Sonntag, 28. März 2010

Der Genozid an den Indianern – Parallelen zu und in Palästina

Yuram Abdullah WEILER
AUTOR: Yuram Abdullah WEILER

Übersetzt von Ellen Rohlfs.  Lektoriert von Fausto Giudice

“Eines der größten Verbrechen gegen die Menschlichkeit geschah direkt hier in den USA. Eine Unterstützung für die Erklärung der Rechte des eingeborenen Volkes ist ein Anfang, um große Fehler zu berichtigen“, erklärte die amerikanisch-indianische Bewegung in einer Presse-Veröffentlichung am 24. September 2009.


Vielleicht habe ich das natürliche Gefühl der Entrüstung und des Abscheus wegen der Ungerechtigkeiten und Brutalitäten gegenüber den einheimischen Völkern durch die US, die Zionisten und andere kolonisierenden Mächten von meiner Mutter geerbt. Bevor sie starb sagte sie mir noch, dass Vorfahren ihres Vaters ihre Wurzeln bis zu den Irokesen zurückverfolgen können.

Die USA stimmten natürlich gegen die UN-Erklärung über die Rechte der eingeborenen Völker. Nur ein Land, das seiner eigenen einheimischen Bevölkerung, den Indianern, die Rechte verweigert, kann gegen das Recht der Selbstbestimmung anderer einheimischer Völker sein.

Nur ein Land, das gegenüber seiner eigenen einheimischen Bevölkerung in massiver Weise einen Genozid ausgeführt hat, kann ein so eifriger Unterstützer des zionistischen Regimes sein, das im Augenblick mit einem palästinensischen Genozid beschäftigt ist.

Wie massiv war der Genozid an der einheimisch-indianischen Bevölkerung durch die euro-amerikanischen Kolonisten? Nach Prof. Howard Zinn: von den 10 Millionen Indianern, die nördlich des heutigen Mexiko lebten, als Kolumbus ankam, blieben weniger als eine Million. Andere Wissenschaftler setzten die Zahl um 1492 etwa auf 18Millionnen, und um 1900 auf 250 000. Der amerikanisch-indianische Holocaust, der von Euroamerikanern begangen wurde, kostete mindestens 9 Millionen Menschen das Leben.

„Dass das eine Tragödie war und mit Betrug, Barbarei und wirklich jedem anderen Fehler verbunden war, der Menschen in der 300jährigen Geschichte der Expansion bekannt ist, kann nicht geleugnet werden. Aus den ursprünglich 13 Kolonien wurde eine Nation mit mehr als 3 Millionen Quadratmeilen und 50 Staaten“ gab ein US-Senat-Komitee für indianische Angelegenheiten widerwillig zu.

Wie bemächtigten sich die US-Kolonisten des Landes der einheimischen Bevölkerung?

Das Muster war schon 1713 mit dem Vertrag von Utrecht gegeben, in dem eine Pufferzone als indianisches Land zwischen den französischen und britischen Kolonialmächten eingerichtet wurde. Zwischen den beiden gefangen, verteidigten die Indianer ihre Häuser, Familien und ihr Land mit entsprechender und verständlicher Heftigkeit gegen eine Invasion euroamerikanischer Kolonisten, die den Vertrag ignorierten und auch in der Pufferzone siedelten. …Die Invasoren verlangten US-Armee-Schutz gegen die „unzivilisierten Wilden“.

Zwangsweise Vertreibung, Umsiedlung und Hungersnot gehörte zu den Grausamkeiten, die von der US-Regierung begangen wurde, um den Genozid auszuführen. Die einheimischen Indianer wurden mit vorgehaltener Waffe aus ihren Wohnbereichen gejagt und gezwungen, sich in Reservaten neu anzusiedeln, deren Gebiete sehr viel kleiner waren, als ihr ursprüngliches Land. Einige indianische Völker wurden absichtlich geteilt wie die Cheyenne und die Seminolen; Verwandte und große Familien wurden über große Entfernungen getrennt. Ernten wurden zerstört und Büffelherden geschlachtet. Das führte fast zum Hungertod und fast zur Auslöschung vieler indianischer Völker.

Und wenn Vertreibung, Umsiedlung und der Hungertod nicht ausreichten, um den Widerstand zu brechen, dann ergänzte die US-Kavallerie die Siedlermilitia mit entsprechenden Schusswaffen und führte ein Massaker aus, wie z.B. im November 1864 im Arapaho-Dorf am Sandbach in Colorado. Dort wurden 200 Indianer getötet und schwer verletzt, mehr als die Hälfte waren Frauen und Kinder.

Wenn man auf die Methoden sieht, die zionistische Kolonisten gegen Palästinenser anwenden, sieht man sofort Parallelen zu den Methoden, die von der US-Regierung angewandt wurden, um die eingeborenen indianischen Völker auszulöschen. Dieselben Methoden von Massakern, zwangsweiser Vertreibung, Umsiedlung und Aushungerung wurden angewandt, um das Land der einheimischen Bevölkerung in den USA zu kolonisieren, wurden auch in Palästina verwendet.

Im März 1948 nahmen zionistische Kräfte einen systematischen Plan in Angriff, um Palästina von seiner einheimischen Bevölkerung zu säubern. Schwer bewaffnete zionistische Milizen übernahmen die Kontrolle von zahlreichen multi-ethnischen Städten wie Jaffa, Haifa, Safed und Tiberias und trieben schonungslos die palästinensische Bevölkerung raus. Massaker fanden in Deir Yassin mit über 250 Toten (Männer Frauen und Kinder), in Tantura wurden 200 Männer umgebracht - so auch in über 400 anderen palästinensischen Dörfern und Städten. Im Winter 1948/49 waren 90% der einheimischen Bevölkerung – etwa 750 000 Palästinenser zu Flüchtlingen geworden. ( vgl. Ilan Pappe: Die Ethnische Säuberung ER)

Die ethnische Säuberung ging 1952 weiter. Die Palästinenser wurden aus 40 weiteren Dörfern vertrieben … 1967 wurde ganz Palästina erobert und weitere 275 Palästinenser zu Flüchtlingen gemacht …

Im Augenblick (2010) ist Israels Griff um die besetzten Gebiete der Westbank und Ostjerusalem noch härter und die USA und die EU helfen mit, und die Bevölkerung des Gazastreifens wird ausgehungert. Ihr wird Lebensnotwendiges wie Lebensmittel, Wasser, Strom und Medikamente durch die Blockade, die Ägypten mit ihrer neuen Stahlwand verstärkt, verweigert. Wie die amerikanischen Indianer des 18. Jahrhundert zwischen französischen und britischen Kolonisten- so finden sich die Bewohner des Gazastreifen zwischen dem von der USA unterstützten israelisch-zionistischen Regime und der von den USA kontrollierten ägyptischen Diktatur, während die Palästinenser der Westbank eingequetscht sind zwischen dem US-Verbündeten Jordanien und der Apartheidmauer.

Der Führer des Lakota-Volkes Russell Means, der 1995 zu den amerikanisch-indianischen Studenten sprach, erinnerte sie: In der Schlacht am Wounded Knee 1973 waren wir umgeben von der bewaffneten Macht der USA, dem militärisch mächtigsten Land der Welt – aber wir waren frei. Ähnlich wird es den Palästinensern in Gaza und den besetzten Gebieten gehen; sie mögen jetzt umgeben sein von der bewaffneten Macht der von den USA finanzierten Zionisten, aber sie werden frei sein.

"Der weiße Mann weiß, dass er fremd ist und er weiß, dass Nordamerika indianisch ist", bemerkt der indianische Gelehrte Vine Deloria, Jr. Ebenso weiß der eurozionistische Kolonialherr, dass er fremd ist und dass "Israel" palästinensisch ist.

Eines Tages wird Palästina kolonistenfrei sein, so wie Nord- und Südamerika und indigene Völker überall werden ihr Recht auf Selbstbestimmung ausüben können.

Eines Tages werden die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Israel, Frankreich und alle, die an der Kolonisierung der Länder mitschuldig sind, die Indianern, Palästinensern und anderen indigenen Völkern gehören, zur Rechenschaft für ihre Verbrechen gezogen werden.



Quelle: Blog des Autors - Native Indian Genocide: Parallels in Palestine

Originalartikel veröffentlicht am 23.2.2010

Über den Autor

Ellen Rohlfs und Fausto Giudice sind Mitglieder von Tlaxcala, dem internationalen Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, die Übersetzerin, der Prüfer als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=10234&lg=de

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