Sonntag, 18. September 2011

Verbrämte Drohungen am Rande des Euro-Gipfels in Breslau


Österreichs konservative ÖVP-Finanzministerin Maria Fekter sorgt sich um das leibliche Wohlergehen der Reichen. Sie verglich es in Breslau, auf dem Euro-Gipfel, mit der Judenverfolgung während der Nazi-Zeit im Dritten Reich. „Wut auf Banken ist wie der Hass auf Juden". Ein Versuch Forderungen des Prekariats im Keim zu ersticken. Der Holocaust als Allzweckwaffe der öffentlichen Diskussion. Gerechtfertigte Forderungen der Arbeiterklasse sind den Massenmorden der aus dem Bürgertum entsprungenen Nazis gleichzusetzen. Ein neuer Griff ins Plumpsklo der Argumentationshilfe für Bänkster und andere Nutznießer des arbeitslosen Einkommen.
„Wir bauen enorme Feindbilder in Europa gegen die Banken und die Reichen, die Vermögenden, auf. So etwas hatten wir schon einmal, damals verbrämt gegen die Juden, aber damals waren ähnliche Gruppierungen gemeint. Es hat das zwei Mal in einem Krieg geendet.“


Der Rat an die Vermögenden, "bei Freunden wie Maria Fekter, kann Euch vor Feinden nicht bange sein," drängt sich geradezu auf. Macht Eure Ausrottungspolitik gegen die Verdammten in Somalia und dem Rest der Dritten Welt weiter, gepaart mit einer immer tieferen Spaltung der Gesellschaft im wohlhabenden Teil der Welt. Wo kämen wir denn hin, wenn wir die Armut abschafften, was durchaus möglich wäre, und niemand mehr den Reichen dient?
Die „großen Demokratien“ des Westens sind der beständigste und hartnäckigste Feind des Afrikaners gewesen: während der Sklaverei, während des Wettlaufs um Afrika nach der Berliner Konferenz, während der Kolonialzeit, während der Apartheid und jetzt während der Anstrengungen, Afrika wieder zu kolonisieren, was wir in Libyen und an der Elfenbeinküste und an den illegalen Sanktionen gegen Simbabwe sehen.

Amerikaner, Briten und ihre europäischen Cousins haben genau die Qualitäten und Gewohnheiten entmutigt und gar verboten, die sie gerne unseren Kindern und unseren Gesellschaften in Afrika aufzwingen, fördern, finanzieren oder anderweitig belohnen.

„Wir neigen dazu, die Experten (von denen wir glauben, dass sie es sind), die gut erzogenen, gut ausgebildeten und gut honorierten westlichen Journalisten als Leitbilder anzusehen. Wenn sie afrikanische Führer mit ein paar abgedroschenen Klischees abfertigen, dann spuren wir. Bei diesem Vorgang reduzieren wir unsere eigene Politik, Ökonomie und Situation in der Geschichte in die kindische Sprache (westlicher) Boulevardblätter.“

Parallell zu dem Netzwerk der „Zivilgesellschaft“ oder Überbau gibt es eine Reihe von Militär- oder Geheimdienst-Kooperationsprogrammen, die Africom angeblich konsolidieren will. Ist Africom erst einmal realisiert, dann wird der Prozess der erneuten Kolonisierung vollendet sein.
Der Kampf um eine gerechtere Verteilung des Wohlstandes, global wie national, versucht man mit der Drohung "Krieg für Geld" nicht aufkommen zu lassen. Der polnische Finanzminister Jacek Rostowski verdeutlichte es mit dem Hinweis, das Europa auf einen Krieg zusteuere, wenn man die ­europäische Schuldenkrise nicht in den Griff bekomme. Führende Bänkster denken schon daran, Greencards für ihre Kinder in den USA zu erwerben.

Maria Fekter versucht es derweil damit, sich Gedanken zu machen: „Ja, leider muss man sich diese Gedanken, wenn die Euro­zone wirklich auseinanderbricht, machen. Auch ich mache mir derzeit ­große Sorgen um Europa. Vor allem im Hinblick auf die immer stärker werdenden Nationalismen, die sehr gefährlich werden können, wenn wir nicht ­alle achtsam sind." Etwas platt, allgemein und nichtssagend, ungefähr wie der "schwarze Rappe", aber typisch für eine Finanzpolitikerin.

FH

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