Samstag, 4. September 2010

Die Gerüchteküche brodelt

Merkel fordert nun, Probleme im Zusammenleben offen anzusprechen. In "BamS" sagte sie, die statistisch erwiesene erhöhte Gewaltbereitschaft strenggläubiger muslimischer Jugendlicher dürfe man nicht tabuisieren.
Na Frau Merkel, sind die Statistiken, die Sie hier quellenbefreit anführen, von gleicher Validität wie die von Sarrazin? Dachte ich's mir doch.
Angst vor Islamisten hat mit Hass auf Juden wenig gemein, sagt Henryk M. Broder. Während der Antisemitismus auf hysterischen Ängsten und Erfindungen beruht, hat die Islamophobie eine reale Basis.
Wer Jude sei, bestimme er, sagte Hermann Göring einmal - die Muslimhasser definieren auf die gleiche Art wer Muslim ist, nicht wahr Herr Broder? Antiislamismus ist nur ein Vorwand um rassistische Hetze und migrantenfeindliche Bösartigkeit auszuleben.
Warnung vor Terrorangriffe auf Atommeiler. Wie gut sind deutsche Kernkraftwerke gegen potenzielle Attentate geschützt? Eine Physikerin, die sich dieser Frage gewidmet hat, kommt zu verstörenden Ergebnissen.
Pssst, jetzt wo die Laufzeiten der ungeschützten Atommeiler mit 15 Jahren verlängert werden, sollte man die transatlantische Freundschaft nicht überstrapazieren.

FH


Berliner Gerüchte

Herr Meyer, Herr Meyer – und hörst du es nicht,

das wilde, das grause, das dumpfe Gerücht:

Ein Licht!

Ein Licht in der russischen Botschaft!



Und da, wo ein Licht, da ist auch ein Mann,

und der sitzt an einem Vertrage dran,

beim Licht in der russischen Botschaft.



Und das Licht geht manchem Politiker auf;

es strömet das Volk, es rennet zuhauf

zum Licht in der russischen Botschaft.



Und einer zum andern geheimnisvoll spricht:

»Da ist was im Gange – ja, sehn Sies denn nicht,

das Licht in der russischen Botschaft?«



Es erbrausen die Linden! »Berennet die Tür!«

Ein Schutzmann hält seinen Bauch dafür

vor das Licht,

das Licht in der russischen Botschaft.



Sogar ein Geheimer Studienrat

sagt die Information, die er bei sich hat,

vom Licht in der russischen Botschaft.


Und drin spricht der Klempner im öden Saal:

»Du hör mal, Maxe, du kannst mir mal

die Ölkanne ribajehm!«


Dann gehen die beiden geruhig nach Haus,

nach dem Stralauer Tor – und das Licht löscht aus,

das Licht in der russischen Botschaft.





Theobald Tiger

Die Schaubühne, 09.11.1916, Nr. 45, S. 442,

wieder in: Fromme Gesänge.


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