Freitag, 19. August 2011

Ein "humanitärer Krieg" gegen Syrien? Führt die militärische Eskalation zu einem großen Krieg im Mittleren Osten und in Zentralasien?

Von Michel Chossudovsky
GLOBAL RESEARCH, 09.08.11
"Als ich im November 2001 wieder einmal im Pentagon war, hatte einer der höheren Stabsoffiziere Zeit für ein Gespräch. Er erzählte, dass es bald zum Krieg gegen den Irak kommen werde, es sei aber noch mehr geplant. Der Irak-Krieg werde nur Teil einer fünfjährigen Kampagne gegen insgesamt sieben Länder sein; mit dem Irak werde begonnen, dann sollten Syrien, der Libanon, Libyen, der Iran, Somalia und der Sudan folgen." General Wesley Clark
Auf den Reißbrettern des Pentagons wird seit Mitte der 1990er Jahre ein größerer Krieg im Mittleren Osten und in Zentralasien vorbereitet.

Als Teil dieses breiter angelegten Kriegsszenarios plant das NATO-Bündnis unter Führung der USA eine Militäraktion gegen Syrien – möglichst mit UN-Mandat und als "humanitäre Intervention" getarnt.

Die Eskalation ist ein integraler Bestandteil der militärischen Planung. Die Destabilisierung souveräner Staaten durch einen "Regimewechsel" wurde von Anfang an in die Planung mit einbezogen.

Es gibt einen militärischen Fahrplan, der eine ganze Reihe von NATO-Kriegen unter Führung der USA vorsieht.

Die Vorbereitungen für einen Überfall auf Syrien und den Iran haben seit mehreren Jahren "einen fortgeschrittenen Zustand der Bereitschaft" erreicht. Im Syria Accountability and Lebanese Sovereignty Restoration Act of 2003 (in der Resolution des US-Repräsentantenhauses zur Verantwortung Syriens für die Wiederherstellung der Souveränität des Libanons aus dem Jahr 2003, die hier aufzurufen ist, wird Syrien als "Schurkenstaat" angeprangert, der den Terrorismus unterstütze.

Das Pentagon betrachtet einen Krieg gegen Syrien als Vorspiel zu einem größeren Krieg gegen den Iran. Präsident George W. Bush hat in seinen Memoiren zugegeben, dass er das Pentagon "beauftragt hatte, einen Angriff auf die Atomanlagen des Irans zu planen und einen verdeckten Angriff auf Syrien" in Erwägung gezogen hat. [George Bush enthüllt in seinen Memoiren, dass er Angriffe auf den Iran und auf Syrien erwogen hat, The Guardian, 8. November 2010.

Diese Militärinterventionen zielen eigentlich auf die strategischen Ölreserven und den Bau von Pipelines und werden von den anglo-amerikanischen Ölgiganten unterstützt.

Die Bombenangriffe auf den Libanon im Juli 2006 waren Teil eines sorgfältig ausgearbeiteten "militärischen Fahrplans". Die Militärplaner der USA und Israels hatten vorgehabt, den "Juli-Krieg" auch auf Syrien auszuweiten. Diese Absicht musste aber wegen der Niederlage der israelischen Bodentruppen gegen die Hisbollah aufgegeben werden. (s. hier)

Mit dem Juli-Krieg gegen den Libanon im Jahr 2006 wollte Israel auch die Kontrolle über die Nordostküste des Mittelmeeres und die Öl- und Gasvorkommen in libanesischen und palästinensischen Küstengewässern übernehmen.

Die Pläne, sowohl den Libanon als auch Syrien zu überfallen, sind trotz der israelischen Schlappe im Juli-Krieg 2006 auf den Reißbrettern des Pentagons geblieben: "Im November 2008, nur einen Monat vor dem Massaker, das Israel im Gaza-Streifen anrichtete (s. hier und hier), hat das israelische Militär in der Übung Shiluv Zro'ot III [Gekreuzte Waffen III] einen Zwei-Fronten-Krieg gegen den Libanon und Syrien geprobt. Die militärische Übung schloss große simulierte Angriffe sowohl auf Syrien als auch auf den Libanon ein." [Mahdi Darius Nazemoraya, Israels nächster Krieg: Heute der Gaza-Streifen, morgen der Libanon? Global Research, 17. Januar 2009.]

