Freitag, 21. Oktober 2011

Sucht euch einen aus: Die vielen Tode Gaddafis

Wie Saddam Hussein, nur schneller, darf Gaddafi bei 'unabhängigen' Konzern- und Staatsmedien mehrere Tode sterben. Gemeinsam für alle ist die Sprache des Hasses und der Verächtlichmachung Gaddafis. "Wie eine Ratte, Gaddafi verkroch sich im Abwasserkanal," "Flehte um sein Leben, schießt nicht, schießt nicht", "Dies ist der Platz der verfluchten Ratte Al-Gaddafi – Gott ist groß". Die internationalen Konzernmedien schrieben wie aus einem Guss. Und eine vergoldete Pistole soll er auch gehabt haben. Donnerwetter, Donnerwetter.
Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Fest steht allerdings, dass Gaddafis ziviler Konvoi von Kampflugzeugen der NATO-Söldner angegriffen und bombardiert wurde. Genaueres weiß man noch nicht. Es könnten auch Drohnen gewesen sein. Aber ernsthaft will es sowieso keiner wissen, allerdings arbeitet man frenetisch an weiteren Erklärungsmodellen, die uns zur Wahl gestellt werden sollen und jeder sich das nehmen darf was ihm so in den Kram passt. An den Beschluss 1973 des UN-Sicherheitsrat, der nie von den westlichen Staaten als Schutz für die libysche Zivilbevölkerung angedacht war, aber als offizielle Begründung für den NATO-Überfall herhalten muss, denkt keiner mehr, obwohl sich die Gang der 'Zivilistenkümmerer' auch beim Bombardement auf Gaddafis Autokonvoi, auf ihn berufen. Wird dieses Bombardement eigentlich auch von der Resolution gedeckt. Wohl kaum. Die UN-Resolution umfasste nicht die Tötung des libyschen Staatschefs, ebensowenig die Bombardierung ziviler Infrastrukturen wie Krankenhäuser, Universitäten oder Schulen. Die gigantische Lüge, die den Überfall der Willigen auf den Irak rechtfertigen sollte, kommt im Bewusstsein der Menschen gar nicht mehr vor, trotz dass sie nicht älter als acht Jahre ist. Acht kurze Jahre, eine Ewigkeit für das kollektive Gedächtnis von Massenmedien und Massen. Der Irak hat sich von den Folgen dieses völkerrechtswidrigen Überfalls bis heute nicht erholt. Millionen Menschen wurden seine Opfer. Die politische Führung der Willigen, mit Bush, Cheney und Blair an der Spitze, wurden nie vor einem internationalen Tribunal für die Völkerrechtsverletzung eines Angriffskrieges ohne UN-Genehmigung zur Rechenschaft gezogen. Recht und Gesetz im internationalen Umgang der Völker ist tot. Dem Gesetz des Dschungels wird in den Amtsstuben Amerikas zur Geltung verholfen. Wobei sie das Kriegsverbrechergesetz für sich mit Leichtigkeit aushebeln, weil sie aufgrund ihrer militärischen Stärke die Welt in einem Griff der atomaren Erpressung halten. Sie nehmen das 'Recht' für sich in Anspruch, unter dem Vorwand humanitäre Missstände beseitigen zu wollen, mittels ihrer hochgezüchteten Kriegsmaschine Zerstörungen und Tötungen überall auf der Welt vorzunehmen wann immer sie glauben es dient ihren Interessen. Der wie selbstverständlich klingende Anspruch auf globale Macht und Weltherrschaft der amerikanischen Machtelite, unter Missachtung des Völkerrechts ist die Geißel unserer Zeit. Amerika setzt die Regeln und alle haben sich danach zu richten. Wer nicht hören will muss fühlen. Fragt mal die deutsche Freiheitsstatue Guido Westerwelle wie es ihm nach der Enthaltung im Sicherheitsrat ergangen ist. Das wird sich Deutschland nicht noch einmal erlauben dürfen. Der amerikanische Journalist Nir Rosen schreibt in seinem Artikel Der westliche Medienbetrug im Nahen Osten:
"Journalisten sind der Archetyp ideologischer Werkzeuge, die Kultur schaffen und Wissen produzieren. Ihre Funktion ist es, eine Klasse zu repräsentieren und die herrschende Ideologie aufrechtzuerhalten, statt eine gegen-hegemonistische und revolutionäre Ideologie bzw. Geschichte in diesem Fall darzustellen. Sie sind die organischen Intellektuellen der herrschenden Klasse. Statt die Stimme der Menschen der arbeitenden Klasse zu sein, sind die Journalisten allzu oft die funktionellen Werkzeuge der bürgerlichen herrschenden Klasse. Sie produzieren und verbreiten Kultur und Sinn für das System und reproduzieren seine Werte, die es ihm erlauben, das Feld der Kultur zu beherrschen, und da der Journalismus heute eine spezifische politische Ökonomie bildet, sind sie alle Produkte der hegemonistischen Lehre und der begüterten Klasse."
Zum Schluss noch ein Interview mit dem ehemaligen ARD-Journalisten Christoph Hörstel, der die öffentlich rechtlichen Lügenkanonaden nicht länger mitorganisieren wollte.

FH
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