Donnerstag, 30. September 2010

Bisher keine Erleichterungen für Gaza - entgegen aller Versprechen

Entgegen zahlreicher Berichte der Mainstream, hat Israel, laut Menschenrechtsorganisation "Palestinian Center for Human Rights"(PCHR), bislang keinerlei Erleichterungen für Ein- und Ausfuhren dringend benötigter Güter nach und von Gaza durchgeführt. Das geht aus einer Pressemitteilung hervor, die die schwedische Hilfsorganisation "Ship to Gaza-Sverige" veröffentichte, die ich unten übersetzt habe.

FH
"Ship to Gaza-Sverige Pressmeddelande 2010-09-28,

”Keine sinnvollen Erleichterungen der Blockade des Gazastreifens”

Palestinian Center for Human Rights (PCHR), Menschenrechtsorganisation in Gaza, die unter der Leitung von Raji Souranis hohes internationales Ansehen genießt, stellt in ihrem letzten Bericht fest, daß die von Israel behaupteten "Erleichterungen" der Blockade nicht den Tatsachen entspricht. Keine "sinnvollen Veränderungen" (meaningful changes), sind laut der Organisation bis Mitte September 2010 durchgeführt worden. Sie hat die Ein- und Ausfuhren von Waren- und Personentransporte an sämtlichen Grenzübergängen kontrolliert. PCHR weist die Behauptung zurück, daß der Warenimport kvantitativ und kvalitativ zugenommen habe. Das meiste das eingeführt werden darf sind Konsumwaren, die bei Weitem nicht dem vorhandenen Bedarf entsprechen. Die Einfuhr von Rohstoffen für die Produktion oder von Baumaterial, die dringend für den Wiederaufbau benötigt werden, ist immer noch mit einem totalen Verbot belegt. Außerdem hat das israelische Militär ein Verbot gegen jedweden Export von Agrar- und Industrieprodukten verlängert. Die Folge ist, Gaza ist auch weiterhin vollständig auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Ship to Gaza-Sverige wiederholt seine Forderung an Israel, Ägypten aber auch an die internationale Gesellschaft, dafür zu sorgen, daß die illegale, inhumane und für alle beteiligten Parteien destruktive Blockade Gazas, unmittelbar und vollständig aufgehoben wird. Wir wiederholen auch unser Versprechen, zusammen mit unseren Koalitionspartnern innerhalb der Freiheitsflotte, wir werden wieder mit einem friedlichen Solidaritätskonvoi, beladet mit dringend benötigten Hilfsgütern, nach Gaza segeln falls die Blockade nicht vorher beendet wird.

Link PCHR:s Rapport: http://www.pchrgaza.org/portal/en/index.php?option=com_content&view=article&id=6999:state-of-the-gaza-strips-border-crossings-01-15-september-2010-&catid=140:eu-project&Itemid=238

Ship to Gaza-Sverige

www.shiptogaza.se


Sie wollen Venezuelas Öl


Nach den Parlamentswahlen

In seinem neuen Essay macht sich Kubas Revolutionsführer Fidel Castro Gedanken zum Wahlausgang in Venezuela. Castro weist auf folgende Punkte hin: 'Die Bolivarische Revolution' bleibt weiter an der Regierungsmacht; sie verfügt über eine Mehrheit im Parlament und könnte, so Castro, jederzeit Millionen Venezolaner mobilisieren, um für den Sozialismus zu kämpfen.

Fidel Castro:

Gestern habe ich geschrieben: Was würde ich tun, wenn ich ein Venezolaner wäre? Ich habe erläutert, weshalb die Armen stets am stärksten von Naturkatastrophen betroffen sind. Etwas weiter unten fügte ich hinzu "... wo der Imperialismus regiert und die opportunistischen Oligarchien einen höheren Anteil an den nationalen Gütern und Dienstleistungen abbekommen, haben die Massen nichts zu gewinnen und nichts zu verlieren. Das Imperium schert sich einen Dreck um Wahlen... In den USA gehen - selbst bei Präsidentschaftswahlen - weniger als 50% aller registrierten Wähler/innen überhaupt an die Urne".

Aus Gründen der Aktualität füge ich hinzu: Selbst wenn - wie demnächst - über das gesamte US-Repräsentantenhaus, über einen Teil des Senats und andere wichtige Ämter neu entschieden wird, gehen in den USA nicht mehr Wähler/innen zur Wahl.

Stellt sich die Frage, warum sie ihren enormen Medienapparat in Bewegung gesetzt haben, um die 'Revolutionäre Bolivarische Regierung Venezuelas' in einem Meer aus Verleumdung und Lüge zu ertränken. Nun, um was es ihnen eigentlich geht, ist das venezolanische Öl.

In diesem Wahlkampf konnten wir beobachten, wie eine Gruppe Hundesöhne - gemeinsam mit den örtlichen Presse-, Radio- und TV-Söldnern – versuchten, Venezuelas Pressefreiheit zu eliminieren.

Der Feind kann einen Teilsieg verbuchen. Er konnte verhindern, dass die Bolivarische Regierung ihre Zweidrittelmehrheit im Parlament halten konnte.

Vielleicht glaubt das Imperium,, einen großen Sieg errungen zu haben.

Ich denke, genau das Gegenteil ist der Fall. Das Resultat der Parlamentswahlen vom 26. September ist ein Sieg der Bolivarischen Revolution und deren Führer Hugo Chavez Frias.

Bei den Parlamentswahlen 2010 war eine Rekordwahlbeteiligung von 66,45% zu verzeichnen. Trotz all seiner Ressourcen gelang es dem Imperium nicht, die PSUV (venezolanische Regierungspartei - Anmerkung d. Übersetzerin) zu verdrängen. Diese errang 95 der 165 Parlamentssitze (6 weitere Sitze sind noch ungewiss). Das wichtigste Resultat dieser Wahl ist jedoch, dass mehr Frauen, mehr junge Menschen und mehr bewährte Streiter ins Parlament gewählt wurden.

Die Bolivarische Revolution ist an der Regierungsmacht. Sie verfügt über eine große Mehrheit im Parlament und über eine Partei (PSUV), die jederzeit in der Lage ist, Millionen Venezolaner zu mobilisieren, um für den Sozialismus zu streiten.

Andererseits unterstützt nur ein Bruchteil der venezolanischen Parteien die USA. Diese Parteien haben zwei Dinge gemeinsam: ihre materielle Gier und ihre Angst vor der Revolution.

Doch in Venezuela wird es ihnen diesmal nicht gelingen, einen Staatsstreich anzuzetteln - so wie in Chile gegen Allende oder in anderen lateinamerikanischen Staaten.

Venezuela ist ein Land der Brüder. Die Streitkräfte Venezuelas unterstützen die Regierung nicht nur, sie sind Teil der Revolution. Sie wurden im Geiste des Befreiers (Simon Bolivar) und mit ihm als Beispiel vor Augen erzogen. Aus ihren Reihen erwuchs die heutige Führung Venezuelas – erwuchsen die Menschen, die den Stein dieses Prozesses ins Rollen gebracht haben.

Ein solches Bündnis der Kräfte ist unschlagbar. Nach einem halben Jahrhundert Erfahrung sieht man das sehr viel klarer.

Orginalartikel: What They Want Is Venezuela's Oil

Übersetzt von: Andrea Noll

Quelle: zNet

Mittwoch, 29. September 2010

Die neue Geheimarmee der CIA

Eric S. Margolis
Eric S. Margolis

Enthüllungen, dass die Central Intelligence Agency (CIA) der Vereinigten Staaten von Amerika eine geheime 3.000 Mann starke afghanische Söldnerarmee betreibt, deren Aufgabe die Ermordung von Taliban und al-Qaida-Kämpfern ist, haben einige Beunruhigung in den Vereinigten Staaten von Amerika hervorgerufen.

Dieser Aufsehen erregende Bericht erscheint in einem maßgeblichen neuen Buch, „Obama´s Wars“ („Obamas Kriege“) des investigativen Reporters Bob Woodward, bekannt durch Watergate. Dieser hatte lange Zeit privilegierten Zugang zum Weißen Haus.

Die von den Vereinigten Staaten von Amerika bewaffnete, bezahlte und kommandierte Killertruppe wurde geschaffen, um in Pakistan operieren, wohin amerikanische Truppen offiziell nicht gehen dürfen. Bei den Söldnern handelt es sich hauptsächlich um afghanische Tadschiken, Uzbeken und Hazara – alles traditionelle Feinde der paschtunischen Mehrheit – sowie Verräter, Kriminelle und Söldner.

Ihre Züge in das afghanische Stammesgebiet sind manchmal koordiniert mit den zunehmenden Drohnenangriffen der CIA gegen pakistanische Stammesleute, die schwere Opfer unter der Zivilbevölkerung verursachen.

Die CIA betreibt auch eigene Milizen im südlichen Afghanistan und, laut Berichten, auch in Tadschikistan und Uzbekistan.

Bis zu welchem Ausmaß, wenn überhaupt, die Mordeinheiten der CIA mit den Special Operations Forces der Vereinigten Staaten von Amerika, die ebenfalls Mordeinsätze zur Aufgabe haben, kooperieren ist unbekannt. Die Mordkampagne der CIA in Afghanistan und Pakistan basiert auf der erfolgreichen Kampagne der Agentur im Irak.

Diese afghanischen Revolverleute werden nach lokalen Standards sehr gut bezahlt und rühmen sich hoher Todesquoten bei den Gegnern. Weder die von den Vereinigten Staaten von Amerika installierte Regierung in Afghanistan noch die Regierung Pakistans haben irgendeine Kontrolle über diese paramilitärischen Kräfte.

Verbrechen, Gräueltaten und irrtümliche Tötungen durch die afghanischen Söldner der CIA bleiben unberichtet und unbestraft. Sie haben ihre eigenen Gesetze und stehen in keiner ersichtlichen Verbindung zum militärischen Kommando der Vereinigten Staaten von Amerika in Afghanistan. Zusätzlich operieren verschiedene weitere Gruppen von Söldnern der Vereinigten Staaten von Amerika und Mörder von privaten „Vertragspartnern“ wie dem ehemaligen Blackwater in Afghanistan und Pakistan.

Das Ergebnis ist ein gefährlicher, unübersichtlicher Haufen von angeheuerten Revolverleuten, Special Forces der Vereinigten Staaten von Amerika, Milizen und Regierungstruppen – eine afghanisch-pakistanische Version von Amerikas wilder Dodge City.

Niemand sollte überrascht sein von den Nachrichten, dass von den Vereinigten Staaten von Amerika geführte Söldner nach Pakistan vorstoßen und pakistanische Paschtunen und Taliban und gelegentlich sogar ein Mitglied von al-Qaida töten. Ich habe seit Jahren Berichte über diese Jäger/Killer-Truppe bekommen. Es ist ein offenes Geheimnis in Islamabad und Kabul.

Die pakistanische Regierung hat die Augen verschlossen oder stimmte sogar stillschweigend zu, dass von den Vereinigten Staaten von Amerika geführte Kräfte ihre Souveränität verletzten und ihre Bürger töteten. Islamabad gestattet den Vereinigten Staaten von Amerika auch, tödliche Drohnenangriffe in den Stammesgebieten in Nordwestpakistan ohne vorherige Zustimmung durchzuführen.

In der Tat haben die Vereinigten Staaten von Amerika eine lange Geschichte des Einsatzes von Söldner in ihren Kriegen.

Während des Vietnamkrieges stellte die CIA Söldnertruppen aus Hmong- und Meo-Bergstämmen (Operation Hotfoot) und Nungs zusammen, um Kader des Vietcong zu jagen und zu töten.

Diese bildeten einen Teil der berüchtigten Operation Phoenix der CIA, in deren Verlauf um die 26.000 kommunistische Kader und Sympathisanten ermordet wurden.

CIA-Söldner wurden auch eingesetzt im brutalen Konflikt in den 1980ern in Nicaragua und El Salvador zwischen Rechten und marxistischen Rebellen. Die skrupellosen Todesschwadrone El Salvadors waren sehr effektiv beim Töten von Linken, wie ich selbst sehen konnte, als ich über diese Konflikte berichtete.

Das Modell der Todesschwadrone von El Salvador wurde auf den Irak übertragen, wo Söldner, Kriminelle und Verräter benutzt wurden, um sunnitische Widerstandsgruppen auszuschalten.

Während ihrer Okkupation Afghanistans 1979 – 1989 griffen die Sowjets zu ähnlichen Taktiken. Banden grausamer uzbekischer Söldner, bekannt unter dem Namen „Jowzjani“ wurden geschickt, um Paschtunen zu ermorden, die sich der sowjetischen Okkupation widersetzten. Andere Banden tadschikischer und uzbekischer Kämpfer wurden von Moskau eingesetzt, um ethnische Spannungen anzustacheln.

