Samstag, 12. November 2011

Die Verzichtbaren

FH

Philipp Rösler, der Mann der liefern wollte, was immer es war, es aber nicht schaffte, legt jetzt noch einen drauf. Er will die FDP unverzichtbar machen, ein Unterfangen, vergleichbar mit der Quadratur des Kreises. Während die Quadratur des Kreises zu den populärsten Problemen der Mathematik gehörte die auch nach jahrhundertelangen Versuchen noch immer auf eine Lösung wartet, sollte man sich die Mühe bei der FDP gar nicht erst machen.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Als am 25. Oktober 2010 die Schwarzgeld-Koalition ihren Sponsoren, EnBW, RWE, Vattenfall und E.ON, den Wunsch erfüllten, marode Atomkraftwerke in Deutschland länger am Netz zu lassen als geplant, spielte man wissentlich mit dem Leben und der Gesundheit von Millionen Menschen. Das kann man sich in einem System erlauben, in dem diejenigen, die politische und wirtschaftliche Verantwortung tragen, nie zur Rechenschaft für ihre Untaten gezogen werden. Ein Kriterium , das in keinem anderen System so gut aufgehoben ist wie im neoliberalen Kapitalismus. Genau in diesem System sieht sich die FDP selbst als Vorreiter all dessen, was dieses System ausmacht und umfasst, in dem im Neusprech aus Versklavung freie Märkte werden.

Im Verhältnis dazu, ist China richtig fortschrittlich zu nennen, wenn man bedenkt, dass es dort auch denen im wahrsten Sinne des Wortes an den Kragen gehen kann, die Verantwortung tragen und im sozialen Gefüge nicht auf der untersten Stufe stehen. Zwei von ihnen, die für den Tod von mindestens sechs Kindern und mehr als 300 000 erkrankten Babys verantwortlich zeichnen wurden zum Tode verurteilt. Sie hatten Hunderte Tonnen Melamin-verseuchter Milch produziert und vertrieben. Mehr als ein Jahr nach diesem  Skandal wurden sie hingerichtet.

(Ich bin kein Befürworter der Todesstrafe, ganz im Gegenteil. Ich möchte nur, dass die Gesetze eines Landes ohne Ansehen der Person oder seiner gesellschaftlichen Stellung, gleich auf Alle angewandt werden. Lebenslänglich genügt.)

Wer würde bei uns zur Verantwortung gerzogen wenn marode Kernkraftwerke ihren Geist aufgeben und dadurch den Tod von nicht nur sechs Kindern und 300 000 Erkrankungen verursachten, sondern von Millionen Menschen?

Ein Vierteljahrhundert nach dem GAU in Tschernobyl ist die radioaktive Strahlung in und um Tschernobyl noch immer bis zu 1000 Mal höher als normal. Die meisten Todesfälle sind auf die Spätfolgen der Verstrahlung zurückzuführen. Dazu gehören Krebserkrankungen, Immunschwäche-Krankheiten (so genanntes Tschernobyl-Aids), Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen (Selbstmord). Je nach Standpunkt der Betrachter schwankt die Zahl der Opfer gewaltig da sie der Schönfärberei von Atombetreiberinteressen ausgesetzt sind.

Der schöne Spruch, im GG verankert, "alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich" sollte mit dem, der Realität mehr entsprechendem Zusatz versehen werden: "Nur Mächtige sind gleicher". Keine Konsequenzen für den adeligen Plagiator Guttenberg von der CSU. Den wissenschaftlichen Dienst des Bundestages soll er missbraucht haben. Doch der ehemalige Minister und Dissertationsplagiator muss mit keinen Konsequenzen rechnen. Parteifreund und Bundestagspräsident Norbert Lammert, CDU, wird in der Plagiatsaffäre um Karl-Theodor zu Guttenberg keinen Strafantrag stellen. Eine nähere Begründung dafür gab es nicht.

Richtig, nach einem Endlager für den "strahlenden" Atommüll wird immer noch gesucht. Sogar jetzt auch in Bayern. Die Halbwertzeit von Plutonium 242 beträgt zum Beispiel 370.000 Jahre – eine Zeit jenseits des menschlichen Vorstellungsvermögens. Wir setzen uns diesen Risiken aus, nicht aus purer Not, sondern um immer mehr  unnötig Verzichtbares zu produzieren und zu konsumieren. So unnötig wie die FDP. Die wird schon bald wieder für eine Verlängerung und den Ausbau heimischer Atomanlagen die Werbetrommel der Atomwirtschaft rühren.

FH

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