Dienstag, 17. August 2010

Ein Hurra für Hugo Chávez !

Mike Whitney

Der US-Journalist Mike Whitney lobt die sozialistische Demokratie in Venezuela und ist besorgt um das Leben ihres Begründers Hugo Chávez .

Es ist kein Spaß, auf der Liste der Feinde Washingtons zu stehen. Fragen Sie mal Hugo Chávez ! Letzte Woche musste der Präsident Venezuelas eine Reise nach Kuba absagen, weil ihm zugetragen wurde, dass ein Staatsstreich geplant und sein Leben in Gefahr sei. Die Information kam aus der anonymen Quelle, die ihn schon vor dem erfolglosen Staatsstreich im Jahr 2002 gewarnt hatte.

In der Nachricht hieß es: "Die Ausführungsphase steht bevor. … Es gibt eine Vereinbarung zwischen Kolumbien und den USA mit den zwei Zielen, Mauricio auszuschalten und die Regierung zu stürzen. … Sie werden 'Mauricio' erledigen und versuchen, einen Teil der Streitkräfte zu neutralisieren." [Das hat Coral Wynter in ihrem Artikel "Venezuela Pushes for Peace" (Venezuela drängt auf Frieden) in GREEN LEFT WEEKLY berichtet, s. http://www.greenleft.org.au/node/45007 .]

"Mauricio" ist der Codename für Hugo Chávez . Wer auch immer hinter dem Staatsstreich steckt, will Chávez töten.

Es lässt sich nicht nachweisen, ob Chavez tatsächlich in Gefahr ist, aber wir sollten nicht zu überrascht sein, wenn er es wäre. Immerhin nehmen sich die USA das Recht, jeden zu töten, den sie als Bedrohung für ihre nationale Sicherheit ansehen, und Chavez steht auf ihrer Liste der gefährlichen Personen sicher ziemlich weit oben. Deshalb handelt er klug, wenn er vorsichtig ist. Auf jeden Fall trifft die Warnung mit anderen beunruhigenden Entwicklungen zusammen. Auf einer Konferenz der Organisation amerikanischen Staaten / OAS haben kürzlich Minister aus Kolumbien Chávez beschuldigt, (gegen Kolumbien agierende) Guerillakämpfern auf venezolanischen Territorium Unterschlupf zu gewähren. Diese Anschuldigungen könnten als Vorwand für einen präemptiven Angriff verwendet werden. Chávez reagierte schnell und brach die diplomatische Beziehungen zu Kolumbien ab. Damit hörten die Vorwürfe aber nicht auf. Larry Palmer, den Obama als US-Botschafter nach Venezuela schicken will, goss Öl ins Feuer, indem er die Anschuldigungen Kolumbiens bestätigte. Jetzt liegen sich die beiden Länder in den Haaren, was die Obama-Regierung offensichtlich von Anfang an beabsichtigte. Die US-Politik hat sich unter Obama in Bezug auf Venezuela kaum verändert, sie ist höchstens noch feindseliger geworden. (Inzwischen haben Hugo Chávez und der neugewählte kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen vereinbart, s. http://www.welt.de/die-welt/politik/article8956096/Kolumbien-und-Venezuela-versoehnen-sich.html .)

Die USA errichten in Kolumbien sieben Militärbasen

Das Pentagon gab kürzlich bekannt, dass es in Kolumbien sieben US-Militärbasen errichten will. Offizielle des US-Außenministeriums begründeten das mit einer verstärkten Bekämpfung des Rauschgifthandels, aber niemand kauft ihnen das ab. Jeder weiß, dass die USA die Kontrolle über diese Region zurückgewinnen wollen. Die
Stationierung von US-Truppen in Kolumbien ist ein weiterer Versuch, den Druck auf
Chavez zu erhöhen und politische Unruhen in Südamerika zu schüren. Natürlich
befürchten die linksgerichteten politischen Führer der Region, dass Lateinamerika
durch die Ausweitung der US-Militärpräsenz in eine neue Ära von den USA angezettelter schmutziger Krieg gestürzt werden könnte.

Außerdem häufen sich im Internet Berichte, Obama plane in nächster Zukunft Kriegsschiffe und Bodentruppen nach Costa Rica zu verlegen. Einem in Alternet veröffentlichten Artikel sind die Gründe dafür zu entnehmen.

"Anstatt seine diplomatischen Bemühungen der neuen Realität in Lateinamerika anzupassen, weitet Washington seine militärische Präsenz aus. Die USA werden bald aus sieben neuen US-Militärbasen in Kolumbien heraus operieren können und haben ihre 4. Flotte, reaktiviert (s. dazu http://de.wikipedia.org/wiki/United_States_Navy ); beide Maßnahmen sind in Lateinamerika auf wenig Gegenliebe gestoßen. Anstatt den Rat von Ländern in der Region anzunehmen und ihren Kampf gegen die Drogen zu entmilitarisieren, gaben die USA kürzlich bekannt, dass sie 46 Kriegsschiffe und 7.000 Soldaten nach Costa Rica verlegen wollen, um den Rauschgifthandel und die Geldwäsche zu 'unterbinden'." (Die Passage stammt aus einem Artikel von Conn Hallinan, der aufzurufen ist unter http://blogs.alternet.org/russwellen/2010/08/02/recent-colombian-mass-grave-discovery-may-be-false-positives/)

Obwohl die Gerüchte noch nicht bestätigt wurden, wächst die Angst. Die USA haben noch niemals eine konstruktive Rolle in Lateinamerika gespielt, und die Aussicht, dass sie sich auch weiterhin gewaltsam einmischen, ist furchterregend. In Wahrheit wurden die US-Interventionen auch in relativ friedlichen Perioden wie der letzten Dekade fortgesetzt. Agenten der US-Geheimdienste und Mitarbeiter von Non-Governmental Organizations / NGOs haben sich überall unter die Zivilbevölkerung gemischt, um Informationen zu sammeln, Wahlen zu beeinflussen und soziale Unruhen zu schüren. Ein Ausschnitt aus dem Artikel "America's Covert 'Civil Society Operations': US interference in Venezuela keeps growing" (Amerikas verdeckte Operationen unter der Zivilbevölkerung: Die Einmischung der USA in Venezuela nimmt weiter zu), zeigt, wie die USA überall ihre Tentakeln ausstrecken.

"Interventionen im Ausland werden nicht nur mit militärischer Gewalt durchgeführt. Die Finanzierung 'ziviler gesellschaftlicher Gruppen' und die Benutzung der Medien zur Verfolgung politischer Absichten und zur Gewinnung der 'Herzen und Hirne' der Menschen sind weitere Instrumente, die von der US-Regierung zu Durchsetzung ihrer strategischen Ziele eingesetzt werden. In Venezuela unterstützen die USA seit mehr als 8 Jahren gegen Chavez agierende Gruppen, darunter auch die Kräfte, die Chavez im April 2002 stürzen wollten. Seitdem hat die Finanzierung (der oppositionellen Gruppen in Venezuela) stark zugenommen. Aus einem im Mai 2010 von der National Endowment for Democracy / NED (der Nationalstiftung zur Förderung der Demokratie,) veröffentlichten Bericht über die Auslandshilfe für politische Gruppen in Venezuela geht hervor, dass den Anti-Chavez Gruppen jährlich mehr als 40 Millionen US-Dollar zufließen, wobei das meiste Geld aus US-Quellen sprudelt. ...

Ein großer Teil der NED-Gelder für Venezuela floss in den 'Aufbau von Studentenorganisationen' und 'die Bildung einer demokratischen Führungsschicht unter der Jugend', die sich an den USA und ihren Werten orientiert. .... Deshalb ist in den letzten drei Jahren eine Oppositionsbewegung unter den Studenten und der Jugend entstanden, die von verschiedenen Institutionen in den USA und in Europa finanziert wird. So wurden zum Beispiel mehr als 32 Prozent der USAID-Gelder dafür verwendet, 'Jugendliche und Studenten in der Nutzung innovativer Medientechnologien – wie Twitter und Facebook – zu schulen, über die politische Informationen verbreitet und Gegenkampagnen gestartet werden können'. (Infos zu USAID s. http://en.wikipedia.org/wiki/United_States_Agency_for_International_Development )

Mit NED-Zuschüssen für mehrere Medien-Organisationen in Venezuela werden auch die Ausbildung von Journalisten und die Verbreitung regierungsfeindlicher Nachrichten gefördert. Diese Organisationen sollen im Fernsehen und in der internationalen Presse gegen Chavez hetzen, Tatsachen und Ereignisse in Venezuela verdrehen und die Chavez-Regierung in einem schlechten Licht erscheinen lassen. Solche Finanzhilfen sind eindeutig illegal und verletzten die journalistische Ethik. Die Finanzierung 'unabhängiger' Journalisten und das Lancieren manipulierter Nachrichten in ausländische Medien sind Akte des Massenbetrugs und der Propaganda und verletzen die Souveränität des betreffenden Landes." (Der Artikel Eva Golingers ist aufzurufen unter http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=20476).