Die Straße nach Teheran führt über Damaskus. Ein unter US-Kommando von der NATO gegen den Iran geführter Krieg würde mit einer Destabilisierungskampagne in Syrien beginnen; man würde versuchen, mit Rebellen, die mit verdeckten Geheimdienstoperationen unterstützt werden, die syrische Regierung zu stürzen und einen Regimewechsel herbeizuführen.

Ein "humanitärer Krieg" gegen Syrien, der unter dem Logo "Responsibility to Protect" / P2P (Verantwortung zum Schutz) zu führen wäre, würde auch zur dauerhaften Destabilisierung des Libanons beitragen.

Wenn eine Militäraktion gegen Syrien stattfände, wären auch das Militär und der Geheimdienst Israels direkt oder indirekt beteiligt.

Ein Krieg gegen Syrien würde eine militärische Eskalation nach sich ziehen.

Gegenwärtig gibt es vier verschiedene Kriegsschauplätze: Afghanistan-Pakistan, den Irak, Palästina und Libyen.

Bei einem Angriff auf Syrien würden diese vier getrennten Kriegsschauplätze zu einem zusammenwachsen; im Mittleren Osten und in Zentralasien könnte sich ein großer Krieg entwickeln, der sich von Nordafrika und vom Mittelmeer bis nach Afghanistan und Pakistan ausweiten würde.

Die andauernden Proteste in Syrien sollen als Vorwand und Rechtfertigung für eine militärische Intervention in Syrien dienen. Dass es sich dabei um einen bewaffneten Aufstand handelt, wird weiterhin bestritten. Der Chor der westlichen Medien beschreibt die aktuellen Ereignisse in Syrien nach wie vor als "friedliche Protestbewegung" gegen die Regierung Baschar al-Assads, obwohl es Beweise für die Existenz eines bewaffneten Aufstandes paramilitärischer islamischer Gruppen gibt.

Seitdem die Proteste Mitte März in Daraa begonnen haben, gibt es Schusswechsel zwischen der Polizei und den Streitkräften Syriens auf der einen und Bewaffneten (die sich unter die Demonstranten gemischt haben) auf der anderen Seite. (Weitere Informationen dazu hier.) Dabei hat es auch Brandanschläge auf Regierungsgebäude gegeben. Ende Juli wurden in Hama öffentliche Gebäude, darunter das Gerichtsgebäude und die Agricultural Bank in Brand gesteckt. Israelische Nachrichtenquellen bestreiten zwar, dass es einen bewaffneten Aufstand gibt, berichten aber gleichzeitig, dass "Protestierende mit schweren Maschinengewehren bewaffnet sind". [DEBKAfile. 1. August 2001. Bericht aus Hama ]

"Alle Optionen sind auf dem Tisch"

Bereits im Juni hat Senator Lindsey Graham, der dem Streitkräfteausschuss des US-Senates angehört, die Möglichkeit eines "humanitären" militärischen Eingreifens in Syrien "zur Rettung von Menschenleben" angedeutet. Graham schlug vor, man solle sich die "Option", die man sich mit der Resolution 1973 des UN-Sicherheitsrates für Libyen verschafft hat, auch für Syrien besorgen.
"Wenn es sinnvoll war, das libysche Volk vor Gaddafi zu schützen, und das war es, denn es wären noch mehr Menschen abgeschlachtet worden, wenn wir nicht die NATO geschickt hätten, als Gaddafis Truppen am Stadtrand von Bengasi standen, dann fragt sich die Welt doch jetzt, ob nicht auch Syrien an diesem Punkt angelangt ist. ...

Wir können zwar noch nicht eingreifen, aber es könnte bald so weit sein, wenn wir wirklich verhindern wollen, dass auch in Syrien Zivilisten abgeschlachtet werden; deshalb wird es jetzt Zeit, Assad wissen zu lassen, dass alle Optionen auf dem Tisch sind." [CBS, "Vor der Nation", 12. Juni 2011]
Nach der Verabschiedung der Erklärung des UN-Sicherheitsrates zu Syrien [am 3. August 2011] rief das Weiße Haus unmissverständlich zu einem "Regimewechsel" in Syrien und zur Absetzung des Präsidenten Baschar al-Assad auf:
"Wir möchten ihn (Assad) aus Gründen der Stabilität nicht länger an der Spitze Syriens sehen und halten ihn für die eigentliche Ursache der Instabilität in Syrien," erklärte Jay Carney, der Sprecher des Weißen Hauses am Mittwoch vor Reportern.

