Dienstag, 7. September 2010

Irre der Heimatfront

Karrikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Erinnern Sie sich noch an Sarah Palin? Sie gehört zu den Figuren der Spezies Mensch, die von geistiger Einfachheit gestrickt sind . Nichtsdestotrotz zählt sie zu den Erfolgreicheren der politischen Klasse in den Vereinigten Staaten. Selbst Sarahs Greatest Hits haben ihr nicht geschadet, sondern sie zu einer begehrten Gesprächspartnerin Gottes aufsteigen lassen. Davon berichtet sie gerne auf Massenveranstaltungen und in Talkshows. Die Leute wollen es ja wissen. Wenn das kein Karrieresprung ist, was dann? Von der Vize-Präsidentenkanditatur zur Gotteserklärerin.

Selbst im Land mit den meisten Nobelpreisträgern, ist Dummheit eine Tugend die zu Höherem befähigt, gar Massen mobilisiert. Zusammen mit Glenn Beck, einem TV-Rassisten, der beim Fox News Channel sein Unwesen treibt, auch er mit einfachem Gemüt gesegnet, ist beliebter Gesprächspartner Gottes: "Ich habe zu Gott gebetet, und er sagte mir: du hast alles, du musst es nur zusammenfügen", trommelten sie Zehntausende von verzückt kreischenden Amerikanern vor dem Lincoln Memorial zusammen, um die "Ehre" der Vereinigten Staaten wiederherzustellen. Hört sich alles noch harmlos an, so ist das halt in Amerika. Sollte man nicht auf die Goldwaage legen.

Auch dann nicht, wenn Terry Jones, ein fundamentalistischer Geistlicher in Florida, und Pastor am "Dove World Outreach Center", am Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 vor seiner Kirche Koran-Exemplare verbrennen will. Obwohl inzwischen eine Mehrheit der Amerikaner an die offizielle 911-Lüge sowieso nicht mehr glaubt. Er sei nur Pastor einer Witz-Gemeinde, redet ein ehemaliges deutsches Nachrichtenmagazin die Sache klein, aber die NATO-Generalität soll gar vor ihm "zittern". Nur, es gibt tausende von Terry Jones, die von den Kampagneros der Islamhasser für ihre Zwecke eingespannt werden.

Auch in Europa verstärken sich rechtsradikale Winde in atemberaubenden Tempo. Nicht mehr lange und sie sind auf Orkanstärke angewachsen. Ganz im Sinne der "Gesellschaftsmitte". Ob in Deutschland, Frankreich, Italien, Holland, Ungarn oder Dänemark. Die Liste könnte fast die gesamte EU umfassen.

In Deutschland, den Vereinigten Staaten und vielen anderen Ländern, stagnieren oder sinken die Reallöhne, die Zahl der Arbeitsstunden steigt gleichzeitig sprunghaft an; Sozialleistungen werden gekürzt, Menschen sind echt in Schwierigkeiten. Da besinnen sich PR-Strategen des gesellschaftlichen Establishment doch gerne auf die zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts und nehmen dankend eine geistige Anleihe bei den Nationalsozialisten auf.

„Das es dir schlecht geht, ist wegen der bösen Menschen da draußen. Den lieben langen Tag betreiben sie Terror, wollen uns nicht Afghanistan, Palästina, Iran, Irak, Zentralasien, Afrika und überhaupt die an Bodenschätzen reichen Gegenden dieser Welt freiwillig überlassen - und dazu plündern sie noch unsere Sozialsysteme.“

Ok, im Falle der Nationalsozialisten waren es Juden und Bolschewiken. Bolschwiken gibt es nicht länger und Juden gehören, nach offizieller Lesart Israels, jetzt zur Achse der Guten. Heute sind es der Islam, die Sozialhilfeempfänger, die Ausländer, die Rentner die zu alt werden und den Jungen jeden Bissen aus dem Mund stehlen, mit neuen Hüftoperationen unser Krankensystem sprengen und sich weigern den Löffel einige Jahre früher aus der Hand zu geben. Das kostet und treibt die Leistungsträger "Finanzwelpen" in den totalen Ruin.

Und unsere freie Medien? Sie ersetzen Nachrichten mit Geschwätz, Klatsch, Nonsens und Dampfplauderei. Da bleibt es nicht aus, dass der kollektive Wahnsinn uns erfasst hat. In unseren Zwangsvorstellungen werden wir beherrscht von platter Sinnlosigkeit.

Reiche, Prominente und Schöne beneiden wir mit tiefer Inbrunst, werfen sehnsüchtige Blicke auf sie. So will ich sein und werden. Sehen sie am liebsten über den Bildschirm flattern und freuen uns ganz ungemein, wenn eine Prinzessin aus Schweden den ganzen Tag mit ihrer Hochzeit unsere Wohnzimmer belästigt.

Geiz ist geil, und der fromme Wunsch eines Tages auch zu ihnen zu gehören, zieht uns in seinen Bann. Sollen doch die anderen Strolche leiden!

FH

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