Donnerstag, 10. November 2011

Forscher und Pharma-Unternehmen betreiben Menschen-Experimente in Afrika

Fareed Zakaria

von Farid Zakaria Information Clearing House 7. November 2011

Eine neue Stellungnahme kritisiert prominente Institutionen und Pharma-Unternehmen wie Pfizer, Columbia University, Johns Hopkins University und den Bevölkerungsrat wegen ihrer Beteiligung an unethischen und illegalen Menschenexperimenten.

Der Bericht hat den Titel „Nicht-einvernehmliche Forschung in Afrika: Outsourcing von Tuskegee“ mit Bezug auf Tuskegee, Alabama, wo illegale menschliche Experimente zwischen 1932 und 1972 vom US-Public Health Service (öffentlicher Gesundheits-Dienst) durchgeführt wurden. Bei jenem Experiment wurden 600 arme Schwarz-Amerikaner in einer Studie über die Entwicklung von unbehandelter Syphilis beobachtet. Einige der Männer wurden absichtlich mit Syphilis infiziert, allen wurde die Heilung versagt. Leider, so sagt der Bericht, wurde niemand für dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Verantwortung gezogen.

Der neue Bericht zeigt detailliert menschliche Experimente auf, die von US-Forschern und Pharma-Unternehmen an Afrikanern gemacht werden, die typischerweise keine Erziehung haben, arm sind und ihre Rechte nicht kennen. Die menschlichen Subjekte lässt man häufig im Glauben, dass sie medizinische Behandlung von dem Regierungsgesundheitswesen oder dem Gesundheitsministerium bekommen.

Diese Praktiken erinnern an die schrecklichen Experimente, die von Forschern aus den USA in den 40-er Jahren in Guatemala durchgeführt wurden, wo hunderte Guamalteken mit Geschlechtskrankheiten infiziert wurden ohne Information oder deren Einverständnis. Im vergangenen Jahr hat sich Obama formell in Guatemala für diese Experimente entschuldigt.

Menschliche Experimente werden in den USA vom Büro für Forschungsintegrität und verschiedenen ethischen Forschungsinstituten geregelt. Viele afrikanischen Länder haben keine solche Institutionen. Und wenn sie existieren, dann sind sie nicht unabhängig und werden von korrupten Regierungsbeamten kontrolliert.

Bei einem AIDS-Experiment, gesponsort von Gilead Sciences, dem Zentrum für Krankheits-Kontrolle und der Bill und Melinda Gates Stiftung und durchgeführt von Family Health International, wurden Bürgern in Kamerun Einzelheiten über das Experiment auf Englisch mitgeteilt, obwohl viele nur Französisch verstehen und Analphabeten sind. Fünf Frauen wurden mit Aids infiziert, erhielten aber keine antiretrovirale Medizin.

Bei einem anderen Experiment in Nigeria, das von Pfizer-Ärzten durchgeführt wurde, wurden Kinder mit einem Anti-Biotikum namens Trovan gespritzt während einer Miningitis-Epidemie, ohne das Einverständnis von deren Familien und ohne sie über die Nebeneffekte und den Zweck des Experimentes zu informieren. Elf Kinder starben und viele wurden gelähmt.

In Südafrika und Namibia werden Mütter mit AIDS routinemäßig sterilisiert, ohne ihre Einstimmung einzuholen. Länder, die solche Praktiken anwenden, sind bekannt dafür, Gelder in Form von Darlehen und Anreizen von USAID und anderen Hilfsorganisationen zu erhalten.

Der Bericht erklärt, dass US-Forscher und Pharma-Unternehmen die Gesetze und Protokolle der Erklärung von Helsinki (1964) verletzen und des Belmont Reports, die ethische Richtlinien für Menschenexperimente vorschreiben.

Darüberhinaus werden die Ergebnisse unethischer und gefälschter Experimente in den Vereinigten Staaten und Europa „gewaschen“ durch das System der Kollegenkontrolle. Viele der „Kollegen“, von denen die Experimente begutachtet werden, sind selbst in das unethische Verhalten verwickelt. Andere befürchten die Möglichkeit professioneller Entfremdung, wenn sie den Mund aufmachen.

Die Autoren stellen mehrere Forderungen auf, damit diese Praktiken beendet werden. Sie umfassen Kongress-Hearings, damit die Sache der Allgemeinheit zugänglich gemacht wird, sowie neue Gesetze, die sicherstellen, das Medikamente nicht von der FDA [Behörde für die Zulassung von Arzneimitteln in den USA. D. Ü.] nicht zugelassen werden, wenn die Forschung nicht mit den ethischen Forschungs-Prinzipien übereinstimmt.

Übersetzung: Einar Schlereth

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