In den Vereinigten Staaten von Amerika wachsen die Bedenken über die rapid wachsende paramilitärische Rolle der CIA in Afghanistan und Irak – zu denen jetzt Jemen, Somalia, Sudan, Kenia, Uganda und Westafrika dazu kommen.

Viele Geheimdienstprofis warnen, dass die vordringliche Rolle der CIA, nämlich die Beschaffung unverfälschter Information für den Präsidenten, durch deren anwachsende Kampfaufgaben unterminiert wird. Wenn erst einmal Männer und „Aktivposten“ in Mordeinsätze und Kämpfe verwickelt sind, ist es sehr schwierig, objektiv, unparteiisch und neutral zu bleiben. Das Außenministerium der Vereinigten Staaten von Amerika übernimmt ebenfalls eine paramilitärische Rolle im Irak und riskiert die gleiche Vernebelung seiner Urteilsfähigkeit.

Das Militär der Vereinigten Staaten von Amerika ist schwer verärgert über die paramilitärische Rolle der CIA und beschuldigt die Agentur, sie seien „Cowboys“ und „Lehnstuhlkrieger.“ Einige ältere Mitarbeiter der CIA sind bestürzt und sagen, es sei ihr Job, zu denken, nicht zu morden.

Aber die Mittel für die CIA-Krieger fließen. Die Beschäftigung von Revolverleuten in Pakistan ist der neue, heiße Aufgabenbereich der Agentur. Sicher viel attraktiver als Berichte zu schreiben.

erschienen am 27. September 2010 auf > HUFFINGTON POST > Artikel und > ericmargolis.com > Artikel

Quelle: www.antikrieg.com

Dienstag, 28. September 2010

Neuer Piratenakt vom Strolchenstaat

Internationales Recht kümmert ihn nicht. Warum auch? Der kann sich aufführen wie er will und braucht keine internationalen Sanktionen zu befürchten. Ganz im Gegenteil! Er wird für seine Rechtsbrüche von seinen Komplizen dafür auch noch fürstlich entlohnt.

Heute führten israelische Kommandotruppen wieder einen illegalen Seeräuberakt durch, als sie den Katamaran "Irene" in internationalen Gewässern mit militärischen Mitteln stoppten und die neun Aktivisten, die aus Deutschland, Israel, Großbritannien und den USA stammen mit ihrem Schiff in den Hafen von Aschdod entführten. Dieser mafiöse Rechtsbruch muss natürlich belohnt werden.

So erhält Israel 20 Kampfjets der 5. Generation vom Typ F-35 von den bankrotten USA für lau. Will sagen der Deal wird aus den Mitteln der Militärhilfe vom Komplizen "bezahlt". Macht schlappe 2,7 Milliarden US-Dollar. Das erleichtert selbstverständlich die völkerrechtswidrige Unterdrückung, den andauernden Landraub im Westjordanland, sowie die Gaza-Blockade und die permanente Quälerei des palästinensischen Volkes. Unvergessen auch das U-Bootgeschenk des deutschen Komplizenstaates, das die deutschen Steuerzahler hunderte von Millionen Euro kostete und sich vorzüglich für einen Krieg gegen den Iran eignet.

Dieser hochgerüstete Militär- und Unterdrückungsapparat, sieht sich von der Hamas "bedroht". Deutsche Medien werden die Hirne ihrer Leserschaft mit Schlagzeilen wie "Israels Marine stoppt Hilfsschiff ohne Blutvergießen" zumüllen und schon das Ausbleiben des Blutvergießens als große Errungenschaft feiern. Das es sich um simple, kriminelle Piratenakte handelt, die gegen internationales Recht verstoßen, wird sie wieder nicht kümmern. Israel kommt ungestraft davon. Er sieht sich gar von friedlichen Aktivisten bedroht, von denen er im Mai - ohne jede Not - neun auf hoher See brutal ermordete. All das darf man machen, wenn man zum Vorposten internationaler, imperialistisch-kapitalistischer Interessen im Nahen Osten, mit seinen reichen Öl- und Gasvorkommen, aufgebaut wird.

Und wir? Wir beklagen larmoyant das Eingetroffene. So wie die fünf Eumel bei den Hartz-IV-Regelsätzen. Irgendwelche Konsequenzen für das deutsche Politik-Establishment? Ich fürchte nein. Das darf in einer "Demokratie" doch noch gesagt werden. Oder nicht?

FH

© Gegenmeinung

Henning Mankell: Bald steuert eine größere und stärkere Armada nach Gaza


Israels Weigerung den Baustopp im Westjordanland zu verlängern, wird die Kluft zwischen Israelis und Palästinensern vertiefen und zu noch mehr Gewalt führen. Der Widerstand wird aber nicht schwächer werden. Ich weiß, dass eine neue, bedeutend größere Armada im Entstehen ist, schreibt Henning Mankell in einem Debattartikel, den ich aus dem Schwedischen übersetzt habe.

"Ich hoffe, dass heute, am 27. September 2010, das Wetter südlich von Zypern, nicht zu stürmisch wird. Dort, irgendwo in internationalen Gewässern, ist ein Katamaran Richtung Israels Küste unterwegs. Besser gesagt, der Katamaran segelt Richtung Gazastreifen - der Teil palästinensischen Gebiets - der der israelischen Blockade ausgesetzt ist.

An Bord des Katamarans befinden sich Juden, die sich gegen die Blockade wenden und eine friedliche Lösung des Problems anstreben. (Ich weiß jetzt, dass es viele Israelis gibt, die behaupten werden, dass es "selbsthassende" Juden sind, die nicht ihr eigenes Bestes wissen. Ich dagegen glaube fest daran, dass sie sensibel genug sind um zu erkennen, dass das, was sie tun, notwendig ist um ein zukünftiges Blutbad zu verhindern.)

Vor vier Monaten war ich in diesen Gewässern. Ich befand mich auf dem griechisch/schwedischen Frachter "Sofia". Er war in seetüchtigem Zustand, aber nicht viel mehr. Wir waren Teil der ersten Armada, die mit friedlichen Mitteln versuchte, die illegale und unmenschliche Blockade der gefangenen Palästinenser in Gaza zu brechen. An Bord hatten wir so ziemlich alles. Entsalzungsanlagen, Medikamente usw. - außer Waffen.

Ich muss nicht wiederholen, was in der Nacht Ende Mai passierte. Inzwischen ist es weltweit bekannt. In internationalen Gewässern, weit entfernt von der israelischen Küste, schlug die israelische Armee, hart und rücksichtslos, mit Kampfhubschraubern, Kriegsmarine und Kommandosoldaten zu. Die Wahrheit was passiert ist, ist unwiderlegbar: Hätten die Israelis nur die Armada stoppen wollen, so wäre das sehr leicht gewesen. Durch Werfen von Ketten um Ruder und Propeller - und die Schiffe hätten anhalten müssen. Punkt. Ende der Durchsage. Aber Israel entschied sich für die gewalttätige Attacke. Dass es nachher behauptete, die israelischen Soldaten wären gezwungen gewesen sich zu verteidigen, ist eine lächerliche Lüge. Wer griff wen an? Wer war es, der friedlich in internationalen Gewässern segelte? Die Antwort ergibt sich von selbst. Nicht einmal die Israelis selbst haben Kraft und Ausdauer genug, um die Lüge von der Selbstverteidigung aufrechtzuerhalten.

Besonders jetzt nicht, nachdem der gerade veröffentlichten UN-Bericht, von einer "Gewalt der Sonderklasse, was die Brutalität und Proportionen angeht", spricht. Ähnliche Bezeichnungen in einem UN-Bericht, hat es kaum je gegeben.

Neun Menschen sind in jener Nacht getötet worden. Israel wählte eine völlig fehlgeschlagene Strategie. Idiotisch und zynisch, um Klartext zu reden. Die weltweiten Reaktionen waren gewaltig. Heute befindet sich Israel auf dem Rückzug.

Noch ist nichts entschieden, die Blockade dauert an. Auch die israelischen Argumente sind dieselben wie früher: Raketen werden von Gaza auf Israel abgefeuert. Israel hat das Recht sich zu verteidigen.

In diesem Argument liegt der entscheidende Punkt: Man kann bei seiner Argumentation vom Raketenbeschuss ausgehen, ohne die Frage zu stellen: was passierte vorher? Gibt es keine Vorgeschichte? Was passierte im Zusammenhang mit der Ausrufung des israelischen Staates 1948? Was passierte mit allen aufgezwungenen Vertreibungen? Wer berichtet darüber, dass vor den Raketen die von Gaza nach Israel abgefeuert wurden, die Palästinenser ständigen Angriffen von Israel ausgesetzt waren. Sind es nur die Israelis die ein Recht haben sich zu verteidigen? Mit modernsten Waffen aus den USA gegen außerordentlich unmoderne Waffen der Palästinenser? Wieviel Palästinenser wurden während des letzten Gaza-Krieges getötet? 1.400 Personen. Wieviel Israelis wurden von paästinensischen Raketen getötet? 4 Personen?

Ich habe diesen Sommer versucht die Geschichte gründlicher zu studieren, als ich es bislang getan hatte, um sie besser zu verstehen. Man kann sagen, eine Art der selbstkritischen Prüfung. Ich habe es bisher nicht richtig geschafft, meine Argumente gegen die, wie ich meine, unverantwortliche israelische Verteidigung der Blockade Gazas mit vollständigen Fakten untermauern zu können.

Heute kann ich es und argumentiere folgendermaßen:

Heute läuft die Zeit des Baustopps für jüdische Siedlungen im Westjordanland aus. Verzweifelte Versuche der palästinensischen und US-amerikanischen Seite, den Baustopp zu verlängern, werden gemacht. Aber es wird nicht gelingen. Das wissen die USA. Die Frage ist, ob es sie wirklich kümmert. Wenn man von diesem Ausgangspunkt die Friedensverhandlungen beginnt, sind sie bereits vom Start an zum Scheitern verurteilt. Warum? Weil man Hamas von den Verhandlungen ausgeschlossen hat. Man scheint vergessen zu haben , dass Hamas nicht eine Einheit ist, sondern aus unterschiedlichen "Fraktionen" besteht, wie man es in der diplomatischen Sprache ausdrückt. Da gibt es gewiss eine Phalanx, die Israel vernichten will, mit der muss man ja nicht verhandeln. Es gibt aber auch andere innerhalb der Hamas die einen Dialog wollen und zu Gesprächen bereit sind. Wenn man diese Gruppen ausschließt, hat man den Verhandlungen die Grundlage entzogen. Das ist für mich pure Heuchelei.

So, was wird eintreffen? Ich für meinen Teil sehe kein anderes Resultat, als dass sich die Kluft [zwischen Israelis und Palästinensern d.Ü.] noch weiter vertiefen wird. Damit wird die Gewal weiter eskalieren. Israel ist nachweisbar der Besatzer und wird deshalb auch der Angreifer sein. Aber der Widerstand wird nicht schwächer werden. Bereits jetzt weiß ich, dass eine neue Armada, die bedeutend größer ist, vorbereitet wird. Es gibt keine Möglichkeit für Kompromisse wenn es darum geht die Blockade Gazas endgültig zu beenden. (Das bedeutet nicht, dass man sich einer Waffenkontrolle widersetzt. Das sind zwei ganz unterschiedliche Fragen.)

Die Frage ist, wie weitsichtig die israelische Bevölkerung und deren Regierung ist. Wenn ich bedenke, dass sich immer mehr Israelis bei mir melden, die sich gegen den "andauerenden Wahnsinn" Israels wenden, glaube ich, dass die öffentliche Meinung in Israel gegen die Unterdrückung der Palästinenser zunehmen wird. Sicher, im Augenblick sind die Rechten stark in Israel, das wird sich aber, meiner Meinung nach, ändern. Noch ist die endgültige Katastrophe ein Stück weit weg. Noch ist Zeit zum Handeln. Aber nicht unendlich viel."


FH

© Gegenmeinung

Montag, 27. September 2010

Der große Kümmerer Sigmar "Mao" Gabriel



Die Umfragewerte der eisernen Agitprop-Kanzlerdarstellerin fließen seit geraumer Zeit den Gully runter. Das muss nicht wirklich zu Sorgen Anlass geben. Unsere gekauften Medienpropagandalautsprecher werden sie schon zur rechten Zeit wieder hochjubeln, falls man sich nicht entschlossen hat der Öffentlichkeit einen neuen Abnicker zu präsentieren. Demokratie will gelernt sein.