"Und wir denken, ganz offen gesagt, dass Syrien ohne den Präsidenten Assad ein besserer Staat wäre." [zitiert nach: Offener US-Aufruf zum Regimewechsel, IPS, 4. August 2011]
Verschärfte Wirtschaftssanktionen bilden häufig den Auftakt zu einer umfassenden Militärintervention. In einer von Senator Lieberman in den US-Senat eingebrachten Resolution werden umfangreiche Wirtschaftssanktionen gegen Syrien gefordert. Außerdem hat eine Gruppe von mehr als sechzig US-Senatoren in einem Brief, den sie Anfang August an den Präsidenten Obama richtete, "die Verhängung zusätzlicher Sanktionen gegen Syrien gefordert ..., um dem syrischen Regime klarzumachen, dass es für seine abscheulichen Unterdrückungsmaßnahmen teuer bezahlen wird".

Diese Sanktionen sehen die Blockierung von Bankkonten und Geldgeschäften sowie "die Einstellung des Kaufs syrischen Öls und die Verhinderung weiterer Investitionen in syrische Öl- und Gasvorkommen" vor. [Von allen Seiten wird Druck auf Obama ausgeübt, härter gegen Syrien vorzugehen, Foreign Policy, 3. August 2011. ]

Inzwischen hat das US-Außenministerium auch Verbindung zu Mitgliedern der syrischen Opposition im Exil aufgenommen. Auch die bewaffneten Rebellen-Gruppen erhalten verdeckte Unterstützung. (Weitere Informationen dazu sind hier aufzurufen.

Inzwischen hat das US-Außenministerium auch Verbindung zu Mitgliedern der syrischen Opposition im Exil aufgenommen. Auch die bewaffneten Rebellen-Gruppen erhalten verdeckte Unterstützung. (Weitere Informationen dazu sind hier aufzurufen.)

Gefährliches Wegkreuz: Krieg gegen Syrien zur Errichtung eines Brückenkopfes für einen Angriff auf den Iran

Nach der Erklärung des Vorsitzenden des UN-Sicherheitsrates zu Syrien am 3. August warnte Dmitry Rogozin, der Gesandte Moskaus bei der NATO, vor den Gefahren einer militärischen Eskalation:
"Mit einer Militäraktion gegen Syrien will die NATO nicht nur helfen, das Regime des Präsidenten Baschar al-Assad zu stürzen, sondern auch ein schon lange verfolgtes Ziel realisieren und sich einen Brückenkopf für einen Angriff auf den Iran verschaffen. ...

[Diese Erklärung] ist ein Beleg dafür, dass die Planung [für eine Militäroperation] bereits im Gange ist. Das ist ein logischer Schluss, der sich aus den Propaganda- Aktionen ableiten lässt, die bestimmte westliche Staaten vor dem militärischen Eingreifen in Nordafrika gestartet haben," sagte Rogozin in einem Interview mit der Zeitung Iswestija. ... Der russische Diplomat wies auch auf die Tatsache hin, dass die NATO sich nur mit Regimen anlegt, "deren Ansichten nicht mit denen des Westens übereinstimmen".

Rogozin stimmte der Meinung einiger Experten zu, dass ein militärisches Eingreifen in Syrien und anschließend im Jemen die letzten Schritte der NATO vor einem Angriff auf den Iran sein könnten.

"Die Schlinge um den Iran zieht sich zu. Die Planungen der Militärs für einen Angriff auf den Iran laufen bereits. Und wir sind sehr besorgt, das diese Eskalation zu einem groß angelegten Krieg in dieser riesigen Region führen könnte," erklärte Rogozin.

