Um sich vor dem Zusammenbruch zu retten, sollen Banken Drogengelder des organisierten Verbrechens gewaschen haben, sagt UNODOC-Chef Antonio Maria Costa.
Von Rajeev Syal
( guardian.co.uk / THE OBSERVER, 13.12.09 )
UNODOC-Chef Antonio Maria Costa erklärte, er habe Beweise dafür, dass Geld des organisierten Verbrechens "das einzige flüssige Investment-Kapital" war, das einige Banken im letzten Jahr vor dem Zusammenbruch rettete. Er behauptete, dass der größte Teil der 352 Milliarden Dollar (216 Milliarden Pfund bzw. 249,8 Milliarden Euro) Gewinn aus dem Drogengeschäft in die Finanzwirtschaft geflossen sei.
Das wirft die Frage auf, welchen Einfluss das (organisierte) Verbrechen in Krisenzeiten auf die Weltwirtschaft ausübt. Damit wird eine weitere Überprüfung des Bankensektors notwendig, wie ihn führende Staatsmänner wie Barack Obama und Gordon Brown fordern, die neue Regularien für den International Monitary Fund (den Internationalen Währungsfonds / IWF, s. hier und hier ) anstreben. Von seinem Büro in Wien aus erklärte Costa, Beweise für das Einschleusen illegalen Geldes in das Finanzsystem habe er zum ersten Mal vor 18 Monaten von Geheimdiensten und Staatsanwälten erhalten. "In vielen Fällen war das Geld aus Drogengeschäften das einzige flüssige Investment-Kapital. In der zweiten Hälfte des Jahres 2008 war die Liquidität das Hauptproblem des Bankensystems, und deshalb wurde flüssiges Kapital ein wichtiger Faktor," sagte er.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Seinem Büro vorliegende Beweise belegten, dass einige Banken mit Geld des organisieren Verbrechens vor dem Zusammenbruch gerettet wurden, als sie kein (legales) Geld mehr leihen konnten, fügte er hinzu.
"Die Banken liehen sich gegenseitig Geld, das aus dem Drogenhandel und anderen ungesetzlichen Aktivitäten stammte. Es gibt Anzeichen dafür, dass einige Banken auf diesem Weg gerettet wurden." Costa lehnte es ab, Länder oder Banken zu nennen, die Drogengeld erhalten haben könnten; das sei unpassend, weil sein Büro das Problem zwar aufzeigen, die Täter aber nicht verfolgen könne. Das Drogengeld sei jetzt aber Teil des offiziellen Systems und damit effektiv gewaschen worden.
"Das geschah im letzten Jahr, als das System wegen der Weigerung der Banken, sich gegenseitig Geld zu leihen, regelrecht paralysiert war. Mit der schleichenden Einschleusung des Drogengeldes in das Finanzsystem haben einige Banken den Kurs ihrer Aktien erheblich verbessert; gleichzeitig sind die Probleme mit dem illegalen Geldes viel kleiner geworden ist," ergänzte er.
Der IWF schätzt, dass Großbanken in den USA und in Europa von Januar 2007 bis September 2009 durch faule Papiere und geplatzte Kredite mehr als eine Billion Dollar verloren haben und mehr als 200 Hypothekenbanken Bankrott machten. Auch viele Großbanken erlitten hohe Verluste und mussten entweder zwangsweise verkauft oder verstaatlicht werden.
Nach Schätzungen der Vereinten Nationen macht das organisierte Verbrechen die meisten Gewinne mit Drogengeschäften und hat etwa 352 Milliarden Dollar angehäuft. Der Gewinn wird traditionell in Bargeld aufbewahrt oder in Offshore-Steueroasen geparkt, um ihn vor den Behörden zu verbergen. Es ist davon auszugehen, dass Hinweise über das Einschleusen des Drogengeldes in Banken von Offiziellen aus Großbritannien, der Schweiz, Italien und den Vereinigten Staaten kamen.
Britische Banker sähen gern irgendwelche Beweise, mit denen Costa seine Behauptungen stützen kann. Ein Sprecher der British Bankers' Association (der Vereinigung britischen Banker) sagte: "Mit uns wurden keinerlei Gespräche geführt, die eine Theorie dieser Art stützen könnten. Es gab natürlich einen Mangel an der Liquidität im System, der wurde aber in großem Maße durch das Eingreifen der Zentralbanken behoben."
Quelle und Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de
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