Hartz-IV-Sätze werden um fünf Eumel erhöht. Anlass dazu gab ein BVG-Urteil welches dem Gesetzgeber auferlegte bis Ende des Jahres eine Neuregelung zu schaffen, die wirklichkeitsorientiert sei. Zur Höhe der Sätze sagte das BVG-Urteil nichts.

Supernanny von der Leyen ließ sich die Gelegenheit bei Anne Will nicht nehmen und diskutierte Vorgaben des Verfassungsgerichts, anstatt Politik. So ist das im Prozesshanslweltmeisterland Deutschland: Politk wird nie von dafür gewählten Politikern durchgeführt. Im Regelfall entscheidet heute die Wirtschaft was im Parlament abzunicken ist, der Rest den der Bundestag zelebriert, wird mit großem Brimborium vor dem Verfassungsgericht ausgetragen. Der Aufwand muss sein - wie sonst sollte man bei der totalen Ideen-Assimilierung deutscher Parteien, noch "Demokratie" inszenieren können?

Der rechte Seeheimer Gabriel gab sich gestern ganz dolle "links" auf dem außerordentlichen S?PD-Parteitag und schwadronierte, bis zur totalen Erschöpfung seiner noch vom Vorabend promillegeschwängerten Parteisoldaten, zwei Stunden über das Thema "Früher haben wir uns mehr getraut". Oh, wird die S?PD von neuen Revolutionsgarden in die Schlacht gegen den Kapitalismus geführt? Gar wenn der letzte S?PD-Finanzminister Steinbrück sich zu einem Spitzensteuersatz von 49 % für Besserverdiende bekannte. Der oberste Revolutionär Gabriel gab die kämpferische Losung im zwirnigen Kampfanzug aus: "S?PD steht für diejenigen die arbeiten gehen, Löhne und Gehälter bekommen." Da hat er doch glatt bei den Putschisten der Besserverdienerpartei FDP abgeschrieben. Ok, die Massen müssen ruhig gehalten werden, nun haben sie wieder eine Kümmerpartei, mit Gabriel als Oberkümmerer. Er wird sich auch um Bildung kümmern: "Wer seine Kinder nicht regelmäßig und pünktlich in die Schule schickt, dem schicken wir die Polizei vorbei und der zahlt auch empfindliche Bußgelder - auch dann, wenn er Hartz-IV-Bezieher ist." Klare Ansage, klares Lösungsmodell: Die Polizei, dein Freund und Helfer, wird es richten. Dem großen Kulturrevolutionsgarde-Vorsitzenden Sigmar "Mao" Gabriel scheint es eine Herzensangelegenheit zu sein, die vom Vereinigten Vorturnerstaat des Westens vorgegebenen und im eigenen Land bereits angewandten Unrechtsstaatmethoden, nahtlos für Deutschland und Europa zu übernehmen. Noch andere gesellschaftliche Zunkunftsperspektiven auf dem S?PD-Kümmernisparteitag? Fehlanzeige!

FH

© Gegenmeinung

Kümmernis

Frühmorgens beim Kaffee – mein faltiger Bauch,

wie baumelst du trübe und leer!

Gewiß, ohne Zucker und Milch geht es auch,

so reicht mir die Kanne nur her.

Kein Fleisch und kein Honig, kein Fett und kein Ei,

wie öd ist das Frühstücksgedeck!

Doch eines, mein Bauch, stört am meisten uns zwei:

Die Sahne ...

die Sahne ist weg!

Und nicht nur beim Kaffee – o Allegorie!

komm mit in den Musenhain.

Wie sehr auch der Kunstmarkt lärmte und schrie:

wer reich ist, der braucht nicht zu schrein.

Die Expressionisten im Kinderkleid

und die Kunst mit dem fünfstelligen Scheck –

und ich denke an Brahm und die alte Zeit –

Die Sahne ...

die Sahne ist weg!

So schau in die Zukunft! – Was kommt denn danach,

wenn die Große Zeit einst vorbei?

Was kommt nach den Tränen, dem Blut und der Schmach

und all dem Nationengeschrei?

Was kommt für die Kinder? die Generation

der Hoffnung?

Ich sehe da black –

Mein Jugendlicher, o Ludolf, mein Sohn:

Die Sahne ...

die Sahne ist weg!

Theobald Tiger

Die Weltbühne, 17.10.1918, Nr. 42, S. 372,

wieder in: Fromme Gesänge.

Samstag, 25. September 2010

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind ein Polizeistaat


Paul Craig Roberts

Am 24. September berichtete Jason Ditz auf antiwar.com, dass „das FBI bestätigt, dass sie heute Morgen damit begonnen haben, eine Anzahl von Einsätzen gegen die Wohnungen von Antikriegsaktivisten in Illinois, Minneapolis, Michigan und North Carolina durchzuführen, mit der Behauptung, sie ‚suchten Beweise für Aktivitäten, die eine wesentliche Unterstützung des Terrorismus betreffen.’“

Jetzt wissen wir, was die Ministerin für Heimatland-Sicherheit (!) Janet Napolitano meinte, als sie am 10. September sagte: „Die alte Sichtweise, dass ‚wenn wir die Terroristen im Ausland bekämpfen, wir sie nicht hier zu bekämpfen brauchen’, ist genau das – die alte Sichtweise.“ Die neue Sichtweise, so Napolitano, ist „gewalttätigen Extremismus hier zuhause zu bekämpfen.“

„Gewalttätiger Extremismus“ ist einer dieser nicht definierten polizeistaatlichen Begriffe, die bedeuten, was immer die Regierung will. Anlässlich des Streifzugs des FBI an diesem Morgen durch die Wohnungen amerikanischer Bürger mit Gewissen sind es Antikriegs-Aktivisten, deren Aktivitäten gleichgesetzt werden mit „wesentlicher Unterstützung des Terrorismus,“ gerade wie die Konservativen die Antikriegsaktivisten während des Krieges gegen Vietnam der wesentlichen Unterstützung des Kommunismus beschuldigten.

Antikriegsaktivist Mick Kelly, dessen Wohnung heimgesucht wurde, betrachtet die Kommandoaktionen des FBI als Schikane, um diejenigen einzuschüchtern, die Proteste gegen den Krieg organisieren. Ich frage mich, ob Kelly die Bedrohung nicht unterschätzt. Die Äußerungen des FBI weisen deutlich darauf hin, dass die Bundespolizei und die Richter, die die Hausdurchsuchungsbefehle ausgestellt haben, die Antikriegsaktivisten nicht als amerikanische Bürger betrachten, die ihre verfassungsmäßig garantierten Rechte ausüben, sondern als unpatriotische Elemente, die eine wesentliche Unterstützung des Terrorismus bereit stellen.

„Wesentliche Unterstützung“ ist ein weiterer dieser undefinierten Polizeistaatsbegriffe. In diesem Zusammenhang bedeutet das, dass Amerikaner, die die Lügen ihrer Regierung nicht glauben und statt dessen gegen deren Politik protestieren, die erklärten Feinde ihrer Regierung unterstützen und demzufolge nicht ihre bürgerlichen Rechte ausüben, sondern Verrat begehen.

Nachdem dieser erste Streifzug des FBI eine Aufweichungsaktion darstellt, um die Öffentlichkeit an die Idee zu gewöhnen, dass die wirklichen Terroristen ihre Mitbürger hier im Lande sind, wird Kelly dieses Mal davonkommen. Das nächste Mal allerdings wird das FBI auf seinem Computer e-mails von einer von der CIA aufgezogenen „terroristischen Gruppe“ finden, die ihn belasten. Entsprechend den Praktiken, die unter den Regimes Bush und Obama aufgekommen und von korrupten Bundesrichtern abgesegnet worden sind, können politische Gegner, die von erfundenen Terroristengruppen in die Falle gelockt worden sind, zu „feindlichen Kämpfern“ erklärt und nach Ägypten, Polen oder in sonst einen korrupten amerikanischen Handlangerstaat – vielleicht Kanada – überstellt werden, wo sie gefoltert werden, bis sie gestehen, dass Antikriegsaktivisten und in Wirklichkeit alle Kritiker der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika auf Osama bin Ladens Lohnliste stehen.

Fast jeder Republikaner und Konservative, und in der Tat die Mehrheit der Amerikaner werden darauf hineinfallen, nur um – später – herauszufinden, dass es subversiv ist, sich darüber zu beschweren, dass ihre Sozialhilfe gekürzt wurde im Interesse des Krieges gegen den Iran oder sonst eine dämonisierte Einheit, oder dass eine Operation von Medicare nicht bezahlt wird, weil das Geld für die Kriege in Zentralasien und Südamerika gebraucht wird.

Die Amerikaner sind das leichtgläubigste Volk, das es je gab. Sie neigen dazu, statt der Verfassung die Regierung zu unterstützen, und nahezu jeder Republikaner und Konservative betrachtet die Bürgerrechte als Verhätschelungsinstrument, das Kriminelle und Terroristen anspornt.

Die Medien der Vereinigten Staaten von Amerika, die hoch konzentriert sind in Verletzung des amerikanischen Prinzips verschiedenartiger und unabhängiger Medien, werden die Hexenjagd unterstützen, die alle Proteste und jedes unabhängiges Denken in den Vereinigten Staaten von Amerika in den kommenden paar Jahren niederbügeln wird. Wie der Naziführer Joseph Göbbels sagte: „Stellen Sie sich die Presse als große Tastatur vor, auf der die Regierung spielen kann.“

Ein amerikanischer Polizeistaat war unausweichlich, nachdem die Amerikaner „ihre” Regierung mit dem 9/11 davonkommen ließen. Die Amerikaner sind zu leichtgläubig, zu ungebildet und zu hurrapatriotisch, um ein freies Volk bleiben zu können. Wie ein weiterer Naziführer, Hermann Göring sagte: „Die Menschen können immer dazu gebracht werden, dem Willen ihrer Führer zu folgen. Sage ihnen, dass sie angegriffen werden und denunziere die Kriegsgegner wegen fehlendem Patriotismus und weil sie das Land in Gefahr bringen.“

Genau das ist es, was die Regimes Bush und Obama gemacht haben. Das Amerika, das die Menschen meiner Generation gekannt haben, gibt es nicht mehr.

Erschienen am 25. September 2010 auf > http://www.antiwar.com > http://original.antiwar.com/roberts/2010/09/24/it-is-official-the-us-is-a-police-state/

Quelle: www.antikrieg.com

Paul Craig Roberts war stellvertretender Finanzminister in der Regierung Reagan. Er ist Verfasser von „Supply-Side Revolution: An Insider‘s Account of Policymaking in Washington“ (Revolution der Anbieterseite: Bericht eines Insiders über Politik in Washington), von „Alienation and the Soviet Economy“ (Entfremdung und die sowjetische Wirtschaft) und von „Meltdown: Inside the Soviet Economy“ (Kernschmelze: Innenansicht der sowjetischen Wirtschaft), sowie gemeinsam mit Lawrence M. Stratton von „The Tyranny of Good Intentions: How Prosecutors and Bureaucrats Are Trampling the Constitution in the Name of Justice“ (Tyrannei der guten Absichten: Wie Strafverfolger und Bürokraten die Verfassung im Namen der Gerechtigkeit mit Füßen treten). Er war Co-Redakteur der Kommentarseite des Wall Street Journal und Mitherausgeber der National Review.

US-Medienkampagne gegen Chávez


Vor den Wahlen in Venezuela nimmt die negative Berichterstattung in den internationalen Medien zu. CNN befürwortet Terror gegen Caracas

Von Eva Golinger (Übersetzung: Klaus E. Lehmann)

chavezcode.com/amerika21.de

24.09.2010 09:31

Das Bombardement an negativen, falschen, verdrehten und manipulierten Nachrichten über Venezuela in den US-Medien hat zuletzt an Umfang und Intensität zugenommen. Die geschieht jedes Mal, wenn sich ein Wahlprozess nähert. Diese internationale Medienkampagne gegen die Regierung von Hugo Chávez scheint ein klares und koordiniertes Ziel zu haben: die Entfernung des venezolanischen Präsidenten von der Macht.

Während der letzten acht Jahre haben diejenigen, die eben dieses Ziel verfolgt haben, versucht, Staatsstreiche, ökonomische Sabotagen, Akte von Terrorismus, Mordversuche, Eingriffe in Wahlprozesse, psychologische Kriegführung und überproportionale US-Militärpräsenz in der Region zu rechtfertigen – alles mit dem Ziel, Präsident Chávez aus dem Amt zu treiben. Um dieses Vorhaben zu erreichen, werden zig Millionen an US-amerikanischen Steuergeldern von US-Agenturen an politische Parteien, Kampagnen, Kandidaten und Organisationen, die gegen Chávez gerichtet sind, überwiesen.