Rogozin sagte, Russland habe seine libysche Lektion gelernt und werde sich "einer Resolution (des UN-Sicherheitsrates), in der ein gewaltsames Eingreifen in Syrien gefordert wird, entschieden widersetzen", und fügte hinzu, dass die Folgen einer Ausweitung des Konfliktes in Nordafrika für die ganze Welt verheerend sein würden ["Brückenkopf für einen Angriff auf den Iran": Die NATO plant eine Militäroperation gegen Syrien, Novosti, 5. August 2011.
Die militärische Planung für einen Angriff auf Syrien

Das Szenario eines Angriffs auf Syrien wird zur Zeit auf den Reißbrettern französischer, britischer und israelischer Militärexperten entworfen. Nach Aussage des Generals Jean Rannou, der früher Chef der französischen Luftwaffe [Chef d'Etat-Major de l'Armée de l'air] war, "ist ein NATO-Angriff zur Zerschlagung der syrischen Armee technisch machbar":

"Die NATO-Mitgliedsländer würden mit Hilfe der Satellitentechnologie die Stellungen der syrische Luftverteidigung orten. Einige Tage danach würden mehr Kampfflugzeuge, als Libyen besitzt, von einem britischen Flugplatz auf Zypern aus starten und in etwa 48 Stunden die syrischen Boden-Luft-Raketen [SAMs] und die Abfangjäger zerstören. Dann würden die Flugzeuge der Allianz mit der Bombardierung der syrischen Panzer und Bodentruppen beginnen, bis die syrische Armee ausgeschaltet ist.

Das Szenario wurde von französischen Militäranalysten entwickelt und von der britischen Militärfachzeitschrift Jane's Defence Weekly und dem israelischen TV-Sender Channel 10 veröffentlicht.

Von der syrischen Luftwaffe soll nur eine geringe Bedrohung ausgehen. Sie hat etwa 60 (neuere) russische MiG-29. Ihre restlichen Flugzeuge – etwa 160 MiG-21, 80 MiG-23, 60 MiG-23BN, 50 Su-22 und 20 Su-24MK – sind veraltet.

.... "Rein militärisch gäbe es keine Probleme. Syrien kann sich gegen die westlichen (Waffen-)Systeme nicht verteidigen. ... [Aber] ein Angriff wäre riskanter als der auf Libyen. Es wäre ein sehr aufwendiger Militäreinsatz nötig," erklärte Jean Rannou, der ehemalige Chef der französischen Luftwaffe, auf der Website EUobserver. Er fügte hinzu, dass ein Angriff (auf Syrien) aber sehr unwahrscheinlich sei, weil Russland sein Veto gegen ein UN-Mandat einlegen würde, weil viele NATO-Flugzeuge in Afghanistan und Libyen gebraucht würden und weil einige NATO-Länder von Finanzkrisen betroffen seien [Andrew Rettman, Plan für einen NATO-Angriff auf Syrien enthüllt, Global Research, 11. August 2011, ]
Der breiter angelegte militärische Gesamtfahrplan

Die militärischen Planungen betreffen zwar zunächst nur Libyen, Syrien und den Iran, bei ihrer Ausführung entstünde aber eine neue strategische Situation, denn dann wären auch China und Russland bedroht. Beide Staaten haben in den genannten Ländern investiert, treiben Handel mit ihnen oder haben Abkommen über eine militärische Kooperation mit Syrien und dem Iran geschlossen. Der Iran hat Beobachter-Status in der Shanghai Cooperation Organization /SCO.

Auch diese Eskalation ist Teil des militärischen Gesamtfahrplans. Seit 2005 haben die USA, ihre NATO-Partner und Israel hochmoderne Waffensysteme entwickelt und in Stellung gebracht. Die Luftverteidigungssysteme der USA, ihrer NATO-Partner und Israels sind voll integriert.

Die Rolle Israels und der Türkei

Sowohl Ankara als auch Tel Aviv unterstützen den bewaffneten Aufstand (in Syrien). Diese Unterstützung wird von den Regierungen und Geheimdiensten der beiden Staaten koordiniert.

Nach Berichten soll der israelische Mossad die salafistischen Terroristen ausgerüstet haben, die Mitte März, als die Unruhen in Daara begannen, aktiv wurden. Saudi-Arabien soll den Aufstand der Salafisten finanzieren [Die syrische Arme riegelt Vororte der Hauptstadt Damaskus ab, The Irish Times, 10. Mai 2011.

Die türkische Regierung des Premierministers Recep Tayyib Erdogan unterstützt nicht nur syrische Oppositionsgruppen im Exil, sondern auch die bewaffneten Rebellen der Muslimbruderschaft im Norden Syriens.

