Dienstag, 30. Juni 2009

Gierdebatte: Gefährliches Gebräu

Die „7 Thesen des Frankfurter Zukunftsrates zur Neuroökonomie“ - Politikvorschläge, die auf krudem Biologismus beruhen -

von THOMAS WAGNER, 30. Juni 2009 -

Der Schlüssel zur Bewältigung der weltumspannenden Finanz- und Wirtschaftskrise liegt in den Händen der Gen- und der Hirnforschung. Das suggerieren jedenfalls eine ganze Reihe von Artikeln in auflagenstarken Zeitungen.
„Gier nach Geld auch genbedingt“ , heißt es etwa in der Berliner Zeitung (17.06.2009) und die Potsdamer Neueste Nachrichten (19.06.09) verkünden: „Gentest für Führungskräfte gefordert. Studien belegen: Gier ist angeboren“. (1) Die Quelle dieser Nachrichten sind 7 Thesen des Frankfurter Zukunftsrates zur Neuroökonomie. Der 2008 gegründete Think Tank mit Sitz in Frankfurt am Main ließ dieselben als Presseerklärung (17.06.09) (2) per dpa-Meldung und in Form eines Gastkommentars in Springers Tageszeitung Die Welt (3) verbreiten . (4)

Darin heißt es unter anderem: „Der Mensch reagiert auf kurzfristige Gewinne oder die Aussicht auf Geld wie Kokain“Clement (These 2) und „Das gierige Finanzverhalten herrscht bei vielen Menschen genbedingt unermüdlich und macht abhängig.“ (These 3) Sind Spitzenmanager als gengesteuerte Finanzjunkies also von jeder Verantwortung für ihr Tun entlastet?

Wolfgang Clement (Ex-SPD) und Friedrich Merz (CDU) sowie der bis zu diesem Zeitpunkt hoch angesehene Neurologe Christian Elger und seine Kollegen Oliver Brüstle (Neuropathologe) sowie Armin Falk (Experimentalökonom) scheinen das behaupten zu wollen. Sie alle sind Mitglieder des Frankfurter Zukunftsrats und haben das Thesenpapier am 3. Juni 2009 bei einem Treffen im Life & Brain Center des Universitätsklinikums Bonn gemeinsam vorbereitet. (5)

Hirnforscher Elger gilt als einer der führenden Köpfe seiner Zunft und zeigt keinerlei Berührungsängste zur Wirtschaft, wenn es um die Eintreibung von Drittmitteln geht.(6) Im Jahr 2000 hat er zusammen mit sieben Kollegen das „Jahrzehnt des menschlichen Gehirns“ ausgerufen, das deutsche Pendant zu der von Präsident George H. W. Bush 1990 per Presidential Proclamation 6158 für die USA verordneten Dekade des Gehirns. Wolfgang Clement, damaliger Wirtschaftsminister von NRW, übernahm gleich zu Beginn für die deutsche Initiative die Schirmherrschaft.....

In der Arbeitsgruppe „Wirtschaft & Politik“, das ist einer von mehreren sogenannten Zukunftskreisen des von Manfred Pohl gegründeten Think Tanks, (8) arbeiten Clement und Elger heute erneut zusammen. Diesmal geht es um vorgeblich wissenschaftlich fundierte Vorschläge zur Entwicklung des Landes, die danach in verständlicher Form an politische Entscheider weitergereicht werden sollen.

Die neoliberale Schlagseite (9) ist jedoch schon in der Zielformulierung des elitären Clubs nicht zu übersehen: Es geht um die „Anpassung der Politik an den globalen Wettbewerb“. (10)

Dabei helfen soll ein neuer Wissenschaftszweig: die Neuroökonomie. Das ist eine Verbindung von Betriebswirtschaft und Hirnforschung, die das Kaufverhalten von Konsumenten oder die Investitionsentscheidungen von Unternehmern vorherzusagen und zu beeinflussen versucht.

Clement, Merz & Co sind vom Erkenntniswert der ausgesprochen wirtschaftsnahen Disziplin so sehr überzeugt, dass sie empfehlen, künftig „Entscheidungsprozesse und Institutionen auch mit Hinblick auf die Neuroökonomie zu gestalten. Das gilt z.B. für die betriebliche Personalpolitik (Anreize) aber auch für die konkrete Gestaltung von Gesetzen und staatliches Handeln“.

Was das konkret heißen kann, deuten sie in These 7 zumindest an: „Leitungsgremien sollten ohne genbedingte „Finanzgier“ eingestellt werden.“

„Platte Biologismen, Hirnforschung und manipulative Verdummung gehen in der Krise eben Hand in Hand“, kommentiert Susanne Schultz vom Gen-Ethischen-Netzwerk mit Sitz in Berlin. (11)

Tatsächlich leistet das Thesenpapier des Frankfurter Zukunftsrates einem biologischen Reduktionismus Vorschub, der schon erkenntnistheoretisch nicht zulässig ist. Komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge werden auf eine molekularbiologische Mikroebene zurückführt, die vollkommen anderen Gesetzmäßigkeiten gehorcht als die Makroökonomie.

Menschliches Handeln erscheint genetisch determiniert. Banker und Investoren kommen als vernunftbegabte Kultur-Wesen gar nicht erst in Betracht. Sie agieren als bloße Sklaven ihrer vererbten Anlagen, die ihrer Gier nach immer mehr Profit nicht Herr werden können.

Die Gierdiskussion ist ein Manöver, mit dem seit Beginn der Finanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise von ihren systemischen Ursachen und Lösungsmöglichkeiten abgelenkt wird. Als weltumspannende Überproduktionskrise ging sie aus den Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Akkumulationsdynamik und deren Verwertungszwängen hervor. Trotz aller „Gier“ und verbrecherischer Energie. Spitzenmanager und Banker trifft daher nicht die Hauptverantwortung für das Platzen der Spekulationsblase. Auch sie handelten auf der Basis politisch gewollter Reduktion der Regulierung einer stets neue Ungleichheit erzeugenden Produktionsweise, deren Expansionsdynamik vom unstillbaren Drang nach immer mehr Profit angetrieben wird.

Um künftigen Krisen vorzubeugen, „muss das Einkommen der ärmeren Gesellschaftsschichten auf Kosten der Einkommenszuwächse bei den Reichen gestärkt werden, also eine seit Jahrzehnten ungleicher werdende Verteilung umgekehrt werden“,(12) umreißt Lucas Zeise, ein Kolumnist der Financial Times Deutschland, die Richtung des Lösungswegs. Appelle an die Vernunft der Manager oder eine bessere Auswahl des ökonomischen Spitzenpersonals werden der Komplexität des gesellschaftlichen Problems dagegen nicht gerecht - ob mit Gentests oder ohne.
Schon deshalb verdienen die biologistischen Thesen des Frankfurter Zukunftsrates energischen Widerspruch. Richtiggehend gefährlich werden sie aber spätestens dann, wenn man sie zur Diskriminierung von Menschen heranzieht, wie These 7 es fordert.

Würden Gentests tatsächlich zu einem legalen Einstellungskriterium in Unternehmen, Behörden und anderen Institutionen, wäre das ein elementarer Verstoß gegen die Menschenwürde. Unternehmen und Versicherungen versuchen seit Jahren weitreichende Einsicht in die Gendaten ihrer Kunden und Mitarbeiter zu erlangen. Das im April dieses Jahres von Union, SPD und FDP verabschiedete Gendiagnostikgesetz schränkt diese Nutzung deutlich ein. Die Forderung nach Gentests für Banker und Investoren mutet wie der plumpe Versuch an, das Thema durch die Hintertür der Finanzgierdebatte wieder auf die Tagesordnung zu setzen.

Aber auch um die wissenschaftliche Fundierung der Zukunftsratsthesen ist es schlecht bestellt. Camelia Kuhnen und Joan Chiao haben im Februar 2009 einen Aufsatz veröffentlicht, (13) auf den der Frankfurter Zukunftsrats seine Behauptungen über genetische Ursachen riskanten Finanzverhaltens nach eigenen Aussagen stützt.(14)
Doch statt den Beweis für ein „Gier-Gen“ anzutreten, resümieren die Autorinnen von Genetic Determinants of Financial Risk Taking eher vorsichtig: Ihnen sei es bisher nicht gelungen, jene Genvarianten zu identifizieren, die finanziellen Risikoentscheidungen zugrunde liegen. (15) „Obwohl die Auswirkungen, die wir hier dokumentieren, eine kausale Beziehung zwischen dem Genotyp und dem Risikoverhalten von Individuen andeuten, erlauben unsere Daten nicht, einen Kausalitätszusammenhang sicher nachzuweisen.” (16)

Wie kommt dann aber der Frankfurter Zukunftsrat zu seiner Behauptung, es gäbe eine „genbedingte „Finanzgier““?
Um diesen Widerspruch aufzuklären, befragte Hintergrund den Hirnforscher Christian Elger, der als Urheber der „7 ElgerThesen zur Neuroökonomie“ gilt. Überraschend distanzierte dieser sich umgehend von der ihm vorgelesenen Zukunftsratsthese: „Leitungsgremien sollten ohne genbedingte „Finanzgier“ eingestellt werden.“ „Das ist völlig überzogen“, sagte er spontan, da habe die Presse übertrieben.

Wie kann das sein? Er habe die Zukunftsratsthesen nach Auskunft der Geschäftsstelle doch selbst formuliert, hakte Hintergrund nach. Elger bestätigt seine Autorenschaft. Er habe der Zukunftsratgeschäftsstelle seine Überlegungen eingereicht. Die Presseerklärung des Zukunftsrates dazu habe er allerdings noch gar nicht zu Gesicht bekommen. Die zitierte Formulierung stamme jedenfalls nicht von ihm und sei total übertrieben. Möglicherweise seien durch die Geschäftsführerin Jane Uhlig noch Veränderungen an seinem Text vorgenommen worden, spekulierte der irritierte Hirnforscher.

In der Geschäftsstelle war man um Schadensbegrenzung bemüht. Jane Uhlig äußerte sich überschwänglich über den Rang der wissenschaftlichen Arbeit Elgers und zeigte sich überrascht davon, dass die Koryphäe sich anscheinend von ihren eigenen Thesen distanzierte. Man habe deren Inhalt gerade so belassen, wie ihn Elger eingereicht habe, erläuterte sie. Lediglich „Zwischenüberschriften“ seien in der Geschäftsstelle ergänzt worden, damit der ansonsten zu trockene Text für Zeitungsleser verständlicher würde. Im übrigen verstehe sie gar nicht, was an den Thesen verwerflich sein solle. Immerhin habe sie deren Aussagen bei einem Treffen mit 18 Journalisten der wichtigsten Medien bereits diskutiert und von denen sei nicht der geringste Einwand vorgebracht worden. (17)

Elger wiederum ist auf das Angebot, Hintergrund die ursprüngliche Fassung seiner Thesen zu schicken, bis heute nicht eingegangen. Damit hat der Hirnforscher eine Möglichkeit ausgeschlagen, sich als ernstzunehmender Wissenschaftler zu rehabilitieren.


Quelle: Hintergrund

ALBA-Botschafter fordern in Berlin Solidarität mit Zelaya

Nach Putsch in Honduras: Gemeinsame Pressekonferenz von lateinamerikanischen Diplomaten in der deutschen Hauptstadt

Von Harald Neuber
Prensa Latina
ALBA-Botschafter fordern in Berlin Solidarität mit Zelaya

Pressekonferenz am Montag in der venezolanischen Botschaft in Berlin

Berlin. Die Botschafter mehrerer Mitgliedsstaaten der Bolivarischen Allianz für Amerika (ALBA) haben am gestrigen Montag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin ihre Solidarität mit dem gewählten Präsidenten von Honduras, Manuel Zelaya, erklärt.

An der Konferenz in der diplomatischen Vertretung Venezuelas in Berlin nahmen die Botschafter von Kuba, Ecuador und Venezuela teil. Nicaragua war durch die Geschäftsträgerin vertreten. Für die Botschaft Boliviens nahm die Zweite Sekretärin teil.

"Wir verurteilen aufs Schärfste den brutalen Putsch in unserer Schwesterrepublik Honduras", sagte Venezuelas Botschafterin in Deutschland, Blancanieve Portocarrero, die zu der Konferenz eingeladen hatte. Portocarrero erinnerte daran, dass zahlreiche Organisationen wie die ALBA, die OAS, die UNASUR, die Rio-Gruppe, die UNO und die EU den Staatsstreich bereits verurteilt haben.

"Die Staaten der ALBA unterstützen auch die geplante Volksbefragung, die am Sonntag stattfinden sollte", fügte Portocarrero an.

Kubas Botschafter in Berlin, Gerardo Peñalver Portal, erinnerte an das gewaltsame Vorgehen der Putschisten in Honduras. Die Botschafter von Kuba, Nicaragua und Venezuela seien attackiert worden, als sie die Außenministerin Patricia Rodas vor den Putschistentruppen schützen wollten.

"Wir machen uns deswegen besonders Sorgen um die 486 kubanischen Ärzte und humanitären Helfer, die in Honduras ihren Dienst tun", sagte Peñalver.

Auch der kubanische Gesandte lehnte das Putschregime entschieden ab. "Die Zeit der Militärdiktaturen in Lateinamerika ist vorbei", sagte er, um Fidel Castro zu zitieren: "Mit den Putschisten kann man nicht verhandeln, man muss ihren Rücktritt fordern."

