Sonntag, 22. August 2010

Julian Assange: ”Ich bin vor Sexfallen gewarnt worden”

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de

In einem Exklusivinterview mit der schwedischen Zeitung "Aftonbladet", für die er als Chronist tätig werden soll, nimmt Julian Assange selbst Stellung zu dem Vorwurf der Vergewaltigung und wie damit öffentlich umgegangen worden ist.

Freitagabend wurde in seiner Abwesenheit ein Haftbefehl, von der "diensthabenden" Staatsanwältin Maria Häljebo Kjellstrand gegen ihn erlassen, der am Nachmittag durch die Chefsstaatsanwältin Eva Finné aufgehoben wurde. Allerdings läuft die staatsanwaltschaftliche Untersuchung unter der Rubrizierung "Belästigung" weiter.

In seinem Interview mit Aftonbladet berichtet Assange wie geschockt er über die Anklage sei, und keine der vielen Verdächtigungen denen er in der Vergangenheit ausgesetzt war, so schwer wog, wie diese. Ich gebe mal einen von mir aus dem Schwedischen übersetzten Auszug des Interviews wieder.
"Zwei Frauen behaupten du hättest sie für sexuelle Übergriffe ausgesetzt. Kommentar?

-Das kann man nicht kommentieren. Es gibt keine konkreten Aussagen zu denen man Stellung beziehen kann.

Hast du mit ihnen Sex gehabt?

-Sie (die Frauen) sind in den Medien anonymisiert. Ich habe keine Ahnung wer sie sind.

Hast du überhaupt Sex während deines Aufenthalts in Schweden gehabt?

-Das ist eine Sache die mein und eventuell vorkommende Frauens Privatleben betrifft.

Ist es nicht besser, das du in dieser Situation so offen wie möglich bist?

-Ja, aber ich will nicht das Privatleben von Menschen in den Schmutz ziehen, ohne das mir die ganze Situation klar ist. Warum wenden sie sich (die Frauen) an die Polizei? Was liegt dahinter? Was ich sagen kann ist, dass ich nie, nicht in Schweden noch in irgendeinem anderen Land, Sex mit irgendjemandem gehabt habe, der nicht auf völliger Freiwilligkeit von beiden Seiten baute.

Du warst unter zahlreichen Stunden in deiner Abwesenheit verhaftet. Warum gingst du nicht zur Polizei?

-Ich wollte verschiedene Menschen konsultieren und mir einen Rechtsanwalt besorgen.

Wäre es nicht glaubwürdiger gewesen sich schnell bei der Polizei einzufinden?

-Wie gesagt, ich sah es als erforderlich an mit verschiedenen Menschen Kontakt aufzunehmen. Außerdem veröffentlichte Wikileaks, das ich die Polizei aufsuchen würde.

Deine Meinung zur Handlungsweise von Polizei und Staatsanwaltschaft?

-Niemand hat mich nach meiner Version gefragt.

Welche ist deine Version?

-Bevor ich mich dazu äußere, will ich mehr darüber wissen, für was ich eigentlich angeklagt bin.

Ja, du wirst der Belästigung verdächtigt.

-Nichts was ich getan habe stimmt mit diesem Verdacht überein.

Glaubst du, das diese Geschichte dir und Wikileaks Schaden zufügt, auch wenn der Verdacht auf Vergewaltigung nicht mehr besteht?

-Ja, mit diesen Vorwürfen ist ein großer Schaden angerichtet worden. Es gab Schlagzeilen in der ganzen Welt, das ich der Vergewaltigung beschuldigt werde. Das verschwindet nicht. Aus Erfahrung weiß ich, das Wikileaks Feinde damit fortfahren werden weiter Dinge in die Welt zu setzen, auch wenn sie dementiert sind.

Das Netz ist voll von Verschwörungstheorien. Was glaubst du?

-Ich weiß nicht was dahinter liegt. Aber wir sind davor gewarnt worden, das z.B. das Pentagon mit schmutzigen Tricks arbeiten wird um unsere Arbeit zu zerstören. Ich bin auch vor eingefädelten Sexfallen gewarnt worden.

Bis du in so eine geraten?

-Vielleicht, vielleicht nicht.

Wo befindest du dich jetzt?

-Bei einem Freund, der ein Sommerhaus irgendwo im Norden hat.

Wie lange willst du in Schweden bleiben?

-Eigentlich wollte ich am Mittwoch abreisen, aber es wird später. Hat aber nichts mit dieser Affäre zu tun.

Wie willst du diesen Samstag zusammenfassen?

-Weder Staatsanwalt noch Polizei sind mit mir in Kontakt getreten. Aber ich freue mich darüber, das die schwedischen Behörden so schnell die Erzählungen der Frauen bewerteten und den Verdacht auf Vergewaltigung so schnell fallen ließen. Wahrscheinlich hat eine vorgesetzte Staatsanwältin die Untersuchung übernommen und den Haftbefehl aufgehoben.

Die erste Staatsanwältin muss kritisiert werden. Auch die Medien, die blind die Anklage in die Öffentlichkeit hinausposaunten."
Die Massentötungen in Afghanistan durch westliche Truppen gehen unvermindert weiter. Ein Ziel der Veröffentlichung von geheimen Pentagon-Papieren durch Wikileaks ist es, diesen Krieg zu stoppen und dem Gemetzel und der Lügen ein Ende zu setzen. Seit dem Vietnamkrieg haben die Bellizisten der Vereinigten Staaten und ihre Vasallen gelernt, Kriege fernab der Öffentlichkeit zu führen, um die "Heimatfront" bei Laune zu halten. Zudem hat sich die Rolle der Medien geändert. Sie berichten in sehr viel höherem Maße als damals, was ihnen von ihren Eignern und damit in der Regel von Kriegsgewinnlern vorgegeben wird. Es darf auch nicht vergessen werden auf die Privatisierung von Kriegen und Kampftruppen zu verweisen, wie im aktuellen Fall des Abzuges us-amerikanischer Truppen aus dem Irak zu ersehen ist.

FH

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