Die syrische Muslimbruderschaft / MB [deren Führung sich im Exil in Großbritannien befindet] und die verbotene Hizb ut-Tahrir [Partei der Befreiung] haben den Aufstand (in Syrien) gemeinsam organisiert. Beide Organisationen werden von dem britischen (Auslandsgeheimdienst) MI6 unterstützt. Das erklärte Ziel sowohl der MB als auch der Hizb-ut Tahir ist die Destabilisierung des säkularen syrischen Staates. [Michel Chossudovsky, Syrien: Wer steckt hinter der Protestbewegung? Die Schaffung eines Vorwandes für eine "humanitäre Intervention" der USA und der NATO, Global Research, 3. Mai 2011.

Im Juni haben türkische Truppen die Grenze überschritten und sind in den Norden Syriens eingedrungen – offiziell um syrischen Flüchtlingen zur Hilfe zu kommen. Die Regierung Baschar al-Assads beschuldigte die Türkei, das Eindringen von Verstärkungen für die Rebellen in den Norden Syriens zu ermöglichen
Nahezu 500 Rebellen griffen am 4. Juni einen Stützpunkt der syrischen Armee im Norden Syriens an. Sie teilten mit, das Ziel sei eine Garnison des Militär-Geheimdienstes in Jisr Al Shoughour in der Nähe der türkischen Grenze gewesen, und bei dem 36-stündigen Angriff seien 72 Soldaten getötet worden.

"Wir fanden heraus, dass die Verbrecher [die Rebellen-Kämpfer] türkische Waffen benutzten, und das hat uns sehr beunruhigt," sagte ein (syrischer) Offizieller.

Das war das erste Mal, dass das Assad-Regime der Türkei vorgeworfen hat, die Revolte zu unterstützen. ... Offizielle berichteten, die Rebellen hätten die syrische Armee aus Jisr Al Shoughour vertrieben und dann die Stadt eingenommen. Dabei seien auch Regierungsgebäude gestürmt und in Brand gesetzt worden, bevor Verstärkungen für die Assad-Truppen eintrafen. ...

Ein syrischer Offizier, der die Verstärkungen führte, erklärte, die Rebellen in Jisr Al Shoughour hätten aus Al-Qaida-nahen Kämpfern bestanden. Er teilte mit, die Rebellen hätten Waffen und Munition benutzt, die aus der Türkei stammten, beschuldigte die Regierung in Ankara aber nicht, die Waffen geliefert zu haben [Syriens Präsident Assad beschuldigt die Türkei, die Rebellen mit Waffen zu versorgen, TR Defence, 25. Juni 2011. ]
Obwohl die westlichen Medien das abstreiten, haben Quellen, die westlichen Geheimdiensten nahestehen, bestätigt, dass die islamistischen Aufständischen, "die in die Protestbewegung eingesickert sind", aus dem Ausland unterstützt werden. Nach Angaben des ehemaligen MI6-Agenten Alistair Crooke [der heute ein wichtiger Berater der EU ist] "wird der Aufstand in Syrien hauptsächlich von zwei (aus dem Ausland) eingesickerten Gruppen angeheizt: von sunnitische Radikalen und syrischen Exil-Gruppen aus Frankreich und den USA. Die sunnitischen Radikalen seien Anhänger des verstorbenen jordanischen Islamisten Abu Musab Zarqawi, der Jordanien, den Libanon, Palästina und Syrien zu einem sunnitischen Emirat mit dem Namen Bilad a-Sham vereinigen wollte. Sie seien erfahrene Stadtguerilleros, die im Irak gekämpft hätten und aus dem Ausland finanziert würden. Sie hätten die Protestbewegung infiltriert und die Sicherheitskräfte Assads angegriffen, zum Beispiel im Juni in Jisr al-Shagour, wo sie ihnen schwere Verluste zugefügt hätten. [Andrew Rettman, Plan für einen NATO-Angriff auf Syrien enthüllt, Global Research, 11. August 2011. ]

Der ehemalige MI6-Agent bestätigte auch, dass Israel und die USA die Terroristen unterstützen und finanzieren: "Crooke sagte, die Exil-Gruppen hätten das Ziel, das antiisraelische [syrische] Regime zu stürzen. Sie würden von den USA unterstützt und trainiert und hätten Verbindungen nach Israel. Sie bezahlten sunnitische Stammesälteste dafür, dass die ihre Leute (zum Protestieren) auf die Straße schickten, arbeiteten mit NGOs (Nicht-Regierungsorganisationen) zusammen und fütterten die westlichen Medien mit unbestätigten Storys über Gräueltaten (der syrischen Sicherheitskräfte); sie kooperierten mit Radikalen, in der Hoffnung, durch eine Eskalation der Gewalt ein Eingreifen der NATO rechtfertigen zu können." [ Andrew Rettmann, s. o.]

