Freitag, 21. Januar 2011

Glaspie-Memo widerlegt Behauptungen, die durchgesickerten Dokumente seien aus „Sicherheitsgründen” geheim

Jason Ditz

Das in den letzten Jahrzehnten am intensivsten gesuchte Dokument des Außenministeriums, das schändliche Glaspie-Memo, wurde vor kurzem von WikiLeaks an die Öffentlichkeit gebracht. Das Memo beschreibt eine Besprechung zwischen Botschafterin April Glaspie und dem irakischen Präsidenten Saddam Hussein am 25. Juli 1990, genau eine Woche vor der irakischen Invasion von Kuwait, und Glaspies Versicherungen gegenüber Hussein betreffend die anhaltende amerikanische Freundschaft und Amerikas Desinteresse am Grenzkonflikt mit Kuwait. Kurz gesagt bestätigt es die Jahrzehnte alte Vermutung, dass Glaspie Saddam Hussein in dieser Besprechung den Eindruck vermittelt hat, dass die Vereinigten Staaten von Amerika ihm grünes Licht für die Invasion gegeben haben.

Diese Enthüllung lässt die hunderttausenden in einem Jahrzehnt der dem Krieg folgenden Sanktionen getöteten Zivilpersonen und die noch größere Anzahl, die in der Invasion der Vereinigten Staaten von Amerika 2003 getötet wurden, in einem entschieden ungehörigen Licht erscheinen und leistet den Historikern einen gewaltigen Dienst. Noch wichtiger ist allerdings, dass die Veröffentlichung eines noch immer geheimen Dokuments nach mehr als 20 Jahren und drei Präsidenten den anhaltenden Mythos erschüttert hat, dass diese Dokumente geheim sind, um zu verhindern, dass sie in feindliche Hände fallen. Viel eher erfolgt die Geheimhaltung, um der amerikanischen Öffentlichkeit die Wahrheit vorzuenthalten, und WikiLeaks leistet uns mit ihrer Veröffentlichung einen großen Dienst.

Über die Existenz des Glaspie-Memos war lange spekuliert worden, und der wirkliche Inhalt war das, was viele schon lange vermutet hatten. Der offizielle Titel der Depesche „Saddams Freundschaftsbotschaft an Präsident Bush“ erzählt nur einen Teil der Geschichte, da Botschafterin Glaspie klar und wiederholt die Unterstützung der Vereinigten Staaten von Amerika für den irakischen Diktator zum Ausdruck bringt, Unterstützung für die von Ägypten vermittelten Gespräche zwischen Irak und Kuwait später in der Woche zum Ausdruck brachte, und absolut keine Ablehnung zum Ausdruck bringt, als Saddam meint, er könnte einseitig handeln, wenn die Gespräche keinen Fortschritt brächten – in der Tat informiert Glaspie Saddam, dass „wir keine Position haben zu diesen arabischen Angelegenheiten.“

Diese Enthüllungen wären verheerend gewesen für die Administration George H.W. Bush und sind umso beschämender, wenn man bedenkt, dass nur eine Woche nach Glaspies Versicherungen die Vereinigten Staaten von Amerika eine Politik der Feindseligkeit und Sanktionen eingeschlagen haben, die bis heute anhält, über eine Million Leben gekostet und noch immer 50.000 Soldaten der Vereinigten Staaten von Amerika im Irak stationiert hat.

Wenn uns dann gesagt wird, dass diese Art Memos aus Gründen der „Nationalen Sicherheit” geheim seien, so stimmt das eindeutig nicht. Es gibt keinen „Feind,“ von dem man das fernhalten müsste. Die Inhalte der Glaspie-Memos zeigen eine hinterlistige Politik der Vereinigten Staaten von Amerika gegenüber dem Irak, die mehrere Administrationen umfasste, und die Entscheidung, diese Art von Dokumenten Jahrzehnte danach „geheim“ zu halten, enthüllt eine Komplicenschaft bei dieser Art von Politik, die unbegrenzt weitergehen würde.

Es ist also kein geheimnisvoller Feind, der durch die Klassifizierung dieser Dokumente im Dunklen gehalten werden sollte, sondern die amerikanische Öffentlichkeit selbst, die diese verabscheuungswürdige Politik nie akzeptieren würde, wenn sie eine Ahnung davon hätte. Von den beiden Bush-Administrationen bis zu den Administrationen Clinton und Obama war die Politik darauf angelegt, die amerikanische Öffentlichkeit zu täuschen, und die von beiden Parteien getragene Empörung gegen WikiLeaks ist die natürliche Reaktion darauf, dass sie bei ihren Lügen ertappt worden sind. Das Spiel ist vorbei. Und die Forderung nach Zensur, Strafverfolgung und sogar Hinrichtung widerspiegelt die Stufe der Betretenheit, die von einem erwartet werden kann angesichts der Enthüllung vor der amerikanischen Öffentlichkeit, dass diese Administrationen eine jahrzehntelange Kampagne des Massenmords gegen das irakische Volk durchgeführt haben, zur Gänze auf der Grundlage diplomatischer Doppeldeutigkeit einer Botschafterin vor über 20 Jahren.

Wir hätten das nie erfahren sollen, auch sollten wir niemals den Inhalt einer Viertelmillion weiterer Dokumente erfahren, die noch veröffentlicht werden sollen. Zweifelsohne werden viele weitere Enthüllungen dabei sein, die uns unbehaglich fühlen lassen werden bezüglich der Art, wie die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika ihre Geschäfte betreibt, und viele weitere Verdammungen seitens Präsident Obama und anderer, die davon herrühren.

Ich würde jedenfalls die amerikanische Öffentlichkeit dringend bitten, sich keine Hilfe von der Wut der beiden Parteien gegen die Idee einer freien Presse zu erwarten. Anstatt uns darüber zu ärgern, dass ein Whistleblower die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika dadurch beschämt hat, dass er ihre Verbrechen zum Gegenstand eines öffentlichen Berichts gemacht hat, sollten wir unseren Ärger dahin richten, wohin er gehört: gegen die Funktionäre, deren Verbrechen wir jetzt entdecken.

zuerst erschienen in Wayne Independent und Union Daily Times

erschienen am 20. Januar 2011 auf > www.antiwar.com > Artikel

Quelle: antikrieg.com

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