Freitag, 17. September 2010

Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Armut in den USA steigt und steigt, und steigt.....

Mowitz
Die Verheißungen des Kapitalismus erweisen sich immer mehr als uneinlösbar. Bei einem Wirtschaftssystem, aufgebaut auf ewigem Wachstum, ein BNP das heute zu 30 Prozent im Finanzsektor gemacht wird, um zumindest ein imaginäres Wachstum vorzugaukeln. Die nächste Finanzblase ist vorprogrammiert. Das Problem ist, dass Finanzen keine Industrie sind. Finanzgeschäfte schaffen keinen Wohlstand, tatsächlich zweigen sie mittels Zinsen Wohlstand von dem ab, was real erwirtschaftet wird. Wenn also der Finanzsektor ein Drittel des Bruttosozialprodukts ausmacht, heißt das, dass wir alle um ein Drittel ärmer sind, als wir sein müssten. Zumindest theoretisch.

Der Kapitalismus macht die Reichen reicher und die Armen ärmer – statt wie versprochen Wohlstand für alle zu schaffen. Die Hohen Priester des Kapitals haben über dieses Thema viele Schriften verfasst, die inzwischen auf unzählige Regalkilometer angewachsen sind, um das Versprechen "wirtschaftswissenschaftlich" zu begründen. Gelebte Ungleichheit prägt das Menschenbild dieser Zunft. Der Mensch ein "Homo oeconomicus", der nur nach rationalen Nützlichkeitserwägungen handelt. Sozusagen eine Voraussetzung für Wachstum und Wohlstand, von der am Ende auch die Armen profitieren würden. Anstelle des Homo sapiens, trat die neue Gattung Homo oeconomicus, die es mit aller Macht zu etablieren galt.

Hilfreich bei diesem Projekt war auch der extra für Ökonomen erfundene "Preis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank in Gedenken an Alfred Nobel" der umgangssprachlich schnell zu einem "Wirtschaftsnobelpreis" avancierte. Nobel war zu Lebzeiten wenig beeindruckt von der Ökonomie als Wissenschaft. Zudem war er schon lange tot als der Preis 1968 von der schwedischen Reichsbank gestiftet wurde. Prestige und Ansehen sind aber wichtige Voraussetzungen für diejenigen die Macht ausüben wollen und zwar große Macht. Mit König, Nobel-Medaille, Hymne und allem Pipapo, befriedigt man nicht nur persönliche Eitelkeiten, vor allen Dingen wiegen vorgebrachte Argumente, die in diese und jene Richtung weisen, ungleich schwerer. Neun von zehn Preisträgern, kommen bis heute aus den USA. Na, wenn das nicht gewollt war.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de

Haben es die USA doch geschafft sich und ihre Kriege seit Jahrzehnten vom Ausland in USD finanzieren zu lassen, und in "selbstgedruckten" USD zurückzuzahlen. Das Risiko von Währungsschwankungen existiert für den Greenback nicht - so lange man Weltleitwährung ist. Milton Friedman ein führender Kopf des Neoliberalismus und Empfänger des Nicht-Nobelpreises 1976, durfte dann seine Theorien, nachdem Nixon und Kissinger mit Hilfe der CIA, den demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende durch einen Putsch beseitigten, bei dem er sein Leben lassen musste, in die Tat umsetzen. Unter seiner Leitung führte eine handverlesene Gruppe chilenischer Ökonomen, die Friedmans Ansichten teilen mussten, maßgeblich eine neoliberale Wirtschaftsordnung in Chile ein, die der von den USA eingesetzte Militärdiktator Pinochet "demokratisch" absegnete.

