Samstag, 2. Oktober 2010

Wegen behaupteter Kontakte zu Terroristen hat das FBI in Minnesota und in Chicago die Wohnungen von Friedensaktivisten durchsucht

Das FBI, die US-Bundespolizei, jagt jetzt auch schon in Wohnungen und Häusern von Friedensaktivisten nach Terroristen.



INFORMATION CLEARING HOUSE

Das Federal Bureau of Investigation / FBI, hat mitgeteilt, es habe am Freitag im Rahmen einer Fahndung nach Terroristen in Minneapolis und Chicago acht Wohnungen durchsucht; zwei der Betroffenen behaupteten, diese Aktion habe sich gezielt gegen führende Friedensaktivisten gerichtet.

FBI-Sprecher Steve Warfield äußerte gegenüber Vertretern der Associated Press / AP, sechs der Durchsuchungen hätten in Minneapolis und zwei in Chicago stattgefunden.

"Diesmal handelte es sich nur um Durchsuchungen," sagte Warfield. "Verhaftungen waren noch nicht geplant. Wir haben nur nach Beweisen für eine aktive Unterstützung von Terroristen gesucht."


Die in Minneapolis wohnenden Antikriegsaktivisten Mick Kelly und Jess Sundin teilten AP mit, auch ihre Wohnungen seien durchsucht worden.

"Das FBI schikaniert führende Leute der Antikriegsbewegung, die Friedensveranstaltungen gegen die US-Interventionen im Mittleren Osten und in Lateinamerika organisieren," erklärte Kelly, als FBI-Agenten sein Handy beschlagnahmten.

Frau Sundin nannte die Unterstellung, sie hätte Kontakt zu Terroristen, "total bescheuert und einfach nur lächerlich".

FBI-Sprecher Warfield wollte sich nicht dazu äußern, wessen Häuser und Wohnungen durchsucht worden waren, oder auf Details eingehen, weil es sich um eine noch laufende Untersuchung handele. "Es liegt aber keine direkte Bedrohung der Bürger vor," äußerte er.

Über die Durchsuchungen hat zuerst die Internet-Zeitung STAR TRIBUNE berichtet.

Frau Sundin sagte, sie könne sich nicht erklären, welche Art von Informationen das FBI bei ihr finden wollte, und wisse auch nicht, wo sonst noch Durchsuchungen stattgefunden hätten.

Zunächst habe ein Sondereinsatzkommando des FBI nach "spitzen Gegenständen" gesucht. Als sie gingen, seien normale FBI-Agenten gekommen und hätten ihr ganzes Haus durchstöbert.

Die FBI-Agenten hätten "Computer, mehrere Schachteln mit Zeitungen und alle möglichen Datenträger wie Daten-Discs mitgenommen, teilte Frau Sundin mit.

Frau Sundin und Herr Kelly waren die Veranstalter einer Massendemonstration, die vor zwei Jahren anlässlich der Democratic National Convention in St. Paul (der Versammlung zur Nominierung Obamas zum Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei), stattgefunden hat, und haben kürzlich auf einer Pressekonferenz angekündigt, dass sie, wenn die Democratic National Convention auch 2012 wieder in Minneapolis stattfinden sollte, erneut eine Demonstration planen.

Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer an der friedlichen Demonstration (im Jahr 2008) auf 10.000 Personen; die Veranstalter gaben die Anzahl der Protestierenden mit 30.000 an. Bei anderen Protesten hatte es damals zerstörerische Akte von Anarchisten gegeben. Mehr als 800 Menschen, darunter auch Frau Sundin und Herr Kelly, waren damals während des viertägigen Kongresses verhaftet worden.

Frau Sundin sagte, sie habe bereits eine Genehmigung für eine Demonstration im Jahr 2012 beantragt, was nach ihrer Meinung Terroristen sicher nicht getan hätten.

Ross Rice, der Sprecher des FBI in Chicago, teilte nur mit, am Freitag hätten auch zwei Durchsuchungen in Chicago stattgefunden, bei denen es nicht zu Verhaftungen gekommen sei. Weitere Auskünfte verweigerte er.

Als er zu den Berichten befragt wurde, bestätigte Randy Samborn, der Sprecher des in Chicago ansässigen Büros der U.S Attornies (einer lokalen Vertretung einer US-Behörde, die mit unserer Bundesanwaltschaft zu vergleichen ist), dass die Durchsuchungen in der Stadt im Rahmen einer Fahndung der Polizei stattgefunden hätten. Zu weiteren Auskünften war er nicht bereit.

Michael Tarm, ein Mitarbeiter der Associated Press in Chicago, hat zu diesem Bericht beigetragen.

(Wir haben die Meldung komplett übersetzt und mit Anmerkungen und Links in Klammern und Hervorhebungen versehen. Der US-Publizist Paul Craig Roberts hat diese Meldung in einem Artikel kommentiert, der überschrieben ist: "Jetzt ist es offiziell: Die USA sind ein Polizeistaat". Sein Artikel ist in Englisch hier aufzurufen , in deutscher Übersetzung hier. Da die Behörden der Bundesrepublik bisher mit leichter Verzögerung alle US-Maßnahmen zur "Terroristenjagd" kopiert haben – zuletzt die probeweise Einführung des Körperscanners an Flughäfen – sollten sich auch führende deutsche Friedensbewegte prophylaktisch auf unangemeldete Besucher einstellen.)

Quelle, Übersetzung, Kommentar: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

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