Sonntag, 19. Juni 2011

Das "Afrika-Korps" der NATO eskaliert den Abnutzungskrieg gegen Libyen


Von Rick Rozoff, Stop NATO
Global Research, 11.06.11

Der ohne Unterbrechung andauernde, sich ständig verschärfende Luftkrieg des Westens gegen Libyen wird bald in seinen vierten Monat eintreten. Er begann am 19. März als Operation Odyssey Dawn (Odyssee Morgenröte) unter dem Kommando des US-AFRICOM (in Stuttgart) und wird heute als Operation Unified Protector (Vereinigte Beschützer) unter dem Kommando der North Atlantic Treaty Organization / NATO geführt; die Luftangriffe sind die zweitlängste bewaffnete Aggression in der Geschichte der NATO und dauern bereits eine Woche länger als die 78-tägige Bombardierung Jugoslawiens im Jahr 1999. Nur der bald ein Jahrzehnt währende Krieg in Afghanistan übertrifft die Länge dieser Operation.

Das von den USA dominierte Militärbündnis gibt nicht nur zu, sondern prahlt sogar damit, seit dem 31. März fast 11.000 Luftoperationen und mehr als 4.000 Kampfeinsätze durchgeführt zu haben. Vorher hatten die USA, Großbritannien, Frankreich und andere NATOStaaten (unter US-Kommando) bereits Hunderte von Luftangriffen geflogen und (von Schiffen aus) mehr als 160 Angriffe mit Cruise Missiles (Marschflugkörpern) gestartet.


Gemeinsam den Spuren der Eroberungsfeldzüge folgend, die Frankreich unter Napoleon Bonaparte, das britische Imperium, Italien unter Benito Mussolini und Deutschland unter Adolf Hitler (in Nordafrika) führten, haben die westlichen Nationen den längsten Krieg in neuerer Zeit und die intensivste bewaffnete Aggression aller Zeiten gegen ein afrikanisches Land angezettelt.

Ende Mai gab ein libyscher Regierungssprecher bekannt, vom 19. März bis zum 26. Mai seien durch die NATO-Luftangriffe schon 718 Zivilisten getötet und 4.067 verletzt worden. In der Zwischenzeit hat das nordatlantische Militärbündnis die Bombardierung der Hauptstadt und anderer Landesteile Libyens auf ein beispielloses Niveau gesteigert, britische und französische Kampfhubschrauber eingesetzt und lässt von unbemannten Predator-Drohnen Hellfire-Raketen verschießen.

Am 1. Juni erklärte NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, der Krieg werde um drei Monate bis Ende September verlängert, und eine Woche später teilte er mit, die Verteidigungsminister von 28 NATO-Staaten, einschließlich des US-Verteidigungsminsters Robert Gates aus dem Pentagon, hätten bei ihrem Treffen im NATO-Hauptquartier in Belgien die Entscheidung gebilligt, die Operation Unified Protector um 90 Tage auszuweiten.

Zusätzlich zum Einsatz französischer Kampfhubschrauber der Typen Gazelle und Tiger und britischer Kampfhubschrauber des Typs Apache, die nach einem Bericht der britischen Zeitung DAILY MIRROR "erstmals neuartige Antipersonen-Raketen vom Typ Mincer (Fleischwolf) mit je 80 fünf Inches (12,7 cm) langen, Flechettes genannten Stahlpfeilen verschießen", haben die USA ihren Giganten "USS George H. W. Bush" ins Mittelmeer entsandt. Dieser atomar angetriebene Superflugzeugträger wird von einer Kampfgruppe begleitet und soll dem nordafrikanischen Staat mit knapp über sechs Millionen Einwohnern wohl den Todesstoß versetzen.

Die "George H. W. Bush", die gerade ihren ersten Kriegseinsatz absolviert, wurde kürzlich in einem Bericht der oben zitierten Zeitung über das damals gemeinsam mit den Kriegsschiffen "HMS Dauntless" und "HMS Gloucester" der Royal Navy durchgeführte Seemanöver Saxon Warrior (Sächsischer Krieger) als "stärkstes Kriegsschiffschiff der Welt" bezeichnet. In dem Bericht hieß es weiter: "Das 97.000-Tonnen-Schiff beherbergt acht Staffeln mit 70 Kampfjets und eine aus Flugpersonal und Seeleuten bestehende Besatzung von 5.300 Personen.

Als das Schiff am 6. Juni bei der Stadt Cartagena vor der spanischen Mittelmeerküste ankerte, gab die US-Navy bekannt, "der neueste Flugzeugträger der Nimitz-Klasse besuche zum ersten Mal Europa".

Die "George H. W. Bush" befindet sich in Begleitung ihrer Kampfgruppe auf dem Weg zum Sitz des Oberkommandierenden der U. S. Navy in Europa und Afrika im Hauptquartier der 6. US-Flotte in Neapel im Süden Italiens; von dort aus können ihre Kampfjets jederzeit Libyen angreifen.

Die seit 85 Tagen täglich ohne Unterbrechung durchgeführten Bombenangriffe summieren sich zur längsten Bombardierungskampagne seit dem Vietnam-Krieg; obwohl nicht nur jede Nacht, sondern jetzt auch schon fast jeden Tag Rauchwolken (von Bombenexplosionen) über Tripolis aufsteigen, hat die Zerstörung von Regierungsgebäuden und militärischer und ziviler Infrastruktur gerade erst begonnen.

Die NATO-Mächte – darunter auch Italien, dessen Kolonie Libyen früher einmal war – führen ihren pausenlosen Luftkrieg auch gegen die Zivilbevölkerung weiter, obwohl die libysche Regierung die Friedensvorschläge der Afrikanischen Union akzeptiert hat.

Die großzügigste Interpretation des in der Resolution 1973 des UN-Sicherheitsrates eingeräumten Mandats zum Schutz der libyschen Bevölkerung weit überschreitend, versucht die NATO absichtlich und rücksichtslos der libyschen Regierung jede Möglichkeit zu nehmen, die Sicherheit und die Versorgung ihrer Bevölkerung aufrechtzuerhalten; mit ihrem brutalen Vorgehen will die NATO die Libyer so stark unter Druck setzen, dass sie sogar die Aufsplitterung und die Besetzung ihres Landes durch ausländische Trupppen der weiteren Erduldung des Terrors aus der Luft vorziehen.

Mit Tod und Zerstörung will der Westen Libyen in die Knie und am liebsten zur Kapitulation zwingen, bis es nur noch zum Schein unabhängig ist. Mit Libyen wird versucht, was bereits mit Jugoslawien, Afghanistan und dem Irak gemacht wurde – und weitere Länder sollen folgen.

Quelle, Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

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