Montag, 13. September 2010

Die USA vertuschen wie der Enron-Konzern ihren Bankrott mit Bilanzfälschungen: Die US-Staatsverschuldung beträgt in Wirklichkeit 202 Billionen Dollar

Der US-Wirtschaftswissenschaftler Laurence Kotlikoff schätzt den tatsächlichen Schuldenberg der bankrotten USA auf 202 Billionen Dollar – und damit mehr als 15mal so hoch wie die offiziell zugegebene Staatsverschuldung von 13,3 Billionen Dollar.

Von Peter Gorenstein, Yahoo Finance
INFORMATION CLEARING HOUSE, 25.08.10

Nach einer Vorhersage des Congressional Budget Office / CBO wird das US-Haushaltsdefizit in diesem Jahr 1,3 Billionen Dollar betragen. Das ist zwar immer noch eine astronomische Zahl, aber sie ist wenigstens etwas niedriger als das im März prognostizierte Defizit. Sie liegt auch unter dem letztjährigen Rekorddefizit von 1,41 Billionen Dollar, das auf fast 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts / BIP anstieg.

Das waren die guten Nachrichten.

Mit jedem Haushaltsdefizit wächst natürlich auch die US-Staatsverschuldung, die nach offiziellen Zahlen derzeit über 13,3 Billionen Dollar beträgt.

Nach Aussagen des Wirtschaftswissenschaftlers Professor Laurence Kotlikoff von der Boston University ist die Situation in Wirklichkeit aber noch sehr viel dramatischer.

"Vergessen Sie die offiziell zugegebene Schuldenhöhe," forderte er den Interviewer Aaron in diesem Video-Clip auf. Die "tatsächliche Staatsverschuldung" – einschließlich der nicht im Haushalt erfassten Verbindlichkeiten, die aus der Gesundheitsfürsorge, dem Gesundheitsdienst für Bedürftige, der Sozialversicherung und dem Verteidigungshaushalt erwachsen – summiere sich in Wirklichkeit auf 202 Billionen Dollar und sei damit mehr als 15mal so hoch wie die "offizielle Staatsverschuldung", kalkulierte der Professor und Autor.

"Der Kongress manipuliert seine Bilanz genau so, wie der (bankrott gegangene) Enron- Konzern das getan hat," fügte Kotlikoff hinzu, der kürzlich unter dem Titel "Die USA sind bankrott, und wir wissen es noch nicht einmal" auch einen Leitartikel für (die Wirtschafts-Website) Bloomberg geschrieben hat.

Obwohl auf dem Markt für Schuldverschreibungen ein unersättlicher Appetit auf US-Staatsanleihen zu herrschen scheint, lag am Montagmorgen die Rendite für US-Anleihen mit 30-jähriger Laufzeit – im Gegensatz zu ihrem Verkaufspreis, der ständig steigt – auf dem Tiefststand seit April 2009.

Nach Kotlikoffs Meinung liegt das daran, dass der Markt nur den "Maulwurfshügel" der offiziell zugegebenen Staatsverschuldung (und nicht den tatsächlichen Schuldenberg) vor Augen hat. Er sieht schon bald eine Inflationswelle auf die USA zurollen, die durchaus mit der Inflation konkurrieren könnte, die Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg in der Zeit der Weimarer Republik erschütterte. Wenn es der Regierung nicht gelinge, ihre Finanzen in Ordnung zu bringen, werde sie Riesenmengen Geld drucken müssen, um die hohen finanzielle Verpflichtungen erfüllen zu können, die bald auf sie zukommen werden.

Amerika benötige dringend grundlegende Reformen seiner Gesundheitsfürsorge, seines Systems der Altersversorgung und seines Steuer- und Finanzsystems, fügte Kotlikoff hinzu. "Unsere Wirtschaft braucht jetzt eine Herzoperation, mit noch mehr Heftpflastern können wir sie nicht heilen."

Wenn das nicht geschehe, seien die schwer verdienten Dollars (der US-Bürger) bald wertlos, erklärte er abschließend.

Quelle: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

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