Freitag, 20. August 2010

Die kleinen Eliten

Mowitz
Insgesamt fielen geschätzte 220.000 bis 500.000 Sinti und Roma dem Rassenwahn der Nationalsozialisten und dem an ihnen systematisch geplanten Völkermord zum Opfer. Über ihr grausames Schicksal, wird mit Vorliebe vornehm-schweigend hinweggegangen. Jetzt, wo den Herrschercliquen Juden als Inbegriff des Bösen abhandengekommen sind, wird die Herrschaftskeule mit teilweise neuen Feindbildern geschwungen. Am Prinzip hat sich nichts geändert. Aufhetzung von Ethnien, Religionen, Klassen und Volksgruppen gegeneinander. Juden und Christen gegen Moslems, Besserverdienende gegen Hartz-IV-Empfänger - und über Allem schwebt das Recht auf Vermögenswerte, die nach oben offen sind. Der Staat, reduziert zum Nachtwächter der "unsichtbaren Hand", hat die Privilegien weniger Reicher auf Kosten der großen Mehrheit zu verteidigen. Basta!

Die große Mehrheit kommt aus dem Grübeln gar nicht raus und versteht die Welt sowieso nicht mehr, wenn sie es denn je getan hat. An irgend etwas muss es ja liegen. Die nächstliegende Erklärung, "des einen Leid, des andern Freud", oder der "Reichtum des einen, ist die Armut des andern", darf sich nicht in den Köpfen der Mehrheit verdichten. Und siehe da, man zaubert neu-alte "Parasiten" aus dem Zylinder. Haben wir nicht noch die Sinti und Roma? Sie bringen alle Voraussetzungen mit, gnadenlos als neuerschaffenes Feindbild ausgeschlachtet zu werden.

Sarkozy, der Gernegroß aus Frankreich, hat momentan Probleme. Schlechte Umfragewerte erfordern zügiges Handeln. Der Fall Bettencourt, der Frankreich erfasste, von Schecks, Steuerbetrügereien und illegalen Spenden an die Partei von Sarkozy handelt, lässt die gesamte politische und wirtschaftliche Elite blass aussehen. Also ließen sie Bulldozer aufkreuzen um die erbärmlichen Bretterbuden einer geschundenen Volksgruppe niederzuwalzen. Alles Kriminelle versteht sich, die dem französischen Staat sowieso auf der Tasche liegen. Da spricht man das "gesunde" Volksempfinden an. Und der Verlust der französischen Staatsangehörigkeit für eingebürgerte Franzosen, brachte "le petit homme", wo er doch gerade beim Reinemachen war, gleich mit ins Spiel.

Wer will bei soviel kluger Weitsicht abseits stehen? Schon bringen deutsche Gazetten, zwar noch verbrämt, ähnliches ins Spiel. Verlust der Staatsangehörigkeit bei schweren Straftaten - Sarkozys harte Linie auch in Deutschland möglich? Klar doch, Grundgesetzänderungen hat es schon wie Sand am Meer gegeben. Das sollte nicht das Problem sein.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Nach vorn ist zurück. Das wissen wir spätestens seit den "Reformen" von Rot/Grün, die über Schwarz/Rot nahtlos von Schwarz/Geld übernommen wurde.

Ende des 15. Jahrhunderts verordnete die damalige Obrigkeit, genauer gesagt der Reichstag zu Augsburg, daß alle Zigeuner innerhalb von drei Monaten das Land zu verlassen hätten.
Zudem wurde es der Bevölkerung erlaubt, einen Zigeuner zu töten, der sich auf ihrem Besitz aufhielt. "Wer Zigeuner schädigt, frevelt nicht", lautete eine Verordnung. Nicht nur in Deutschland wurden solche Gesetze erlassen. Roma wurden in ganz Europa verfolgt, vertrieben und auch getötet. In Württemberg, Preußen und in Mailand wurden aufgegriffene Zigeuner unverzüglich dem Henker übergeben.
Wir sind also wieder im Mittelalter angelangt. Dazwischen lag noch im vorigen Jahrhundert die Ermordung von Hunderttausenden Roma in den KZ:s der Vorgänger heutiger Eliten.

12.000 Roma sollen Deutschland verlassen titelt Springers Welt online und heuchelt so etwas wie Unverständnis. Aus dem Kosovo kamen sie und sollen nun dorthin wieder im Zuge der "Rückführung" abgeschoben werden. Wer waren die treibenden Kräfte bei der Zerstörung eines funktionierenden Gemeinwesens Jugoslawien?
Und dennoch haben die Westmächte mit Hilfe ihrer Vormachtstellung in der globalen Finanzwirtschaft, in Verfolgung ihrer kollektiven und individuellen "strategischen Interessen", vom Beginn der achtziger Jahre an mitgeholfen, die jugoslawische Wirtschaft zu vernichten und dabei schwelende ethnische und soziale Konflikte anzuheizen. Jetzt werden angeblich die Anstrengungen der internationalen Finanzclubs auf die "Unterstützung der kriegszerstörten Nachfolgestaaten Jugoslawiens" konzentriert. Aber während die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit sich auf Truppenbewegungen und Waffenstillstände richtet, sind die Kreditoren und internationalen Finanzorganisationen eifrig dabei, die Auslandsschulden des ehemaligen Jugoslawien beizutreiben, während sie den Balkan in ein Paradies für die freie Marktwirtschaft verwandeln. Wie Jugoslawien zerstört wurde
Mit den Folgen lässt man die Betroffenen allein. Sollen sie doch selbst damit zurechtkommen.

