Mittwoch, 30. Dezember 2009

Ein paar Dinge, die wir 2009 gelernt haben

Eric S. Margolis

* Amerika steht im Bann des Chaos auf den Flughäfen, nachdem ein 23 Jahre alter Nigerianer versucht hat, einen Northwest-Delta-Flug nach Detroit mit einem Sprengkörper in der Unterwäsche zum Absturz zu bringen. In Anlehnung an das Bonmot des guten alten Doktors Johnson betreffend Seereisen im 18. Jahrhundert kann man heute sagen, dass Flugreisen neuerdings alle Freuden eines Hochsicherheitsgefängnisses bieten werden, plus einer Chance abzustürzen oder in Buffalo zu stranden.

Wir wissen noch nicht, ob der Zwischenfall in Detroit das Werk einer al-Qaida-Zelle in Jemen (viel mehr über Jemen in meinem nächsten Kommentar) war oder die Tat eines aufgebrachten Individuums mit Hilfe eines jemenitischen Sprengstoffherstellers.

Diese vereitelte Attacke war die letzte in einer Serie gewaltsamer Zwischenfälle, die von kriminell fehlgeleiteteten jungen Moslems inszeniert wurden als Protest gegen die Okkupation Afghanistans und des Iraks durch den Westen. Attacken gab es in den Vereinigten Staaten von Amerika, in Spanien, Kanada, Frankreich, im Vereinigten Königreich, in Nordafrika, in der Türkei, in Indien und Indonesien. Ich war in der Londoner Untergrundbahn, als dort 2005 die Bomben junger britischer Moslems als Protest gegen Afghanistan hoch gingen. Solange diese Kriege weiter gehen, sind mehr Attacken zu erwarten. Es stimmt bedenklich, dass viele von jungen Männern mit guter Ausbildung ausgeführt wurden. Im Vereinigten Königreich waren sogar Ärzte beteiligt. So groß ist der Hass auf den Westen unter einigen Moslems, besonders in Pakistan.

Larry King von CNN fragte mich in seiner Sendung am letzten Samstag, ob ein Ende der terroristischen Attacken gegen amerikanische Ziele absehbar sei. Meine politisch inkorrekte Antwort: nachdem die Vereinigten Staaten von Amerika so tief in die Konflikte der Dritten Welt verstrickt sind, haben wir mehr Angriffe zu erwarten.

Es war wahrscheinlich kein Zufall, dass Luftangriffe der Vereinigten Staaten von Amerika gerade vor dem Zwischenfall in Detroit laut Berichten 50 oder mehr jemenitische Stammesangehörige getötet hatten. Meiner Ansicht nach ist der Jemen das arabische Afghanistan.

Derzeit sind militärische Kräfte der Vereinigten Staaten von Amerika an Kampfhandlungen im Irak, in Afghanistan, Pakistan, Somalia, Westafrika, auf den Philippinen und wahrscheinlich auch in Uzbekistan und Tadjikistan beteiligt. Entsprechende Gegenreaktionen werden nicht ausbleiben.

1991 war ich an Bord einer Lufthansamaschine von Frankfurt nach Kairo. Ein junger Äthiopier schmuggelte eine Pistole an Bord und entführte uns auf einen langen Leidensweg – zuerst nach Norddeutschland, dann nach New York City. Er hatte geplant, den Airbus 310 auf Wall Street abstürzen zu lassen. Glücklicherweise konnte ihn das FBI überreden und er gab auf. Unglücklicherweise wurde die Lektion, dass ein entführtes Flugzeug eine ausgezeichnete Lenkwaffe abgeben würde, schnell wieder vergessen – bis 9/11.

Dieser Entführer brachte seine Pistole durch den sehr strengen deutschen Sicherheitscheck, indem er sie unter seinem Hut versteckte. Die Sicherheitsbeamten, die uns mit Metalldetektoren überprüften, vergaßen auf die Überprüfung seines Kopfes. Die Sicherheit auf Flughäfen kann nicht wasserdicht sein, besonders zu Stoßzeiten, außer wir wir gehen zu israelischen Methoden über, die höchst effektiv sind, aber sehr zeitraubend. Ich glaube nicht, dass die nordamerikanische Luftfahrt mit derart beschwerlichen Sicherheitsmaßnahmen umgehen könnte.

Unsere Lehre aus diesem letzten Schrecken: wenn wir uns leisten können, allein in Irak und Afghanistan US$ 200 Milliarden auszugeben, sollten wir uns zwei Sicherheitsbeamte für größere Passagierflugzeuge leisten können. Abtastungen werden verpflichtend werden.

Mehr und mehr Menschen werden sich fürs Fahren entscheiden, oder überhaupt nicht mehr verreisen. Schlechte Nachrichten für die leidende Luftfahrt.

Nach all diesem sollten wir uns dran erinnern, dass Osama bin Laden versucht hat, Amerika in einen nationalen Nervenzusammenbruch zu stürzen. Wir sollten nicht überreagieren und schon gar nicht in Panik verfallen. Ich für meinen Teil habe mehr Angst vor Bakterien und Viren in Passagierflugzeugen als vor Bomben.

* Die weltweite Rezession, die in Amerika im Jahr 2008 begann, wurde ausgelöst durch ausufernde Spekulation, mangelnde Regierungsaufsicht und massiven Betrug durch Wirtschaftsprüfer und Kreditbewertungsagenturen. Das globale Banksystems geriet an den Rand des totalen Zusammenbruchs.

Amerikanische und britische Wirtschaft wurden künstlich aufgepäppelt und verfälscht durch das Rauschmittel billiger, leichter Kredite. Beide leiden jetzt unter schmerzvollen Entzugserscheinungen von der Kreditsucht. Es ist ein hässlicher Anblick. Ihre Anführer rufen noch immer nach weiteren gewaltigen Schulden, angeblich zur Behebung der Katastrophe, die durch zu viele Schulden verursacht worden ist. Interessanterweise stellte sich das kanadische „altvaterische“ Banksystem als das solideste der industrialisierten Welt heraus.

Finanzbetrug und das waghalsige Spiel, die zur schlimmsten Rezession seit den 1930er Jahren führten, begannen unter der Regierung Clinton und wucherten ungezügelt in den beiden Amtsperioden von George W. Bush. Bankaufsicht, Medien, Kongress und drei Präsidenten wurden von Wall Street verleitet. Die Finanzwirtschaft wurde zum führenden amerikanischen Wirtschaftszweig. Schmarotzertum ersetzte die Produktion.

Millionen stehen ohne Arbeit da. Amerika wird erdrückt von Schulden in Billionenhöhe. Die weltweite Macht der Vereinigten Staaten von Amerika hat schwere Schläge erlitten. Dennoch bleiben die Verursacher dieses größten Verbrechens in der neuesten Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika und die Politiker, die es zugelassen haben unbestraft. Wall Street schlägt obszön hohee, von der Regierung finanzierte Profite heraus, während die kleinen Anleger Milliarden verloren haben. Das Geld der Steuerzahler floss zu den Schwerreichen in Wall Street, die sich Weinflaschen um $ 350 kommen lassen, während die Menschen auf der Straße ihre Medikamentenrechnungen nicht bezahlen können.

Die großen Geldhäuser hätten von staatlichen Entflechtern aufgelöst werden sollen. Statt dessen kontrollieren die übrig gebliebenen großen Banken jetzt 40% aller Bankguthaben in Amerika.

* Präsident Obama wandelt nicht auf dem Wasser. Zur weltweiten Enttäuschung ist seine Außenpolitik ins Schwimmen geraten. Obamas Versprechen, das Schlamassel im Nahen Osten zu lösen, das Amerika die größten Kopfschmerzen in Übersee bereitet, wurde von Israel verhöhnt, das sich weigerte, mit der Kolonisierung von palästinensischem Land aufzuhören. Israel ließ Obama wie einen Schwächling und Amateur aussehen, der eindeutig nicht nicht die Zügel in der Nahostpolitik der Vereinigten Staaten von Amerika in der Hand hält.

Diejenigen, die gehofft hatten, die Vereinigten Staaten von Amerika würden unter Obama eine positive, kooperative, nicht imperiale Rolle in der Welt spielen, wurden gründlich enttäuscht.

Wir sehen die fortgesetzte Okkupation des Irak, den ausgeweiteten, Billionen Dollar schweren Krieg in Afghanistan, militärische Aktionen in Afrika und jetzt im Jemen. Das Weiße Haus weigert sich, Folterdokumente herauszurücken, unterlässt die Strafverfolgung der Folterer und Entführer der Ära Bush, weigert sich, die Überwachungsmaßnahmen im Inland zu beenden und verletzt weiterhin die Genfer Konvention.

So gut wie nichts wurde unternommen, um die idiotische Blockade Kubas zu beenden, die die Lanteinamerikaner auf die Palme brachte. Wir handeln mit dem kommunistischen Vietnam, aber nicht mit dem kommunistischen Kuba.

Die Militärausgaben sind unter dem Friedensnobelpreisträger Obama von US$ 667 Milliarden auf $734 Milliarden gestiegen. Dazu kommen noch erstaunliche $49,8 Milliarden für Geheimdienste.

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind pleite und leben auf Kredit von China. Washingtons Moloch der nationalen Sicherheit hingegen ist weiterhin aktiv und findet neue Feinde hinter jedem Sandhaufen.

* Pakistan entwickelt sich schnell zu einem großen sehr gefährlichen Problem. Die isolierte, von den Vereinigten Staaten von Amerika gestützte Regierung in Islamabad ist beim Zerbrechen. Der Krieg gegen Afghanistan dehnt sich schnell in die pakistanischen Stammesgebiete der Paschtunen aus.

Das Pentagon kann den Krieg in Afghanistan ohne die totale Kooperation Pakistans nicht führen. Aber 95% der Pakistanis sind gegen den von den Vereinigten Staaten von Amerika geführten Krieg. Ihr Land mit 168 Millionen Einwohnern scheint sich in ein wirklich gefährliches Chaos hinein zu entwickeln, während Indien immer tiefer in Afghanistan verwickelt wird.

Washingtons Bemühen, sich mit $ 15 Milliarden aus den Schwierigkeiten in Pakistan herauszukaufen, wird nicht funktionieren. Obama hat seinen Kopf wahrlich in das sprichwörtliche Hornissennest gesteckt. Er hätte ihn zurückziehen können, entschied sich aber statt dessen, noch tiefer zu gehen. Der Präsident kann die Schuld dafür nur sich selbst und seinen neokonservativen Beratern zuweisen.

Was er und wir gelernt haben sollten ist, dass Kriege ohne klare strategische oder politische Ziele irgendwo im Nirgendwo zu führen ein nutzloses Unterfangen ist, und darüber hinaus ein sehr gefährliches und teures. Afghanistan, der Friedhof der Imperien, kann auch leicht zum Friedhof von Obamas Präsidentschaft werden.

erschienen am 28. Dezember 2009 auf > http://www.ericmargolis.com/ > http://www.ericmargolis.com/political_commentaries/some-things-we-learned-in-.aspx

Quelle: antikrieg.com

Dienstag, 29. Dezember 2009

Obamas Afpak-Krieg ist illegal


Auch für Marjorie Cohn, eine US-Professorin für Strafrecht, sind die US-Angriffskriege im Irak, in Afghanistan und Pakistan völkerrechtswidrig.

Von Marjorie Cohn
INFOMATION CLEARING HOUSE, 22.12.09
( http://www.informationclearinghouse.info/article24246.htm )

Präsident Obama hat den Friedensnobelpreis angenommen – neun Tage, nachdem er bekannt gab, dass er weitere 30.000 Soldaten nach Afghanistan senden werde. Das Nobel-Komitee hat sicher nicht damit gerechnet, dass er diesen Kriege weiter eskaliert, als es ihn mit dem Preis ermuntern wollte, den Krieg zu beenden und endlich Frieden zu machen.

Nach zwei verheerenden Weltkriegen, die Millionen Menschenleben forderten, haben die Staaten der Welt 1945 die Vereinten Nationen gegründet, "um nachfolgende Generationen von der Geißel des Krieges zu befreien". Die UN-Charta beruht auf den Prinzipien des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit und auf dem Schutz der Menschenrechte. Die USA, eines der Gründungsmitglieder der Vereinten Nationen, haben jedoch häufig gegen die Bestimmungen der UN-Charta verstoßen, obwohl sie nach der Supremacy Clause, ( der Vorrang-Klausel, ) der US-Verfassung Teil der US-Gesetze sind.