In Chile ermordeten Pinochets Schergen 4.000 Menschen, Tausende wurden gefoltert, über 20.000 Menschen flohen schon 1973 ins Ausland. In den Augen neoliberaler Wahrheitsverkünder sind das "Kollateralschäden" die man in Kauf nehmen muss. So funktioniert die Ideologie des Homo oeconomicus mit unsichtbarer Hand und freien Märkten. Jedes gesellschaftliche Gegenmodell wird "zerquetscht", wie Nixon es ausdrückte. Schließlich stehen "amerikanische" Interessen auf dem Spiel. Damit meinte er explizit die Interessen US-amerikanischen Privatkapitals. Die Gleichstellung von "privaten" und "nationalen" Interessen, wobei die privaten nur eine kleine, priviligerte Ausbeutertruppe umfassen, sollte man sich immer vergegenwärtigen, wenn von freier Marktwirtschaft, im Zusammenhang mit Demokratie, geredet wird. Wirkliche Demokratie kann nur dann funktionieren, wenn auch Demokratie in der Wirtschaft ihren Einzug hält. Alles andere ist im besten Fall Selbstbetrug. Über den laufende Erosionsprozess demokratischer Rechte in den parlamentarischen Demokratien des Westens ist viel berichtet worden. Weniger von der Mainstream als im Netz. Auch auf dieser Seite. Gerade in den USA hat diese Wirtschaftsordnung für die dortige Bevölkerung immer weniger an positiven Resultaten vorzuweisen.

Von den heute 308 Mio. Einwohnern der Vereinigten Staaten leben inzwischen 44 Mio. unter der Armutsgrenze. Das sind mehr als 14 Prozent der Gesamtbevölkrung. Für eine vierköpfige Familie, liegt die Armutsgrenze umgerechnet bei einem Jahreseinkommen von weniger als 17.000 €.
Da sind große Wanderbewegungen angesagt. John Thomson, geht von Notunterkunft zu Notunterkunft. Vom Haus eines Verwandten zum Haus eines Freundes. Alle seine ärmlichen Habseligkeiten finden Platz in seinem schmutzigen Rucksack. Keine Wohnung, nichtmals einen billigen Wohnwagen nennt er sein eigen - und die Notunterkünfte sind ständig überfüllt. Thomson hat gerade eine Suppenküche aufgesucht, einige Häuserblocks hinter dem Kongressgebäude in Washington, nur um eine Mahlzeit für diesen Tag zu erhaschen. Heute werden braune Papiertüten mit Konserven und Gemüse am laufenden Band ausgeteilt.
Immer mehr US-Amerikaner werden arm - im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Über 4 Mio. sind allein voriges Jahr unter die Armutsgrenze gerutscht. Mehr als 20 Prozent der Kinder leben heute in Armut. Alles nach neuesten offiziellen US-Statisken. Die meisten Experten sind sich darin einig, dass die Anzahl der US-Amerikaner, die in Armut leben, auch weiterhin steigen wird.

Das neue Jahrzehnt hat den US-Arbeitern ein Niveau sozialen Elends beschert, wie sie es seit den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts nicht mehr erlitten haben. Arbeitslosigkeit, Armut, Hunger, Ausschluss von der Versorgung mit Energie und Wasser, Obdachlosigkeit, Zwangsvollstreckung und Zahlungsunfähigkeit sind zu alltäglichen Erfahrungen für Millionen geworden.

Und was macht die Regierung? Die beiden Parteien des großen Geldes verschärfen die Krise sogar noch, indem sie in den Bundesstaaten und auf lokaler Ebene die (Sozial-)Haushalte kürzen.

Nun, das ist nicht nur in den USA so. Es ist auch so in Deutschland. In ganz Europa fährt der Zug in die gleiche Richtung wie in den Vereinigten Staaten. Die Welt des Homo oeconomicus ist eben nicht die Welt des Homo sapiens. Da gibt's gewaltige Unterschiede in der Betrachtungsweise des Daseins. Nich alles ist liebenswert was nützlich erscheint. Wir brauchen einen Systemwechsel. Mit oder ohne Prestigepreisträgern. Die Illusion "Nobelpreis" schützt vor Fehlleistungen nicht. Nicht auszudenken wie sie auf Volker Pispers reagieren könnten.

FH


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen