Mittwoch, 10. November 2010

Ohne Verklemmung: Weniger Burka, Freiheit und Terror - mehr Wirtschaft ist das Propagandagebot der Stunde

Cartoon: Ursula Behr
"Die Sicherung der Handelswege und der Rohstoffquellen sind ohne Zweifel unter militärischen und globalstrategischen Gesichtspunkten zu betrachten", erläuterte der Favorit amerikanischer Geheimdienste für das Amt des deutschen Bundeskanzlers, gestern auf der Berliner Unsicherheitskonferenz, Haarölbaron Guttenberg.

Der von deutsch-atlantischen Medienmachern zum Liebling der Nation hochkatapultierte Freiherr, sieht sich ganz im Dienst der "guten Sache". Nachdem die Wandermärchen "Befreiung der Frauen" in Afghanistan, "Krieg gegen den Terror", ihren Propagandazweck nicht mehr erfüllen, darf es nun ein wenig deftiger sein. Die aktuellen Neokolonialisierungskriege, welche das internationale Kapital seit Jahrzehnten führt - eigentlich nie aufgehört hat zu führen - sollen uns Plebejern nun als Sicherungseinsätze für Handelswege und Rohstoffquellen, verkauft werden. Ist zwar eine zutreffendere Beschreibung als die alte, verbleibt trotzdem nichts anderes als simpler Neokolonialismus.
"An die kolonialen Traditionen des imperialistischen Deutschland erinnert nicht nur, daß man die in den besetzten Gebieten Jugoslawiens und Afghanistans oder in Stützpunkten am Horn von Afrika eingesetzten Bundeswehrkontingente wieder so wie die Kolonialtruppe des deutschen Kaiserreiches - nämlich Schutztruppe - nennt.

Bundeswehrgeneralinspekteur Klaus Naumann erinnerte direkt an diese Traditionen, als er am 24.10.1995 erklärte, es handle sich um eine "neue Dimension für deutsche Soldaten, die ähnliches in diesem Jahrhundert bislang nur zweimal vor 1945 und nun allerdings schon drei Jahre lang seit 1992 erlebten."
Ernst Woit, Kolonialkriege für eine Neue Weltordnung
"Sicherung der Handelswege", ist ein beliebter Kriegsgrundslogan der mit sämtlichen Fingern, aller aufzubringenden Hände, zur Legitimation auf die Piraterie am Horn von Afrika verweist. Das dürfen "wir" nicht dulden. Schon gar nicht in einer Marktwirtschaft, zudem in einer "freien" und "sozialen". Das hunderte illegal operierende Fisch-Trawler aus der EU, Russland und Asien, vor den Küsten des rudimentär übrig gebliebenen Staatsgebilde Somalia, mit ihren Raubzügen in den reichen Fischgründen, arbeitslos gewordene somalische Fischer zu "Piraten" werden ließen, ist eine Realität, die, da störend, tunlichst verschwiegen wird.
Viel größere Schäden in den Bereichen Wirtschaft, Umwelt und Sicherheit hat die massive illegale ausländische Fischpiraterie verursacht, die die Ressourcen der somalischen Gewässer in den letzten 18 Jahren nach dem Zusammenbruch der somalischen Regierung im Jahr 1991 ausgefischt und zerstört haben. Mit ihrer üblichen Doppelmoral in Afrika betreffenden Angelegenheiten tritt die „internationale Gemeinschaft” kräftig auf, um die somalischen Fischer, die als Piraten tätig sind, zu verdammen und ihnen den Krieg zu erklären, während sie insgeheim ihre schützende Hand über die zahlreichen illegalen, außerhalb des Lichts der Öffentlichkeit operierenden und sich an keine Gesetze haltenden (Illegal, Unreported, Unregulated – IUU) Fischereiflotten aus Europa, Arabien und dem Fernen Osten halten.
Schließlich werden offiziell keine Kriege wegen der Interessen von Kapitaleignern vom Zaun gebrochen. Es müssen andere – moralische, ideologisch-marktwirtschaftliche, oder politische – Begründungen für die Ausbeutung herhalten. Das Patriziat weiß dies, immerhin gehörte es schon immer der Gewinnerseite jeder Feudalgesellschaft an. Die Nebelbomben, die bei Erfindung von Kriegsgründen geworfen werden, gelten uns, den Plebejern, die als nützliche Idioten für die Bereicherung der Raubritterscharen, unverzichtbar sind. Als Dank winkt das "Vaterland" mit Orden und Lametta für getane Pflichterfüllung, 1-€-Jobs, karge Rente, Heldengedenktagen und gesegneter Kriegsgräberfürsorge, damit wir in Ruhe weiter, mit Kopf unter'm Arm, schlafen können.

FH

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