AUTOR: Adam KELLER àãí ÷ìø
Übersetzt von Ellen Rohlfs
Es waren einmal zwei Freunde, ein Hase und eine Schildkröte. Sie gingen gemeinsam zur Polizei in Jerusalem.Ist dies Erziehung?
Der schnelle Hase war sehr eifrig auf der Polizei. Er rannte hierhin und dorthin und überallhin. Er war in Sheikh Jarah und half beim Vertreiben der palästinensischen Familien und ließ die Siedler ihre Häuser übernehmen. Er schlug die Demonstranten, die zu protestieren wagten. Und er rannte nach Shuafat, überfiel und verhaftete spät in der Nacht und während des Tages, ging auf die Jugendlichen los, besprühte sie mit Tränengas. Er hatte ein sehr geschäftiges Leben, der schnelle Polizeihase. Seinem Freund, der Polizeischildkröte wurde eine wichtige Aufgabe gegeben: Sie sollte auf die Siedler in jenem illegalen siebenstöckigen Hochhaus zugehen, das mitten in Silvan errichtet wurde. Er sollte ihnen sagen, dass sie schließlich dem Bescheid des Obersten Gerichtshofes gehorchen müssten. Der Schildkröte wurde der Ausweisungsbefehl gegeben, und sie machte sich langsam auf den Weg – im Schneckentempo natürlich und irgendwann ist sie dort ankommen. Vielleicht morgen, vielleicht nächstes Jahr, wer weiß. Eine Schildkröte kann man nicht zur Eile antreiben.
General Gabi Askenazi, der Generalstabschef, hat sich sehr über seine Alma Mater, das Gymnasium Herzlia, in Tel Aviv geschämt. Dieses feine, alte Gymnasium mit seinen stolzen Traditionen ist in diesen Tagen sehr heruntergekommen. Es ist in die Krallen dieses schrecklichen Direktors Dr. Zeew Dagani gefallen. Ein Mann, der tatsächlich glaubt, dass Lehrer besser qualifiziert seien zu lehren, als die fein dekorierten Offiziere, die die Armee und das Bildungsministerium an seine Schule sendet. Und -Irrlehre der Irrlehren - er wagt tatsächlich im Radio zu sagen, es sei besser, eine Schule nach der Zahl derer zu beurteilen, die gut an der Universität vorankommen, als daran, wie viele sich nachher in Kampftruppen der Armee melden.
Das ist wirklich unerträglich: unsere Kinder in der Obhut von Dagani! Woher sollen wir denn im nächsten Krieg die Soldaten bekommen, die jedem Befehl zum Töten gehorchen und keine Fragen stellen?
Die passende Strafe
Weiße Phosphorbomben sind unmenschliche Waffen. Weiße Phosphorteilchen brennen unauslöschlich und brennen sich immer tiefer ins lebendige Fleisch nach allen Richtungen hinein und verursachen schreckliche Schmerzen, die in einem grausamen Schmerz enden. Dies war das Los vieler Bewohner des Gazastreifens, genau vor einem Jahr.
Weiße Phosphorbomben in bevölkerte Gebiete zu schießen, ist ein Akt, der vom Völkerrecht streng verboten ist. Schlicht und einfach ein Kriegsverbrechen
Die IDF – die „moralischste Armee der Welt“ - fand passende Strafen für jene, die diese Akte befohlen haben: man schrieb einen Vermerk. Ja, schrieb einen Vermerk in eine Akte, die dann zu den andern Akten gelegt wird und in irgend einem Archiv vergessen wird.
Das ist Israels Antwort auf den Goldstone-Bericht. Dem Rest der Welt – abgesehen von Alain Derschowitz und Silvio Berlusconi - wird es kaum gelingen, über den Witz zu lachen.
Ein wirklicher Israeli drückt sich nicht
„Ein wirklicher Israeli drückt sich nicht“, heißt es auf Plakaten, die man überall im Lande hängen sieht. Irgend jemand, der viel Geld hat, hat sie dort angebracht. (Mit Geld von Spendern aus Israel oder aus dem Ausland?)