Ecuadors Botschafter in Deutschland, Horacio Sevilla Borja, forderte "alle nur denkbare Solidarität für das Volk von Honduras". Der Präsident seines Landes, Rafael Correa, habe bereits eine Versammlung der Präsidenten der Rio-Gruppe beantragt.

Sevilla Borja befürwortete die jüngsten Äußerungen des deutschen Außenministers Frank-Walter Steinmeier. Der sozialdemokratische Politiker hatte den Putsch in Honduras am Montagmorgen in einer Erklärung verurteilt.

Auch die Geschäftsführerin der Botschaft von Nicaragua in Berlin, Karla Luzette Beteta Brenes, sprach der gewählten Regierung von Manuel Zelaya ihre Solidarität aus. Sie erinnerte daran, dass der Staatstreich gegen zahlreiche Verträge verstoße, unter anderem gegen das 1991 unterzeichnete Protokoll von Tegucigalpa.

Der Putsch in Honduras sei eine "Gefahr für die Region und für die internationale demokratische Ordnung", fügte der Vertreter von Ecuador, Sevilla Borja, an. Die Staaten der ALBA würden sich daher weiter für eine Rückkehr der rechtmäßig gewählten Regierung in Honduras einsetzen.


Der Text erschien auf Spanisch bei der kubanischen Nachrichtenagentur Prensa Latina. Übersetzung und Bearbeitung: amerika21.de


Quelle: amerika21.de

Mehr zum Thema:

Gegenmeinung: Deutsche Parteistiftungen arbeiten am Sturz linker Regierungen in Lateinamerika

Montag, 29. Juni 2009

Unwissenheit ist Stärke

Paul Craig Roberts

von Paul Craig Roberts

Informationclearinghouse -- Die einseitige und propagandistische Berichterstattung durch die amerikanischen Medien über die Wahlen im Iran hat aus dem unterlegenen Kandidaten Mousawi einen Helden gemacht.

Man fragt sich, ob irgend jemand irgendwo in den amerikanischen Medien oder der US-Regierung weiß, daß Mir-Hossein Moussawi, der in dem Jahrzehnt nach dem Sturz des amerikanischen Marionettenregimes durch Khomeini von 1981 bis 1989 Premierminister der Islamischen Republik Iran war, als Schlächter von Beirut bezeichnet wurde, verantwortlich für die blutigen Anschläge auf die US Botschaft und die Kaserne der US Marines in Beirut in der Zeit der Präsidentschaft Reagans. Bei den Anschlägen wurden damals 241 US Marines, Schiffsbesatzungen und Armeesoldaten getötet.

Dem Artikel von Jeff Stein in der Ausgabe von CQ Politics vom 22. Juni zufolge wählte Moussawi Ali Akbar Mohtashemi-pur zum leitenden Planer der Terrorkampagne von Beirut aus. Akbar führte die Terrorzelle an, die für die Anschläge verantwortlich war. Admiral James Lyons zufolge hörte die National Security Agency damals den iranischen Botschafter im Libanon ab. Admiral Lyons sagte Jeff Stein, daß „der iranische Botschafter vom Außenminister angewiesen wurde, mehrere Gruppen bereitzuhalten, um Anschläge auf US-Personal im Libanon zu verüben, insbesondere aber, um eine ‚spektakuläre Aktion‘ gegen die Marines durchzuführen.“

Stein berichtet, daß Lyons“ Moussawi auch mit dem Anschlag mit einem mit Sprengstoff beladenen LKW auf das US Navy‘s Fleet Center in Neapel in Verbindung bringt.“ Bob Baer, zu jener Zeit als CIA Offizier im Nahen Osten im Einsatz, sagt, daß Moussawi „direkten Kontakt zu Imad Mughniyah“ hatte, der für die Anschläge verantwortlichen Person. All diese Tatsachen sind vollständig aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwunden. Die Medien in den USA und die Regierung haben aus dem Schlächter von Beirut Moussawi den Mann gemacht, der sich anschickt, Iran von der Theokratie zu befreien.

Nur in Amerika und unter der fiktiven Bevölkerung in George Orwells prophetischem Roman 1984 finden wir ein solches Ausmaß von Unwissenheit. In Amerika - auch Ozeanien genannt - erleben wir täglich wie die Macht der drei Slogans des Großen Bruders wächst:

KRIEG IST FRIEDEN

FREIHEIT IST SKLAVEREI

UNWISSENHEIT IST STÄRKE

Aus Unwissenheit erwächst die Stärke aus dem terroristischen Feind Amerikas Moussawi einen Helden zu machen.
Freiheit rechtfertigt den Schutz, der gewährleistet wird, indem der Einzelne stets und ständig überwacht wird, ohne daß eine geschütze Privatsphäre den großen Bruder noch daran hindern kann, einen geplanten Terroranschlag aufzudecken. Diese Freiheit von der Furcht vor Terror verwandelt sich in die Sklaverei zeitlich unbefristeter Haft ohne Beweise oder konkrete Anschuldigungen. Der Grundsatz von habeas corpusist zum Gegenteil von Freiheit geworden, weil er unseren Schutz vor Terroristen gefährdet.

Am 23. Juni 2009 folgte der Große Bruder Obama der Tradition der Großen Brüder Bush und Cheney und erklärte, daß Ozeanien und „die ganze Welt“ entsetzt und empört über die Versuche des Iran seien, die Proteste, die durch Ozeaniens Einmischung in die Wahlen im Iran entfacht wurden, gewaltsam zu unterdrücken.

Gleichzeitig setzt Ozeanien seine Kriege in Irak, Afghanistan und Pakistan fort, vernichtet dabei Menschen auf allen Seiten der Fronten, und rüstet sich währenddessen, Frieden im Iran zu schaffen. Niemand regt sich über diese Gewalt auf. Krieg ist Frieden. Wer keine Kriege führt, kann keinen Frieden schaffen. Frieden entsteht, wenn sich die Herrschaft des Großen Bruders auf jene Gegenden ausweitet, in denen man nicht versteht, daß Krieg Frieden, Freiheit Sklaverei und Unwissenheit Stärke ist.

„Das Gesicht des Großen Bruders schien noch für mehrere Sekunden auf dem Bildschirm sichtbar zu bleiben, so als wenn die Wirkung, die sein Anblick auf die Augen der Anwesenden gemacht hatte, zu lebhaft war, als daß er unvermittelt hätte verschwinden können. Die kleine Frau mit den sandfarbenen Haaren hatte sich über die Lehne des Stuhls vor ihr gebeugt. Mit einem zittrigen Murmeln, das wie „Mein Erlöser!“ klang, streckte sie die Arme in Richtung Bildschirm aus.

In diesem Moment verfiel die gesamte Menge in einen tiefen, langsamen, rhythmischen Sprechgesang „Großer Bruder, Großer Bruder, Großer Bruder“, immer und immer wieder, sehr langsam, mit einer langen Pause zwischen den beiden Worten; ein schweres, murmelndes Dröhnen, merkwürdig wild und ursprünglich, wobei man meinte im Hintergrund das Stampfen nackter Füße und das Pulsieren von Buschtrommeln zu hören. Die Menge setzte den Gesang für vielleicht dreißig Sekunden fort. Dieser Refrain war oft in Momenten überwältigender Emotionen zu hören. Zum Teil war es eine Art Hymne an die Weisheit und Majestät des Großen Bruders, aber es war mehr noch ein Akt der Selbsthypnose, ein freiwilliges Abschalten des Bewußtseins durch diesen rhythmischen Lärm.“

Das Abschalten des Bewußtseins durch rhythmischen Lärm beschreibt die Arbeit des Wahrheitsministeriums von Ozeanien recht treffend.

Wieviel Zeit bleibt den Amerikanern noch, bis es ein Gedankenverbrechen sein wird, am Großen Bruder und dem Ministerium für Wahrheit zu zweifeln?

„Ob er schrieb ‚Nieder mit dem Großen Bruder!‘, oder ob er es unterließ, machte keinen Unterschied. Die Gedankenpolizei würde ihn so oder so zu fassen kriegen. Er hatte das grundlegende Verbrechen begangen, das alle anderen Verbrechen schon enthielt. Gedankenverbrechen nannten sie es.“

Die Neokonservativen haben in Amerika Kommitees zur Überwachung von Gedankenverbrechen unter Professoren eingerichtet. Akademiker, die die von den Neokonservativen vorgegebenen Linie abweichen oder sie in Frage stellen, werden identifiziert und Schmähkampagnen ausgesetzt. Die berufliche Existenz von Sami Al-Arian, einem Professor für Computerwissenschaften an der Universität von Florida wurde vom US Justizministerium (!) zerstört, weil er die palästinensische Sicht der Dinge kundtat.

Diese Spionagekampagne der Neokonservativen wird von Dennis C. Blair, dem Direktor der National Intelligence noch weiter ausgeweitet. In seinem Artikel in Counterpunch vom 23. Juni berichtet David Price, daß Blair Pläne für ein Programm angekündigt hat, in dessen Rahmen Nachrichtenoffiziere (Geheimdienstmitarbeiter, A.d.Ü) in der Durchführung von verdeckten Aufträgen in den Universitäten und Seminaren geschult werden sollten, ohne daß ihre Identitäte den Professoren oder Verwaltungsmitarbeitern bekannt wäre.

Dies wird auch von Orwell selbst nicht mehr übertroffen. Unabhängiges Denken wird zunehmend zu einem ernsten Gedankenverbrechen. Winston Smith war der einzige unter den Untertanen des Großen Bruders, der noch zu unabhängigem Nachdenken fähig war. Seine Fähigkeit selbständig zu denken wurde entdeckt und ausgelöscht.

Schon jetzt sehen wir, daß die US-Medien zu eigenständigem Denken nicht in der Lage sind.

Unabhängiges, eigenständiges Denken ist an den Universitäten, wo berufliche Karrieren von Geldern der Regierungsgeldern abhängen, heute bereits halbtot.

In den think-tanks(möglich Übersetzung: Denk-Panzer; A.d.Ü.), wo die Interessen der Geldgeber die Richtung vorgeben, existiert kein unabhängiges Denken. Unabbhängiges selbständiges Denken wird in Amerika zusehends zu einer anti-amerikanischen Handlung, die immer mehr einer terroristischen Handlung gleicht.

Mit Neusprechgelingt es mühelos, diese Wandlungen und Umformungen von Bedeutung und Inhalten zu handhaben. Die neuen Generationen, die in dieses System hineingeboren werden, kennen keine Unterschiede zu früher und müssen darum auch nicht zum Schweigen gebracht werden. Sobald die Angehörigen der älteren Generationen unter Kontrolle gebracht wurden, ist die Wahrheit das, was der Große Bruder verkündet. Was immer es auch sei.


Paul Craig Roberts war stellvertretender Finanzminister in der Regierung Reagan. Er ist Verfasser von „Supply-Side Revolution: An Insider‘s Account of Policymaking in Washington“ (Revolution der Angebotsseite: Bericht eines Insiders über Politik in Washington), von „Alienation and the Soviet Economy“ (Entfremdung und die sowjetische Wirtschaft) und von „Meltdown: Inside the Soviet Economy“ (Abschmelzen: Innenansicht der sowjetischen Wirtschaft), sowie gemeinsam mit Lawrence M. Stratton von „The Tyranny of Good Intentions: How Prosecutors and Bureaucrats Are Trampling the Constitution in the Name of Justice“ (Tyrannei der guten Absichten: Wie Strafverfolger und Bürokraten die Verfassung im Namen der gerechtigkeit mit Füßen treten) Man kann ihn unter paulcraigroberts@yahoo.com erreichen.

Übersetzt vom Englischen ins Deutsche von Hergen Matussik, einem Mitglied von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt (URL Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=7973&lg=de). Diese Übersetzung unterliegt dem Copyleft: sie kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor als auch die Quelle genannt werden.

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»Sein Niveau ist auf der Ebene der Glückskekse«

Platitüden, Nonsens, albernes Gekicher: Der Dalai Lama soll Ehrendoktor der Universität Marburg werden. Gespräch mit Colin Goldner

Interview: Peter Wolter
Bild 1
Colin Goldner ist klinischer Psychologe und Autor der kritischen Biographie: »Dalai Lama – Fall eines Gottkönigs« (Aschaffenburg, akt. Neuauflage 2008)

Am 3. August 2009 soll dem Dalai Lama die Ehrendoktorwürde der Marburger Philipps-Universität verliehen werden, um ihn, wie es heißt, »für sein wissenschaftliches Wirken zu würdigen«. Was steckt da dahinter?

Der Dalai Lama wird anläßlich seines diesjährigen Deutschlandbesuches vom 30. Juli bis zum 2. August in der Frankfurter Commerzbank-Arena buddhistische Belehrungen abhalten. Anschließend bekommt er in Marburg einen Ehrendoktorhut aufgesetzt, den 54. seiner Karriere, wenn ich mich nicht verzählt habe. Wie bei all den anderen Ehrendoktoraten, die er von Hochschulen in aller Welt erhalten hat, steht auch in Marburg nicht das geringste akademische Verdienst dahinter. Aber auch kein anderes: kein politisches, kein soziales, kein humanitäres und kein sonstiges.

Vor genau 20 Jahren hat er doch den Friedensnobelpreis bekommen. Auch das ohne Verdienst?

Ja, ohne den geringsten Beitrag zu irgendeinem Demokratisierungs- oder Friedensprozeß. 1989 war das Jahr des Massakers auf dem Tiananmen-Platz des Himmlischen Friedens in Peking. Man suchte in den westlichen Industrieländern einen Weg, wie man Entrüstung zum Ausdruck bringen könnte, zugleich aber die sich anbahnenden Wirtschaftsbeziehungen zur Volksrepublik China nicht gefährden würde. Mit der Verleihung des Friedensnobelpreises an den Dalai Lama, den Inbegriff alles Antichinesischen, war dieser moralischen Verpflichtung Genüge getan.

