Dienstag, 14. Dezember 2010

Bevölkerungskontrolle oder der nie versiegende 'Terror'

Und nun auch noch das:
FBI hat bereits Bombenexperten nach Schweden geschickt.
Der 28-jährige, der sich selbst zu Tode fummelte, ist bis zur schreibenden Stunde noch immer nicht von den Behörden mit letzter Sicherheit identifiziert. Es soll sich aber, laut Staatsanwalt Tomas Lindstrand, mit 98-prozentiger Wahrscheinlichkeit, um einen Taimour Abdulwahab al-Abdaly handeln. Für die Mainstream ist bereits alles klar. Ein Terrorist und in "einschlägigen" Netzweken soll er tätig gewesen sein. Vielleicht auch fanatischer Einzelgänger. Der liebe Nachbar von nebenan. Man sollte keinem mehr trauen. Vor allen Dingen denen nicht, die Muslime sind. So ist die massmediale Botschaft in Schweden, Deutschland und im übrigen Europa. In England wurde man mit einer Hausdurchsuchung tätig, ohne das in der Wohnung von Taimour Abdulwahab al-Abdaly in Luton irgendwelche 'gefährliche Dinge' gefunden worden sind. Na ja, was nicht ist, kann noch werden.


Zum Glück gibt es das FBI, das seinen schwedischen Kollegen tatkräftig zur Hand geht. Wie es so schön heißt, bot man seine Hilfe an, und die schwedische Staatssicherheit (SÄPO), konnte ihr Glück, ob der großen Hilfsbereitschaft des FBI, kaum fassen und nahm freudestrahlend an.

Noch freudiger gab sich die schwedische Justizministerin, Beatrice Ask von den Konservativen, über's Schnäppchenangebot aus den Vereinigten Staaten, mit den Worten: "Ein gutes Beispiel dafür, wie internationale Polizeizusammenarbeit funktioniert." Klar doch, wer sonst sollte bessere Kenntnisse bei der Herstellung von Terrorbomben haben als das FBI? Übung macht den Meister, die hatte Taimour Abdulwahab offensichtlich nicht. Hysterie und Angstverbreitung in ganz Europa. Das kann doch kein Zufall sein?

Lange als religiös verwirrter Einzeltäter gehandelt, wird das Szenario auf eine 'höhere' Ebene geschraubt. Am Ende steht die Überwachung der Bürger, und alle fühlen sich wieder pudelwohl.

Dies ist der zweite Fall einer Tat in Schweden, der einen, nach offiziellen Angaben, "islamisch-religiösen" Hintergrund hat. Der erste Fall richtete sich gegen Lars Vilks, der Mohammed als Rondellhund zeichnete, und dafür heftige Kritik und auch Drohungen erntete. Am 15. Mai 2010, versuchten zwei Jünglinge Vilks Haus, als Bestrafung für die Verächtlichmachung des Profeten Mohammed, in Brand zu setzen. Das gelang ihnen nicht, allerdings kriegten sie das Kunststück fertig, sich bei diesem Versuch selbst anzuzünden und erlitten nebst schweren Brandwunden, auch noch harte Gefängnisstrafen. Der Rechtsstaat funktionierte also ausgezeichnet und ist nicht auf verschärfte Überwachungsgesetze angewiesen.

Anscheinend genügt das aber gewissen Kreisen nicht, und so "drohte" das zweite große Boulevardblatt "Expressen" vorgestern auf seiner ersten Seite mit:
"MEHR SELBSTMORDATTENTATE GEGEN SCHWEDEN WÄHREND DES WEIHNACHTSHANDELS".
Woher sie das wussten? Keiner hat gefragt und eine Auskunftspflicht haben sie ja nicht. Nur Boulevardjournalismus, oder gezielte Panikmache? Man wird ja noch fragen dürfen.

Wie in Deutschland ging auch die schwedische SÄPO im Oktober vor, als sie mit dunklen Begründungen die akute Terrorgefahr für das Land von zwei auf drei erhöhte. Sofort erkannte "Expressen": ”10 TERRORISTEN STEHEN IN SCHWEDEN BEREIT” – natürlich völlig aus der Nase gepopelt. Ein Nachspiel für derartigen Popel gab's nicht. Wer sollte es auch dementieren? Die 'Terroristen' selbst? Oder notorische 'Terrorexperten' die sich bei jeder Gelegenheit ins Scheinwerferlicht drängen? Die nie etwas substanzielles in der Sache zu sagen haben, aber die Jahrmarktsgebote der Politik von mehr Überwachung, zudem noch kräftig überbieten.

Deutschland und das ZDF haben ihren 'Experten' Elmar Theveßen, die Schweden ihren Magnus Ranstorp. Die Welt ist voller Experten. Ranstorp wusste gleich was los war. Mit treuem Augenaufschlag versicherte er, dass eine gut organisierte Terrorliga hinter dem Selbstmordsprenger steht. Auf die Idee, dass Taimour Abdulwahab für sich selbst gefährlicher war als für seine Umgebung, was er ja eindeutig unter Beweis stellte, kommen derartige 'Experten' nie.

Immerhin ist von Anders Thornberg, ein SÄPO-Oberintendent, zu hören, dass es weder Beweise noch Informationen gibt, die darauf hinweisen, dass die Tat mit irgendwelchen internationalen 'Terrorgruppen' zu verknüpfen ist. Eine kleine Einschränkung folgte bereits im nächsten Satz:
"Wie es im Augenblick aussieht, war der Täter bei der Ausführung allein. Aber wir wissen aus der Erfahrung, dass es sich in der Regel immer um mehrere Personen handelt."
Ok, die Polizei soll 'ergebnisoffen' recherchieren. Wird von guten Polizisten in jedem 'normalen' Mordfall so gehandhabt.

Nur, 'ergebnisoffen' kann man kaum die Hybris nennen mit der die Botschaft überbracht wird. Die Geheimdienste und die von ihnen ausgewählten Megaphone, drohen unaufhörlich der eigenen Bevölkerung mit stark übertriebenen Horrorgeschichten. Da will kein Politiker hintenanstehen, um die eigenen Bevölkerungen mit antidemokratischen Gesetzesverschärfungen, welche besonders Muslime diskriminieren, zu beglücken.

Da kommt mir doch glatt die Bemerkung von Altkanzler Helmut Schmidt in den Sinn, als er in einem ZEIT-Interview über Geheimdienste die treffende Aussage machte:
"Ich traue inzwischen überhaupt keinem Geheimdienst mehr. Punkt.

ZEIT: Wie sind Sie denn zu dieser Einsicht gekommen?

Schmidt: Das sind arme Schweine. Die leiden unter zwei psychischen Krankheiten: Die eine Krankheit beruht darauf, dass sie für das, was sie tatsächlich leisten, niemals öffentliche Anerkennung bekommen. Es ist unvermeidlich so, sie müssen ja im Verborgenen arbeiten. Das deformiert die Seele. Die andere Krankheit beruht darauf, dass sie tendenziell dazu neigen, zu glauben, sie verstünden die nationalen Interessen des eigenen Landes viel besser als die eigene Regierung. Diese letztere Krankheit ist der Grund dafür, dass ich ihnen nicht traue. Ich war 13 Jahre lang Mitglied einer Bundesregierung. Ein einziges Mal habe ich den Chef des BND für zehn Minuten empfangen; das war einer, den ich kannte."
Inzwischen verstärkt sich allerdings bei mir der Eindruck, dass diese "deformierten Seelen" zum Staat im Staate geworden sind. Sie nehmen einen immer breiter werdenden Raum in den westlichen Gesellschaften ein und sind in viel höherem Maße eine Gefahr für die offene Gesellschaft, als es 'Terroristen' je sein können. Die züchten wir mit unseren imperialen Kriegen und als nützliche Idioten der Geheimdienste selbst. Damit sollten wir aufhören.

FH

cc Gegenmeinung

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