Sonntag, 22. August 2010

Ungleiche Allianzen im Kampf für sakrales Land der Dongria Kondh



Tess Thakara

Übersetzt von Einar Schlereth

Große Aktienbesitzer stellen sich auf die Seite des Dongria Kondh Volkes in seinem Kampf, um seine Heimat vor dem Erzabbau durch Vedanta Resources zu schützen.

Dongria Tanz

In den grünen Bergen Niyamgiris in Indien bekommt eine von dem Dongria Kondh Volk geführte Bewegung Aufwind. Dieses Volk, das die Niyamgiri Berge seit Tausenden Jahren seine und seiner Götter Heimat nennt, führt einen lang andauernden Kampf für sein Recht auf dem Land seiner Vorfahren bleiben zu können, für seine heilige Heimat, und darum, seine eigene Zukunft gestalten zu können.

In den Bergen liegen reiche Lagerstätten an Bauxit, und daher plant das Bergbauunternehmen Vedanta Resources mit Sitz in London auf dem Land der Dongria ein enormes Bergwerk zu errichten.

Die Dongria Kondh, die nur knapp über 8000 Menschen zählen, fürchten, dass dies die Zerstörung ihrer Wälder und Flüsse, von denen sie abhängig sind, bedeuten würde – und das Ende des Lebens, wie sie es kennen. „Wir sind ein Bergvolk“, erklärte Rajendra Vadaka, ein Dongria, „wenn wir woanders hingehen, dann sterben wir.“

Vedantas Bemühungen, die Dongria mit Geldangeboten und Entwicklungsprojekten zu beschwichtigen, haben ihren Widerstandsgeist nicht geschwächt. Sie haben mit eigenen Augen gesehen, welche Auswirkungen Vedantas Raffinerie in der Nähe auf andere Kondh-Gruppen gehabt hat, die durch Vedanta umgesiedelt wurden. Manche leben jetzt in eingezäunten Zementhäusern ohne Land zum bebauen; sie sind von Hilfsgütern oder von Knochenarbeit bei Vedanta abhängig, um überleben zu können.

Auch aggressive Einschüchterungstaktiken haben das Volk nicht zum Schweigen bringen können. In dieser Woche sind laut örlichen Berichten zwei Führer des Dongria-Widerstandes mit vorgehaltener Waffe entführt worden und konnten seither nicht mit ihrem Volk Kontakt aufnehmen. Nicht identifizierte Leute haben die Straßen blockiert, um Journalisten daran zu hindern, mit den Dongria zu sprechen, und der Tod eines örtlichen Aktivisten in Niyamgiri im vergangenen Monat ist von Rätseln umgeben.

Das Volk hat Gegenmaßnahmen ergriffen, indem sie menschliche Straßensperren durchführten, um Vedantas Maschinen daran zu hindern, nach Nyamgiri zu kommen. Sie verbrannten auch einen Jeep von Vedanta, der auf das geheiligte Plateau von Niyamgiri fuhr – dem Sitz von Dongrias höchsten Gott, Niyam Dongar.

Ein Dongria

Jetzt erhalten die Dongria Unterstützung für ihren Kampf von mächtiger Seit außerhalb Indiens. In den vergangenen drei Jahren haben größere Vedanta-Akienbesitzer nacheinander ihre Investionen aus der Gesellschaft abgezogen. Kürzlich hat der riesige holländische Pensions-Fond PGGM Gelder in Höhe von 16 Millionen Dollar zurückgezogen. Und davor in diesem Jahr hat die Kirche von England ihre Anteile verkauft mit der Begründung, dass Vedanta es versäumt hat, „das Mass an Respekt für die Menschenrechte und die lokalen Gemeinden, das wir erwarten“ zu zeigen. 2007 hat die norwegische Regierung ihre Anteile in Vedanta abgezogen, auf Anraten des Ethik-Rates, dass die Investition ein „unakzeptables Risiko der Komplizenschaft bei gegenwärtigen und künftigen ernsten Umweltschäden und systematischen Verletzungen der Menschenrechte“ berge. Die schottische Investment Company Martin Currie folgte 2008.

Es ist nicht lange her, dass die Dongria Kondh kaum außerhalb von Niyamgiri bekannt waren. Aber Unterstützer von Bianca Jagger, Arundhati Roy und Michael Palin bis zu Survival International und Amnesty haben alles getan, um die Geschichte weltweit zu verbreiten. Sogar Mitlgieder von James Camerons Na'vi Volk tauchten vor zwei Wochen in London auf, um ihrer Solidarität mit den Dongria Kondh auf einer Protestveranstaltung vor Vedantas Jahresversammlung Ausdruck zu verleihen.

Druck kommt auch aus dem indischen Establishment. Eine Untersuchung, die im März von der indischen Regierung veröffentlicht wurde, kam zu dem Schluß, dass das Bergwerk „zur Vernichtung der Dongria Kondh [als Volk] führen könne“ , und Vedanta wird gegenwärtig einer Untersuchung unterzogen durch Indiens Forst- und Umwelt -Ministerium und der Landesregierung von Orissa.

In der ganzen Welt haben Menschen Anteil genommen an dem Widerstand dieses kleinen Volkes gegenVedantas Bulldozer. Aber das oberste Gericht von Indien hat das Projekt im Prinzip gebilligt, und die Arbeit am Bergewerk könnte in ein paar Monaten beginnen. Die Bewegung kommt in Fahrt und Vedanta spielt mit den Muskeln. Nun muss noch mehr Druck auf die Gesellschaft ausgeübt werden, wenn die Dongria Kondh überleben sollen.




Danke Tess Thakara
Quelle: http://www.yesmagazine.org/people-power/unlikely-alliances-in-fight-for-sacred-lands
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 13/08/2010
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=1044

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