Was rechtfertigt die Marburger Ehrendoktorwürde für den Dalai Lama?

Nichts. Was der »Gottkönig« in seinen Vorträgen zum besten gibt, ist eine absurde Dialektik von Platitüde und Nonsens. Zum einen läßt er positiv-denkerischen Trivialkram ab, dessen Niveau nur selten über das der Glückskekse hinausreicht, die man nach dem Essen im Chinarestaurant bekommt, beispielsweise »Nur wer Leid erträgt, wird Glück erfahren«. Alle können dabei mit dem Kopf nicken und sich der Erleuchtung ganz nahe wähnen, auch wenn der Aussagewert gleich null ist. Zum anderen schwadroniert er endlos in pseudophilosophischer Metaphysik herum und reiht, begleitet von unmotiviertem Gekichere und sonstigen Hanswurstiaden, wie etwa dem Herumschaukeln auf seinem Thron, sinnleere Worthülsen aneinander. Schon nach dem ersten Satz schalten die Zuhörer ab, weil es schlechterdings keinen Sinn macht, was er da von sich gibt. Dieses kognitive Abschalten halten sie dann auch noch für bewußtseinsfördernde Meditation. Wenn man’s nicht versteht, dann nur, weil man selbst doch noch nicht erleuchtet genug ist.

Ein Beispiel?

O-Ton »Seiner Heiligkeit«: »Daß Erscheinungen unter letztgültiger Analyse nicht gefunden werden können, zeigt an, daß sie nicht wirklich existieren. Da sie leer sind in bezug auf die konkrete Existenzweise, in der sie erscheinen, ist klar, daß sie im Kontext und Wesen der Leere in bezug auf inhärente Existenz existieren.« Es ist wie in Andersens Märchen von den neuen Kleidern des Kaisers: Niemand traut sich zu sagen, daß der Dalai Lama einen Unsinn verzapft, daß die Lichter ausgehen.

Warum legt sich die Universität Marburg so ein Ei ins Nest?

Offenbar glaubt man, der Glanz all der vorherigen Ehrungen, einschließlich des Nobelpreises, falle irgendwie auch auf die Uni Marburg zurück. Die Ehrendoktoratsverleiherei an den Dalai Lama ist zu einem grotesken Selbstläufer geworden. Die Uni Marburg muß sich gleichwohl fragen lassen, weshalb sie einen Mann auszeichnet, der als oberster Repäsentant eines der ausbeuterischsten und blutsaugerischsten Systeme gilt, die es je in der Menschheitsgeschichte gab: eines feudaltheokratischen Priesterstaates, in dem bis Mitte des 20. Jahrhunderts – also bis in die Ägide des jetzigen Dalai Lama hinein! –Leibeigenschaft und Sklaverei vorherrschten. Sie muß sich fragen lassen, weshalb sie das Oberhaupt eines religiösen Wahnsystems ehrt, zu dessen wesentlichen Ritualen der sexuelle Mißbrauch kleiner Mädchen zählt; einen Obskuranten, der auf Astrologie, Orakel- und Dämonenkult abstellt und von sich behauptet, frei durch die Luft fliegen zu können.

Quelle: junge Welt

Sonntag, 28. Juni 2009

Demokratische Alternativen in Süd- und Mittelamerika werden vom internationalen Kapital mit allen Mitteln bekämpft

Von Folker Hoffmann

Während der Westen im Iran und zuhause Propagandaschlachten schlägt, um eine Wahl zu annulieren, die einen ihm nicht genehmen Wahlsieger Ahmadinedschad hervorbrachte, hat das Militär in Honduras einen Staatsstreich durchgeführt, und den populären, demokratisch gewählten Präsidenten Zelaya, abgesetzt. Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass dies nicht ohne aktive Mithilfe westlicher Geheimdienste geschah. Die Schlapphüte handeln im Auftrag ihrer Regierungen. Diese wiederum hängen als Befehlsempfänger an den Fäden des Großkapitals und geben weiter was ihnen aufgetragen wird. Wahlergebnisse, die in demokratischen Wahlen zustande kommen, aber der wirtschaftlichen Ausbeuterklasse nicht in den Kram passen, werden nicht respektiert und durch Putschs und/oder Militärinterventionen zunichte gemacht. So wie bei den Wahlen in Palästina 2006, als die Hamas die absolute Mehrheit errang. Erst Gelder streichen, dann stellvertretend innerpalästinensische Kämpfe mit Hilfe des Mossad und anderer Geheimdienste austragen lassen.


Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de

Das ist beim subversiven Kampf des internationalen Kapitals gegen alternative Gesellschaftsordnungen nie anders gelaufen. Seit langem ist die Entwicklung in Lateinamerika der global im Einsatz befindlichen Hochfinanz ein Dorn im Auge und sie ließ keine Gelegenheit verstreichen den lateinamerikanischen Befreiungsprozess zu bekämpfen. Ob in Chile oder bei seinem Militäreinsatz gegen den Zwergstaat Grenada, die kläglich gescheiterte Schweinebuchtinvasion auf Kuba, samt mehrerer erfolgloser Mordanschläge auf Fidel Castro, überall war die CIA federführend.

Selbst deutsche Parteienstiftungen stehen bei der Aufteilung der Beute nicht abseits und leisten im Auftrag ihrer Gönner wertvolle, umstürzlerische Arbeit. Sie sehen seit langer Zeit ihre Hauptaufgabe darin, Unruhen in Staaten zu schüren, die aus der westlichen Kapitaldominanz ausscheren wollen, um eigene Wege zu gehen. Die Adenauer-Stiftung beispielsweise, betreibt in Venezuela mit Nazi-Propaganda und deutschen Steuergeldern ihr Schmierenspiel gegen die Regierung von Präsident Hugo Chávez.

Die Bolivarianischen Alternative für Amerika (ALBA) ist inzwischen zu einem Bündnis von nun insgesamt neun Staaten der Regionen Süd- und Mittelamerika sowie der Karibik angewachsen. Eine echte Herausforderung für das marode Wirtschafts- und Gesellschaftssystem der USA und ihrer Vasallen.

Der Putsch in Honduras deutete sich seit einiger Zeit bereits an. Verschiedene lateinamerikanische Regierungen stärkten vor einigen Tagen Honduras Präsident Zelaya den Rücken.

"Die Alba-Staaten, die sich erst vorgestern in Venezuela trafen, erklärten, man werde keine andere Regierung als die von Manuel Zelaya anerkennen. Die Organisation Amerikanischer Staaten rief eine Dringlichkeitssitzung ein und forderten die Opposition auf, sich an die demokratische Ordnung zu halten. Venezuelas Präsident Hugo Chávez meinte, die aktuellen Vorgänge zeigten, dass die Oberschicht des Landes Angst vor der Abstimmung des Volkes habe. Die deutlichsten Worte wählte Fidel Castro. Er verglich den gestrigen Aufruf von Zelaya mit der letzten Rede von Salvador Allende und schloss seinen Text mit den Worten: Das Volk von Honduras wird diese Geste niemals vergessen!"
Der gegenwärtige Finanzcrash und das damit verbundene Risiko, dass die jetzige Herrscherclique ihre priviligierte Stellung und ihren Einfluss verliert, macht sie so unberechenbar und gefährlich. In die Enge getrieben, wird sie eine alterprobte Karte ziehen, die immer in diesen Situationen stach: nämlich Krieg! Wenn man ihr nicht zuvorkommt.

Iran: Das Scheitern des “grünen” Putsches


„Operation Ajax 2“ und ihr Fiasko -

Von JÜRGEN CAIN KÜLBEL

„Seit Ausbruch der Proteste gegen das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen versucht die (iranische) Führung, im Konflikt mit der Opposition alte Feindbilder in der Bevölkerung zu beschwören: Die Regimegegner seien von westlichen Mächten und Medien angestiftet, allen voran vom ‚Großen Satan’ USA.“
Yassin Musharbash und Philipp Wittrock, SPIEGEL-Online am 22. Juni 2009 in „Wie der Westen sich in der Iran-Frage windet“ (1)

Einzigartig, mit welcher Dreistigkeit, vor allem Bereitschaft zur Lüge, sich „die von der US-Regierung kontrollierten, korporierten US-Medien, ein Propagandaministerium“ sowie die regimenahen Medien Großbritanniens und Deutschlands, um nur einige Vertreter der ‚freien demokratischen Presse’ zu nennen, auf die zurückliegende Präsidentschaftswahl im Iran und die Ereignisse danach gestürzt haben. Gekaufte Journalistenseelen arbeiteten bereitwillig den Vorgaben der ‚Politik’ zu – „die Regierungschefs der Marionettenstaaten Großbritannien und Deutschland haben sich der amerikanischen Operation der psychologischen Kriegsführung angeschlossen“ - und stellten einen „Wahlbetrug (in Iran) als Tatsache hin, obwohl es dafür keinerlei Beweise gibt“, erboste sich Paul Craig Roberts, einst Vizefinanzminister unter US-Präsident Ronald Reagan und Mitherausgeber des Wall Street Journal am 16. Juni 2009 in „America’s Best Political Newsletter Counterpunch“. (2) Beispiele solcherart Falschdarstellungen finden sich in deutschen Medien vor allem im Tagesspiegel, der Zeit, im Spiegel. Aufschlussreich, dass sie das Werk zweier, dreier besonders „eifriger Journalisten“ sind.

Konstruierter Vorwurf des Wahlbetruges

Die USA, legt man ihre Sicht der Dinge in Sachen Iran zugrunde, hatten tatsächlich Handlungsbedarf; zeichnete sich doch lange vor den Wahlen im Iran ab, dass ihr dortiger Erzfeind, Präsident Mahmud Ahmadinedschad, für den das Besatzerregime (Israel) von den Seiten der Geschichte verschwinden muss, der nach US-Israel-Denkvorgabe dem Dr. Seltsam gleich an der A-Bombe bastelt, mit einer Siegerquote aus dem Urnengang hervorgehen werde, die für westliche Politiker jenseits des Vorstellbaren liegt.

Ken Ballen, Präsident des „Terror Free Tomorrow: The Center for Public Opinion“ (CPO) und Patrick Doherty von der “New America Foundation” erklärten am 15. Juni 2009 in The Washington Post, das Ergebnis der jüngsten Präsidentschaftswahlen in Iran „dürfte den Willen des iranischen Volkes reflektieren“. (3) Die Meinungsforscher hatten - finanziert vom Rockefeller Brothers Fund - zwischen dem 11. und 20. Mai in den 30 Provinzen des Landes Tausende Iraner von einem Umfrageunternehmen, das für seine (generelle) Arbeit für ABC News und BBC in der Region zuvor bereits einen Emmy Award erhalten hatte, in der Landessprache Farsi über ihr Wahlverhalten befragen lassen. Ihr Resümee:

„Viele Experten behaupten, die Höhe des Sieges des amtierenden Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad sei das Resultat von Betrug oder Manipulation, aber unsere landesweite Meinungsumfrage unter den Iranern drei Wochen vor der Wahl zeigte, dass Ahmadinedschad in einem Verhältnis von mehr als zwei zu eins in Führung lag – klarer noch als die tatsächliche Höhe seines Sieges in den Wahlen.

Während westliche Nachrichtenberichte aus Teheran in den Tagen vor der Wahl eine für Ahmadinedschads Hauptopponenten, Mirhossein Mussawi, enthusiastische iranische Öffentlichkeit zeichneten, zeigten unsere wissenschaftlichen Stichproben, die wir in allen 30 Provinzen Irans nahmen, dass Ahmadinedschad klar vorne lag.

Das Ausmaß der Unterstützung für Ahmadinedschad war in der Umfrage vor den Wahlen offensichtlich. Während der Kampagne betonte Mussawi zum Beispiel seine Identität als Aserbaidschaner, der zweitgrößten ethnischen Gruppe in Iran nach den Persern, um die aserbaidschanischen Wähler zu umwerben. Unsere Umfrage zeigte aber, dass die Aserbaidschaner Ahmadinedschad im Verhältnis von zwei zu eins den Vorzug vor Mussawi gaben.

Viele Kommentatoren haben die iranische Jugend und das Internet als Vorboten einer Wende in diesen Wahlen dargestellt. Aber unsere Befragung zeigte, dass nur ein Drittel der Iraner überhaupt Zugang zum Internet hat und die 18- bis 24-Jährigen zugleich den stärksten Wählerblock für Ahmadinedschad darstellten.