Obwohl der US-Überfall auf Afghanistan genau so völkerrechtswidrig wie der Überfall auf den Irak war, betrachten ihn viele Amerikaner als gerechtfertigte Antwort auf die Anschläge am 11. September 2001. Auf einem Titelblatt des Magazins TIME wurde er als "Der berechtigte Krieg" bezeichnet. Obama hat im Wahlkampf zwar die Beendigung des Irak-Kriegs versprochen, aber gleichzeitig die Ausweitung des Afghanistan Krieges angekündigt. Mittlerweile wird aber auch der Krieg in Afghanistan von der Mehrheit der Amerikaner abgelehnt.

In der Charta der Vereinten Nationen ist festgelegt, dass alle Mitgliedstaaten ihre internationalen Streitigkeiten durch friedliche Mittel beilegen müssen und keine Nation militärische Gewalt anwenden darf (Art. 2, 3.) – außer zur Selbstverteidigung (Art. 51) oder wenn sie vom Sicherheitsrat dazu autorisiert ist (Art. 42). Nach den Anschlägen am 11.09. verabschiedete der Sicherheitsrat zwar zwei Resolutionen, aber keine von beiden erlaubte den Einsatz militärischer Gewalt in Afghanistan. ( Text der UN-Charta )

Die "Operation Enduring Freedom" (Bezeichnung des US-Militärs für den Afghanistan- Krieg) war nach der UN-Charta kein legitimer Akt der Selbstverteidigung, weil die Anschläge am 11.09. Verbrechen gegen die Menschlichkeit und kein "bewaffnete Angriff" eines anderen Staates waren (Art. 51). Afghanistan hat die Vereinigten Staaten nicht angegriffen. 15 der 19 (angeblichen) Luftpiraten stammten aus Saudi-Arabien. Außerdem stand auch nach dem 11.09. kein bewaffneter Angriff bevor, sonst hätte Präsident Bush nicht drei Wochen gewartet, bevor er im Oktober 2001 mit der Bombardierungs-Kampagne begann. Selbstverteidigung ist dann legitim, wenn sie "unaufschiebbar und zwingend notwendig ist, und keine Zeit zur Wahl anderer Mittel oder für Überlegungen bleibt". Diese klassische Definition der Selbstverteidigung im Völkerrecht wurde vom Nürnberger Tribunal und von der Generalversammlung der Vereinten Nationen bestätigt.

Bushs Rechtfertigung für den Angriff auf Afghanistan war die Behauptung, dass dieses Land Osama bin Laden beherberge und die Ausbildung von Terroristen erlaube, obwohl bin Laden erst im Jahr 2004 die Verantwortung für die Anschläge am 11.09. übernahm. (Das soll er angeblich schon in einem 2001 "aufgefundenen", nachweislich gefälschten Video getan haben, s. http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP22809_191009.pdf .) Die WASHINGTON POST berichtete damals, nachdem Bush die Taliban aufgefordert habe, bin Laden an die Vereinigten Staaten auszuliefern, hätte der Botschafter der Taliban in Pakistan erklärt, seine Regierung wolle erst Beweise dafür, dass bin Laden an den Anschlägen beteiligt gewesen sei, bevor sie über die geforderte Auslieferung entscheide. Nachdem dieser Nachweis nicht erfolgte, lieferten die Taliban bin Laden auch nicht aus, und Bush begann, Afghanistan zu bombardieren. (s. dazu auch http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP27609_111209.pdf )

Der Grund, den Bush für den Angriff auf Afghanistan angeben hat, war also rechtlich nicht stichhaltig. Mit dem gleichen Argument hätten die Iraner die USA angreifen können, als sie 1979 den brutalen Schah Resa Pahlavi verjagten und die Vereinigten Staaten ihm eine sichere Zuflucht gewährten. Wäre ein Angriff des Irans auf die USA legitim gewesen, wenn die neue iranische Regierung die Auslieferung des Schahs gefordert und wir sie verweigert hätten? Natürlich nicht!

Als Obama (in West Point) seine Truppenverstärkung für Afghanistan ankündigte, berief auch er sich auf die Anschläge am 11. September 2001. (s. http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP27009_041209.pdf ). Indem er Bushs Krieg in Afghanistan fortsetzt und ausweitet, verletzt auch Obama die UN-Charta. In seiner Nobelpreis-Rede erklärte Obama, dass er das "Recht" habe, "unilateral" über die Führung von Kriegen zu entscheiden. Eine unilaterale Entscheidung über den Einsatz militärischer Gewalt ist jedoch völkerrechtswidrig, wenn sie nicht zur (klar definierten) Selbstverteidigung erfolgt.

Diejenigen, die sich verabredeten, am 11.09. Flugzeuge zu entführen und Tausende von Menschen zu töten, haben Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen. Sie müssen identifiziert und in Übereinstimmung mit dem Gesetz vor Gericht gestellt werden. Die durch den Überfall auf Afghanistan geübte Vergeltung war keine (rechtmäßige) Antwort. Sie hat den USA und Afghanistan nur viele Verluste verursacht, und noch mehr Hass auf die Vereinigten Staaten hervorgerufen.

Es fällt doch auf, dass in der öffentlichen Diskussion eine politische Analyse der Ursachen für die Tragödie am 11.09. fehlt. Diese Debatte ist aber notwendig, weil wir eine umfassende Strategie zur Veränderung der US-Außenpolitik brauchen, um uns vom Zorn derjenigen zu befreien, die den amerikanischen Imperialismus verachten. Der "globale Krieg gegen den Terror" ist von den meisten US-Bürgern kritiklos akzeptiert worden. Terrorismus ist aber nur eine Taktik und kein (angreifbarer) Feind. Einer Taktik kann man nicht den Krieg erklären. Wer den Terrorismus bekämpfen will, muss seine Ursachen ergründen und sich mit der Armut, der fehlenden Bildung und den Auswirkungen der Besetzung durch ausländische Truppen beschäftigen.

In seiner Ankündigung, 30.000 zusätzliche US-Soldaten nach Afghanistan entsenden zu wollen, erwähnte Obama Pakistan nur am Rande. Dabei hat er Pakistan von der CIA mit mehr unbemannten Predator-Drohnen angreifen lassen als Bush. Nach Schätzungen haben diese Roboter schon mehrere hundert Zivilisten getötet. Die meisten Pakistaner lehnen diese Angriffe ab. Bei einer Meinungsumfrage, die im letzten Sommer in Pakistan durchgeführt wurde, waren 67 Prozent dagegen und nur 9 Prozent dafür. Es ist auch bezeichnend, dass eine Mehrheit der Pakistaner in den Vereinigten Staaten eine größere Bedrohung für ihr Land sehen, als in den Taliban und in ihrem Erzrivalen Indien.

Viele Länder benutzen Drohen zur Überwachung, aber nur die Vereinigten Staaten und Israel setzen sie auch für Angriffe ein. Scott Shane schrieb in der NEW YORK TIMES: "Zum ersten Mal in der Geschichte verwendet ein ziviler Geheimdienst Roboter, um Militärmissionen durchzuführen und gezielt Menschen in einem Land zu töten, mit dem die Vereinigten Staaten nicht offiziell Krieg führen."

Dieser Drohnen-Einsatz in Pakistan verletzt sowohl die Charta der Vereinten Nationen als auch die Genfer Konventionen, die absichtliche Tötungen verbieten. Vorsätzliche oder politische Morde – die manchmal auch "außergerichtliche Hinrichtungen" genannt werden – finden auf Anordnung oder mit Billigung einer Regierung außerhalb jedes gerichtlichen Verfahrens statt. In einem 1998 veröffentlichten Report eines UN-Sonderberichterstatters wird festgestellt: "Exekutionen ohne Gerichtsurteil sind unter keinen Umständen gerechtfertigt, auch nicht in Kriegszeiten." (Ein sehr ausführlicher UN-Report zur Praktizierung der Todesstrafe in den Vereinigten Staaten ist aufzurufen unter http://daccess-dds-ny.un.org/doc/UNDOC/GEN/G98/102/37/PDF/G9810237.pdf?OpenElement.) Vorsätzliche Tötung ist ein schwerer Bruch der Genfer Konventionen und nach dem U.S. War Crimes Act (dem US-Gesetz über Kriegsverbrechen) ein zu bestrafendes Kriegsverbrechen. Außergerichtliche Hinrichtungen verletzen auch ein seit langer Zeit bestehendes Prinzip der US-Außenpolitik. Als der Geheimdienstausschuss des US-Senats in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts bekannt gab, dass die CIA an mehreren Morden oder Mordversuchen an ausländischen Staatsmännern beteiligt war, erließ Präsident Gerald Ford einen Verfügung, mit der solche Morde verboten wurden. Obwohl immer wieder gegen diese Verfügung verstoßen wurde, haben alle nachfolgenden Präsidenten bis zu George W. Bush sie bestätigt.

Obama versucht den (angekündigten) Abzug aus dem Irak durch eine Ausweitung des Afghanistan-Krieges wettzumachen. Er handelt wie Lyndon Johnson, der die Warnung des Verteidigungsministers Robert McNamara vor dem Vietnam-Krieg zurückwies, "weil er sich vor den Rechten mehr fürchtete als vor den Linken"; das sagte McNamara in einem 2007 von der WASHINGTON POST veröffentlichten Interview mit Bob Woodward.

Etwa 30 Prozent aller US-Todesfälle in Afghanistan sind seit Beginn der Präsidentschaft Obamas zu beklagen. Dieser Krieg kostet – einschließlich der gerade angekündigten Truppenverstärkung um 30.000 US-Soldaten – rund 100 Milliarden Dollar pro Jahr. Dieses Geld sollte besser für den Bau von Schulen in Afghanistan und in Pakistan und zur Schaffung von Arbeitsplätze oder zur Finanzierung der Gesundheitsfürsorge in den USA verwendet werden.

Viele Demokraten im US-Kongress sind mit Obamas Entscheidung, mehr Truppen nach Afghanistan zu entsenden, sehr unzufrieden. Wir müssen sie dazu ermuntern, standhaft zu bleiben und die weitere Finanzierung dieses Krieges zu verweigern. Die Linken müssen sich organisieren und Obama demonstrieren, dass wir eine Kraft sind, deren Forderungen er zu berücksichtigen hat.

Marjorie Cohn war bis vor kurzem Präsidentin der National Lawyers Guild (der linken Nationalen Gilde der Rechtsanwälte, http://www.nlg.org/ ); sie ist Professorin an der Thomas Jefferson School of Law (s. http://www.tjsl.edu/ ), wo sie Vorlesungen über Strafrecht, Verfahrensrecht, Beweisführung und internationales Menschenrecht hält. Sie tritt auf der ganzen Welt mit Vorträgen über Menschenrechte und US-Außenpolitik auf. Besuchen Sie ihre Website http://marjoriecohn.com.

(Wir haben den Artikel komplett übersetzt und mit Anmerkungen in Klammern versehen. Obwohl Marjorie Cohn die längst widerlegte offizielle Darstellung der US-Regierung zu den Anschlägen am 11. September 2001 nicht in Frage stellt, kommt auch sie zu dem Schluss, dass nicht nur die US-Angriffskriege im Irak und in Afghanistan, sondern auch die US-Militäraktionen in Pakistan – und damit auch die gleichgearteten in anderen Ländern – völkerrechtswidrig sind.)

Quelle, Kommentar und Übersertzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

Süchtig nach Nonsens


Der US-Autor Chris Hedges zeichnet ein schonungsloses Bild nicht nur der USA und warnt vor einem heraufziehenden neuen Faschismus.

Von Chris Hedges
TruthDig, 30.11.09

Wann wird Tiger Woods (der Golf-Champion, nach seinem Autounfall) endlich mit der Polizei sprechen? Wer wird Oprah (die berühmte Moderatorin und ihre Talkshow im US-Fernsehen) ersetzen? Als ob Oprah jemals zu ersetzen wäre! Wird das Paar Michaele und Tareq Salahi, das sich ohne Einladung die Teilnahme am ersten Staatsdinner des Präsidenten Barack Obama erschlichen hat, die Hunderttausende Dollars erhalten, die es für ein Exklusiv-Fernsehinterview fordert? Kann Levi Johnston, der Vater des Enkels von Sarah Palin, der früheren Gouverneurin von Alaska (und Kandidatin der Republikaner für das Amt der Vizepräsidentin) sich seinen Wunsch erfüllen und an dem TVTanzwettbewerb "Dancing With the Stars" teilnehmen?