Internationale Medien spielen hier auch eine Rolle. Mit sensationslüsternen Schlagzeilen und einseitigen Berichten versuchen die Massenmedien die öffentliche Meinung glauben zu machen, dass jegliche Aktion oder Aggression gegen Venezuela von Nöten ist, um den "hässlichen" Chávez von der Macht zu entfernen.

Der britischen Wochenzeitschrift The Economist zufolge, hat "Venezuela (…) die schlechteste Wirtschaft der Welt" – und dies ungeachtet der Tatsache, dass die von dem Finanzmagazin zitierten Daten damit nicht zusammenpassen. Die New York Times, die weltweit Nachrichtenstandards setzt, machte vor zwei Wochen mit einer falschen und gefährlichen Schlagzeile auf: "Venezuela ist tödlicher als der Irak".

"Venezuela hat die höchste Mordrate der Hemisphäre", behauptet auch Newsweek und fügt fälschlicherweise hinzu: "Chávez Popularität befindet sich im steilen Absturz".

Für diese Medien ist es gleichgültig, dass sich die venezolanische Wirtschaft trotz der Weltwirtschaftskrise in einer Aufwärtsbewegung befindet oder dass, obwohl es in Caracas sicherlich Verbrechen und Morde gibt, dies absolut keinen Vergleich mit den Millionen darstellt, die in Irak durch die US-Kriegsmaschine getötet worden sind.


Und wenn eine Popularitätsrate von 54 Prozent (laut der letzten nationalen Meinungsumfragen) bedeutet, dass das Ansehen von Präsident Chávez "steil abgestürzt ist", wo steht dann Präsident Obama mit seinem "besten" Wert von 47 Prozent?

Wenn man die Berichterstattung über Venezuela betrachtet, ist die Qualität des Fernsehens noch übler. Vor zwei Wochen brachte CNN International die Erstausstrahlung einer Doku-Reportage unter dem Titel "The Guardians of Chávez" (Die Beschützer von Chávez), in der das internationale Mediennetzwerk bewaffnete Gruppen, Kriminelle, Terroristen und paramilitärische Kräfte fälschlicherweise mit der venezolanischen Regierung in Verbindung brachte.

Am Montag, den 13. September, gerade einmal eineinhalb Wochen vor den bevorstehenden Parlamentswahlen in Venezuela, führte die Nachrichtensprecherin der Hauptsendezeit von CNN auf Spanisch, Patricia Janiot, ein Live-Interview mit einem aus Venezuela geflohenen Häftling, der erst zwei Jahre zuvor wegen Terrorismus vor Gericht gestanden und verurteilt worden war.

In eindeutigem Stil von Boulevardjournalismus sprach Janiot den flüchtigen Terroristen als "politischen Gefangenen" und von der Chávez-Regierung "verfolgten Studenten" an. Der entflohene Häftling, Raul Díaz Peña, war im Jahr 2008 in einem sich länger hinziehenden Verfahren für schuldig befunden worden, einer der beteiligten Täter an einem terroristischen Angriff mit C4-Sprengstoff gegen die Botschaften von Kolumbien und Spanien gewesen zu sein, der sich am 25. Februar 2003 in Caracas ereignet hatte.

Díaz Peña war am 5. September aus seiner venezolanischen Gefängniszelle geflohen und hatte es nach seiner Ankunft in einem Linienflugzeug auf dem Internationalen Flughafen von Miami trotz seines Status´ als verurteilter Terrorist und Justizflüchtling irgendwie geschafft, die USA zu betreten.

Nur eine Woche nach seiner Ankunft in den USA übertrug ihn CNN direkt zur Hauptsendezeit.

"Wie viele andere Studenten sitzen in Venezuela noch als politische Gefangene ein", fragte Janiot den Terroristen aus. "Wurden Sie gefoltert?", erkundigte sie sich mit besorgter Stimme. Am Ende des Interviews wünschte die Starjournalistin des US-Fernsehens dem flüchtigen Terroristen "viel Glück" und gratulierte ihm dafür, der "schrecklichen Diktatur" von Chávez entkommen zu sein.

Es ist ein Wunder, dass ein internationaler Fernsehverbund ein Live-Interview mit einem verurteilten, flüchtigen Terroristen führen und ihm in aller Öffentlichkeit "viel Glück" wünschen kann, ohne sich über irgendwelche Konsequenzen sorgen zu müssen. Aber diese Art von Ironie ist nur möglich, wenn es sich um die Behandlung von Venezuela in den US-Medien handelt.

Laut CNN sind im Falle Venezuelas Terroristen "politische Flüchtlinge" und Justizflüchtige "Einwanderer".

Zwei Tage nach dem offenkundig anstößigen CNN-Interview mit dem flüchtigen venezolanischen Terroristen Raul Díaz Peña, in dem Terror gegen Venezuela offen anerkannt und gebilligt wurde, brachte Fox News die Schlagzeile "Venezuela streicht ‘Terror Rundflüge’ nach Syrien und Iran".

In dem Bericht, der auch auf seiner Webseite erschien, behauptete der US-Sender, dass Venezuela neben Syrien und dem Iran eines "der weltweit terrorfreundlichsten Länder" sei.

In Bezug auf eine völlig legitime Flugroute der venezolanischen Fluglinie Conviasa zwischen Caracas, Damaskus und Teheran, stellte Fox die falsche Behauptung auf: "der Flug sollte gesetzwidrige, tödliche Frachtgüter wie Sprengstoffe und möglicherweise radioaktive Materialien befördern und Terroristen, Spionen, Waffenexperten, höheren iranischen Geheimdienstagenten und Mitgliedern sowohl der Hisbollah als auch der Hamas ein sicheres Transportmittel bieten".

Die Quelle? "Westliche Geheimdienste, Persönlichkeiten der venezolanischen Opposition und ein früher im Iran angesiedelter CIA-Spion". Das klingt überzeugend.

Der gefährliche und vorsätzlich falsche Bericht von Fox News, der versuchte, Venezuela mit dem internationalen Terrorismus in Verbindung zu bringen (ironischerweise genau zu dem Zeitpunkt, zu dem CNN venezolanische Terroristen willkommen heißt, bezichtigt Fox die venezolanische Regierung des Terrorismus), ging noch weiter, indem die venezolanische Regierung beschuldigt wurde, Terrorismus gegen die Vereinigten Staaten zu fördern:

"Reza Kahlili, das Pseudonym für einen Iraner, der – wie die CIA bestätigte – früher als Mitglied der iranischen Revolutionsgarden für die Vereinigten Staaten spioniert hat, sagte gegenüber FoxNews.com, dass diese ‘Sonderflüge zur Schaffung eines vom Iran beherrschten weltweiten Terrornetzes instrumentalisiert worden sind, das heute bis in die Vereinigten Staaten reicht.’ Er sagte, dass die Flüge zur Ausweitung der iranischen Anstrengungen dienten, eine Operationsbasis in der westlichen Hemisphäre zu schaffen".

Aber gleich nach dieser falschen Anschuldigung machte Fox News seinen eigenen Bericht unglaubwürdig, als eine erstrangige Quelle eingestand, keine belastbaren Beweise für diese Behauptung zu besitzen:

"Peter Brookes, ein ehemaliger Analyst des Verteidigungsministeriums und der CIA, der heutzutage bei der Heritage Foundation angestellt ist, sagte, es gebe einen stetigen Zustrom von Al-Quds-Offizieren der Iranischen Revolutionsgarden, die an Bord des Fluges nach Venezuela gebracht wurden und dort Positionen innerhalb des Geheimdienstes dieses lateinamerikanischen Landes übernahmen. ‘Wir können nicht genau sagen, was da vor sich geht, aber es ist auf jeden Fall geheim und geschieht im Verborgenen’, sagte er".

In der Schlussphase vor den Parlamentswahlen am 26. September nehmen die Medienangriffe gegen Venezuela weiter zu.

In der vergangenen Woche fasste der uruguayische Schriftsteller Eduardo Galeano in einem Interview mit der spanischen Tageszeitung El Pais die Kampagne gegen Venezuela wie folgt zusammen: "Es ist eine Dämonisierungsprozess gegen Chávez im Gange. (…) Es ist skandalös, dass heute in jeder Minute drei Millionen Dollar für militärische Angelegenheiten ausgegeben werden. Und dafür braucht man Feindbilder. Im Theater von Gut und Böse sind solche Konzepte von Zeit zu Zeit austauschbar, wie im Fall von Saddam Hussein, einem Heiligen des Westens, der zum Satan gemacht wurde".

Quelle: US MEDIA INTENSIFIES CAMPAIGN AGAINST CHAVEZ

Freitag, 24. September 2010

Unfassbare Gewalt professioneller Mörder bei Mavi Marmaras Erstürmung


Die vom UN-Menschenrechtsrat eingesetzte Kommission zur Untersuchung des kriminellen und völkerrechtswidrigen Überfalls israelischer Berufsmörder auf den rein humanitären Hilfskonvoi "Ship to Gaza" in internationalen Gewässern, hat in seinem Bericht deutlich gemacht, dass Israels Piratenakt eine illegale Untat war, die internationales Recht und Gesetz brach.

Auch stellt die Untersuchungskommission fest, dass es klare Beweise dafür gibt, dass der Piratenakt nicht nur die Genfer Konventionen verletzte, sondern dass die Beweise auch völlig ausreichend sind um offiziell Anklage gegen die Verantwortlichen des Massakers in mehreren Punkten zu erheben.

  • Vorsätzliche Tötung
  • Folter - unmenschliche Behandlung
  • vorsätzliche Verursachung großer Leiden oder schwere Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit oder der Gesundheit
"Die Vorgehensweise des israelischen Militärs und anderen Personals, gegen die Passagiere des Konvois, waren nicht nur für den Augenblick unverhältnismäßig, sondern wurden auf einer Ebene der völlig unnötigen und unfassbaren Gewalt ausgetragen."
Der Bericht geht noch ein Stück weiter und weist ausdrücklich darauf hin, dass Israels Gaza-Blockade gegen internationales Recht verstieß, denn Gaza befand sich zum damaligen Zeitpunkt in einer humanitären Krise.

Offizielle Vertreter des Strolchenstaates geben sich nun mächtig empört, weisen alles zurück und haben berechtigte Hoffnung, dass die vom UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eingesetzte Kommission zum gleichen Thema, die aber mit ausgewiesenen Israel-Lovers wie dem neuseeländischen Ex-Premier Geoffrey Palmer und Kolumbiens Ex-Präsidenten Uribe besetzt ist, alles wieder ins "rechte Licht" rücken wird. Bei Uribe kommt noch erschwerend hinzu, dass bis heute die Ermordung von tausenden von Menschen unter seiner Präsidentschaft ungeklärt ist. Verbrechen der Paramilitärs sind kein Thema in kolumbianischen Medien, besonders dann nicht wenn Mitarbeiter von Uribe direkt belastet werden. Deren Bericht steht noch aus. Auch wenn es anders käme, würde es den Strolchenstaat nicht kümmern. Er hat eine lange Übung und Tradition darin, sich nicht an internationales Recht oder UN-Resolutionen zu halten, wenn es ihm nicht in den Kram passt. Beim Goldstone-Bericht tobten Netanyahu und seine Mithelfer vor der Presse und bezeichneten den Bericht als „Zerrbild“, „Farce“ und „Perversion“. Er verstieg sich sogar zu der lächerlichen Aussage, eine Bestätigung dieses Berichts durch die UNO würde der Weltorganisation, dem Krieg gegen den Terrorismus, und – man staune und schaudere – dem Friedensprozess einen tödlichen Stoß versetzen. Einem "Friedensprozess" an dessen Ende Netanyahu für den Strolchenstaat schon vorsorglich Besatzungstruppen in einem selbstständigen Palästina einfordert.

Dass Israel ständig gegen internationales Recht verstößt und die Palästinenser wie "Untermenschen" behandelt, sollte von allen anständigen Menschen der Welt beklagt werden. Nicht minder verachtenswert ist die Bereitwilligkeit, mit der sich westliche Regierungen mit den israelischen Übergriffen abfinden.