Ganz richtig. Ein wirklicher Israeli drückt sich wirklich nicht vor seinem zivilen oder moralischen Dienst. Selbst dann nicht, wenn es hart ist und nicht gerade Spaß macht und sogar unpopulär ist und manchmal sogar gefährlich.
Ein wirklicher Israeli drückt sich nicht, gegen die Unterdrückung und Ungerechtigkeit zu protestieren. Ein wirklicher Israeli drückt sich nicht, auch dann nicht, wenn die Soldaten in Bilin Tränengas abschießen und die Polizei mit ihren Knüppeln sogar bereit ist, die Demonstranten in Sheik Jarah in ihre Haftzellen zu zerren.
Wirkliche Israelis drücken sich nicht davor, ihre Stimmen zu erheben, wenn die Armee des Landes Kriegsverbrechen begeht. Und wenn die staatlichen Stellen sich vor ihrer Pflicht drücken, die Kriegsverbrechen ernsthaft zu untersuchen – und die Täter auch ernsthaft zu bestrafen. Und ein wirklicher Israeli drückt sich nicht davor, vor jenen Zeugnis abzulegen, die die juristischen Untersuchungen vornehmen.
Die Menschenrechtsaktivisten sind wirkliche Israelis und auch die vom New Israel Fund.
Mit dem Feuer spielen
Ein Außenminister ist der erste Diplomat seines Landes. Es ist der Job eines Außenministers
ruhig und höflich zu sprechen, die Dinge zu besänftigen, Spannungen zu beruhigen und so gut wie möglich, ein vernünftiges und moderates Image seines Landes vorzustellen, auch wenn das Land des Ministers nicht wirklich so ist.
Der Außenminister sollte gewiss nicht der aggressivste der Provokateure sein, mit den Schwertern klirren und kühne Kriegsdrohungen ausstoßen. Dann muss sich keiner Illusionen machen, dass Avidor Lieberman genau an der richtigen Stelle als Außenminister steht.
Eine Person, die sich daran erfreut, mit Feuer zu spielen und jeden Tag ein oder zwei Streichhölzer an einer sensiblen Stelle entzündet, ist schließlich verpflichtet, einen Großbrand zu entzünden.
Und derjenige, der einen Pyromanen ernennt, eine Feuerwehrbrigade zu leiten …. Ach, da fehlen mir die Worte.
Eine Frage der Heiligkeit
Pinchas Wallerstein, von einem Teil der Medien als „moderater Siedler“ gepriesen, rief vor ein paar Tagen einem Siedlerkollegen zu, er solle nicht die Heiligkeit der IDF beschädigen.
Die Heiligkeit der IDF. Die heilige IDF. Die heilige Armee. In jedem andern Land der westlichen demokratischen Welt, zu der Israel so gerne gehören will, würden diese Worte doch sehr merkwürdig klingen – als ob sie nicht ins Jahr 2010 gehören.
Im Mittelalter gab es tatsächlich solche Dinge. Heilige Armeen gab es überall in Europa, Befehle für kämpfende Mönche, die zu Kreuzzügen oder Heiligen Kriegen aufbrachen. Aber all das ist aus der Mode gekommen – schon seit Hunderten von Jahren.
In jenen Zeiten hatten die Juden keine heilige Armeen. Juden, die das Pech hatten, sich auf dem Weg heiliger Armeen zu befinden, fanden ein bitteres Ende. Aber es scheint, dass tausend Jahre außerhalb des Zeitplanes jemand versucht, die verlorene Zeit nachzuholen und hier eine heilige Armee schaffen will und uns per Schnellzug ins Mittelalter schicken will.
Quelle: The turtle and the hare
Originalartikel veröffentlicht am 9.2.2010
Über den Autor
Ellen Rohlfs ist eine Mitarbeiterin von Tlaxcala, dem internationalen Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, die Übersetzerin als auch die Quelle genannt werden.
URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=10035&lg=de
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