Es ist kaum zu glauben, dass ein seit noch nicht einmal zwei Jahren amtierender (ehemaliger) Senator (namens Obama), der aus der Kommunalpolitik in Chicago kommt, dieses wohl durchdachte, undurchsichtige System imperialen Herrschens leiten soll. Er tut es natürlich auch nicht. Die echten Strippenzieher agieren verborgen unter dem Deckmantel der Regierung und ihrer demokratischen Mehrheit und mit Hilfe anderer Tarnorganisationen in Washington. Obama ist nur ein für Werbezwecke geschaffenes Hologramm, ein freundliches Gesicht, das die Machenschaften einer globalen Mafia kaschieren soll. Ganz andere Leute – die sich nicht zu erkennen geben – sitzen an den Hebeln der Macht, und treffen nur die Arrangements, die ihnen und ihrer Klientel das größte Stück vom Kuchen sichern. Jetzt scheint diese Schattenregierung ihre Augen wieder auf Lateinamerika gerichtet zu haben. Das ist eine schlimme Nachricht für Chavez und alle anderen, die gehofft haben, die politische Instabilität Lateinamerikas und die (sie verursachenden) verdeckten Operationen der USA gehörten der Vergangenheit an.

Washington hasst Chavez, weil er den Lebensstandard der Armen gehoben hat und weil er sich nicht den riesigen Konzernen beugt. Er wird in den Medien angeprangert, weil er sich mit seinem Modell einer sozialistischen Demokratie nicht vom Kahlschlag- Kapitalismus der USA auf der Nase herumtanzen lässt. Chavez hat eine Landreform und eine Reform der Erdölindustrie durchgesetzt, das Erziehungswesen verbessert und eine staatliche Gesundheitsfürsorge eingerichtet. Er führte die berufliche Ausbildung ein, unterstützt alleinerziehende Mütter, betreibt Programme zur Drogen-Prävention und zur Wiedereingliederung ehemaliger Drogenabhängiger. Die Venezolaner werden besser ausgebildet als je zuvor. Der Analphabetismus wurde beseitigt.

Chavez hat mit seiner Politik die Unwissenheit, die Armut und die Ungerechtigkeit reduziert. Damit ist die Liste seinen Verdienste aber nicht zu Ende. Die Venezolaner interessieren sich heute mehr für Politik als jemals in ihrer Vergangenheit. Das stört Washington. Die US-Eliten wollen keine gut informierten, selbstbewussten Menschen, die am politischen Leben teilnehmen. Sie wollen es nur mit korrupten Politikern zu tun haben, die sich von den Konzernbossen und den Zylinder tragenden Bankstern kaufen lasssen. Chavez soll gehen, weil er den Menschen Hoffnung auf ein besseres Leben gegeben hat.

Filmregisseur Oliver Stone
hat das in einem Interview mit Nathan Gardels erst kürzlich auf den Punkt gebrachte. Er sagte: "Die USA betrachten jeden Linken, der in ihrem 'Hinterhof' an die Macht kommt, jeden der die Ressourcen seines Landes für sein Volk beansprucht, als ihren Feind. ... Zum ersten Mal in der modernen Geschichte stehen große Teile Südamerikas nicht mehr unter US-Kontrolle.... Sie haben sich auch dem Einfluss des von den USA beherrschten Internationalen Währungsfonds / IWF entzogen." (Das Interview ist aufzurufen unter http://www.huffingtonpost.com/nathan-gardels/oliver-stone-on-the-evolu_b_668830.html).

Unter Chávez geht es den Menschen in Venezuela viel besser; sie sind besser ernährt, gebildeter und haben eine bessere medizinische Versorgung. Die Regierung schützt ihre bürgerlichen Freiheiten, und ihre politische Aktivität wächst ständig. In Venezuela gedeiht die Demokratie. Hugo Chávez lebe hoch!

Quelle und Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

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