Das Geschwätz, das die Nachrichten ersetzt, der Klatsch, mit dem die Dampfplauderer in den audiovisuellen Medien hausieren gehen, der Smalltalk, der an die Stelle vernünftiger Gespräche getreten ist, und die Zurückhaltung und Feigheit, die unsere Printmedien prägen, widerspiegeln unsere Flucht in den kollektiven Wahnsinn. Wir erleben gerade einige der tiefgreifendsten und verstörendsten Verwerfungen in der menschlichen Geschichte, die unsere Wirtschaft und unsere Umwelt radikal verändern werden, und unsere Obsessionen kreisen nur um das Triviale und Absurde.

Was wirklich zählt in unserem Leben – die Kriege im Irak und in Afghanistan, der  unaufhaltsame Verfall des Dollars, die wachsende Zahl der Zwangsvollstreckungen, die steigende Arbeitslosigkeit, das Schmelzen der Polareis-Kappen und die schreckliche Wahrheit, dass wir dem Zusammenbruch unserer Wirtschaft hilflos zusehen müssen, der im nächsten Jahr kommen wird, wenn die "Ankurbelungsmilliarden" verpufft sind – passt nicht in das Bild von der heilen Welt, das wir immer noch in unseren Köpfen haben. Wir lassen uns von den lärmenden Festivitäten einer sterbenden Zivilisation blenden. Wenn die Realität unsere eindrucksvollen Luftschlösser zerschmettert hat, werden wir wie verquengelte Kinder losbrüllen, dass man uns retten, in Sicherheit bringen, trösten und uns unsere Zufriedenheit zurückgeben soll. Dann wird es nicht an Demagogen fehlen, auch nicht an Clowns, die wie Sarah Palin agieren. Wir werden dann entweder aufwachen, die neuen Einschränkungen anerkennen, von allen imperialen Projekten ablassen und eine neue Einfachheit, eine neue Demut entdecken müssen, oder wir werden blind in eine Katastrophe und einen neuen Faschismus taumeln.

Der Starkult hat die Wirklichkeit aus dem öffentlichen Diskurs verdrängt. Und die Vergötterung Prominenter macht alles andere nieder. Die Begeisterung für politische Heilsbringer ist wie die Abhängigkeit der Millionen Zuschauern von Oprah ein Teil der Sehnsucht, uns in denen verkörpert zu sehen, die wir anbeten. Wir bemühen uns, ihnen ähnlich zu sein. Wir wollen, dass sie zu uns gehören. Wenn Jesus und (Rick Warrens viel gelesenes Buch) "The Purpose Driven Life" (Das von der Vorsehung bestimmte Leben,) es nicht schaffen, uns auch berühmt zu machen, dann gelingt es vielleicht Tony Robbins (dem Autor zahlreicher Selbsthilfe-Bücher), den Psychologen des positiven Denkens oder dem Reality-Fernsehen. Wir warten nur auf unser Stichwort, das uns auf die Bühne ruft und bewundert, beneidet, bekannt und berühmt werden lässt. Nichts anderes im Leben zählt.

Wir sehnen uns danach, vor einer Kamera zu stehen und bemerkt und bewundert zu werden. Auf Websites sozialer Netzwerke präsentieren wir der Welt (ein möglichst vorteilhaftes) Bild von uns. Wir wollen kontrollieren, wie andere über uns zu denken haben. Wir definieren unseren Wert allein aus unserer Sichtbarkeit. Wir leben in einer Welt, in der man nicht existiert, wenn es einem nicht gelingt, irgendwie aufzufallen. Wir bezahlen Lifestyle-Berater, damit sie uns zu helfen, wie Berühmtheiten auszusehen, uns wie diese zu fühlen, und mit uns die Szenerie für den Film über unser eigenes Leben aufzubauen. Als Martha Stewart noch nicht durch Insidergeschäfte in Verruf geraten war, schuf sie ihr Finanzimperium als Ratgeberin für Frauen, denen sie (im Fernsehen) erklärte, wie ein perfektes Heim auszusehen hat. Dabei geht es nie um das wirkliche Leben in den Häusern, um die Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern. Es kommt nur auf das Äußere an. Fachärzte für plastische Chirurgie, Fitnessgurus, Diät-Doktoren, Therapeuten, Lebensberater, Innenarchitekten und Modestylisten, sie alle versprechen, uns glücklich und berühmt zu machen. Sie versichern uns, unser Glück hänge vor allem von unserem Aussehen ab, und Reichtum verleihe Macht – oder wenigstens der Anschein von Reichtum. Hochglanzmagazine wie TOWN & COUNTRY befriedigen die absurden Bemühungen der sehr Reichen, als Berühmtheiten zu posieren. Sie werden in teuren Designer- Klamotten in den verschwenderisch ausgestatteten Palästen fotografiert, die sie ihr "Heim" nennen. Der Weg zum Glück hängt vor allem davon ab, wie geschickt wir uns der Welt präsentieren. Wir müssen uns nicht nur dem Diktat dieser vorgegebenen Vision beugen, wir müssen auch ständig vor Optimismus und Glück strahlen. Der Vergnügungssucht und dem Reichtum der Wall Street wird offen in TV-Serien wie "The Hills", "Gossip Girl" (Klatschweib), "Sex and the City", "My Super Sweet 16" und "The Real Housewives" gehuldigt – je nachdem, welche bourgoise Clique gerade in Mode ist.

Die amerikanische Oligarchen, die nur ein Prozent der Bevölkerung ausmachen, kontrollieren mehr Reichtum als 90 Prozent aller anderen US-Bürger zusammen; das sind die Typen, die wir am meisten beneiden und am liebsten im Fernsehen anschauen. Sie leben und tändeln in Palästen, die viele Millionen Dollar wert sind. Sie heiraten Mannequins oder Berufssportlerinnen. Sie lassen sich in überlangen Limousinen chauffieren. Sie hasten von Modeschauen zu Filmpremieren und tummeln sich in bekannten Ferienorten. Sie haben chirurgisch korrigierte, vollkommene Körper und tragen Kleidung von Modeschöpfern, die mehr kostet, als viele Menschen in einem Jahr verdienen. Dieses glamouröse Leben wird uns ständig als besonders erstrebenswert vorgeführt. Man erzählt uns, es sei besonders reizvoll und befriedigend, so zu leben. Und deshalb wollen wir auch so leben. Wir glauben daran, dass Geiz geil ist, und hoffen, dass wir es eines Tages schaffen, auch zu dieser "Elite" zu gehören. Sollen die anderen Bastarde doch leiden!

Die Arbeiterklasse, die aus mehreren zehn Millionen ums Überleben kämpfenden Amerikanern besteht, kommt nicht im völlig abgeschotteten Fernsehprogramm vor. Diese Menschen werden auch noch verspottet und gepeinigt durch das verschwenderische Leben, das auf den Bildschirmen in ihren Wohnzimmern flimmert. Kaum einer von uns wird jemals ein Leben führen, das durch Reichtum und Macht geprägt ist. Und doch erzählt man uns immer wieder, wenn wir uns nur genug anstrengen und an uns selbst glauben, können auch wir alles haben. Weil wir uns das ständig ausgestrahlte ausschweifende Leben nicht leisten können, fühlen wir uns minderwertig und wertlos. Wir haben eben versagt, während andere erfolgreich waren.

Täglich prasseln unzählige Lügen auf uns herab. Wir glauben die falschen Versprechungen; wir glauben, wenn wir mehr Geld ausgeben, wenn wir diesen Markenartikel oder jenes "Qualitätsprodukt" kaufen oder wenn wir für diesen besonderen Kandidaten stimmen, werden wir respektiert, beneidet, gestärkt, geliebt und beschützt. Das extravagante Leben der Prominenten und die bewundernswerten Typen im Fernsehen, im Kino, unter den Berufsringern und in den sensationellen Talk-Shows, die uns ständig vorgeführt werden, sollen die Leere in unserem eigenen Leben ausfüllen. Der Starkult ermuntert jeden dazu, sich selbst als potenziellen Star zu sehen, dessen einzigartige Begabungen nur noch nicht entdeckt wurden. In einer Welt des Scheins ist die Selbstüberschätzung wichtiger als die Wirklichkeit. Realitätssinn wird tatsächlich als Hindernis auf dem Weg zum Erfolg angesehen, als eine zu negative Einstellung. Die Mystizismus des New Age, die Pseudo-TV-Psychologen, die evangelikalen Pastoren, zusammen mit den zahllosen Selbsthilfe-Bestsellern, die von (überschätzten) Motivationskünstlern, (geschäftstüchtigen) Psychiatern und (abgehalfterten) Konzernmanagern verfasst werden, schüren diese Fantasien. Die Realität wird in diesen populären Ersatzreligionen als Werk des Teufels, als Defätismus, als Negativismus oder als Hemmnis für die Entfaltung der uns innewohnenden Kraft abgetan. Wer Fragen stellt, wer zweifelt, wer Kritik übt, wer fähig ist, die Realität zu sehen, wer die Hohlheit und Gefährlichkeit des Starkultes durchschaut, wird für seinen Pessimismus oder Intellektualismus verachtet.

Die Illusionisten, die unsere Kultur dominieren und von unserer fehlenden Einsicht profitieren, bestärken den übertriebenen Kult um unsere eigene Person. Populäre religiöse Strömungen, die persönliche Einbildung, die Zugehörigkeit zu (bestimmten) Gruppen und politischen Parteien und die Selbstüberschätzung lassen uns glauben, dass jeder Einzelne etwas Besonderes, auserwählt und einzigartig ist. Wenn wir unsere inneren Reserven an persönlichem Wollen und unentdeckten Talenten mobilisieren und uns klarmachen, was wir wollen, können wir angeblich alles erreichen und das Glück, den Ruhm und den Erfolg einheimsen, die wir verdienen. Diese uns ständig eingehämmerte Botschaft wird von ideologischen Grenzen nicht aufgehalten. Dieses Mantra ist in jeden Aspekt unseres Lebens eingesickert. Jeder von uns soll meinen, alles erreichen zu können. Und wegen dieser Egomanie und heillosen Selbstüberschätzung sind wir ein Land von kindischen Erwachsenen geworden, die alle die hohlen Phrasen der Popkultur nachbeten und nicht mehr nachdenken.

Aus bescheidenen Verhältnissen aufgestiegene Berühmtheiten müssen als Beweis dafür herhalten, dass jeder zum Weltstar aufsteigen kann. Diese Berühmtheiten sind wie Heilige, die belegen dass Unmögliches immer wieder möglich ist. Unsere Fantasievorstellungen von Reichtum, Ruhm, Erfolg und Aufstieg projizieren wir auf diese Berühmtheiten. Diese Fantasien werden von den Legionen derjenigen bestärkt, die uns täglich die Kultur der Illusionen vorführen, die uns so weit bringen, dass wir Schatten für die Wirklichkeit halten. Wenn wir die durch den Starkult geweckten Wünsche mit unseren eigenen, eher "bescheidenen" Erfolgen vergleichen und immer wieder feststellen müssen, das sich unsere Illusionen nicht realisieren lassen, erfüllt uns das mit explosiver Frustration, mit Wut, mit Unsicherheit und mit Versagensängsten. Es entsteht ein Teufelskreis, in dem die frustrierten, verunsicherten Menschen in noch größere Verzweiflung getrieben werden und sich noch weiter von der Realität entfernen; sie glauben noch fester an die leeren Versprechungen derjenigen, die uns verführen und uns erzählen, was wir hören wollen. Je schlimmer sich die Dinge entwickeln, desto mehr flüchten wir uns in Fantasievorstellungen. Wir klammern uns an ihre Lügen, bis unser Glaube und unser Geld aufgebraucht sind. Wenn uns dann Verzweiflung befällt, schlucken wir Pillen, als sei unser Versagen der Grund dafür, dass wir das versprochene Glück nicht ergattern konnten. Und natürlich wird uns eingeredet, dass das stimmt.

