Samstag, 31. Oktober 2009

Nie mehr Faschismus!? Wir stecken doch mitten drin!

Der erste Wortkrieg


AUTOR: Einar SCHLERETH

Angesichts des national-sozialistischen und faschistischen Phänomens waren sich Intellektuelle des linken, aber auch des linksliberalen Spektrums nicht nur darüber im klaren, dass es so oder in ähnlicher Form auch in anderen Ländern hätte auftreten können, sondern auch – bei Bedarf – wieder auftreten könnte. Bei Bedarf bedeutet, wenn die herrschende monopolkapitalistisch-imperialistische Klasse sich und ihre Privilegien hinlänglich bedroht fühlt, um auf diese oder ähnliche Methoden glaubt zurückgreifen zu müssen. Der ständig gehörte Warnruf ”Nie mehr Faschismus!” hatte allerdings zur Folge, dass man wie hypnotisiert auf das Auftauchen von Hakenkreuzen, nationalsozialistischen Schlagworten und skinheads starrte und dabei nicht bemerkte, wie sich de facto der ”Faschismus” abermals breitmachte und mittlerweile mitten unter uns fest etabliert ist. Und mit ”mitten unter uns” meine ich den ”freien” Westen bzw. die hochindustrialisierten Länder unter Führung der Vereinigten Staaten von Amerika (USA). [1]

Um Irrtümer auszuschließen, möchte ich die gängige bürgerliche Definition von Faschismus nach Meyers Großes Taschenlexikon von 1987 zitieren: ”Die Ideologie war gekennzeichnet durch Antimarxismus, Antiliberalismus, Militarismus und übersteigerten Nationalismus.” Laut derselben Quelle ”bildet der Faschismus nach marxistischer Auffassung eine in bürgerlichen Demokratien in ökonomischen oder politischen Krisenlagen angewandte neuartige Form politischer Herrschaft. Der Faschismus ermöglicht die Zerschlagung der Arbeiterparteien und der Gewerkschaften, Senkung der Lohnkosten und Erhöhung der Rentabilität”. Ein weiteres Kennzeichen von Faschismus seien Führerprinzip, Massenpartei, Einparteienstaat. Doch ist dies, wie sich zeigen wird, von sekundärer Bedeutung. Es geht durchaus auch ohne, und die USA sind dafür das beste Beispiel. Nicht umsonst sah Hitler in den USA in vieler Hinsicht ein Vorbild.


"Es ist kein Faschismus wenn wir das machen" (Plakat der British National Party gegen die Labour)

Die USA sind neben Russland und Australien (Kanada als quasi 51. Bundesstaat der USA muss man nicht extra anführen) das Land, das nach den Umwälzungen des 1. und 2. Weltkrieges nicht entkolonialisiert wurde. Der Grund ist einfach: Die armen, entrechteten, zum Teil religiös verfolgten Menschen des Alten Kontinents widmeten sich in jahrhunderterlanger Handarbeit mit solcher Hingabe der Ausrottung der rechtmäßigen Besitzer des Neuen Kontinents, dass kaum welche übrigblieben. Sie konnten sich somit einen ganzen Kontinent einverleiben, d.h. auf gut deutsch stehlen. Wie sich ein Staat fortgesetzt und ungestraft einem Holocaust widmen und sich gleichzeitig als Demokratie und Rechtsstaat feiern lassen kann, gehört zu den großen Rätseln der Geschichte.

Im übrigen ist Holocaust für die Vernichtung ungezählter indianischer Völker nicht meine Formulierung, sondern die Leslie Marmon Silkes, Autorin indianischer Abstammung von ”Almanach der Toten”[2]. Als Leslie Marmon Silko bei ihrer Lesung in Hamburg von einer – natürlich weißen – Hörerin in der anschließenden Diskussion wegen ihrer unzulässigen Formulierung angegriffen wurde, fragte sie nur: ”Warum, weil wir Rote sind?”

Aber so ist es: Jedefrau/jederman, die/der Kritik an den USA übt, muss mit Angriffen, Verleumdung, Totschweigen oder gar dem Schlimmsten rechnen. Rolf Winter, ehemaliger Chefredakteur von Stern und Geo, schrieb das Buch ”Ami go Home – Plädoyer für den Abschied von einem gewalttätigen Land”[3], in dem er faktenreich belegte, dass die USA ”von Haus aus gewalttätig” sind. In einer öffentlichen Diskussion in Hamburg entblödete sich der ehemalige Hamburger Bürgermeister Schulz nicht, die wöchentlichen 5 Teller und den Schokoladenriegel bei der Schulspeisung nach dem Krieg für die Güte der USA anzuführen. Auf sachliche Kritik ließ er sich natürlich nicht ein. Er nicht und auch sonst niemand. Das Buch wurde von den Medien im wesentlichen tot geschwiegen. Verkauft wurde es trotzdem gut.

Und damit sind wir bei zwei Schlüsselbegriffen: die Medien und ihre staatstragende Rolle und Trotzdem. Das trotzdem, das gegen den Staat, gegen die Gewalt, gegen die Justiz, gegen die Kirche, gegen Uni und Schule und – oft genug – gegen die Eltern immer wieder einmal einen Hoffnungsschimmer aufblitzen lässt (die Befreiungsbewegungen in der 3. Welt, 1968, die heutige weltweite Anti-Globalisierungsbewegung etc.).


Miglieder der ultrarechten flämischen Partei Vlaams Belang demonstrieren in Köln gegen eine Antifa-Demo, die selber gegen eine anti-islamische Demo gerichtet war. Die Anti-Antifaschisten meinen, sie seien die echten Antifaschisten... Was Ignazio Silone betrifft, war er in der Tat ein sehr seltsamer "Sozialist": in seinen jungen Jahren als Sozialist und später Kommunist, war er gleichzeitig Polizeispitzel. In seinen späteren Jahren, als "freier Sozialist", war er Vorsitzender der Italienischen Vereinigung für die Freiheit der Kultur (die italienische Branche des antikommunistischen Kongresses für kulturelle Freiheit) von 1952 bis 1969, und Leiter der Zeitschrift Tempo Presente (italienisches Pendant zu Der Monat in Westdeutschland). Beide waren von der CIA finanziert und kontrolliert...


Den Massenmedien – insbesondere Presse, Rundfunk und Fernsehen - wird einer verbreiteten Auffassung zufolge eine Art Gegengewicht zur staatlichen Allmacht zugesprochen. Jedoch ist diese Auffassung seit langem und immer wieder als Mythos entlarvt worden. Um nur einige Beispiele zu nennen: Schon 1866 hat ein Heinrich Wuttke das Buch mit dem Titel ”Die deutschen Zeitschriften und die Entstehung der öffentlichen Meinung”[4] veröffentlicht, in dem er die Fäulnis der deutschen und österreichischen Presse und ihre Verbindung mit der Reklame bloβlegte. 1918 schrieb Upton Sinclair sein monumentales Werk ”Brass Check”, das 1919 veröffentlicht und binnen eines Jahres mit 310 000 Expl. verkauft wurde. Und verkauft wurde es, obwohl es ebenso wie sein früheres Werk ”The Profits of Religion” von der gesamten amerikanischen Presse totgeschwiegen wurde. ”Brass Check” wurde von Prof. Dr. J. Singer ins Deutsche übersetzt und 1921 in (der Not gehorchend) gekürzter Form unter dem Titel ”Der Sündenlohn” ebenfalls in Leipzig veröffentlicht. Zum Erfolg oder Misserfolg dieser Auflage kann ich nichts sagen, nur so viel: Obwohl die hohen amerikanischen Auflagen zeigen, dass das Buch quasi im Untergrund eifrig gelesen wurde, ist es bis heute beiderseits des Atlantik auch unter Intellektuellen so gut wie unbekannt.

Danach riss der Strom der radikalen Medienkritik nicht mehr ab. Zu den bedeutendsten Kritikern zählen Günter Anders, Noam Chomsky, Eduardo Galeano, John Pilger, Neil Postman u.v.a.m.[5]

Doch die Realität zeigt, dass die alternativen Medien, in denen der Wahrheit eine Chance gegeben wurde (und wird), zu allen Zeiten nur von marginaler Bedeutung waren (und sind). Die seit über 100 Jahren bestehenden Medienmonopole (die Hearst, Huck, Hugo Stinnes, Springer, Murdoch & Co) haben mit Gottes und vor allem des Staates Hilfe und mit den Methoden des Verleumdens, Verschweigens, des Erpressens, des Mordes und Totschlags alle oppositionellen Meinungen ausgeschaltet, unschädlich oder unwirksam und ineffektiv gemacht.


Berlusconi, gesehen von
paolo lombardi (5 ist der Name eines seiner Fernsehkanäle)



Einmal jedoch kam es zu einem qualitativen Sprung. Nach der russischen Oktoberrevolution hat es in Europa und vielen anderen Ländern der Welt Ansätze für eine echte Opposition und eine echte, ernst zu nehmende alternative Medienlandschaft gegeben (in Deutschland etwa der ”Münzenbergkonzern”). Dies geschah allerdings in Verbindung mit oppositionellen Massenbewegungen, die in Deutschland besonders stark wurden. Und damit war die oben genannte Krisensituation gegeben.

Die internationale Bourgeoisie (d.h. Hochfinanz und Industrie von Wallstreet und Ford bis zu den deutschen Chemie-, Stahl- und Finanzmagnaten) in Vereinigung mit Hochadel und Kleinbürgertum züchteten sich den Anstreicher aus Österreich heran (in Italien waren es Mussolini, in Spanien Franco, in Portugal Salazar), der sodann mit Lüge, Heuchelei, Verleumdung, Drohungen und vor allem mit beispiellosem Terror (der von der Weimarer Republik geduldet wurde) die deutsche arbeitende Bevölkerung mürbe klopfte. Und trotzdem hat er bei den letzten ”freien” Wahlen 1932 eine empfindliche Niederlage erlitten (zwei Millionen Stimmenverluste), und um ein Haar wären ihm die Zügel aus der Hand geglitten. Retter in der Not war Hindenburg, der diesem hergelaufenen Kriminellen die Kanzlerschaft übertrug.

Wie bekannt, löste er das Problem der Opposition mit Mord, Totschlag, KZs und Massenvernichtung. Hätte er sich allerdings seinem Auftrag gemäß allein der Vernichtung der Sowjetunion und der KP gewidmet, kein Hahn hätte nach den Millionen Juden, Demokraten, Zigeunern, Schwulen und Kommunisten gekräht.

Am Ende des 2. Weltkriegs standen die USA im ”freien Westen” als die ökonomisch und politisch bestimmende Macht und weltpolitisch als Supermacht da.[6] Und fortan wurden die völlig anderen Methoden der Machtausübung angewandt, die sich in den USA seit langem bewährt hatten. Dort wurden seit je alle oppositionellen Organisationen, ob politischer, gewerkschaftlicher, ethnischer oder kultureller Art gründlich überwacht und unterwandert. Begabte und fähige Führer wurden nach Möglichkeit ”eingekauft” oder unter fadenscheinigen Gründen angeklagt, eingelocht oder ermordet. Zu den berühmten Morden gehören ”Häuptling Büffelkind Langspeer”[7], der erste indianische Absolvent von West Point, der hochdekoriert aus dem 1. Weltkrieg heimkehrte, die Geschichte seines Lebens und seines Volkes schrieb und den Kampf für die Rechte seines Volkes aufnahm; Joe Hill, der engagierte Sänger schwedischer Abstammung; Sacco und Vanzetti, Martin Luther King, um nur einige zu nennen. Im Übrigen kommen einer kürzlichen Untersuchung zufolge noch heute in den USA auf zehn Todesurteile sieben Justizmorde.

Andererseits haben die Medien in den USA immer eine enorme Macht ausgeübt, eine Macht im Dienste des Staates. Das amerikanische Volk wird einer ständigen, unermüdlichen Gehirnwäsche ausgesetzt, deren Ziel die Ausschaltung jeder selbständigen Gehirntätigkeit ist. Der Mixtur des Waschpulvers wird eine gehörige Portion Bibelextrakt, Weiß- und Weichmacher (dem jüdischen Volk abgeguckt): ”Wir sind Gottes auserwähltes Volk”. Das ist sehr praktisch, denn: Kann Gottes auserwählte Volk schlecht sein, etwas Schlechtes tun, überhaupt nur Schlechtes denken? Natürlich nicht. ”Es ist völlig eindeutig, dass der Mythos der Einzigartigkeit den Mythos der Überlegenheit mit sich führte”, wie der Historiker Henry Steele Commager von der Columbia University , NY schreibt.[8] Und genau wie das Volk des Alten Testaments befindet sich das amerikanische Volk von Anbeginn auf dem Kriegspfad und rottete ein Volk nach dem anderen aus mit Frauen, Kindern, Alten – zur höheren Ehre Gottes, so wie es geschrieben steht. Der permanente Kriegszustand hält bis zum heutigen Tage an.


