Mittwoch, 29. September 2010

Die neue Geheimarmee der CIA

Eric S. Margolis
Enthüllungen, dass die Central Intelligence Agency (CIA) der Vereinigten Staaten von Amerika eine geheime 3.000 Mann starke afghanische Söldnerarmee betreibt, deren Aufgabe die Ermordung von Taliban und al-Qaida-Kämpfern ist, haben einige Beunruhigung in den Vereinigten Staaten von Amerika hervorgerufen.

Dieser Aufsehen erregende Bericht erscheint in einem maßgeblichen neuen Buch, „Obama´s Wars“ („Obamas Kriege“) des investigativen Reporters Bob Woodward, bekannt durch Watergate. Dieser hatte lange Zeit privilegierten Zugang zum Weißen Haus.

Die von den Vereinigten Staaten von Amerika bewaffnete, bezahlte und kommandierte Killertruppe wurde geschaffen, um in Pakistan operieren, wohin amerikanische Truppen offiziell nicht gehen dürfen. Bei den Söldnern handelt es sich hauptsächlich um afghanische Tadschiken, Uzbeken und Hazara – alles traditionelle Feinde der paschtunischen Mehrheit – sowie Verräter, Kriminelle und Söldner.

Ihre Züge in das afghanische Stammesgebiet sind manchmal koordiniert mit den zunehmenden Drohnenangriffen der CIA gegen pakistanische Stammesleute, die schwere Opfer unter der Zivilbevölkerung verursachen.

Die CIA betreibt auch eigene Milizen im südlichen Afghanistan und, laut Berichten, auch in Tadschikistan und Uzbekistan.

Bis zu welchem Ausmaß, wenn überhaupt, die Mordeinheiten der CIA mit den Special Operations Forces der Vereinigten Staaten von Amerika, die ebenfalls Mordeinsätze zur Aufgabe haben, kooperieren ist unbekannt. Die Mordkampagne der CIA in Afghanistan und Pakistan basiert auf der erfolgreichen Kampagne der Agentur im Irak.

Diese afghanischen Revolverleute werden nach lokalen Standards sehr gut bezahlt und rühmen sich hoher Todesquoten bei den Gegnern. Weder die von den Vereinigten Staaten von Amerika installierte Regierung in Afghanistan noch die Regierung Pakistans haben irgendeine Kontrolle über diese paramilitärischen Kräfte.

Verbrechen, Gräueltaten und irrtümliche Tötungen durch die afghanischen Söldner der CIA bleiben unberichtet und unbestraft. Sie haben ihre eigenen Gesetze und stehen in keiner ersichtlichen Verbindung zum militärischen Kommando der Vereinigten Staaten von Amerika in Afghanistan. Zusätzlich operieren verschiedene weitere Gruppen von Söldnern der Vereinigten Staaten von Amerika und Mörder von privaten „Vertragspartnern“ wie dem ehemaligen Blackwater in Afghanistan und Pakistan.

Das Ergebnis ist ein gefährlicher, unübersichtlicher Haufen von angeheuerten Revolverleuten, Special Forces der Vereinigten Staaten von Amerika, Milizen und Regierungstruppen – eine afghanisch-pakistanische Version von Amerikas wilder Dodge City.

Niemand sollte überrascht sein von den Nachrichten, dass von den Vereinigten Staaten von Amerika geführte Söldner nach Pakistan vorstoßen und pakistanische Paschtunen und Taliban und gelegentlich sogar ein Mitglied von al-Qaida töten. Ich habe seit Jahren Berichte über diese Jäger/Killer-Truppe bekommen. Es ist ein offenes Geheimnis in Islamabad und Kabul.

Die pakistanische Regierung hat die Augen verschlossen oder stimmte sogar stillschweigend zu, dass von den Vereinigten Staaten von Amerika geführte Kräfte ihre Souveränität verletzten und ihre Bürger töteten. Islamabad gestattet den Vereinigten Staaten von Amerika auch, tödliche Drohnenangriffe in den Stammesgebieten in Nordwestpakistan ohne vorherige Zustimmung durchzuführen.

In der Tat haben die Vereinigten Staaten von Amerika eine lange Geschichte des Einsatzes von Söldner in ihren Kriegen.

Während des Vietnamkrieges stellte die CIA Söldnertruppen aus Hmong- und Meo-Bergstämmen (Operation Hotfoot) und Nungs zusammen, um Kader des Vietcong zu jagen und zu töten.

Diese bildeten einen Teil der berüchtigten Operation Phoenix der CIA, in deren Verlauf um die 26.000 kommunistische Kader und Sympathisanten ermordet wurden.

CIA-Söldner wurden auch eingesetzt im brutalen Konflikt in den 1980ern in Nicaragua und El Salvador zwischen Rechten und marxistischen Rebellen. Die skrupellosen Todesschwadrone El Salvadors waren sehr effektiv beim Töten von Linken, wie ich selbst sehen konnte, als ich über diese Konflikte berichtete.

Das Modell der Todesschwadrone von El Salvador wurde auf den Irak übertragen, wo Söldner, Kriminelle und Verräter benutzt wurden, um sunnitische Widerstandsgruppen auszuschalten.

Während ihrer Okkupation Afghanistans 1979 – 1989 griffen die Sowjets zu ähnlichen Taktiken. Banden grausamer uzbekischer Söldner, bekannt unter dem Namen „Jowzjani“ wurden geschickt, um Paschtunen zu ermorden, die sich der sowjetischen Okkupation widersetzten. Andere Banden tadschikischer und uzbekischer Kämpfer wurden von Moskau eingesetzt, um ethnische Spannungen anzustacheln.

In den Vereinigten Staaten von Amerika wachsen die Bedenken über die rapid wachsende paramilitärische Rolle der CIA in Afghanistan und Irak – zu denen jetzt Jemen, Somalia, Sudan, Kenia, Uganda und Westafrika dazu kommen.

Viele Geheimdienstprofis warnen, dass die vordringliche Rolle der CIA, nämlich die Beschaffung unverfälschter Information für den Präsidenten, durch deren anwachsende Kampfaufgaben unterminiert wird. Wenn erst einmal Männer und „Aktivposten“ in Mordeinsätze und Kämpfe verwickelt sind, ist es sehr schwierig, objektiv, unparteiisch und neutral zu bleiben. Das Außenministerium der Vereinigten Staaten von Amerika übernimmt ebenfalls eine paramilitärische Rolle im Irak und riskiert die gleiche Vernebelung seiner Urteilsfähigkeit.

Das Militär der Vereinigten Staaten von Amerika ist schwer verärgert über die paramilitärische Rolle der CIA und beschuldigt die Agentur, sie seien „Cowboys“ und „Lehnstuhlkrieger.“ Einige ältere Mitarbeiter der CIA sind bestürzt und sagen, es sei ihr Job, zu denken, nicht zu morden.

Aber die Mittel für die CIA-Krieger fließen. Die Beschäftigung von Revolverleuten in Pakistan ist der neue, heiße Aufgabenbereich der Agentur. Sicher viel attraktiver als Berichte zu schreiben.

erschienen am 27. September 2010 auf > HUFFINGTON POST > Artikel und > ericmargolis.com > Artikel

Quelle: www.antikrieg.com

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