Die einzigen Bevölkerungsgruppen, bei denen in unserer Umfrage Mussawi gegenüber Ahmadinedschad in Führung oder konkurrenzfähig war, waren Universitätsstudenten oder -absolventen und die Iraner mit dem höchsten Einkommen. Als unsere Umfrage durchgeführt wurde, war nahezu ein Drittel der Iraner noch unentschieden. Aber die grundlegenden Verteilungen, die wir damals fanden, widerspiegeln die Resultate, welche von den iranischen Behörden gemeldet wurden, was darauf hinweist, dass die Wahl nicht das Produkt großflächigen Betruges ist.“ (4)

Go West: Die „Grünen“

Die „grüne” Bewegung auf Teherans Strassen - Jugendliche, Studenten aus begüterten Haushalten, Akademiker, Iraner mit Höchsteinkommen -, jene vom Westen hochgejubelte Anhängerschar des spröden, 68 Jahre alten Wahlverlierers, Politrentners und vorsätzlich falsch als Reformer gehandelten Mirhossein Mussawi, der in den letzten zwanzig Jahren einzig Schöngeisterei betrieb, spiegelt sicher nicht den Gesamtwillen des iranischen Volkes. Eingeräumt sei, dass diese „Grünen“, unter Beobachtern, die in Teheran dabei waren, spöttelnd auch als „Louis-Vuitton-Edelhandtaschen-Träger-Revoluzzer“ bezeichnet, leise, aber auch wirklich nur leise Vorboten einer politischen und gesellschaftlichen Entwicklung sein dürften, die dem Iran zukünftig zufallen wird. Fakt ist: Die Protestkundgebungen gegen den obersten Religionsführer Ajatollah Khamenei sowie Mahmud Ahmadinedschad werden wieder abflauen. Doch jener, sich noch hinter dem Schleier der „grünen“ Bewegung versteckende Prozess der Spaltung zwischen den Ajatollahs, den mächtigen Rechtsgelehrten des Landes, und einer unter dem Zeichen des Islam geborenen neuen iranischen Bourgeoisie, wird sich fortsetzen und vertiefen.

Kardinale Umwälzungen in Politik und Gesellschaft des Iran stehen momentan nicht bevor. Möglich aber, dass es nach der nächsten Präsidentschaftswahl zu bedeutenden Veränderungen in der Innen- und Außenpolitik des Landes kommen könnte. Schon jetzt ist abzusehen, dass die in die letzten drei Jahrzehnte in den Iran hineingeborene „neue“ politische Klasse, eine Art Bourgeoisie, künftig den ihr „zustehenden“ Anteil an der Macht sowie Zugang zum Geld aus den Öleinnahmen einfordern wird. Eine daraus resultierende Annäherung des Landes an den „Westen“ scheint, allein im Hinblick auf die kapitalistische Wirtschaftsform, die diese Klasse restaurieren und forcieren möchte, unausweichlich; unabhängig davon, dass es nur einer Minderheit nutzen würde.

Dass der „revolutionäre Funke“, der von jenen bürgerlichen „Grünen“ ausging, überhaupt nicht auf die iranische Bevölkerung übergesprungen war, die sich mit dem Vorgehen und den Forderungen der Demonstranten nicht identifizieren konnte, hat der unselige Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, Meir Dagan, wohl als einer der Ersten erkannt und artikuliert. Die Jerusalem Post berichtete am 16. Juni 2009, Dagan habe vor Israels Parlamentsausschuss für Außen- und Sicherheitspolitik erklärt, „was etwas ausmacht, das ist die Position des (obersten) Führers, und die hat sich nicht verändert. Die Unruhen finden nur in Teheran und einer weiteren Region statt. Sie werden in wenigen Tagen absterben“ und sich nicht zu einer „vollständigen Revolution“ entwickeln. Zudem, so der Mossad-Chef, unterscheiden sich die Gewalt im Sog der Wahlen und der Vorwurf des Wahlbetruges „nicht von irgendeiner anderen Demokratie. Die Diskussion innerhalb der iranischen Elite ist eine innere Angelegenheit“. (5) Worte, die man so von ihm, der gnadenlos Menschen eliminieren lässt, nicht gewohnt ist. Spekulativ, ob er mit seiner Aussage „Kollegen befreundeter Dienste“, die ein für seinen Geschmack untaugliches „Umsturz-Szenario“ für den Iran ausgeheckt und in die Gänge gebracht hatten, indirekt abwatschen wollte? Der Wink mit dem Zaunspfahl des in Demokratien nicht unüblichen Wahlbetrugs erreicht George W. Bush, der seinen eigenen (Florida-Stimmen) inszenierte, allerdings nicht mehr.

Mobilmachung für Regimewechsel

„Die Iraner haben bittere Erfahrungen mit der Regierung der Vereinigten Staaten gemacht. Ihre erste demokratische Regierung nach Überwindung des Status der Besetzung und Kolonialisierung in den 1950er Jahren wurde von der US-Regierung gestürzt“, schreibt Paul Craig Roberts, der sich auf die „Operation Ajax“ bezieht, ein unter Anleitung der CIA und dem britischen Auslandsgeheimdienst MI6 durchgeführter Umsturz im Jahre 1953, bei dem der demokratisch gewählte Premier Dr. Mohammad Mossadegh entmachtet und durch eine von Schah Mohammad Reza Pahlavi favorisierte Militärregierung ersetzt wurde. Selbstverständlich wurde die von Mossadegh vorgenommene Verstaatlichung der Ölindustrie sofort rückgängig gemacht. Daher hat „die US-‚Supermacht den iranischen islamischen Ajatollahs die iranische Revolution der späten 1970er Jahre nie verziehen: Jene stürzten die amerikanische Marionettenregierung (wieder), nahmen die Mitarbeiter der US-Botschaft, die man als ‚Höhle von Spionen’ betrachtete, in Geiselhaft; derweil iranische Studenten die im Aktenvernichter zerstückelten Dokumente der Botschaft wieder zusammensetzten, welche die amerikanische Komplizenschaft bei der Zerstörung der iranischen Demokratie bewiesen“, so Roberts. (6)

Obwohl es die Ajatollahs heute nicht mehr zulassen wollen, „dass die iranische Revolution mittels amerikanischen Geldes in einer dieser ‚Farbcode-Revolutionen’ gestürzt wird“, steht der Feind längst im Innern des Landes Gewehr bei Fuß. Der unsägliche Ex-US-Außenminister und Ex-Sicherheitsberater der Washingtoner Kriegsbrandstifter, Henry Kissinger, ein mit internationalen Orden hoch dekorierter gebürtiger Deutscher, dem als Politiker das Massenmorden in Vietnam, Kambodscha, Chile wie Kerzenausblasen von der Hand ging, gab sich am 18. Juni 2009 auf „BBC Newsnight“ frech wie Rotz: „Ich bin sicher, dass die Amerikaner aus der momentanen Situation heraus die Entstehung einer wirklich auf dem Volke basierenden Regierung favorisieren würden.“ Sollte sich das nicht verwirklichen, „dann haben wir eine andere Situation, dann sollten wir beschließen, dass wir an einem Regimewechsel im Iran von außen arbeiten müssen“. (7) Was der Verbrecher sagen wollte: Wenn es uns nicht gelingt, Teile der iranischen Strasse zum Umsturz zu manipulieren, sollten die Waffen sprechen.

An einem „Regimewechsel“ in Iran „arbeiten“ die USA mehr oder weniger intensiv seit der Islamischen Revolution 1979, durch die sie und die Briten sämtliche (Erdöl-)Pfründe im Perserland verloren hatten. Nach nahezu drei Jahrzehnten wirtschaftlichen und politischen Boykotts war es dann US-Kriegspräsident George W. Bush, der 2002 im Sog der neokonservativen imperialen Pläne den Iran samt Irak und Nordkorea auf der „Achse des Bösen“ deponierte. Ab 2003 verstärkte Bush dann den Druck auf Teheran unter dem Vorwand des iranischen Atomprogramms. Hatte die US-Administration 2005 noch schlappe 10 Millionen Dollar für einen „Regimewechsel“ in Iran übrig, so änderte sich das schlagartig ab dem 14. Februar 2006. Denn Bush, so Peter Symonds von World Socialist Web, „beantragte (damals) eine starke Erhöhung der Mittel für die Destabilisierung der Regierung in Teheran“. Und seine Außenministerin Condoleezza Rice versprach dem Auswärtigen Ausschuss des Senats, die USA werde sich fortan den Iran „aktiv vornehmen“, um gleichzeitig „zusätzliche 75 Millionen Dollar für die Finanzierung anti-iranischer Propaganda und von Oppositionsgruppen innerhalb und außerhalb des Landes“ einzufordern. (8) Am 16. Mai 2007 ließ dann John Bolton, einer der bedeutendsten neokonservativen Kriegstreiber gegen den Irak, die Katze aus dem Sack und sagte dem Londoner Telegraph, ein Militärschlag der USA gegen den Iran sei „die ‚letzte Option‘, nachdem wirtschaftliche Sanktionen und der Versuch, eine Umsturzbewegung in Gang zu bringen, gescheitert seien.“ (9)

Wenige Tage später, am 23. Mai 2007, berichteten Brian Ross und Richard Esposito für ABC News, „die CIA hat vom Präsidenten die geheime Absegnung für eine Operation unter falscher Flagge erhalten, um die iranische Regierung zu destabilisieren, wie aktive sowie ehemalige offizielle Mitarbeiter aus Geheimdienstkreisen ABC News berichten“. (10) Das präzisierte The Sunday Telegraph am 27. Mai 2007: “Präsident Bush hat ein offizielles Dokument unterschrieben, wodurch Pläne der CIA für eine Propaganda- und Desinformationskampagne abgesegnet werden, mit dem Ziel, die Theokratie in Iran zu destabilisieren oder eventuell zu stürzen.” (11) Der renommierte US-Journalist Seymour Hersh bestätigte die Vorlage des Telegraph am 29. Juni 2008 in seinem Hausblatt New Yorker: „Wie von gegenwärtigen und früheren Geheimdienstquellen und Quellen des Kongresses bestätigt wird, stimmte gegen Ende letzten Jahres der Kongress dem Plan des Präsidenten zu, die Mittel für groß angelegte verdeckte Operationen gegen den Iran zu billigen. Der Präsident suchte um Mittel in der Höhe von bis zu 400 Millionen Dollar an und sie wurden in den Präsidentenunterlagen, die von Bush unterschrieben waren, dahingehend beschrieben, dass sie die religiöse Führung des Landes destabilisieren sollen.“ (12)

Selbstverständlich würde eine „demokratische“, sprich US-hörige Marionettenregierung in Teheran, so freundlich sein, die riesigen Öl- und Gasreserven des Landes an amerikanische (und britische) Konzerne zu verhökern, vom Internationalen Währungsfond diktierte Marktreformen umzusetzen und die amerikanische Außenpolitik in der Region devot zu unterstützen. Daher kann der Ruf der Vereinigten Staaten (samt westlicher Enklaven) nach „Demokratie“ im Iran sowie Opposition gegen Teherans Nuklearprogramm nur als durchsichtige Verschleierungstaktik aufgefasst werden, denn „Regimewechsel im Iran“ bedeutet im Klartext, „die Vorherrschaft der USA auf die rohstoffreichen Regionen des Nahen und Mittleren Ostens sowie Zentralasiens auszudehnen und dabei die europäischen und asiatischen Rivalen abzuhängen. Iran hat nicht nur selbst riesige Öl- und Gasreserven, sondern bildet auch ein strategisches Bindeglied zwischen Nahost und Zentralasien und grenzt darüber hinaus an den Irak und Afghanistan, die bereits von der US-Armee besetzt sind.“ (Symonds). (13)

Washingtons „Verbündete“ im Kampf um die „Demokratisierung“ des Iran, Dissidenten und Oppositionsgruppen, die sich der US-Dollarspritzen erfreuen, rekrutieren sich daher meist aus gesellschaftlichem und historisch überlebtem Unrat: monarchistische Kohorten aus dem Dunstkreis um den Sohn des Ex-Diktators Schah Reza Pahlewi sowie die auf der EU-Terrorliste stehende, von der US-Terrorliste gelöschte „Volksmudschaheddin des Iran“ (MEK), eine kleinbürgerlich nationalistische Bewegung, die vom Irak aus Kommandoaktionen im Iran durchführt. Solcherart Gruppen, Seymour Hersh berichtete auch über israelische und amerikanische Aktivitäten im Iran zum Anheizen des bewaffneten Widerstands von Seiten kurdischer und aserischer Gruppen sowie anderer Minderheiten, wurden im Rahmen des „Iran Democracy Programm“ nicht weniger als 60 bis 75 Millionen Dollar zugeschoben. Nachdem Bush im Mai 2007 der CIA im Rahmen „verdeckter Operationen“ gegen den Iran auch das Recht zuerkannte, auf heimischem Boden, normalerweise Betätigungsfeld des FBI, „Geheimdienstinformationen“ abzuschöpfen, gerieten zusätzlich „viele Exil-Iraner und Emigranten“ ins Blickfeld und in die Fänge des Auslandsgeheimdienstes. Tim Shipman von The Sunday Telegraph zitierte am 27. Mai 2007 eine Regierungsquelle: “Iraner in Amerika haben Verbindungen zu ihren Familien in der Heimat, und sie sind eine gute wechselseitige Informationsquelle.” (14) Bush erlaubte der CIA sogar, so Shipman, Oppositionsgruppen in Iran mit geeigneter Kommunikationsausrüstung zu bestücken, damit die kooperieren und die Internet-Zensur der iranischen Regierung umgehen können.

Operation Ajax 2

Eine Analyse des Angriffes auf die iranischen Präsidentschaftswahlen vom 12. Juni 2009, eine Operation, nennen wir sie „Ajax 2“, die offenbar von der Central Intelligence Agency präzise vorbereitet und mit befreundeten Diensten koordiniert wurde, lässt erste Konturen der sich dahinter verbergenden geheimdienstlichen Strategien erkennen. Allein die Wucht und Massivität der mit internationaler Breite geführten psychologischen Kriegsführung und Propaganda – Massenmedien wie Presse, Funk und Fernsehen sind deren wichtigste Werkzeuge -, die vor den Wahlen einsetzte, danach an Durchschlagskraft deutlich zunahm, deutet an, dass CIA und befreundete Dienste alles auf eine Karte gesetzt haben, um die iranische Straße ins Rollen zu bringen, damit sie Ahmadinedschad und die Mullahs davonjagt.