American Progress, Werk von John Gast (1872), eine Allegorie der "Manifest Destiny": Columbia, die Verkörperung der USA , führt die Zivilisation nach Westen an der Spitze der Siedler, indem sie Telegraphenlinien anlegt und dabei wilde Tiere und Indianer in die Flucht treibt, die wahrscheinlich Angst vom Buch (Bibel, Verfassung, Strafgesetzbuch oder Liegenschaftsbuch?) haben, das sie hält.


Fast 300 Jahre währte allein der ”Krieg” gegen die Indianer. Ich zitiere nochmals Rolf Winter: ”Die Siedler – bis heute Helden der Nation und Vererbter ihrer Werte – zivilisierten mit der Waffe und verwirklichten die ”manifest destiny” (die offenkundige Fügung des Schicksals), nämlich den Halbkontinent zu durchdringen und in Besitz zu nehmen, mit kaltblütiger Entschlossenheit. Sie nahmen Hitler vorweg, dessen ”Vorsehung” eine späte Entsprechung der ”manifest destiny” und dessen barbarischer Umgang mit anderen Rassen eine Kopie der Behandlung der Indianer durch die weiβen Amerikaner waren. Sie ”schoben”, wie der französische Historiker de Riencourt schrieb, ”erbarmungslos alle Menschen zur Seite, die ihnen im Weg waren”, als wären sie schon zu den Texten von Naziliedern marschiert.” Und noch ein von Winter angeführtes Zitat: ”Es ist möglich, dass kein anderer Faktor einen so brutalisierenden Einfluss auf den amerikanischen Charakter hatte wie die Kriege gegen die Indianer. Die Normen dieser Kriege waren barbarischer als die der Kriege Westeuropas.”[9]

Das Fazit: Von den ca. 8 Millionen Indianern überlebten bei Kriegsende (1890) knappe 5%, genau genommen 360 000 Menschen.

Aber diese 300-jährigen Vernichtungs- und Raubfeldzüge waren noch lange nicht abgeschlossen, als die Gringos ihre begehrlichen Blicke schon auf das weitere Umfeld richteten und ”richtige” Kriege zu führen begannen. Im Mexikanischen Krieg (1846-48) beraubte man Mexiko eines Drittels seines Territoriums (seinerseits natürlich den Indianern von den Spaniern geraubt). In Auseinandersetzungen mit Spanien, Rußland und Großbritannien brachte man 1848 den südlichen Teil Oregons (das heutige Oregon, Washington, Idaho und Teile Montanas) an sich. 1819 wurde Florida den Spaniern ”abgenommen”. 1854 wurde Japan mit Gewalt dem amerikanischen Handel geöffnet. 1852 wurde die Monroe-Doktrin formuliert, die u.a. ganz Lateinamerika zum ”amerikanischen Hinterhof” erklärte, was ungezählte amerikanische Interventionen zur Folge hatte. 1898 Krieg mit Spanien: Puerto Rico, die Philippinen, Guam werden annektiert, Kuba zum Protektorat erklärt. 1903 wurde Kolumbien Panama ”abgenommen” usw.

Im 1. Und 2. Weltkrieg stärkten die USA ihre politische, militärische und ökonomische Vormachtstellung weiterhin. Und seit Ende des 2. Weltkrieges führten die USA in 70 Ländern äuβerst ernste Interventionen (bzw. Kriege) durch, u.a. in China, Korea, Vietnam und jüngst in Irak und Afghanistan, um nur die blutigsten zu nennen.[10]

Es dürfte schwierig sein, in der 400-jährigen Geschichte der Vereinigten Staaten (angefangen bei den Pilgrim Fathers) nur ein ganzes Jahr ohne Krieg zu finden. Winters Formulierung von der ”gewöhnlich friedensunfähigen Imperialmacht” ist also voll und ganz gerechtfertigt.

Als 1989 das seit 1918 ins Auge gefasste Ziel, die UdSSR zu zerstören, nach unzähligen Interventionen, Obstruktionen, Unterminierungen, Terroranschlägen, medialen Hetzkampagnen endlich erreicht war, nahmen die Eigenmächtigkeit, Selbstherrlichkeit, Arroganz, Drohungen, Gewalt-usübungen und Missachtung der Völkergemeinschaft monströse Formen an.

Zuallererst wurde im Handumdrehen ein neuer Weltfeind Nummer Eins geschaffen, ein neues ”Reich des Bösen” konstruiert – der Islam bzw. die Umma, i.e. die islamische Völkergemeinschaft. Der Antisemitismus wurde mal wieder ins System gesetzt (wer es nicht wissen sollte: die Araber sind Semiten und die Juden ein Brudervolk). Eine Hetzkampagne unvorstellbaren Ausmaßes wurde von den USA angekurbelt, in die so gut wie alles westlichen Medien unisono einstimmten.

Und 1991 war es so weit. Der erste Krieg konnte von Bush Senior in Gang gesetzt werden. Das Opfer hieß Saddam Hussein, den man direkt zuvor gegen den iranischen Erzfeind unterstützt hatte. Plötzlich ein Mann von Hitlers ”Format”, der gleichwohl dumm genug war, in das offene Messer der USA zu rennen. Er hatte die amerikanische Botschafterin rufen lassen und auf den Busch geklopft, ob man in Washington etwas gegen die Besetzung Kuweits hätte. Die Antwort war: NEIN. Auch wenn diese Nachricht nur einmal über den Sender ging, um gleich darauf für immer zu verschwinden, so ist sie ja doch wohl in allen Staatskanzleien der Welt bekannt gewesen. Gleichwohl akzeptierten fast alle Staatsmänner und (fast) die gesamten Medien die Besetzung Kuweits als Kriegsgrund. Diese Lumperei unserer Staatsmänner und der Journaille spottet jeder Beschreibung, sollte aber bei weitem in der Haltung während und nach des Krieges und in der ”Kriegsbericht-Erstattung” übertroffen werden. Das war kein Krieg, sondern ein ferngelenktes Abschlachten von Soldaten und Zivilisten. Nichtsdestoweniger geiferten die ”Journalisten” und machten sich die Hosen nass vor Jubel über die ”Erfolge” und den ”Mut” der Gringo-Soldateska. Selbst ganz normale Menschen und sogenannte Linke wurden über Nacht zu glühenden Hurra-US-Patrioten.

Die USA konnten sich nach diesem Erfolg und der un-eingeschränkten Unterstützung durch die Staatengemeinschaft und die Kompradorenbourgeoisien der 3. Welt in Ruhe der Vorbereitung der nächsten Aufgaben widmen. Schlag auf Schlag wurden so ziemlich alle internationalen Verträge in den Papierkorb geworfen[11], die ihren Interessen im Weg standen. Figuren wie Brzezinski[12] legten die weitere Marschroute fest zur Festigung der absoluten Vormachtstellung der USA. Vor allem gelte es in Anbetracht der knapper werdenden Energievorräte die Kontrolle über die verbleibenden Ressourcen und ihre Zufahrtswege zu gewinnen. Insbesondere in Südamerika und in Zentralasien.

Die erste Option war der Balkan. Dort hatten sich alle ehemaligen Ostblockstaaten hurenhaft in die Arme des westlichen Kapitals und der NATO geworfen, alle – bis auf Jugoslawien. Die EU – allen voran Deutschland, das seit Jahren mit Hilfe der Ustascha Wühlarbeit betrieb – die USA und die NATO machten sich mit Feuereifer an die Zerschlagung Jugoslawiens und seiner demokratisch gewählten Regierung. Völkerrecht, UNO, Menschenrechte – alles wurde souverän beiseitegeschoben, abermals wurde die mediale Dampfwalze eingesetzt, um den Einsatz der US Airforce vorzubereiten. Und abermals lief alles wie am Schnürchen. Alle marschierten sie, endlich auch wieder die Deutschen, wofür die ehemaligen grünen Pazifisten gesorgt hatten. Jugoslawien wurde zerfetzt und 100 Jahre in die Vergangenheit gebombt, aber der Weg für die Pipeline zum Kaspischen Meer war frei. Für diese Freiheit lohnte es sich zu kämpfen.

Gleichzeitig eskalierten in Lateinamerika die politischen, sozialen und militärischen Auseinandersetzungen. Es brodelte von Mexiko bis Argentinien, und in jedem Topf hatten die USA wie seit Bolivars Zeiten ihre Finger.

Im Süden Kolumbiens wurden neue, extrem ergiebige Erdölquellen entdeckt, die jedoch dummerweise in dem von der FARC (der größten Befreiungsbewegung des Landes) kontrollierten Gebiet liegen. Also wird gegen die FARC, die seit 30 Jahren die politische Unabhängigkeit von amerikanischer Bevormundung und soziale Gerechtigkeit erstrebt) eine Verleumdungskampagne gestartet und, schon in Clintons Amtsperiode, es wurde ein ”Carepaket” geschnürt, das Milliarden Dollars, avancierte Waffensysteme, Militärberater, Piloten enthält, vorgeblich zur Bekämpfung der Drogenmafia.

Es hat sich allerdings herumgesprochen, dass die Drogenmafia nur von sekundärer Bedeutung ist. Die wahrhaft Schuldigen sind die Konsumentenländer, d.h. die hochindustrialisierten Länder und allen voran die USA. Der sogenannte Krieg gegen die Drogen hat bis heute nicht die geringste Minderung des Drogenkonsums bewirkt, sondern das genaue Gegenteil. Es ist obendrein bekannt, dass die kolumbianische Regierung, ihre Totschlägerbanden und amerikanische Militärs tief in das Drogengeschäft verwickelt sind und außerdem zu den übelsten Menschenrechtsverletzern gehören. Aber die westliche Presse betet sklavisch nach, was die Pressesprecher des Weiβen Hauses und die CIA vorbeten. Und seither eskaliert der Krieg gegen das kolumbianische Volk, vor allem gegen die Ärmsten der Armen und gegen die Minoritäten (U´waa)[13] Tag für Tag.[14]

In Ecuador stürzte die starke CONAIE (Zusammenschluss der indianischen Völker) gemeinsam mit den verarmten Volksmassen und fortschrittlichen Militärs in einer friedlichen Revolution die Regierung, die den Ausverkauf des Landes an die USA betrieben hatte, und setzte einen Revolutionsausschuss ein. Kaum 24 Stunden danach muss dieser Ausschuss auf starken Druck der USA hin (welcher Art dieser Druck war, lässt sich denken) den Platz dem ehemaligen Vize-Präsidenten Noboa räumen, der die alte Politik fortsetzt.

In Bolivien wird die total verarmte Landbevölkerung in die nackte Verzweiflung getrieben. Die Protest- und Hungermärsche werden mit Kugeln und Folter beantwortet.

Argentinien wird von dem WMF in den Bankrott getrieben. Die ehemals starke Mittelschicht sinkt großenteils an den Rand des Existenzminimums. Drei Regierungen werden gestürzt, aber wie im Kasperltheater steht der Kasper immer wieder unbeschadet am alten Platz.

Mexiko wurde der NAFTA beigetreten[15] und die Volksmassen befinden sich in sozialer Hinsicht im freien Fall. Zu tausenden versuchen sie auf der Suche nach Arbeit die Mauer zu den USA zu überwinden, wobei viele den Tod finden. Von jenen Mauerschüssen darf natürlich nicht gesprochen werden.

Die Liste der vom US-Imperialismus betroffenen Länder könnte beliebig verlängert werden. Die einzigen Licht-blicke sind Kuba und vor allem auch Venezuela, wo bei den vergangenen Wahlen Chavez einen Erdrutschsieg gewann. Er hat endlich die seit 100 Jahren versprochene Bodenreform (neben vielen anderen Reformen) in Angriff genommen.

Natürlich schäumen die USA vor Wut und bereiten selbst-redend gewisse Maβnahmen vor. Nicht wenige Leute sagen Chavez das Schicksal Allendes voraus. Da aber Chavez wohl nicht so naiv wie Allende ist, scheint diese Art von Problemlösung mit gewissen Risiken verbunden zu sein.

Auf der anderen Seite des Erdballs, genauer in Zentralasien, geht gleichzeitig die Besitzergreifung lukrativer Ölfelder zielstrebig voran. Nur der künftige Abtransport stellte sich als problematisch heraus. Als der sicherste Weg für eine Pipeline wird – nach Regelung der Balkanfrage – die westliche Route vom Schwarzen Meer über Rumänien, Kosovo, Albanien angesehen. Die allerdings ist teuer. Die andere und billigere Alternative wäre die Route durch Afghanistan, wenn …. Tja, wenn dort ”vernünftige” Verhältnisse geschaffen werden könnten. Es wurde gesagt, dass die Erdölindustrie der amerikanischen Regierung eine Art von Ultimatum gestellt habe. Doch folgt man der Argumentation von Brzezinski, dann bedurfte es dessen nicht. Die Aufgabenstellungen von Regierung und Monopolen fallen zusammen, wie John Pilger meint. Jedenfalls bereiteten sich seit dem Jahr 2000 die amerikanischen Streitkräfte auf die Invasion Afghanistans vor.

Etwa gleichzeitig, wenn nicht früher, erfahren alle westlichen Geheimdienste von geplanten Terroranschlägen in den USA. Und damit beginnt eins der finstersten Kapitel in der Geschichte der USA. Man lässt die Terroristen gewähren, arbeitet möglicherweise mit ihnen zusammen. Wie und in welcher Form diese ”Zusammenarbeit” verlaufen ist, wird die Zukunft zeigen[16]. Denkbar ist, dass die Termine so abgestimmt wurden, dass sie mit der Einsatzbereitschaft der Streitkräfte übereinstimmten. Die Geschichte wiederholt sich mal wieder. Auch von Pearl Harbour wusste der amerikanische Präsident Roosevelt und unternahm nichts[17]. Denn dadurch erhielt er den perfekten Vorwand für das Eingreifen in den 2. Weltkrieg.[18]

Unterdessen fanden ”Wahlen” in den USA statt. Waren diese schon immer eine Parodie auf Demokratie (mit knapp 50% Wahlbeteiligung und würdelosem Gebalge zwischen zwei Parteien, die kaum voneinander zu unterscheiden waren und sind, deren gemeinsamer Nenner jedenfalls immer die Millionärskandidaten sind.), so spotteten die vergangenen Wahlen jeder Beschreibung. Folgerichtig wird der ”Sieger” von denkenden Menschen nicht ”president elect” sondern ”president select” (der ausgewählte Präsident) genannt.

Der Herr ”Sieger” war nur wenige Monate im Amt, als man bereits begann, ihn auszuzählen. Die Wirtschaft befand sich auf rasanter Talfahrt, die sozialen Spannungen wuchsen, die Außenpolitik lag in Scherben und innenpolitisch waren die Wut und der Abscheu vor dem Usurpator am Überkochen.

Die Rettung war der 11. September. Davor hatten die Mammut-Geheimdienste der USA mit ihren Milliardenbudgets angeblich von nichts etwas gewusst, aber nun, knapp 48 Stunden danach kannte man plötzlich die Täter und auch den Drahtzieher und auch das Land, das ihn beherbergte und somit schuldig war[19]. Wie dem auch sei: Ein paar Wochen später setzte sich die gewaltigste Kriegsmaschinerie, die die Welt je gekannt hat, gegen das ärmste Land der Welt in Bewegung, gegen ein Land, das zudem 20 Jahre Krieg gegen eine andere Supermacht und in dessen Folge einen Bürgerkrieg hinter sich hatte.

Und über Nacht wurde aus der Null im Weißen Haus ein genialer Staatsmann. Seine Drohung ”Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns” ließ fast alle Staatschefs der Welt der Welt zu Kreuze kriechen. Die Medien wurden noch mehr gleichgeschaltet (immer wieder ist eine weitere Umdrehung möglich), und das Kriegsgeschrei wurde ohrenbetäubend.

Die erste Frage, die ich mir unmittelbar (und auch öffentlich) gestellt hatte, war: Cui bono. Und davon ausgehend: Sie müssen davon gewuβt haben. In unserem Dorf hörte ich am folgenden Tag verschiedene Stimmen: Nu får dom smaka på sin egen medicin (Nun bekommen sie ihre eigene Medizin zu kosten).- Hela mitt liv har jag väntad på detta (Mein ganzes Leben habe ich darauf gewartet). – Wenn die das mal nicht selber waren (ein alter Berliner). Wie die Reaktion der Milliarden Opfer der USA in der übrigen Welt war, lässt sich leicht denken.[21] In jedem Fall ist die wirkliche öffentliche Meinung dem Geschwätz in den Medien diametral entgegengesetzt. Im Nachhinein lässt sich meine oben gestellte Frage eindeutig beantworten: Genutzt hat der 11. September allein den USA und Israel – und natürlich Bush (und Sharon). Und: Der Krieg gegen Afghanistan ist mangels jedweden Beweises nicht nur illegal, sondern auch ein Verbrechen gegen die Menschheit und die Menschlichkeit (ebenso wie der Krieg gegen die palästinensische Bevölkerung).


Man könnte die durchgängigen und systematisch ferngesteuerten Medienlügen mit einem Achselzucken übergehen, hätten sie nicht für alle Völker in der Welt entsetzliche Folgen. Denn unmerklich sind wir in ein System getrieben/gezogen worden, das ich nur als neu-faschistisch bezeichnen kann (die Neo-Faschisten sind ja nicht neu – die löffeln ja nur die alte, aufgewärmte braune Suppe). Ich denke, dass alle Indizien dafür sprechen.

a) Eine alles beherrschende antisemitische und allgemein rassistische ”Ideologie”, deren (nicht unbedingt ausgesprochene) Grundlage die weißen, christlichen Wertmaßstäbe sind[22]

b) Gleichschaltung der Medien in nie gekannten Ausmaß

c) Durchsetzung des US-amerikanischen Kulturimperialismus

d) Gleichschaltung der Opposition bzw. deren Kriminalisierung (FdgO-Gesetze, Rasterfahndung[23] , Trakassierung schwedischer und britischer Staatsbürger auf Befehl der USA[24], mehr als 1000 amerikanische Staatsbürger ohne Anklage verhaftet etc.)

e) Gleichschaltung der Gewerkschaften. Sie sind derart korrupt und feige, dass es ihnen in 100 Jahren nicht gelungen ist, eine grundlegende Solidarität herzustellen, etwa gleicher Lohn für gleiche Arbeit für Männer und Frauen und das Recht auf Arbeit (die Arbeitslosigkeit heutzutage ist eine Schande – sie ließe sich über Nacht lösen, würden die Überstunden abgeschafft werden).

f) Ausschaltung der UNO und des Völkerrechts

g) Abschaffung bindender internationaler Verträge

h) Abschaffung auch der formalen demokratischen Rechte[25]

i) Beseitigung der nationalen Souveränität in den Mitgliedstaaten der EU[26]

j) Ersetzung von Recht und Gesetz durch Willkür und nackte Gewalt des US-Imperialismus[27]

k) Völlige Entmachtung und Überwachung des Individuums in den industrialisierten, westlichen Gesellschaften

l) Die Gewinne sind in ungeahnte Höhen gestiegen, während die Löhne gesunken sind (USA und in der gesamten 3. Welt) oder nur unerheblich gestiegen sind

Wie ersichtlich, pfeift man auf die Symbolik des alten Faschismus, auch auf Massenparteien und auch auf Massenarmeen mitsamt den Aufmärschen, aus dem einfachen Grund, weil man das alles nicht mehr braucht oder weil es obsolet geworden ist (die Massenarmeen). Man kommt dennoch zu den gleichen Ergebnissen. Und man hat von der katholischen Kirche gelernt. Die hat auch immer darauf gepfiffen, ob jemand wirklich glaubt; wichtig allein war, dass man in der Kirche war und zahlte.

Entsprechend lässt man heute die Volksmassen ein bisschen grummeln und maulen, lässt sie ein bisschen demonstrieren, lässt ihnen die eine oder andere mediale Nische (ein paar Blättchen mit ein paar tausend Auflage oder einen Lokalsender, der nicht über das nächste Kuhdorf hinausreicht), vor allem aber lässt man ihnen ”Brot und Spiele”, wobei man allerdings immer öfter das Brot vergisst. Doch sobald eine Bewegung zu massenhaft und ihre Kritik zu gefährlich wird, zerschlägt und kriminalisiert man sie (s. Seattle, Göteborg, Davos, Genua etc.); sobald Führungspersönlichkeiten auftreten, die für die etablierten Mächte eine echte Herausforderung und damit eine Gefahr sind, inhaftiert, exiliert oder ermordet man sie (Lumumba, Mondlane, King, Malcolm X, Dutschke, Peltier etc.).

Diese Situation wird sich solange nicht ändern, wie man sich ihrer nicht bewusst wird, solange wir uns nicht der Gefährlichkeit des US-Imperialismus bewusst sind. Und die Gefährlichkeit der Bourgeoisie im allgemeinen und wo auch immer. Die Bourgeoisie ist heutzutage nicht mehr innovativ, sondern nur noch repressiv. Sie verrät ihren Ursprung, ihr Land, ihr Volk. Sie ist verrottet und sie ist bis ins Mark korrupt. Um das einzusehen und etwas dagegen zu tun brauchen wir nicht nur Bewusstsein, sondern auch Mut, Entschlossenheit und Solidarität, jene Tugenden also, die seit altersher in jeder Bewegung von unten ausschlaggebend waren. Solidarität nicht nur innerhalb einer Nation mit allen Entmachteten unabhängig von Rasse, Geschlecht oder Religion, sondern auch Solidarität mit allen Völkern dieser Welt.

Zudem sollten wir etwa von Gandhi lernen, was der Schwache gegen den Starken vermag: Er muss ihn dort treffen, wo es ihm am empfindlichsten weh tut – am Geldbeutel. Wie damals in Indien alle englischen Waren boykottiert wurden, so müssen wir heute sowohl die US-amerikanischen als auch die israelischen Waren boykottieren. Unter dem Motto: Keinen Pfennig den US-amerikanischen und israelischen ”rogue” Regimen[28].

[1] Es gibt durchaus bereits Stimmen, die das ähnlich sehen, z.B.:
Der Rufer in der Wüste schweigt - vergeblich war die Müh´
Der Faschismus kommt, der Bürger zieht sich mehr und mehr in seine heile Welt zurück und der Aktivist resigniert, schaut fasziniert/ungläubig zu oder seine Emotionen gehen mit ihm durch.
Noch nie ist ein faschistoides System mit so wenig Gegenwehr etabliert worden!
Diskussionsteilnehmer in Indymedia

[2] Rogner & Bernhard, München 1995

[3] Rasch & Röhring, Hamburg 1989

[4] Heinrich Wuttke ”Die deutschen Zeitschriften und die Entstehung der öffentlichen Meinung. Ein Beitrag zur Geschichte des Zeitungswesens”, Leipzig 1866

[5] Asked to give a toast before the prestigious New York Press Club in 1953, John Swinton, the former Chief of Staff at the New York Times, made this candid confession [it's worth noting that Swinton was called "The Dean of His Profession" by other newsmen, who admired him greatly]:
”We are intellectual prostitutes."

[6] Siehe dieses aufschlußreiche Interview mit Gore Vidal:

[7] gleichzeitig der Titel seiner Memoiren

[8] Rolf Winter, s.o. S.4

[9] Rolf Winter, s.o. S. 130-131

[10] Die vollständige Liste ist in The Guardian v. 12.,19. und 26. Juli 2001 zu finden.

[11] Siehe vollständige Liste: Marxist-Leninist-Lists@lists.econ.utah.edu Richard Du Boff ”Rogue Nation”: The US has established quite a notoriety, becoming the world's leading rogue nation as far as breaking international law is concerned. The article below recounts at least 22 ways (Vertragsbrüche) by which the US is living up to its reputation as the world's leading terrorist state……….

[12] Brzezinski, Zbigniew ”The grand chessboard: American primacy and its geostrategic imperatives”, NY 1997

[13] WEEKLY NEWSUPDATE ON THE AMERICAS ISSUE #555, SEPTEMBER 17, 2000

[15] Als einziger hat der kubanische President die FTAA heftig kritisiert.

[16] s. DIE WELT v. 07.12.01 Alle wuβten sie Bescheid, aber diese sensationelle Nachricht fuhrte zu nichts: In der gesamten europäischen Presse fand ich nur eine kleine Notiz in `Le Figaro´.

[17] siehe Stan Goff unter Fußnote 19 weiter unten

[18] Schon einmal hat das Pentagon Terroranschläge auf die eigene Bevölkerung bis ins Detail geplant:

Is Pentagon Behind the 9-11 Terrorism? American Broadcasting Company (ABC)
http://abcnews.go.com/sections/us/DailyNews/jointchiefs_010501.h
http://groups.yahoo.com/group/InfoTimes/message/1234
FriendlyFire Book: U.S. MILITARY DRAFTED PLANS TO TERRORIZE U.S.CITIES TO PROVOKE WAR WITH CUBA
U.S. Terrorist General Lyman L. Lemnitzer, shown Jan. 9, 1957, was head of the U.S. Joint Chiefs of Staff at the time theplans were drawn up and presented to the U.S. Secretaryof Defense.

[19] NARCO NEWS veröffentlichte am 10.10.2001 ”The So-Called Evidence Is a Farce” von Stan Goff, der u.a. Militärwissenschaft an West Point unterrichtete. In dem Artikel widerlegt Stan Goff jeden einzelnen Punkt aller offiziellen Verlautbarungen aus Washington als blanke Lüge und puren Schwachsinn.
Eine weitere Widerlegung findet sich in dem Buch von Dr. Andreas von Bülow ”Im Namen des Staates – CIA, BND und die kriminellen Machenschaften der Geheimdienste” (München 2002). S.a. das interessante Interview mit v. Bülow in der ”Rote Fahne” v. 14.2.02

[21] John Pilger skriver i ”Green Left” : One of Bush and Blair's oft-repeated lies is that “world opinion is with us”. No, it is not. Out of 30 countries surveyed by Gallup International, only in Israel and the United States does a majority of people agree that military attacks are preferable to pursuing justice non-violently through international law, however long it takes. That is the good news.

[22] Der Rassismus ist auch in einem Land wie Schweden allgegenwärtig. Alexandra Pascalidou hat vollkommen Recht, wenn sie schreibt, daβ Demokratie und Rassismus unvereinbar sind (s. ihr Buch ”Bortom mammas gata”).

[23] Den tyska polisens systematiska "screening" (Rasterfahndung) av muslimska/arabiska och andra studenter som kan komma att misstänkas för "terrorism" fortsätter på högskolor och universitet.

[24] Vem är krigsförbrytare?
Talibanerna och de misstänkta al-Qaida-medlemmarna hålls fångna på den amerikanska basen "Camp X-Ray" på Kuba, utan att några bevis mot dem kunnat läggas fram. JOHN PILGER om rättslösheten i terrorkrigets spår

[25] Siehe dieses aufschlußreiche Interview mit Gore Vidal, 29.3.2001

[26] Schweden etwa wird gezwungen, seine Jugend als Legionäre dem US-Imperialismus zur Verfügung zu stellen (s. Jan Myrdal fib 2/2002)

[27] Howard Zinn, Corruption of Democracy and the War on Afghanistan

[28] Ein Anfang wurde in Norwegen bereits gemacht. Siehe: Klassekampen mandag 25. februar, 2002
Hvem vil stoppe heleriet?
Den israelske staten har gjort oss til en nasjon av helere. Innimellom enkelte lovlig dyrkede Jaffa-appelsiner har israelerne i tiår eksportert oss tyvegods fra okkuperte og ulovlig beslaglagte palestinske områder, skriver Dag Øistein Endsjø.


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Quelle: der Autor

Originalartikel veröffentlicht am 30.10.2009

Über den Autor

Einar Schlereth ist ein Mitglied von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Dieser Artikel kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor als auch die Quelle genannt werden.

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Freitag, 30. Oktober 2009

Wie deformiert eigentlich Krieg diejenigen, die ihn führen?

Die Kontrollteams der meisten Killer-Drohnen, die über dem Irak, über Afghanistan und über Pakistan kreisen, sitzen in einem Gefechtsstand auf der Creech Air Force Base in Nevada.

Im Gefechtsstand:
Der tägliche Wechsel zwischen Schlachtfeld und Zuhause ist eine Belastung für die Drohnen-Kontrolleure

Von Megan McCloskey
STARS AND STRIPES, 27.10.09

Predator-Übungsdrohne in Creech
Foto: Megan McCloskey, S&S)
CREECH AIR FORCE BASE, Nevada – Die täglichen Arbeitspflichten sind sehr anstrengend: Aufständische müssen verfolgt und geduldig beobachtet werden, wenn sie Schutz suchen, bis sie wieder auftauchen, und Raketen müssen auf sie abgefeuert werden, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet.

Aber am Ende jedes Arbeitstages stehen die Air Force-Teams, welche die Drohnen der Typen Predator (Raubtier) und Reaper (Schnitter) kontrollieren, die über den Schlachtfeldern in Afghanistan und im Irak kreisen, von ihren Polstersesseln der Marke Naugahyde auf, klettern aus den engen Trailern auf diesem abgelegenen Luftwaffenstützpunkt in Nevada, steigen in ihre Autos und fahren nach Hause, wo sie gerade rechtzeitig ankommen, um ihre Kinder ins Bett zu bringen.

Man könnte ihre Tätigkeit als Kampf im Schichtbetrieb bezeichnen, als eine neue Art Krieg für Pendler, der nicht mehr zu dem traditionellen Bild von Kriegern passt, die in die Schlacht ziehen. Die Bodenkontrolleure der Drohnen sind durch den abrupten Übergang zwischen dem Bombardieren und dem Erzählen von Gutenacht-Geschichten und durch das ständig wachsende, äußerst anstrengende Arbeitspensum so belastet, dass sie unter Erschöpfungszuständen und Burnout-Symptomen leiden."Wir haben 5.000 Jahre lang traditionell Krieg geführt, diese neue Art Krieg gibt es aber erst seit einigen Jahren," erklärte P.W. Singer, der Autor des Buches "Wired for War: The Robotics Revolution and Conflict in the 21st Century" (Verdrahtet für den Krieg: Die Roboter-Revolution und die Konflikte im 21. Jahrhundert). "Diese Burschen sind gleichzeitig zu Hause und im Krieg. Es kann sein, dass die menschliche Psyche das nicht aushält. Wir wissen es noch nicht."

Col. (Oberst) Pete Gersten, der Kommandeur 432nd Air Expeditionary Wing (der 432. Expeditions-Flugstaffel) in Creech, sagte, als er als Kampfjet-Pilot in den Irak oder nach Afghanistan geschickt wurde, habe er seine Frau geküsst, seine Kinder umarmt und sich dann emotional von ihnen gelöst.

"An der Front schläft, isst, kämpft und arbeitet man, und dann wiederholt sich das. Ich hatte sehr selten Kontakt mit meiner Familie," teilte er mit.

Gersten möchte sich auf den Kampf konzentrieren und sein häusliches Leben nicht damit belasten.

"In Creech sind beide Bereiche auch getrennt, aber sie wechseln ständig," meinte er.

Zweimal täglich und das Jahre lang.

"Das kann richtig surrealistisch sein," kennzeichnete Capt. (Hauptmann) Zeb Krantz, ein ehemaliger C-130 Pilot, beim Betreten der Bodenkontrollstation die Arbeit im Gefechtsstand. "Man denkt oft, ich war doch heute Morgen noch zu Hause."

Die schwierige Balance zwischen einem aktiven Kampfeinsatz und häuslicher Gemeinsamkeit hat schon manche Ehe belastet. Die häuslichen Probleme haben den vorherigen Kommandeur veranlasst, ein Beratungs-Programm für Paare anzubieten.

"Der Druck in der Familie lässt nicht nach, er wächst," meinte (Buchautor) Singer: "Du hattest gerade einen Kampfeinsatz, und eine halbe Stunde später regt sich deine Gattin auf, weil du zu spät zum Fußball-Training kommst."


Streit kann es schon geben, wenn bei der Ankunft daheim die einfache Frage gestellt wird: "Wie war dein Tag?"

"Kampf ist ein sehr persönliches Erlebnis," sagte Gersten. Wenn nach der Schicht (im Gefechtsstand) zu Hause Fragen gestellt werden, wird die Trennung der beiden Bereiche "bis zu einem gewissen Grad durchbrochen". Auch diejenigen, die ihren Ehefrauen Einblick in die kämpferischen Aspekte ihres Lebens geben möchten, fühlen sich eingeschränkt durch die Geheimhaltungspflicht, die mit ihrem Job verbunden ist.

"Das ist belastender als alles andere. Weil die Familie keine Sicherheitsüberprüfung hat (also nicht eingeweiht werden darf), sind Tischgespräche beim Essen wirklich eintönig," sagten Lt. Col. (Oberstleutnant) David Kent, ein F-15E-Pilot, der erst kürzlich nach Creech versetzt wurde und jetzt an der Air Force Academy lehrt. "Du fühlst dich wirklich gut, weil du an diesem Tag etwas geleistet hast, du darfst aber nicht darüber sprechen. Deine Familie kann an deinen Triumphen und Taten nicht teilhaben."

Die Mission verlange äußerste Wachsamkeit und verursache eine hohe Anspannung, die sich zu Hause nicht so schnell lege, erklärte Kent.

Die meisten Piloten und Sensoren-Kontrolleure sagen, die 40-minutige Fahrt zwischen Las Vegas und Creech helfe ihnen, den Schalter umzulegen. Die Neonreklamen des Las Vegas Strip verblassen, der Radioempfang wird schwächer, und die Gebäude verschwinden.

Der spürbare Übergang von der geschäftigen Stadt in die leere, öde Wüste erleichtert die Anpassung.

Jeder hat sein eigenes Ritual und seine eigenen Gewohnheiten entwickelt, um den mentalen Übergang vom Gatten und Elternteil zum Piloten und vom häuslichen Leben zum Krieg zu schaffen.

Einige der Piloten sind schon seit sechs Jahren auf der Creech Air Force Base, wo die meisten Drohnen-Kontrolleure stationiert sind. Die Einsatzdauer wird flexibel gehandhabt und wegen der wachsenden Bedeutung (der Drohnen) ständig verlängert.

"Es ist klar, dass wir unsere Teams nicht bis zum kritischen Punkt belasten können, aber bis kurz davor," sagte Col. Eric Mathewson, der Kommandeur der Unmanned Aerial Systems Task Force (der Einsatzgruppe für Unbemannte Flugkörper).

"Nur 18 Inches entfernt"

Die Drohnen-Piloten werden manchmal als "Sessel-Flieger" verspottet, die viel zu weit vom Kampfgeschehen entfernt seien, um wirklich Anteil daran zu nehmen.

"Viele Leute äußern sich geringschätzig über unsere Arbeit; sie sagen: 'Ihr seid doch 8.000 Meilen (12.872 km) weit weg. Wo ist da das Problem?' In Wirklichkeit trennen uns aber nicht 8.000 Meilen, sondern nur 18 Inches (45,7 cm) von dem Geschehen," sagte Gersten. "Wir kommen den Ereignissen in vieler Hinsicht sehr viel näher, als das sonst im Militärdienst der Fall ist."

Der Zeitaufwand, der für die Überwachung eines Gebietes notwendig ist – manchmal fallen bei einer einzelnen Mission Hunderte von Stunden an – schafft ein größeres Ausmaß an Vertrautheit (mit der Drohne) als mit einem (bemannten) Flugzeug, erläuterte Mathewson.

Zu den großen Vorteilen der Drohnen gehört ihre Fähigkeit, sehr langsam fliegen zu können. Dabei haben die Kontrollteams viel Zeit, die Zerstörungen des Krieges zu beobachten.

Anders als F-16 Piloten, die den Feind angriffen und dann zu ihrem Flugplatz zurückkehrten, verbrächten die Drohnen-Teams viel Zeit damit, die angerichteten Kampfschäden zu beurteilen, erklärte Gersten.

"Es gibt keinen Abstand," sagte er. "Die System-Kontrolleure nehmen auch persönlich großen Anteil am Kampfgeschehen. Sie hören die Schüsse der AK-47 (des von den Aufständischen häufig verwendeten Kalaschnikow-Sturmgewehrs) und die Eindringlichkeit der Stimme (eines US-Soldaten), die über Funk Hilfe anfordert. Sie sehen ihn nur 18 Inches entfernt vor sich und tun alles in ihren Kräften Stehende, um dieser Person aus ihren Schwierigkeiten zu helfen."

Nicht nur die Drohnen-Piloten stehen unter Stress, auch die Sensoren-Kontrolleure – häufig sind es junge Air Force-Soldaten in ihrer ersten Dienstperiode – welche die Kamera der Drohne bedienen oder den Laser auf das Ziel richten, sind integraler Bestandteil des Killer-Teams.

"Ich habe auch vorher schon Soldaten sterben sehen" sagte Senior Airman (Hauptgefreiter) Jesse Grace, ein Sensoren-Kontrolleur. Das Team hatte die Aufgabe, das Terrain vor einem Konvoi nach Sprengfallen oder anderen Bedrohungen abzusuchen. "Es gab nur eine auffällige Stelle entlang des Weges, sie sah aber nicht tückisch, sonder eher schlammig aus," erzählte er.

Das erste Fahrzeug rollte glatt daran vorbei. Das zweite explodierte, und fünf Soldaten wurden getötet. Grace hatte das Fahrzeug gerade noch auf dem Monitor gesehen, und dann war es plötzlich nicht mehr da.

"Ich fühlte mich völlig hilflos," sagte Grace.

Er fing sofort an, das Gebiet nach den Aufständischen abzusuchen, die aus einiger Entfernung den improvisierten Sprengkörper zur Explosion gebracht haben könnten. Dann half er, den Sanitätshubschrauber zum Einsatzort dirigieren, und als der ankam, war seine Schicht zu Ende.

"Es war eine traumatische Erfahrung. Sie hat mich geschockt. Ich war gerade 19 geworden. Es passierte am Memorial Day (am Volkstrauertag der USA). Ich erinnere mich noch genau daran," sagte er. "Jedes Mal, wenn ich unsere Soldaten auf dem Schirm sehe, denke ich daran. Jedes Mal."

