Montag, 7. November 2011

Frau Knopfloch, das Palästinensertuch und der Anti-Zionismus

Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, schrieb einen Brief an den Piraten Gerwald Claus-Brunner, schleimte zu anfangs noch mit Glückwünschen zu seiner Wahl ins Berliner Abgeordnetenhaus und kam dann umgehend zur Sache, nicht ohne zu vergessen, sich vorher noch ganz dolle selbst zu beweihräuchern.
"Seit Jahrzehnten ist es mir ein Anliegen, gerade junge Menschen für unsere freiheitliche Demokratie zu begeistern und ihnen zu vermitteln, dass unsere Republik von Zivilcourage lebt und davon, dass wir alle gemeinsam für unseren Staat Verantwortung übernehmen."
Nun, der Name Gerwald Claus-Brunner, hat mir vorher noch nie etwas gesagt und wird mir aller Voraussicht nach, in Zukunft auch nichts sagen.

Fast 40 Jahre alt ist der, nach Frau Knoblauchs Zeitenrechnung, gerade "junge Mensch", mit "jungem Gesicht", Jahrgang 1971, genauso alt wie Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Plagiator von und zu Guttenberg. Der Plagiator aus Bayern hat als Adelsmann und Leistungsträger, der Republik stets treu gedient und ihr unschätzbare Dienste erwiesen. Das alles als junger Mann von 40 Jahren. (Ich hab jetzt beim Plagiator mal ganz dick aufgetragen).

Frau Knopfloch gab nun dem anderen jungen Mann, Gerwald Claus-Brunner, den großmütterlichen Rat sich des Palästinensertuches zu entledigen, über dessen Bedeutung er sich wohl nicht ganz im Klaren sei. Ist wohl seinen jungen Jahren geschuldet. Ein Palästinensertuch, so meinte die Gesalbte unmissverständlich, stehe für Nationalismus, bewaffneter Kampf und Anti-Zionismus.

Daraus ist zu folgern, Israelis zumal die jüdischen, seien keine Nationalisten, kämpften ihre Angriffskriege mit Wortgefechten aus und seien überzeugte Zionisten. Die offensichtliche Verdrehung der Tatsachen kann man dem Konto "hohes Alter" der Ex-Vorsitzenden des Zentralrates zuschreiben.

Im späten 19. Jahrhundert entstand eine Bewegung unter dem Namen Zionismus mit dem Ziel, einen jüdischen Staat in Palästina einzurichten, das damals zum ottomanischen Reich gehörte. Als ein Ergebnis des Ersten Weltkriegs wurde das ottomanische Reich aufgelöst und Großbritannien und Frankreich mauschelten untereinander über die Aufteilung der Beutegebiete. Die Briten wurden die Okkupationsmacht in Palästina. Der Völkerbund erließ ein Mandat, das Großbritannien in dieser Rolle bestätigte.

Im Krieg hatten die Briten den arabischen Nationen die Unabhängigkeit versprochen als Gegenleistung für ihre Kooperation im Kampf gegen die ottomanischen Türken. Gleichzeitig erklärten die Briten ihre Unterstützung für das Ziel des Zionismus, eine „nationale Heimat“ für die Juden einzurichten, und erlaubten jüdische Einwanderung nach Palästina.

Die zionistischen Absichten fanden keinen guten Anklang bei der Mehrheit der arabischen Bewohner Palästinas. Die arabischen Staaten schlugen vor, dass die Unabhängigkeit Palästinas anerkannt und eine demokratische Regierung eingerichtet werden sollte, in der auch Vertreter der jüdischen Minderheit vertreten sein sollten. Diese Lösung wurde aber sowohl von den Zionisten als auch von den Briten abgelehnt, deren jeweilige Führungen feststellten, dass das zionistische Projekt nur mit Waffengewalt realisiert werden konnte.

Als die jüdische Immigration anhielt und Araber von ihrem Land verdrängt wurden, kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen den beiden Gruppierungen. 1921 zum Beispiel kam es zu Ausschreitungen und Araber griffen jüdische Wohngebiete an, und im Jahr 1929 brachten Araber in Hebron Juden um.

Zionistische terroristische Organisationen gingen nicht nur gegen Araber los, sondern auch gegen die Briten, wie etwa bei der Sprengung des König David-Hotels 1946. Diese Attacke wurde ausgeführt von der Irgun, deren Führer Menachem Begin später israelischer Premierminister werden sollte.
Der Zionismus ist eine politisch-imperialistische Bewegung, gegen die zu sein nichts ehrenrühriges ist. Oder will Frau Knopfloch jetzt politische Bewegungen, wenn sie denn, nach ihrer Auffassung, jüdische Ziele verfolgen unter Artenschutz stellen? Wie schützt man sich vor soviel Begeisterungswillen der guten Frau, "jungen Menschen freiheitliche Demokratie zu vermitteln"?

Zur Information: Das Ergebnis einer neuen Untersuchung durch die Europäische Kommission zeigt, dass Israel von den Europäern in 15 Ländern als die größte Bedrohung für den Weltfrieden angesehen wird, größer als durch Nordkorea, Iran oder Afghanistan. Das Ergebnis zeigt einen beachtenswerten Durchblick der Menschen hinter die Ränkespiele "großer Politik", trotz eines Trommelfeuers massmedialer Desinformation. Gerade jetzt, in diesem Augenblick, wirbt Israel fanatisch für einen Krieg gegen den Iran. Lose, unbewiesene Beschuldigungen sollen die Welt in ein neues Abenteuer stürzen, dessen Ende nicht abzuschätzen ist.

FH

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