Bei soviel angestrengter Besorgnis den "Krieg gegen Terrorismus" aufrechtzuerhalten, ist die berechtigte Forderung Ahmadinejads eine Untersuchung von 9/11 durch die UNO durchführen zu lassen, eher moderat zu nennen als sie zu einem "Eklat" abzustempeln. Ein Skandal ist, dass 9/11 bis heute nicht aufgeklärt ist. Das er zu Eroberungskriegen des Westens auf ressourcenstarke Staaten führte. Voraussetzung: sie müssen reich an Öl, Gas und anderen Bodenschätzen sein. Aber wer lässt sich schon dafür gern ermorden? Die Opfer von 9/11 mit Sicherheit nicht, auch dann nicht, wenn die eigenen Staatsorgane solche Opfer für ein übergeordnetes nationales Interesse halten.

FH

Siehe auch: Deutsche Übersetzung der Vorrede und der Schlussfolgerungen
aus dem Bericht der Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrates zur Kaperung
der Gaza-Hilfsflotte durch israelische Spezialkräfte


© Gegenmeinung

Sicherheit und Kontrolle - Teil 1 Die Vormachtstellung der USA


von Noam Chomsky

Am 13. August veröffentlichte das Pentagon eine Studie, in der es heißt, die US-Regierung mache sich Sorgen angesichts der Expansion der chinesischen Streitkräfte, denn dies könnte dazu führen, so die Studie, "dass amerikanische Kriegsschiffe nicht mehr in der Lage sind, in den internationalen Gewässern vor der Küste zu operieren" so Thom Shanker in der 'New York Times'. Gemeint ist die chinesische Küste. Auf der anderen Seite habe ich noch nie den Vorschlag gehört, Amerika solle gefälligst seine militärischen Streitkräfte vor seinen Küsten abziehen, damit chinesische Kriegsschiffe vor Amerikas Küsten operieren können.

Washington mache sich zudem Sorgen, so der Pentagon-Bericht, weil China "nicht offen ist, wenn es um die zunehmende Größe sowie die Intentionen und Möglichkeiten seines Militärs geht - was eine lebenswichtige Region dieser Erde instabiler macht". Hingegen ist Amerika reichlich offen, was seine Intention betrifft, in einer "lebenswichtigen Region dieser Erde" - rings um China (und anderswo) - ganz nach Belieben zu operieren. Indem es sein enormes Militärbudget weiter erhöht, zeigt Amerika eindrucksvoll, dass es dazu auch in der Lage ist. Alle Militärhaushalte der Welt zusammen entsprechen in etwa dem Militärhaushalt der USA. Amerika verfügt weltweit über Hunderte von Militärbasen. Amerikas Technologie der Zerstörung und der Herrschaft ist einsame Spitze.

Chinas Begriffsstutzigkeit, in punkto internationale Umgangsformen, zeigt sich noch in einem weiteren Punkt: China wehrt sich gegen Pläne, den modernen, atombetriebenen Flugzeugträger George Washington, im Rahmen eines Marinemanövers, wenige Meilen vor der chinesischen Küste kreuzen zu lassen. Die George Washington wäre in der Lage, Peking anzugreifen. Allerdings ist der Westen davon überzeugt, dass US-Operationen dieser Art einzig und allein der Eigensicherung und der Verteidigung der Stabilität dienen.

Wenn es um internationale Angelegenheiten geht, ist der Begriff 'Stabilität' rein technisch gemeint und bedeutet 'US-Herrschaft'. Dieser Gebrauch ist mittlerweile so sehr Routine geworden, dass er gar nicht mehr auffällt. So runzelte niemand die Stirn, als ein anerkannter Analyst und früherer Redakteur der 'Foreign Affairs' erklärte, um in Chile (1973) "Stabilität" zu erzielen, habe man das Land "destabilisieren" müssen - indem man die gewählte Regierung, unter Salvador Allende, stürzte und die Pinochet-Diktatur an die Macht brachte - ein Regime, das fortgesetzt folterte und tötete und ein internationales Terrornetzwerk aufbaute, das es ermöglichte, ähnliche Regime auch in andern Ländern zu installieren. Natürlich geschah dies alles mit Rückendeckung der USA und im Interesse von Stabilität und Sicherheit.

Ebenso ist es Routine geworden anzunehmen, absolute Kontrolle sei die Voraussetzung für Amerikas Sicherheit. Diese Prämisse wurde sozusagen akademisch abgesegnet, als John Lewis Gaddis, ein anerkannter Historiker der Universität Yale, ein entsprechendes Buch veröffentlichte. Es war das erste Buch, das sich auf George W. Bushs Doktrin vom Präventivkrieg stützte. Wie Gaddis erläutert, lautet das operative Prinzip: Expansion "ist der Weg zu Sicherheit". Erstaunlicherweise führt er diese Doktrin ausgerechnet auf den Meister der Großstrategie, John Quincy Adams, zurück, den geistigen Vater von 'Manifest Destiny'. Bush warnte: "Die Amerikaner müssen "zu präemptiven Aktionen bereit sein - wenn dies nötig sein sollte, um unsere Freiheit und unser Leben zu verteidigen'". Dazu merkt Gaddis an: "(Bushs Worte) sind der Widerhall einer alten Tradition und nicht so sehr die Einführung einer neuen (Tradition)". Bush greife auf Prinzipien zurück, die US-Präsidenten, von Adams bis Woodrow Wilson, so Gaddis "alle... sehr wohl... begriffen hätten".

Auch Wilsons Nachfolger waren schnell von Begriff - zum Beispiel Bill Clinton, dessen Doktrin lautete: Die USA haben das Recht, militärische Gewalt anzuwenden, um "den ungehinderten Zugang zu Schlüsselmärkten, zu Energiequellen und strategischen Ressourcen" zu sichern. Clinton hatte es nicht einmal nötig, Pseudorechtfertigungen, à la Bush, zusammenzubasteln. Die USA müssten ihre großen Truppenkontingente an "vorgeschobenen" Posten in Europa und Asien, beibehalten "um so die Meinung der Menschen über uns mitgestalten zu können" und "die Ereignisse mitgestalten zu können, die Einfluss auf unseren Lebensstandard und unsere Sicherheit haben werden" (so der damalige Verteidigungsminister William Cohen). Dieses Rezept für den 'ewigen Krieg' sei eine neue Strategiedoktrin, meint hingegen der Militärhistoriker Andrew Bacevich, die später, unter Bush und Obama, ausgebaut worden sei.

Wir kennen die traditionelle Doktrin. Jeder Mafia-Pate weiß, dass selbst ein minimaler Verlust von Kontrolle zum Zusammenbruch eines ganzen Herrschaftssystems führen kann, weil andere dadurch ermutigt werden könnten, Ähnliches zu wagen. Dieses zentrale Machtprinzip ist unter dem Begriff "Domino-Theorie" bekannt. In der Praxis heißt das: Das "Virus" einer erfolgreichen Unabhängigkeitsbewegung ist "ansteckend" und kann sich auch andernorts "ausbreiten". Es muss daher vernichtet und die potentiellen Opfer geimpft werden (meistens durch eine brutale Diktatur).

Laut der oben zitierten Studie des Pentagon erhöht China seinen Militärhaushalt. Mittlerweile belaufe dieser sich auf nahezu "1/5 dessen, was das Pentagon für die Durchführung und den Unterhalt der Kriege im Irak und in Afghanistan ausgegeben hat", so die Studie. Natürlich entspricht das nur einem Bruchteil des US-Militärhaushalts. Doch die Befürchtungen sind nachvollziehbar - unter der (praktisch unangefochtenen) Prämisse, dass die USA über weite Teile der Erde "Macht" ausüben müssen, die nicht "zu hinterfragen" ist - "militärische und wirtschaftliche Vormacht" inbegriffen. Gleichzeitig sollen Staaten, die sich den globalen Zielen der USA in den Weg stellen könnten, bei der "Ausübung jeglicher staatlicher Souveränität" "eingeschränkt" werden - und zwar unbedingt.

Es handelt sich um Prinzipien, die hochrangige Planer und außenpolitische Experten bereits im Zweiten Weltkrieg - im Kontext der Erarbeitung eines Rahmenwerks für die Welt nach dem Krieg - festgelegt hatten, und die größtenteils auch umgesetzt wurden. Danach sollten die USA in "weiten Teilen" (Grand Area) der Welt ihre Vormachtstellung behalten - das hieß, (zumindest) in der westlichen Hemisphäre, in Fernost und in den ehemaligen Territorien des Britischen Imperiums (die Schlüssel-Energieressourcen des Nahen/Mittleren Ostens inbegriffen). Nach Stalingrad, als die Russen die deutschen Armeen immer weiter aufrieben, wurden die Ziele der 'Grand Area' auch auf Eurasien ausgedehnt - auf so viele Gebiete innerhalb dieser Region wie möglich, vor allem aber auf deren ökonomisches Herzstück Westeuropa. Dabei war immer klar, dass Europa (nach dem Krieg) vielleicht einen unabhängigen Weg würde gehen wollen - zum Beispiel der Vision de Gaulles folgend (der Vision von einem Europa, das vom Atlantik bis zum Ural reicht). Die Nato wurde unter anderem auch deswegen gegründet, um diese Bedrohung in den Griff zu bekommen. Auch heute ist das Thema wieder höchst aktuell: Die Nato hat sich zu einer von den USA geführten Interventionsarmee entwickelt und ausgedehnt. Ihr besonderes Augenmerk gilt dabei der Kontrolle der "essentiellen Infrastruktur" des globalen Energiesystems - von dem der Westen abhängig ist.

Die Welt zu kontrollieren ist keine leichte Sache - nicht einmal für ein Land wie die USA, das eine Machtfülle entwickelt hat, wie es sie in der Geschichte noch nie gegeben hat. Aber darauf werden wir später zurückkommen.

Noam Chomsky ist Professor für Linguistik am Massachusetts Institute of Technologie (MIT) und hat in den 60er Jahren die Vorstellungen über Sprache und Denken revolutioniert. Zugleich ist er einer der prominentesten und schärfsten Kritiker der gegenwärtigen Weltordnung und des US-Imperialismus.

Orginalartikel: Security and Control I

Übersetzt von: Andrea Noll

Quelle: Znet

Donnerstag, 23. September 2010

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben


Natürlich werden über kurz oder lang Atommüll-Endlager privatisiert. Der schnelle Rückzieher heute, ist nur als taktische Umgruppierung neoliberaler Interessen zu verstehen. Man wartet ab. Das passt ins Konzept einer vom Kapital gekauften Republik und ihrer an langen Fäden hampelnden Politik-Laiendarstellertruppe. Bereits der Begriff "Endlager" lässt schlimme Befürchtungen hochkommen, die an Tod und Vernichtung erinnern.

Gorleben ist auf seine Tauglichkeit als "Endlager" bis heute nicht seriös untersucht worden, so wenig wie die Frage "Endlagerung" beim Start ins Atommeilerzeitalter beantwortet wurde. Der Markt wird's schon richten, der mit der unsichtbaren Hand. Ein Endlager muss Sicherheit für hunderttausende von Jahren gewährleisten. Das wusste man von Anfang an. Aber wer verschwendet in privatisierten Staaten, in denen Weitsicht nicht weiter als bis zum nächsten Vierteljahresrapport eines Unternehmen reicht, schon einen nennenswerten Gedanken an die Zukunft? Vor allen Dingen dann, wenn es um die Zukunft kommender Generationen geht. Sollen die es doch richten.

Mit Sicherheit nicht die Atomindustrie, nicht die Finanzindustrie und vom Volk gewählte Politiker auch nicht. So ist das eben. Weil Politiker im Dienst des Kapitals stehen, haben sie aus "übergeordneten Gründen der Energieversorgung" dafür zu sorgen, dass kapitalistische Finanzströme nicht versiegen. Nicht die Bevölkerung wird in privatisierten Staaten geschützt. Geschützt werden der Reichtum der oberen Zehntausend und ihr Recht auf Eigentum. Für dieses Recht der obersten Mafia-Paten wird die Bevölkeruntg im Zweifelsfall verheizt.

Herrschte früher noch die Vorstellung, Politiker hätten in ihrer Rolle als Volksvertreter dem Volk zu "dienen", sollte sich inzwischen die Erkenntnis rumgesprochen haben, dass der umgekehrte Fall Realität ist. Merkel, eine Frau ohne Rückgrat und Stehvermögen, wie sie schon eindrucksvoll als FDJ-Sekretärin in der DDR bewies, zeigte bereits in den Anfängen ihrer BRD-Karriere , was einer priviligierten Pastorentochter an Werten wichtig ist:
Dem DDR-Bergwerk Morsleben erteilte die damalige Umweltministerin Angela Merkel nach der Wiedervereinigung, trotz ernsthafter Experten-Warnungen, im Schnellverfahren eine Betriebsgenehmigung, die in der Bundesrepublik nach Atomrecht nie und nimmer erteilt worden wäre. Müll wurde dann dorthin gekarrt, bis einstürzendes Deckengestein keine andere Möglichkeit mehr ließ, als das Werk zu schließen.
Eine devotere Dienerin des wirtschaftlichen Establishments, ist schwer vorstellbar. Wer auch immer die Unterstützung gekaufter Medien erhält, bringt es zu höchsten öffentlichen Ämtern und Ansehen. Egal ob Pudel oder Dackel, Blair oder Merkel. Aus der Hand fressen müssen sie können, aus der Hand die sie füttert - und gut dressiert müssen sie sein.