Die Air Force hat nicht mit dem speziellen Kampfstress gerechnet, als sie diese Mission begann. Für die auf Flugzeugführer fixierte Waffengattung war Kampfstress etwas, was nur Kampfjet- oder Bomberpiloten erleben können. Die Bodenkontrolleure, die nur von den Vereinigten Staaten aus Drohnen steuerten, zählten nicht mit, und folglich erhielten sie "aus den höheren Etagen der Air Force" auch nicht die Unterstützung, die sie brauchten, sagte Singer.

Jetzt wird auch in Creech psychologische Betreuung angeboten, und es gibt mehrere Geistliche; Gersten sagte, er vertraue darauf, dass die Air Force sich auch mit der neuen Art Kampfstress befasse, der aber noch kein beunruhigendes Niveau erreicht habe.

"Müde, frustriert, desillusioniert"


Die meisten Kommandeure denken, die Erschöpfung entstehe durch das Tempo. Die Nachfrage nach Drohnen ist unersättlich, und die Luftwaffe strengt sich sehr an, um sie zu befriedigen.

Für die in Creech Stationierten wird die Ziellinie immer weiter weg verschoben. Wenn die Air Force ein Produktionsziel erreicht hat, setzt sie sofort ein weiter gestecktes.

Gegenwärtig ist beabsichtigt, die 37 bereits eingesetzten Drohen möglichst bald auf 50 zu erhöhen; wenn das erreicht ist, wird die Nachfrage nicht nachlassen, sondern ohne Pause weiter steigen.

Nach Aussagen von Offiziellen der Air Force muss die Anzahl der Kontrollteams für jede einzelne Drohne verdoppelt werden, man sei aber noch eineinhalb Jahre von diesem Ziel entfernt.

Die daraus resultierende Personalknappheit wirke sich nachteilig auf die Moral aus, beklagen sich die Air Force-Soldaten. Die Unzufriedenheit entstehe vor allem aus dem Gefühl heraus, dass sie für immer an Creech gebunden seien, und eine Aufgabe zu erfüllen hätten, für die sie sich nicht gemeldet haben.


Die Mehrheit der Piloten, die Drohnen fliegen, wurde von Kampfjets, Transportern und anderen Flugzeugen abgezogen.

Bevor Drohnen zu den Fluggeräten wurden, die von den Kommandeuren der Bodentruppen am liebsten zur Unterstützung angefordert werden, war die Abordnung nach Creech nur vorübergehend, und die Piloten konnten davon ausgehen, dass sie nach kurzer Zeit wieder in ihre gewohnten Flugzeuge klettern durften. Das geschieht heute aber nur noch selten.

"Es gibt wenig Hoffnung für die Steuerleute von Predator- und Reaper-Drohnen," sagte Kent, der nach seinem ersten Einsatz in Creech sehr abrupt für eine weiteres Jahr zurück beordert wurde.

Die Kontrollteams rotieren in siebenstündigen Tag-, Nacht- und Wechselschichten und haben nur wenige freie Tage, damit der 24 Stunden-Betrieb durchgezogen werden kann.

"Es ist schwer, die Kameradschaft und den Teamgeist zu erhalten, wenn man sich nach der Arbeit nicht an die Bar setzen und gemeinsam entspannen kann," sagte Mathewson.

Singer erklärte, Militärexperten sähen bei dem ferngesteuerten Krieg ein großes Problem darin, dass es keine festgefügten Einheiten gibt, die gemeinsam an die Front gehen und gemeinsam wieder nach Hause kommen. Insgesamt tendierten die Predator- und Reaper- Teams dazu, "müde, frustriert und desillusioniert" zu sein, sagte Kent.

2006 fand eine Militärstudie heraus, dass Predator-Teams mindestens genau so, wenn nicht sogar stärker ermüden, als die in Kampfgebieten fliegende Piloten. Obwohl man den Schichtbetrieb änderte, wurden bei einer Kontrolluntersuchung im letzten Jahr erneut "emotionale Erschöpfung und Burnout-Symptome" festgestellt.

Die Studie ergab, dass etwa 40 Prozent der Mitglieder von Kontrollteams chronisch müde sind und angeben, es bestehe "eine gemäßigte bis hohe Wahrscheinlichkeit, während der Arbeit in der Boden-Kontrollstation einzuschlafen", während sie einen raketenbestückten, ferngesteuerten Flugkörper dirigieren.

Mathewson sagte, die Bedingungen hätten sich zwar verbessert, Schlafmangel sei aber noch immer ein Problem. Gersten ergänzte, die ständige Erschöpfung "zeige sich auch an den Verkehrsunfällen", zu denen es häufig auf der Rückfahrt von der Base komme.

"Das ist schwachsinnig," fügt Kent hinzu. "Man kann eine (ferngesteuerte) Luftwaffe wie diese nicht betreiben, ohne die Leute zu verschleißen."

(Wir haben den Artikel komplett übersetzt und mit Anmerkungen in Klammern und Hervorhebungen versehen. Es ist wieder einmal bezeichnend, dass darin ausführlich über den aufreibenden "Dienst" der in Selbstmitleid zerfließenden Drohnen -Kontrolleure berichtet wird, aber kein Wort über die "Kollateralschäden" fällt, die sie anrichten. Beklagt werden nur die getöteten US-Soldaten. Die vielen Zivilisten, welche die vor ihren Monitoren in Nevada vor sich hin dösenden müden Krieger via Satellit mit den im Irak und in Afghanistan stationierten Killer-Drohnen umbringen, zählen offensichtlich nicht. Anschließend drucken wir den Originaltext ab.)

Quelle: luftpost-kl.de

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Der Zentralrat hat Broder verdient Oder „Wer Butter auf dem Kopf hat, sollte die Sonne meiden“

Evelyn Hecht-Galinski in einem Kommentar zur angekündigten Kandidatur eines ehemaligen Pornoverfassers für den Vorsitz des Zentralrates:

Wäre der Pornoverfasser doch bei den St.Pauli-Nachrichten geblieben! Interessanterweise nahmen die Medien Broders PR-Gag gierig auf. Wie undankbar von Broder, wo Präsidentin Knobloch ihn doch so unterstützte und sich als sein Fan zu erkennen gab. Wer steckt also wirklich hinter diesem Coup? Lala Süsskind, der Berliner Gemeinde-„Giftzwerg“, selbst Mitglied im Präsidium des Zentralrates, oder der Stahlhelm-Bundeswehr-Folter-Professor aus München, soeben aus dem Münchner Gemeindevorstand (Vorsitz „Knobloch“) ausgeschieden (Denunziation ist eine Spezialität von ihm), oder Kollegen wie Vize Graumann oder Korn, wer weiß? Weiterlesen arendt-erhard.de >>>

Ein neuer Putsch in Zentralamerika?

Nach Zelaya nun Ortega?

AUTOR: Carlos TENA

Übersetzt von Einar Schlereth. Lektoriert von Fausto Giudice


Es ist sehr überraschend zu sehen, wie nur wenige Kilometer von Managua entfernt sich in Honduras eine Diktatur wie die von Micheletti hält und gleichzeitig die große Mehrheit der nicaraguanischen Medien (im Besitz einer Handvoll von Millionärsfamilien) seit Jahren die verfassungsmäßige Regierung von Daniel Ortega angreift. Die wütenden und immer wiederkehrenden Manipulationen der Wirklichkeit, die in Presse, Funk und Fernsehen orchestriert werden, erinnern an die Kampagnen, die Hugo Chávez, Präsident von Venezuela ertragen musste, vor und nach dem Carmonazo [der versuchte Staatsstreich im April 2002, AdÜ], und in Nicaragua haben sie nicht aufgehört, seit Daniel Ortega die Präsidentschaft 2006 angetreten hat oder genauer am 10. Januar 2007.

Die Disqualifikationen gehen weiter, und die Beleidigungen seitens des Medienkomplexes (mit Ausnahme von Radio La Primerísima und Radio Ya) haben sich dem Wesen und der Form nach in den vergangenen Tagen beschleunigt, als der oberste Gerichtshof sich zu der Gültigkeit der Gründe geäußert hat, die der sandinistische Führer vorgebracht hat, um bei den nächsten Wahlen erneut anzutreten. Vergessen wir nicht, dass der honduranische Präsident Zelaya gewaltsam von der Armee und seinen politischen Gegnern gestürzt wurde, die den Putsch durch einen ähnlichen Anspruch seitens des konstitutionellen Präsidenten vor nur wenigen Wochen (am 28. Juni 2009) gerechtfertigt haben.

Dieses Element zwingt die Analytiker zu folgern, ohne Angst sich zu täuschen, dass Lateinamerika sich sanften antidemokratischen Staatsstreichen gegenübersieht, weniger blutig als jene, die den Kontinent zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Mitte der 80-er Jahre heimsuchten, gelenkt und orchestriert wie gewöhnlich von dem äußerst ultra-liberalen Unternehmertum (für das Massenmedien unverzichtbar sind). Dieses kann heute zudem auf das Verständnis der Geschäftemacher vom Fach rechnen, wie der mexikanische Multimillionär Carlos Slim (Intimfreund von Herr X. bzw. Felipe González), sein spanischer Kollege Juan Luis Cebrián, die extrem rechten Intellektuellen wie der spanisch-englisch-Peruaner Mario Vargas Llosa oder Premierminister, Experten für Luxusprostitution, wie der Italiener Silvio Berlusconi.


Carlos Slim und Felipe González

Diese Situation ist die direkte Folge der Sanftheit, mit der das Weiße Haus den honduranischen Diktator behandelt, der mühelos davonkommt durch die Doppelbödigkeit, der sich Präsident Barack Obama und seine schillernde Außenministerin Hillary Clinton bedienen oder durch die Lauheit der OAS angesichts dieser Art von Militärrebellionen, bei denen nur ein paar tote Bürger zu beklagen sind (laut El País gewalttätige Provokateure), die in den Straßen von Honduras laut die Rückkehr zur Demokratie forderten, die aber weit entfernt sind von den tausendfachen Verhaftungen und Massenmorden, die jahrzehntelang die Bevölkerungen des Kontinents erdulden mussten, die mit der bedingungslosen Billigung der verschiedenen US-Regierungen und ihrer Armeen durchgeführt wurden, deren Teilnahme und militärische Beratung (einschließlich Folter) heute noch in Ländern wie Salvador, Chile, Paraguay, Kolumbien, Peru, Panama, Guatemala und anderen fühlbar sind.

Es scheint, dass Micheletti von Washington, dem FBI, der CIA, im Sitz der PRISA* und auch im Vatikan (Epizentrum unterschiedlichen, doch notorischen sozialen Einflusses) gern gesehen wird – mit allen Nuancen, die man voraussetzen kann. Und am merkwürdigsten ist, wenn man die engen Bande zwischen den Putschisten und der gewöhnlichen Verbrecherwelt aufdeckt, fördert man das politische Asyl zu ihren Gunsten zutage, wie zum Beispiel im Fall des ex-Bürgermeisters von Maracaibo, Venezuela Manuel Rosales, der direkt an einem Mordversuch an Hugo Chávez beteiligt war oder des Luis Posada Carriles, verantwortlich für die Sprengung eines Flugzeuges der Cubana de Aviación mitten im Flug, die das Leben von 76 Personen kostete, und der heute unbehelligt in Florida spazieren geht; oder auch der Patricia Poleo, Journalistin einer Fernsehkette in Caracas, die des Mordes am Richter Danilo Anderson angeklagt ist.

Ich hoffe, dass im Fall von Danilo Aguirre und Jaime Chamorro, den Direktoren von in Nicaragua so bekannten Blättern wie Nuevo Diario oder La Prensa, die respektive angeklagt oder verurteilt sind wegen Beleidigung oder Betruges in Millionenhöhe, nicht etwas Ähnliches geschieht. Heute behaupten sie ihre Unschuld, gedeckt von ihren Kollegen der sogenannten unabhängigen Presse, während sie gleichzeitig ihre Strategie des Verhöhnens und der medialen Demontage von Präsident Daniel Ortega entwickeln, und mit ihren spanischen, mexikanischen, chilenischen, argentinischen oder französischen Kumpanen telefonieren, damit sie ihnen Hilfestellung bei der Strategie des Verhöhnens und der Demontage des sozialistischen Feindes geben, wenn möglich ohne Blutvergießen von Unschuldigen. Einige dieser Gazetten glänzen mit Überschriften, die das Mantra vom Diktator Ortega endlos wiederholen mit derselben Freude, wie ihre spanischen Kollegen José Maria Aznar Presidente nannten.