Ich habe zwei Jahre damit verbracht, durch unser Land zu reisen, um ein Buch über die christliche Rechte zu schreiben. Es heißt: "American Fascists: The Christian Right and the War on America" (Amerikanische Faschisten: Die christliche Rechte und der Krieg gegen Amerika). Ich habe sterbende Industriestädte besucht, in denen für viele Menschen das Ende der Welt nicht länger eine abstrakte Vorstellung ist. Viele haben die Hoffnung aufgegeben. Angst und (wirtschaftliche) Instabilität haben die Arbeiterklasse in tiefe persönliche Verzweiflung und wirtschaftliche Not gestürzt und – das kann niemand überraschen – in die Arme von Demagogen und Heilspredigern der radikalen christlichen Rechten getrieben, die ihnen einen Glauben an die Magie, an Wunder und an die Fiktion eines utopisches christliches Reiches anbieten. Wenn wir diese enteigneten Arbeiter nicht schnell zurückholen und ihnen neue Jobs verschaffen, wenn es nicht gelingt, ihnen wieder Hoffnung zu geben, werden die Demagogen (mit Hilfe der entwurzelten Arbeiter) die Macht übernehmen. Die Zeit wird knapp. Die Armen können nicht mehr lange von Illusionen leben. Wenn sie begreifen, das sie betrogen wurden, wenn sie ihre düsteren Zukunftsaussichten mit den Fantastereien vergleichen, mit denen sie gefüttert werden, wenn ihre Häuser zwangsversteigert werden und sie erkennen, dass sie die Jobs, die sie verloren haben, nie wieder zurückbekommen, werden sie mit einer solchen Wut und mit einem so großen Bedürfnis nach Rache reagieren, dass die Überbleibsel unserer blutleeren Demokratie hinweggefegt werden und ein neues finsteres Zeitalter beginnt.

Chris Hedges ist ein führender Mitarbeiter am Nation Institute und schreibt jede Woche eine Kolumne für TruthDig, die montags erscheint. Er ist der Autor des Buches "Empire of Illusion: The End of Literacy and the Triumph of Spectacle" (Das Imperium der Illusionen: Das Ende der Lese- und Schreibfertigkeit und der Triumph des Spektakels).

(Die beschriebenen Zustände sind nicht nur in den USA zu beklagen.)


Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

Montag, 28. Dezember 2009

In Honduras werden Aktivisten ermordet

“Als Revolutionär werde ich heute, morgen und für immer an der vordersten Front meines Volkes stehen, wohl wissend, daß ich mein Leben verlieren kann.”
Walter Trochez, am 13. Dezember 2009 in Tegucigalpa ermordet



AUTOR: Joseph SHANSKY

Übersetzt von Einar Schlereth



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Walter Trochez

Die Leichen erschlagener Aktivisten häufen sich in Honduras. Während in den meisten honduranischen und internationalen Medien darüber nicht gesprochen wird, wächst allmählich die Wut in dem engagierten Netzwerk von Freunden, die bei jeder tragischen Nachricht von jedem Kamerad/in die Neuigkeit blitzschnell verbreiten.

Jetzt, wo die Welt in den Nachrichten der Mainstreammedien wie der New York Times von den “sauberen und fairen” Wahlen am 29. November (inszeniert von der US-unterstützten gegenwärtig an der Macht sitzenden Junta) gehört hat, hat die Gewalt noch schneller als befürchtet zugenommen.

Die besonderen Ziele dieser Morde sind die Leute gewesen, die von dem Coup-Establishment als größte Bedrohung angesehen wurden. Die Tapfersten und daher die am meisten Gefährdeten: die Mitglieder des Widerstandes des Volkes gegen den Coup. Ihre Freunde und Familien. Leute, die den Widerstand mit Nahrung und Unterschlupf versehen. Lehrer, Studenten und gewöhnliche Bürger, die einfach die Täuschungen eines nicht gewählten Regimes erkennen, das ihr Land an sich gerissen hat. Alle, die mit dem Widerstand in Verbindung stehen, haben konstante und zunehmende Konsequenzen für ihren Mut, gegen den Coup zu protestieren, zu spüren bekommen. Nachdem die internationale Gemeinschaft von den USAgrünes Licht erhalten hat, daß die demokratische Ordnung durch die Wahlen wiederhergestellt wurde, ist die Jagd eröffnet worden für die Gewalttäter in Honduras, um die politische Einheit des Widerstandes gegen den Coup zu zerschlagen.

Die Morde geschehen beinahe schneller als man sie protokollieren kann.

Am Sonntag, den 7. Dezember, wurde eine Gruppe von 6 Leuten niedergeschossen, als sie in dem Viertel Villanueva in Tegucigalpa eine Straße entlangging. Laut Augenzeugen hielt ein weißer Wagen ohne Kennzeichen vor der Gruppe. Vier maskierte Männer sprangen heraus und zwang die Gruppe, sich auf den Boden zu legen, wo man sie erschossen hat. Die fünf Opfer, die getötet wurden, waren:
  • Marcos Vinicio Matute Acosta, 39
  • Kennet Josué Ramírez Rosa, 23
  • Gabriel Antonio Parrales Zelaya
  • Roger Andrés Reyes Aguilar, 22
  • Isaac Enrique Soto Coello, 24
Eine Frau, Wendy Molina, 32, wurde mehrere Male beschossen und spielte die Tote, als ein Mann sie an den Haaren riß, um zu sehen,, ob sie tot war. Sie wurde ins Krankenhaus gebracht und überlebte.

Die honduranische unabhängige Zeitung El Libertador berichtete, daß alle Mitglieder der Gruppe Organisatoren gegen den Coup gewesen sind. Ein Bewohner des Viertels erzählte, daß “die Jungens Kommittees gebildet hatten, damit die Anwohner sich in der Widerstandsfront organisieren konnten.”

Dieses Massaker war Teil einer Reihe von Morden in Zusammenhang mit dem Widerstand allein in den vergangenen Wochen. Am 3. Dezember wurde Walter Trochez, 25, ein bekannter Aktivist in der lesbisch-homosexuell-bisexuell-transsexuellen Gruppe (LGBT) im Zentrum von Tegucigalpa von der Straße weg aufgegriffen und in einen Transporter geworfen, wieder von vier Männern, In dem Bericht, den ers später für die lokalen und nationalen Beförden verfaßte, sagte Walter, daß er stundenlang über die Mitglieder des Widerstandes und ihre Aktivitäten verhört wurde und mit einer Pistole ins Gesicht geschlagen wurde, weil er sich weigerte zu sprechen. Ihm wurde gesagt, er würde sowieso umgebracht werden, bis er schließlich entkam, indem er die Wagentür aufstieß, auf die Straße fiel und davonrannte.

Es war nicht das erste Mal, daß Walter dieser Art von Bedrohungen ausgesetzt wurde. Er war ein sehr beliebter Organisator gegen den Coup und hatte Menschenrechtsverletzungen, besonders in der Homosexuellen-Gruppe dokumentiert. Walter hatte gerade zwei Artikel veröffentlicht. Der eine nach den Wahlen hieß “Der Triumph der Wahlenthaltung”, über den Erfolg bei den Bemühungen des Widerstandes, die Bürger zu ermutigen, nicht zu wählen. Der zweite hieß “Die Eskalation des Hasses und homophober Verbrechen gegen die LGBT-Gruppe mit ihren Wurzeln in dem zivil-religiösen militärischen Staatsstreich in Honduras”.

In beiden Artikeln endete er mit den Worten: “Als Revolutionär werde ich heute, morgen und für immer an der vordersten Front meines Volkes stehen, wohl wissend, daß ich mein Leben verlieren kann.”

Am 13. Dezember wurde Walter auf dem Heimweg in die Brust geschossen von einem vorüberfahrenden Killer. Er starb im Hospital.

Am 5. Dezember wurde Santos Garcia Corrales, ein aktives Mitglied der Nationalen Widerstandsfront, von den Sicherheitskräften in New Colony Capital, südlich von Tegucigalpa verhaftet. Durch Folter wollte man Informationen über einen örtlichen Kaufmann herausbekommen, der Nahrung und Material an den Widerstand lieferte. Nachdem er den Zwischenfall den Behörden gemeldet hatte, wurde Santos' Leiche 5 Tage später am 10. Dezember enthauptet aufgefunden.

Es gab noch weitere Fälle, vor allem eine steigende Zahl von Morden in der LGBT-Gruppe. Insbesondere sind mehrere Transvestiten kürzlich auf ähnlich grausame Weise getötet worden. Menschenrechtsanwälte berichten, daß “bis zu 18 homosexuelle und transsexuelle Männer im ganzen Lande getötet wurden in den beinahe sechs Monaten seit der politischen Krise, die die Nation erschütterte - so viel wie in den vergangenen 5 Jahren.”

Das letzte Opfer, Carlos Turcios, wurde außerhalb seiner Wohnung in Choloma Cortes um drei Uhr nachmittag am Mittwoch, den 16. Dezember gekidnappt. Am folgenden Tag wurde er tot aufgefunden, mit abgeschnittenem Kopf und Händen. Carlos war Vize-Präsident der Choloma- Abteilung der Widerstandsfront gewesen, eine Stadt, die ein paar Stunden außerhalb der Hauptstadt liegt. Andres Pavón, Präsident der CODEH (Kommittee zur Verteidigung der Menschenrechte in Honduras) kommentierte: “Wir glauben, daß diese schrecklichen Verbrechen denen zugeordnet werden müssen, wo die Körper ebenfalls Zeichen brutaler Tortur aufwiesen … diese Aggression ist zur Erzeugung einer kollektiven Angst gedacht.”

Es ist ein finsteres Bemühen, die Gemeinde zu erschüttern, die jetzt im Grunde stärker denn je ist. Wie Walter Trochez bemerkt hat (und CNN bestätigte), hat sich der größte Teil des Landes geweigert, an jenem Tag wählen zu gehen. Viele Regierungen der Welt, einschließlich der meisten in Lateinamerika, haben sich geweigert, die Wahlen anzuerkennen.

In diesem Klima wütender Repression können sich die Bürger nicht mehr auf die Behörden in Bezug auf ihre grundlegenden Rechte des Schutzes verlassen, und jene, die Angst um ihr Leben haben, können nicht zur Polizei gehen. Wenn sie Anklagen erheben, wie Santos und Walter, können diese rasch die Unterschrift für ihr eigenes Todesurteil sein. Viele glauben aus gutem Grund, daß die Morde vom Staat gefördert werden. Zumindest sind sie das Ergebnis der neuen Bedingungen, die die weitreichende Verschlechterung des staatlichen Schutzes zulassen.

Pavón und andere Menschenrechtsführer in Honduras sind extrem lautstark in ihrer Verurteilung dieser Greueltaten gewesen, aber deren Geschichte wurde nicht vom Radar der meisten honduranischen und internationalen Medien erfaßt. Zu einer Zeit, wo die Honduraner am meisten die Veröffentlichung dieser Schandtaten nötig haben, sind sie sich selbst überlassen worden.

Wie konnte das geschehen? Warum werden Menschen willkürlich in dunklen Ecken des Landes hingerichtet, nur weil sie in Opposition zum Militärcoup stehen?

Das meiste Blut haben der Coup-Präsident Roberto Micheletti und andere Führer des Regimes an den Händen. Jedocch haben Präsident Barack Obama und das US-Außenministerium eine wichtige Rolle dabei gespielt, das die Bedingungen so weit gedeihen konnten. Die US-Regierung hat keine konkrete Maßnahme ergriffen gegen die tausenden von dokumentierten Menschenrechtsverletzungen seit dem Staatsstreich am 28. Juni. Es ist nicht schockierend, daß die Gewalt sich dramatisch verschlimmert hat, seit die Augen der Welt sich abgewendet haben.

In einem kürzlichen Interview hat Francisco Rios von der Nationalen Front gegen den Coup die Kommunikees der Front wiederholt, wo es hieß, daß der Widerstand, auch wenn er im Moment sich ruhig verhält, eine massive organisatorische Anstrengung für das nächste Jahr und weiterhin vorbereitet. Rios berichtete, daß man aufgehört hat, sich öffentlich zu treffen als eine Sicherheitsmaßnahme für den Augenblick, und daß man sich landesweit in Gruppen aufteilt mit dem Plan, als eine neue, gestärkte politische Kraft aufzutauchen. Walter, Santos und alle die Widerstandskämpfer, die ihr Leben gegeben haben, haben andere in der Bewegung angeregt, den Kampf für Gerechtigkeit in Honduras weiterzuführen.