Auch politische Splittergruppen im Libanon unterstützen die Rebellen. Der libanesische Geheimdienst hat die verdeckte Lieferung von Sturmgewehren und automatischen Waffen an die salafistischen Kämpfer bestätigt. Der Transport sei im Auftrag Saudi-Arabiens von libanesischen Politikern organisiert worden. [s. hier.]

Das zwischen Israel und der Türkei vereinbarte Abkommen zur militärischen Kooperation

Israel und die Türkei haben ein Abkommen zur militärischen Zusammenarbeit vereinbart, das sich sehr direkt auf Syrien und die strategisch wichtige libanesisch-syrische Küste am Ostrand des Mittelmeeres [sowie auf die Gasvorkommen vor der libanesischen Küste und mögliche Pipelines] bezieht.
Bereits unter der Regierung Clinton hatte sich eine militärische Dreiecksbeziehung zwischen den USA, Israel und der Türkei entwickelt Dieser "Dreierbund", der vom US-Generalstab dominiert wird, integriert und koordiniert militärische Entscheidungen der drei Staaten, die den Mittleren Osten betreffen. Er basiert auf den engen militärischen Beziehungen Israels und der Türkei zu den USA und starken bilateralen Militärkontakten zwischen Tel Aviv und Ankara. ...

Dieser Dreierbund ist gekoppelt mit einem 2005 vereinbarten Abkommen zur militärischen Kooperation zwischen der NATO und Israel, die sich auf "viele Gebiete von gemeinsamem Interesse wie den Kampf gegen den Terrorismus und gemeinsame Militärmanöver erstreckt. Die militärischen Zusammenarbeit mit der NATO wird von israelischen Militärs als Mittel "zur Erhöhung der Abschreckungsfähigkeit gegen potentielle Feinde" – hauptsächlich gegen der Iran und Syrien – angesehen". [Michel Chossudovsky, "Dreierbund": Die USA, die Türkei und Israel und der Krieg gegen den Libanon, 6. August 2006. ]
Durch die kürzlich erfolgten Rücktritte führender türkischer Militärs ist die pro-islamistische Fraktion in den türkischen Streitkräften gestärkt worden. Ende Juli waren General Isik Kosaner, der Generalstabschef und Oberkommandierende des türkischen Heeres, und die Oberkommandierenden der Marine und Luftwaffe gleichzeitig zurückgetreten.

General Kosaner repräsentierte den säkular (weltlich) eingestellten Teil der türkischen Streitkräfte. Sofort wurde General Necdet Ozel zum neuen Chef des Generalstabes und des Heeres ernannt.

Diese Entwicklungen sind von entscheidender Bedeutung. Sie könnten im Interesse der USA sein, denn sie deuten auf eine Machtverschiebung in den türkischen Streitkräften zugunsten der Muslimbruderschaft und des bewaffneten Aufstandes im Norden Syriens hin.
"Die Neuernennungen haben Erdogan und seine in der Türkei herrschende Partei gestärkt. ... Das (türkische) Militär kann sich jetzt ehrgeizigeren Projekten in der Region zuwenden. Es ist absehbar, dass sich die Türkei in einem nach dem Muster des (israelischen) Überfalls auf den Libanon ablaufenden Angriff auf Syrien ebenfalls militärisch einmischen möchte." [Die Neuernennungen haben Erdogan und seine in der Türkei herrschende Partei gestärkt, Public Radio of Armenia, 6. August 2011]
Das erweiterte NATO-Militärbündnis

Auch Ägypten, die Golfstaaten und Saudi-Arabien könnten als Partner des [erweiterten] NATO-Militärbündnisses für einen Angriff auf Syrien ihre Streitkräfte zur Verfügung stellen.

Israel ist seit dem 2005 geschlossen Abkommen ein De-Facto-Mitglied der NATO.