Im Irak, den es von einem "Tyrannen" zu befreien galt, hinterlassen die Handlanger wirtschaftlicher Großmogule, einen Scherbenhaufen, der in Chaos, Schrecken, Kriminalität und radioaktivem Munitionsmüll versinkt.

Dass es gerade "Demokratien" sind, die solche Verwüstungen anrichten, sollte bereits bei einer flüchtigen Betrachtung nicht erstaunen. Wenn in unserem Wirtschaftssystem der Finanz-Sektor ungefähr ein Drittel des gesamten Bruttosozialprodukts ausmacht, muss die Haut, die unsere Wirtschaftsblase umhüllt, immer wieder aufs Neue platzen. Im wirtschaftlichen Jägerlatein heisst das Konjunkturzyklus.

Wer den westlichen Lebensstil bedroht, wird ausgeschaltet. Oder wie kriminelle Führer des Imperiums es ausdrücken: "The American Way of Life is Not Negotiable". Ob dieser markige Spruch das Imperium vor der drohenden Staatspleite bewahrt, sei dahingestellt. Allerdings wird es keinen Augenblick zögern, alle seine militärischen Kräfte zu bündeln, um die Stellung des Greenbacks als Weltleitwährung zu verteidigen. Saddam wollte auch irakisches Öl gegen Euro tauschen. Wenige Monate später kam die Invasion.
Der Mann, der tatsächlich Euro für sein Öl verlangte, war Saddam Hussein im Jahr 2000. Zunächst wurde seine Forderung mit Spott und Hohn begegnet, später mit Gleichgültigkeit, aber als es klarer wurde, dass er es ernst meinte, wurde politischer Druck ausgeübt, damit er seine Meinung ändert. Als andere Länder, wie der Iran, die Bezahlung in anderen Währungen, insbesondere in Euro und Yen, verlangten, war die Gefahr für den Dollar offensichtlich und gegenwärtig und eine Strafaktion stand an. [George W.] Bushs Operation "Schock und Ehrfurcht" [shock and awe] im Irak drehte sich nicht um Saddams nukleares Potential, nicht um die Verteidigung der Menschenrechte, nicht um die Verbreitung der Demokratie und auch nicht darum, die Ölfelder zu erobern; es ging allein darum, den Dollar zu verteidigen, sprich das amerikanische Imperium. Es sollte ein mahnendes Exempel statuiert werden, dass jeder, der andere Währungen als den US-Dollar akzeptieren wollte, auf die selbe Art bestraft würde.
Am 20. März 2003 marschierten die Legionen des Imperiums mitsamt seinen getreuesten Vasallen in den Irak ein. Nun sprudelt das Öl wieder in die Taschen derer, welche die Macht des Greenbacks bis zum letzten Blutstropfen verteidigen lassen.

Und der Iran ist auf dem selben Weg. Seine Antwort auf die verschärften Sanktionen unserer Wääärtegemeinschaft: weder den Dollar noch den Euro als Bezahlungsmittel für sein Öl zu akzeptieren.
"Schmutzige Währungen"Iran boykottiert Euro und Dollar
Der Iran reagiert auf die internationalen Sanktionen im Atomstreit: Künftig will das Land seine internationalen Geschäfte nicht mehr in Euro und Dollar abwickeln. Zudem soll ein Werbeverbot gegen Produkte aus deutsche, englische und südkoreanische Waren verhängt werden.
Spätestens jetzt wird's eng für den Iran und Ahmadinedschad. So funktioniert die "freie" Marktwirtschaft. Funktioniert sie nicht, sollte das Imperium nach den Kriterien dieser Marktwirtschaft bankrott sein, wird mit großer Überzeugungskraft der letzte Joker aus dem Ärmel geschüttelt. Die US-Army! Na, wenn das nicht überzeugt. Was dann?

Die Einzigen die es stoppen könnten sind wir alle, aber wir sind damit beschäftigt unser Heil bei der "Rückführung" von Roma, Sinti und anderen Gruppen zu finden. Die Ursachen von Flüchtlingsströmen, interessieren nicht. Bis sie uns selbst erwischen. Und dann verstehen wir die Welt noch weniger. Hartz-IV-ler hatten auch mal Jobs von denen es sich menschenwürdig leben ließ und man mit Häme, Spott und Aggressivität auf die Figuren der Schattengesellschaft niederschaute. Der Fall in einer Lach- und Schießgesellschaft kommt ohne große Ansage.

FH

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