Quelle: Upside Down World - Killing Activists in Honduras

Originalartikel veröffentlicht am 23.12.2009

Über den Autor

Einar Schlereth ist ein Mitglied von Tlaxcala, dem internationalen Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=9612&lg=de

Sonntag, 27. Dezember 2009

Schlaf weiter, Heiliger Vater. Viva Palestina und George Galloway machen die Arbeit für Dich

Konvoi nach Gaza


AUTOR: Stuart LITTLEWOOD
Übersetzt von Einar Schlereth



Würdenträger, Sendboten, Menschenrechtsdelegationen, Touristen in Sachen Tatsachenfeststellung – sie kommen und gehen, aber Gazas Leiden gehen weiter und werden von Tag zu Tag schlimmer dank der korrupten Führungen der internationalen Gemeinschaft, die der Skandal unseres Zeitalters sind.

Aber hier ist ein Schimmer von Weihnachtsfreude für die hungernden, verzweifelten Palästinenser, die in der winzigen Küstenenklave eingesperrt sind.

Irgendwann im Februar bekommen sie voraussichtlich Besuch von niemand anderem als dem Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams. Zumindest ist es das, was das Büro im Lambeth Palast verlauten läßt. Ja, die Erzbischofe in England leben in Palästen und lungern im House of Lords herum.

Die oberste religiöse Figur in England hofft, das Al-Ahli Krankenhaus zu besuchen, für das er mehrere tausend Pfund im vergangenen Jahr aufgebracht hat. Al-Ahli hat 80 Betten für dringende Fälle und mobile Kliniken im Gazastreifen. Während des Blitzkrieges im vergangenen Jahr hat es viele der Schwerverwundeten behandelt. “Die Lage in Gaza ist eindeutig verzweifelt,” sagt der Palast. Zusammen mit Partneranglikanern im Lande unter Führung des Bischofs von Jerusalem Suheil Dawani ist man aktiv engagiert in humanitärer Hilfe und Fürsprache.

Das mag sein. Aber hier in England hört man wenig davon.

Archbishop of Canterbury, Rowan Williams
Der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams

Ist es möglich, daß mein offener Brief an den Erzbischof im vergangenen Monat ihn zur Handlung getrieben hat? Ich fragte, welche mutigen Dinge er und seine Kollegen zur Weihnachtszeit unternehmen würden, um einzugreifen und Humanität, praktische Fürsorge und geistige Hilfe all den christlichen und moslemischen Familien zu bringen, die seit Jahren von dem israelischen Regime und seinen Helfershelfern so grausam unterdrückt und mißhandelt werden.

“Warum nicht den Gazastreifen besuchen?” schlug ich vor. “Sie können Brown und Blair bitten, das zu regeln, und nehmen Sie “Nein” nicht für eine Antwort. Rütteln Sie die Regierung wach und erinnern sie an ihre christliche Pflicht, die Schwachen zu verteidigen und zu beschützen: irgendjemand sollte das tun. Natürlich ist es die Pflicht aller anständigen Menschen, ob Christen oder nicht.”

Wird der Heilige Vater dem Angesicht Gottes ein Lächeln entlocken?

Über die Leistungen in der Vergangenheit dürften die Gazanbewohner jedoch nicht allzu begeistert sein. Ich habe auf der website des Erzbischofs seit beinahe einem Jahr keine Erklärung zu Gaza gefunden. Und während Israel seine schändliche Cast Lead Operation plante, die in einem zynischen Abschlachten von hunderten Frauen und Kindern mündete, hat der Erzbischof in Begleitung von dem Obersten Rabbi Sachs Auschwitz besucht, um gegen extreme Feindschaft und Genozid zu predigen. Der Ersbischof sprach von “einem Ort äußerster Ruchlosigkeit” und von der kollektiven Korruption und moralischen Krankheit, die den Holocaust möglich machte.

Wenn und ob er in Gaza ankommt, wird er einen Holocaust anderer Art betrachten können. Die Ironie seiner Bemerkungen zu Auschwitz gingen in dem belagerten Gaza nicht unbemerkt vorüber, die immer noch täglichen Bombardierungen durch ihre tollwütigen Quälgeister ausgesetzt sind. Unglücklicherweise hat der Lambeth Palast keine weiteren Einzelheiten über die Reise des Erzbischofs gegeben. Wen wird er treffen? Wird er auch das ausgelaugte Al-Shifa Krankenhaus besuchen, das die Hauptlast der Verwundeten zu tragen hatte? Wird er ein belangloses Gespräch mit Ismael Haniyeh führen, dem (legitimen) palästinensischen Premierminister, als Bischof mit dem Imam? Wird er den Gesundheitsminister Basem Na'im treffen? Wird er den Bruder Manuel Mussalam aufsuchen, den Respekt gebietenden alten Priester, der in den dunkelsten Stunden Gazas eine Hauptstütze der christlichen Gemeinde gewesen ist? Bruder Manuel, ein Mann von wahrer Charakterstärke, ist kürzlich in Pension gegangen, ist aber sicher in Westjordanland antreffbar.

Wird er an Gazas Strand paddeln? Wird er mit den Fischern von Gaza ein Netz auswerfen und dem Maschinengewehrfeuer der marodierenden israelischen Kriegsschiffe trotzen?

Die Gazabewohner könnten sich vielleicht mit hilfreichen Vorschlägen wenden an anpublicaffairs@lambethpalace.org.uk

Wird Rowan Williams dem Angesicht Gottes ein Lächeln entlocken? Ich hoffe es, dafür ist es nicht zu spät.

Er wird jedenfalls mehr als der Papst geleistet haben. Dieses teuer gekleidete Individuum, für das im Heiligen Land mehr auf dem Spiel steht als für sonst jemanden in der westlichen Welt hat früher in diesem Jahr “sich zurückgehalten”, die rauchenden Ruinen von Gaza zu besuchen, um Solidarität mit der entsetzten Gemeinde zu zeigen und hat stattdessen nebenan in den besetzten Gebieten den Touristen gespielt. Er hat das Wort “zurückhalten” als Entschuldigung in den Medien benutzt. Es schmeckte nach “Abstinenz”, als würde er sich des Sex enthalten, und machte jene, die so viel gelitten hatten, wütend.

Wenn dieser Vikar des Christ eine Kraft des Guten ist, wo ist seine Armada, die er zu seiner Gemeinde und seinen moslemischen Brüdern un Schwestern hätte schicken müssen?

“Das Salz der Erde” beabsichtigt, die Belagerung um des menschlichen Anstands willen zu brechen

British MP George Galloway speaks to reporters in Damascus December 21, 2009, during his campaign to aid Palestinians in the Gaza Strip.
George Galloway spricht mit Journalisten in Damaskus am 21. Dezember 2009, während seiner Kampagne, um der Bevölkerung von Gaza zu helfen


Schlaf weiter, Heiliger Vater … Viva Palestina (siehe Karte oben) und George Galloway nehmen sich der Sache an. Sie machen die Arbeit für dich und brechen die bösartige Belagerung. Was du im Namen Gottes hättest tun können. Sie tun es im Namen des menschlichen Anstands.

Es scheint, daß das Salz der Erde aus unseren hintersten Gassen – eine Mischung aus Christen, Moslems, Atheisten und sogar Juden – die sich organisierten, zusammenfanden oder den Konvoi unterstützten, mehr Verständnis von Mitgefühl und die Lehren von Jesus haben als alle die gelehrten Nabelgucker im Vatikan.

Ich kann keinen besonderen Bezug auf die menschliche Tragödie im Heiligen Lande auf der website des Vatikan finden. Der Papst “hält sich zurück”, sie in seiner Neujahrsansprache zur Feier des Friedenswelttages am 1. Januar 2010 überhaupt nur zu nennen.

Und ich sehe auch keine Weihnachtswünsche an die Gazabewohner auf der website des Lambeth Palastes.

Wenn der Erzbischof Rowan von seinem historischen Besuch zurückkommt, was wird er dann tun? Er und seine 25 Kollegen sitzen im House of Lords des britischen Parlamentes. Sie haben Einfluß. Aber bei einer Schnellsuche in http://www.theyworkforyou.com/ konnte ich keinen neueren Eintrag dieser “Super-Kleriker” finden, der Fragen zu Israels mörderischem Überfall stellte, zu der endlosen Verfolgung der christlichen und moslemischen Gemeinden und der illegalen Beschränkungen, die dem Heiligen Land ganz allgemein auferlegt werden. Auch keine Kritik an der Untätigkeit der britischen Regierung.

Wenn ihr Führer die schreckliche Wahrheit direkt vor Ort gesehen und gehört hat, was wird die Anglikanische Kirche als ganzes dann tun, um den Prozeß der Verbesserung der menschlichen Bedingungen im Heiligen Land zu beginnen und ihr geistiges Vermächtnis zu wahren?



Quelle: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=9609&lg=en

Originalartikel veröffentlicht am 23.12.2009

Über den Autor

Einar Schlereth ist ein Mitglied von Tlaxcala, dem internationalen Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=9610&lg=de

Samstag, 26. Dezember 2009

Holocaust-Überlebende demonstriert in Gaza

Die Holocaust-Überlebende Hedy Epstein ruft zur Unterstützung des Gaza Freedom March am 31. Dezember 2009 auf.

Von Hedy Epstein
CODEPINK ALERTS, 10.12.09
( http://www.codepinkalert.org/article.php?id=5216 )

Liebe CODEPINK-Frauen,

es ist schon sonderbar, dass Präsident Obama einen Friedenspreis akzeptiert und gleichzeitig einen Krieg eskaliert. Als Holocaust-Überlebende, deren Eltern 1942 in Auschwitz umgebracht wurden, weiß ich allzu gut, was ein Krieg ist. Ich weiß auch, was Frieden ist und möchte Ihnen deshalb sagen: Wer weitere 30.000 US-Soldaten zum Kämpfen nach Afghanistan – in eines der ärmsten Länder der Welt – schickt, macht keinen Frieden.

Weil Präsident Obama einen Friedenspreis angenommen hat, den er nicht verdient, wird es höchste Zeit, zu zeigen, wie man wirklich Frieden stiften kann. Deshalb schließe ich mich im hohen Alter von 85 Jahren dem Gaza Freedom March (dem Freiheit für Gaza-Marsch) an, der am 31. Dezember stattfindet. Mehr als tausend Friedensstifter aus der ganzen Welt werden zusammen mit 50.000 Palästinensern in Gaza zur israelischen Grenze marschieren. Als Juden, Christen, Muslime, Atheisten und Anhänger anderer Religionen werden wir für die ganze Menschheit zusammenkommen, um den brutalen Überfall auf Gaza vor einem Jahr zu verurteilen und zu fordern, dass Israel die Blockade aufhebt, die 1,5 Millionen Menschen an den Rand einer Katastrophe gebracht hat.

Sie können Ihre Unterstützung für wirkliche Friedensstifter zeigen, indem Sie den Gaza Freedom March unterstützen und Ihre Freundinnen und die Gemeinschaft über dieses historische Ereignis informieren.

Rund um den Globus sind ab dem 27. Dezember Solidaritätsaktionen geplant – schließen Sie sich einer an, die in Ihrer Nähe stattfindet.

Sie können auch eine Fahne mit einem Friedensgebet anfertigen und an uns senden. Wir werden sie auf dem Marsch mittragen. Durch Fahnen mit Friedensgebeten können Sie auf einfache, aber eindrucksvolle Weise sicherstellen, dass auch Ihre Stimme bei diesem historischen Ereignis vertreten ist.

Frieden macht man nicht nur mit schönen Reden, wie sie Präsident Obama in Kairo gehalten hat; dort verkündete er der arabischen Welt: "Wir wissen, dass die Situation des palästinensischen Volkes unerträglich ist", und dass Amerika dem legitimen Streben der Palästinenser nach Gerechtigkeit und Würde nicht den Rücken kehren werde.

