Montag, 6. September 2010

Gesellschaftskonsens: Sündenböcke als Erklärungsmodell

Alles läuft wie geschmiert in der Mainstream. Am Anfang war die klammheimlich gespielte Empörung über Sarrazins rassistische Thesen. Nie ohne dabei den Islam als Wurzel allen Übels aus den Augen zu verlieren. "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen", tönte es landauf, landab. Als wenn sie es nie schon die ganze Zeit gesagt hätten. Als Schlagkeule empfiehlt sich besonders das Bild von Musliminnen zu bemühen, die von ihren Männern beherrscht und als Menschen zweiter Klasse in islamischen Gesellschaften behandelt werden. Wenn das so transportiert wird, rennt man mit Sicherheit hier offene Türen ein. Der Feminismus, von hiesigen Machos immer noch verteufelt, hat unzweifelhaft viel für die Gleichstellung der Frau in unserer Gesellschaft geleistet. Das sich inzwischen wieder einflussreiche Fürsprecher für die Wiederbelebung der Frauenrolle "Heimelchen am Herd", formieren, die meinen die Frau habe sich der Reproduktion und der Entfernung gelber Flecken von den Unterhosen ihrer Männer zu widmen, geht den meisten am Arsch vorbei.

Der in Kleinkleckersdorf weltberühmte Philosoph Norbert Binse Bolz, wurde gestern bei Anne Will tätig und artikulierte: "Nicht nur Migranten, auch die Politiker leben in einer Parallelgesellschaft." Und nun Herr Binse Bolz? Politiker abschaffen um sie endgültig durch Bankster und elitäre, neoliberale Pinkel wie Sie zu ersetzen? Als geistvoller Vorreiter vom "Eva-Hermann-Prinzip" wären Sie nach eigener Auffassung sicher eine vorzügliche Besetzung. In den Zentralen der Macht dienen Menschen Ihrer Denkweise schon seit langen Zeiten als Grußaugust ihrer Auftraggeber, um dem ganzen einen "wissenschaftlichen" Anstrich zu verleihen.

Die CIA, Schmutzwerkzeug der USA beim Erbau und Erhalt ihres Imperiums, hat das im Westen massmedial verbreitete Bild von islamischen Frauen schon lange für seine Zwecke genutzt und die Kampagne "Deutschland" läuft bereits auf vollen Touren:
Jetzt müsse man deutschen Medien nur noch Interviews mit Frauen in Afghanistan ermöglichen, denn afghanische Frauen könnten so persönlich und glaubwürdig ihre Angst vor den Taliban und ihre Zukunftshoffnungen äußern. Und wenn diese Botschaft der afghanischen Frauen die Herzen der Frauen in Deutschland erreiche, dann könne sich die Stimmung gegenüber dem Bundeswehreinsatz verändern. Denn die Frauen in der Bundesrepublik - so das CIA-Dossier- seien in Punkto Afghanistan noch kriegsmüder als die deutschen Männer.
Wie derzeit die Moslems werden zum Teil ganze Gruppen gegen andere instrumentalisiert, Generalverdächtigungen gegenüber Lebensstilen oder religiöse Überzeugungen ausgesprochen und zu öffentlichen Tagesordnungen erhoben. Parallelgesellschaften als öffentliche Bangemachen-Verstärker für die Ängstlichen: "Die anderen sind schuld." Hatten wir doch alles schon.

Vergessen sind die Verursacher der Finanzkrise, die sich inzwischen nicht nur wieder erholt haben, sondern auf noch höheren Milliardenbergen hocken, als die, die sie schon vor der von ihnen verursachten Krise hatten.
Da hinein paßt die heutige Nachricht von einer neuen Vermögensstudie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Das Geldvermögen der Deutschen hat sich seit Mitte vergangenen Jahres stark vermehrt. Es brauchte demnach nur wenige Monate, um den durch die Krise verursachten Verlust von insgesamt etwa 140 Milliarden Euro wieder auszugleichen. Bereits im ersten Quartal 2010 ereichte das Geldvermögen mit fast 4,8 Billionen Euro ein neues Allzeithoch (Abb. 14299). Auch die Zahl der Vermögensmillionäre liegt nach einem kurzzeitigen Rückgang im Jahr 2008 nun auf einem neuen Rekordniveau. Dazu DIW-Forscher Markus Grabka: "An den Vermögenden ist die Finanzkrise in überraschend kurzer Zeit ohne bleibende Schäden vorübergegangen".
Parasitäre "Leistungsträger" - mit Vorbildsfunktion für eine kranke Gesellschaft. Eine Gesellschaft, in der weite Teile der Bevölkerung immer mehr verarmen, in der, laut Hosenanzug im Kanzleramt, zukünftig Langzeitarbeitslose verstärkt in Pflegedienste eingesetzt werden. Mit 1-€-Jobs lässt sich das finanzieren. Für anständige Löhne ist bei den hohen Kosten für Angriffskriege und Hochfinanzalimentierung kein Platz mehr. Geld was eventuell noch aufzutreiben ist, benötigt man, um es der Atomwirtschaft für marode Meiler in den Rachen zu werfen. Für Kraftwerke, die eine existenzielle Gefahr für Millionen Menschen schon heute bedeuten. Ein GAU in Brunsbüttel, Millionen wären auf der Flucht und würden ihre strahlenverseuchte Heimat auf Nimmerwiedersehen verlassen müssen. Aber es kann nicht sein, was nicht sein darf.
§1 Et es wie't es,
§2 Et kütt wie't kütt,
§3 Et hätt noch immer jot jejange.
Was interessieren noch Sicherheit der Bevölkerung, wenn der Kotau vor den Betreibern einer bis heute nicht beherrschbaren Atomtechnik, mit der völlig intelligenzbefreiten Phrase
Längere AKW-Laufzeiten - Merkel preist Kompromiss als Energie-Revolution
gepriesen wird? Der Staat ist nicht erst seit gestern in den Händen des Kapitals. Was interessieren da noch Nebensächlichkeiten wie Qualität bei Altenpflege. "Wachstum, Wachstum und nochmals Wachstum, ist der Schlüssel zum Erfolg". Eine der größten und am häufigsten verwendeten ökonomischen Lüge unserer Zeit. Wachstum durch und für was? Noch mehr Müll produzieren? Denn dort wo Wachstum angebracht wäre, beispielsweise um den Standard in der schlechtergestellten Welt zu heben, würde es nicht genug Profit abwerfen.

Das Versagen von Politikern und Wählern liegt in der Abgabe des Primats der Politik an private Interessen-Klüngel. Den Staat arm sparen, bedeutet die Anzahl der Milliardäre zu vermehren. Kontrolliert werden sie nicht. Von wem auch? US-Kleinstadt schafft wegen Geldmangels Polizei ab. Die Reichen halten sich mit ihren eigenen Sicher- und Unsicherheitskräften. Privat versteht sich. Auch beim unkontrollierten Kriegführen.

FH

© Gegenmeinung

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