Die Fragen der Atomkraft, der maroden Meiler und Endlagerung des produzierten radioaktiven Mülls, ist zu wichtig und gefährlich um Entscheidungen an charakterlose Privatiers zu delegieren, die fernab jedweder Kontrolle sich ausschließlich dem Profitmaximierungsprinzip verbunden fühlen, nicht dem Allgemeinwohl.

Ein weiterer Fall von absoluter Hörigkeit deutscher Politiker vs. privater Kapitalinteressen präsentierte der ewig grinsender Rösler, als er stolz den zehnten "Jahrhundertwurf" in der Gesundheitspolitik, dem Kabinett vorlegte das ihn auch freudestrahlend so absegnetete. Keiner von ihnen hat ihn gelesen, mussten sie auch nicht. Die Richtung hatten andere vorgegeben.
Karl Lauterbach wirft der Bundesregierung vor, Parlament und Öffentlichkeit über den Lobby-Einfluss bei der Formulierung der Gesundheitsreform bewusst zu täuschen. So habe der "Verband forschender Arzneimittelhersteller" direkten Einfluss auf eine wesentliche Neuerung der Reform ausgeübt, nämlich auf die künftige Festlegung der Kriterien zur Kosten-Nutzen-Bewertung für neue Medikamente im Gesundheitsministerium.
Dabei sind schon heute die Arzneimittelkosten in Deutschland um bis zu 50% höher als in anderen EU-Staaten. Eine elitäre Klasse von analphabetischen Technokraten, die unfähig ist, eine notwendige Beziehung zwischen Macht und Moral zu erkennen.

FH

© Gegenmeinung

Dienstag, 21. September 2010

Der Krieg gegen den Terror: Die umfassendste verdeckte Operation, die es je gab!


Der US-Autor Douglas Valentine behauptet, der US-Krieg gegen den Terror sei verdeckter Staatsterrorismus nach innen und außen.

Von Douglas Valentine
consortiumnews.com, 31.08.10

Anmerkung des Herausgebers: Der folgende Text wurde einer Rede entnommen, die Douglas Valentine letzte Woche auf einer Friedenskonferenz gehalten hat.

Die (Anti-)Terrorpolitik ist die größte verdeckte Operation, die es je gab.

Bevor ich erklären kann, warum das so ist, muss ich einige Begriff definieren, denn wenn man die Antiterrorpolitik als verdeckte Operation entlarven will, sind Bezeichnungen und ihre Handhabung sehr wichtig.

Was bedeuten Politik und Terror eigentlich, und wie wird ihre Bedeutung zu welchem Zweck von wem manipuliert?

Terrorismus wird definiert als "Gewalt gegen Zivilisten, die einen politischen Zweck verfolgt". Das ist eine mehrdeutige Definition, welche die Frage aufwirft, was ist unter Politik und Gewalt zu verstehen?

Politik wird definiert als "ein Prozess, in dem Gruppen von Menschen gemeinsame Entscheidungen treffen". Gewalt ist die Ausübung von Druck, um eine Person oder eine Gruppe von Personen dazu zu zwingen, etwas gegen ihren Willen zu tun oder hinzunehmen. Gewalt kann durch Sprache – zum Beispiel durch die Androhung einer Schmerzen verursachenden Behandlung – durch (entsprechende) soziale Strukturen oder durch Taten ausgeübt werden.

Nach dieser Definition ist Terrorismus also politische Gewalt, die Menschen Schmerzen zufügt oder auch nur androht, damit sie sich anders verhalten, als sie eigentlich wollen.

Weil die US-Regierung Terrorismus immer (lautstark) ablehnt, können die USA selbst nie bezichtigt werden, offiziell Terror auszuüben, sondern immer nur Opfer des Terrors anderer sein. Der US-Krieg gegen den Terror wird als stichhaltiger Beweis für diese These geltend gemacht: Er sei die militärische Antwort auf den Terrorismus, und diese Gewaltanwendung geschehe nur zur Selbstverteidigung und diene keinem politischen Zweck.

Das ist die offizielle Lesart, die als Ausrede benutzt wird. Ich werde aber nachweisen, dass auch die USA selbst Terror ausüben, indem sie zu politischen Zwecken mit Gewalt gegen Zivilisten vorgehen. Dieser "Staatsterrorismus" wird jedoch verdeckt ausgeübt und als Schutz der nationalen Sicherheit ausgegeben; aus dieser Doppeldeutigkeit heraus verfolgt er sowohl offen zugegebene als auch verdeckte Absichten.

Die offizielle und die verdeckte Politik der USA

Politik wird definiert als "ein Prozess, in dem Gruppen von Menschen gemeinsame Entscheidungen treffen". Wer trifft die wirklich wichtigen politischen Entscheidungen in den USA? Wer regiert uns eigentlich?

Die zwei politischen Parteien repräsentieren (angeblich) das Volk, und versuchen beide, die Regierung zu stellen. Die Republikaner sollen eher zu den Unternehmen, die Demokraten stärker zur arbeitenden Bevölkerung tendieren. Dieser politische Zuordnung erwächst aus der ursprünglichen Klassenzugehörigkeit ihrer Anhänger.

Die Regierung kann zwar von jeder der beiden Parteien gestellt werden, der eigentliche Machtapparat des Staates bleibt aber immer unverändert und wird repräsentiert durch bedeutende Wirtschaftsunternehmen wie das Bankwesen, die großen Versicherungen, die Autoindustrie und Microsoft, durch die Infrastruktur und durch die Institutionen, die den Staat schützen, also das Militär, die Strafverfolgungsbehörden, die Geheimdienste und die Sicherheitsunternehmen.

Zynische Europäer kennzeichnen den Staat als Instrument der Industrie und des Großen Geldes. Die US-Amerikaner sehen den Staat eher in den Händen des "Establishments"; auch das ist wieder ein mehrdeutiger Begriff, der definiert werden muss.

Das Wörterbuch definiert "Establishment" als "eine exklusive Gruppe einflussreicher Personen, die eine Regierung oder die Gesellschaft mit privaten Vereinbarungen und Entscheidungen beherrschen". Ich wage zu behaupten, dass die Interessen des Staates und des Establishments identisch sind, und halte die Bezeichnung "Establishment" für den Schlüsselbegriff in Bezug auf den "Staatsterrorismus".

Daran sollten Sie immer denken: Es gibt die offizielle Politik der beiden Parteien, die regieren wollen, und es gibt das Establishment, das mit angeblich unpolitischen Entscheidungen hinter den Kulissen den Staat beherrscht und die USA in Wirklichkeit regiert.

Viele seiner verdeckten Entscheidungen betreffen die Sicherheit des Staates: Und damit sind wir wieder bei der verdeckten Politik.

Außerdem werden diese verdeckten politischen Entscheidungen zur Sicherheit des Staates von Leuten getroffen, die das Militär, die Strafverfolgungsbehörden, die Geheimdienste und die Sicherheitsunternehmen kontrollieren. Diese "Hüter des Staates" lassen sich unter der Bezeichnung "National Security Establishment" (Nationales Sicherheits-Establishment) zusammenfassen.

Wie das Establishment, das insgeheim den Staat beherrscht, ist auch das National Security Establishment, eine exklusive Gruppe, der die politischen Wünsche der Bevölkerung gleichgültig sind.

Diese professionellen Hüter des Staates – das so genannte (Security) Establishment – soll angeblich über der Parteipolitik stehen und nur den Gesetzen und der Sicherheit des Staates verpflichtet sein. Und auf dieser Annahme, die man nur als die Große Lüge bezeichnen kann, beruht der Staatsterrorismus.

Ja, es ist wahr, dass sich das National Security Establishment keineswegs der Bevölkerung verpflichtet fühlt: Und deshalb hat es sich in eine Festung eingeigelt, die (im übertragenen Sinne) von mehreren immer tiefer werdenden, konzentrischen Ringgräben umgeben ist und als National Security State (Nationaler Sicherheitsstaat) bezeichnet werden kann; damit hält sich das Establishment die Bevölkerung vom Hals.

Das National Security Establishment herrscht mit eiserner Faust über den National Security State, und die Behauptung, beide seien unpolitisch, ist reine Propaganda.

Ins National Security Establishment gelangen und darin in eine einflussreiche Position aufsteigen kann nur, wer ihm wie Bush bereits seit Geburt angehört, es wie Gates zum Milliardär gebracht oder sich einer jahrelangen rechtsgerichteten politischen Indoktrination unterworfen und mehrere immer restriktiver werdende Sicherheitsüberprüfungen überstanden hat.

Politische Indoktrination, die Übernahme der rechten Ideologie und die Sicherheitsüberprüfungen bilden die Zugbrücke über die Ringgräben.

Der National Security State ist die verdeckte gesellschaftliche Klammer des Establishments und hat nicht nur die Aufgabe, dieses gegen äußere Feinde abzuschirmen, er soll auch den wirtschaftlichen und militärischen Einfluss des Establishments im Ausland sichern und gleichzeitig die Privilegien der herrschenden Klasse zu Hause schützen.

Mit dem Schutz der "Klassen-Privilegien" meine ich, dass der National Security State vor allem dazu da ist, die unteren Klassen daran zu hindern, die politische Kontrolle über den Staat zu übernehmen und sich am privaten Reichtum des Establishments zu vergreifen.

Aus diesen, natürlich nicht offen zugegebenen Gründen verfolgt das Establishment imperialistische Ziele im Ausland und unterdrückt die Bevölkerung zu Hause; in beiden Fällen übt der National Security State zu Gunsten des Establishments politische Gewalt aus.

Der National Security State ist also Terrorismus in seiner reinsten Form.

Das Establishment benutzt den National Security State als Instrument des Terrorismus

In den USA haben die unteren Klassen wenig Einfluss auf die Regierungsbildung und die Politik des Staates. Deshalb haben viele Menschen die Hoffnung bereits aufgegeben, andere sind sogar mit diesem Zustand einverstanden: Die Wahlbeteiligung liegt jedenfalls nur bei 54 Prozent.

Die Hoffnungslosen und die Zufriedenen wissen beide, dass sie gegen die herrschende Meinung nicht ankommen. Wenn zum Beispiel das Establishment seinen Einfluss geltend macht, wird das nicht als Politik betrachtet, sondern einfach als Ist-Zustand hingenommen. Weil die Reichen Arbeitsplätze schaffen, dürfen sie mit Billionen Dollar entlastet werden, auch wenn die Beschäftigten dafür ihren Urlaub opfern müssen.

So ist das eben. Weil die Politiker im Dienst des Establishments stehen, haben sie aus "übergeordneten Gründen der nationalen Sicherheit" dafür zu sorgen, dass die kapitalistischen Finanzströme nicht versiegen.

Mit dem National Security Establishment läuft das ganz genau so: Als die USA den Irak überfielen, hat die Bevölkerung nichts dagegen unternommen. Die Entscheidung wurde ja angeblich nur zu ihrer Sicherheit getroffen. Auf die paar Friedensaktivisten musste man dabei keine Rücksicht nehmen, weil ihnen eh unterstellt wird, sich nicht um die Sicherheit des Staates zu kümmern. Deshalb gibt es im National Security Establishment auch keine Friedensaktivisten, denn auch die innenpolitische Repression gehört zum Staatsterrorismus.

Wenn nun aber die Beschäftigten Einfluss zu nehmen versuchen, werden ihre Bemühungen als ungerechtfertigte Ausnutzung des Staates angeprangert, weil sie an der ständigen Kontrolle des Staates nicht beteiligt sind.

Es ist eine Tatsache: Nur der Reichtum des Establishments – sein Recht auf Eigentum - wird durch den Staat geschützt.

Dabei sollten Sie auch den unvergessenen Ausspruch der (geizigen Milliardärsgattin) Leona Helmsley bedenken: "Nur die kleinen Leute zahlen Steuern."

Auch die Ungerechtigkeit des Steuersystems ist politische Repression, und weil sie die Menschen einschüchtert, gehört sie ebenfalls zum Staatsterrorismus. Das Establishment muss sich nur um den Verlust seiner Steuerschlupflöcher sorgen, während die Arbeiter und die Armen Angst haben müssen, ihre Häuser zu verlieren: Die Ober- und die Unterklasse sehen sich also beide von "terroristischen" staatlichen Eingriffen bedroht, die eine unberechtigt und die andere zu Recht.

Das Establishment bemäntelt nicht nur den Imperialismus nach außen, sondern auch die Repression nach innen durch Propaganda-Kampagnen – also sprachliche Gewalt – und (bewusst erzeugte) soziale Strukturen. Dieser Staatsterrorismus findet natürlich nicht offen, sondern nur verdeckt statt.

Nur wenn die Bevölkerung rebelliert und das Establishment herausfordert, tritt der Terrorismus (zumindest) in der Sprache offen zu Tage.

Wenn das Militär, die Polizei oder die Geheimdienste selbst einen Aufruhr auslösen oder einen ausgebrochenen Aufruhr niederschlagen, gilt das aber nicht als Terrorismus, sondern als Aufrechterhaltung der Sicherheit des Staates.

So hilft auch die Manipulation der Sprache die unteren Klassen zu unterdrücken.

Die Sprache und die Psychologie des Staatsterrorismus

Die von der US-Rüstungsindustrie beherrschte Kriegsmaschinerie hat niemals zugegeben, dass der Überfall auf den Irak ein Terrorakt war; die Invasion war nicht politisch motiviert, weil die Kriegsmaschinerie vom Establishment beherrscht wird. Das Establishment, das vom Krieg profitiert, ist eigentlich nicht an Politik interessiert; es ist ideologisch neutral und nur auf Profitmaximierung fixiert.

Trotzdem üben die USA ihren unerwünschten politischen Einfluss auf das Ausland mit Mitteln des Staatsterrorismus aus: mit Flugzeugträger-Gruppen, Bombern, Atom-U-Booten, Invasionen, die Angst und Schrecken verursachen, und durch Pazifizierungs-Programme, den Sturz von Regierungen und die Einsetzung repressiver Marionettenregimes.

Dieser Staatsterrorismus, der niemals so genannt wird, ist die größte verdeckte Operation der psychologischen Kriegsführung aller Zeiten. Zu seiner Tarnung ist er darauf angewiesen, die Bezeichnung "Terrorismus" nur für Taten wie die Anschläge von Selbstmord-Attentätern, die Entführung eines Flugzeuges oder die Enthauptung eines Kollaborateurs zuzulassen. Als Terror dürfen nur "selektive Terrorakte" von Rebellen und Nationalisten gelten, denen, wenn sie in ihren Ländern entwaffnet und geächtet sind, nur die Möglichkeit bleibt, sich zu unterwerfen.

Selektive Terrorakte wollen eine psychologische Wirkung erzielen: Kollaborateure sollen isoliert werden, und die Unterdrückten sollen erkennen, dass die Rebellen in der Lage sind, gegen die Unterdrücker zurückzuschlagen. Brutale Pazifizierungs-Kampagnen mit den Angst und Entsetzen hervorgerufen werden sollen, sind Akte des Staatsterrorismus, die den Menschen die Möglichkeit nehmen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen; mit selektiven Terrorakten ist das nicht möglich. Das ist ein großer, bedeutsamer "Klassen"-Unterschied.

Das National Security Establishment weiß sehr wohl, dass durch selektive Terrorakte politische und psychologische Ziele zu erreichen sind, die mit dem Staatsterrorismus nicht erreicht werden können; durch selektive Terrorakte können Menschen für revolutionäre Ideen begeistert werden. Um das zu verhindern, setzt auch das National Security Establishment selbst selektive Terrorakte ein, die gegen die Rebellen, ihre Familien, ihre Freunde und ihre Häuser gerichtet sind.

Diese Art selektiven Terrors wird zwar in diesem Fall zur Terrorbekämpfung eingesetzt, Sie sollten sich aber nicht verwirren lassen: Auch das ist Terrorismus. Terror ist immer psychologisch und politisch motiviert; Staatsterrorismus will die Menschen lähmen, sie beeinflussbar, unterwürfig und apathisch machen und/oder angeblich ihr "Einverständnis" gewinnen.

Das National Security Establishment hat natürlich erkannt, dass es auch durch psychologischen Terror politische Siege erringen kann, ohne allzu viele Schüsse abfeuern zu müssen.

Der ehemalige CIA-Direktor William Colby hat einmal gesagt: "Schon der vermittelte Eindruck einer latenten Bedrohung durch Terrorakte reicht aus, um Menschen zu angepasstem Verhalten zu bringen."

Dieses Prinzip der psychologischen Beeinflussung "durch das Gefühl der latenten Bedrohung durch Terror" bringt uns zu dem Geschäft zurück, das die USA mit dem Terror betreiben.

Das Geschäft mit dem Terror

Staatsterrorismus – also Kolonialpolitik im Ausland und politische Repression im Inland – ist das wichtigste Instrument zur Erzielung von Profiten und zum Schutz des Eigentums der Besitzenden. Fragen Sie nur die in den USA lebenden Indianer!

In ihren Kolonien beseitigen die USA mit Hilfe des Staatsterrorismus erst den gesetzlichen Schutz für Rebellen; Inhaftierung, Folter und Massenexekutionen sind dann der Preis für jede Rebellion gegen die US-Außenpolitik.

Dieser Staatsterrorismus im Ausland wird in den Massenmedien natürlich niemals als Imperialismus bezeichnet, weil auch die Medien dem Großen Geld gehören; zwei der wichtigsten Medienkonzerne sind sogar im Besitz der Rüstungsindustrie.

Auch der Staatsterrorismus, der die "innere" Sicherheit" garantiert, wird nicht offen praktiziert – die USA behaupten, selbst keine politischen Gefangenen zu haben. Aber der National Security State ist gut organisiert und verfügt über genügend Spezialisten für Sprachmanipulation und politische oder psychologische Kriegsführung, die seine Bürger in Schach halten können.

"Gewalt gegen Einzelpersonen ist etwas für Amateur-Diktatoren," sagte der zweimalige Nobelpreisträger Johan Galtung. "Strukturelle Gewalt ist das Werkzeug der professionellen Unterdrücker. Der Amateur, der herrschen will, setzt Waffen ein. Der Professionelle nutzt dazu die Sozialstruktur. Die legale Ungerechtigkeit des Sozialsystems und seiner Einrichtungen – auch der Regierung – ist verborgene Gewaltausübung. Strukturelle Gewalt wird ausgeübt durch eine Sozialstruktur, die Ausbeutung und soziale Ungerechtigkeit zulässt."

Wie Colby gesagt hat: "Schon der vermittelte Eindruck einer latenten Bedrohung durch Terrorakte reicht aus, um Menschen zu angepasstem Verhalten zu bringen."

Der Krieg gegen den Terror und seine als "Homeland Security" (Heimatschutz) verkaufte innenpolitische Variante bestimmen das Gesetzt des Handelns in den USA; die legale ungerechte Sozialstruktur wird durch Inhaftierungen (ohne richterliche Anordnung) gesichert, die erst durch den Patriot Act und eine Reihe, teils geheimer Präsidenten-Verfügungen möglich wurden.

Die Abschaffung des ordentlichen Gerichtsverfahrens pervertiert endgültig ein Rechtssystem, das bereits einseitig darauf ausgerichtet ist, nur die besitzende Elite zu schützen und die Gefängnisse durch die Anwendung struktureller Gewalt nur mit Armen zu füllen, die hauptsächlich durch Drogendelikte straffällig werden.

Die neuen Antiterror- und Antidrogen-Gesetze des Establishments machen den National Security State zur furchtbarsten, politisch und psychologisch verdeckt operierenden Kriegsmaschinerie, welche die Welt jemals gesehen hat. Und dieser National Security State weitet sich ständig aus: Nach der Artikelserie "Top Secret America" in der WASHINGTON POST sind bereits 750.000 Personen mit seinem Schutz beauftragt.

Dieser geheime Staat im Staate kontrolliert alle wichtigen und viele weniger wichtige innenpolitischen Bereiche. Er umfasst natürlich auch die US-Rüstungsindustrie, und lässt – weil sie Jobs sichern – sogar die imperialistischen Raubkriege der USA in einem günstigen Licht erscheinen.

Es gibt also genügend psychologisch eingenordete "Staatsschützer", welche das durch mehrfache tiefe Ringgräben geschützte Establishment absichern.

Da der National Security State nach dem Modell einer totalitären Herrschaft der Großkonzerne aufgebaut ist, entspricht er der klassischen Definition einer faschistischen Diktatur. Wir kennen auch die mit ihm verfolgten Ziele , denn sie wurden bereits festgelegt.

In den Tagen nach dem 11.9. sagte Kenneth W. Starr, ein knallharter, äußerst rechts angesiedelter Republikaner, der das (wegen der Lewinsky-Affäre eingeleitete) Amtsenthebungsverfahren gegen Clinton betrieben hat, die Gefahr des Terrorismus "verlange aus Gründen der Staatssicherheit Achtung vor den Maßnahmen politischer Institutionen".

Aber ist es denn heute immer noch unerlässlich, sich kritiklos den politischen Institutionen – sprich den rechtslastigen Ideologen – zu beugen, die den National Security State beherrschen? Und was bedeutet es für Gegner des Establishments, wenn es in den USA keine ordentlichen Gerichtsverfahren mehr gibt und nur noch politische Willkür herrscht?

Michael Ledeen, ein ehemaliger Antiterrorexperte aus dem National Security Council (dem Nationalen Sicherheitsrat) Ronald Reagans, machte für die Anschläge am 11.9. Clinton verantwortlich, weil der versäumt habe, "den Sicherheitsapparat des Staates richtig zu organisieren". Zur Lösung dieses Problems forderte Ledeen diejenigen, die seiner Meinung nach, die Sicherheit vernachlässigt haben, auf, "ihre korrumpierten Einstellungen endlich aufzugeben". Gemeint hatte er damit den Liberalismus.

Mit anderen Worten, die reaktionäre Rechte, die den National Security State ohnehin beherrscht, will die Menschen total reglementieren, um eine nur auf Sicherheit bedachte, gleichgeschaltete Bevölkerung zu schaffen, die Fahnen schwenkend im Gleichschritt zum Sieg im Krieg gegen den Terror marschiert. So kreieren die Spezialisten für nationale Sicherheit die erforderliche faschistoide Sozialstruktur – durch Terror nach innen, das erfolgreichste Organisationsprinzip aller Zeiten. Ledeen hat erklärt: "Es ist wieder Zeit für die alte Devise `Bringt sie alle um, und lasst Gott sie anschließend aussortieren!` Neue Zeiten erfordern neue Menschen mit neuen Standards. Die ganze politische Welt wird uns verstehen und beklatschen. Nur so haben wir eine Chance, unsere Vorherrschaft zu bewahren."

Mit der "politischen Welt" meinte Ledeen natürlich die Besitzenden, die Betreiber des Staatsterrorismus, die rechten Ideologen, die den National Security State propagieren und das kapitalistische Establishment, dem sie dienen.

Ihr US-Bürger, das Establishment hat zumindest den Propaganda-Krieg gewonnen!


Quelle und Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

Montag, 20. September 2010

Wenn Politik Klamauk wird



Gespenster gehen um in Europa - rassistische Gespenster, wie Thilo Sarrazin. Heute fordert Gabriel härtere Gangart in der Ausländerpolitik. Beim doppelzüngigen Gabriel glattes Standardrepertoire. Ihre Hintermänner sind real, basteln an einer Gesellschaft unter Führung grauer Herren, die versuchen, uns dazu zu bringen, der falschen Fährte zu folgen die sie auslegen. Es scheint immer noch zu funktionieren. Haben wir es nicht schon immer so gemacht? Blindekuh mit zugemüllten Hirnen, verbundenen Augen und einfachen Regeln. Der Feind war der "Franzos", der "Engeländer", der Russe und dann die Bolschewiken. Hat man im vereinten Europa abgeschafft. Ok, der Russe ist noch immer suspekt - die Bolschewiken sind ausgestorben.

Während wir versuchen im schönsten aller Zustände, dem Klamauk, zu leben, machen sich graue Eminenzen an die Arbeit sich die Welt unterzubuttern. Sie sind auf gutem Wege es zu schaffen. Mit unserer Hilfe. "Denn wir wissen nicht was wir tun". Momo und den weisen Meister Hora gibt es nicht als Glücksbringer. Wir müssen uns schon selbst befleißigen die Suche nach den grauen Herren in Nadelstreifen aufzunehmen um die Bohrer da anzusetzen wo es richtig weh tut.