Deshalb bitte ich Sie, uns beim "Walk the Talk" (beim in Gang setzen von Friedensgesprächen) zu helfen, indem Sie den Gaza Freedom March unterstützen.

In Liebe zur ganzen Menschheit,
Hedy Epstein

(Wir haben den ergreifenden Aufruf der Frau Hedy Epstein komplett übersetzt und mit Erläuterungen in Klammern versehen. Informationen zu dem israelischen Überfall auf Gaza um die Jahreswende 2008/09 sind aufzurufen unter:)

http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_08/LP26508_291208.pdf ,
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP00209_020109.pdf ,
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP00309_030109.pdf ,
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP00409_050109.pdf ,
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP00609_070109.pdf ,
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP00709_090109.pdf,
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP00809_100109.pdf ,
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP01009_120109.pdf ,
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP01109_130109.pdf ,
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP01209_140109.pdf ,
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP01309_150109.pdf ,
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP01409_160109.pdf ,
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP01509_170109.pdf ,
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP01609_180109.pdf ,
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP01709_190109.pdf und
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP04809_260209.pdf .


Quelle und Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

Freitag, 25. Dezember 2009

Venezuela gründet Verband Sozialistischer Märkte

Fairer Handel und Produkte aus sozialer Produktion sowie den ALBA-Staaten sollen Preisanstieg bremsen

Von M. Daniljuk

Caracas. Unter dem Namen Verband Sozialistischer Märkte (Comerso) gründete sich am gestrigen Mittwoch eine neue Handelsorganisation in Venezuela. Der Verband soll ein landesweites Verkaufsnetz aufbauen, in dem ausschließlich Produkte aus gemeinschaftlicher oder genossenschaftlicher Produktion verkauft werden. Dabei orientieren die Organisatoren auf eine große Produktpalette: Von Imbissangeboten, über Werkzeuge und pharmazeutische Produkte bis hin zu Kleinwagen soll Alles angeboten werden. Die Produkte stammen aus Venezuela selber, wo in den letzten Jahren eine Vielzahl sozialistischer Unternehmen in verschiedenen Branchen gegründet wurde, aber auch aus den Ländern der Bolivarischen Alternative (Alba).

Die venezolanische Regierung erhofft sich mit der Maßnahme ein Gegengewicht zum privatwirtschaftlich organisierten Binnenmarkt. “Unsere Märkte haben das Ziel, dass sich die gesamte Bevölkerung zu solidarischen Preisen versorgen kann, ohne dass sich der kapitalistische Finanzmarkt an allem bereichert. Wir versuchen insbesondere den Preisanstieg zu bremsen." erklärte Präsident Hugo Chávez gestern bei der Eröffnung einer neuen Imbisskette im Rahmen des Verbandes Sozialistischer Märkte. Dort werden die landestypischen Arepas verkauft. "Ich weiß schon, dass die Bürgerlichen uns auslachen werden, aber wer zuletzt lacht, lacht am Besten. Wir beginnen mit einer Areperia." Chávez nannte neben den Alba-Staaten auch Argentinien und China als Kooperationspartner.

Eduardo Samán, Minister für Handel, erhofft sich vom neuen Handelsverband einen Einfluss auf das Preisniveau des Landes. Die gesetzliche Regulierung mittels der Preisbindung für Güter des Grundbedarfs habe sich in der Vergangenheit als nicht ausreichend erwiesen. In den neuen Märkten würden Produkte ohne Spekulation und Wucher angeboten, Zwischenhändler seien ausgeschaltet. Venezuela leidet seit Jahrzehnten an einer hohen Inflationsrate, deretwegen die Preise enorm ansteigen. Zwar gelang es der Regierung seit dem Amtsantritt von Hugo Chávez vor 10 Jahren die Inflationsrate um die 20 Prozent zu halten. Doch dies bedeutet immer noch einen Preisanstieg um etwa ein Fünftel. Die bolivarische Bewegung und die Regierung machen dafür die Händler und Privatunternehmer des Landes verantwortlich, denen sie vorwerfen, durch Preissteigerungen die erhöhten Einkommen abzuschöpfen.

Interne Verweise

Quelle: amerika21.de

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Die Weicheier vom britischen Außenministerium ergeben sich den Verbrechern

Stuart LITTLEWOOD
Von Stuart LITTLEWOOD
Übersetzung: Einar Schlereth

Die britische Öffentlichkeit muß sich wundern, was mit dem Rückgrat der Nation geschehen ist – und seinem moralischen Kompaß – wenn sie Nachrichten wie die folgenden sehen:
“Der britische Außenminister David Miliband hat sich gestern bei MK (Knessetmitglied) Tzipi Livni und Außenminister Avigdor Lieberman entschuldigt wegen des Haftbefehls, der zuvor in dieser Woche gegen Livni erlassen wurde. Er versprach Lieberman auch, daß sofort anfangen würde, die Gesetze Großbritanniens zu ändern, die Haftbefehle gegen wegen Kriegsverbrechen angeklagte israelische Beamte ermöglichen.”
Was glaubt eigentlich der Außenminister, wer er ist, daß er sich in unserem Namen für eine Maßnahme der britischen Gerichtsbarkeit entschuldigt, insbesondere wenn der Haftbefehl erlassen wurde auf Grund wohl fundierter Anklagen wegen Kriegsverbrechen?


Livni behauptet, das sei nicht persönlich gemeint. “Es geht um den ganzen Staat Israel und unsere Fähigkeit, gegen gemeinsame Bedrohungen zusammenzuarbeiten.”

Welche gemeinsamen Bedrohungen? Wir haben nichts gemeinsam. Die gegen Israel gerichteten Bedrohungen, sind durch seine rassistische Expansion, den Landdiebstahl, die allgemeine Rechtslosigkeit und seine haßerfüllte Haltung gegenüber seinen Nachbarn verursacht und von der tödlichen Bedrohung, die Israel selbst für andere in der Region darstellt. Unsere Regierung setzt uns Gefahren aus, indem sie sich derart eng mit diesem Regime verbindet und ständig dessen Position ergreift.

Was den ex-Nachtclub-Türsteher Lieberman angeht, ein geistesgestörter Schreihals, der in einer illegalen jüdischen Siedlung in dem palästinensischen Westjordanland lebt und sich in extremistischen Ausdrücken ergeht, seit wann verdient der eine britische Entschuldigung?
“Miliband nannte den Haftbefehl unerträglich und sagte, er habe mit Premierminister Gordon Brown und dem Justizminister Jack Straw gesprochen, um eine dringende Lösung zu finden. Prosor [der israelische Botschafter in London] hat den britischen Außenminister verurteilte den britischen Außenminister indem er sagte, es wäre an der Zeit, daß die britische Regierung handle.”
Prosor “verurteilte” einen Minister der Krone …...... verlangte die Änderung unserer Gesetze? Eure eigenen Gesetze bedürfen dringender der Änderung als unsere, Prosor.
“Das Büro des Premierministers Benjamin Netanyahu gab auch ein Statement ab: “Wir werden nicht mit einer Situation einverstanden sein, in der [der ehemalige Premier] Ehud Olmert, [der Verteidigungsminister] Ehud Barak und [der Oppositionsführer und ehemalige Außenminister] Tzipi Livni vor Gericht gestellt werden. Wir verwerfen strengstens die Absurdität, die in Britannien vor sich geht.”
Zieh erst einmal deine Panzer vom palästinensischen Rasen ab und deine Landbesetzer von palästinensischem Land, Netanyahu, bevor du irgendjemanden anderen kritisierst.

Die israelische Arroganz ist atemraubend. Livni würde mit Freuden die Verbrechen in Gaza vom vergangenen Dezember-Januar wiederholen. Ihr Büro hat eine Erklärung herausgegeben, in der es hieß, sie sei stolz auf die Operation Cast Lead [gegossenes Blei]. Und in einer Rede bei einer Konferenz in Tel Aviv im Institut für Sicherheitsstudien sagte sie: “Ich würde heute dieselben Entscheidungen treffen.”

Lasst das Gesetz über Haftbefehle in Frieden

Milibands Speichelleckerei, insbesondere gegenüber Livni und Lieberman, reicht aus, um jeden echten Bürger des Vereinigten Königreichs vor Scham vergehen zu lassen. Nur wenige von uns, ganz gewiss, würden solche Leute mit der Feuerzange anfassen.

Dieses Aufgeben von Prinzipien und das Hinabsteigen in den Abgrund wird in einer Erklärung des Außenministeriums erläutert: “Das UK ist entschlossen, ein strategischer Partner Israels zu sein.”

Warum? Ich wollte schon immer wissen, wie das unseren wirklichen Interessen dienen könnte.

Das Gesetz über Haftbefehle sollte, selbstverständlich, unangetastet bleiben. Es ist alles ganz einfach. Wenn Israel sich auf zivilisierte Weise benehmen würde, gäbe es keinen Grund für sie.

Der diplomatische Krawall hilft uns, deutlich den Wahnsinn einzusehen, das Auswärtige Amt mit Israel-Liebhaber vollzustopfen. Da ist Miliband, natürlich, wegen seiner ethnischen Bindungen. Er stimmte begeistert für den Irak-Krieg und gegen eine Untersuchung.

Dann haben wir da unser Minister für den Nahen Osten, Ivan Lewis. Er ist ein früherer Vize-Präsident in Labours Friends of Israel (Freunde Israels in der Labour Partei). Auch er stimmte für den Irak-Krieg und gegen jedwede Untersuchung. Im Januar, mit dem erstickenden Gestank von Israels Blitzkrieg in Gaza in der Nase der Welt, sprach Lewis vor einer Versammlung in Manchester: “Diese Gemeinde steht Schulter an Schulter mit dem Volk von Israel in guten und schlechten Zeiten. Wir wenden bei Israel keine doppelten Maßstäbe an ...”

Das Elend ist nur, daß er überhaupt keine Maßstäbe anwendet.

Im Juli, mit dem Blut von 1400 toten Gaza-Bewohnern (darunter 320 Kinder und 109 Frauen) an ihren Händen der zionistischen Teufel und weiteren tausenden von Verwundeten, erklärte der gefühllose Lewis vor dem Unterhaus: “Israel ist ein enger Alliierter des UK, und wir haben regelmäßig einen warmen und produktiven Austausch miteinander auf allen Ebenen.”

Lewis ist auch die wichtigste Führungskraft in der Manchester Jewish Federation [Jüdische Vereinigung von Manchester] und ein Treuhänder des Holocaust Educational Trust (Erziehungsfonds). Er ist zusammen mit Miliband das Gesicht der britischen Diplomatie im explosiven Nahen Osten.

Und zu diesem Team wurde gerade auch noch Matthew Gould, Milibands Chefprivatsekretär, zu Britanniens erstem jüdischem Botschafter in Israel ernannt, mit Effekt ab nächstem Jahr. Gould sagte zu Haaretz [wichtige israelische Zeitung], daß er und seine Frau einen jüdischen Haushalt führen und ihre Kinder in der jüdischen Tradition erziehen werden. “Die Tatsache, daß ich Jude bin, bedeutet, daß ich mit besonderen Einsichten und Sympathie und Verständnis kommen werde, weil die Geschichte meiner Familie in gewisser Hinsicht die Geschichte des Volkes des Staates von Israel ist. Aber grundsätzlich komme ich als britischer Botschafter, um die britische Politik zu vertreten und die britischen Interessen zu befördern.”

Das ist schwer zu glauben, und mancher wird auf einen hoffnungslosen Interessenkonflikt deuten, nicht nur bei Gould sondern auch bei Miliband, Evans und anderen, die eine Affinität mit der abstoßenden “Story” Israels empfinden.

Und über allem präsidiert unser katastrophen-anfälliger Premierminister Gordon Brown, ein Zionisten-Sympathisant und Schirmherr des Jewish National Funds (Jüdischer Nationalfond), der eine Organisation ist, extra eingerichtet, um die Konfiszierung und Entwicklung illegal besetzten palästinensischen Landes zu erleichtern.

