Freitag, 28. Oktober 2011

Amerikanischer Frühling

Mowitz
Arabischer Frühling, amerikanischer Frühling. Beide wurden in den USA erdacht, in der arabischen Welt von der CIA fremdgesteuert, in den USA vom heimischen, von Massenarmut getriebenen Lumpenproletariat organisiert. Gemeinsam für beide Bewegungen ist die Massenverelundung riesiger Bevölkerungsschichten, die in weiten Teilen der arabischen Welt nichts neues ist, in den USA jetzt in diesem Ausmaß, eine relativ neue Erfahrung. Obwohl Armut in den USA immer schon ein Begleiter  des Reichtums war.

Die Vereinigten Staaten praktizieren als Vorreiterland des Kapitalismus, schon seit Jahrzehnten konsequent die Gebote des Kapitalismus, insbesondere das Erste: "Du sollst die Einkommensunterschiede in der Bevölkerung so groß wie irgend möglich halten". Sonst, so meint man, sind keine Anreize vorhanden etwas leisten zu wollen und Wohlstand könne nicht entstehen. Beweise für diesen Glaubenssatz bleibt man, wie in anderen Religionen auch üblich, selbstverständlich schuldig.

Also bedient man sich des Weges die Gesellschaft am Rande des Verhungerns zu halten und sie so zu "großen" Leistungen anzustacheln. Prinzipiell grassiert diese Unart des menschlichen Zusammenlebens überall auf der Welt, mit graduellen Unterschieden hier und da. Um eine Klassengesellschaft auf Dauer einzuführen, welches eines der Ziele des Kapitalismus ist, müssen die Massen wissentlich in Armut und Unwissenheit gehalten werden. Eine grundlegende Voraussetzung für eine permanente Klassengesellschaft.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Die reale Arbeitslosenquote in den USA liegt heute bei über 20 Prozent, ein Resultat kapitalistischer Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik, in der immer weniger Menschen in immer weniger Zeit immer mehr Güter produzieren und der Gewinn und Mehrwert ausnahmslos in die Taschen glücklicher Kapitaleigner fließt. Die Schere bei den Einkommen wird größer und größer und größer. So auch in Deutschland. Denn trotz aller Lobeshymnen auf die Stärke der deutschen Wirtschaft, wurde diese ja zum großen Teil nur dadurch erreicht, weil deutsche Arbeitnehmer im Gegensatz zu ihren ausländischen Kollegen in Europa, auf angemessene Lohnerhöhungen verzichteten. Deutschland ist zum neoliberalsten Land Europas aufgestiegen und seine Machtelite, nicht das Prekariat, meldet wieder Führungsansprüche in Europa an.

Die Propagandaaktion "Du bist Deutschland" wurde vor einigen Jahren von 25 Medienunternehmen, unter Leitung eines der größten Medienkonzerne der Welt, der Bertelsmann AG ins Leben gerufen um das Gefühl zu vermitteln "Du" bist Teil des Wohlfühl-Deutschlands mit Aktien-Portefeuille, prall gefüllten Kassen und Expansionsdrang. Kurzum ein Nutznießer deutscher Großmannsucht. So wie die US-Amerikaner glaubten der "American way of life" gelte für alle Ewigkeit und auch für die amerikanische Unterschicht. Jetzt kommt das böse Erwachen aus nassforschen Träumen und Millionen finden sich als Obdachlose unter Brücken und in Schuhkartons wieder. Der Antrieb zum funktionierenden Kapitalismus ist wieder da. Man hat einen Anreiz geschaffen aus den reichlich vorhandenen Schuhkartons zu krabbeln.
Die weit vorangeschrittene Prekarisierung wird aus längerfristiger Perspektive deutlich: Während in 1980 29Prozent der US-Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor angesiedelt waren, sind es derzeit schon 41 Prozent. Der Anteil der gut dotierten Stellen der sogenannten Mittelklasse ist hingegen im selben Zeitraum von 52 Prozent aus 42 Prozent aller Arbeitsgelegenheiten gefallen. Somit dürften bei gleichbleibender Tendenz künftig prekäre und schlecht entlohnte Jobs die neue Norm darstellen. Dabei erhalten bereits jetzt rund 20 Prozent der aller Vollzeitkräfte in den USA Vergütungen unterhalb der Armutsgrenze: »Das ist auch eine Art der Unterbeschäftigung – Jobs von einer schlechten Qualität«, erklärte der Wirtschaftspublizist Paul Osterman gegenüber USnews.

FH

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