Dienstag, 18. Oktober 2011

Spiegel, Spiegel an der Wand. Sag mir, wer betreibt heftigste Kriegshetze im Land? Liebe Redakteure, das seid ihr! In Hamburg , Brandstwiete Numero 4

Anmerkung: In der obigen Rubrik hätte es Brandstwiete Numero 1 heißen müssen. "Vier" reimt sich aber besser auf "ihr". Gegenmeinung


Der SPIEGEL wird immer mehr zum bundesdeutschen Leitmedium für die Kriegshetze gegen den Iran. Das zeigt auch ein Interview, das er bereits am 10.06.11 mit dem ehemaligen IAEA-Chefinspektor Olli Heinonen geführt hat, dessen Auftaktfunktion für die neue Hetzkampagne aber erst jetzt deutlich wird.

Widerlegung der Behauptungen Oli Heinonens über das Atomprogramm des Irans
Iran Affairs, 08.10.11

Olli Heinonen, ein ehemaliger Offizieller der International Atomic Energy Agency / IAEA, hat in einem Interview mit dem SPIEGEL den Iran beschuldigt, unzutreffende Angaben über sein Atomprogramm gemacht zu haben. Neben dem Misstrauen, das er gegenüber dem ehemaligen IAEA-Generaldirektor Mohammed ElBaradei sät, sind die offensichtlichen Lügen, die er dem SPIEGEL auftischt, am interessantesten.

Nachfolgend werden seine übelsten Verdrehungen kommentiert:
Heinonen: Dieser Abbasi verkündete Anfang Juni, dass Iran die Produktion des 20-prozentig angereicherten Urans von Natans nach Fordow verlegen wolle, wo sie planen, die Produktion zu verdreifachen. Fordow bei Ghom ist übrigens auch so eine im Geheimen gebaute Anlage, deren Existenz die iranischen Behörden erst vor knapp zwei Jahren zugaben.
Fakt ist: Der Iran hat die Existenz (der neuen Anlage) nicht "zugegeben", sondern offiziell den Vereinten Nationen gemeldet, und zwar früher, als er verpflichtet war. Nach den Bestimmungen des Überwachungsabkommens musste der Iran die Existenz der Anlage erst 180 Tage vor der Beschickung mit nuklearem Material offiziell anmelden, hat es aber Monate früher, als erforderlich, getan. Außerdem haben Inspektoren der IAEA die Anlage besucht, und der ehemalige IAEA-Chef Mohammed ELBaradei sagte damals, die Anlage sei nichts anderes als "ein Loch in einem Berg ... nichts worüber man besorgt sein müsse
SPIEGEL: Und all das ergibt für ein ziviles Nuklearprogramm keinen Sinn?

Heinonen: Sie brauchen kein 20-prozentig angereichertes Uran, um Elektrizität für Glühbirnen zu erzeugen.
Fakt ist: Olli weiß ganz genau, dass der Iran sein Uran auf 20 Prozent anreichert, weil er es für einen von der IAEA überwachten Reaktor braucht, der für die Produktion medizinischer Isotope verwendet wird, und nicht für die Erzeugung von "Elektrizität für Glühbirnen". Das hält ihn aber nicht davon ab, trotzdem zu lügen.

