Freitag, 17. September 2010

Tach Herr Gabriel, ziehen Sie jetzt den Karren?

Mowitz
Da zog er vorgestern ganz schön vom Leder, der Seeheimer Gabriel. Kostet ja nichts. "Sie machen sich zur Kanzlerin der Konzerne", rief er, hochrot im Gesicht, dem Hosenanzug zu. Demokratie muss sein. Als wenn Merkels S?PD-Vorgänger im Amt nicht immer schon Genosse der Bosse gewesen sei. Ok, als überzeugter Seeheimer möchte Gabriel im Augenblick nicht daran erinnert werden. Das ist zu respektieren.

Die ehemalige FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda antwortete laut, etwas schrill für meinen Geschmack. "Kämpferisch" nannten am Tag danach Konzern- und staatstragende Medien ihre Selbstbeweihräucherung. "Wir haben Grund zur Zuversicht." Und das Allerwichtigste: "Wir haben einen robusten Arbeitsmarkt." Die Regierungs-Koalition Schwarzgeld habe in den vergangenen Monaten entscheidende Weichenstellungen vorgenommen. So las sie es von ihrem Blatt - wie Gabriel von seinem las. Daran habe man sich der Glaubwürdigkeit wegen zu halten, hatte der Lobbyist von nebenan in eckigen Klammern und mit grünem Filzstift, am Papierrand vermerkt. "Wir wollen das Zeitalter der erneuerbaren Energien erreichen," mit maroden Meilern als Brückentechnologie.

Hat die Lobby endgültig die Kontrolle über Politikergehirne übernommen die sie denken lässt, was gut für die Wirtschaft ist, ist auch immer gut fürs Volk? Ich fürchte sie hat.

Ob nun der Röttgen bei den Verhandlungen dabei war oder nicht, ist letztlich uninteressant. Er nimmt seine "Verantwortung" als der für die Sicherheit verantwortliche Minister, für die heute schon maroden Meiler, sowieso nicht wahr. Die Bundesregierung, fest in Kapitalistenhand, wird die Sache per Fraktionszwang im Sinne der Atomwirtschaft einmütig regeln. Stimmen der Abwesenheitsstühle mit eingerechnet. Der Bundestag als Talkshow. Das Parlament erfüllt die Rolle die in Talkshows herbeigekarrte Claqueure übernehmen. Auf Zuruf ihrer Vorturner entweder "Buh," "Bäh" oder "Bravo" brüllen. So viel Leidenschaft muss sein.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de

Am Ende der Sitzung erfolgte dann endlich die lang erwartete formale Befehlsübertragung vom Parlament an die deutsche Wirtschaft.

Das Büro des Bundestagspräsidenten teilt mit:

Der in Berlin tagende 17. Bundestag, die gewählte Vertretung des deutschen Volkes, schafft sich mit sofortiger Wirkung selber ab und überträgt seine Rechte auch formal an die Größen des Finanz- und Wirtschaftkapitals. Aus diesem Anlass dankte der Bundestagspräsident für die bislang geleistete Arbeit der Abgeordneten und wünschte seinem Nachfolger, dem gerade verstorbenen Ex-Flick-Manager Eberhard von Brauchitsch, für seine neue Aufgabe viel Erfolg. Da das Ableben Eberhard von Brauchitschs keinerlei systemische Folgen hat, wie zum Glück viele Menschen fälschlicherweise annehmen, wird er bis auf weiteres im Amt bleiben und seinen Aufgaben in vollem Umfang nicht nachkommen. Es lebe das System der Geldschöpfer, es lebe die unsichtbare Hand.


Gorleben ist so sicher wie Asse. Das wird man doch noch sagen dürfen. Hauptsache die "Gewinnschöpfung", (Röttgen), der Atomtreiber ist gewährleistet. Vorstände und Aktienbesitzer sind dringend darauf angewiesen.
Nimmt man einfach nur zur Kenntnis, dass die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung ihr Vermögen innerhalb von 5 Jahren um 16 % und ihren Anteil am Gesamtvermögen um 3,2 Prozent erhöhen konnten, dann lässt sich daraus unwiderlegbar ableiten, dass dieser Vermögenszuwachs von den amtierenden Regierungen gewollt, begünstigt, aber zumindest nicht verhindert wurde.
Eben, warum überhaupt noch Wahlen abhalten? Kommt in der Wirtschaft doch auch nicht vor.

FH

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