Freitag, 10. Dezember 2010

In Oslo und Berlin stehen die Stühle leer

Gestern sammelten sich eine Handvoll Auslandchinesen vor der chinesischen Botschaft in Oslo, um ihrem Unmut darüber Ausdruck zu verleihen, dass der diesjährige Friedensnobelpreistäger, Liu Xiaobo, nicht persönlich in Oslo erscheinen durfte, um aller Voraussicht nach eine brennende Rede für die Menschenrechte, so wie der westliche Kapitalsismus mitsamt der NATO sie verstehen, zu halten. Die Kameraführung war sehr eng, was den Eindruck vermittelte es waren mehr als nur eine Handvoll. Waren es aber nicht. Das Liu Xiaobo 2009 zu elf Jahren Haft wegen staatsfeindlicher Tätigkeit verurteilt wurde, ist bekannt. Mit Sicherheit kein Ruhmesblatt für die chinesische Justiz.

Die Wahl Liu Xiabo zum Preisträger, ist allerdings ein ähnliches Desaster für das Ansehen des Friedensnobelpreises, wie voriges Jahr die Wahl Obamas, oder des Glückskekses, Dalai Lama. Dieser Preis ist heute eine politische Propagandawaffe des westlichen Herrschaftssystems, der mit viel Medienhybris zelebriert wird, so wie es sich für Spaßgesellschaften gehört. Ein Preis vom Establishment für Diener des Establishments. Mehr nicht.

Der leere Stuhl wird medial einige Stunden als Beweis fehlender Menschenrechte in China ausgeschlachtet werden, und die Vereinigten Staaten und ihre Alliierten werden jeden und alles unterstützen was China schwächen könnte. Die westlichen Regierungen erklären ihre „Demokratie“ zur Grundlage ihrer absoluten Berechtigung, sich in die Angelegenheiten des Restes der Welt einzumischen. Auf der Grundlage des Trugschlusses, dass „Menschenrechte notwendig für den Frieden sind“ proklamieren sie ihr Recht, Krieg zu führen.


In Berlin wird kommenden Sonntag die weniger bekannte Carl-von-Ossietzky-Medaille an den israelischen Nukleartechniker und Whistleblower Mordechai Vanunu nicht persönlich übergeben werden können, da der Strolchenstaat Israel ihm nach achtzehnjährigem Kerker, die er für die Aufdeckung der Existenz des bis dahin geheimgehaltenen Nuklearforschungsprogrammes Israels und damit die faktische atomare Bewaffnung des Landes erhielt, nicht gestattet. Wo sind die Schlagzeilen und Kampagnen der staatstragenden Regenbogenpresse wie Spiegel, Zeit, Welt, Focus, ARD, ZDF und wie sie sich alle nennen, um die an anderer Stelle eingeforderten Menschenrechte, hier durchzusetzen?

Übrigens, Carl von Ossietzky, der Namensgeber der Carl-von-Ossietzky-Medaille, war bislang der einzige Friedensnobelpreisträger, der seinen Preis nicht persönlich in Oslo entgegennehmen durfte. Die Nazis behielten ihn im KZ.

Nur eine Ironie der Geschichte wenn die tonangebenden Mordbuben Israels, Mordechai Vanunu die Ausreise verweigern? Kaum anzunehmen.

FH

cc Gegenmeinung

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen