Sonntag, 16. Oktober 2011

Die Revolution muss noch kräftig geübt werden


Piraten und Spaßvögel kennen Straßenproteste vielleicht nur noch aus Erzählungen ihrer 68er Großeltern. Also muss man den Aufstand erst wieder neu erlernen. Besetzungen von Frankfurt Mainhattan, Hamburg und Berlin sind nicht erfolgreich vom heimelnden Computer aus durchzuführen, sondern physisch auf der Straße. Von nix kommt nix! So konnte denn das EhNaMag heute auch höhnisch triumphierend verkünden: "99 Prozent blieben zu Hause". Morgen werden dann Zeitungsbuden anstatt Bankenviertel gestürmt, um Redaktionen für ihre Produkte mit blanken Talern zu belohnen, weil sie die Heilsbotschaft des internationalen Finanzkapitals unters Volk bringen, während Leser und Zuschauer die eigene mediale Hinrichtung miterleben und glauben es wären nicht sie die vorgeführt würden.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Ein gesundes Maß an Misstrauen ist immer angebracht und die "Besatzungsbewegung" sollte schon darauf achten, dass ihre Reihen frei sind von Parteivertretern der Parteien, welche die Liberalisierung der Finanzmärkte in den vergangenen Jahren vorangetrieben und mit ihrer Politik die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer gemacht haben. Die etablierten Parteien singen alle das Hohe Lied der Finanz-, Kapital- und Kriegsmärkte, und werden und wurden dafür auch noch gewählt. Neoliberale Grüne, wie neoliberale Frei-, Christ- und Sozialdemokraten. Sie alle sind vom Kapital gesponsert, lesen ihm seine Wünsche von den Lippen ab und haben die Ideale ihrer Gründungsfiguren schon lange auf Müllkippen für gemeingefährliche Gesinnungen entsorgt.

Vertreter dieser Einheitspartei(en) geben sich nun ganz empört, versuchen schnell auf das Trittbrett  des Empörungszuges aufzuspringen und wollen die noch in den Kinderschuhen steckende Bewegung stärken und voranbringen. Aber Hallo! Nicht Trittbrettfahrer sind gefragt, auch nicht "Empörer" sondern Systemveränderer. Im Augenblick ist die Mittelschicht in heller Aufregung und fürchtet um ihre Zukunft. Die Zukunft, liebe Mittelschicht, hat nicht und kann nicht im Kapitalismus liegen. Dies müsst ihr noch verinnerlichen und aktiv für eintreten, bevor die Zukunft wieder in hellerem Licht erstrahlt.

Trotz der höhnischen Schadenfreude des EhNaMag war die Teilnahme auf den Straßen Deutschlands nicht überall so schlecht wie es das Boulevardmagazin aus dem Hause Augstein gerne hätte. Von mageren 1.000 Demonstranten in München bis zu schon etwas besseren 10.000 in Berlin, brachten die Veranstalter in FFMainhattan statt der erwarteten 200 Teilnehmer immerhin 8.000 in der Hochburg des deutschen Finanzkapitals auf die Beine.

Das alles reicht bei weitem nicht aus. Protestbewegungen müssen zahlreicher, machtvoller und besser organisiert werden. So machtvoll, dass den lügenverbreitenden Pornoorganen aus Hamburg, Brandstwiete, Hugh-Greene-Weg und anderen Teilen der Republik, Hören und Sehen vergeht. Übrigens, in Rom waren es schon 100.000 die sich die Ehre gaben ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen. Das sollten sämtliche deutsche Großstädte bei der nächsten Gelegenheit, als Zwischenziel, auch schaffen.

FH

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