Montag, 9. Mai 2011

Wer mit sich selbst zufrieden ist, hat keine Sorgen

Von Paul J. Balles

Übersetzt von Hergen Matussik




„Toleranz ist eine außerordentliche Tugend, aber ihre unmittelbaren Nachbarn sind Gleichgültigkeit und Schwäche.“ Goldsmith

Der Psychologe Rollo May schrieb, „Das Gegenteil von Liebe ist nicht Haß, sondern Gleichgültigkeit.“ Der im 20. Jahrhundert gut bekannte Autor Leo Buscaglia definierte das als „sich einen Dreck scheren.“ Diese beiden Aussagen machen ziemlich deutlich, was Apathie, Gleichgültigkeit ist.

Woran liegt es, dass wir uns einen Dreck um die Dinge scheren, die uns eigentlich Sorgen bereiten sollten.


Denken Sie für einen Moment an jene, die Liebe gegenüber ihren Mitmenschen predigen, aber desinteressiert und gleichgültig jenen gegenüber sind, die allen Humanisten ein Anliegen sein sollten.

Die Welt sah weg, als über eine Million Männer, Frauen und Kinder sterben mußten, um Saddam Hussein zu bestrafen und ihn als Bedrohung für die Israelis aus dem Weg zu räumen.

Amerika setzt die Einmischung mit 50.000 gegenwärtig im Irak stationierten Soldaten fort, während eine lahme amerikanische Öffentlichkeit sich um das eigene Dasein kümmert, das mit diesen Dingen nichts zu tun haben scheint. Es ist den Menschen einfach egal, auch wenn die Rechnung von ihren Steuergeldern bezahlt wird.

Die gehörlose und blinde Aktivistin Helen Keller sagte: „Die Wissenschaft hat vielleicht für die meisten Gebrechen und Übel ein Gegenmittel entwickelt, aber keines für das schlimmste von allen - die Gleichgültigkeit der Menschen.“

Was Keller zu ihrer Aussage motiviert hat, findet sich in den Weisheiten des französischen politischen Denkers Charles de Montesquieu, der schrieb: „Die Tyrannei eines Fürsten in einer Oligarchie ist für das Gemeinwohl nicht so gefährlich, wie die Apathie der Bürger in einer Demokratie.“

Eine Bemerkung, die der antike griechische Philosoph Plato vor vielen Jahrhunderten machte, beschreibt die Gefahr: „Der Preis der Gleichgültigkeit gegenüber den Dingen, die das Gemeinwesen betreffen, ist, von bösen Menschen regiert zu werden.“

Man muß sich nur vergegenwärtigen, wie die amerikanische Regierung von der israelischen Lobby AIPAC, von der Waffenlobby, von den Dieben der Wall Street, von den großen Ölfirmen, von der Rüstungsindustrie und den Lobbies der Versicherer und der Pharmaindustrie beherrscht wird.

Der große amerikanische Zeitungs-Herausgeber des 19. Jahrhunderts Horace Greeley nannte Gleichgültigkeit „das lebendige Vergessen“. Dass die Umstände der Vergangenheit vollständig vergessen werden können, ist noch zu begreifen. Die heutige finstere Gegenwart aber lässt sich mit den gleichen Begriffen beschreiben.

Abgesehen von der Trägheit der amerikanischen Öffentlichkeit im Hinblick auf innenpolitische wie internationale Belange, zeigt auch der Rest der Welt eine allgemeines Desinteresse an Korruption, Umwelt, weit verbreitete Armut und menschliches Leid.

Warum brauchte es drei oder vier Jahrzehnte, dass die Untaten von Tunesiens Zine El Abidine Ben Ali, Ägyptens Hosni Mubarak oder Libyens Muammar Gaddafi ihre jeweiligen Öffentlichkeiten aus ihrer desinteressierten Apathie aufrütteln konnten?

Natürlich werden einige Historiker das in diesen Oligarchien herrschende Desinteresse dem erzwungenen Schweigen und der allgemeinen Angst zuschreiben.

„Alles was für den Sieg des Bösen erforderlich ist, ist, dass die guten Menschen nichts unternehmen,“ schrieb der englisch-irische Staatsmann und Philosoph Edmund Burke vor über zweihundert Jahren.

Auf ähnliche Weise stellte Albert Einstein fest, dass „die Welt ein gefährlicher Ort ist, nicht wegen derjenigen, die Böses tun, sondern wegen derjenigen, die wegschauen und nichts unternehmen.“

Nachdem wir von einer Reihe bedeutender Denker erfahren haben, die das Wesen der Gleichgültigkeit und iseine üblen Auswirkungen beschrieben haben, stellen sich eine Reihe von Fragen:

  • Warum sind die Leute im Hinblick auf so viele Dinge apathisch? Die öffentliche Erziehung hat es nicht geschafft, unserer sozialen Verantwortung für die Belange von Arbeit und Familie das entsprechende Gewicht zu verleihen.
  • Welche Gefahren entstehen durch Gleichgültigkeit? Zerstörung der Umwelt, Revolutionen, Hunger, Hass, Rassismus und Krieg.
  • Was kann getan werden, um die Apathie zu überwinden? Die Notwendigkeit, sich der Gefahren bewußt zu werden, die entstehen, wenn sich alle um alles einen Dreck scheren, sollte durch die Bemerkungen der vielen großen Denker, die sich zur öffentlicher Lethargie geäußert haben, deutlich geworden sein.

Danke Tlaxcala
Quelle: http://www.informationclearinghouse.info/article28052.htm
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 07/05/2011
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=4705

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