Montag, 26. Juli 2010

Al-Dschaziras verräterische Berichterstattung am Beispiel 'Wer sind die al-Shahab'



Einar Schlereth

Der Text 'Who are the al-Shahab' (Wer sind die al-Shahab') vom August vorigen Jahres wurde vor ein paar Tagen erneut ins Netz geschoben. Das mag verdienstvoll erscheinen, denn authentische Nachrichten über al-Shahab sind so gut wie nicht existent.

Der 1996 vom Emir von Katar gegründete arabische Fernsehsender Al-Dschazira hat seinen kometenhaften Aufstieg in die internationale Medienszene erst 2001 durch seine Berichterstattung über den Krieg in Afghanisten begonnen. Hervorstechend war seine genuin bürgerliche 'pro & contra' Darstellung politischer, aber auch anderer Themen, was nicht nur in der arabischen Welt als geradezu revolutionär angesehen wurde. Vor allem die Amerikaner, die ihre bürgerlich-demokratischen Grundsätze schon längst über Bord geworfen haben, sahen in dem Fernsehsender eine so große Bedrohung, dass sie das Sendebüro von Al Dschazira in Kabul durch einen Bombenangriff zerstörten (wie später auch das Büro in Belgrad).

Begleitend übten sie auf den Emir von Katar starken Druck aus, den Sender endlich an die Kandare zu nehmen. Doch dieser widersetzte sich lange und bot den Amerikanern stattdessen Vergünstigungen, die fast an Selbstaufgabe grenzten – wie etwa eine der größten Luftwaffenbasen in der arabischen Welt.

Doch nun ist es endlich so weit – al-Dschazira hat klein beigegeben, durch welche Kabalen, Bestechungen und politische Manöver werden wir allmählich erfahren. Nun berichtet man politisch korrekt. Als Beispiel mag der Shahab-Artikel dienen.

Nachdem erwähnt wird, dass die Regierung der 'Vereinigung Islamischer Gerichte' fast ganz Somalia unter Kontrolle hatte – wobei man 'vergass' zu sagen, dass Ruhe und Ordnung herrschten und das Land einen ökonomischen Aufschwung nahm, heißt es im dritten Absatz:

Sie wurde jedoch durch äthiopische Truppen, die der von der UNO unterstützten beinahe machtlosen Interimsregierung zu Hilfe kamen, außer Landes getrieben.

Hoppla – äthiopische Truppen? Wo kommen die her? Wer hat die denn gerufen oder - vielleicht geschickt? Na wer wohl? Die Amerikaner, deren Polizist Äthiopien seit langem am Horn von Afrika spielt. Aber kein Wort darüber. Auch nicht, dass die US-Luftwaffe aktiv mithalf und in die Kämpfe eingriff und – was sie am liebsten macht, wie ich selbst als Kind auf der Flucht erleben durfte – die Flüchtlingstrecks nach Kenia bombardierte.

Nun gut. Man installierte also auf äthiopischen Bajonetten eine Marionettenregierung, der es aber nicht gelingt, viel mehr als die Gebäude der Regierung zu halten. Denn:

Seit Sharif an der Macht ist, hat al-Shahab einen brutalen Krieg gegen die somalische Regierungsarmee geführt.

Na so etwas. Die Marionette darf nicht friedlich regieren, sondern die brutale al-Shahab will ihn brutal verjagen.

Dann gibt al-Dschazira zu, dass man eigentlich nichts über die Gruppe weiß. Also fängt man an zu fabulieren und sich auf die Kommuniques des Pentagon zu stützen. Die Führer der al-Shabab seien in Afghanistan ausgebildet worden, aha (Nachtigall, ick hör dir trapsen), nun kommts:

Man behauptet, dass al-Shahab Verbindungen zur al-Qaida habe, und sie sich auf der US-Liste von 'Terroristen-Organisationen' befindet.

Da sieht man mal. Wobei letzteres wohl keine Behauptung sondern ein Faktum ist. 'Man behauptet' – ein Beispiel für genaue Berichterstattung, der berühmte 'man'. Aber es hat sich ja mittlerweile herumgesprochen, wer sich hinter diesem 'man' verbirgt: die Kamarilla von Bankstern, Gangstern und Ganoven um das Weiße Haus herum, wozu natürlich die Mafia von Rüstungsmagnaten, Legionärshändlern und Kriegshetzern in den Medien auch gehören.

Und dann kommt der Knüller:

Der FBI zeigte sich besorgt, dass die Gruppe versuchen könnte, westliche Staatsangehörige für den Kampf in Somalia zu rekrutieren, und Ahmed hat mehrmals von einem Zustrom fremder Kämpfer gesprochen, die den Krieg anfachten.

'Das FBI zeigt sich besorgt' – natürlich nicht um die Menschen in Somalia, denen Bomben auf den Kopf regnen – dass westliche Staatsangehörige rekrutiert werden könnten. Na, auf die wartet al-Shahab gerade. Wenn sie etwas nicht braucht, dann sind es Kämpfer aus dem Westen. Sie haben selbst mehr als sie brauchen. Und wer den Krieg angefacht hat, dürfte wohl hinreichend klar sein – niemand anderes als die Amis selbst. Und als Krönung des Ganzen, kommt am Ende noch ein Rundumschlag – auch wenn man nichts Genaues weiß:

… Eritrea und einige arabische Länder sind angeklagt worden, den Konflikt zu finanzieren.

Angeklagt - von wem? Das erfährt man nicht. Immerhin fügt man mutig hinzu, dass Asmara – d.h. die Hauptstadt von Eritrea – die Anklagen zurückgewiesen hat.
Dieser al-Dschazira – Bericht ist also absolut nichtssagend und läßt mehr aus als er berichtet. Aber er erfüllt seinen Zweck, denn er haut in die Kerbe, die Washington sorgfältig vorgezeichnet hat.

Zum Abschluß noch ein Link zum Bericht eines Augenzeugen aus Asmara, der Hinweise dafür liefert, weshalb man ausgerechnet Eritrea völlig willkürlich mit Schmutz bewirft und auch noch bestraft, auf deutsch hier und auf englisch hier





Danke Einar Schlereth
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 26/07/2010
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=725

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