Übrigens hat der Iran den Teheraner Forschungsreaktor Ende der 1960er Jahre aus den USA bezogen, zusammen mit ein paar Pfund waffenfähigem Plutonium, mit dem er betrieben wurde. Nach der Islamischen Revolution 1979 haben die Iraner ihn umgerüstet, um ihn mit 20-prozentigem Uran betreiben zu können, das sie in Argentinien kauften. Der Reaktor wurde und wird immer noch von der IAEA überwacht; als der Iran versucht hat, mehr Uran für den laufenden Betrieb zu kaufen, haben die USA die iranischen Bemühungen um den Ankauf des benötigten Brennstoffs abgeblockt. Der Iran wurde also dazu gezwungen, seinen eigenen Kernbrennstoff herzustellen und begann deshalb mit der Anreicherung auf 20 Prozent. Der Iran hätte diesen Schritt nicht machen müssen, wenn die USA nicht die die Versorgung eines völlig legalen Reaktors mit Kernbrennstoff verhindert hätten, der nicht zur Entwicklung von Atomwaffen genutzt werden kann, sondern nur medizinischen Zwecken dient. Außerdem hatte sich Ahmadinedschad bereit erklärt, die Anreicherung auf 20 Prozent einzustellen, wenn der Iran den notwendigen Kernbrennstoff kaufen darf, was ihm nach dem NPT-Vertrag und dem Völkerrecht erlaubt ist. Nachdem der Ankauf von Kernbrennstoff für diesen Reaktor verhindert wurde, soll dem Iran jetzt auch noch verboten werden, ihn selbst herzustellen. Das ist doch lächerlich. Noch lächerlicher wird es, weil sich der Iran dazu bereit erklärt hatte, sein (angereichertes) Uran zur Herstellung von Kernbrennstäben ins Ausland zu transferieren. In letzter Minute haben die USA diesen Deal verhindert, obwohl sie ihn vorher gutgeheißen hatten. Erst kürzlich hat sich der iranische Präsident Ahmadinedschad erneut bereit erklärt, die Anreicherung auf 20 Prozent einzustellen, wenn dem Iran erlaubt wird, den notwendigen Kernbrennstoff für den Reaktor zu kaufen – aber die USA haben sein Angebot wieder ignoriert.
Heinonen: Außerdem hat Teheran angekündigt, zehn neue Anreicherungsanlagen zu bauen,
Fakt ist: Die "angekündigten Pläne" waren wahrscheinlich nur eine rhetorische List des Irans und werden wohl nicht realisiert, aber was soll das überhaupt? Auch diese Anlagen stünden unter Aufsicht der IAEA, und nach dem NPT-Vertrag kann der Iran so viele Anreicherungsanlagen bauen, wie er will.
iranische Experten haben Experimente mit Neutronenquellen und hochexplosiven Zündern durchgeführt, die nur für militärische Anwendungen sinnvoll sind.
Fakt ist: Das sind Informationen aus "angeblich betriebenen Studien", die nach Aussagen des IAEA-Chefs ElBaradei "hochgejubelt" wurden, für die es aber keine wirklichen Beweise außer dem so genannten "Laptop des Todes" gibt, das überwiegend als gefälscht angesehen wird. (http://www.guardian.co.uk/world/2007/feb/22/iran.usa)
Und auch beim Schwerwasserreaktor in Arak machen sie Fortschritte,
Na so was? Der Arak-Reaktor ist kein Geheimnis und wird unter IAEA-Überwachung in Betrieb gehen
so entscheidende, dass es von 2014 an genügend Plutonium für eine Bombe gäbe.
Wenn man dieses Plutonium für den Bau einer Bombe verwenden wollte, müsste es aus den Brennstäben des Reaktors in Arak durch ein als Wiederaufbereitung bekanntes Verfahren herausgezogen werden, das nicht geheim gehalten werden könnte und von der IAEA bemerkt würde. Der Iran hat den USA bereits das Kompromissangebot gemacht, auf diese Technologie zu verzichten.

SPIEGEL: Glauben Sie, Iran deklariert sich 2014 zur Atommacht? Werden die Herrscher des Gottesstaates dann auch schon über eine funktionierende Bombe verfügen – oder nur mit ihrem Bau drohen?

Heinonen: Das weiß ich nicht. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass Teheran schon im kommenden Jahr die "breakout capability" (den Durchbruch erzielt) haben wird, waffenfähiges Uran zu produzieren. Dann wären die Iraner zumindest eine virtuelle Atommacht und jederzeit in der Lage, die ultimative Waffe herzustellen.

Der (dem Iran gemachte) Vorwurf, eine "virtuelle Atommacht" werden zu wollen, ist Nonsens, weil er heute schon 40 weiteren Staaten gemacht werden könnte, die nach Angaben der IAEA und der Organisation Green Peace theoretisch bereits eine Atombombe bauen könnten – und zusätzlich mehr als 100 Staaten, die sehr bald auch dazu in der Lage sein werden. Das kommt einfach daher, dass die Technik zur zivilen Nutzung der Kernenergie der Technologie ihrer militärischen Nutzung sehr ähnlich ist, weil die gleichen Reaktoren und die gleichen Anreicherungsprozesse usw. dafür benutzt werden können. Deshalb ist jeder Staat mit einem Atomprogramm eine "virtuelle Atommacht" – nicht nur der Iran. Brasilien, Argentinien usw.; außerdem haben sechs ehemalige Botschafter europäischer Länder im Iran der iranischen Regierung in einem Brief mitgeteilt, dass der Iran nichts Ungesetzliches tut, wenn er den Status einer "virtuellen Atommacht" erwirbt.
"Heute gibt es unter den Experten eine Mehrheit, selbst in Israel, die offenbar einschätzen, dass Iran danach strebt, ein „Schwellenland“ zu werden, das technisch in der Lage ist, Nuklearwaffen zu produzieren, aber in der aktuellen Situation davon absieht. Und wieder verbietet nichts im internationalen Recht oder im NPT-Vertrag solche Ambitionen. Genau wie Iran gibt es eine Reihe weiterer Länder, die auf dem Weg dahin sind, diese Schwelle zu erreichen oder diese schon erreicht haben, die sich aber dennoch verpflichteten, sich keine Atomwaffen anzueignen. Niemand scheint sie dabei zu stören." (Der Brief, aus dem dieser Auszug stammt, ist nachzulesen unter http://irananders.de/home/news/article/sechs-westliche-botschafter-iranverletzt-das-voelkerrecht-nicht.html .)
Beachten Sie auch, welche Konsequenzen die Iran-Feinde aus dieser Anschuldigung gegen den Iran ableiten werden: Egal, wie viele Inspektionen der Iran zusätzlich zu den obligatorischen erlaubt, und egal, welche weiteren Kompromisse der Iran noch anbieten wird, ohne sein Recht auf Anreicherung aufzugeben, man wird ihm immer vorwerfen, den "Durchbruch" anzustreben, denn durch noch so viele IAEA-Inspektionen lässt sich nicht vorhersagen, was ein Land irgendwann einmal tun könnte.

