Mittwoch, 16. Juni 2010

INDIEN: Situation in Orissa verschlechtert sich

AUTOR: Surya Shankar Dash सूर्य शंकर दास

Übersetzt von Einar Schlereth


Die Situation in Orissa verschlechtert sich nach und nach in allen Gebieten, wo Menschen tapferen Widerstand gegen zwangsweise Landerwerbung und sinnlosen Bergbau und Industrialisierung geleistet haben auf Kosten des Lebens und des Lebensunterhalts von Millionen Menschen. Es ist sehr schwer zu sagen, ob diese Bewegungen der Katastrophe widerstehen können, die unmittelbar bevorsteht. Aus folgenden Gründen:

1. Der Tod der politischen Opposition gegen die herrschenden Regime, da es generell einen unerklärten Konsens im Verhalten gegenüber dem Finanzkapital gibt, das enorme finanzielle Gewinne für einzelne politische Führer und die herrschenden Eliten mit sich bringt.

2. Politische Parteien wie die CPI und die CPI (M), die ein volkstümliches Image haben, sind offen auf die Linie von scheußlichen Regimes wie dem Biju Janata Dal eingeschwenkt unter dem einen oder anderen Vorwand (Preissteigerungen oder Kommunalismus), wodurch sie ihre gelegentliche Opposition zu gewissen Vorkommnissen bezüglich der Staatsmacht zu einer großen Farce machen.

3. Die Medien stellen sich sehr offen, schamlos und manchmal scharfsinnig auf die Seite, die dem ungehemmten Marsch des globalen Finanzkapitals paßt. Als Ergebnis erhalten die einfachen Leute in einer medienabhängigen Demokratie keine Gelegenheit, von den furchtbaren Tragödien etwas zu erfahren, die im Namen der Errichtung von Mega-Projekten auftreten. So wird es äußerst schwierig selbst für engagierte und vernünftig denkende politische und soziale Kräfte, eine öffentliche Meinung gegen derlei vom Staat geförderten resp. unterstützten Brutalitäten aufzubauen.

4. Jedes einzelne kulturelle oder literarische Ereignis in der Hauptstadt eines Bundesstaates oder Distriktes wird von den Mega-Industrien gesponsort, und auf diese Weise werden die sogenannen Eliten/Intellektuellen bequem von den Mammuth-Unternehmen kooptiert. Die kritische Unterstützung, die für jede Volksbewegung notwendig ist, bekam nicht die Erlaubnis zu wachsen, abgesehen von einigen wenigern Außenseiterindividuen.

5. Die kleineren politischen Gruppen, die progressiv sind, mit dem Volk sympathisieren und aufgeschlossen den meisten Themen gegenüber sind, die gewöhnliche Sterbliche angehen, müssen erst noch die historische Notwendigkeit einsehen, sich zusammenzuschließen zu einer Zeit, wo die Angst vor dem Verschwinden beinahe an jede ihrer Türen geklopft hat.

6. All dies zusammengenommen hat eine Atmosphäre von Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit im Staate geschaffen.

Lest bitte die neuesten Nachrichten über die Ereignisse

Kalinga Nagar: Jajpur SP & DM verwandeln sich in Priester für Tatas 'bhumi puja'

In Kalinga Nagar bekommen wir das wahre Antlitz des Ungeheuers, d.h. des korporativen Polizeistaates zu sehen. Während das Hohe Gericht von Orissa über zwei PILs (Public Interest Litigation = Anklage im öffentlichen Interesse) gegen die Polizei brütet wegen deren Gräueltaten, die wir in den vergangenen Monaten beobachten konnten, haben sich gestern die Jajpur SP & DM in Priester für Tatas 'Bhumi Puja' [uralte Zeremonie zur Bitte an die Mutter Erde, graben zu dürfen. D.Ü.] verwandelt.

Gestern früh kamen etwa 10 Züge bewaffneter Polizisten in der Nähe des Dorfes Ambagadia zusammen mit der SP, DM, ADM & verschiedenen anderen Offizieren an. Unter ihrem Schutz führten eine Handvoll von pro-Tata-Leuten ein 'bhumi puja' auf und nahmen offiziell wieder die Bautätigkeit auf, die nach dem Massaker vom 2. Januar 2006 gestoppt worden war. Interessanterweise ist nicht ein einziger Angestellter in dem Gebiet anwesend gewesen. Sie meinten vielleicht, das sei nicht nötig, da ja die DM & SP die loyalsten Diener von Tata sind. Die Farce der Wiederaufnahme der Bautätigkeit bestand aus einem JCB-Bulldozer, der angeblich Erdbewegungen ausführte. Diese Arbeit wurde auf dem Land ausgeführt, das Leuten gehört, die gegen die Vertreibung sind und solche, die nicht das R & R-Paket (Rehabilitationspaket) akzeptiert haben. Eine Ansammlung von Frauen stand vor der JCB-Maschine und protestierte, bis alle Leute von Tata, einschließlich der SP & DM gegangen waren.

Heute kamen sie wieder und taten wieder dasselbe. Der einzige Unterschied war der, dass die pro-Tata Indigenen zuerst mit einem Bus von der Aussiedlerkolonie herangebracht wurden und, nachdem sie auf starken Widerstand stießen, die Polizei riefen. Da die Polizei wegen ihrer Gräueltaten bereits vom Höchsten Gericht beobachtet wird, schafft man eine Situation, wo pro- und anti-Tata-Gruppen aneinander geraten. Ihre Strategie funktionierte, und die JCB-Maschine konnte unter Polizeischutz eingesetzt werden.

