Freitag, 9. Juli 2010

Rassistisches Schweigen

Die Wüste begrünen – Eritreas Manzanar Mangroven Wunder


AUTOR: Thomas C. MOUNTAIN

Übersetzt von Einar Schlereth

Entlang der beinahe fast ausgedörrten Wüstenküste am Roten Meer kann man das Wunder eines grünen Waldes finden, der sich über 10 km erstreckt – das Manzanar Mangroven-Projekt.
Es wurde vor ca. 15 Jahren an der Zulu Bay-Küste begonnen, einst die Heimat von Afrikas verlorener Zivilisation Punt. Nun ist dort ein üppiger Mangrovenwald wiederhergestellt worden inmitten von tausenden von Kilometern Wüste, der nun eine geschützte Bucht ist für sowohl Fische und Garnelen als auch eine Futterquelle für Tiere. Mangrovenblätter und -samen liefern fast die gesamten Nahrungsbedarf für Ziegen, Schafe und Kamele, wodurch die Menschen dieses Gebietes mit Milch und Fleisch versorgt werden, was zusammen mit Fisch ihren Lebensunterhalt seit urdenklichen Zeiten bildete.

All dies ist das Werk eines japanischen Amerikaners, Dr. Gordon Sato, der sein persönliches Vermögen, das er durch medizinische Erfindungen gewonnen hatte, nahm und es dazu benutzte, die früher unfruchtbaren sandigen und verschlickten Buchten in einen smaragdgrünen Dschungel zu verwandeln, fast 7 m hoch, wobei er Salzwasser benutzte. Genau, Salzwasser kann benutzt werden, um unfruchtbare Küsten aufzuforsten, und es kann sogar ins Inland gepumpt werden und zum Begrünen der Wüste verwendet werden.
Dr. Sato feiert mit Dorfbewohnern in Hargigo. Foto Manzanar Project

Alles, was dazu vonnöten ist, ist ein wenig Stickstoff- und Phosphordünger in Plastikbehältern mit zwei Löchern, um ein allmähliches Entweichen des Düngers zu ermöglichen. Das vergräbt man etwa 60 cm tief im Sand und Mangroven können dort wieder wachsen, wodurch eine trostlose, zerstörte Küste in ein grünes Wunder von Meeresleben und lebenspendendem Wald verwandelt wird.

Die niedrige Mangrove, so oft verteufelt als Quelle von stinkenden, von Insekten und Krankheiten verseuchten Sumpfgebieten, ist der Schlüssel zur Bekämpfung von Trockenheit, Küstenverwüstung. Küstenerosion und einer Reihe anderer Probleme, die an den Küsten der Ozeane der Welt auftauchen. Mangroven wachsen gewöhnlich nur, wo es genügend Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor gibt, die sich nicht in Salzwasser finden, aber von Süßwasserabflüssen herbeigeführt werden. Durch die jahrtausendelange Verwüstung sowohl der ost- und westafrikanischen Küsten als auch der Küsten im westlichen und südlichen Asien sind viele der einst gut gedeihenden Mangrovenwälder verschwunden und finden sich nur noch an wenigen isolierten Punkten.

Aber all dies ändert sich, obwohl man sich nur wundern kann, weshalb bei all dem Gerede über Klimaveränderung Dr. Sato nicht Empfänger von hunderten von Millionen Dollardarlehen ist, um zu helfen, dieses Wunder in der ganzen Welt zu verbreiten. Heute, wo sein privates Vermögen verbraucht ist, sind auch andere Geldquellen versiegt, obwohl er Umweltpreise von der Rolex Foundation und der Asahi Foundation erhalten hat, und Dr. Satos Werk ist an seine Grenzen gestossen.
Die Mangrove. Foto Manzanar Project

Und der Grund weshalb, kann durch das eigentliche Konzept erklärt werden, drei widersprüchliche Ideen: Manzanar, Mangroven und Wunder. Zuerst der Name: das Manzanar-Projekt ist benannt nach einem Verbrechen gegen die Menschheit, begangen in den USA unter der Federführung von zwei der berühmtesten „Liberalen“ der US-Geschichte des 20. Jahrhunderts, Franklin Roosevelt und Earl Warren. Hunderttausende amerikanischer Japaner wurden Opfer einer ethnischen Säuberung, die auf Befehl von Präsident Franklin Roosevelt und dem Gouverneur von Kalifornien, dem späteren Obersten Richter Earl Warren bei Ausbruch des 2. Weltkrieges durchgeführt wurde. Sie wurden verhaftet und ins Gefängnis geworfen und ihr gesamter Besitz und Eigentum wurde legal gestohlen, und am Ende wurden sie in Konzentrationslager gesperrt, häufig inmitten einer richtig schlimmen Wüste – und all dies geschah durch die Führer, die als die führenden Leuchten des Liberalismus in den USA bezeichnet wurden. Eines dieser Lager hieß Manzanar, und dort fand sich Dr. Sato als kleiner Junge zusammen mit seiner Familie eingesperrt, wegen keines Verbrechens verurteilt, aber dennoch wie Kriminelle behandelt, und nur, weil sie die falsche Hautfarbe hatten.

Dass Dr. Sato sein Mangrovenprojekt nach solch einem Verbrechen benannt hat, ärgerte gewiss die Mächtigen in den von den USA beherrschten Hilfswerken. Und darüberhinaus sind Mangroven und Wunder zwei Wörter, die nicht zusammen benutzt werden, beinahe konzeptuell widersprüchlich in den Köpfen der meisten Leute in der sogeannten „Ersten Welt“. Manzanar*, Mangroven und Wunder – drei sehr unterschiedliche Konzepte, gelinde gesagt. Man setze sie zusammen in Eritrea, und man hat ein weiteres Beispiel dafür, wie Nachrichten über einen Umweltdurchbruch von globaler Bedeutung von den Mächtigen in der westlichen Welt unterdrückt werden, sowohl den offiziellen wie den inoffiziellen.



* Anmerkung d. Ü.: Das Manzanar War Relocation Center oder kurz Manzanar war während des Zweiten Weltkrieges 1942–1945 eines der zehn Internierungslager der Vereinigten Staaten im Rahmen der Internierung japanischstämmiger Amerikaner aus einer Sperrzone an der Westküste, die als Sicherheitsrisiko betrachtet wurden ("Enemy Alien"). Von den bis zu 10.046 Internierten waren etwa 2/3 in den Vereinigten Staaten geborene Staatsbürger der USA. Das Lager lag in der Mitte zwischen den kleinen Ortschaften Independence und Lone Pine im Tal des Owens River, Inyo County, Kalifornien auf der Ostseite der Sierra Nevada zu Füßen des Mount Williamson.

Manzanar heißt Apfelbaumpflanzung auf Spanisch – eine zusätzliche Ironie. Und nicht zu vergessen, dass Eritrea wegen seiner unabhängigen Politik schon lange von den USA ins Visier genommen und - ja richtig – wegen Terrorunterstützung auch mit Sanktionen belegt wurde.

  • Mehr zum Manzanar Mangrove Project hier


Baum des Lebens, von Betty LaDuke




Quelle: Greening The Desert: Eritrea’s Manzanar Mangrove Miracle

Originalartikel veröffentlicht am 7.7.2010

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