Übersetzung: Wolfgang Junh, luftpost-kl.de

Unser Kommentar
Das bereits am 10.06.11 geführte SPIEGEL-Interview, war gewissermaßen das Vorspiel zu der neuen Hetzkampagne gegen den Iran, die mit der Behauptung, die iranische Regierung habe geplant, den saudi-arabischen Botschafter in den USA ermorden zu lassen, einen ersten Höhepunkt erreicht hat (s. dazu auch http://www.luftpost-kl.de/luftpostarchiv/LP_11/LP18311_171011.pdf ). Seit Jahren warnen wir vor einem Überfall auf den Iran, der schon einmal unter Bush beabsichtigt war und erst in letzter Minute von um ihre eigene Haut besorgten US-Geheimdienstlern und -Militärs verhindert wurde (s. http://www.
luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_11/LP18211_161011.pdf ). Jetzt heizt Obama die Stimmung gegen den Iran erneut an, um von wachsenden innenpolitischen Problemen – zum Beispiel der Bewegung Occupy Wall Street – abzulenken und um zu verhindern, dass er vor der Weltöffentlichkeit als erpressbarer Erfüllungsgehilfe Netanjahus dasteht, und diesmal scheint es kein Halten mehr zu geben.

Damit unsere Leser die bisherige Entwicklung nachvollziehen können, haben wir nachfolgend die LUFTPOST-Ausgaben mit Informationen über die wichtigsten Versuche zur Vorbereitung und Rechtfertigung eines Überfalls auf den Iran verlinkt. Wir hoffen, dass durch deren nochmalige Lektüre deutlich wird, wie nahe wir schon wieder der größten aller denkbaren von Menschen gemachten Katastrophen sind:

1) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_06/LP03906_080406.pdf
2) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_06/LP06306_080707.pdf
3) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_06/LP11006_071006.pdf
4) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_07/LP00807_120107.pdf
5) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_07/LP01007_140107.pdf
6) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_07/LP02107_240107.pdf
7) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_07/LP02307_270107.pdf
8) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_07/LP03007_040207.pdf
9) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_07/LP03507_100207.pdf
10) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_07/LP04507_230207.pdf
11) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_07/LP04607_240207.pdf
12) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_07/LP04807_270207.pdf
13) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_07/LP05207_040307.pdf
14) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_07/LP07207_230307.pdf
15) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_07/LP11707_070607.pdf
16) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_07/LP18407_040907.pdf
17) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_07/LP18807_070907.pdf
18) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_07/LP19207_130907.pdf
19) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_07/LP19907_220907.pdf
20) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_07/LP20607_011007.pdf
21) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_08/LP11008_200708.pdf
22) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP16409_290709.pdf
23) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP21909_091009.pdf
24) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP23109_221009.pdf
25) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP23209_231009.pdf
26) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP25409_161109.pdf
27) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP04910_170210.pdf
28) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP05110_190210.pdf
29) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP05510_230210.pdf
30) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP05710_250210.pdf
31) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP06610_080310.pdf
32) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP06710_090310.pdf
33) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP09610_100410.pdf
34) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP10810_230410.pdf
35) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP10910_240410.pdf
36) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP13210_190510.pdf
37) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP14010_280510.pdf
38) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP14210_290510.pdf
39) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP14910_050610.pdf
40) http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP16510_090810.pdf

Wir können unsere Leser nur nochmals auffordern, alle Bundestagsabgeordneten aus ihren jeweiligen Wahlkreisen auf die sich anbahnende Katastrophe hinzuweisen, damit sich der Bundestag vielleicht doch noch zu dem Beschluss durchringt, den USA die Nutzung ihrer Militärbasen in der Bundesrepublik Deutschland für den Fall eines völkerrechts- und verfassungswidrigen Angriffskrieges gegen den Iran zu verbieten.

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