Diese Nachricht erschien in den meisten Zeitungen, wurde aber auf eine sehr clevere und verzerrte Art und Weise präsentiert, dass nämlich „Indigene die bhumi puja für das Tata-Projekt durchführten“. Keiner dieser Reporter war wirklich am Ort des Geschehens gewesen, und aus den Berichten in Tageszeitungen wie Anupam Bharat & Aromv geht hervor, dass die Puja und die hinterhältige Idee, Indigene gegen Indigene zu hetzen, nicht im Büro von Tata, sondern eher in dem von Prafulla Ghadei oder denen der SP-DM ausgebrütet wurden.

Niyamgiri: Vedantas illegale Expansion geht weiter – Ermittler werden getäuscht – Goondas (bewaffnete Gangster) auf der Lauer


Ein gewisser Forstkonservator wurde nach Lanjigarh geschickt, um herauszufinden, ob Vedanta illegale Expansionsarbeiten in Waldgebieten unternehme. Er verkürzte seinen Besuch auf einen Tag statt vier (17. - 24. Mai), nachdem die Maoisten zu einem bandh (Streik) aufgerufen hatten. Am Tag, als er Lanjigarh besuchte, wurden die Erweiterungsarbeiten einfach eingestellt, und daraus schloß der Konservator, dass es keine Erweiterung gab. Es scheint, dass er einen Bericht schrieb, der jetzt Vedanta begünstigte.

Da die Position von Jairam Ramesh wackliger denn je wird, hat sich das Vedanta-Lager begonnen zu freuen, dass man die Genehmigung innerhalb eines Monats bekommen werde. Als Maßnahme gegen die andersdenkenden der Dongria Kondh-Urbevölkerung, ist man eifrig dabei, in allen Dongria-Dörfern, die erreichbar sind, Geld zu verteilen. Man spricht auch davon, dass Vedanta ein paar junge gebildete Dongiras sponsort, um am 5. Juni eine Veranstaltung durchzuführen, um dadurch das Mango-Fest und die Protestveranstaltung zu sabotieren, die von Niyamgiri Suraksha Samiti organisiert wird. Um es Vedanta leichter zu machen, wurden Gerüchte in die Welt gesetzt, wonach das Mango-Fest ein fingiertes Treffen sei.

Vor zwei Tagen haben goondas auf Motorrädern Lingaraj Azad von der NSS vor der Lanjigarh-Raffinerie gestoppt und versucht, ihn einzuschüchtern. Sie durchstachen seine Reifen und sprachen Todesdrohungen aus. Azad reparierte seine Reifen und setzte seine Fahrt nach Rengopali fort, aber er mußte noch zweimal die gleiche Einschüchterung und Reifenpunktierung durchmachen. Schließlich mußte er umkehren und konnte nicht die Dörfer besuchen, wie er es vorgesehen hatte.

Auch ein anderes Team, das aus Medienleuten und Politikern bestand, wurde von der Don Chakra Pesnia Mafia in Lanjigarh gejagt, weil sie nicht will, dass die Dorfbewohner vor der Delegation den Mund aufmachen. Chakra Pesnia ist dieselbe Person, die Aktivisten, Journalisten und Ortsbewohner im vergangenen Jahr misshandelt hat, als auf einer öffentlichen Versammlung die sechsfache Ausweitung von Vedanta diskutiert wurde. Manche Quellen sagen, dass Vedanta in den kommenden Tagen mit aktiver Unterstützung der Regierung in die Offensive gehen wird. Das Forstministerium plant, einen Schrein zu zerstören, der vor ein paar Monaten auf dem Gipfel des Niyamraja errichtet wurde.

Dhinkia: Nach Lathi-Schlägen*, präsentiert die Regierung ihr R&R Paket

Nach der brutalen und unmenschlichen Attacke auf die friedlichen Demonstranten in Balitutha am 15. Mai, hat es eine Serie von Ankündigungen der Regierung gegeben, aber keine ärztliche Hilfe genau wie in Kalinga Nagar. Der CM sagte, Dhinkia wird nicht erworben und die Vermessungsarbeiten werden nicht durchgeführt ohne vorherige Lösung der Angelegenheit durch Gespräche mit der PPSS. Aber es wurden Versuche gemacht, die Vermessung unter Polizeischutz durchzuführen, und wenn die Leute sich zu sehr widersetzten, wurden sie eingestellt.

Dann traf gestern eine fünf-Mann-Delegation der PPSS mit der Distriktverwaltung von Jagatsingpur zusammen, um die Angelegenheit zu besprechen. Dabei gab der RDC eine Darstellung von den R&R-Angeboten von POSCO, die von der Delegation abgelehnt wurden. Die PPSS hat wiederholt ihren Standpunkt klargemacht, dass sie in ihrem Land kein POSCO-Projekt erlauben würde. Die Regierung hat sich geweigert, eine Velegung des Projektes in Erwägung zu ziehen. Die Delegation lieferte einschlägige Beweise, dass der DM betrügerische Erklärungen über den Status der FRA abgegeben habe, und dass die Menschen tatsächlich seit mehr als 75 Jahren im Besitz des Waldlandes seien.

*Lathi = die langen Knüppel der indischen Polizei.

Quelle: Orissa Concerns-Orissa Situation Worsening

Originalartikel veröffentlicht am 31.5.2010

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