Um zu illustrieren, wie weit Britannien gehen wird, um Israels “kriminelle Tendenzen” abzuwiegeln, hat der Jewish Chronicle vor ein paar Tagen berichtet, wie das Auswärtige Amt eine Initiative des Ministeriums für Gemeinden und lokale Selbstverwaltung abgeblockt, um die moslemische Gemeinde zu beruhigen, daß die britische Regierung nicht die Aktionen Israels in Gaza gutheiße. Beamte des Außenministeriums meinten, daß dies die Vorurteile der moslemischen Gemeinde gegenüber Israel begünstigen würde, besonders nachdem bekannt wurde, daß einige moslemische Führer im ganzen Land wollten, daß die Regierung das Recht der Hamas auf Widerstand anerkenne. Ach du meine Güte, nein. Wo doch jedermann weiß, daß nur Israel ein Recht auf Selbstverteidigung hat. Und Britannien begünstigt nur Israel.

Der britisch-jüdische Parlamentsabgeordnete Sir Gerald Kaufman hat jüngst einen Eimer kalten Wassers über diese obszöne anglo-jüdische Selbstbeweihräucherung gegossen, indem er die israelische Regierung als eine Bande von Verbrechern bezeichnete. Dies sind die unerwünschten Elemente, denen Miliband mit einer Änderung der Gesetze entgegenkommen möchte. Nun, ich zweifle, ob die britische Öffentlichkeit die Idee willkommen heißt, daß solch bösartige Leute, die nichts dabei finden, wenn Frauen und Kinder mit weißem Phosphor bis auf die Knochen verbrannt werden, in unserer Hauptstadt kommen und gehen wie sie wollen.

Diese selben Verbrecher wollen nicht einmal tausenden palästinensischen Studenten wie Berlanty Azzam die Freiheit zugestehen, innerhalb ihres eigenen Landes zu reisen, um die Universität zu besuchen und ihren Abschluss zu machen.

Herr Miliband, ihre grausamen Freunde sind bei uns nicht willkommen.

Quelle: sabbah.biz-Britain's Foreign Office wimps surrender to the thugs

Originalartikel veröffentlicht am 17.12.2009

Über den Autor

Einar Schlereth ist ein Mitglied von Tlaxcala, dem internationalen Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=9594&lg=de

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Jemen: Das Pentagon führt auch auf der arabischen Halbinsel Krieg

Der US-Journalist Rick Rozoff weist nach, dass Friedensnobelpreisträger Barack Obama auf der arabischen Halbinsel ein weiteres Schlachtfeld eröffnet hat.

Von Rick Rozoff, Stop NATO, 15.12.09

Der Jemen wird das Schlachtfeld für einen Stellvertreter-Krieg zwischen dem Iran auf der einen und den Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien auf der anderen Seite werden; die zwischenstaatlichen Beziehungen der beiden letztgenannten gehören zu den engsten und stabilsten in der ganzen Ära nach dem Zweiten Weltkrieg.

Es ist wahrscheinlich unmöglich, den genauen Zeitpunkt zu bestimmen, zu dem von den USA unterstützte, selbsternannte "heilige Krieger" – die dazu ausgebildet wurden, Terroranschläge in Städten zu verüben und Passagierflugzeuge abzuschießen – aufhören, Freiheitskämpfer zu sein und zu Terroristen werden. Es ist aber ziemlich sicher, dass dies geschieht, wenn sie Washington nicht länger von Nutzen sind. Ein Terrorist, der amerikanischen Interessen dient, ist ein Freiheitskämpfer; ein Freiheitskämpfer, der das nicht mehr tut, ist ein Terrorist.

Jetzt lernen die Jemeniten die Gesetze des Dschungels kennen, nach denen das Pentagon und das Weiße Haus handeln. Nach dem Irak und Afghanistan, wo Stanley McChrystal, der Spezialist für Aufstandsbekämpfung, seine Techniken perfektioniert hat, gehört jetzt auch der Jemen zu den Staaten, in denen das Pentagon auf diese spezielle Art Krieg führt – mit zahlreichen Massakern an Zivilisten und anderen so genannten Kollateralschäden – wie Kolumbien, Mali, Pakistan, die Philippinen, Somalia und Uganda.

In den BBC News wurdet am 14. Dezember berichtet, dass 70 Zivilisten starben, als Flugzeuge einen Markt im Dorf Bani Maan im Nordjemen bombardierten.

Die jemenitischen Streitkräfte übernahmen die Verantwortung für den mörderischen Angriff, aber auf einer Website der Houthi-Rebellen, denen der Bombenangriff offensichtlich galt, wurde berichtet, dass "saudische Flugzeuge das Gemetzel unter den unschuldigen Einwohnern von Bani Maan angerichtet haben". [1] Das saudische Regime hat Anfang November auf Seiten der jemenitschen Regierung in die bewaffnete Auseinandersetzung mit den aufständischen Houthis eingegriffen und wird seither beschuldigt, mit Panzern und Kampfflugzeugen Angriffe auf dem Gebiet des Jemen durchzuführen. Schon vor dem jüngsten Bombardement wurden Hunderte Jemeniten bei den Kämpfen getötet und Tausende aus ihren Häusern vertrieben. Saudi-Arabien wurde beschuldigt, auch Phosphor-Bomben eingesetzt zu haben. (Weitere Infos hier und hier).

Die Rebellen, die sich "Junge Gläubige" nennen, sind Teil der schiitisch-muslimischen Gemeinschaft des Jemens, der 30 Prozent der jemenitischen Bevölkerung von 23 Millionen Menschen angehören; sie behaupten außerdem, dass am 14. Dezember "US-Kampfflugzeuge die Provinz Saada bombardiert und insgesamt 28 Angriffe in dieser nordwestlichen Provinz des Jemen durchgeführt haben". [2]

Die britische Zeitung DAILY TELEGRAPH berichtete am 13.12.09 über Gespräche mit US-Militärs, die erklärten: "Aus Besorgnis darüber, dass auch der Jemen in Gefahr ist, zu einem "Failed State" (gescheiterten Staat) zu werden, hat Amerika jetzt einige Spezialkräfte-Teams entsandt, die zur Abwendung dieser Bedrohung die Ausbildung der jemenitischen Armee verbessern sollen."

Ein ungenannter Pentagon-Offizieller wurde mit folgender Behauptung zitiert: "Der Jemen ist zu einer Ausgangsbasis für die Aktivitäten der Al-Qaida in Pakistan und Afghanistan geworden."
[3]

Das Schreckgespenst Al-Qaida wird jedoch nur als Vorwand benutzt. Die Rebellen im Nordjemen sind Schiiten und keinesfalls den Sunniten oder den saudi-arabischen Wahhabi-Sunniten zuzurechen (die das Gros der Al-Quaida-Kämpfer stellen); die Houthi-Rebellen haben nicht nur keinerlei Verbindung zu Gruppen, die Al-Qaida nahe stehen, sie würden sogar eher von denen bekämpft.


Um die US-Aktivitäten in dieser Region zu unterstützen, haben die britische und die amerikanische Presse in letzter Zeit den Jemen als "Heimat der Vorfahren" Osama bin Ladens hochgespielt. Bin Laden stammt aus der Familie eines angesehenen saudi- arabischen Milliardärs; die westlichen Medien nutzen den historischen Zufall, dass bin Ladens Vater vor mehr als einem Jahrhundert in dem Teil der arabischen Halbinsel geboren wurde, der jetzt die Islamische Republik Jemen ist, dazu aus, Osama bin Laden eine aktive Rolle in dem Konflikt im Jemen anzudichten, um eine äußerst fragwürdige Verbindung zwischen dem südasiatischen Krieg in Afghanistan und Pakistan und dem Eingreifen der Streitkräfte Saudi-Arabiens und der USA in die Kämpfe im Jemen herzustellen.

Bereits im Jahr 2002 entsandte das Pentagon etwa 100 Elite-Soldaten – die nach einigen Presseberichten von der Spezialtruppe "Green Berets" gekommen sein sollen – in den Jemen, um sie das Militär des Landes ausbilden zu lassen. Diese Maßnahme erfolgte zwei Jahre nach dem Selbstmordanschlag auf den Navy-Zerstörer "USS Cole" im Hafen Aden im Südjemen, der Al-Qaida angelastet und mit von Drohnen vorgetragenen Raketenangriffen auf (angeblich) identifizierte Al-Qaida-Führer beantwortet wurde; Washington begründete seine Aktivitäten im Jemen als Reaktion auf dieses Ereignis und auf die Anschläge in New York und in Washington D.C. im Jahr 2001.

Der gegenwärtig zur Aufstandsbekämpfung im Jemen mit US-Unterstützung geführte Krieg steht in einem ganz anderen Kontext und hat nichts mit der angeblichen Bedrohung durch Al-Qaida zu tun; er ist ein integraler Bestandteil der Strategie, den Krieg in Afghanistan in konzentrischen Kreisen auf ganz Süd- und Zentralasien, den Kaukasus, den Persischen Golf, Südostasien, den Golf von Aden, das Horn von Afrika und die arabische Halbinsel auszuweiten. Der ungeduldig erwartete Abgang des US-Präsidenten George W. Bush hat vielleicht seinen "globalen Krieg gegen den Terror" beendet; der läuft aber unter der Bezeichnung "Notfall-Operationen im Ausland" weiter, und außer dem Namen hat sich nichts geändert.

Am 13. Dezember sagte General David Petraeus – der Chef des Central Command, des Pentagon-Regionalkommandos, das für die Kriege im Irak, in Afghanistan und in Pakistan zuständig ist – dem (saudi-arabischen) TV-Sender Al Arabiya: "Die Vereinigten Staaten kümmern sich um Sicherheit des Jemen im Rahmen der militärischen Zusammenarbeit, die Amerika all seinen Verbündeten in der Region anbietet." Er betonte, dass sich die USSchiffe in den nationalen Gewässern des Jemen nicht nur zur Kontrolle aufhalten, sondern auch die Versorgung der Houthi-Rebellen mit Waffen verhindern sollen". (s. hier) [4]

Diesmal wird die Zeitungsente von der Bedrohung durch Al-Qaida/bin Laden verwendet, um die Ausweitung der US-Militärinterventionen auf die arabischen Halbinsel zu rechtfertigen.

Der YEMEN POST vom 13. Dezember schrieb, das Medienbüro der Houthis habe "die Vereinigten Staaten beschuldigt, am Krieg gegen die Houthis teilzunehmen" und Fotos von US-Kampfjets veröffentlicht, die an den Bombenangriffen in der Provinz Saada im Nordjemen beteiligt waren.

Das Medienbüro berichtete von über zwanzig US-Bombenangriffen, die unter Satellitenkontrolle durchgeführt worden seien. [5]

Die westliche Presse gibt sich wieder dafür her, die Houthis, die der schiitischen Sekte der Zaiditen angehören und sich stark von den iranischen Schiiten unterscheiden, verschwörerischer Beziehungen zu Teheran zu bezichtigen. Sogar Mitglieder der US-Regierung haben bis heute keine Beweise dafür, dass der Iran die jemenitischen Rebellen unterstützt oder sogar mit Waffen versorgt. Das wird sich bald ändern, wenn die Regierung des Jemen die "Anregung" des Generals Petraeus aufnimmt (und "iranische" Waffen findet); Washington wird pflichtschuldigst die Behauptung aufgreifen, dass der Iran auch im Jemen seine schiitischen Brüder bewaffnet, wie er es im Libanon getan haben soll.

Der Jemen wird das Schlachtfeld für einen Stellvertreter-Krieg zwischen dem Iran auf der einen und den Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien auf der anderen Seite werden; die zwischenstaatlichen Beziehungen der beiden letztgenannten gehören zu den engsten und stabilsten in der ganzen Ära nach dem Zweiten Weltkrieg.


In einem Leitartikel, der vor fünf Tagen in der TEHRAN TIMES erschien, werden alle Parteien im Jemen-Konflikt – die (jemenitische) Regierung, die Rebellen und Saudi-Arabien der Rücksichtslosigkeit beschuldigt; außerdem wird folgende Warnung ausgesprochen: "Die Geschichte liefert uns ein gutes Beispiel. Saudi-Arabien hat extremistische Gruppen in Afghanistan finanziert, und zwei Jahrzehnte nach dem Abzug der sowjetischen Armee aus diesem Land greifen die Flammen des Afghanistan-Krieges auf die Verbündeten Saudi-Arabiens über. Ein ähnliches Szenario entwickelt sich jetzt im Jemen." (s. http://tehrantimes.com/Index_view.asp?code=209547 ) [6]

Der Vergleich zwischen dem Jemen und Afghanistan spielte darauf an, dass Riad jetzt schon zum zweiten Mal Hand in Hand mit den Vereinigten Staaten den saudiarabischen Wahhabismus zu exportieren versucht, um seinen politischen Einfluss auszuweiten.