Bis heute tut den grauen Eminenzen überhaupt nichts weh, sie tun uns weh, sie wollen Rassismus, er ist von ihnen gewollt, dient dem Erhalt der "Oben-Unten-Gesellschaft", hält Gesellschaften am Rande des Verhungerns. In einer mehr, in anderen etwas weniger. Uno-Millenniumsgipfel: "Masterplan gegen Armut vor dem Aus".

In Schweden wurde gestern gewählt. Als groß gehandelter Gewinner die "Schwedendemokraten" mit 5,7 Prozent der Wählerstimmen und 20 Abgeordneten ab ins neue Parlament. Eine Partei, die mit fremdenfeindlichen, rassistischen Parolen Stammtische erobert, aber eben auch Mandate. Keine der anderen Parteien will mit ihnen etwas zu tun haben. Klingt gut, hört sich noch besser an und erlaubt es den Grünen, die eigentlich mit den Sozis und den Linken eine Regierung bilden wollten, nach nur einigen Stunden des Zierens, sich nun für Gespräche mit den aus konservativen Parteien bestehenden Regierungs-Bündnisses zu öffnen, um ihnen ein Weiterregieren zu ermöglichen. Ok, das ist besser als mit den offen faschistischen Kräften zusammenzuarbeiten, die den Wohlstandsstaat genauso in den Mülleimer stampfen wollen, wie die Regierung Reinfeldt es in den letzten vier Jahren bereits angefangen hat zu tun. Für das Europa-Projekt "Sozialabbau" finden sich immer schnell Verbündete, die den grauen Herren mit Nadelstreifen hilfreich zur Hand gehen. Sollte in Klamaukgesellschaften auch kein wirkliches Problem sein.

Kapitalistische Staaten sind wie führungslose Dampfrösser. Plündern die Staatskassen, damit Börsenspekulanten fortfahren können, mit den Milliardenhilfen der Steuerzahler in diesem verlotterten System des Casino-Kapitalismus, zu spielen . Er entrechtet die Arbeitenden, dezimiert die Realwirtschaft, verweigert Gelder um öffentlichen Schulen und Sozialeinrichtungen in Schuss zu halten. Er vergiftet unseren Planeten. Wir verlieren jedes Jahr auf der ganzen Welt Ackerland, größer als Schottland durch Erosion und Ausdehnung der Städte. Es gibt schätzungsweise 25 000 Menschen, die jeden Tag irgendwo in der Welt an verseuchtem Wasser sterben. Und etwa 20 Millionen Kinder werden jährlich durch Unterernährung geistig behindert.

Wir sind viele, die dabei helfend zur Hand gehen.

Klamauk als billigste Alternative zu Politik. Der kapitalistische Staat als Werkzeug von Partikularinteressen, mit den gefährlichsten Sprüche der letzten Tage.
Merkel: „Nicht weniger als eine Revolution im Bereich der Energieversorgung.“, Seehofer: „ein neues Zeitalter der Energiepolitik“, Westerwelle: „Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik hat eine Regierung soviel für den Ausbau Erneuerbarer Energien getan wie wir,“ Brüderle: „Das neue Energiekonzept wirkt preisdämpfend“, Röttgen: „Die Sicherheit ist nicht Verhandlungsgegenstand“.

FH

© Gegenmeinung

Samstag, 18. September 2010

Israel stimmt milliardenteuren „Geschenk” an Kriegsflugzeugen zu

Obwohl die Vereinigten Staaten von Amerika dafür bezahlen, führten die hohen Kosten zu einer Debatte in israelischen Militärkreisen

Jason Ditz

Vertreter der israelischen Regierung bestätigten heute, dass sie weiterhin ihre Pläne verfolgen werden, eine Anzahl von F-35 Stealth Kampfflugzeugen von dem Vertragspartner des Militärs der Vereinigten Staaten von Amerika Lockheed Martin zu „kaufen.“ Laut Berichten soll es um einen Wert von $ 2,75 Milliarden gehen, was diesen Handel zu einem der größten Waffenkäufe aller Zeiten machen würde.

Die hohen Kosten der F-35s führten zu einer Kontroverse in israelischen Militärkreisen, was vielleicht deswegen überrascht, weil die israelische Regierung nicht einmal zehn Cent für die Kampfflugzeuge bezahlen wird.

Die gesamten Kosten werden hingegen von der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika getragen in der Form von Militärhilfe, was heißt, dass die Vereinigten Staaten von Amerika das Geld direkt an Lockheed überweisen und die Kriegsflugzeuge gratis nach Israel liefern werden.

Die enormen Kosten der F-35 machen dieses Thema auch sehr umstritten in den Vereinigten Staaten von Amerika, wobei die Frage, ob Israel ein paar von den Flugzeugen bekommen soll, in keiner Weise gestellt worden zu sein scheint. Die Lieferung soll 2015 erfolgen, wenn alles nach Plan verläuft.

Erschienen am 16. September 2010 auf >
http://www.antiwar.com > http://news.antiwar.com/2010/09/16/following-fierce-debate-israel-decides-to-buy-f-35-warplanes/

Quelle: www.antikrieg.com

Freitag, 17. September 2010

Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Armut in den USA steigt und steigt, und steigt.....



Die Verheißungen des Kapitalismus erweisen sich immer mehr als uneinlösbar. Bei einem Wirtschaftssystem, aufgebaut auf ewigem Wachstum, ein BNP das heute zu 30 Prozent im Finanzsektor gemacht wird, um zumindest ein imaginäres Wachstum vorzugaukeln. Die nächste Finanzblase ist vorprogrammiert. Das Problem ist, dass Finanzen keine Industrie sind. Finanzgeschäfte schaffen keinen Wohlstand, tatsächlich zweigen sie mittels Zinsen Wohlstand von dem ab, was real erwirtschaftet wird. Wenn also der Finanzsektor ein Drittel des Bruttosozialprodukts ausmacht, heißt das, dass wir alle um ein Drittel ärmer sind, als wir sein müssten. Zumindest theoretisch.

Der Kapitalismus macht die Reichen reicher und die Armen ärmer – statt wie versprochen Wohlstand für alle zu schaffen. Die Hohen Priester des Kapitals haben über dieses Thema viele Schriften verfasst, die inzwischen auf unzählige Regalkilometer angewachsen sind, um das Versprechen "wirtschaftswissenschaftlich" zu begründen. Gelebte Ungleichheit prägt das Menschenbild dieser Zunft. Der Mensch ein "Homo oeconomicus", der nur nach rationalen Nützlichkeitserwägungen handelt. Sozusagen eine Voraussetzung für Wachstum und Wohlstand, von der am Ende auch die Armen profitieren würden. Anstelle des Homo sapiens, trat die neue Gattung Homo oeconomicus, die es mit aller Macht zu etablieren galt.

Hilfreich bei diesem Projekt war auch der extra für Ökonomen erfundene "Preis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank in Gedenken an Alfred Nobel" der umgangssprachlich schnell zu einem "Wirtschaftsnobelpreis" avancierte. Nobel war zu Lebzeiten wenig beeindruckt von der Ökonomie als Wissenschaft. Zudem war er schon lange tot als der Preis 1968 von der schwedischen Reichsbank gestiftet wurde. Prestige und Ansehen sind aber wichtige Voraussetzungen für diejenigen die Macht ausüben wollen und zwar große Macht. Mit König, Nobel-Medaille, Hymne und allem Pipapo, befriedigt man nicht nur persönliche Eitelkeiten, vor allen Dingen wiegen vorgebrachte Argumente, die in diese und jene Richtung weisen, ungleich schwerer. Neun von zehn Preisträgern, kommen bis heute aus den USA. Na, wenn das nicht gewollt war.

Haben es die USA doch geschafft sich und ihre Kriege seit Jahrzehnten vom Ausland in USD finanzieren zu lassen, und in "selbstgedruckten" USD zurückzuzahlen. Das Risiko von Währungsschwankungen existiert für den Greenback nicht - so lange man Weltleitwährung ist. Milton Friedman ein führender Kopf des Neoliberalismus und Empfänger des Nicht-Nobelpreises 1976, durfte dann seine Theorien, nachdem Nixon und Kissinger mit Hilfe der CIA, den demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende durch einen Putsch beseitigten, bei dem er sein Leben lassen musste, in die Tat umsetzen. Unter seiner Leitung führte eine handverlesene Gruppe chilenischer Ökonomen, die Friedmans Ansichten teilen mussten, maßgeblich eine neoliberale Wirtschaftsordnung in Chile ein, die der von den USA eingesetzte Militärdiktator Pinochet "demokratisch" absegnete.

In Chile ermordeten Pinochets Schergen 4.000 Menschen, Tausende wurden gefoltert, über 20.000 Menschen flohen schon 1973 ins Ausland. In den Augen neoliberaler Wahrheitsverkünder sind das "Kollateralschäden" die man in Kauf nehmen muss. So funktioniert die Ideologie des Homo oeconomicus mit unsichtbarer Hand und freien Märkten. Jedes gesellschaftliche Gegenmodell wird "zerquetscht", wie Nixon es ausdrückte. Schließlich stehen "amerikanische" Interessen auf dem Spiel. Damit meinte er explizit die Interessen US-amerikanischen Privatkapitals. Die Gleichstellung von "privaten" und "nationalen" Interessen, wobei die privaten nur eine kleine, priviligerte Ausbeutertruppe umfassen, sollte man sich immer vergegenwärtigen, wenn von freier Marktwirtschaft, im Zusammenhang mit Demokratie, geredet wird. Wirkliche Demokratie kann nur dann funktionieren, wenn auch Demokratie in der Wirtschaft ihren Einzug hält. Alles andere ist im besten Fall Selbstbetrug. Über den laufende Erosionsprozess demokratischer Rechte in den parlamentarischen Demokratien des Westens ist viel berichtet worden. Weniger von der Mainstream als im Netz. Auch auf dieser Seite. Gerade in den USA hat diese Wirtschaftsordnung für die dortige Bevölkerung immer weniger an positiven Resultaten vorzuweisen.

Von den heute 308 Mio. Einwohnern der Vereinigten Staaten leben inzwischen 44 Mio. unter der Armutsgrenze. Das sind mehr als 14 Prozent der Gesamtbevölkrung. Für eine vierköpfige Familie, liegt die Armutsgrenze umgerechnet bei einem Jahreseinkommen von weniger als 17.000 €.
Da sind große Wanderbewegungen angesagt. John Thomson, geht von Notunterkunft zu Notunterkunft. Vom Haus eines Verwandten zum Haus eines Freundes. Alle seine ärmlichen Habseligkeiten finden Platz in seinem schmutzigen Rucksack. Keine Wohnung, nichtmals einen billigen Wohnwagen nennt er sein eigen - und die Notunterkünfte sind ständig überfüllt. Thomson hat gerade eine Suppenküche aufgesucht, einige Häuserblocks hinter dem Kongressgebäude in Washington, nur um eine Mahlzeit für diesen Tag zu erhaschen. Heute werden braune Papiertüten mit Konserven und Gemüse am laufenden Band ausgeteilt.
Immer mehr US-Amerikaner werden arm - im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Über 4 Mio. sind allein voriges Jahr unter die Armutsgrenze gerutscht. Mehr als 20 Prozent der Kinder leben heute in Armut. Alles nach neuesten offiziellen US-Statisken. Die meisten Experten sind sich darin einig, dass die Anzahl der US-Amerikaner, die in Armut leben, auch weiterhin steigen wird.

Das neue Jahrzehnt hat den US-Arbeitern ein Niveau sozialen Elends beschert, wie sie es seit den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts nicht mehr erlitten haben. Arbeitslosigkeit, Armut, Hunger, Ausschluss von der Versorgung mit Energie und Wasser, Obdachlosigkeit, Zwangsvollstreckung und Zahlungsunfähigkeit sind zu alltäglichen Erfahrungen für Millionen geworden.

Und was macht die Regierung? Die beiden Parteien des großen Geldes verschärfen die Krise sogar noch, indem sie in den Bundesstaaten und auf lokaler Ebene die (Sozial-)Haushalte kürzen.

Nun, das ist nicht nur in den USA so. Es ist auch so in Deutschland. In ganz Europa fährt der Zug in die gleiche Richtung wie in den Vereinigten Staaten. Die Welt des Homo oeconomicus ist eben nicht die Welt des Homo sapiens. Da gibt's gewaltige Unterschiede in der Betrachtungsweise des Daseins. Nich alles ist liebenswert was nützlich erscheint. Wir brauchen einen Systemwechsel. Mit oder ohne Prestigepreisträgern. Die Illusion "Nobelpreis" schützt vor Fehlleistungen nicht. Nicht auszudenken wie sie auf Volker Pispers reagieren könnten.

FH

© Gegenmeinung