Eines der vordergründigen Ziele des medialen Teils der „Operation Ajax 2“ dürfte allerdings auch die internationale Dämonisierung des amtierenden Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad sowie dessen Regierung gewesen sein für den Fall, dass es misslingt, die Regierung aus dem Amt zu jagen. Israel, dem große Teile der Welt seit seinem Terrorüberfall auf Gaza misstrauisch gegenüberstehen, würde im Falle eines Überfalles auf den Iran, den es sich gegenwärtig politisch nicht leisten könnte, da es in Gaza den Boden der Menschlichkeit verlassen hatte, von denselben Medien, die an der psychologischen Kriegsführung gegen die jüngste Wahl in Iran teilgenommen haben, dann rein gewaschen werden: Der Bombenbauerei des Ahmadinedschad, des Verrückten in Teheran, der sich durch Wahlfälschung an die Macht gebracht hat, muss ein Ende bereitet werden. Die medial manipulierte Welt würde das schlucken und einen Überfall Israels stumm billigen.

Schüren von Spannungen durch Terror vor den Wahlen

Zu einer zünftigen geheimdienstlich lancierten Umsturzpolitik im Rahmen der „Operation Ajax 2“ gehört auch das Schüren von Spannungen durch Gewalt- und Terrorakte sowie Morde. Sechs Wochen vor den Präsidentschaftswahlen war es Irans Staatssicherheit nach eigenen Angaben gelungen, eine Terrorzelle zu zerschlagen, die noch kurz vor dem Urnengang am 12. Juni 2009 eine Serie von Bombenanschlägen in Teheran verüben wollte. Gholam-Hossein Mohseni Ejeie, Minister für den iranischen Geheimdienst, erklärte am 27. April 2009 gegenüber der Teheraner Tageszeitung Kayhan, dass die Verschwörergruppe vom israelischen Auslandsgeheimdienst gesteuert worden sei. Nach Berichten der iranischen Nachrichtenagentur IRNA waren etwa „zehn Führungsleute“ festgesetzt worden. Weitere Informationen gab das Geheimdienstministerium seinerzeit aufgrund der „Sensibilität der Angelegenheit“ nicht frei. Man wollte erst „jeden Aspekt der Verschwörung“ studieren.

Am Donnerstag, den 28. Mai 2009, zwei Wochen vor den Präsidentschaftswahlen, erschütterte dann eine schwere Bombenexplosion die mit betenden Gläubigen voll besetzte Amir-al-Momenin-Moschee in der Provinzhauptstadt Zahedan in der südostiranischen Provinz Sistan-Baluchistan. Bei der Explosion eines Sprengsatzes in der Frauenabteilung des Gotteshauses starben 25 Menschen; rund 120 wurden verletzt, berichtete das staatliche Fernsehen. Die Explosion sei „relativ stark“ gewesen, habe auch Schäden an der Moschee verursacht, so die staatliche Nachrichtenagentur IRNA. Die Nachrichtenagentur Fars, die von einem Selbstmordanschlag ausging, meldete, in der Nähe der Moschee hätten Sicherheitskräfte eine zweite Bombe gefunden und entschärft. Zudem sei das Attentat mit Sprengstoff verübt worden, den die drei ermittelten Täter mit ins Land gebracht hätten. Wenige Tage später wurden die verurteilt und in der Nähe des Tatortes gehängt. Laut dem saudischen Fernsehsender Al-Arabija hatte sich die sunnitische Oppositionsgruppe Dschundollah (Gottes Soldaten) zu dem Verbrechen bekannt. Die Terroristen kündigten Vergeltung für die Hinrichtungen an: Noch vor der Wahl werde es weitere Anschläge geben. (15)

Irans Regierungsvertreter warfen den USA vor, die Attentäter angestiftet zu haben, was Washington strikt zurückwies. Doch dann kam es anders: Am 10. Juni 2009 erklärte der Dschunbollah-Terrorist Abdulhamid Rigi öffentlich, das sich sein Bruder Abdolmalek seit 2005 wiederholt mit Agenten von FBI und CIA im pakistanischen Islamabad und Karachi getroffen habe. Einmal sei auch er mit dabei gewesen. (16) Der 24jährige Abdolmalek Rigi, Anführer der Dschundollah und einer der meistgesuchten Männer Irans, kämpft angeblich gegen den „Gottesstaat“ und den “Genozid an den Belutschen“. Doch bereits 2007 hatte The Sunday Telegraph enthüllt, das Dschundollah eine Kreation der CIA zum Zwecke des “Regimewechsels in Iran” sei und dass der Dienst zur Destabilisierung des Iran Waffen und Geld liefere. Einem Bericht des Fernsehsenders ABC zufolge habe Washington die Dschundollah sogar damit beauftragt „tödliche Guerilla-Überfälle im Innern der Islamischen Republik durchzuführen, iranische Offizielle zu kidnappen und vor der Kamera zu exekutieren”. Die Organisation bekannte sich bislang zur Ermordung von 16 iranischen Polizeioffizieren im Jahre 2008, neun Sicherheitskräften im Jahre 2005 sowie elf weiteren Personen im Jahre 2007. (17)

Drei Tage nach dem Attentat in Zahedan verhinderten die Sicherheitskräfte dann einen weiteren „terroristischen Anschlag“, so der staatliche Fernsehsender IRIB. Eine mit 131 Passagieren besetzte Maschine der iranischen Fluggesellschaft Kish Air musste eine Viertelstunde nach dem Start zum Flughafen von Ahwas in der Provinz Chusestan zurückkehren. Sky Marshalls hatten einen selbstgebauten Sprengsatz in einer der Toiletten entdeckt, berichtete die Nachrichtenagentur Fars. Am Flughafen sei die Bombe dann entschärft worden. (18) Mitten in der heißen Phase des iranischen Wahlkampfes erschütterten dann tatsächlich weitere Anschläge die Provinz Sistan-Baluchistan. Am 1. Juni 2009 wurde ein Brandanschlag auf eine Bank verübt, fünf Menschen starben. Zudem wurde ein Wahlkampfbüro von Präsident Ahmadinedschad angegriffen und drei seiner Anhänger verletzt.

Gholam-Hossein Mohseni Ejeie, Minister für den iranischen Geheimdienst, erklärte am 24. Juni 2009 in Auswertung der gegnerischen Aktivitäten vor, während und nach der Präsidentenwahl gegenüber der Nachrichtenagentur IRNA: „Das Ministerium habe beinahe alle Mitglieder solcher Gruppen, die in diese Aktivitäten involviert waren, festgenommen.“ Eines der Ziele der Bombenanschläge war auch der Heilige Schrein des verstorbenen Revolutionsführers Imam Khomeini, so der Geheimdienstler. Nachdem der Selbstmordattentäter entdeckt worden war, gelang es ihm noch, die Bombe außerhalb des Schreins zu detonieren. Die Mittäter wurden verhaftet. Neben Terrorgruppen, die im Süden des Landes in Ahyaz unschädlich gemacht wurden, vereitelte das Ministerium auch im östlich gelegenen Tabriz einen Anschlag auf einen der Präsidentschaftskandidaten. „Die USA und westliche Länder zielten darauf ab, Unruhe in die Atmosphäre des Wahlkampfes zu bringen“, sagte der Geheimdienstler. (19)

Krieg in der vierten Dimension

Präsidentschaftskandidat Mirhossein Mussawi, Ahmadinedschads wichtigster Herausforderer, landete am Wahltag, und zwar mehrere Stunden vor dem Schließen der Wahllokale, einen Coup, der seinesgleichen sucht: Er erklärte nämlich seinen Sieg!

„Das ist eine klassische CIA-Destabilisierungsmethode, um ein anders lautendes Ergebnis zu diskreditieren: Je mehr Zeit nämlich zwischen der vorschnellen Behauptung des Wahlsieges und der Verlautbarung des Wahlergebnisses vergeht, umso mehr Zeit hat Mussawi, um den Eindruck zu erzeugen, dass die Autoritäten die Zeit nutzen würden, um das Wahlergebnis zu fälschen. Es ist erstaunlich, dass die Menschen diesen Trick nicht durchschauen.

Oder Großayatollah Montazeris Behauptung, dass die Wahl gefälscht sei: Montazeri war die ursprüngliche Wahl für die Nachfolge Khomeinis, unterlag aber dem gegenwärtigen obersten Führer Khamenei. So sieht Montazeri in den Protesten eine Möglichkeit, mit Khamenei abzurechnen. Montazeri hat ein Motiv die Wahlen anzuzweifeln, egal ob er von der CIA, die auf eine lange Geschichte der Manipulation verärgerter und frustrierter Politiker verweisen kann, manipuliert wurde oder nicht“, glaubt der bereits zitierte Paul Craig Roberts nicht ganz zu unrecht. (20)

Signal für die in den Startlöchern der westlichen Medien hockenden Lohnschreiber, ihren Part an der „Operation Ajax 2“, den „Krieg in der vierten Dimension“, so wie die psychologische Kriegsführung in Geheimdienstkreisen auch genannt wird, beizutragen, indem sie nicht damit aufhören, das Wörtchen „Wahlfälschung“ in die Hirne ihrer Leserschaft zu brennen.

“Grüne Revolution” am Reißbrett entworfen?

Drei Tage nach den Wahlen erklärte der pakistanische Ex-Armeegeneral, Mirza Aslam Beig, in einem Telefoninterview mit Pashto Radio, dass mittlerweile „unstrittige Geheimdienstinformationen“ existieren über „eine Einmischung der USA in den Iran“ sowie „Dokumente, die beweisen, dass die CIA 400 Millionen Dollar im Innern des Iran ausgab, um nach den Wahlen eine farbige, aber hohle Revolution aus dem Boden schießen zu lassen“. Der Militär, früher pakistanischer Generalstabschef, konstatierte trocken, „die USA wollten im Iran Unruhe stiften, um eine proamerikanische Regierung an die Macht zu bringen“. (21)

Und diese Unruhen sollten nach dem 12. Juni 2009 erst richtig beginnen. Zweifelsfrei protestierte die Masse der „Grünen“, jene Fans von Mussawi, in ehrlicher und friedlicher Absicht. Doch tragen die Proteste auch die Handschrift der Proteste in Georgien, der Ukraine etc., die allesamt von der CIA orchestriert wurden. Der amerikanische Autor Daniel McAdams (22) machte am 19. Juni 2009 auf den neokonservativen Journalisten und Buchautor Kenneth R. Timmerman aufmerksam, der am 11. Juni 2009, exakt einen Tag vor den Wahlen im Iran, schrieb, dass „da noch die Rede von einer ‚Grünen Revolution’ in Teheran ist, benannt nach den allgegenwärtigen grünen Schals und Fahnen“ auf Mussawis Wahlkampfveranstaltungen. (23) „Aber warum sollte es eine ‚Grüne Revolution’, bereits vor den Wahlen geplant, geben, wenn Mussawi und seine Unterstützer angeblich so siegeszuversichtlich waren? Das sieht wie ein definitiver Beweis dafür aus, dass die USA in die Wahlproteste involviert waren“, schlussfolgert Paul Craig Roberts.

Timmerman, der 2006 für den Nobelpreis vorgeschlagen wurde, weiß aber auch, dass „die National Endowment for Democracy (NED) Millionen Dollar während der letzten Dekade ausgegeben hat, um ‚farbige’ Revolutionen in der Ukraine oder Serbien zu unterstützen. Etwas von diesem Geld scheint in die Hände von pro-Mussawi-Gruppen gelangt zu sein, die Verbindungen zu Nichtregierungsorganisationen außerhalb des Iran haben, die von dieser Stiftung (NED) gefördert werden.“ Klingt überzeugend. Schließlich werkelt er selbst in diesem Geldtopfgeschäft herum: Timmermanns eigene „gruselige“ neokonservative „Stiftung für Demokratie in Iran“ (24), eine „private, nichtkommerzielle Organisation“ wurde 1995 ebenfalls mit Mitteln des NED gegründet, um „Demokratie und international anerkannte Standards der Menschenrechte im Iran zu fördern“. Sicher, es ist nicht auszuschließen, dass Mirhossein Mussawi ein gekaufter und bezahlter Agent der US-Regierung ist.

Alte Seilschaften

Rückblende. Nachdem Condoleezza Rice 2006 den US-Kongress zum Lockermachen zusätzlicher Mittel für den „Regimewechsel“ im Iran bewegte, erhielt sie Beifall vom radikalen Erzkonservativen Michael Ledeen: „Nach Jahren des Zögerns sehen wir endlich ermutigende Zeichen, dass diese Regierung bereit ist, eine Revolution im Iran zu unterstützen. Außenministerin Rice hat nach ihrer lobenswerten Reform des diplomatischen Dienstes nun den Kongress um zusätzliche 75 Millionen Dollar gebeten, um die Sache der Freiheit im Iran zu fördern. Das sind wirklich gute Nachrichten, zumal sie in ihrer Stellungnahme vor dem Auswärtigen Ausschuss des Senats am Mittwoch erkennen ließ, dass wir schon begonnen haben, iranische Gewerkschaften zu unterstützen, und sogar einige ihrer Führer auszubilden.“

Zum Zwecke des Umsturzes in Syrien und Iran gründete die US-Administration nun 2006 die “Iran Syria Policy and Operations Group” (ISOG). Einer der operativen Bereiche war für die Finanzierung von Dissidenten sowie „demokratiefreundlichen“ oppositionellen Gruppen in Iran und Syrien verantwortlich, ein anderer koordinierte die Medienpropaganda, welche diese Länder im Innern aufweichen sollte. Elizabeth Cheney, Tochter von Vizepräsident Dick Cheney, war die erste Co-Vorsitzende der ISOG. Danach übernahm der Neokonservative Elliott Abrams den Posten. Der hatte Mitte der 80er Jahre im Auftrag der Reagan-Regierung mitgeholfen, die rechten Contras in Nicaragua rechtswidrig zu bewaffnen, was wiederum durch heimliche Waffenverkäufe an den Iran finanziert wurde. Abrams musste später eingestehen, unter Eid gelogen zu haben, um den berüchtigten Iran-Contra-Skandal zu verschleiern. Bush junior reaktivierte den Gangster im Juni 2001; hernach stieg der sukzessive bis zum stellvertretenden Nationalen Sicherheitsberater mit besonderer Zuständigkeit für „globale Demokratie-Strategie“ auf.