Saudi-Arabien will seine eigene Version des Extremismus auch im Jemen durchsetzen, wie es das schon früher in Afghanistan und Pakistan versucht hat und zur Zeit auch im
Irak versucht. Ohne jeden Einwand der Vereinigten Staaten und ihrer westlichen Verbündeten werden sich die Saudis und die mit ihnen verbündeten Monarchien am Persischem Golf von den westlichen Waffen im Wert von 100 Milliarden Dollar, die im Lauf der nächsten fünf Jahre in den Mittleren Osten verkauft werden sollen, den größten Anteil sichern. "Im Zentrum dieser Waffeneinkaufsorgie steht zweifellos das US-Waffenpaket im Wert von 20 Milliarden Dollar, das die sechs Staaten des Golf Cooperation Council (des Rates für Zusammenarbeit am Golf) – Saudi-Arabien, die Vereinigten Emirate, Kuwait, Oman, Qatar und Bahrain – in den nächsten zehn Jahren anschaffen wollen." [7] Saudi-Arabien verfügt bereits über modernste britische und französische Kampfflugzeuge und ein US-Raketenabwehrsystem.

Die weiter vorn aus dem iranischen Leitartikel zitierte Warnung vor den "der Flammen des Afghanistan-Krieges" wird durch die COMISAF Initial Assessment (die anfängliche Bewertung des ISAF-Kommandeurs) bestätigt, die General Stanley McChrystal, der Oberkommandierende der US- und NATO-Streitkräfte in Afghanistan, am 30. August 2009 abgegeben hat und die von der WASHINGTON POST am 21. September mit den redaktionellen Änderungen des Pentagons veröffentlicht wurde. Das 66-seitige Dokument diente dem Präsidenten Barack Obama als Vorlage für seine am 1. Dezember verkündete Entscheidung, 33.000 zusätzliche US-Soldaten nach Afghanistan zu entsenden. (s. hier)

In der Bewertung stellt McChrystal fest: "Die Hauptgruppen der Aufständischen sind in der Reihenfolge der Bedrohung, die von ihnen ausgeht: die Taliban, deren Führung in Quetta, einer Stadt in der pakistanischen Provinz Balutschistan sitzt (QST), das Haqqani-Netzwerk (HQN) und Gulbuddins Hezb-e Islami (HiG)."

Die letzten beiden sind nach ihren Gründern und gegenwärtigen Führern Jalaluddin Haqqani (s. http://en.wikipedia.org/wiki/Jalaluddin_Haqqani ) und Gulbuddin Hekmatyar (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Gulbuddin_Hekmatyar ) benannt, den zwei Mudschaheddin-Lieblingen der CIA aus 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Stellvertretender Direktor der CIA war von 1986-1989 Robert Gates, der jetzt als US-Verteidigungsminister für den Krieg in Afghanistan verantwortlich ist. Und neuerdings auch für den Krieg im Jemen.

In seinem 1996 veröffentlichten Buch "From the Shadows" (Über die Schatten) rühmt sich Gates: "Die CIA erzielte mit verdeckten Aktionen wichtige Erfolge. Die wahrscheinlich folgenreichsten in Afghanistan, wo die CIA über ihre Verbindungen (zum pakistanischen Geheimdienst ISI) die Mudschaheddin mit Milliarden Dollars für Waffen und Nachschub versorgte." [8]

Die NEW YORK TIMES enthüllte 2008 diese Details: "In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde Jalaluddin Haqqani als "einzigartige Stütze" der CIA gefeiert und erhielt für seinen Kampf gegen die sowjetische Armee in Afghanistan mehrere zehntausend Dollar in Cash; das berichte Steve Coll in seinem jüngsten Buch '"The Bin Laden's" (Die Familie Bin Laden). Damals half und schützte Haqqani den (Al-Qaida-Gründer) Osama bin Laden, der eine eigene Miliz zum Kampf gegen die sowjetischen Streitkräfte aufbaute." (s. http://www.nytimes.com/2008/09/09/world/asia/09pstan.html?_r=1 [9] Coll ist auch der Autor des Buches "Ghost Wars: The Secret History of the CIA, Afghanistan, and Bin Laden, from the Soviet Invasion to September 10, 2001" (Geisterkriege: Die geheime Geschichte der CIA, Afghanistans und Bin Ladens von der sowjetischen Invasion bis zum 10. September 2001).

Haqqanis Kollege Hekmatyar "erhielt über ISI, den pakistanischen Geheimdienst, Millionen Dollars von der CIA. Gulbuddins Hezb-e-Islami (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Hezb-e_Eslami ) wurde am stärksten von Pakistan und Saudi-Arabien unterstützt und arbeitete mit Tausenden Mudschaheddin zusammen, die aus dem Ausland nach Afghanistan gekommen waren." (s. dazu auch http://en.wikipedia.org/wiki/Gulbuddin_Hekmatyar ) [10]

Im Mai 2009 sagte der äußerst pro-amerikanische pakistanische Präsident Asif Ali Zardari in der amerikanischen TV-Sendung NBC NEWS, die Taliban sind "ein Teil unserer Vergangenheit und Ihrer Vergangenheit, und der ISI und die CIA schufen sie gemeinsam. Die Taliban sind eine Plage, die wir zusammen geschaffen haben." [11]

Am 11. September 2001 gab es auf der Welt nur drei Staaten, die das Taliban-Regime in Afghanistan anerkannt hatten: Pakistan, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. US-Präsident George W. Bush nannte sofort danach sieben Staaten, die angeblich die Terroristen unterstützt hätten, als Kandidaten für eine potenzielle Vergeltung: Kuba, den Iran, den Irak, Libyen, Nordkorea, den Sudan und Syrien. Nur der Sudan, der Osama bin Laden 1996 ausgewiesen hat, hatte überhaupt irgendwelche erkennbaren Verbindungen zu Al-Qaida. Von den neunzehn Beschuldigten, die am 11. September die Flugzeuge entführt haben sollen, stammten fünfzehn aus Saudi-Arabien, zwei aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, einer aus Ägypten und einer aus dem Libanon.

Pakistan und Saudi-Arabien sind nach wie vor sehr geschätzte politische und militärische Verbündete der USA, und die Vereinigten Arabischen Emirate stellen Truppen, die unter NATO-Befehl in Afghanistan dienen.

Es ist wahrscheinlich unmöglich, den genauen Zeitpunkt zu bestimmen, zu dem von den USA unterstützte, selbsternannte "heilige Krieger" – die dazu ausgebildet wurden, Terroranschläge in Städten zu verüben und Passagierflugzeuge abzuschießen – aufhören, Freiheitskämpfer zu sein und zu Terroristen werden. Es ist aber ziemlich sicher, dass dies geschieht, wenn sie Washington nicht länger von Nutzen sind. Ein
Terrorist, der amerikanischen Interessen dient, ist ein Freiheitskämpfer; ein Freiheitskämpfer, der das nicht mehr tut, ist ein Terrorist.


Jahrzehnte lang standen der African National Congress Nelson Mandelas und die Palestine Liberation Organization Yassir Arafats an der Spitze der Liste, in der das US-Außenministerium Terroristengruppen registriert. Als der Kalte Krieg kaum beendet war, wurden Mandela und Arafat wie Gerry Adams von der (nordirischen) Sinn Fein ins Weiße Haus eingeladen. Das erste erhielt den Friedensnobelpreis 1993 und der zweite 1994.

Wenn ein selbst ernannter "heiliger Krieger" in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts Saudi-Arabien oder Ägypten verließ und nach Pakistan ging, um gegen die afghanische Regierung und ihre sowjetischen Verbündeten zu kämpfen, war er in den Augen der US-Amerikaner ein Freiheitskämpfer. Wenn er anschließend in den Libanon kam, war er ein Terrorist. Wenn er Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts nach Bosnien ging, war er wieder ein Freiheitskämpfer. Wenn er danach im Gaza-Streifen oder im Westjordanland auftauchte, galt er wieder als Terrorist. Im russischen Nordkaukasus war er ein neugeborener Freiheitskämpfer, wenn er aber 2001 nach Afghanistan zurückkehrte, wurde er wieder zum Terroristen.

Je nachdem, wie der Wind in Foggy Bottom (einem Stadtteil Washingtons) weht, ist ein
bewaffneter Separatist des Baloch-Volkes in Pakistan oder ein Kashmiri in Indien entweder ein Freiheitskämpfer oder ein Terrorist.

Noch 1998 beschrieb Robert Gelbard, der US-Sondergesandte für den Balkan, die Kosovo Liberation Army / KLA, die gegen die jugoslawische Regierung kämpfte, als eine Terrororganisation: "Ich erkenne einen Terroristen, wenn ich einen sehe, und diese Männer sind Terroristen." [12]

Im Februar des nächsten Jahres lud die US-Außenminister Madeleine Albright fünf Mitgliedern der KLA, darunter deren Chef Hashim Thaci, nach Rambouillet in Frankreich ein, und stellte Jugoslawien ein Ultimatum, von dem sie wusste, dass es abgelehnt und zum Krieg führen würde. Im nächsten Jahr begleitete sie Thaci auf einer persönlichen Einladungstour ins Hauptquartier der Vereinten Nationen und ins US-Außenministerium und nahm ihn als Gast zum Parteitag nach Los Angeles mit, auf dem der Präsidentschaftskandidat der Demokraten nominiert wurde.

Am 1. November dieses Jahres hatte Thaci, der jetzt Premierminister eines Pseudo- Staates ist, den nur 63 der 192 Nationen der Welt anerkannt haben, den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton zu Gast, um ihn durch die Enthüllung eines Clinton-Denkmals für seine Verbrechen zu ehren und seiner Eitelkeit zu huldigen.

Von der Mitte der 70er Jahre bis 1991 unterstützte Washington bewaffnete Separatisten in Eritrea in ihrem Kampf gegen die äthiopische Regierung.

Zur Zeit bewaffnen die Vereinigten Staaten Somalia und Djibouti für einen Krieg gegen das unabhängige Eritrea. Das Pentagon hat seine erste dauerhafte Militärbasis in Afrika in Djibouti errichtet; dort hat es 2.000 Soldaten stationiert, die mit Hilfe von Drohnen Somalia und den Jemen kontrollieren.

Balzac lässt sein Romanhelden Vautrin sagen: "Es gibt keine Prinzipien, es gibt nur Ereignisse; es gibt auch keine Gesetze, sondern nur Verhältnisse."

Jetzt lernen die Jemeniten die Gesetze des Dschungels kennen, nach denen das Pentagon und das Weiße Haus handeln. Nach dem Irak und Afghanistan, wo Stanley McChrystal, der Spezialist für Aufstandsbekämpfung, seine Techniken perfektioniert hat, gehört jetzt auch der Jemen zu den Staaten, in denen das Pentagon auf diese spezielle Art Krieg führt – mit zahlreichen Massakern an Zivilisten und anderen so genannten Kollateralschäden – wie Kolumbien, Mali, Pakistan, die Philippinen, Somalia und Uganda.

Anmerkungen
1) BBC News, 14. Dezember 2009
2) Press TV, 14. Dezember 2009
3) Daily Telegraph, 13. Dezember 2009
4)Yemen Post, 13. Dezember 2009
5) ebd.
6) Tehran Times, 10. Dezember 2009
7) United Press International, 25. August 2009
6/11
8) BBC News, 1. Dezember 2008
9) The New York Times, 9. September 2008
10) Wikipedia
11) Press Trust of India, 11. Mai 2009
12) BBC News, 28. Juni 1998

(Wir haben den Artikel komplett übersetzt und mit zusätzlichen Anmerkungen in Klammern und Hervorhebungen versehen. Am 18.12.09 wurde in den ABC NEWS berichtet, dass bei von Obama angeordneten Marschflugkörper-Angriffen auf "Al-Qaida Schlupfwinkel" im Jemen 120 Menschen – die meisten davon Zivilisten – getötet wurden (s. http://abcnews.go.com/Blotter/cruise-missiles-strike-yemen/story?id=9375236&page=1 ).

Quelle und Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de