Sonntag, 4. September 2011

Voll daneben: Kontroverse um ein Malbuch zum 11.09.

Die offiziellen Lügenstorys der US-Regierung über die Anschläge am 11. September 2001 und die angebliche Erschießung Osama bin Ladens am 1. Mai 2011 sollen jetzt auch schon US-amerikanischen Kindern per Malbuch eingetrichtert werden.

Von John Vandiver
STARS AND STRIPES, 30.08.11

Ist es nur ein Publicity-Gag (eines Verlegers) oder ein ernstgemeinter Versuch, Kinder über die Terroranschläge am 11.09.2001 und das nachfolgende Jahrzehnt voller Kämpfe zu informieren? Der Verleger eines Malbuchs für Kinder mit dem Titel "Wir werden den 11.09 niemals vergessen – Kinderbuch der Freiheit" behauptet Letzteres. Wayne Bell, der Chef des Verlags Really Big Coloring Books Inc. gibt vor, mit seinem Malbuch einen Beitrag zur Kindererziehung leisten zu wollen.

"Es wurde für ältere Kinder, nicht für Kinder im Vorschulalter entworfen," erklärte Bell in einem Telefoninterview. "Es soll Eltern und Lehrer bei der Unterrichtung der Kinder helfen."

Sehen das Elternteile von Soldatenfamilien, die nach dem 11.09 wiederholt von Kampfeinsätzen betroffen waren, auch so?

Das Malbuch enthält Seiten, die das brennende Welthandelszentrum und trauernde Überlebende zeigen. Auf Seite 19 ist ein Soldat der SEALS abgebildet, der auf Osama

bin Laden zielt, während sich dieser hinter einer verschleierten Frau versteckt; zu sehen ist auch das Geschoss, das gerade den Gewehrlauf verlässt. Über der Zeichnung steht die Botschaft: "Kinder, die Terroranschläge wurden tatsächlich von die Freiheit hassenden islamistischen Extremisten begangen. Diese verrückten Leute hassen unsere Lebensweise, weil wir FREI sind und weil unsere Gesellschaft FREI ist."

Das Buch, das nur online bestellt werden kann, hat sofort nach seinem Erscheinen eine kontroverse Diskussion ausgelöst, in der es auch als "Katastrophen-Porno" und "Propaganda-Machwerk" bezeichnet wurde. Der Council on American-Islamic Relations (der Rat für Beziehungen zwischen USBürgern und Muslimen) hat erklärt, das Malbuch verbreite anti-islamische Vorurteile.

Shariah Gibbs, eine in der deutschen Stadt Stuttgart lebende Soldatenfrau, sagte, es sei für sie kein Problem, ihren Kindern die Wahrheit über die Vorgänge am 11.09. aufzuzeigen. Dafür gebe es aber bessere Mittel (als das Malbuch).

"Dazu ist ein Malbuch nicht geeignet," antworte Frau Gibbs auf eine über Facebook gestellte Frage der STARS AND STRIPES. "Wenn es ein normales Bilderbuch wäre, würde ich es vielleicht sogar kaufen …, aber dieses Malbuch kaufe ich nicht."

Auch andere Eltern der Stuttgarter Militärgemeinde haben sich dazu geäußert.

"Ich denke nicht, dass ein Malbuch über den Tod eines Wahnsinnigen oder eine Katastrophe wie den 11.09. etwas für größere Kinder ist," schrieb Erin Reilly, die zur Gruppe der Facebook-Freunde in den Robinson Barracks gehört. "Ich kann mich nicht erinnern, dass es Malbücher zur Operation Desert Storm (zu Vater Bushs Krieg gegen den Irak) gab, an dem mein Vater teilgenommen hat. Damals haben meine Mama und mein Vati sich zu mir gesetzt und mit mir darüber gesprochen."

(Verleger) Bell sagte, er verstehe, das sich in den letzten Wochen schon viele Menschen über sein Malbuch zum 11.09. beschwert hätten.

"Das ist immer noch ein bewegendes Thema," meinte er. Mit seinem Malbuch habe er auch keine kleinen Kinder unterhalten wollen. "Das ist eine mit Bildern aufgelockerte Erzählung, die nicht für Kindergarten-Kinder geeignet ist."

Keri Bramham Hurd, eine weitere Frau aus der Stuttgarter Gruppe, meinte, es gebe bessere Erziehungsmittel für Kinder.

"Ich habe ein Buch über den 11.09., aus dem ich meinen Kindern vorgelesen habe, als sie noch kleiner waren, damit sie verstehen konnten (was damals passiert ist); das Malbuch würde ich nicht kaufen," schrieb sie an die STARS AND STRIPES. "Ich meine, das Malbücher Spaß machen sollten, das trifft auf dieses Buch nicht zu!"

Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de



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