Michael Ledeen und Elliott Abrams sind seit Jahrzehnten nicht bloß enge „Freunde“. Beide, so der ehemalige CIA-Offizier Raymond McGovern, waren auch enge „Partner im Verbrechen“; womit der Ex-Geheimdienstler auf beider kriminelle Schandtaten während der Iran-Contra-Affäre anspielte. Ledeen, der seinerseits im Jahre 2001 die „Koalition für Demokratie im Iran“ (CDI) gegründet hatte, um mit Ex-CIA-Direktor Woolsey auf einen „Regimewechsel“ in Teheran hinzuarbeiten, hat aber noch einen ganz anderen, dafür aber sehr speziellen Freund: Das ist der iranische Waffenhändler Manouchehr Ghorbanifar; ein ehemaliger CIA-Agent, der gemäß einer Aussage von William Casey, Ex-Chef des US-Auslandsgeheimdienstes, auch für den israelischen Geheimdienst Mossad arbeitet. Die CIA, die Ghorbanifar, die Schlüsselfigur im Waffenhandel während der Iran-Contra-Affäre, mittlerweile für einen "Geschichtenerzähler" hält, hat ihren Agenten jede Beziehung zu dem Mann verboten; zumindest ist das die offizielle Version.

Nach dem 11. September bauten sich die Neokonservativen unter Leitung des damaligen stellvertretenden Außenministers Paul Wolfowitz sowie Douglas Feith das berüchtigte Office of Special Plans (OPS) auf, deren Ziel unter anderem eine komplette Restrukturierung des Nahen Ostens war, einschließlich Regimewechsel in Iran, Syrien und Saudi Arabien. „Ohne das Außenministerium oder die CIA darüber zu informieren, war das Büro von Feith (OPS) in eine Reihe von Hintergrundoperationen verwickelt, zu denen verschiedene geheime Treffen in Washington, Rom und Paris … gehörten. Diese Treffen brachten, neben anderen Personen, Offiziellen und Beratern aus Feiths Büro (Franklin, Harold Rhode und Michael Ledeen), einen exilierten iranischen Waffenhändler (Manoucher Ghorbanifar), AIPAC-Lobbyisten, Ahmed Chalabi sowie italienische und israelische Geheimdienstoffiziere zusammen … Franklin, der bekanntermaßen militanten iranischen und amerikanisch-iranischen Dissidenten nahe steht, ist die Verbindungsfigur zu einer Reihe von anderen Treffen in Rom und Paris, an denen Ledeen, Harold Rhode (ein Kumpan Ledeens aus den Iran-Contra-Tagen) und Ghorbanifar (ein Waffenhändler, der behauptet, für die iranische Opposition zu sprechen). Diese Treffen beschäftigten sich - neben anderen Dingen - damit, Strategien zu entwickeln, um Iraner zu organisieren, die bereit sind, mit den USA im Rahmen der Umsturzagenda im Iran zusammenzuarbeiten.“

Unter diesem Blickwinkel bekommt die enge Männerfreundschaft zwischen dem Waffen handelnden Dissidenten Manoucher Ghorbanifar und dem jüngst unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Mirhossein Mussawi einen gewissen umstürzlerischen Touch. Wie schrieb doch das Time Magazine am 19. Januar 1987 in der Coverstory: „Gemäß (Ghorbanifars) eigener Aussage flüchtete er vor der revolutionären Regierung unter Ajatollah Ruhollah Khomeini, die seine Unternehmen in Iran beschlagnahmten, obwohl er später zu einem vertrauten Freund und Küchenberater von Mirhossein Mussawi, Ministerpräsident in der Khomeini Regierung, avancierte.“ Einige US-Beamte, die mit ihm gedealt haben, schätzen ihn sehr, sagt Michael Ledeen, Pentagonberater für Terrorismusbekämpfung: „(Ghorbanifar) ist einer der ehrlichsten, gebildeten, ehrwürdigsten Männer, die ich je gekannt habe.“ Es darf daher ruhig spekuliert werden, ob Mussawi nicht doch ein Kandidat westlicher Dienste für den „Umsturz“ in Iran gewesen sein könnte. Unbekannt bleibt, ob irgendwelche US-Geldspritzen an ihn und seine Berater in London und Paris geflossen sind.

Machtpoker in Teheran

Das Geld aber von anderer Stelle kam, ist sicher: Der Wahlverlierer Mussawi, ein spröder, 68 Jahre alter Politikrentner, der vor der Wahl wie aus der persischen Wunderlampe hervor gezaubert wurde, wurde von einem ganz besonderen Menschen unterstützt, dem 75-jährigen Milliardär Ali Akbar Hashemi Rafsandschani. Der hatte nämlich, so David Blair vom Londoner Telegraph, „still und heimlich viel Geld und organisatorisches Know-How“ in den Wahlkampf des alternden Politrockers investiert. Rafsandschani, der als „inoffizieller“ Anführer der Opposition gegen das geistige Oberhaupt des Iran, Ajatollah Ali Khamenei, gilt, war zwischen 1989 und 1997 Präsident des Landes. In jener Zeit trieb er weniger die Ideale der Islamischen Revolution voran, sondern vor allem die eigenen Geschäfte. Laut „Forbes“ (2006) „saugten“ Rafsandschani und seine Familie fast ein Viertel des Reichtums des Landes „auf“. Was ihn zu einem der reichsten Männer der Welt, vor allem zum mächtigsten Mann des Iran machte; die Perser betiteln den Iran oft als „Rafsandschani Gesellschaft mit beschränkter Haftung“.

Rafsandschani, der „äußerst unpopulär“ unter seinen Landsleuten ist, wollte in den Präsidentschaftswahlen 2005 ein politisches Comeback erzwingen. Doch Gegenkandidat Ahmadinedschad, der ihn damals unaufhörlich als “lebenden Verräter der strengen Prinzipien der Revolution“ brandmarkte, dabei Unterstützung von Ajatollah Khamenei genoss, obsiegte klar. Nach Amtsantritt nahm er auch den Kampf gegen Rafsandschani und solcherart „kapitalistisches Mafia-Regime“ auf, das den Iran in Gebiete unterteilt, die jeweils von einer Familie kontrolliert werden: die Rafsandschanis machen in Öl, Pistazien, Waffenverkäufe, Flugwesen, U-Bahn-Bau; die Jannati monopolisieren Zucker; die Pasdarans die Kosmetik- und Drogenmärkte etc. Ahmadinedschad, der Präsident der einfachen städtischen und ländliche Bevölkerung, stellte daher nicht nur die bestehenden Eigentums- und Machtverhältnisse in Frage, er wandte sich auch offen gegen den Teil des Klerus, der diese beispiellosen Privilegien und Reichtümer nach der islamischen Revolution 1979 durch Korruption an sich gerissen hatte. Der Bruch zwischen Rafsandschani, Vertreter von Irans Großbourgeoisie, und dem Lager um den obersten Rechtsgelehrten und das eigentliche Staatsoberhaupt, Ajatollah Khamenei, der Ahmadinedschad in seinem Vorgehen stärkte, trat immer offener zutage. Als Ahmadinedschad dann im Juni 2009 während eines Fernsehduells mit Mussawi den Oligarchen Rafsandschani öffentlich erneut der Korruption und als „eigentlichen Wahlgegner“ bezichtigte – Mussawi sei lediglich „ein Instrument Rafsandschanis” – ging der auf die Palme und kündigte sogar „Unruhen“ an. Rafsandschani hätte nun gern seinen Erzfeind Ahmadinedschad bei den Wahlen am 12. Juni in die Wüste geschickt, und zwar auf immer und ewig, und „Strohmann“ Mussawi in die Präsidentschaft lanciert, um seine politische und ökonomische Vormachtstellung und die seiner Schicht neu abzusichern. Doch für Mahmud Ahmadinedschad ist mit seinem Wahlerfolg die „zweite islamische Revolution“, der Sieg über den korrupten Klerus, über die Bühne gegangen.

Psychologische Kriegsführung mit Twitter

Der Machtkampf, der zwischen diesen beiden Lagern seit dem 13. Juni 2009 auf der Straße ausgetragen wurde, spielte den Geheimdiensten in die Hand. Während die „Grünen“ im Auftrag Mussawis, der immer wieder mit dem Vorwurf der massiven Wahlfälschung motivierte, auf ihren anfangs relativ friedlichen Massendemonstrationen Neuwahlen einforderten, machten die „Neuen Medien“ scharf; gleichzeitig begann auch die Zeit Agents provocateurs.

Eric Margolis, Buchautor und Auslandsredakteur bei Kanadas Sun National Media, schrieb am 23. Juni 2009, „westliche Geheimdienstagenturen und Medien spielen eine Schlüsselrolle beim Aufrechterhalten des Aufstandes (in Teheran) und der Lieferung der Kommunikation, inklusive neuester elektronischer Methoden via Twitter. Das sind verdeckte Techniken, welche die USA im Laufe der jüngsten Revolutionen in der Ukraine und in Georgien, die proamerikanische Regierungen an die Macht brachten, entwickelt hatten“. Reinhard Lütkemeyer nimmt diesbezüglich überhaupt kein Blatt vor den Mund und schreibt am 25. Juni: “Am Wochenende nach der Wahl, mitten im Putsch von CNN (CIA) und BBC-Farsi (MI6), befand sich Ahmadinedschad nicht gerade in einer angenehmen Situation. Die Lage in Teheran drohte außer Kontrolle zu geraten, weil das tumbe Volk die vom CIA/ MI6 geschickt über ‚Neuen Medien’ wie Twitter, Youtube, flickr und Facebook verbreiteten ‚Meldungen’ glaubte und zeitweise zu Hunderttausenden gegen den vermeintlichen Wahlbetrug demonstrierte. Das 140-Zeichen Kurz-Format von Twitter lädt zur Fälschung geradezu ein, die kurze Lüge wird schnell geglaubt, die Banalität des Bösen wirkt blitzartig. Zur Besinnung lässt das ‚Twitter-Gezwitscher’ keinen kommen. Das wusste auch Obama, als er anordnete, die Wartung der ‚privaten’ Kommunikationsplattform Twitter auf einen Zeitpunkt zu verschieben, wo es tiefe Nacht war in Teheran … Nur wer den Eingang der Meldungen unterbrach und die Meldungen gruppenweise ausdruckte, konnte feststellen, dass die meist in Englisch verfassten Infoschnipsel merkwürdige Gemeinsamkeiten vorwiesen. Sie waren offenbar von ortskundigen Engländern oder Amerikanern ‚auf Vorrat’ gefertigt worden. Als Textbausteine präpariert und wohl von den immer gleichen Twitter-Agenten wurden sie nur mit geringfügigen Variationen im Text unter wechselnden Absendern zur Panikmache eingespeist, um das Gemetzel in Teheran ‚virtuell’ am Laufen zu halten. Danke, London oder Langley, für die hübsche Inszenierung, das reicht fürs erste.“

Ein pakistanischer Blogger nahm sich am 16. Juni die Twitterei mal genauer unter die Lupe, weil er „fasziniert war von dem plötzlichen Auftreten von Zehntausenden von Twitter-Anschuldigungen, dass Ahmadinedschad die iranischen Wahlen gestohlen habe“. Er kam zu dem Schluss, „dass jeder dieser sehr aktiven Accounts erst am Samstag, den 13. Juni, kreiert wurde“ und "IranElection" das beliebteste Stichwort wurde. Auch konnte er die Twitter-Aktionen auf drei sehr hartnäckige „Spammer“ reduzieren: @StopAhmadi, @IranRiggedElect und @Change_For_Iran. Als er weiter recherchierte, musste er zu seiner Überraschung feststellen, dass die Jerusalem Post schon am 14. Juni über diese neuen Twitterer berichtete. Daraus resümierte er, dass es sich hierbei um Propagandaoperationen handele. (25)

Mit jener Art modernen Medien kennt sich Abolfazl Fateh, einst Direktor der Iranian Students News Agency (ISNA), jetzt Wahlberater von Mirhossein Mussawi mit Hauptwohnsitz London, bestens aus. Am 5. Juni 2009, wenige Tage vor der Wahl, sollte er in London anlässlich einer Konferenz über „Soziale und kulturelle Auswirkungen der Iranischen Revolution“ über die “die ISNA und die Rolle der Studenten bei der Öffnung einer neuen Ära für Nachrichtenagenturen in Iran” referieren. Am Ende war er wohl zu beschäftigt; ein Ersatz sprang ein. Böse Zungen behaupten unter der Hand, Abolfazl Fateh wäre das Bindeglied zwischen Mussawi und dem MI 6, dem britischen Auslandsgeheimdienst. Bewiesen ist das nicht. Doch die iranischen Verantwortlichen haben wohl irgendeinen Braten gerochen: Als Fateh sich am 25 Juni 2009 aus Teheran nach London absetzen wollte, „verwehrten sie ihm das wegen seiner Rolle in den jüngsten Entwicklungen“, wusste FARS News zu berichten. Fateh möchte nun solange im Iran bleiben bis „bestimmte Dinge geklärt“ sind.

