmittelbare Vorstufe zum von den USA beabsichtigten und schon vorbereiteten Krieg?

Hans-Jürgen FALKENHAGEN & Brigitte QUECK

Die Hetzkampagne läuft gegen die Islamische Republik Iran nach einem vorher vorbereiteten Schema auf Hochtouren. Auffällig sind darin, die maßlosen Lügen und die vielen logischen Widersprüche, die jedem intelligenten Menschen ins Auge stechen. Es geht darum, dass man in bestimmten westlichen Regierungskreisen die eindeutige Wiederwahl des bisherigen iranischen Präsidenten nicht anerkennen will, weil der dem Westen nicht genehm ist. Und so wird nun die Bevölkerung von Teheran bemüht, die einen Volksaufstand begonnen habe.....

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