Mittwoch, 28. Dezember 2011

China - die leise Großmacht

Mowitz
Während die westlichen Imperialisten unter ihrem Leader, den USA, den einen Krieg nach dem andern vom Zaun brechen, und damit den Hass der von ihren Kriegen Betroffenen auf sich ziehen, baut China seine globale Führungsrolle ruhig und zielbewusst, mit Geschick und Umsicht, friedlich weiter aus.

China investiert in erdölreichen Ländern; die Vereinigten Staaten überfallen sie. China verkauft Teller und Schüsseln für afghanische Hochzeitsbankette; US-Drohnen bombardieren diese Feiern. China investiert auch in die Rohstoffgewinnung, aber anders als die europäischen Kolonialmächte baut es Eisenbahnen, Häfen und Flugplätze und stellt günstige Kredite zur Verfügung. China finanziert keine ethnischen Kriege oder "bunten Revolutionen" und beliefert sie auch nicht mit Waffen – wie die CIA der Vereinigten Staaten. China verleiht mittlerweile mehr Geld an Afrika als die Weltbank – und zu viel besseren Bedingungen. [0] China finanziert sein Wachstum, seinen Handel und sein Transport-System selbst; die USA ersticken unter einer Schuldenlast von vielen Billionen Dollars, die sie zur Finanzierung ihrer Kriege aufgehäuft haben, entschulden die Wall Street und stützen andere unproduktive Sektoren, während viele Millionen Menschen ohne Jobs bleiben. [1]

Das EhNaMag beklagt: "Der Westen bereitet seinen Abzug vom Hindukusch vor, die Chinesen übernehmen: Investoren aus der Volksrepublik wollen von den Bodenschätzen Afghanistans profitieren. Nun hat der staatliche Ölkonzern sich das erste Förderabkommen in dem rohstoffreichen Land gesichert." [2] und gesteht zum ersten Mal ein, dass neben der geostrategischen Lage Afghanistans auch Bodenschätze dort die westliche Phantasie beflügelte, als man seiner "Sorge" über die Lage der afghanischen Frauen endlich Taten folgen ließ, 9/11 inszenierte und in Afghanistan einmarschierte. Damals machte man noch Bin Laden und Saddam Hussein dafür verantwortlich, heute bemüht man, in Mangel an Beweisen, die heimische Gerichtsbarkeit, um mit neu erfundenen Kriegsgründen den Iran demselben Schicksal zuzuführen wie den Irak.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Der Bericht beruht auf einem Informationspaket von mehr als 1.000 Seiten, das der IAEA bereits im Jahr 2005 von einem US-Geheimdienst übergeben wurde; die Informationen sollen aus einem Laptop stammen, das der Geheimdienst ein Jahr vorher erhalten haben will. Die tiefe Skepsis, die bereits damals in Bezug auf die Glaubwürdigkeit der Dokumente bestand, ist aber geblieben; der Iran hat von Anfang an darauf bestanden, dass es sich um Fälschungen feindlicher Geheimdienste handelt, trotz wiederholter Versuche der IAEA, die Daten zu verifizieren und die Zweifel zu zerstreuen. [3]

2006 schloss Gaddafi mit der Bush-Administration ein Abkommen, mit dem er seinen Geheimdienst der CIA unterstellte. Unter diesem Abkommen war es der amerikanische Geheimdienst, der die Vorgänge in Libyen stark beeinflusste. Das bedeutet, dass Libyen auf das Pferd der Vereinigten Staaten von Amerika gesetzt hatte gegen das Tandem China/Russland. Als sich dann die Gelegenheit ergab, präsentierten Peking und Moskau Gaddafi und Gbagbo die Rechnung für diese strategischen Fehler. In Peking nennt man das Lernen durch Erfahrung.

Die Lektion, dass wir uns für eine Seite entscheiden müssen, wird jetzt in vielen afrikanischen Hauptstädten gut verstanden. Schon lange wurde sie verstanden in Harare und Khartoum, und seit kurzem in Yaoundé, wo man sich offen für China entschieden hat. In Kamerun zum Beispiel werden sechs ranghohe Mitglieder der Armee in China ausgebildet, auch die neuen Waffen, mit denen die Armee ausgerüstet wird, kommen aus China, obwohl Paris darüber verärgert ist. Indem es so handelt, weiß Yaoundé, dass es das Szenario von Côte d'Ivoire vermeidet, da es mit einer großen Macht verlinkt ist, die in der Lage ist, es vor Paris und Washington zu schützen in Krisen aller Art, die die wahrscheinliche Beteiligung der Vereinten Nationen hervorrufen würden, die ja immer auf der Seite der Vereinigten Staaten von Amerika und des Westens stehen. [4]

Anstatt friedliche und auch berechtigte Interessenpolitik zu betreiben, fällt uns nichts anderes ein als die Untugenden des kolonialen Imperialismus verstärkt zu bemühen. Wobei westliche Destabilisierungsanstrengungen auf Sicht kläglich scheitern werden.

Während sich die einen von einem unproduktiven Abenteuer [5] ins andere stürzen, basteln die zweit- und drittgrößten Volkswirtschaften der Welt, über ideologische Grenzen hinweg, an einem Währungsabkommen, welches die Rolle des US-Dollar als Weltleitwährung schwächen und entscheidend infrage stellen könnte. [6] Wenn das geschieht, bleibt den USA nur noch die US-Armee um ihre Haut zu retten. Das könnte dann endgültig zum Ende [7] der menschlichen Zivilisation führen.

FH


Fußnoten

[0] China verleiht mittlerweile mehr Geld an Afrika als die Weltbank – und zu viel besseren Bedingungen
[1] Die USA und China: ein Verlierer und der Gewinner
[2] China sichert sich Ölfeld in Afghanistan
[3] Die Politisierung der IAEA wird sich rächen
[4] China in Afrika – ein Gegengewicht zum Westen
[5] Iran droht mit Sperre der wichtigsten Ölhandelsroute
[6] China und Japan schmieden Devisenpakt
[7] Chinesischer Staatspräsident: Falls die USA oder andere Länder den Iran angreifen, wird China sich mit direkten und sofortigen Militärmaßnahmen in den Krieg einschalten.


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