Freitag, 26. November 2010

Springer-Vorstandsvorsitzender erklärt uns sein verschisstoides Weltbild

Mowitz
Mathias Döpfner hat auf ein Wort gebeten. Nicht irgendein Wort, sondern bei Leuten seines Kalibers geht es nie unter "dem ewigen Wort". Es blieb nicht bei einem Wort, es wurde ein wahrer Wortschwall, sehr langatmig, bis er am Ende auf den Punkt seines Anliegens kam:
"Der 11. September war das Menetekel eines Heiligen Kriegs gegen unsere westlich-freiheitliche Lebensform. Entweder wir haben die Symbolik des gefallenen World Trade Centers verstanden und nehmen den Kampf an. Oder wir sind verloren".
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Döpfner, und Döpfner war das Wort. Am Anfang schuf Döpfner Welt und Bild. Bild war von Anfang da, das wir gehört haben, das wir gesehen haben mit unsern Augen, das wir beschaut haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort der Erkenntnis. Und nun erklärst Du uns, Döpfner, die Welt, mit einer Klarheit, die ich so von Dir nicht erwartet hatte, ehe die Welt war und du sie wieder in die Gewinnzone brachtest.

Und die Weltbesitzer waren angetan mit einem Kleide, das mit Blut besprengt war; und ihre Namen heißen "WIR DA OBEN". Alle Dinge sind durch sie gemacht, und ohne sie würde nichts gemacht, was gemacht ist. So haben wir doch nur eine BILD und eine DIE WELT, von welchen alle Dinge sind.

Denn durch sie wird alles geschaffen, was in den Köpfen ihrer Leser Einzug hält, das Sichtbare und das Unsichtbare. Ihr Wort gilt dem Wohl der Banken und Konzerne, dem Kapital und den Obrigkeiten; für die Du meinst wir sollten unsere Haut zu Markte tragen. Ein Glücksfall bist Du, oh Döpfner, der Du als Licht in die Welt gekommen bist. Nun endlich sind wir alle WIR und freuen uns schon diebisch auf den Besuch in Deiner Hütte.

Erzähl uns dann wie schnell Du enger Vertrauter der Großaktionärin des Springer-Konzerns, Friede Springer wurdest, die Patin Deines zweiten Sohnes ist. Im Juli 2006 durftest Du ihr für 52.360.000 Euro einen 2 Prozent-Anteil an der Springer AG abkaufen. Dabei erhieltest Du, Döpfner, die 680.000 Aktien zum Vorzugspreis von 77 Euro das Stück, knapp 27 Prozent günstiger als der damalige Aktienwert an der Börse (104,50 Euro) war. Ein günst'ger Kauf, so etwas bleibt mir verwehrt, drum gilt für Dich und nicht für mich, das Wort von Kurt Tucholsky:
Kriege werden viel mehr gemacht, als sie entstehen - wer da mit magischen Geschichten kommt, hat viel zu gewinnen im Kriege - und wenig zu verlieren.
Erzähl mir bitte keine magischen Geschichten. Mich überzeugst Du nicht, ich habe wenig zu verlieren oder zu gewinnen, in Deinem Krieg, während Du viel zu gewinnen hast. Spar Dir also Deine Geschichten für den IGH auf.

Dein Menetekel wurde inszeniert, Döpfner, was glaubst Du wohl von wem? "Was ich da sah und hörte, hat mich fast umgehauen," erklärte Gourley, "und seitdem beschäftige ich mich mit dem 11.9.2001."

FH

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