Danilo Aguirre und Jaime Chamorro

Sie vergessen, scheint es, dass ein wirklicher Diktator mit einem Federstrich diese Blätter, Radio- und Fernsehstationen verboten hätte, die ständig ihren Rosenkranz von Beleidigungen und Herausforderungen herunterbeten, und den Gipfel der medialen Paranoia erreichen, wenn, wie in dieser Woche, ihr Ziel nicht mehr Ortega selbst ist, sondern die Richter des Obersten Gerichtshofes des Landes.
Es ist nicht gewagt zu sagen, dass die beiden Chefs der Zeitungen (Nuevo Diario und La Prensa) dabei sind, die Bevölkerung anzuheizen oder wenigstens einen gefährlichen Nährboden zu schaffen, um einen Putsch à la Micheletti glaubhaft und unausweichlich zu machen, wobei man natürlich auf den obligaten Segen der nicaraguanischen katholischen Kirche zählt (wie in Honduras), doch nicht auf die Armee im Unterschied zu deren honduranischen Kollegen, auch wenn sie weit entfernt vom Beispiel der venezolanischen, bolivianischen, ecuadorianischen oder kubanischen Militärs ist, deren Verteidigung des Volkswillens bewundernswert ist, wenn wir sie mit anderen Armeen, inklusive denen von Europa vergleichen. Die Worte eines Taxifahrers zu dem Schreiber dieser Zeilen sind in gewisser Weise beruhigend: ”Hier kann das, was sie mit Zelaya gemacht haben, mit Ortega nicht passieren. Wir sind tausende von Bürgern, Genossinnen, Arbeiter, die außerdem eine gute militärische Ausbildung haben, die auf die Straße gehen würden, um die Demokratie zu verteidigen, um wie in Caracas einen möglichen Staatsstreich zu verhindern.”

Wer hat ein Interesse daran, dass sich die jüngste Geschichte wiederholt? Würden die neoliberalen Medien, die OAS selbst, das Weiße Haus oder die Europäische Union bereit sein, einen Coup d'État in Zentralamerika zu verurteilen, und sei er noch so unblutig, der mit einem nicht existierenden Respekt vor internationalem Recht wedelt, der Erfüllung der eigenen Normen ihrer respektiven Organisationen, die irgendwie nach Verteidigung der Demokratie aussehen, wohl wissend, dass im Fall der OAS sie es niemals gewagt hat, aus ihren Reihen Genozid-Regime auszuschließen wie jene, die Uruguay, Brasilien, Argentinien, Chile, Paraguay, Guatemala, Salvador usw. vergewaltigten, und das mitten im 21. Jahrhundert, und die nur dazu gut ist, Gespräche zwischen den Konfliktparteien zu organisieren und den Taufpaten zu spielen? Ist es möglich, allen Ernstes zu glauben, dass man zwischen Anhängern einer Diktatur und überzeugten Demokraten zu einer Verständigung gelangen könnte, ohne das letztere eine spektakuläre Niederlage einstecken müssen?

Vielleicht ja. Spanien hat es 1977 bewiesen und wir haben gesehen, wohin es geführt hat.

Madrid am 25. Oktober 1977: Unterzeichnung des Paktes von Moncloa für den Übergang zur konstitutionellen Demokratie. Von links nach rechts: Enrique Tierno Galván, Santiago Carrillo, José Maria Triginer, Joan Reventós, Filipe González, Juan Ajuriaguerra, Adolfo Suárez, Manuel Fraga Iribarne, Leopoldo Cavo Sotelo und Miguel Roca


PRISA: Promotora de Informaciones, S.A, "Informationsverbreitung AG", Spaniens größter Medienkonzern. Zu den Massenmedien der PRISA-Gruppe gehört unter anderem die Tageszeitung El País, die im In- und Ausland einen guten Ruf genießt, die täglich erscheinende Sportzeitung Diario As und das Wirtschaftsblatt Cinco Días (Fünf Tage). Außerdem gehören einige der wichtigsten Radiosender des Landes zur Prisa, vor allem die meistgehörte Senderkette des Landes, Cadena SER, sowie Musiksender wie Los 40 Principales, M80, Cadena Dial, Máxima FM oder Radio Olé. Zum Konzern zählt auch der Fernsehanbieter Sogecable mit dem vierten Fernsehkanal Cuatro und dem Bezahlfernseh-Angebot Canal+. Prisa gehören auch 15% des Kapitals der französischen Tageszeitung Le Monde. In Kolumbien betreibt die Prisa mit Radio Caracol (Radio Schnecke) ebenfalls den meistgehörten Radiosender des Landes. (AdÜ)


Quelle: Kaosenlared¿Nuevo golpe en Centroamérica?

Originalartikel veröffentlicht am 22.10.2009

Über den Autor

Einar Schlereth und Fausto Giudice sind Mitglieder von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer, der Prüfer als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=9123&lg=de

Bereiten die USA einen Angriff auf Russland in drei bis vier Jahren vor?


Die Zeitung PRAVDA.Ru sieht im Bau neuer US-Basen in Bulgarien und Rumänien vorbereitende Maßnahmen für einen geplanten US-Angriff auf Russland.

Von Sergey Balmasov
PRAVDA.Ru, 23.10.09
( http://english.pravda.ru/print/world/europe/110090-usa_russia-0 )

An der Küste des Schwarzen Meeres – in Bulgarien und Rumänien – wird es bald US-Militärbasen geben. Etwa 50 Millionen Dollar wird der Bau einer US-Basis in Rumänien kosten, und das Pentagon plant, weitere 60 Millionen Dollar für den gleichen
Zweck in Bulgarien auszugeben.

Die Basis in Rumänien soll 2010 in Betrieb gehen, mit dem Bau der zweiten (in Bulgarien) wird wahrscheinlich 2011 oder 2012 begonnen. Auf den beiden Basen sollen über 4.000 US-Soldaten stationiert werden, 1.600 in Rumänien und 2.500 in Bulgarien. Die Regierungen der beiden Staaten erwarten, dass sich das US-Militär dort für lange Zeit niederlassen wird.


Col. (Oberst) Gary Russ, der Kommandeur der Joint Task Force East (der Gemeinsamen Eingreiftruppe Ost) erklärte, in Bulgarien und Rumänien habe niemand etwas gegen die Anwesenheit der US-Militärs in beiden Ländern einzuwenden. (US-)Vizepräsident Joseph Biden, der kürzlich neben mehreren Ländern in Osteuropa auch Rumänien besuchte, stellte fest, dass diese europäische Nation auch eine neue Konfiguration des US-Raketenabwehrschildes unterstütze.

Es wird nicht ausgeschlossen, dass Elemente des US-Raketenabwehrschildes schließlich auch in Osteuropa auftauchen könnten. US-Offizielle teilten mit, die Errichtung von Militärbasen in Bulgarien und Rumänien erfolge im Rahmen der Pläne der US-Regierung, ihre Truppen im Ausland umzugruppieren, wie es George W. Bush schon 2004 angekündigt hatte.

Es geht dabei um die Absicht des Pentagons, einen Teil seiner 55.000 Soldaten in Deutschland künftig in mehreren Länder Osteuropas, einschließlich Bulgariens und Rumäniens, zu stationieren.


Alexander Khramchikhin, der stellvertretende Direktor des Instituts für politische und militärische Analysen, sagte in einem Interview mit PRAVDA.Ru, die Vereinigten Staaten hätten bereits vor einem Jahrzehnt beschlossen, Militärbasen in Rumänien und Bulgarien zu bauen.

"Die Amerikaner brauchen tatsächlich mehr Basen für ihre Aktivitäten im Mittleren Osten. Sie haben Basen in Bahrain, Qatar und Saudi-Arabien, aber die reichen nicht aus, um alle Bedürfnisse Washingtons zu befriedigen. Das Pentagon braucht neue Basen in Osteuropa, um seine Truppen im Mittleren Osten zu unterstützen," sagte der Experte.

Ein anderer Experte, Konstantin Sivkov, erklärte gegenüber PRAVDA.Ru, die Errichtung neuer US-Militärbasen in Bulgarien und Rumänien bedrohe Russlands Interessen.

"Die Anzahl der US-Soldaten auf den beiden Basen ist zwar nicht besonders groß, aber wer weiß schon, ob sie in Zukunft nicht verdoppelt, verdreifacht oder vervierfacht wird? Außerdem ergänzen die NATO-Basen an der Küste des Schwarzen Meeres die Einrichtungen des US-Militär in den Baltenstaaten. Russland wird bald in der Falle sitzen.

Warum brauchen die USA diese beiden Basen am Schwarzen Meer? Um den Terrorismus zu bekämpfen? Diese Erklärung hält doch keiner Überprüfung stand. Zwischen Rumänien und dem Mittleren Osten liegen fast 4.000 Kilometer. Diese Entfernung ist für die Unterstützung der US-Truppen im Irak und in Afghanistan viel zu groß.

Man sollte auch daran denken, dass die Amerikaner begonnen haben, ihre Truppen aus dem Irak zurückzuziehen. Deshalb gibt es keine Notwendigkeit, die Versorgungs- Infrastruktur zu verbessern. Außerdem gibt es im Mittleren Osten wirklich schon genug US-Militärbasen.

"Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auch auf die Tatsache lenken, dass die US-Militärakademie West Point kürzlich Intensivkurse zum Studium der russischen Sprache und Kultur eingerichtet hat. Drei Jahre vor dem Überfall auf den Irak haben sie angefangen, die arabische Sprache und die Kultur des Iraks zu lehren.

Washington interessiert sich auch für die Energieressourcen am Kaspischen Meer. Die Basen in Rumänien und Bulgarien werden wahrscheinlich errichtet, um den Transport des Öls und des Gases aus dem Kaspischen Becken zu sichern,"
führte der Experte aus.

(Wir haben den Artikel komplett übersetzt und mit Hervorhebungen versehen. Nach unserem Kommentar drucken wir den Originaltext ab.)
________________________________________________________________________

Unser Kommentar

Mit dem Drang der US-Militärs nach Osten haben wir uns schon mehrmals befasst. (s. http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_06/LP06206_060706.pdf , http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_08/LP03508_050308.pdf und http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_07/LP21307_151007.pdf ).

Nach bisherigen US-Angaben sollten kleinere aus der Bundesrepublik oder den Vereinigten Staaten eingeflogene US-Einheiten in Rumänien und Bulgarien nur längere Manöver durchführen. Die in der PRAVDA geäußerte Vermutung, Teile der in der Bundesrepublik stationierten US-Truppen sollten dauerhaft in speziell zu diesem Zweck errichtete Basen in Rumänien und Bulgarien verlegt werden, ist neu. Diese Entwicklung passt natürlich zu der Befürchtung, die USA wollten Russland in drei bis vier Jahren von allen Seiten angreifen. In diesem Fall wäre die Bundesrepublik sofort das Hauptziel für russische Gegenschläge. Das EUCOM in Stuttgart, das neue USAREUR-Kriegshauptquartier in Wiesbaden-Erbenheim, das USAFE-Kriegshauptquartier auf der Air Base Ramstein, das 21st Theater Sustainment Command in Kaiserslautern, die wichtigste Nachschubeinheit der US-Army in Europa mit ihrem Ammunition Center Europe bei Miesau im Kreis Kaiserslautern, und die 12th Combat Aviation Brigade, die schnelle Eingreiftruppe der US-Army in Ansbach, würden sofort – und sehr wahrscheinlich sogar mit Atomwaffen – angegriffen.

Wenn die deutsche Bevölkerung dem völkerrechts- und verfassungswidrigen Treiben der US-Streitkräfte weiterhin tatenlos zusieht und die Politiker und Juristen der Bundesrepublik nicht durch massenhafte Proteste zum Einschreiten zwingt, wird unser Land mit seinen Menschen untergehen.

Wir können nur erneut dazu auffordern, Proteste zu organisieren, den Ramsteiner Appell zu unterschreiben und möglichst viele Unterschriften zu sammeln (s. http://www.ramsteiner-appell.de/ ). Niemand soll sagen, es habe keine Warnungen gegeben, und Gegenwehr sei nicht möglich gewesen.


Quelle: luftpost-kl.de

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Zwei Marionetten sind nicht besser als eine

Eric S. Margolis

Weiter geht das politische Theater im vom Krieg verwüsteten Afghanistan. Die letzten Wahlen im August waren so offenkundig manipuliert, dass Washington seinem afghanischen Klienten Hamid Karzai die Pistole ansetzte und ihn zwang, die Demütigung der Abhaltung einer Stichwahl gegen seinen Rivalen Abdullah Abdullah im November auf sich zu nehmen.

Wie Henry Kissinger einmal bemerkte, ist es manchmal gefährlicher, Amerikas Verbündeter zu sein als sein Feind.


Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de

Der arme Hamid Karzai, der nette ehemalige Unternehmensberater und ‚Aktivposten’ der CIA, der von Washington zum Präsidenten Afghanistans bestellt worden war, ist ein weiteres trauriges Beispiel dafür. Nachdem die Vereinigten Staaten von Amerika in Afghanistan immer mehr Tritte in den Hintern bekommen, schieben sie die Schuld für ihre Leiden und Stümperhaftigkeit auf den machtlosen Karzai.

Man hört fast den Tadel aus Washington: „Schlechte Marionette! Schlechte Marionette!“

Der als „Bürgermeister von Kabul” verspottete Karzai verfügt über keine richtige Armee oder Polizei. Wären nicht die westlichen Truppen, die ihn beschützen, würde er innerhalb weniger Tage aus seinem Amt gejagt. Er wird sogar von Leibwächtern umgeben, die von den Vereinigten Staaten von Amerika kontrolliert werden. Er bleibt ein Aushängeschild, hinter dem die wirkliche Macht von der tadschikisch / usbekisch / kommunistischen Nordallianz und einer Kamarilla von regionalen Kriegsherren und Drogenhändlern ausgeübt wird.

Der Untersuchungsausschuss des Kongresses der Vereinigten Staaten von Amerika hat gerade enthüllt, dass die Stationierung eines U.S.-Soldaten in Afghanistan eine atemberaubende Million $ pro Jahr kostet. Dazu kommen die Mammutkosten für die 24/7 (= rund um die Uhr, d.Ü.) Unterstützung durch Luftwaffe und Marine, Schmiergelder an afghanische und pakistanische Politiker, Materialabnützung und den Bau von Militärbasen.

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wollte den glücklosen Karzai fallen lassen, konnte aber keinen gleich unterwürfigen, aber wirkungsvolleren Ersatz finden. In Washington wurde bereits davon geredet, ihm einen „geschäftsführenden Beamten“ aufs Auge zu drücken. Oder, wie der im Wörterbuch der alten britischen Kolonialherrschaft heißt, einen Vizekönig. Dazu kann es immer noch kommen.

Washingtons letzte Bemühung, Karzais Regime abzustützen und ihm ein bisschen Legitimität zu verleihen war die nationale Wahl im August. Die UNO, die immer mehr zu einem Ausleger der Außenpolitik der Vereingten Staaten von Amerika geworden ist, wurde ins Spiel gebracht, um die Wahl koscher zu machen.

Politische Parteien wurden nicht zur Wahl zugelassen. Nur Individuen, die die Okkupation Afghanistans durch den Westen befürworteten, durften sich der Wahl stellen. Die Wahl wurde durchgeführt unter den Gewehren einer fremden Okkupationsarmee – ein eindeutiger Verstoß gegen Internationales Recht. Die Vereinigten Staaten von Amerika bezahlten die Wahlkommission und bewachten die Wahllokale aus diskreter Entfernung.

Die Medien der Vereinigten Staaten von Amerika ignorierten diese Tatsache und posaunten die Linie der Regierung zu diesen Wahlen hinaus.

Die New York Times, glühende Verfechterin des Kriegs gegen Afghanistan, schwärmte über die Wahlen. Aber auch während den von den Vereinigten Staaten von Amerika 1967 veranstalteten Wahlen in Südvietnam schwärmte die New York Times: „83% der Wähler gaben ihre Stimme ab ... in einer bemerkenswert erfolgreichen Wahl ... der Schlussstein für Präsident Johnsons Politik, die Entwicklung des verfassungsmäßigen Prozesses in Vietnam zu fördern.“

Wie ich bereits vor den Wahlen im August 2009 vorhergesagt habe, war alles ein großer Betrug im Rahmen des noch größeren Betrugs, der die Wähler in Amerika, Kanada und Europa glauben machen sollte, die Demokratie in Afghanistan sei erblüht. Zynische Afghanen wussten, dass die Wahl gefälscht würde. Die meisten Paschtunen, die größte ethnische Gruppe des Landes, gingen überhaupt nicht zur Wahl, teils aus Verachtung für das vom Westen eingesetzte Karzai-Regime, teils aufgrund von Drohungen der Taliban, die die Wahl als einen verräterischen Akt verurteilten.

Die „Wahlen“ stellten sich als äußerst beschämendes Fiasko für Karzai und seine westlichen Hintermänner heraus. Die Sowjets waren viel geschickter, als sie afghanische Wahlen in den zehn Jahren ihrer Okkupation fälschten.

Niemand war überrascht, als Karzai gewann. Aber seine Unterstützer übertrieben die Sache, als sie Wahlurnen mit gefälschten Stimmzetteln vollstopften, um einer mögliche Stichwahl mit dem rivalisierenden Dr. Abdullah Abdullah vorzubeugen, einem weiteren Aliierten der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Lager von Karzai und Abdullah, alles Leute Washingtons, lagen in erbittertem Streit über die Aufteilung von Hilfsgeldern der Vereinigten Staaten von Amerika und Drogengeldern, die Afghanistan total korrumpiert haben.

Die Wahlen kamen in Misskredit, wodurch auch die Pläne der Regierung Obama durchkreuzt wurden, die Wahl als Rechtfertigung für die Entsendung weiterer Truppen nach Afghanistan zu verwenden. Der neue Plan B des Weißen Hauses sieht vor, seine beiden streitenden „Aktivposten“ Karzai und Abdullah in eine Koalition oder in eine „Einheitsregierung“ zu zwingen.

Zwei Marionetten sind allerdings nicht effektiver als eine – vielleicht sogar weniger effektiv.

In Afghanistan stehen Volkszugehörigkeit und Stammeszugehörigkeit über allem. Karzai ist Paschtune, ist aber kaum in der Stammespolitik verankert. Die meisten Paschtunen betrachten ihn als Quisling und Verräter.

Der freundliche Abdullah, der ebenfalls in der Tasche Washingtons steckt, ist halb Paschtune, halb Tadschike. Er wird aber als Tadschike betrachtet, der für seine Volksgruppe spricht, die die Mehrheitsgruppe der Paschtunen verachtet und hasst. Die Tadschiken werden Abdullah wählen, die Paschtunen nicht. Wenn es die Vereinigten Staaten von Amerika schaffen, Abdullah in eine Koalition mit Karzai zu zwingen, werden die Paschtunen – 55% der Bevölkerung – das neue Regime nicht unterstützen, das für viele Afghanen aus westlichen Jasagern besteht und von Tadschiken dominiert wird. Dadurch wird die von den Vereinigten Staaten von Amerika unterstützte Regierung sogar instabiler und noch isolierter.

Dr. Abdullah hat auch einige sehr zwielichtige Freunde im Norden: die ehemaligen hohen Tiere der afghanischen kommunistischen Partei Mohammed Fahim und den usbekischen Kriegsherrn Rashid Dostam – beide größere Kriegsverbrecher. Hinter ihnen stehen die tadschikische Nordallianz und die wieder auferstandene afghanische kommunistische Partei, beide finanziert von Russland und unterstützt von Iran und Indien.

Ironischerweise sind die Vereinigten Staaten von Amerika jetzt eng verbündet mit den afghanischen Kommunisten und bekämpfen ihre ehemaligen paschtunischen Verbündeten im antisowjetischen Kampf der 1980er Jahre. Die meisten Nordamerikaner haben keine Ahnung, dass sie jetzt afghanische Kommunisten und die Männer unterstützen, die den Großteil des blühenden afghanischen Drogenhandels beherrschen.

Wenn Hamid Karzai wirklich zu einem authentischen nationalen Führer werden will, sollte er fordern, dass die Vereinigten Staaten von Amerika und die NATO ihre Okkupationstruppen abziehen und die Afghanen ihre Probleme auf ihre traditionelle Weise lösen lassen.

Quelle: antikrieg.com

Dienstag, 27. Oktober 2009

Das Gruselkabinett ist angetreten


Galgenhumor ist immer nur vorher

"Wer das als kalte Politik bezeichnet, dem ist in seiner Hirnverbranntheit nicht mehr zu helfen",
meinte der künftige Außenminister, Guido Westerwelle, bei der Vorstellung der Koalitionsvereinbarung.

Damit hat er vermutlich nicht nur mich beleidigt.

Aber ich werde ihm den Gefallen nicht tun, seine Politik als eine warme Politik zu bezeichnen. Auch nicht die Inhalte des Koalitionsvertrages. Selbst nicht die Anhebung des Kindergeldes und des Kinderfreibetrages.

Es ist kalte Politik, den Kindern, die unter Hartz-IV-Bedingungen leben müssen, vorne das Kindergeld zu erhöhen und es gleichzeitig hinten vom Regelsatz wieder abzuziehen.

Darin sehe ich keinen Schimmer sozialer Wärme. Das ist Eiseskälte.

Und dass, wenn schon die Ärmsten nichts bekommen, wenigstens den Reichsten die Taschen gefüllt werden, macht die Triebkräfte solcher Politik nicht sozialer.

Es macht sie höchstens bibelkompatibel:
Denn wer da hat, dem wird gegeben, daß er die Fülle habe; wer aber nicht hat, von dem wird auch das genommen was er hat. Und den unnützen Knecht werft hinaus in die Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern......

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Mit Rechtsreservisten der Bundeswehr gegen das Volk

Am 17.02.2005 beschloss der deutsche Bundestag in einer Nacht- und Nebelaktion ein Gesetz über die Neuordnung der BW-Reserve und zur Rechtsbereinigung des Wehrpflichtgesetzes.

"Mit § 6c des Gesetzes wird der Einsatz der Bundeswehr im Inneren der Bundesrepublik Deutschland geregelt. Er weist Reservistinnen und Reservisten entsprechende Aufgaben zu."
Das es über dieses Gesetz im Bundestag keine mündliche Aussprache gab und die landläufigen Mainstream-Medien es totschweigen, versteht sich von selbst.

Interessant in diesem Zusammenhang auch, dass die Reservistenverbände wie auch der Bundeswehrverband und die Traditionsvereinigungen der Wehrmacht und Bundeswehr Tummelplätze für Rechtsextreme sind. Und die Gegner hat man auch schon ausgemacht gegen die man zu "Felde" ziehen will: Globalisierungsgegner die man, ob ihrer demokratischen Meinung zur Globalisierung, bereits als Terroristen ausgemacht hat.
"Die Truppe wird per „Amtshilfe“ angefordert

Die Koordinierung erfolgt auf mittlerer und unterer Ebene. Behörden der Bundesländer dürfen eigenständig Militär anfordern, und zwar per Amtshilfe nach Artikel 35 des Grundgesetzes. Dies geschah in Heiligendamm mittels „juristisch korrekter Amtshilfe“ (Franz Josef Jung lt. Spiegel online). Sogar zwei Tornados durften die Landesbehörden von Mecklenburg-Vorpommern zur „Einschüchterung der Protestler durch Tiefflüge“ (so Sprecher der SPD) anfordern, ohne dass die Bundesregierung zustimmen musste".
Der Krieg wird von den Herrschenden gegen die eigenen Untertanen geführt - und sein Ziel ist weder ein Sieg über Eurasien oder über Ostasien - sondern die Aufrechterhaltung der Gesellschaftsstruktur. (George Orwell)


Mehr zum Thema:
Gegenmeinung: Gegen das Volk gerüstet

Die Vereinigten Staaten suchen nach einem Ausgleich zwischen Modernisierung und Reduzierung ihrer Atomwaffen

US-Präsident Obama fordert die Welt zu atomarer Abrüstung auf und lässt das eigene Atomwaffenarsenal modernisieren.

Von Kevin Baron
STARS AND STRIPES, 25.10.09
( http://www.stripes.com/article.asp?section=104&article=65627 )

NATIONAL HARBOR, Maryland – Unter dem herzlichen Beifall ihrer Kollegen versicherten vier Air Force-Generäle, die für (einen großen Teil der) Atomwaffen der Vereinigten Staaten verantwortlich sind, im letzten Monat auf einer festlichen Versammlung, dass ihr neu geschaffenes vereintes Global Strike Command (dem alle Atombomber und landgestützten Interkontinetalraketen mit Atomsprengköpfen unterstehen) über einen großen Vorrat einsatzbereiter Atomwaffen verfüge, die Amerika in den nächsten Jahrzehnten Schutz bieten könnten.

Eine Woche später nutzte ihr Oberbefehlshaber die seltene Gelegenheit einer Sitzung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, bei der dessen Mitgliedstaaten durch ihre Regierungschefs vertreten waren, um die Versammlung zur Abschaffung aller auf der Welt vorhandenen Atomwaffen aufzufordern; das war ein bedeutender Schritt in einem höchst persönlichen Anliegen, das dem Präsidenten Barack Obama kürzlich den Friedensnobelpreis eingebracht hat.

Jetzt muss die Regierung einen Ausgleich zwischen diesen beiden Bestrebungen herbeiführen – einen Ausgleich zwischen der Absicht des Pentagons, das veraltende US-Atomwaffenarsenal zu modernisieren und zu sichern, und dem Plan des Präsidenten, durch Verhandlungen die Grundlage für die Beseitigung aller Atomwaffen zu schaffen.


