Freitag, 21. Januar 2011

Mit Ersatzphallus in See stechen - So schön kann Kapitalismus sein

Vom Tellerwäscher zum Milliardär! Millarden liegen im Ränzel eines jeden potentiellen Hartz-IV-Empfängers. Er muss nur seine Chance nutzen, hart arbeiten und einen Hang zur Größe haben. Wenn es um nicht einlösbare Verheißungen geht, haben sich Hochfinanz und Kapital, immer großzügig gegeben. Wissend, das nichts so gut blendet, als Illusionen zu schüren, die niemals erfüllt werden, aber vielen vorgaukeln, sie könnten mit dabei sein. Wer es durch Arbeit nicht schafft, sollte es mit Glücksspiel versuchen. Die Chancen zu gewinnen sind gut, sehr gut sogar. Genau genommen 1 zu 140 Millionen einschließlich Jackpot. Na, wer sagt's denn? Chancengleichheit eben.

Roman Abramowitsch schaffte es immerhin, mit einem Startkapital von 5.000 Tonnen Heizöl, den richtigen Kontakten und Zuhilfenahme gefälschter Dokumente, in den Olymp der absolut reichsten Menschen dieser Welt aufzusteigen. Die Segnungen des Kapitalismus können er, Microsoft-Mitbegründer Paul Allen, und einige mehr, heute voll auskosten, siehe hier.

Da soll keiner kommen, meckern und seine unerfüllte Sehnsucht, auch zu jenen gehören zu dürfen, mit unsäglichen Neiddebatten zu kaschieren. "Würde ich doch auch so machen, wenn ich nur das Geld hätte," meint eine unanständig hohe Anzahl von Menschen, die sich selbst bereits in prekären Zuständen befinden, oder auf gutem Weg sind, im Tal der Hoffnungslosigkeit in Bälde ihren Schlafplatz im Schuhkarton einzurichten. Eine BILD als Kopfkissen und noch eine als Decke, da lässt es sich doch richtig gut leben. Das Glücklichsein hängt weder von Schuhkartons noch seidenen Krawatten ab. Fragt bei Gelegenheit den Moshammer, der an seiner Glückseligkeit im wahrsten Sinne des Wortes erstickte. Da fristet man doch lieber sein Dasein im solide eingerichteten Karton unter der Brücke, Flusswasser inclusive. Es muss schon Unterschiede geben, alles andere wäre Gleichmacherei, gelle? Das wollen wir doch nun wirklich nicht, in dieser, unserer freiheitlichen Gesellschaftsordnung.



Ok, die Perspektiven sind ja gar nicht mal so schlecht. Die Wirtschaft brummt, die deutschen Manager voller Zuversicht, endlich kommt der Aufschwung unten an. Der Oberkommandierende der Statistikfälscher-Agentur vermeldet schnell noch einen Aufschwung zu Schrumplöhnen, aber zum Glück leben wir ja nicht in Asien. Obwohl der Wirtschaftsaufschwung dort noch höher ist als in Europa, kommt der Aufschwung unten nicht einmal zu Hungerlöhnen an. Dort kosten manche Produkte dreimal so viel wie vor einem Jahr, in Bangladesch können sich die Ärmsten nicht mal mehr Milch leisten. Die Uno warnt vor einer Hungerkatastrophe - und Gewaltexzessen. Davor hat man echt Angst. Die Truppen stehen Gewehr bei Fuß um die "Demokratie" zu retten. Danke für Eure Fürsorge um unsere Sicherheit.

Berichtet das diesmal reichlich verlinkte ehNaMag warum die Nahrungsmittelpreise in die Höhe schnellen? Natürlich nicht. Für Börsen, Spekulationen und Globalisierung sind der liebe Gott oder die Märkte zuständig. Vorteil: alle reden von ihnen, keiner hat sie je gesehen. Eine unschlagbare Kombination.

Das Spekulationen mit Nahrungsmittel zu den hauptsächlichen Verursachern von Preissteigerungen im Nahrungsmittelsektor zählen, soll nur ein böses Gerücht sein. Eine Verschwörungstheorie, wo doch der Markt per Definition unsichtbar ist. Wenn Hedge-Fonds die sich an Nahrungsmittel- und Agrarrohstoffbörsen tummeln, tun was sie können um ihre Milliarden und Abermilliarden die sie mit Spekulationen verdient haben, in Termingeschäfte anzulegen bei denen sie jetzt schon ganze Ernten vom nächsten Jahr zu einem festen Preis aufkaufen, ist das mit Sicherheit zu unser aller Wohl.
Aus dem so genannten Flassbeck-Bericht vom 1. Juli 2008, der heute als autoritativ gilt, geht hervor, dass 37 Prozent der Weltmarktpreissteigerung von drei Grundnahrungsmittel, Reis, Mais und Weizen, reine Spekulationsgewinne sind. Punkt.
FH

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