Provozierte Krawalle

Am 15. Juni 2009 fasste Irans Minister für Geheimdienste Mohseni Ejei die Lage in Iran so zusammen: “Leider kamen einige anti-revolutionäre, hartnäckige und illegale Trends unter dem Deckmantel der Wahlaktivitäten auf die Straße, verärgerten die Menschen, zerstörten und setzten einige öffentliche und private Gebäude in Brand. Vor der Wahl … wurde versucht, Unsicherheit im Land durch Explosionen und Morde zu erzielen. Etwa 50 Personen, die zu drei vom Ausland geführten Bombertruppen gehörten, wurden enttarnt und arretiert wobei mehr als 20 explosive Ladungen und Bomben entdeckt wurden.“ Das staatliche Fernsehen IRIB sendete am 18. Juni 2009 Interviews mit vier der gefassten Terroristen. Einer erklärte: „Wir hatten Kontakte mit den Amerikanern im Irak. Sie unterwiesen uns im Bombenbauen.“ Geplant, so der Sender, waren Anschläge am Wahltag in „verschiedenen mit Menschen überfüllten Gegenden in Teheran, einschließlich der Ershad- und Al-Nabi-Moscheen sowie auf Wahllokale in den 20 Distrikten Teherans.“


Karikatur: El Patio

Das Büro des Teheraner Generalstaatsanwaltes gab nach den Ausschreitungen vom 20. Juni bekannt, das sich „bewaffnete Vandalen, terroristische Elemente unter die demonstrierenden Menschen gemischt, das Feuer auf Zivilisten eröffnet und einige getötet hätten. Einer der Bewaffneten sei verhaftet worden“. Die Aufrührer hatten zudem eine Moschee, zwei Tankstellen und einen Militärposten in West-Teheran angegriffen; insgesamt wurden 13 Menschen getötet und 22 verletzt. Der Chef der Teheraner Polizei, Azizallah Rajabzadeh, wies die Vorwürfe zurück, seine Männer hätten bei den Schießereien eine Rolle gespielt: „Die Polizisten sind nicht autorisiert, Waffen gegen die Leute einzusetzen. Sie sind ausgebildet, um mit ihren speziellen Gerätschaften Ausschreitung zu verhindern.“ Rajabzadeh ergänzte, es seien 457 „Leute“ wegen „Provozierens von Unruhen“ verhaftet worden. Die Verhaftungswelle erfolgte, nachdem die iranischen Sicherheitsbehörden zahlreiche Agents provocateurs, die der von den USA gesponserten „Volksmudschaheddin des Iran“ (siehe oben) zugehörig sind, als Drahtzieher der Gewalt bei den täglichen Demonstrationen identifizieren konnte. Am 22. Juni 2009 verhafteten die Iraner dann auch die ersten fünf europäischen Agenten, die sich an den Unruhen des vorhergehenden Wochenendes „beteiligt“ hatten: Es handelte sich dabei um „zwei deutsche, einen britischen und zwei französische Agenten“, berichtete die Tageszeitung Javan. Das Blatt deutete auch an, es seien auch schon “einige der Mörder gefasst worden”. Einen Tag später berichtete Javan, die Polizei habe „30 Colts“ beschlagnahmt, die zur illegalen Bewaffnung der Gewalttäter gedacht waren.

Am 24. Juni 2009 erklärte Irans Innenminister Seyed Sadeq Mahsouli, „viele dieser Teilnehmer an den Unruhen nach den Wahlen in Iran hatten finanzielle Zuwendungen aus den USA, von der CIA und antiiranischen Terrorgruppen wie der Volksmudschaheddin erhalten. All die Terrorgruppen, die von außen in verschiedener Weise Unterstützung erhielten, mobilisierten zur Beteiligung an den Krawallen, um die Situation zu verschlimmern“. Außenminister Manouchehr Mottaki prangerte vor allem Großbritanniens Einmischung in die Wahlen an: „London führe seinen Angriff gegen die Wahlen seit mehr als einem Jahr. Wir sind Zeuge eines Einströmens von Menschen aus Großbritannien vor den Wahlen.“ Zugleich beschuldigte sein Sprecher Hassan Qashqavi die US-amerikanischen und britischen Medien des „Schürens, Anleitens und Kommandierens der Unruhen nach der Wahl: „Die Voice of America (VOA) und die British Broadcasting Corporation (BBC) sind staatliche Kanäle. Ihre Budgets werden im US-Kongress als auch im Britischen Parlament bestätigt. Sie sind die Tribünen der Diplomatie ihrer Länder.“ Doch im Iran, so der Außenpolitiker, „dienten sie als strategische Einsatzzentrale und Kommandoposten für die fortgesetzten Unruhen“.

Quelle: Hintergrund


Siehe auch:
Gegenmeinung: Seid ihr zu einem Krieg gegen den dämonisierten Iran bereit? Von Paul Craig Roberts
Gegenmeinung: Von Mossadegh bis zu Ahmadinejad - Die CIA und das Iran-Experiment

Samstag, 27. Juni 2009

Abschaffung des Internationalen Währungsfonds IWF in Betracht ziehen

Die UNO-Generalversammlung tagt heute den letzten Tag über die Reform der finanziellen Strukturen angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise. Ein Vorschlagsentwurf fordert die Aufstockung der Hilfe für ärmere Länder, eine Straffung der Regeln für Finanzierungsmaßnahmen und eine Reformierung des IWF und anderer multinationaler Institutionen. Am Donnerstag sagte der ecuadorianische Präsident Rafael Correa, die Mitgliedsstaaten sollten die Abschaffung des IWF (Internationale Währungsfonds) in Betracht ziehen. Er kritisierte auch das profitorientierte Finanzsystem.

Der ecuadorianische Präsident Rafael Correa: „Wir, die wir Bürger der Welt sein wollen, können Systeme nicht verstehen, die letztendlich immer auf den Ärmsten herumtrampeln und diese versklaven. Wie können wir eine sogenannte Globalisierung verstehen, die keine Weltbürger schaffen will, sondern nur Konsumenten. Sie versucht nicht, eine globale Gesellschaft zu errichten, sondern nur einen globalen Markt.“

erschienen am 26.05.2009 bei Democracy Now > http://www.democracynow.org/2009/6/26/headlines



Siehe auch:

Gegenmeinung: Internationaler Währungsfonds (IWF) und Weltbank Zwei Instrumente zur Zerstörung von Nationen

Freitag, 26. Juni 2009

Jetzt sehen wir euch, jetzt sehen wir euch nicht


Bild: Ursula Behr, www.atelier-behr.de/

Von Kathy Kelly

Anfang Juni 2009 war ich im Flüchtlingslager Shah Mansor in Pakistan und hörte den Bericht eines Bewohners über Einzelheiten des Gemetzels, das zur Flucht seiner Familie vor zwei Wochen geführt hatte. Ihre Stadt Mingora war unter massives Bombardement aus der Luft gekommen. Er erinnerte an verzweifelte Anstrengungen beim Begraben von Leichen, die sie auf dem Weg fanden, als er und seine Nachbarn dabei waren, die Flucht ihrer Familie aus dem Gebiet zuu organisieren.

„So haben sie uns dort umgebracht,” sagte mein Freund. Dann, auf die Zeltreihen deutend, die sich erstreckten, soweit das Auge sehen konnte, fügte er hinzu: „So bringen sie uns hier um.“

Die Menschen in dem Zeltlager litten unter sehr rauen Bedingungen. Sie schliefen ohne Matten auf dem Boden, sie hatten kein Wasser zum Waschen, in den Zelten war es unerträglich heiß und sie hatten keine Ahnung, ob ihre Häuser und Geschäfte in Mingora noch standen. Ihr Leidensweg hatte allerdings erst begonnen.

Der UNO-Butschafter für Menschenrechte Abdul Aziz Arrukban warnte am 22. Juni, die Millionen von Pakistanern, die durch die Militäroffensive gegen das Swat-Tal vertrieben worden waren, würden „langsam sterben“, wenn sich die internationale Gemeinschaft nicht um das „unerwartete“ Ausmaß der Krise kümmert (Jason Ditz, antiwar.com).

UNO-Agenturen und Nichtregierungsorganisationen wie Islamic Relief und Relief International berichten, dass viele der Menschen, die jetzt in Zeltlagern oder aufgegebenen Häusern leben oder in Schulen, die zu Flüchtlingsunterkünften umgewandelt wurden, in Bälde an verhinderbaren Krankheiten sterben könnten.

Gesundheitsteams registrieren zunehmend häufige Fälle von Diarrhoe, Scabies und Malaria, alle unter diesen Umständen besonders für kleine Kinder tödlich. Wenn so viele Menschen so eng beieinander leben, verbreiten sich diese Krankheiten schnell.

Hilfeorganisationen sind besorgt, dass mit dem Einsetzen der Monsunzeit im Juli diese Probleme sich deutlich verschlechtern werden. Der Monsun bringt regionale Überschwemmungen mit sich und verursacht das Ansteigen von Malaria und Krankheiten, die durch Wasser verursacht werden. Die Auswirkungen in diesem Jahr werden viel gravierender sein, weil so viele Menschen in gedrängten und unhygienischen Verhaltnissen leben.

Pakistans heruntergekommenes Gesundheitssystem ist nach offiziellen Berichten nahe dem Zusammenbruch. Die Krankenhäuser im Norden des Landes leiden besonders unter überarbeiteten Ärzten, schwindenden medizinischen Vorräten und Lawinen von bürokratischen Vorgängen, die Geld und Medizin für die Krise blockieren.

In einem Bericht für Associated Press am 7. Juni beschrieb Kathy Gannon die Männerabteilung im Bezirkskrankenhaus von Mardan: „30 Stahlbetten stehen zusammengedrängt, mit dünnen Matratzen und ohne Kissen. Urinlachen stehen am Boden und frische Blutspritzer sind auf dem zerrissenen Bettzeug zu finden ... die einzige Toilette für 30 Patienten stinkt nach Urin und Kot. Die Toiletten gehen über, die Tür zu einer hängt herunter und Urin bedeckt den Betonboden. In einer Ecke ist ein hoher Müllhaufen.“

Das Jahresbudget für das Gesundheitswesen in Pakistan beträgt heuer weniger als US$ 150 Millionen, während das pakistanische Militärbudget im letzten Jahr $ 3,45 Milliarden ausmachte und im nächsten Jahr auf $ 3,65 steigen soll.

Die Menschen in Shah Mansoor sorgen sich, dass weder die internationale Gemeinschaft noch ihre Regierung sich um die Gesundheitskrise kümmern, die auf sie zukommt. Aber die Dorfbewohner, die erst aus ihren Häusern in Waziristan flüchten werden, leiden unter der ständigen militärischen Beobachtung durch tödlich bewaffnete Überwachungsdrohnen der Vereinigten Staaten von Amerika.

Ein Dorfbewohner, der eine Drohnenattacke in Nordwaziristan überlebt hatte, erklärte, dass sogar die Kinder beim Spielen auf Drohnen achten, die über ihnen fliegen. Nach einem Drohnenüberfall waren die Überlebenden, die versuchten, verletzte Opfer zu einem Krankenhaus zu bringen überrascht, als ein Fahrer anhielt, von ihrer Notlage erfuhr und davonfuhr. Da dämmerte ihnen, dass dieser Fahrer befürchtete, die Drohne könne noch immer über ihnen herumstreifen und er könnte dafür aufs Korn genommen werden, dass er den Opfern der Attacke geholfen hatte.

Die Drohnen der Vereinigten Staaten von Amerika können Pakistan überwachen – ihre Piloten in klimatisierten Räumen in Nevada sehen das Gebiet, obwohl sie physisch tausende Meilen entfernt sind.

In einem Bericht über die Bemühungen der Luftwaffe der Vereinigten Staaten von Amerika, „den unersättlichen Bedarf an unbemannter Luftraumüberwachung in Kampfzonen zu decken“ schreibt Grace Jean in der Ausgabe vom Juni 2009 des National Defense Magazine, dass die Luftwaffeneinheit 432 in der Creech Air Force Base in Nevada ihre Operationen ausweitet. „Wir verfügen zur Zeit über 34 Videoverbindungen über der Kampfzone,“ sagt Col. John Montgomery, stellvertretender Kommandant des Geschwaders. „Mit einer Drohne,“ sagt Montgomery, „bist du Teil des Schlachtfeldes.“ Zu den hunderten Kampfeinsätzen, die er über Sadr City in Bagdad geflogen war bemerkte Montgomery, er wusste sogar wann die Leute die Wäsche aufhängten und wann sie den Müll hinaus trugen. „Ich wusste die Verkehrsdichte in den Stunden, in denen ich sah und ich wusste, wenn diese sich änderte. Wenn man erst die Muster des Verhaltens kennt, ob Dinge anders oder problematisch sind, dann bedeutet das, dass etwas in der Luft liegt, und das verschafft dem Oberbefehlshaber und dem Kommandanten am Boden einen Vorteil.“

Am Dienstag, 23. Juni flogen Drohnen der Vereinigten Staaten von Amerika einen Überfall gegen eine Wohnanlage in Südwaziristan. Nachbarn eilten herbei, um Überlebende zu retten. Die Drohnen der Vereinigten Staaten von Amerika feuerten weitere Raketen auf diese und töteten 13. Am nächsten Tag, als die örtliche Bevölkerung das Begräbnis abhielt, schlugen die Vereinigten Staaten von Amerika erneut zu. Reuters berichtete, dass 70 Trauergäste getötet wurden.

Die Drohnenpiloten und ihre Kommandanten in Creech Air Base werden zunehmend gut über die Bewegungen der Menschen in Pakistan informiert sein, die Menschen in den Vereinigten Staaten von Amerika hingegen werden die menschlichen Kosten des Krieges in Pakistan aus den Augen verlieren.

Zur Zeit hören wir von bevorstehenden Militäroperationen in Südwaziristan, die bereits 45.000 Menschen in die Flucht aus der Region getrieben haben, die jetzt zu den rund zwei Millionen Männern, Frauen und Kindern dazu kommen, die durch die Kämpfe im Swat-Tal und anderen Regionen vertrieben worden sind. Menschen aus Waziristan, die aus ihren Dörfern flüchten bei dem Versuch, ihr Leben zu retten und nicht von den allgegenwärtigen Drohnen bemerkt zu werden, werden voraussichtlich zu den ungesehenen vertriebenen Menschen dazukommen, deren Leben und Hoffnungen der internationalen Aufmerksamkeit entschwinden, wenn sie langsam sterben.

Präsident Obama hat uns eine Ausdehnung von Bushs Krieg gegen den Terror beschert, angeblich mit der Begründung, dass seine Regierung die Verantwortung für die Ausrottung der Al Qaeda-Terroristen trägt. Aber die Methoden, die das Militär der Vereinigten Staaten von Amerika und Pakistans einsetzt, die Millionen Menschen aus ihren Wohnorten vertreiben, bei der Versorgung der Vertriebenen mit Nahrung und Unterkunft versagen und mit überwältigender Waffentechnologie unschuldige Zivilisten überfallen – diese Methoden werden weiterhin terroristische Widerstandskämpfer schaffen und nicht diese besiegen.

Wenn wir Al Qaeda bekämpfen wollen, wenn wir sicher sein wollen vor zukünftigen terroristischen Angriffen, würden wir gut daran tun daran zu denken, dass die Menschen, die die Hauptlast unserer Kriege tragen und deren Menschsein wir nicht anerkennen, dass genau diese Menschen Augen um zu sehen und Ohren um zu hören haben. Diese müssen sich selbst fragen, wer die Terroristen sind.

Kathy Kelly ( kathy@vcnv.org) koordiniert Voices for Creative Nonviolence (Stimmen für kreative Gewaltlosigkeit) - www.vcnv.org

erschienen am 25.06.2009 > http://vcnv.org/now-we-see-you-now-we-dont

Quelle: antikrieg.com


Siehe auch:
Gegenmeinung: Bericht aus dem Flüchtlingslager bei Shah Mansoor

Donnerstag, 25. Juni 2009

Obama ist ein sehr geschmeidiger Lügner


Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de

Von John R. MacArthur

THE PROVIDENCE JOURNAL,17.06.09
(http://www.projo.com/opinion/contributors/content/CT_rick17_06-17-09_RIEMPHH_v17.44937d8.html)

Es ist nicht ganz fair, Obama einen Lügner zu nennen. Während der Wahlkampagne hat er sorgfältig vermieden, zu wichtigen Fragen etwas zu sagen, was er später hätte zurücknehmen müssen. Deshalb möchte ich mich auch nicht mit der ST. PETERSBURG TIMES über ihre Beurteilung Obamas streiten, in der sie dem Präsidenten bestätigt, bisher dreißig seiner Versprechungen gehalten und nur sechs gebrochen zu haben.

Bei genauer Betrachtung hat Obama nämlich in sehr eindrucksvollem Umfang gelogen. Man muss nur seine hochtrabende Rhetorik beiseite lassen – die meist völlig substanzlos ist – um ihn zu durchschauen. Ich biete Ihnen nur eine kurze unvollständige Liste (seiner Lügen) an, die andere ganz sicher leicht erweitern können.

• Obama stellte sich als Friedenskandidat oder zumindest ans Antikriegskandidat dar. Er ist aber weder ein Friedenspräsident, noch stoppt er irgendwelche Kriege. In Wirklichkeit hat er eine militärische Eskalation in Afghanistan angekündigt, um den Vorwurf McCains, er sei zu weichlich, zu entkräften; seine wohlmeinenden Anhänger glaubten, ihr neuer Held sei aufrichtig, wolle die Besetzung des Iraks tatsächlich beenden und versuchen, ernsthaft mit den Taliban zu verhandeln. Stattdessen hat er nicht nur die Anzahl der Soldaten und der Angriffe gegen die Aufständischen in Afghanistan verstärkt, er hat auch die bereits unter Bush begonnenen grenzüberschreitenden Übergriffe auf Pakistan ausgeweitet und viele Zivilisten umgebracht. Wie sich die Dinge entwickeln, könnte Pakistan das neue Kambodscha und Obama der neue Nixon werden. (US-Präsident Nixon hatte vor seiner Wahl 1969 angekündigt, den Krieg in Vietnam beenden zu wollen, danach aber auch Kambodscha bombardieren lassen.)

Obama hatte versprochen, alle Truppen aus dem Irak abzuziehen, es sei denn .... - was schon damals hieß, dass wir nicht abziehen werden. Wahrscheinlich bleiben 50.000 Soldaten auf "Einladung" der so genannten irakischen Regierung im Land – mindestens aber so viele, dass die bereits bestehenden 14 dauerhaften (US-)Militärbasen bemannt werden können; zusammen mit privaten Söldnern könnten es aber auch mehr als 50.000 Militärpersonen werden, die mit ziemlicher Sicherheit über den festgelegten Abzugstermin, den 1. Januar 2012, hinaus im Irak "gebraucht werden".

• Obama hatte versprochen, er wolle Washington reformieren, und das "kaputte" korrupte System des Lobbyismus "reparieren". Obama ist aber weder ein Reformer, noch ein gewiefter Mechaniker, der die Legislative saniert. Wenn ihn der Apparat des Demokraten Daley in der Einparteien-Stadt Chicago nicht gepuscht hätte, wäre Obama nicht Präsident geworden; deshalb wird er auch keine Wellen machen. (s. http://www.newsmax.com/politics/obama_daley_chicago_elect/2007/10/11/40228.html) Als Roland Burris vom korrupten früheren Gouverneur Rod Blagojevich auf den freigewordenen Sitz Obamas im Senat gehievt wurde, gab es keinerlei öffentlichen Einspruch der neuen Regierung, weil Burris ein Mann des demokratischen Apparats in Chicago ist. Wie wird Obama mit dem delikaten Problem umgehen, wenn aus den Abhörprotokollen des US-Bundesanwalts von Blagojevichs Telefonverkehr hervorgeht, dass "Tombstone Roland" (Grabstein-Roland ist wohl der Spitzname von Roland Burris.) Geld für "Blago" gesammelt und seinen Senatssitz also offensichtlich gekauft hat?

• Ein weiterer Beleg für Obamas Politik des "Nehmens und Gebens" ist auch die Berufung eines seiner größten Champions, des aus Chicago kommenden Rahm Emanuel, zu seinem Stabschef; auch der neue Haushalt und das "Konjunktur-Paket" sind voller "Dankesgaben" (für Konzerne, die Obamas Wahlkampf finanziert haben). Haben Sie schon etwas über Obamas angekündigte Reform der Wahlkampf-Finanzierung gehört? Das wäre auch sehr ungewöhnlich für einen Mann, der eine Finanzierung mit öffentlichen Geldern abgelehnt und noch etwa 10 Millionen von der Rekordsumme von 745,7 Millionen Dollar übrig hat, die an Wahlkampfspenden eingingen. Es ist zwar nur ein weiteres Detail, aber die Ernennung von William Lynn III, eines Lobbyisten der Rüstungsfirma Raytheon, zum stellvertretenden Verteidigungsminister steht in ziemlichem Widerspruch zu Obamas angekündigten Kreuzzug gegen spezielle Interessen und die "Drehtür" zwischen Privatfirmen und der Regierung. Außerdem hat Obama auch Botschafter-Posten an Wahlspender verkauft. Der dickste Brocken, die US-Botschaft in London, ging an Lou Sasman, die ebenfalls aus Chicago kommt und als leitende Managerin der Citigroup 239.000 Dollar gesammelt hat. Paris wurde für Charles Rivkin reserviert, der 500.000 Dollar für Obama aufgetrieben hatte.

• Obama will mit seinem zweiten arabischen Vornamen und seiner langen Rede in Kairo den Eindruck erwecken, er sei der beste Freund der islamischen Welt. Die Fotos des fröhlichen Präsidenten mit dem saudischen König Abdullah und seines lächelnden Stabschefs Emanuel mit dem saudischen Außenminister Saud al-Faisal beweisen aber das Gegenteil. Die saudische Königsfamilie hasst die Idee demokratischer Regierungen für islamische Völker und ist auf grausame Weise gleichgültig gegenüber dem Schicksal der Palästinenser. Ein demokratischer, unabhängiger und teilweise säkularer Palästinenser-Staat würde die saudische Oligarchie sehr schlecht aussehen lassen. Deshalb ist das saudische Königshaus sehr glücklich über den gegenwärtigen Zustand, und Obama ist es offensichtlich auch.

Ohne saudischen Druck wird es keine Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts geben, weil saudisches Öl der einzige Hebel ist, mit dem Amerika dazu gebracht werden könnte, Israel zu echten Zugeständnissen (an die Palästinenser) zu zwingen. Der Präsident denkt auch nicht eine Minute daran, Israel zu mehr als einem symbolischen Rückzug aus seinen illegalen Siedlungen auf der Westbank aufzufordern. Währenddessen setzt die saudische Elite ihr Doppelspiel fort; (um Ruhe vor Aufständischen zu haben), zahlt sie Schutzgeld an extremistische Islamisten und unterstützt die Verwandten von Selbstmord-Attentätern. So ist eben die Politik, schienen Barack und Rahm (Emanuel) ausdrücken zu wollen, als sie mit breitem Grinsen neben ihren seltsamen neuen Freunden aus Riad posierten. So lange das Öl bis zur nächsten Wahl fließt, ist alles in Ordnung.

• Obama erweckte den Eindruck, ein Freund der Gewerkschaften zu sei; zumindest hat er das während der Vorwahlen in Ohio getan, als er Hillary Clinton schlagen musste. Damals ließ er ein Flugblatt mit der Schlagzeile verteilen "Nur Obama hat gegen NAFTA gekämpft". (Das North American Free Trade Agreement / NAFTA ist ein Freihandelsabkommen der USA mit Kanada und Mexiko, das den Zustrom billiger Arbeitskräfte aus Mexiko in die USA ermöglicht hat.) Er hat auch gegen andere schlechte Handelsverträge gewettert und Hillary Clinton beschuldigt, "noch vor wenig mehr als einem Jahr NAFTA als Segen für die Wirtschaft" bezeichnet zu haben. In einer Debatte mit Frau Clinton am 28. Februar 2008 sagte er: "Ich werde dafür sorgen, dass über NAFTA neu verhandelt wird, wie es auch Senatorin Clinton gefordert hat". Man sollte "die Drohung mit einer Aufkündigung als Hebel benutzen, um notwendige neue Standards für Arbeit und Umweltschutz durchzusetzen".

Vor zwei Monaten sagte dann der US-Handelsbeauftragte Ron Kirk , das sei nicht mehr nötig, denn die Regierungschefs von Kanada, Mexiko und der USA seien jetzt der Meinung, man müsse nach Möglichkeiten suchen, NAFTA zu stärken. Und natürlich gibt es überhaupt keine Diskussion mehr darüber, die Permanent Trade Relations (das Abkommen über dauerhafte Handelsbeziehungen) mit China neu auszuhandeln – ein wirklich "schlechtes Abkommen", das den amerikanischen Arbeitern und ihren Gewerkschaften sogar noch mehr Schaden als NAFTA zugefügt hat.

Mittlerweile ist das eingetreten, was ich schon in meiner Kolumne am 15. April geschrieben habe: "Die Haie der Wall Street umzingeln die United Workers Union." Obama und sein Banker-Freund Steven Rattner sind dabei, die Auto Workers Union / AWU (die Gewerkschaft der Automobilarbeiter) mitsamt der amerikanischen Autoindustrie zu liquidieren. Robert Reich, Bill Clintons Pseudo-Arbeitsminister, schrieb dazu letzten Monat in der FINANCIAL TIMES: "Der einzige praktische Nutzen, den ich mir bei dem Rettungsversuch (für General Motors) ) vorstellen kann, besteht darin, den Niedergang des GM-Konzerns zu verzögern, damit seine Arbeiter, Zulieferer, Händler und die Standorte Zeit gewinnen, um sich auf den endgültigen Bankrott einzustellen." Das ist keine Überraschung, denn Obamas wirtschaftspolitischer Chefberater ist Lawrence Summers, der sich schon in der Clinton-Administration als Meister der Deregulierung und der "freien Märkte" und als ausgesprochener Feind der Gewerkschaften profiliert hat.
Nun ja, es ist natürlich ganz schön, dass wir jetzt einen Präsidenten haben, der in ganzen Sätzen reden kann. Aber selbst ihr innerer Zusammenhang macht sie nicht ehrlicher.

Quelle: luftpost-kl.de