Emblem des GLobal Strike Command der Air Force (Wikipedia)

Im nächsten Jahr wird das Weiße Haus über mehrere Atomwaffen-Verträge verhandeln, die Atomwaffen-Tests verbieten und zu einer weiteren Reduzierung der mehreren tausend Atomsprengköpfe Russlands und der Vereinigten Staaten führen sollen.

"Jetzt ist die Zeit für eine Neueinschätzung der Rolle des US-Atomwaffenarsenals gekommen," sagte Außenministerin Hillary Rodham Clinton in einer Rede, die sie am Mittwoch im (von der US-Regierung finanzierten) U.S. Institute of Peace (s. http://www.usip.org/ und http://en.wikipedia.org/wiki/United_States_Institute_of_Peace ) gehalten hat. "Wir können es uns nicht leisten, das Denken des Kalten Krieges wiederzubeleben."

Obamas diplomatische Initiative stößt auf der Weltbühne auf Schwierigkeiten, denn er fordert von anderen Ländern, ihren atomaren Ehrgeiz zu zügeln, während die Vereinigten Staaten selbst ihr eigenes großes Atomwaffenarsenal behalten und modernisieren wollen; sie haben gerade ein Global Strike Command eingerichtet, das mit 23.000 Personen alle Atomwaffen (der Air Force) betreut. (Weitere Informationen dazu s. http://www.afgsc.af.mil/ und http://en.wikipedia.org/wiki/Air_Force_Global_Strike_Command )

Verteidigungsminister Robert Gates hat wirklich neu strukturierte Atomwaffen gefordert; das Militär will kleinere, sicherer zu handhabende und besser zur Abschreckung geeignete Atomwaffen haben und möchte die Anzahl der Sprengköpfe reduzieren.

"Das ist schwer zu verkaufen, wenn man von den Iranern, den Nordkoreanern, die Chinesen oder anderen verlangt, sogar auf die Entwicklung einer geringen Anzahl primitiver Atomwaffen zu verzichten," sagte Richard K. Betts, der Direktor des Saltzman Institute of War and Peace Studies der Columbia University. "Das wird das größte politische Problem für die Zivilisten in der Obama-Regierung werden." (s. http://www.columbia.edu/cu/siwps/ )

Obama hatte die Vision einer atomwaffenfreien Welt schon lange, bevor er in das Oval Office einzog. Er hat diese Idee schon in Wahlreden vor seiner Wahl in den Senat propagiert und wurde nach seiner Ankunft in Washington von dem republikanischen Senator Richard Lugar aus Indiana und dem inzwischen verstorbenen demokratischen Senator Ted Kennedy aus Massachusetts unterstützt, die beide zu den Hauptbefürwortern der Nichtverbreitung von Kernwaffen zu zählen sind.

"Obama sieht, ähnlich wie Senator Lugar, die Nichtverbreitung von Atomwaffen als existenzielles Problem für unser Land und die Welt, um das sich der Präsident kümmern muss," sagte Senator Lugars Sprecher Andy Fischer, der 2005 mit Obama und Lugar Atomwaffen-Anlagen in der ehemaligen Sowjetunion besucht hatte.

Weniger als drei Monate nach dem Beginn seiner Präsidentschaft ist Obama ins geographischen Zentrum des Kalten Krieges gereist und hat in seiner so genannten "Prager Rede" die Führer der Welt aufgefordert, den Atomwaffen wieder mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

"Heute möchte ich klar und mit Überzeugung Amerikas Absicht verkünden, Frieden und Sicherheit in einer Welt ohne Atomwaffen anzustreben," erklärte Obama im April.

Weil er mit Widerspruch (vor allem in den USA) rechnete, fuhr Obama fort: "Wir werden die Rolle der Atomwaffen in unserer nationalen Sicherheitsstrategie reduzieren und andere drängen, das gleiche zu tun. Ziehen Sie daraus aber keine falschen Schlüsse: So lange es Atomwaffen gibt, werden die Vereinigten Staaten ein sicheres, gut gesichertes und effektives Atomwaffenarsenal behalten, um jeden Gegner
abzuschrecken."

Es ist schwierig, diese doppelbödige Botschaft zu interpretieren.


"Sie hat Probleme aufgeworfen, weil sich die Frage erhebt was eine "Reduzierung ihrer
Rolle" bedeutet," sagte Mike Gerson, ein Berater der US-Navy in Fragen der Abschreckung von der Carnegie Endowment for International Peace (der Carnegie- Stiftung für den internationalen Frieden) in Washington im letzten Monat. "Das ist nicht ganz klar geworden." (s. http://www.carnegieendowment.org/ )

Fischer meinte, das sei das "Catch-22-Problem" der atomaren Abrüstung. ("Catch 22" ist der Titel eines Romans von Joseph Heller, der sich mit der Absurdität des Krieges befasst. Informationen dazu sind aufzurufen unter http://de.wikipedia.org/wiki/Catch-22 .)

"Es ist eine Realität, dass man nicht einseitig abrüsten kann, weil die eigene Nation dann nicht mehr ausreichend zu verteidigen ist, und andere Nationen sehen das genau so. Deshalb lässt sich nur so viel tun, wie man kann," sagte Fischer.

Das Weiße Haus scheint sich nach diesem Motto verhalten zu wollen.


Im Juli reiste der Präsident nach Moskau und unterzeichnete mit dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew einen Vertrag, der eine Reduzierung der Sprengköpfe und Raketen um mindestens 25 Prozent vorsieht. Obama sprach dabei von einem "dringenden Anliegen."

An diesen Besuch schloss die (bereits erwähnte) seltene Sitzung des Sicherheitsrates an, und am Horizont zeichnen sich bereits andere Meilensteine und Ziele ab, darunter der im Dezember ablaufende Strategic Arms Reduction Treaty (der Vertrag über die Reduzierung strategischen Waffen) zwischen den Vereinigten Staaten und Russland, ein Gipfeltreffen zu den Atomwaffen, das im nächsten Jahr stattfinden soll, und der Plan, endlich den bereits 1996 geschlossenen Comprehensive Test Ban Treaty (den Vertrag über einen umfassenden Stopp aller Atomwaffentests) zu ratifizieren.

Im atomaren Sprachgebrauch bedeutet "modernisieren" den Bau neuerer Atomsprengköpfe, die nach den Vorstellungen des Verteidigungsministers Robert Gates sicherer und zuverlässiger sein sollten und es den Vereinigten Staaten erlauben würden, ihre Vorräte an älteren Sprengköpfen zu reduzieren.

In einer Grundsatzrede auf (der eingangs erwähnten) Konferenz der Air Force am Potomac River in Washington sagte Gates: "Wir streben nicht nach neuen Atomwaffen. Wer das behauptet, legt eine falsche Spur. Wir sind nur dabei, unsere Atomwaffen zu modernisieren und sicherer zu machen; wir werden sie, wie allgemein bekannt ist, noch eine beträchtliche Zeit behalten, bis wir eine bedeutende Reduzierung der Waffen und vielleicht sogar die Abschaffung aller Atomwaffen erreicht haben."


Aber die Debatte über die Notwendigkeit neuer Sprengköpfe wird wahrscheinlich nicht enden. Der Kongress hat ein Programm, mit dem Ersatzsprengköpfe entwickelt werden sollten, bereits so gut wie abgelehnt. In einem Bericht des Congressional Research Service (des wissenschaftlichen Dienstes des Kongresses) zu diesem Thema vom Juli 2009 wird eine bereits vor einem Jahrzehnt erstellte unabhängige Studie zitiert: "Es gibt (für die Atomsprengköpfe) kein vorher festgelegtes 'Verfallsdatum'. Die Konstrukteure hatten nicht den Auftrag, Atomwaffen zu bauen, die nach 20 Jahren unbrauchbar werden."

Das Pentagon ist gerade dabei, den gesamten Komplex Atomwaffen bis zum Ende dieses Jahres zu überprüfen, um die in den nächsten fünf bis zehn Jahren zu verfolgende Politik und Strategie festlegen zu können.

Verteidigungsexperten sagen, dieses Vorhaben, das jährlich Milliarden Dollar kosten wird, sei notwendig, um Atomangriffe auf die Vereinigten Staaten zu verhindern und ein alterndes Arsenal von Bombern und Raketen einsatzfähig zu halten.

Es ist auch eine Reaktion auf eine Reihe peinlicher Zwischenfälle; dazu gehören ein 2007 durchgeführter nicht autorisierter Flug (einer B-52) mit (einsatzfähige Atomwaffen) über die Vereinigten Staaten und zwei Inspektionen in diesem Jahr und fünf Inspektionen im Jahr 2008, bei den schwerwiegende Sicherheitsmängel (im Umgang mit Atomwaffen) festgestellt wurden. (Informationen dazu sind aufzurufen unter http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_07/LP20607_011007.pdf , http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_08/LP09508_030708.pdf und http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_08/LP09708_050708.pdf .)

Gates forderte mehr Verantwortungsbewusstsein (im Umgang mit Atomwaffen), und als Antwort gründete die Air Force ihr neues Global Strike Command, um alle 23.000 Personen, die mit Atomwaffen zu tun haben, wieder unter einem zentralen Kommando zu vereinigen. Unter der Clinton-Regierung waren sie auf verschiedene Kommandos aufgeteilt worden.

"Fünfzehn Jahre lang haben wir den Offizieren gepredigt, ihr müsst breitere Kenntnisse erwerben und kompetent in allen Fragen werden, die sowohl den Weltraum als auch den Umgang mit Atomwaffen betreffen. Dabei haben wir zu viel von ihnen verlangt. Sie müssen wirkliche Experten in ihrem jeweiligen Verantwortungsbereich sein, und das versuchen wir jetzt wieder zu erreichen" sagte Maj. Gen. (Generalmajor) Roger W. Burg, der Kommandeur der 20th Air Force, dem die Interkontinentalraketen und das Space Command (Weltraum-Kommando) unterstehen, auf der Konferenz. (s. http://www.20af.af.mil/ und http://en.wikipedia.org/wiki/Twentieth_Air_Force )

Am 1. Dezember werden die Interkontinentalraketen dem neuen Kommando unterstellt, und im Februar werden ihnen die atomwaffenfähigen Langstreckenbomber folgen. Außerdem habe die Air Force ihr 6,2 Milliarden Dollar kostendes Programm zur "Lebensverlängerung" ihres Atomwaffenarsenals fast abgeschlossen, erklärte Burg.

Luftwaffenminister Michael B. Donley hat für die nächsten fünf Jahre jeweils 750 Millionen Dollar zusätzlich bewilligt, mit denen Maßnahmen wie die Einrichtung einer
vierten Gruppe von Langstreckenbombern des Typs B-51, die Schaffung von 2.500 neuen Air-Force-Stellen, unter anderem für die nächste Generation von Wissenschaftlern, und eine Inventur aller für Atomwaffen erforderlichen Ersatzteile bis zum kleinsten Bolzen finanziert werden sollen.


Im vergangenen Jahr sei die Luftwaffe für etwa 94 Prozent dieses Materials und damit für mehr als 120.000 Ersatzteile zuständig gewesen, teilte Brig. Gen. (Brigadegeneral) Everett H. Thomas, der Kommandeur der Atomwaffenzentrums der Air Force auf der Kirtland Air Force Base in New Mexico mit. Einige der Teile seien fast 40 Jahre alt, sagte er. (s. http://www.kirtland.af.mil/ )

Unter Berufung auf diese laufenden Maßnahmen versicherten die für die Atomwaffen der Air Force zuständigen Kommandeure im letzten Monat ihrem Fußvolk vollmundig, sie seien bereit, ihren Auftrag zu erfüllen.

Maj. Gen. (Generalmajor) Floyd L Carpenter, der Kommandant der 8th Air Force, die für die Atombomber zuständig ist, erklärte, dass jeder in seinem Kommandobereich sehr aufgeregt war, weil das Global Strike Command eine Einrichtung sei, die für den Einsatz von Atomwaffen eintritt. (s. http://www.8af.acc.af.mil/ und http://de.wikipedia.org/wiki/8._US-Luftflotte )

"Ich denke, die größte Herausforderungen sind nicht das Personal oder die alternden Atomwaffen. Es ist die Hingabe an diese Mission," sagt er. "Die eigentliche Herausforderung besteht darin, sicherzustellen, dass wir uns dieser Mission auch in den nächsten 15 Jahren gewachsen fühlen."

(Wir haben den Artikel komplett übersetzt und mit Anmerkungen in Klammern und Hervorhebungen versehen. Das neue Air Force Global Strike Command / AFGSC hat seinen vorläufigen Sitz auf der Bolling Air Force Base in Washington D.C., wird aber voraussichtlich auf die Barksdale Air Force Base in Lousiana umziehen (s. http://www.af.mil/news/story.asp?id=123148409 ). Auch die US-Navy verfügt über Atomwaffen, die vor allem auf ihren Atom-U-Booten und Flugzeugträgern auf den Meeren schwimmen. Anschließend drucken wir den Originaltext ab. )


Quelle: luftpost-kl.de