Sonntag, 25. September 2011

Die Spaßgesellschaft frisst ihre Spaßvögel

Mowitz
Spaß ist, wenn man trotzdem lacht.

Den größten Spaß leisteten sich die westlichen, durch gemeinsame "Werte" brüderlich verbundenen Gesellschaften, als sie nach gewonnenem Krieg und auf US-Befehl, den Kapitalismus zur Einheitsreligion in ihrem Herrschaftsbereich inthronisierten und den Kampf gegen den real existierenden Gegenentwurf einläuteten. Nun ja, regionale Namensunterschiede als Beweis für "demokratische Freiheiten" im Kapitalismus, waren gestattet. Die Bonner Republik, bezeichnete ihren Kapitalismus, in Anlehnung an den Rheinischen Karneval, als den Rheinischen. So hatte man doch glatt die ersten Assoziationen zur Spaßwirtschaft kreiert und konnte nun, im klaren Schein abgeworfener Nebelkerzen, die Systemüberlegenheit gegen den real existierenden Klassenfeind zelebrieren. Wichtig dabei waren laufende PowerPoint Präsentationen die Hans Christian Andersens Märchen von des Kaisers neue Kleider zum Vorbild hatten, und den Leuten ein und dasselbe, mal als Marktwirtschaft, mal als Freie Marktwirtschaft oder gar als Soziale Marktwirtschaft andrehten.

Als der real existierende Klassenfeind, zumindest temporär, von der Bildfläche verschwand, traten New Economy, Kasinokapitalismus, Globalisierung, Neoliberalismus und Raubtierkapitalismus auf der Bühne der Volksverarschung auf, um ihre Spielchen zu treiben. Was sollen komasaufende Ballermänner, die inzwischen zum Rückgrat der Spaßgesellschaft avanciert sind, dem auch entgegensetzen? Wenn die von "Klasse" hören denken sie an den Klassenerhalt für ihre Fußballvereine oder im besten Fall an die Schulklasse ihrer Kindheit oder ihrer Kinder. Alles andere wäre ja Ideologie die zum Klassenkampf führen könnte und das wäre nach Denkvorgabe des Establishments ein nicht mehr zeitgemäßer Vorgang.

Nur der Milliardär Warren E. Buffet, den seine im Finanzkasino gewonnenen Milliarden nicht miesepetrig werden ließen, bricht mit diesem Tabu. Ganz unzeitgemäß und leise erinnert er daran, dass der Klassenkrieg in aller Stille noch quicklebendig ist: "Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen" und überführt ungestört weiter Milliarden in sein Portefeuille. Immer weniger haben immer mehr.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Die Vielen die folgerichtig immer weniger haben, kümmert es nicht wirklich, und außer larmoyantes, sich am Stammtisch "empört" geben, passiert gar nichts. Hauptsache man darf noch bei sogenannten Events in den Fußballarenen singend und schunkelnd kickenden Jungmillionären zujubeln und seinen Frust an "Verrätern" wie Manuel Neuer auslassen. Die Brüllaffen von heute sind morgen die im Müll nach Nahrung suchenden Altersarmen.

Die Saat der von der Versicherungswirtschaft gekauften Mietmäuler der Riester-Rürup-Raffelhüschen-und-vieler-anderer Rentenlügner, geht langsam auf. In Ländern wo man bereits schon sehr viel länger als in Deutschland Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung in private Fonds anlegt, schrillen zur Zeit die Alarmglocken.

Im königlichen "Wohlfahrtsstaat" Schweden rinnen die Beiträge zu Renten- und Lebensversicherungen immer schneller in den Sand. Die Krise ist so ernst, dass die Versicherungen die Finanzaufsicht wöchentlich über ihre Situation informieren müssen. In den letzten drei Jahren, hat man die Rente jedes Jahr gekürzt. Damit die Rentner sich ruhig verhielten hat man ihre Steuern gesenkt. Jetzt senkt man keine Steuern mehr, aber die Rentenkürzung geht unverdrossen weiter. Die Finanzkrise nebst "Markt" lassen grüßen. Verantwortlich ist niemand. Wieso auch? Die Globalisierung oder den Markt kann man doch nicht zur Verantwortung ziehen! Deren Funktion ist, als anonymer Klassenschutz für Buffet, Soros & Co. zu dienen. Diejenigen die an diesem maroden System noch verdienen, sind die Direktoren der Versicherungswirtschaft. Trotz herber Verluste der Fonds und damit geringerer Renten für die Versicherten, scheffeln sie auch weiterhin Millionen aus dem schrumpfenden Nachlass.

FH

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