Die militärischen Planungen des erweiterten NATO-Militärbündnisses müssen zwischen dem Pentagon, der NATO und der Israel Defense Force / IDF auch hinsichtlich einer militärischen Beteiligung der arabischen Frontstaaten, besonderes Saudi-Arabiens, der Vereinigten Emirate und Ägyptens, abgestimmt werden: Alles in allem sind zehn arabische Staaten und Israel Mitglieder des Mediterranean Dialogue und der Istanbul Cooperation Initiative.

Wir befinden uns an einem gefährlichen Wegkreuz. Die geopolitischen Implikationen sind sehr weitreichend.

Syrien hat Grenzen mit Jordanien, Israel, dem Libanon, der Türkei und dem Irak (und wegen der besetzten Golanhöhen einen Grenzkonflikt mit Israel). Es breitet sich über das Tal des Euphrat aus und wird von wichtigen Wasserstraßen und Pipelines durchquert.

Syrien ist mit dem Iran verbündet, und Russland hat einen Flottenstützpunkt an der syrischen Mittelmeerküste [s. Karte].

Die Errichtung einer (russischen) Marinebasis in Tartus und eine intensive Zusammenarbeit zwischen Damaskus und Moskau auf dem Gebiet der Militärtechnologie machen Syrien zu Russlands strategischem Brückenkopf und Bollwerk im Mittleren Osten. Damaskus ist ein wichtiger Verbündeter des Irans und unversöhnlicher Feind Israels. Es steht außer Frage, dass die Existenz einer russischen Militärbasis in dieser Region auch Auswirkungen auf das militärische Kräfteverhältnis hat. Das syrische Regime steht unter dem Schutz Russlands, was sich fast sicher nachteilig auf die Beziehungen Moskaus zu Israel auswirken dürfte. Auch das iranische Regime könnte durch die russische Präsenz dazu ermuntert werden, in Gesprächen über sein Atomprogramm weniger kompromissbereit zu sein. [Ivan Safronov, Russland ist bereit, seinen wichtigsten Verbündeten im Mittleren Osten zu verteidigen: Moskau nimmt Syrien unter seinen Schutz, Global Research, 28. Juli 2006.]

Das Szenario des Dritten Weltkrieges

In den letzten fünf Jahren wurden im Gebiet des Mittleren Ostens und Zentralasiens massive Vorbereitungen für einen (großen) Krieg getroffen.

Syrien hat eine starke Luftverteidigung und gut ausgerüstete Bodentruppen. Sein Luftverteidigungssystem ist auf russische Panzir S1 Luftabwehrraketen aufgebaut. 2010 hat Russland auch sein Jachont-Raketensystem nach Syrien verlegt. Die Jachont-Rakete, die den russischen Flottenstützpunkt Tartus schützt, "wurde zur Bekämpfung feindlicher Schiffe entwickelt, die bis zu 300 km entfernt sind.". [Bastion-Raketensystem zum Schutz des russischen Flottenstützpunkts nach Syrien verlegt, Ria Novosti, 21. September 2010, ). s. hier. ]

Die Struktur der Militärbündnisse USA-NATO auf der einen und Syrien-Iran-SCO auf der anderen Seite, die unvermeidbare Verwicklung Israels in jeden Konflikt, die komplizierte Beziehung zwischen Syrien und dem Libanon und der Druck, den die Türkei auf die Nordgrenze Syriens ausübt, würden zwangsläufig einen gefährlichen Eskalationsprozess in Gang setzen.

Jede militärische Intervention in Syrien, die von der NATO unter Führung der USA ausginge, würde die ganze Region destabilisieren und einen riesengroßen Flächenbrand entfachen, der sich vom östlichen Mittelmeer bis an die Grenzen Afghanistans und Pakistans mit Tadschikistan und China ausbreiten würde.

Schon mit dem Krieg gegen Libyen hat das von den USA geführte Militärbündnis NATO. seine militärischen Fähigkeiten überschätzt. Weil es sich zur Zeit kein weiteres militärisches Abenteuer leisten kann, wird es die Destabilisierung (Syriens) durch die verdeckte Unterstützung eines (bewaffneten) Rebellen-Aufstands wahrscheinlich noch einige Zeit fortsetzen.

Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost kl.de

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